Komm her und lass dich küssen

Autor: Griet Op de Beeck
OT: Kom hier dat ik u kus
DT: Komm her und lass dich küssen
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (NL): 2014
Verlag: btb Verlag
ISBN: 978-3-442-71443-8
Länge: 448 Seiten

Achtung: Diese Rezension enthält am Ende einen kleinen Spoiler

Mona ist gerade erst neun, als ihre Mutter bei einem Autounfall stirbt und kaum ein Jahr später heiratet ihr Vater eine jüngere Frau, Marie. Für Mona und ihren Bruder Alexander beginnt ein neues Familienleben. In drei Teilen wird Monas Verlauf von einem Mädchen Ende der 70er, zu einer jungen Frau Anfang der 90er, die sich versucht als Dramaturgin zu etablieren und einer Erwachsenen in ihren in den 2000ern.

Schon in der Inhaltsangabe zeigt sich, dass dieses Buch definitiv kein leichter Happen ist, sondern ein sehr beklemmendes Portrait von der Entwicklung eines Mädchens zu einer jungen und schließlich erwachsenen Frau und ihrer Familie. Dabei werden schmerzhafte Themen ausgegraben und beobachtet, wie der Verlust von Monas leiblicher Mutter und dem späteren Schweigen über die Verstorbene, was erschreckend authentisch ist.

Als problematisch und entsprechend enttäuschend fand ich, dass das Buch oft an der Oberfläche blieb, doch gerade da, wo die Familie so still scheint von außen, gerade dort brodelt es doch meistens. Dabei sind die Eindrücke und Probleme, die geschildert werden durchaus sehr lebensnah und realistisch. Erfahrungen, wie das Glück des anderen, den man beneidet und eine stagnierende Karriere, die viele Menschen in ihrem Leben früher oder später durchmachen. So gesehen ist „Komm her und lass dich küssen“ mit seinem wunderbar provokanten Titel ein sehr realistisches Buch- Die Erzählerin geht jedoch leider nicht ins Innere des Geschehens, sondern bleibt beobachtend, nie erörternd, mit einem recht nüchternen Blick, was für ein schweres Gefühl im Bauch sorgt, denn die Tiefe, emotional und inhaltlich fehlt.

Sprachlich gesehen habe ich ein ambivalentes Gefühl, zum einen habe ich den ersten Teil des Buches sehr geschätzt: Mona, um die 9 Jahre, geschrieben wie von einem Kind persönlich, jemanden dieses Alters. Man war ihr nah in der Verwirrtheit ihrer Kindheit und ihrer Gefühle zu den Geschehnissen und ward Teil ihrer Gedanken. Wichtige Konflikte dieses Alters aber auch dieser Zeit – Ende der 70er – wurden aufgeworfen und thematisiert und auch, wenn es eher traurig war, gefiel mir diese Authentizität. An dieser Stelle habe ich auch das Buch wahrlich verschlungen. Schade nur, dass es so nicht in den beiden anderen Teilen verläuft, es gibt mehr Stillstand als Bewegung. Und ich sehe, dass gerade dieser Stillstand im Leben so beeinträchtigend und deprimierend der Kern dieses Buches ist, aber dennoch gefällt mir diese klaustrophobische Umsetzung nicht. Statt mich mitzureißen, war ich eher beunruhigt und manchmal verstört und wartete darauf, was mir diese Geschichte eigentlich sagen möchte, denn meiner Meinung nach ist der Kern eines Entwicklungsromans, mit lernen zu können.

Das Buch ließ sich flott lesen, was mir gut gefallen hat. Das Tempo war zum Ende etwas langsamer, aber insgesamt war es ein recht schneller Roman nicht gutem Lesefluss, was den dritten teil, mit dem ich mich leider nicht anfreunden konnte, erträglicher gemacht hat.

Es gefällt mir, wie wichtige Themen bezüglich der Entwicklung in der Kindheit besprochen werden, das auch schwere und harte Themen zu Tage kommen.  Später wird es zunehmend grausamer: Verwirklichung von einem Selbst, Verlust, Angst, Neid, dem Gefühl nicht zu wissen, wo man hingehört, in einer schwierigen Partnerschaft zu stecken, sich selbst etwas vormachen. Es ist beeindruckend, wie diese Themen fast schon grausam gewählt und behandelt werden und definitiv zum Nachdenken anregen, aber – ob es nun an der Übersetzung liegt oder generell an dem Stil der Autorin – es konnte mich nicht wirklich treffen. Oft wirkten die Beschreibungen falsch gewählt, eine missglückte Wortwahl dämpfte die eigentliche Emotionalität, hinderte an Tiefgang und machte manche Momente fast schon lächerlich. Leider hat dies für mich das Lesen dieser bedrückenden Geschichte in Teil 2 und 3 eher unangenehm gemacht, was mich enttäuscht, da der Anfang so vielversprechend war.

ACHTUNG SPOILER! Zu guter letzt möchte ich anmerken, dass ich große Probleme mit den letzten Seiten hatte, da sie auf eine sehr detaillierte Weise – was sonst im Buch mir gefehlt hat – das langsame Ableben eines Menschen beschreiben, vom Todesröcheln übers langsam Blau anlaufen, was für mich einfach zu viel war, da es doch gruselig; zu detailliert und schrecklich zu lesen war und es mir dabei nicht gut ging. Ich würde mit Bauchschmerzen und einem mulmigen Gefühl hinterlassen. ENDE SPOILER!

THE VERDICT: Ein großartiger Anfang, der leider nicht so fortgesetzt wurde und zu einem an der Oberfläche bleibenden und traurigem Buch mutiert. Wichtige Themen werden angebracht und beobachtet, können sprachlich allerdings nicht der eigentlichen Emotionalität gerecht werden, wodurch die Darstellung sich recht merkwürdig liest. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Ein großes Dankeschön an das Blogger Portal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

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Charlotte – Leben? Oder Theater?

Autor: David Foenkinos
OT: Charlotte
DT: Charlotte
Genre: Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014, Frankreich
Verlag: Penguin Verlag
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-328-10022-5
Länge: 237 Seiten

Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943)

Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt.

Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu.

Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt?

Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas.

Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend.

Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

THE VERDICT: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Duchess

OT: The Duchess
DT: Die Herzogin
Cast: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Dominic Cooper, Haylay Atwell
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Andres Thomas Jensen, Jeffrey Hatcher, Saul Dibb
Musik: Rachel Portman
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Basierend auf dem Leben der Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire
Ausgezeichnet mit einem Oscar für das Beste Kostümdesign.

Georgiana Spencer wird gerade mit 17 Jahren mit  deutlich älteren Lord William Cavendish, Duke of Devonshire verheiratet. Die lebhafte junge Frau führt jedoch ein recht tristes Leben mit dem kühlen und distanzierten Herzog auf seinem Anwesen. Dass sie nicht sofort einen Jungen, sondern ein Mädchen zur Welt bringt, zerrüttet ihr Verhältnis noch mehr. Als Georgiana jedoch in Bath Lady Elisabth Foster kennenlernt, erfreut dies ihren Mann auf verdächtige Weise.

Traurig, dramatisch und optisch mitreißend ist dieses Portrait der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und zeigt, wie Männer praktisch jede Grausamkeit anwenden können und damit durchkommen, während der kleinste Fehler einer Frau schon zum Verbrechen wird – wie beispielsweise Mädchen zu bekommen, anstelle eines Erbens.

Was einem natürlich als erstens ins Auge sticht, ist wie opulent und anregend der Film gestaltet ist, die Kostüme sind ein Traum, das ganze Setting ein Augenschmaus – schon dafür lohnt es sich, in den Film hineinzuschauen. Nicht umsonst gewann Michael O’Connor den Oscar für das Beste Kostümdesign.

Wie in jedem Kostümfilm glänzt Keira Knightley in ihrer Rolle – auch hier als Georgiana. Sie spielt die fröhliche, die erschütterte, die verliebte, die naive, die kämpferische – ja, jede Emotion überzeugend. Ich muss einfach zugeben, dass ich sie in diesem Genre am liebsten sehe. Die Verfilmung über die faszinierende Persönlichkeit Georgiana Cavendish informiert, fasziniert und macht neugierig, mehr über diese Frau zu erfahren, die es geschafft hat, sogar die Politik zu beeinflussen und die Whig-Partei zu fördern.  Knightleys Leistung in diesem Film zeigt, dass man sie  bloß nicht als Sweetheart in Liebesfilmen abschreiben soll, sondern dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist, die man ruhig ernster nehmen kann.

Ralph Fiennes (den ich manchmal echt gerne zum Ausgleich in freundlichen Rollen sehen würde), beweist hier, wie unglaublich unsympathisch, abartig und verhasst er einem werden kann. Ich schätze ihn unglaublich in diesen dunklen Rollen, auch wenn ich mich die ganze Zeit über die Rolle aufrege, weil er sie einfach so überzeugend spielt. Er ist hervorragend in der Rolle des passiv-agressiven Mannes.

Rachel Portman bleibt auch in diesem Film ihrem Stil treu, es ist bemerkenswert wie man ihre Stücke fast immer wiedererkennt: Die melancholischen Streicher stehen wie immer im Vordergrund. Die Musik ist – wie leider auch Georgianas Leben – recht düster und nur mit kleinen Lichtblicken versehen. Das musikalische Thema steht hier stark im Vordergrund und lässt sich durch den gesamten Soundtrack wiederfinden, schafft es aber, nicht eintönig zu klingen. Wie immer tolle Leistung!

Schade finde ich, was ich allerdings nur im Nachhinein beim erstellen dieser Rezension gelesen habe, ist dass der Film u.a. damit beworben wurde, dass Prinzessin Diana eine Nachfahrin Cavendishs war und sie verbunden im Schicksal seien, was ein ziemlich gruseliger und geschmackloser Vergleich ist, der vollkommen fehl am Platz ist. Der Film hat es wirklich nicht nötig, damit zu werben.

Ein weiterer, großartiger  Film des Regisseurs Saul Dibb ist „Suite Française“, den ich jedem, der Dramatik und traurig-zarte Liebesgeschichten mag, sehr ans Herz legen kann.

THE VERDICT: Ein optisch sehr ansprechendes Portrait von Georgiana Cavendish mit zwei guten Hauptdarstellern, welche die Dramatik des Lebens dieser Frau auf den Punkt bringen und ein Film, der neugierig macht, mehr von dieser faszinierenden Frau zu erfahren. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Der Leuchturm und das Kind

Autor: M.L. Stedman
OT: The Light Between Oceans
Genre: Drama
Sprache: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Scribner / Simon and Schuster
Preis: 17 US Dollar
ISBN: 978-1-4516-8175-8
Länge: 345 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“ erschienen.

„The light between oceans“ erschien gleichnamig 2016 als Film mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

Als Tom Sherbourne nach Jahren an der Front des Ersten Weltkrieges, eine Stelle als Leuchtturmwärter auf der Insel Janus Rock erhält, verfolgen ihn noch immer traurige Erinnerungen. Dann und wann fährt ein Boot ihn zur Küste, in den nächstgelegene Stadt Partageuse, wo er eines Tages die junge Isabel Greysmark kennenlernt. Auf eine ganz besondere Weise schafft sie es wieder, das Totgeglaubte in ihm zum Leben zu erwecken. Bald heiraten sie und ziehen gemeinsam auf die isolierte Insel. Isabel wünscht sich neben ihrem geliebten Mann unbedingt ein Kind und träumt davon, als Mutter aufzublühen, doch nach zwei Fehlgeburten, ist sie nicht mehr die alte. Als jedoch eines Tages auf mysteriöse Weise in einem Boot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, weiß Isabel, dass das ein Zeichen Gottes ist und so tauft sie das Kind liebevoll Lucy. Tom hingegen plagen schreckliche Schuldgefühle, besonders als sich herausstellt, dass eine Frau namens Hannah Roennfeld auf dem Land ihren Mann und ihr Baby vermisst…

Wer vielleicht den Trailer der Verfilmung gesehen haben mag, wird glauben, dass der Plottwist in meiner Zusammenfassung schon gesagt worden ist – so ist es definitiv nicht. Im Grunde erledigt sich diese Vorgeschichte auf gut ein drittel des Buches und wird ziemlich schnell angedeutet und bildet somit den Grundstein für dieses Drama.

M.L. Stedmans Roman ist in drei Teile gegliedert: Zum einen das herrlich romantische und zarte Zusammentreffen von Tom und Isabel, welches sich beim Lesen anfühlt, als sie man selbst verliebt.
Im zweiten Teil deutet sich die Tragödie an und bildet die zwei Seiten, zwischen denen Tom steht und verzweifelt versucht die Gerechtere zu finden: Seine Frau, die von nichts mehr träumt, als eigene Kinder zu haben, allerdings keine haben kann und ohne Lucy in eine schwere Depression fallen würde und Hannah, die Tochter eines reichen Tycoons, die einen Deutschen geheiratet hat, welcher von der ganzen Stadt gehasst und auf das Meer getrieben wurde, da er von wütenden Veteranen verfolgt wurde und seither samt Kind aus ihrem Leben gerissen wurde.
Im dritten schließlich, nun, ich will nicht spoilern.

Besonders durch den Schreibstil werden die schönen Momente wie in leuchtendem Licht darstellt, die Kargheit eines Insellebens genauso trocken ausgedrückt und irgendwo dazwischen liegt eine seltsame Grundstimmung, welche sich wie ein Gewitter aufbaut.

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Das fiese an dem Roman ist, dass aus diesen drei Perspektiven geschrieben wird und man sich sehr gut in Isabel, Tom und Hannah hineinversetzten kann, da man von jeder Figur ihre Wünsche, Gedanken, Hoffnungen und Gefühle direkt mitbekommt und der Roman dadurch nicht nur inhaltlich grausam tragisch ist, sondern auch der*die Lesende selbst, weil es unfassbar schwer ist, selbst zu entscheiden, mit wem man sympathisieren soll. M.L. Stedman hat ein Drama von einem sehr authentischen Gefühlschaos mit viel Tiefe konstruiert und ist dabei keineswegs kitschig, sondern strikt und knallhart. Was die Charaktere besonders real macht, ist die Tatsache, dass sie alle ihre Ecken und Kanten haben und stellenweise auch ziemlich unsympathisch seien können.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist dramatisch aufgebaut wie eine griechische Tragödien, nur mit dem Unterschied, dass nicht alle am Ende sterben – stattdessen ist das eigene Herz gebrochen und einige Tränen vergossen.

Insofern lässt es sich nicht anders ausdrücken, als zu sagen, wer diese Art von Roman lesen will, muss schon masochistisch verlangt sein (zumindest lesetechnisch), weil es einfach nur unglaublich wehtut, verzweifelt und hilflos dieser drei Schicksale ausgeliefert zu sein.
Ich habe dem ersten Teil des Buches für seine besonders zarte Seite sehr geliebt, doch im tragischen Teil wurde es mir manchmal auch einfach zu viel, ich war den endlosen Kreisbewegungen der Frage um das Kind einfach nervlich nicht gewachsen.

Die Kehrseite dieses sprachlich auch sehr ungewöhnlichen Romans, zeigt sich im dritten Teil, wo das hin und her von Lucys Schicksal doch deutlich langatmiger ist, als die ersten beiden Teile des Romans. Hier muss man sich als Lesende*r als geduldig erweisen und durchhalten, was echt schade ist, da das den Spannungsbogen ziemlich senkt.

THE VERDICT: Ein tragischer, trauriger, das Herz zerschmetternder Roman, der sich zweiweise echt hinzieht, aber auch zu Tränen rührt und im Innersten schmerzt. Zusammenfassend war es teils einfach zu viel für mich. Deshalb gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Suite française

OT: Suite française
DT: Suite française – Melodie der Liebe
Cast: Michelle Williams, Kristin Scott Thomas, Matthias Schoenaerts, Margot Robbie, Ruth Wilson, Tom Schilling
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Matt Charman
Musik: Rael Jones
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irène Némirovsky.

Frankreich im Sommer 1940 während der deutschen Besatzung: Die junge Lucile Angellier lebt unter der Obhut ihrer dominanten Schwiegermutter Madame Angellier. Ihr Ehemann ist im Krieg und beide Frauen warten auf Nachricht von ihm, Luciles einzige Freude ist das Klavierspiel. Ihr Leben ändert sich dramatisch, als Pariser Flüchtlinge im Dorf eintreffen – bald gefolgt von einem deutschen Regiment, das in dem kleinen Ort stationiert wird. Viele Einwohner müssen Soldaten bei sich aufnehmen. Der deutsche Offizier Bruno von Falk wird im Hause der Familie Angellier einquartiert. Lucile versucht den attraktiven und kultivierten Bruno zu ignorieren doch schon bald kommen sich die beiden durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik näher. [Klappentext]

Ich muss gestehen, dass ich den guten Matthias Schoenaerts immer mehr lieben lerne, denn auch in diesem Film zeigt er, dass er in der Rolle des romantischen, aber nicht  kitschigen und jungen Mann mit mehrdimensionalem Charakter brilliert! Michelle Williams spielt das absolute Gegenstück zu dem Soldaten: eine ängstliche, verschlossene junge Frau. Zwar spürt man von Anfang an ein unglaubliches (in gewisser Weise geheimes) Kribbeln, doch nur ganz langsam und vorsichtig lässt sie die Annäherungsversuche des galanten Mannes zu – eine wirklich einzigartige Geschichte folgt.

Als Hintergrund ist wichtig zu wissen, dass die Autorin Irène Némirovsky leider nie die Möglichkeit hatte, ihr Werk zu beenden, weil 1942 sie nach Auschwitz deportiert wurde. Der Romanzyklus sollte insgesamt aus fünf Teilen bestehen, sie konnte allerdings nur zwei davon schreiben. Das Manuskript wurde gute 60 Jahre später wiederentdeckt und 2004 erstmal veröffentlicht.

Doch zurück zum Film: Da die zarte Liebesgeschichte besonders auf der gemeinsamen Liebe für Musik begründet wird, musste der Film zwangsläufig einen guten Soundtrack haben, um diese Liebe zu untermalen – und ich wurde nicht enttäuscht: Nostalgische, französische Chansons und zarte Streicher- und Klavierthemen, die mit ihrer melancholie unter die Haut gehen! Die andere Seite des Filmes spiegelt der Soundtrack auch wieder: das Grauen und die Angst vor der Willkür der deutschen Bestzung, sowie alltägliche Demütigung durch ganz besonders unverschämte Offiziere.

Ohne zu Spoilern, möchte ich betonen, diese Geschichte überaus tragisch und bewegend ist, und dank der grandiosen Besetzung extrem unter die Haut geht. Als ein Mensch, der relativ viele herzzerreißende Dramen gesehen hat, wie zum Beispiel „die Königin und der Leibarzt“ oder „Abbitte“ , dachte ich, eine gewisse Abhärtung bereits zu besitzen, aber die Intensität dieses Film brach mein Herz! Suite Française gehört allein durch seine unvollendete Geschichte und dem tragischen Schicksal seiner Autorin zu den erstaunlichsten und auch spannendsten Liebesgeschichten (ohne auch nur ein einziges Mal überhaupt an Kitsch heranzukommen), welche ich je gesehen habe.
In gewisser Hinsicht möchte ich hier aber auch warnen, denn ich glaube ein Film mit solch melancholischer, drückender Grundstimmung, ist nicht leicht zu verkraften und jedermanns Geschmack – vor allem durch das offene Ende, welches mir selbst zu schaffen gemacht hat.

Trotz der düsteren und tragischen Handlungen, spielt der ganze Film in einem hellen, sommerlichen Licht, was diese zarte und vorsichtige Liebesgeschichte, die eigentlich mehr eine Liebesandeutung ist, auf eine bezaubernd Art untermalt. Denn viele historisch angehauchte Filme arbeiten mit Farbfiltern, welche die Szenerie bestenfalls besonders düster wirken lassen und leider häufig erschreckend unnatürlich wirken (und ab und zu nicht passen). Hier jedoch wird mit dem natürlichen Licht eines französischen Sommers gearbeitet, es werden provinzielle Straßen in der Sonne gezeigt oder wie das satt grüne Gras in einem Blumenmeer vom Wind durchzogen wird: So entsteht eine nostalgisch, ja melancholisch und wie aus einem verzauberten, alten Traum wirkende Stimmung, welche die Gefühlstiefe ungeheuerlich betont.

THE VERDICT: Besonders tief berührend und besonders optisch wunderschön, mit zwei grandiosen Hauptdarstellern und einem Soundtrack, der nicht mehr aus dem Kopf geht, hat dieser Film mein Herz erobert – und gebrochen! 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Irisches Herz in Brooklyn

OT: Brooklyn
DT: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten
Genre: Drama, Liebesgeschichte
Cast: Saorise Ronan, Emory Gohen, Domnhall Gleeson, Julie Walters, Jim Broadbent
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Michael Brook
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

nach dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín
nominiert für 3 Oscars

Wir schreiben das Jahr 1952 in einer irischen Kleinstadt: Die junge Ellis Lacey erhält durch Hilfe ihrer Schwester Rose und dem Father Flood eine Stelle in Brooklyn und emigriert in die Vereinigten Staaten. Ihre Schwester und die verwitwete Mutter bleiben jedoch in Irland. Ellis lebt in einer Art Pension mit anderen Mädchen und erhält eine Stelle in einem örtlichen Kaufhaus, belegt gleichzeitig aber auch einen Kurs über Buchhaltung. Sie leidet an starkem Heimweh und fühlt sich verloren in der großen Stadt, bis sie eines Tages auf einem Tanzabend Tony kennenlernt. Plötzlich wird ihr Leben wieder fröhlicher, bis sie plötzlich einen Anruf ihrer Mutter erhält, dass ihre Schwester gestorben ist und sie Ellis zurück nach Irland bittet.

Es geht um die Heimat, um Familie, um die erste und vielleicht auch große Liebe, um Tod und Schmerz, Sehnsucht, Heimweh – ja, Brooklyn ist ein berührender Film und wird deshalb vielleicht als ein typischer Frauenfilm abgestempelt, weshalb ich die Idee mit meinem besten Freund in diesen Film zu gehen recht komisch fand und positiv überrascht wurde.

Die junge Saorise Ronan beweist, dass sie weitaus mehr ist, als eine Schauspielerin, die in ihrer Kindheit durch die Verfilmung von „Abbitte“ berühmt wurde. Jetzt ist sie kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene junge Frau, die mit ihrem wunderbaren irischen Akzent bezaubert und durch gefühlsvolles schauspielerisches Können besticht.
Dabei ist Ellis auf keinen fall ein platter Charakter, teils auch widersprüchlich und trifft auch nicht unbedingt Entscheidungen, die sie für den Zuschauer sympathisch machen – was gut ist, denn dadurch ist „Brooklyn“ so lebensnah und bewegend. Der Film lebt von den kleinen und großen, aber vor allem menschlichen Gefühlen.
Außerdem habe ich mich sehr über den (kurzen) Auftritt Jim Broadbents gefreut, er schafft es immer wieder ältere Männer auf eine so nette und fast schon drollige Weise darzustellen, mal ernst, mal selbstironisch.
Ein weiterer Pluspunkt sind natürlich die anderen – irischen – Schauspieler, welche durch ihren natürlichen Akzent dem Film Authenzität verleihen.

Besonders positiv sind mir neben Ronans hervorragender schauspielerischer Leistung der Soundtrack aufgefallen: Michael Brook kombiniert Irische Folklore mit melancholischen, aber auch modernen Tönen, wobei Streicher stets im Vordergrund stehen und dadurch sich das traditionell irische Thema durch den Film zieht und stets an die Heimat erinnert. Die vielen Höhen und Tiefen werden durch herzzerreißende Geigen betont und alles in einem ist es ein eher trauriger und nachdenklicher Sound, der aber das Emigieren und eine neue Heimat aufbauen mit all seinen Mühen originell untermalt.
Ganz toll sind auch die Kostüme: Volksnahe Kleidung, schlicht und bieder wie die 1950er Jahre. Es wird nicht mit typischen Rockabily-Klischees gearbeitet, sondern mit der Kleidung des Alltags.

Brooklyn ist allerdings im großen und ganzen eine Liebesgeschichte, welche durch eine mögliche Dreiecksbeziehung etwas in ein Klischee fällt, das nicht hätte seien müssen. Natürlich ist es eine Buchverfilmung und da ich dieses nicht gelesen habe, kann ich es in dem Punkt nicht bewerten, allerdings steht für mich fest, dass das letzte Drittel für mich etwas zu rosa-rot war, denn der Film ist im Großteil recht ernst und dementsprechend ist der Kontrast ziemlich groß.

THE VERDICT: Alles in einem ist „Brooklyn“ ein schöner Film mit Portionen von Wehmut, Liebe und der Bedeutung von Heimat. Vor allem punktet er durch Optik, Soundtrack und seiner Hauptdarstellerin, die der leuchtende Stern des Filmes ist. Es ist ein netter Film, den man sich an einem gemütlichen Abend ansehen kann und zu kleinen Diskussionen über Emigration verleitet, allerdings auch nicht mehr. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die Entdeckung der Unendlichkeit

OT: The Theory of Everything
DT: Die Entdeckung der Unendlichkeit
Genre: Drama
Cast: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, David Thewlis, Simon McBurney
Regie: James Marsh
Drehbuch: Anthony McCarten
Musik: Jóhann Jóhannson
Länge: ca. 123 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Basierend auf Jane Hawkings „Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking“
Ausgezeichnung mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für Eddie Redmayne
Sowie zwei Golden Globes in den Kategorien „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Filmmusik“

Das Schicksal des genialen Physikstudenten Stephen Hawking (Eddie Redmayne) scheint besiegelt, als beim 21-Jährigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Doch die Liebe zur seiner Cambridge-Kommilitonin Jane (Felicity Jones) gibt ihm neuen Lebensmut. Mit ihrer Unterstützung stürzt er sich in sein wichtigstes Projekt und erforscht genau das, wovon ihm noch wenig bleibt: die Zeit. Aber kann die Liebe zwischen Stephen und Jane auch den Tod besiegen?

Ein überraschendes Gefühl, ganz alte ausstehende Rezensionen zu finden und sich zu wundern, warum man sie nicht veröffentlicht hat. Nun rücke ich mit meiner Meinung zu „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ nach.

Bereits der Trailer zum Film ist sehr vielversprechend, lädt zu einer dramatischen Liebesgeschichte ein, begleitet von der grausamen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose, die Hawkings in den Rollstuhl zwingt. Ein Kampf zwischen seiner Arbeit für die Physik und der Erkrankung beginnt. Und der Zuschauer wird nicht enttäuscht!
Bildgewaltig und mit einem unter die Haut gehenden Soundtrack wird diese traurige, aber nie hoffnungslose, kraftvolle Geschichte erzählt.
Eddie Redmayne gewann den Oscar nicht umsonst, seine Verkörperung von Hawking ist beeindruckend und erschreckend echt, er spielt den Verlauf den Krankheiterschreckend real. Auch Felicity Jones, die ich nun aus immer mehr Filmen kenne und immer mehr schätze, spielt Jane Hawing mit solch einer liebevollen, starken und warmen Kraft – eine wunderbare Besetzung!

Natürlich kann man einwenden, dass für diejenigen, die sich ein wenig mit Hawkings Leben auseinandergesetzt haben, die Geschichte romantisiert und auch nicht besonders spannend ist. Aber „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hat nicht den Anspruch, wie bei einem Krimi den Zuschauer an den Sessel zu fesseln, sondern tief im Herzen zu berühren und nachzudenken, aber vor allem, und das ist fast das schönste am Film, niemals aufzugeben.

THE VERDICT: Dieser Film ist ein überaus berührendes Meisterwerk mit hervorragenden Schauspielern, dem schicken Setting der Universität Cambridge, untermalt von einem Soundtrack mit melancholischer Ohrwurmgarantie. Allerdings finde ich ihn etwas zu romantisiert, auch wenn er sich schön als Liebesgeschichte macht. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Schiffsmeldungen

OT: The Shipping News
DT: Schiffsmeldungen
Genre: Drama
Cast: Kevin Spacey, Cate Blanchett, Judi Dench, Julianne Moore, Rhys Ifans
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Robert Nelson Jacobs, E. Annie Proulx (gleichnamiger Roman)
Musik: Christopher Young
Erscheinungsjahr: 2001
Länge: ca. 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Der scheue Drucker Quoyle (Kevin Spacey) ist ein Totalversager: Rt schiebt Frust im Job, ist für Tochter Bunny (Alyssa Gainer) ein lausiger Vater und lässt sich von seiner Frau (Cate Blanchett) jahrelang betrügen. Als sie stirbt, weiß Quoyle alleine nicht weiter. Seine schrullige Tante Agnis (Judi Dench) überredet ihn, nach Neufundland in der Heimat seiner Vorfahren zu ziehen. Langsam lernt er das ungastliche Land lieben. Er ergattert einen Job als Lokalreporter und verliebt sich in die schöne Wavey (Julianne Moore). Der Neuanfang scheint geglückt – bis Quoyle davon den Dämonen seiner Vergangenheit heimgesucht wird. [Klappentext]

Um es kurz und bündig zu machen: Dieser Film ist in jeglicher Hinsicht atemberaubend. Eine schwere, melancholische aber überaus berührende Story, gebettet in der faszinierenden Landschaft Neufundlands, den rauen Küsten und der beißend kalten Winde, trifft auf eine hochkarätige Besetzung. So viele ausgezeichnete Schauspieler! Doch ist es hier nicht ein Haufen großer Schauspieler, der den Wert des Filmes ausmacht, es ist ein Haufen großer Schauspieler, die wunderbar und sehr überzeugend interagieren. Und es ist eine wunderbare Abwechslung für alle, die Kevin Spacey als nettere Figur sehen wollen und nicht Francis Underwood.
Dazu unterstützt von einem etwas, wie soll man sagen, nordisch-keltischen Tönen von Christopher Young und fertig ist ein Meisterwerk. Ich muss zwar gestehen, dass mich der Film erst bei zweiten Sehen umgehauen hat, was allerdings eher daran liegt, dass ich ihn das erste Mal vor Jahren sah, noch deutlich jünger und vielleicht die Bedeutung und den Wert des Filmes nicht verstand. Denn so viel sei gesagt: Dies ist nicht ein Drama, das nach dem Sehen vorbei ist, vielmehr denkt man noch darüber nach, nimmt es in sich auf. Vielleicht braucht man etwas Zeit, um das Salzwasser und stürmische Gezeiten zu begreifen, aber es ist es wert!

Zudem ist es ein wunderbarer Beweis, dass Lasse Hallström nicht nur romantische Komödien oder Nicholas Sparks Verfilmungen kann – und sich meines Erachtens nach immer wieder als toller Regisseur behauptet.

THE VERDICT: Ein überaus wertvoller, berührender und sehr gut gemachter Film, den ich nur empfehlen kann und deshalb vergebe ich 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Sühne und Vergebung

DT: Abbitte
OT: Atonement
Cast: Keira Knightley, James McAvoy, Saorise Ronan, Vanessa Redgrave, Ramona Garai
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Christopher Hampton
Musik: Dario Marianelli
Länge: ca. 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2007
FSK: ab 12 Jahren

Nach dem Roman „Abbitte“ von  Ian McEwan aus 2001.

Als Briony an einem heißen Sommertag des Jahres 1935 etwas sieht, dass sie nicht versteht und auch noch einen Brief in die Hand bekommt, in dem Robbie (James McAvoy) ihrer älteren Schwester Cecilia (Keira Knightley) seine sexuellen Absichten im groben niederlegt, ist Briony verwirrt, glaubt jedoch trotz ihrer mangelnden Erfahrung die Situation beschwerten zu können und sieht hinter ihm einen Triebtäter – dabei sind Robbie und Cecilia ineinander verliebt.
Am Abend schließlich wird die Robbie beschuldigen, ihre Cousine Lola (Juno Temple)sexuell belästigt zu haben, womit sie nicht nur die zwei liebenden auseinanderreißt, sondern auch das Leben von ihnen dreien für immer verändert.

Schon dieser Auszug zeigt, dass es sich bei „Abbitte“ um keine einfache, schlicht-traurige Liebesgeschichte handelt, sondern von einer abartig schmerzhaft intensiven Tragik, die einen jeden Zuschauer eigentlich nur erschüttern kann.
Denn ein 13-Jähriges Kind – besonders zu diesen Zeiten – versteht nicht viel von Sex und als sie schließlich mit diesem verboten-geheimnisvollen damit konfrontiert wird, überfällt sie die Eifersucht ihrer Schwärmerei für Robbie. Die Folgen ihres Handelns begreift sie nicht, glaubt aber richtig mit ihrer Beschuldigung zu liegen und ist eher von ihren eigenen Gefühlen überzeugt, als von dem, was sie vielleicht gesehen hat. Der in drei Teile gegliederte Film berichtet sowohl von den Konsequenzen für die auseinandergerissenen Liebenden, als auch für Briony selbst.

So wird in „Abbitte“ nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern es werden auch philosophische, moralische Fragen behandelt, welche nur eine Qualität dieses Filmes sind. Dabei sind die 7 Oscarnomminierungen nur ein kleiner Beweis.
Zum einen sind es die überaus überzeugenden Schauspieler, insbesondere die drei Hauptdarsteller, die dem Film seine Tiefe und Überzeugungskraft geben. Obwohl man Saorise Ronan für ihre Rolle der Briony über den Ganzen Film hassen und verabscheuen kann, ist es beeindruckend, wie gut die damals 13-jährige in diesem Film, der viele sehr bekannte und gute Schauspieler, wie z.B. Vanessa Redgrave, spielt und kein bisschen in ihrer Rolle untergeht.
Was mich ein bisschen überrascht und mir beim Erstsehen vor gut 2 oder 3 Jahren nicht aufgefallen ist, ist Benedict Cumberbatch in einer kleinen, aber bedeutsamen Nebenrolle.

Für mich ist „Abbitte“ ein wunderbares Zeugnis desssen, dass eine Kooperation zwischen Joe Wright, Dario Marianelli und Keira Knightley einen ganz wunderbaren Zauber haben und immer wieder aufs neue funktionieren, ohne zu langweilen – man denke an „Anna Karenina“ oder „Stolz und Vorurteil“.
Wie gut der Film in Anbetracht dessen, dass einer Adaption ist kann ich nicht beurteilen, da ich Ian McEwans Roman nicht gelesen habe.
Auch hier untermalt die wunderbar melancholische, unfassbar tragische und bewegende Musik Dario Marianellis die Stimmung des Filmes so einzigartig und nahzu perfekt. Maßgeschneiderte Melodien, mal bitter-süße Streicher verwoben mit dem Tippen einer Schreibmaschine, mal ein Chor, welche von der so vielen Themen des Filmes zeugen – und es lohnt sich, sie außerhalb dieses Filmes zu hören, wie beispielsweise „Denoument“ Dieser tolle Soundtrack gewann 2008 den Oscar.
Auch die Kostüme, besonders das eine lange grüne Abendkleid aus Seide, welches Keira Knighltey trägt, sind wunderbar. Das Kleid wurde übrigens 2008 von der amerikanischen InStyle zum schönsten Kleid der Filmgeschichte gewählt. Jaqueline Durran war ebenfalls für die prächtigen Kostüme in Anna Karenina verantwortlich-

THE VERDICT: „Abbitte“ ist eine unfassbar tragische Liebesgeschichte, die sich mit der Frage des Verzeihens und der Schuld auseinandersetzt. Dabei leisten alle Darsteller derart tolle Arbeit, dass man fast in der Geschichte versinken glaubt, was die gute Kamera und der berührende Score nur unterstreichen. Dennoch muss gesagt werden, dass es schmerzhaft ist, ihn zu sehen und ich ihn deshalb nicht allen Filmbegeisterten empfehlen kann. Am besten ist wahrscheinlich, wenn man nach diesem schweren Stück jemanden zum Reden hat.
9 von 10 Sternen.

Love, Katha

P.S. Ich liebe Dich

DT: P.S. Ich liebe Dich
OT: P.S. I Love You
Genre: Liebesgeschichte, Drama
Cast: Hilary Swank, Gerard Butler, Lisa Kudrow, Gina Gershon, Kathy Bates
Regie: Richard LaGravensee
Drehbuch: Richard LaGravensee, Steven Rogers
Musik: John Powell
Erscheinungsjahr: 2007
Länge: ca. 126 Minuten
FSK: ab 0 Jahren
Romanadaption von Cecelia Ahrens „P.S. Ich liebe Dich“

Es war die ganz große Liebe. Holly (Hilary Swank) und Gerry (Gerard Butler) wollten ihr Leben miteinander verbringen. Doch es kommt anders: Gerry stirbt und Holly, erst 29 Jahre alt, bleibt alleine zurück. Auch ihr Leben scheint zu Ende. Sie kapselt sich ab, verlässt das Haus nicht mehr. Doch eines Tages bekommt sie einen Brief… mit Gerrys Handschrift. Es ist der erste von einer Anzahl von Briefen, die Gerry vor seinem Tod verfasst hat. Und in jedem stellt er Holly eine Aufgabe, die sie innerhalb eines Monats zu lösen hat. So beginnt für Holly ein Jahr voller Abenteuer – jedes von Gerry detailiert geplant und unterschrieben mit den Worten „P.S. Ich liebe Dich.“…[Klappentext]

Ich möchte gleich vorab sagen: den Weltbestseller habe ich nicht gelesen, insofern ist mir leider kein Vergleich möglich.
In der Stimmung mal einen Liebesfilm zu sehen, griff ich zu diesem, den wahrscheinlich fast jeder mindestens vom Hörensagen kennt, und wurde positiv überrascht! Obgleich ich kein großer Fan des Frauenschwarms Gerard Butler bin, finde ich, dass er seine Auftritte ganz gut absolviert und solide schauspielerische Leistung erbringt. Hilary Swank kannte ich noch nicht, aber ich fand sie ganz gut, zwar bin ich mir nicht sicher, ob sie mich manchmal nicht in ihrer Rolle nervte, aber das lag eher an der Rolle, als ihr selbst. Denn die traurige, verzweifelte und das Leben neu-entdeckende Witwe spielt sich doch recht überzeugend. Die Rolle ist sehr menschlich und glaubwürdig, so dass man schon anffängt irgendwie mit Holly mitzufieber, wann sie den nächsten Brief erhält, in der Hoffnung, dass es ihr bald besser geht.

Ein großes Highlight ist hier der Score von John Powell, lieblich, beschwingt und manchmal ein bisschen kitschig, aber er unterstreicht den Film dezent und schön – ich empfehle unbedingt reinzuhören!
Ein weiterer Pluspunkt ist die Stimmung des Filmes – ich gebe zu, ich finde ihn schon etwas kitschig, aber eher die Rolle des Gerry, als den Inhalt. Der Film ist jedoch nicht auf diese klebrige, nervige Art ktischig, sondern auf eine nette, angenehme und unaufdringliche -vielleicht passt das Adjektiv ‚lieblich‘ besser. Schließlich werden hier durchaus ernste, bewegende Themen, besonders das Wiederzurückfinden ins Leben, behandelt.

THE VERDICT: Es ist kein Gute-Laune-Film. Und er ist auch nicht zu kitschig, was mich wirklich überrascht hat. Zwar hat mich „P.S. Ich liebe Dich“ nicht übermäßig vom Hocker geschlagen, aber ich fand ihn schön. Wer den leicht nachdenklichen, traurig-lieblichen Liebesfilm mit einigen ernsten Noten mag, ist hier richtig. Deshalb 5 von 10 Sternen.

Love, Katha

The End of the Affair

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Autor: Graham Greene
DT: „Das Ende einer Affäre“
OT: The End of the Affair
Genre: Drama
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 1951
Verlag: dtv
Preis: 9,90€
ISBN: 978-3423127769
Länge: 256 Seiten

London 1946. Bei einem Spaziergang trifft der Romanschriftsteller Maurice Bendrix seinen alten Bekannten Henry Miles, mit dessen Frau Sarah er ein Verhältnis hatte. Zu Bendrix‘ Überraschung erweist sich der sonst so einsilbige Beamte Miles als überaus gesprächig und schüttet ihm sein Herz aus: Miles verdächtigt Sarah, eine Affäre zu haben. Brisanterweise erwartet der ratlose Ehemann ausgerechnet von Bendrix, ihm bei seinen Nachforschungen zu helfen. Und plötzlich ist der Liebhaber eifersüchtiger als der Gatte. Er beauftragt einen Detektiv, denn er selbst ist es, der unbedingt herausbekommen will, ob und wen Sarah liebt, aber vor allem, warum sie ihn damals verließ, nach jener gefährlichen Liebesnacht im Bombenhagel des Krieges.

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, um diesen Roman zu rezensieren, denn ich meine noch nie ein derart seltsames Buch gelesen zu haben. Der Leser wird aus der Perspektive des Ich-Erzählers Maurice durch die Geschichte geführt, erlebt all seine Gedanken, Gefühle und Blickwinkel, was das Buch schon sehr besonders macht. Hierbei handelt es sich weniger um den typischen Ich-Erzähler, nein, man wird wirklich Teil der Wut, des Hasses und des Selbstmitleides, in dem sich Maurice über 256 Seiten badet. Zwar ist sehr spannend, de facto alles mit zu bekommen und das gibt der Figur unheimlich Charakter, Salz und Pfeffer, endlich mal kein platter, nichtssagender Charakter – doch es ist auch anstrengend, ganz als jammere einen ständig jemand über seinen Liebeskummer die Ohren voll.
Der Schreibstil ist schön, die Worte gut gewählt aber auch sehr pathetisch und dramatisch. Ich denke, hier ist ein Punkt, an welchem viele den Roman nicht mögen, denn diese sehr selbstmitleidige, pathetische Art kann durchaus nerven – hat dennoch was lehrreiches und faszinierendes. Denn dies ist ein Punkt, welcher mir an dem Roman durchaus gefällt: Man reflektiert sehr viel, Maurice zwingt einen flrmlich, über sich selbst nachzudenken und gibt einem selbst teilweise durch eigenes, offensichtliches Fehlverhalten, die Möglichkeit zu lernen.
Auch den Einstieg in den Roman, wie er darüber philosophiert, dass man bei einem Anfang eines Buches ja einen x-beliebigen Moment aus jemandes ‚Leben‘ nehme und ob dies angemessen sei, faszinierte mich.
Dennoch bin ich etwas enttäuscht, es ist ganz, als sei die Geschichte wirklich gut gemeint, auf eine ganz neue Art und Weise ausgelegt, nichtsdestotrotz erscheinen mit diese fast 260 Seiten lang – langatmig und häufig wiederholend, was mich ziemlich störte, denn ab und an wollte ich es wirklich nur gelernt in die Ecke werfen und Maurice endlich meine Meinung sagen!

THE VERDICT:
Zusammenfassend bin ich gemischter Gefühle: Ja, ich mag den Ansatz, die Umsetzung jedoch ist sehr gewöhnungsbedürftig und dürfe nicht jedermanns Sache sein. Genauso, wie man sich mit viel Liebe und Geduld an eine Freundin mit Liebeskummer und einem Hang zur Dramatik wendet, genauso sollte man dieses Buch behandeln. Irgendwie hatte ich mir etwas mehr erhofft, deshalb 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die verlorene Zeit

OT: Die verlorene Zeit
Genre: Drama
Cast: Dagmar Manzel, Mateusz Damiecki, Alice Dwyer, Lech Mackiewicz
Regie: Anna Justice
Drehbuch: Pamela Katz
Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: ca. 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Inspiriert von wahren Ereignissen, erzählt „Die verlorene Zeit“ von einer außergwöhnlichen Liebesgeschichte zweier zerrissener Schicksale, die ihren Anfang 1944 in Polen nimmt. Der junge Tomasz Limanowski (Mateuz Damiecki) rettet seiner Geliebten Hannah Silberstein (Alice Dwyer) mit einer riskanten Flucht aus einem deutschen KZ das Leben. Doch im Chaos der letzten Kriegstage werden sie gewaltsam voneinander getrennt und sind überzeugt, der andere sei ums Leben gekommen. Über dreißig Jahre später erfährt die inzwischen in New York gut situiert lebende Hannah ganz zufällig von einer Möglichkeit, dass Tomasz noch am Leben sein könnte. Verborgene Gefühle über diese lang verdrängte Liebe kommen zum Vorschein. Sie kontaktiert den internationalen Suchdienst vom Roten Kreuz und beginnt erneut nach Tomasz zu suchen [Klappentext].

Nur zufällig entdeckte ich diesen Film in der Bibliothek, das Cover wirkte nachdenklich und traurig, doch der Titel weckte Neugier in mir, doch als ich den Klappentext durchlas, wunderte ich mich: nicht noch so eine Geschichte! Eine Liebe wird auseinandergerissen, sie verlieren sich in den Wirren des Krieges, dazu noch das Thema Nationalsozialismus – manchmal hat man all diese Filme schon ganz schön satt.
Aber nachdem ich diesen Film gesehen hatte, muss ich sagen, dass es sich lohnt, diesen zu sehen. Zugegben, der Film ist ziemlich traurig und man wird sicherlich nicht mit einem glücklichen Gefühl hinausgehen, aber dazu ist er nicht gemacht. Vielmehr handelt es sich um ein bewegendes, stilles Drama und keine laute, aufschreiende Tragödie. Es gibt ganz kleine Lichtblicke, Wolkenlöcher in zutiefst grauen Zeiten.
Die Musik dazu besteht aus ruhigen Klavierstücken, untermalt von melancholischen Streichern und untermalen den Film sehr schön! Offengestanden lege ich viel Wert auf einen guten bzw passenden Soundtrack und hier wurde ich nicht enttäuscht. Zudem ist die Farbsättigung in „Die verlorene Zeit“ etwas niedrig, was die bedrückte Stimmung gut untermalt.
Zugegeben, die Idee einer solchen Story ist nicht die originellste, aber es gibt tatsächliche solche Schicksale, insofern kann ich in Anbetracht dieses Gesichtpunktes schlecht Kritik üben. Die Umsetzung jedoch halte ich mit einer recht guten, soliden schauspielerischen Leistung für durchaus gut.

THE VERDICT: Ein melancholischer und berührender Film über eine traurige, durch Krieg zerrissene Liebe mit guten Schauspielern und einem tollen Soundtrack. Es tut vielleicht etwas weh, ihn zu sehen, denn die Dinge und Geschehnisse werden sehr realistisch dargestellt, aber wer gerne mal einen nachdenklichen Abend verbringen möchte, dem kann ich „Die verlorene Zeit“ nur empfehlen. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen

In Love With Dickens

OT: The Invisible Woman
DT: The Invisible Woman
Genre: Drama
Cast: Ralph Fiennes, Felicity Jones, Kristin Scott Thomas, Tom Hollander
Regie: Ralph Fiennes
Drehbuch: Abi Morgan
Musik: Ilan Eshkeri
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 111 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Nelly (Felicitiy Jones) wird von Erinnerungen der Vergangenheit heimgesucht. Sie entführen uns in die Zeit einer bewegten, stets gefährdeteren Beziehung zu Charles Dickens (Ralph Fiennes). Dickens – berühmt, beherrschend und erfolgsverliebt – entwickelt leidenschaftliche Gefühle für seine neue Muse Nelly, doch der Preis ist hoch: die Geheimhaltung ihrer Beziehung und für Nelly ein Leben als „unsichtbare“ Frau [Klappentext]

Ich startete den Film mit hohen Erwartungen und einer gewissen Spannung, da ich eigentlich ein Fan von Dickens bin, doch ich wurde sehr von dem Film überrascht. Zum einen, weil der Titel meines Erachtens nach irreführend ist, zum anderen, weil ich nicht genau weiß, was ich von Dickens denken soll. Er trifft Nelly, als er 45 und sie 18 Jahre alt ist und somit fast so alt wie seien Tochter Katey, aber gleichzeitig ist er auch verheiratet und gerät mit seinen Gefühlen in eine prekäre Situation. Aber Dickens wird einem keinesfalls irgendwie sympathisch, er scheint egoistisch, erfolgs- und ruhmsüchtig, und lässt seine Probleme schlichtweg auf Nelly fallen, da sie eigentlich am ehesten unter dieser Beziehung leidet. Dennoch spielt Ralph Fiennes diese recht außergewöhnliche Person faszinierend gut.
Weniger gefallen hat mir Felicity Jones, es ist viel mehr, als sei sie komplett desillusioniert und ich bekam während des Filmes weniger den Eindruck, als sei sie unsterblich verliebt – vielleicht habe ich es auch falsch verstanden?

Der Soundtrack enttäuschte mich jedoch nicht, Ilan Eshkeris Musik ist teilweise sehr dramatisch und traurig, was den Film in seiner seltsam verletzenden Wirkung unterstützt. Auch die Kostüme sind schön gehalten!

THE VERDICT: Dennoch muss ich zugeben, dass sich meine Begeisterung in Grenzen hält, die Darstellung eines doch recht fanatischen und erfolgreichen Menschen ist schwierig und gelungen, aber die Protagonistin wirkt ziemlich schwach (was durchaus auch verständlich ist, da sie sicherlich die „schwächere“ in der Beziehung ist), zu schwach und etwas blutleer. Auch ist sie gar nicht unsichtbar, vielleicht für die Gesellschaft, aber nicht in Dickens‘ Schaffen, weshalb der Titel unpassend ist. Alles in einem 3,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Ondine

OT: Ondine
DT: Ondine – das Mädchen aus dem Meer
Genre: Romanze
Cast: Colin Farrell, Alicja Bachleda-Curus, Stephen Rea
Regie: Neil Jordan
Drehbuch: Neil Jordan
Musik: Kjartan Sveinsson
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: ca. 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Dem irischen Fischer Syracuse geht eines Tages ein zauberhafter Fang ins Netz: Eine wunderschöne Frau, scheinbar ohne Vergangenheit, die bald seine Sinne und Gefühle beflügelt. Nicht nur Syracuse beginnt sich langsam Fragen über seinen geheimnisvollen Fang zu stellen, sondern auch seine Tochter ist der Wahrheit auf der Spur: Ist Ondine, das Mädchen aus dem Meer, tatsächlich eine Meerjungfrau? Eine geheimnisvolle Geschichte zwischen Krimi und Märchen beginnt sich zu entwickeln.

Der Film beginnt damit, dass Syracuse (Colin Farrell),genannt Circus angelehnt an siene Alkoholiker-Zeit, in seinem Kutter das Netz einrollen lässt und urplötzlich eine junge Frau in diesem liegt – und er bemerkt, dass sie wohl noch lebt. Er möchte ihr helfen, schlägt er Frau vor, sie in ein Krankenhaus zu bringen, doch sie wehrt panisch ab, denn sie möchte bloß nicht gesehen werden. Hier wird etwas offensichtlich, dass es irgendwo im Film eine Art „großes Geheimnis“ geben wird, aber das macht nur neugierig.
So kommt es, dass er sie in einem abgelegen Haus am Meer versteckt, in dem einst seiner Mutter wohnte.
Die Geschichte ist jedoch weniger kitschig, als der Trailer erwarten lässt (ist aber dennoch kitischig). Die Welt des kleinen irischen Dorfes hat etwas einsames, düsteres und trauriges, was besonders durch die etwas stark kontrastierte Bild verdeutlicht wird, dazu kommt eine ruhige Musik, die den Film angenehm unterstreicht. Man wird eher mit traurigen Tatsachen konfrontiert, z.B. der Nierenkrankheit seiner Tochter Annie, die regelmäßig zur Dialyse muss und im Rollstuhl sitzt. Um sie während der langen Wartezeit zu beschäftigen, erzählt er ihr die Geschichte von einer Frau, die einem Fischer ins Netz gegangen sei. Annie wird neugierig und fängt an, sich mit dem Selkie-Mythos zu beschäftigen.
Unterdessen lernen sich Syracuse und Ondine besser kennen – bis eines Tages ein fremder Mann im Dorf auftaucht und ihre Welt durcheinander bringt.

Ich hatte bisher nicht so großartige Erfahrung mit Colin Farrell (ich denke an gute drei Stunden Ödnis ist „Alexander“) , so dass dieser Film eher eine positive Überraschung war.

Was ich an dem Film zu bemängeln habe, ist eigentlich ein wenig der Aufbau der Liebesgeschichte: nun gut, sie begegnen sich, er rettet ihr Leben und irgendwie ist offensichtlich, dass die beiden sich verlieben müssen, aber anders als in anderen Filmen wird nicht deutlich, weshalb eigentlich. Ein Beispiel: Mr Rochester liebt Jane für ihren Scharfsinn, bei Gus und Hazel werden Gemeinsamkeiten deutlich, Lady Maud und Walter von Ulrich haben ähnliche Weltanschauungen usw. Aber hier in Ondine ist es etwas, als wären beide zur selben Zeit am selben Ort und ja. Dadurch verliert der sonst auch recht melancholische Film auf eine traurige Weise sein Hauptthema – etwas enttäuschend, da ich Neil Jordan eigentlich ganz gut finde.

THE VERDICT:
An sich ist es eine wirklich schöne Idee und auch die melancholisch-traurige Umsetzung mit dem irischen Setting ist gelungen, bloß empfinde ich die Liebesgeschichte als etwas flach und nicht ganz überzeugend, deshalb: 4,5 von 10 Sternen. Eigentlich Schade.

Love, Katha

Mr Morgan

OT: Mr Morgan’s Last Love
DT: Mr Morgan’s Last Love
Genre: Drama
Cast: Sir Michael Caine, Clémence Poésy, Justin Kirk, Gillian Anderson, Jane Alexander
Regie: Sandra Nettelbeck
Drehbuch: Sandra Nettelbeck, Francoise Dorner
Musik: Hans Zimmer
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Beginnend mit dem Tag, an dem Pauline (Clémence Poésy) ihm im Bus ihre Hilfe anbietet, stolpert der sture, vom Leben erschöpfte Matthew Morgan (Michael Caine) zurück ins Glück. Die Lebensfreude und der unerschütterliche Optimismus der jungen Frau erobern sein altes Herz. Auf ihren alltäglichen Abenteuern mit Spaziergängen durch Paris, Mittagessen im Park und Reisen aufs Land entdeckt das ungewöhnliche Paar zahlreiche Schätze: Freundschaft, Gemeinschaft – und die Bedeutung von Familie. Dank Pauline nähert sich Matthew zum ersten Mal seit langem wieder seinem Sohn Miles (Justin Kirk) an. Gerade rechtzeitig lernen Vater und Sohn, sich wieder gegenseitig zu respektieren – und finden beide, jeder auf seine eigene Weise, wieder Liebe und Hoffnung. [Klappentext]

Ich muss sagen, dass der Text den Film positiver und klischeehafter suggeriert, als er es denn eigentlich ist. Man hat weniger diese hoffnungsvolle feel-good-Stimmung, als eine ruhige Melancholie, die sich durch den ganzen Film zeichnet.
Denn dieser beginnt mit dem Tod von Morgans Frau, der ihm die Lebensfreude nimmt. Ab und an sieht man auch seine Frau, wenn er nachdenkt oder sich erinnert, aber nicht in der Weise, dass sie ein Geist der Vergangenheit ist, der in seinem Leben spukt, viel mehr als etwas Positives.
Zudem muss ich sagen, dass ich wirklich zufrieden mit der Synchronisation bin, denn Michael Caines Synchronstimme ist sehr angenehm und unterstreicht gut den Charakter, Sowieso spielt er die Rolle dieses alten, sturen, vielleicht emotional verwirrten und doch weisen Mannes sehr authentisch und strahlt eine unbeschreibliche ruhe aus.
Eben diese Ruhe zeichnet den Film meiner Auffassung nach auch aus, es geht um keine große Tragödie , sondern die stillen Momente, die den Film manchmal einen Hauch von Tragik verleihen – aber mehr auch nicht, Deshalb versinkt er auch nicht in Kitsch oder Klischee, was mir ziemlich gut gefällt.
Die Drehorte Paris, Bruxelles, Köln und die Bretagne, wobei das ganze nur in Paris und der Bretagne spielen soll, sind schön gewählt und jedes Mal, wenn Mr Morgan durch seinen Altbau ging und man diese Architektur von Wohnung betrachten konnte, schlug mein Herz höher. Da wird man doch glatt neidisch!

Überrascht war ich von Clémence Poésy (die ja in der Tat einen wirklich schönen Namen hat), denn ich kannte sie eigentlich nur als Model und wusste dementsprechend nicht ganz, was ich von der Besetzung halten sollte – und war positiv überrascht!

Was mir ebenfalls sehr gefallen hat, waren die Dialoge, manchmal weise und philosophisch wie z.B. das Zitat von Leonard Cohen („There is a crack in everything, that’s how the light gets in“) , dann wieder lustig, wie beispielsweise als zwei Verkäuferinnen sich über den alten Mann klischeebedient lustig machen – Franzosen, die bloß nicht englisch sprechen , beziehungsweise es vorgeben. Herrlich!

So gesehen muss ich sagen, dass mir der Film wirklich gefallen hat. Er ist ruhig, fast schon impressionistisch, die Kameraführung mochte ich aus unbeschreiblichen Gründen irgendwie genauso wie das Setting. Die Musik ist kein großer Knüller, ein ruhiger, bescheidener Hans Zimmer und zum Abschluss ein schöner Norah Jones Song. Es ist kein Film, den man zwei Mal sieht, er verleitet zum Nachdenken, stimmt aber auf eine melancholische Weise traurig – nicht wirklich hoffnungsvoll.

THE VERDICT:
Berührend, ruhig, gute Darsteller. Mir fehlt dieses gewisse etwas, was ihn prägnanter macht, doch mögen tue ich „Mr Morgan’s Last Love“ definitiv. Dementsprechend 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha