Rebecca

Anlässlich meines 3 jährigen Blog-Geburtstages (Himmel, wie die Zeit vergeht!) möchte ich gerne ein Buch vorstellen, dass ich kürzlich gelesen und genossen habe: Rebecca von Daphne du Maurier –  ein modernen Klassiker.

Autor: Daphne du Maurier
OT: Rebecca
DT: Rebecca
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1938
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 3-426-60542-2 (Ausgabe 1996)
Länge: 397 Seiten

Unsere junge Protagonistin, deren Name über die Geschichte nie bekannt wird, lebt mit einer schrecklichen älteren Dame in einem Hotel in Monte Carlo als ihre Gesellschafterin. Alles ändert sich jedoch, als Maxim de Winter, ein 40 jähriger Witwer, dort eintrifft und sich die junge Frau und er rasch verlieben und er sie binnen weniger Tage fragt, ob sie ihn heiraten will. Nach einer kurzen Hochzeitsreise nimmt er sie mit auf sein englisches Anwesen Manderley, doch schnell wird klar, dass seine unter mysteriösen Umständen Verstorbene Frau Rebecca noch immer im Haus präsent ist.

Die Schriftstellerin, die vielleicht einige von uns in Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“ das Staunen und Gruseln gelehrt hat, beweist in „Rebecca“ hohes schriftstellerisches Können, nicht nur schafft sie es, die Protagonistin nach und nach komplett paranoid zu machen, sondern man selbst weiß nicht, wem oder was man trauen kann. Dabei ist die Protagonistin eine zarte und sehr schüchterne junge Frau (und manchmal leider, auf Grund mangelnder Lebenserfahrung, mangelndem Selbstbewusstsein und Einschüchterung ein bisschen eine „dumme Gans“), deren Charakter sich überzeugend mitentwickelt und man meist gut mit ihr sympathisieren kann, aber auch teils etwas genervt ist, in diesem unheimlichen Haushalt.

Der Haushalt mit seinen vielen kleinen Nebenrollen ist mit mindestens genausoviel Liebe zum Detail von Maurier geschrieben und gezeichnet worden, was dem ganzen Buch eine unglaubliche Überzeugungskraft, psychologische Gerissenheit und Lebendigkeit gibt.

Dieser Roman ist ein wenig wie die gefürchtete Schatulle der Pandora: Erst einmal geöffnet, ist der weitere Verlauf unaufhaltsam und man liest eine Seite nach der anderen und hat stets das Schlimmste zu befürchten. Ohne Spoilern zu wollen: Dieser Roman lebt förmlich von seinen Drehungen und Wendungen, die einen teils eiskalt erwischen. Spannend wie ein Thriller und geistreich wie ein Klassiker mit einigen Zügen einer Romanze. Es ist wirklich schön, wie mehrere Genres in „Rebecca“ aufeinandertreffen, jedoch muss ich gestehen, dass der romantische Teil ein wenig dünn war.

Bei längerem Überlegen fiel mir allerdings auch auf, dass mir das alte unheimliche Haus, die verstorbene Frau, die aber noch immer präsent ist und das junge, zarte Mädchen bekannt vor kamen – auch Charlotte Brontës Meisterwerk „Jane Eyre“ . Knapp gesagt, könnte man meinen „Rebecca“ sei eine deutlich gruseliger und dafür weniger romantische Version einer ähnlichen Grundidee. Vom Lesegefühl, Schreibstil und der Persönlichkeiten der Hauptfiguren sind die beiden Geschichten jedoch Grundverschieden und auf jeden Fall lebenswert.
Natürlich schwingt hier eine wichtige Frage mit: Welches der Bücher gefällt mir besser? Es fällt mir nicht schwer mich zu positionieren: Jane Eyre glänzt durch angenehmere Charaktere und statt Grusel berührt es tief im Herzen.

Meine Empfehlung: Wer nicht wirklich weiß, wovon Rebecca handelt, den Film oder das Musical noch nicht gesehen hat – Hände weg, lasst euch überraschen!

Als einen kleinen Nachteil empfand ich das Ende, welches ich nicht inhaltlich erwähnen werde, um spoilerfei zu bleiben, welches meines Erachtens nach sehr abrupt und plötzlich kam, denn auch ein offenes Ende muss nicht so wortkarg geschrieben werden, um offen zu bleiben.

THE VERDICT: Ein extrem spannendes, unheimliches Buch, welches mit seiner Unberechenbarkeit einen sofort in einen Sog zieht. Eine literarisch-psychologischer Hochgenuss, den ich nur empfehlen kann! Einen kleinen Abzug gibt es, da mich der romantische Teil nicht vollständig überzeugen konnte. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

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