Tagebuch einer Lady auf dem Lande

Autor: E.M. Delafield
DT: Tagebuch einer Lady auf dem Lande
OT: Diary of a provincial lady
Genre: Erzählung
Ersterscheinung: 1930
Verlag: Manhatten
Preis: 6.99 Euro
Länge: 208 Seiten
ISBN: 978-3442546916

Südengland in den dreißiger Jahren: mitten auf dem Lande schreibt eine Lady ihr Tagebuch, schildert alltäglich Verzweiflung an den spießigen Nachbarn,  Zynismus an der reichen Lady, die sie beneidet, Ernüchterung an ihrem Nichtsnutz an Ehemann und ihren Geldsorgen.

Bei diesem Buch spüre ich ein ähnliches Gefühl wie bei Timur Vermes‘ „Er ist wieder da“ – ich wollte es wirklich mögen, ich habe die ersten 100 Seiten auch genossen und gut gelacht und oft geschmunzelt über die bissigen Bemerkungen der Lady, doch irgendwann war es einfach nur immer wieder dasselbe (zum Glück ist es ein kurzes Buch) mit einem merkwürdig abrupten, unbefriedigendem Ende.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Einträge wunderbar lustig als tägliche Glosse sind und auch wirklich gut das Gefühl und die Dekadenz des Landadels in dieser sich stark wandelnden Zeit darstellt, aber so wiederholend, wie es geschrieben ist – auch wenn ich einsehe, dass diese Leben auf dem Land mindestens genauso wiederholend ist – langweilt es nach einer Weile und verliert den Esprit den es hatte. Um es gerade heraus zu sagen, so vielversprechend, wie es anfing, habe ich wirklich mehr erwartet.

Dabei fällt es recht scher mit überhaupt einer der Personen zu sympathisieren, weil alles so hochgestochen und teils auch sehr falsch schein und unsere Protagonistin auch einige Fehler hat – wie sich selbst stets als das Opfer anzusehen -, welche die wenigen Sympathiefunken wettmachen. Auch wenn es zu den modernen Klassikern gehört und ich die Weitsicht und den Hauch von modernen Ansichten in einer altmodischen Gegend erkannt habe, denke ich keinesfalls, dass es ein Buch ist, dass man gelesen haben muss.

Zu dieser Ausgabe: Selten hat mich eine Ausgabe so aufgeregt wie diese. Nicht nur ist dieses in keinerlei Weise passendes Cover eine optische Beleidigung, sondern die Idee die Übersetzungen die französischen Sätze Mademoiselles in einen Anhang (und nicht mal alles zu übersetzten, sondern nur längere Sätze oder ganz inkonsequent dann und dann einzelne Wörter) zu stecken. Ich spreche leider kein Französisch und fand es entsprechend sehr nervig ständig blättern zu müssen – Der Gebrauch von Fußnoten war wohl nicht bekannt.

THE VERDICT: Ein klassischer Fall der U-Bahn-Lektüre: flott, kurzweilig, recht amüsant, aber leider nicht nachhaltig beeindruckend und oft wiederholend. Ich hatte mehr erhofft! 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

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