Komm her und lass dich küssen

Autor: Griet Op de Beeck
OT: Kom hier dat ik u kus
DT: Komm her und lass dich küssen
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (NL): 2014
Verlag: btb Verlag
ISBN: 978-3-442-71443-8
Länge: 448 Seiten

Achtung: Diese Rezension enthält am Ende einen kleinen Spoiler

Mona ist gerade erst neun, als ihre Mutter bei einem Autounfall stirbt und kaum ein Jahr später heiratet ihr Vater eine jüngere Frau, Marie. Für Mona und ihren Bruder Alexander beginnt ein neues Familienleben. In drei Teilen wird Monas Verlauf von einem Mädchen Ende der 70er, zu einer jungen Frau Anfang der 90er, die sich versucht als Dramaturgin zu etablieren und einer Erwachsenen in ihren in den 2000ern.

Schon in der Inhaltsangabe zeigt sich, dass dieses Buch definitiv kein leichter Happen ist, sondern ein sehr beklemmendes Portrait von der Entwicklung eines Mädchens zu einer jungen und schließlich erwachsenen Frau und ihrer Familie. Dabei werden schmerzhafte Themen ausgegraben und beobachtet, wie der Verlust von Monas leiblicher Mutter und dem späteren Schweigen über die Verstorbene, was erschreckend authentisch ist.

Als problematisch und entsprechend enttäuschend fand ich, dass das Buch oft an der Oberfläche blieb, doch gerade da, wo die Familie so still scheint von außen, gerade dort brodelt es doch meistens. Dabei sind die Eindrücke und Probleme, die geschildert werden durchaus sehr lebensnah und realistisch. Erfahrungen, wie das Glück des anderen, den man beneidet und eine stagnierende Karriere, die viele Menschen in ihrem Leben früher oder später durchmachen. So gesehen ist „Komm her und lass dich küssen“ mit seinem wunderbar provokanten Titel ein sehr realistisches Buch- Die Erzählerin geht jedoch leider nicht ins Innere des Geschehens, sondern bleibt beobachtend, nie erörternd, mit einem recht nüchternen Blick, was für ein schweres Gefühl im Bauch sorgt, denn die Tiefe, emotional und inhaltlich fehlt.

Sprachlich gesehen habe ich ein ambivalentes Gefühl, zum einen habe ich den ersten Teil des Buches sehr geschätzt: Mona, um die 9 Jahre, geschrieben wie von einem Kind persönlich, jemanden dieses Alters. Man war ihr nah in der Verwirrtheit ihrer Kindheit und ihrer Gefühle zu den Geschehnissen und ward Teil ihrer Gedanken. Wichtige Konflikte dieses Alters aber auch dieser Zeit – Ende der 70er – wurden aufgeworfen und thematisiert und auch, wenn es eher traurig war, gefiel mir diese Authentizität. An dieser Stelle habe ich auch das Buch wahrlich verschlungen. Schade nur, dass es so nicht in den beiden anderen Teilen verläuft, es gibt mehr Stillstand als Bewegung. Und ich sehe, dass gerade dieser Stillstand im Leben so beeinträchtigend und deprimierend der Kern dieses Buches ist, aber dennoch gefällt mir diese klaustrophobische Umsetzung nicht. Statt mich mitzureißen, war ich eher beunruhigt und manchmal verstört und wartete darauf, was mir diese Geschichte eigentlich sagen möchte, denn meiner Meinung nach ist der Kern eines Entwicklungsromans, mit lernen zu können.

Das Buch ließ sich flott lesen, was mir gut gefallen hat. Das Tempo war zum Ende etwas langsamer, aber insgesamt war es ein recht schneller Roman nicht gutem Lesefluss, was den dritten teil, mit dem ich mich leider nicht anfreunden konnte, erträglicher gemacht hat.

Es gefällt mir, wie wichtige Themen bezüglich der Entwicklung in der Kindheit besprochen werden, das auch schwere und harte Themen zu Tage kommen.  Später wird es zunehmend grausamer: Verwirklichung von einem Selbst, Verlust, Angst, Neid, dem Gefühl nicht zu wissen, wo man hingehört, in einer schwierigen Partnerschaft zu stecken, sich selbst etwas vormachen. Es ist beeindruckend, wie diese Themen fast schon grausam gewählt und behandelt werden und definitiv zum Nachdenken anregen, aber – ob es nun an der Übersetzung liegt oder generell an dem Stil der Autorin – es konnte mich nicht wirklich treffen. Oft wirkten die Beschreibungen falsch gewählt, eine missglückte Wortwahl dämpfte die eigentliche Emotionalität, hinderte an Tiefgang und machte manche Momente fast schon lächerlich. Leider hat dies für mich das Lesen dieser bedrückenden Geschichte in Teil 2 und 3 eher unangenehm gemacht, was mich enttäuscht, da der Anfang so vielversprechend war.

ACHTUNG SPOILER! Zu guter letzt möchte ich anmerken, dass ich große Probleme mit den letzten Seiten hatte, da sie auf eine sehr detaillierte Weise – was sonst im Buch mir gefehlt hat – das langsame Ableben eines Menschen beschreiben, vom Todesröcheln übers langsam Blau anlaufen, was für mich einfach zu viel war, da es doch gruselig; zu detailliert und schrecklich zu lesen war und es mir dabei nicht gut ging. Ich würde mit Bauchschmerzen und einem mulmigen Gefühl hinterlassen. ENDE SPOILER!

THE VERDICT: Ein großartiger Anfang, der leider nicht so fortgesetzt wurde und zu einem an der Oberfläche bleibenden und traurigem Buch mutiert. Wichtige Themen werden angebracht und beobachtet, können sprachlich allerdings nicht der eigentlichen Emotionalität gerecht werden, wodurch die Darstellung sich recht merkwürdig liest. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Ein großes Dankeschön an das Blogger Portal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

The Duchess

OT: The Duchess
DT: Die Herzogin
Cast: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Dominic Cooper, Haylay Atwell
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Andres Thomas Jensen, Jeffrey Hatcher, Saul Dibb
Musik: Rachel Portman
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Basierend auf dem Leben der Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire
Ausgezeichnet mit einem Oscar für das Beste Kostümdesign.

Georgiana Spencer wird gerade mit 17 Jahren mit  deutlich älteren Lord William Cavendish, Duke of Devonshire verheiratet. Die lebhafte junge Frau führt jedoch ein recht tristes Leben mit dem kühlen und distanzierten Herzog auf seinem Anwesen. Dass sie nicht sofort einen Jungen, sondern ein Mädchen zur Welt bringt, zerrüttet ihr Verhältnis noch mehr. Als Georgiana jedoch in Bath Lady Elisabth Foster kennenlernt, erfreut dies ihren Mann auf verdächtige Weise.

Traurig, dramatisch und optisch mitreißend ist dieses Portrait der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und zeigt, wie Männer praktisch jede Grausamkeit anwenden können und damit durchkommen, während der kleinste Fehler einer Frau schon zum Verbrechen wird – wie beispielsweise Mädchen zu bekommen, anstelle eines Erbens.

Was einem natürlich als erstens ins Auge sticht, ist wie opulent und anregend der Film gestaltet ist, die Kostüme sind ein Traum, das ganze Setting ein Augenschmaus – schon dafür lohnt es sich, in den Film hineinzuschauen. Nicht umsonst gewann Michael O’Connor den Oscar für das Beste Kostümdesign.

Wie in jedem Kostümfilm glänzt Keira Knightley in ihrer Rolle – auch hier als Georgiana. Sie spielt die fröhliche, die erschütterte, die verliebte, die naive, die kämpferische – ja, jede Emotion überzeugend. Ich muss einfach zugeben, dass ich sie in diesem Genre am liebsten sehe. Die Verfilmung über die faszinierende Persönlichkeit Georgiana Cavendish informiert, fasziniert und macht neugierig, mehr über diese Frau zu erfahren, die es geschafft hat, sogar die Politik zu beeinflussen und die Whig-Partei zu fördern.  Knightleys Leistung in diesem Film zeigt, dass man sie  bloß nicht als Sweetheart in Liebesfilmen abschreiben soll, sondern dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist, die man ruhig ernster nehmen kann.

Ralph Fiennes (den ich manchmal echt gerne zum Ausgleich in freundlichen Rollen sehen würde), beweist hier, wie unglaublich unsympathisch, abartig und verhasst er einem werden kann. Ich schätze ihn unglaublich in diesen dunklen Rollen, auch wenn ich mich die ganze Zeit über die Rolle aufrege, weil er sie einfach so überzeugend spielt. Er ist hervorragend in der Rolle des passiv-agressiven Mannes.

http://www.darlingtonandstocktontimes.co.uk/resources/images/4448411/

Rachel Portman bleibt auch in diesem Film ihrem Stil treu, es ist bemerkenswert wie man ihre Stücke fast immer wiedererkennt: Die melancholischen Streicher stehen wie immer im Vordergrund. Die Musik ist – wie leider auch Georgianas Leben – recht düster und nur mit kleinen Lichtblicken versehen. Das musikalische Thema steht hier stark im Vordergrund und lässt sich durch den gesamten Soundtrack wiederfinden, schafft es aber, nicht eintönig zu klingen. Wie immer tolle Leistung!

Schade finde ich, was ich allerdings nur im Nachhinein beim erstellen dieser Rezension gelesen habe, ist dass der Film u.a. damit beworben wurde, dass Prinzessin Diana eine Nachfahrin Cavendishs war und sie verbunden im Schicksal seien, was ein ziemlich gruseliger und geschmackloser Vergleich ist, der vollkommen fehl am Platz ist. Der Film hat es wirklich nicht nötig, damit zu werben.

Ein weiterer, großartiger  Film des Regisseurs Saul Dibb ist „Suite Française“, den ich jedem, der Dramatik und traurig-zarte Liebesgeschichten mag, sehr ans Herz legen kann.

THE VERDICT: Ein optisch sehr ansprechendes Portrait von Georgiana Cavendish mit zwei guten Hauptdarstellern, welche die Dramatik des Lebens dieser Frau auf den Punkt bringen und ein Film, der neugierig macht, mehr von dieser faszinierenden Frau zu erfahren. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Beitragsbild
Bild 2

Der Leuchturm und das Kind

Autor: M.L. Stedman
OT: The Light Between Oceans
Genre: Drama
Sprache: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Scribner / Simon and Schuster
Preis: 17 US Dollar
ISBN: 978-1-4516-8175-8
Länge: 345 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“ erschienen.

„The light between oceans“ erschien gleichnamig 2016 als Film mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

Als Tom Sherbourne nach Jahren an der Front des Ersten Weltkrieges, eine Stelle als Leuchtturmwärter auf der Insel Janus Rock erhält, verfolgen ihn noch immer traurige Erinnerungen. Dann und wann fährt ein Boot ihn zur Küste, in den nächstgelegene Stadt Partageuse, wo er eines Tages die junge Isabel Greysmark kennenlernt. Auf eine ganz besondere Weise schafft sie es wieder, das Totgeglaubte in ihm zum Leben zu erwecken. Bald heiraten sie und ziehen gemeinsam auf die isolierte Insel. Isabel wünscht sich neben ihrem geliebten Mann unbedingt ein Kind und träumt davon, als Mutter aufzublühen, doch nach zwei Fehlgeburten, ist sie nicht mehr die alte. Als jedoch eines Tages auf mysteriöse Weise in einem Boot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, weiß Isabel, dass das ein Zeichen Gottes ist und so tauft sie das Kind liebevoll Lucy. Tom hingegen plagen schreckliche Schuldgefühle, besonders als sich herausstellt, dass eine Frau namens Hannah Roennfeld auf dem Land ihren Mann und ihr Baby vermisst…

Wer vielleicht den Trailer der Verfilmung gesehen haben mag, wird glauben, dass der Plottwist in meiner Zusammenfassung schon gesagt worden ist – so ist es definitiv nicht. Im Grunde erledigt sich diese Vorgeschichte auf gut ein drittel des Buches und wird ziemlich schnell angedeutet und bildet somit den Grundstein für dieses Drama.

M.L. Stedmans Roman ist in drei Teile gegliedert: Zum einen das herrlich romantische und zarte Zusammentreffen von Tom und Isabel, welches sich beim Lesen anfühlt, als sie man selbst verliebt.
Im zweiten Teil deutet sich die Tragödie an und bildet die zwei Seiten, zwischen denen Tom steht und verzweifelt versucht die Gerechtere zu finden: Seine Frau, die von nichts mehr träumt, als eigene Kinder zu haben, allerdings keine haben kann und ohne Lucy in eine schwere Depression fallen würde und Hannah, die Tochter eines reichen Tycoons, die einen Deutschen geheiratet hat, welcher von der ganzen Stadt gehasst und auf das Meer getrieben wurde, da er von wütenden Veteranen verfolgt wurde und seither samt Kind aus ihrem Leben gerissen wurde.
Im dritten schließlich, nun, ich will nicht spoilern.

Besonders durch den Schreibstil werden die schönen Momente wie in leuchtendem Licht darstellt, die Kargheit eines Insellebens genauso trocken ausgedrückt und irgendwo dazwischen liegt eine seltsame Grundstimmung, welche sich wie ein Gewitter aufbaut.

img_1184

Das fiese an dem Roman ist, dass aus diesen drei Perspektiven geschrieben wird und man sich sehr gut in Isabel, Tom und Hannah hineinversetzten kann, da man von jeder Figur ihre Wünsche, Gedanken, Hoffnungen und Gefühle direkt mitbekommt und der Roman dadurch nicht nur inhaltlich grausam tragisch ist, sondern auch der*die Lesende selbst, weil es unfassbar schwer ist, selbst zu entscheiden, mit wem man sympathisieren soll. M.L. Stedman hat ein Drama von einem sehr authentischen Gefühlschaos mit viel Tiefe konstruiert und ist dabei keineswegs kitschig, sondern strikt und knallhart. Was die Charaktere besonders real macht, ist die Tatsache, dass sie alle ihre Ecken und Kanten haben und stellenweise auch ziemlich unsympathisch seien können.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist dramatisch aufgebaut wie eine griechische Tragödien, nur mit dem Unterschied, dass nicht alle am Ende sterben – stattdessen ist das eigene Herz gebrochen und einige Tränen vergossen.

Insofern lässt es sich nicht anders ausdrücken, als zu sagen, wer diese Art von Roman lesen will, muss schon masochistisch verlangt sein (zumindest lesetechnisch), weil es einfach nur unglaublich wehtut, verzweifelt und hilflos dieser drei Schicksale ausgeliefert zu sein.
Ich habe dem ersten Teil des Buches für seine besonders zarte Seite sehr geliebt, doch im tragischen Teil wurde es mir manchmal auch einfach zu viel, ich war den endlosen Kreisbewegungen der Frage um das Kind einfach nervlich nicht gewachsen.

Die Kehrseite dieses sprachlich auch sehr ungewöhnlichen Romans, zeigt sich im dritten Teil, wo das hin und her von Lucys Schicksal doch deutlich langatmiger ist, als die ersten beiden Teile des Romans. Hier muss man sich als Lesende*r als geduldig erweisen und durchhalten, was echt schade ist, da das den Spannungsbogen ziemlich senkt.

THE VERDICT: Ein tragischer, trauriger, das Herz zerschmetternder Roman, der sich zweiweise echt hinzieht, aber auch zu Tränen rührt und im Innersten schmerzt. Zusammenfassend war es teils einfach zu viel für mich. Deshalb gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Suite française

OT: Suite française
DT: Suite française – Melodie der Liebe
Cast: Michelle Williams, Kristin Scott Thomas, Matthias Schoenaerts, Margot Robbie, Ruth Wilson, Tom Schilling
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Matt Charman
Musik: Rael Jones
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irène Némirovsky.

Frankreich im Sommer 1940 während der deutschen Besatzung: Die junge Lucile Angellier lebt unter der Obhut ihrer dominanten Schwiegermutter Madame Angellier. Ihr Ehemann ist im Krieg und beide Frauen warten auf Nachricht von ihm, Luciles einzige Freude ist das Klavierspiel. Ihr Leben ändert sich dramatisch, als Pariser Flüchtlinge im Dorf eintreffen – bald gefolgt von einem deutschen Regiment, das in dem kleinen Ort stationiert wird. Viele Einwohner müssen Soldaten bei sich aufnehmen. Der deutsche Offizier Bruno von Falk wird im Hause der Familie Angellier einquartiert. Lucile versucht den attraktiven und kultivierten Bruno zu ignorieren doch schon bald kommen sich die beiden durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik näher. [Klappentext]

Ich muss gestehen, dass ich den guten Matthias Schoenaerts immer mehr lieben lerne, denn auch in diesem Film zeigt er, dass er in der Rolle des romantischen, aber nicht  kitschigen und jungen Mann mit mehrdimensionalem Charakter brilliert! Michelle Williams spielt das absolute Gegenstück zu dem Soldaten: eine ängstliche, verschlossene junge Frau. Zwar spürt man von Anfang an ein unglaubliches (in gewisser Weise geheimes) Kribbeln, doch nur ganz langsam und vorsichtig lässt sie die Annäherungsversuche des galanten Mannes zu – eine wirklich einzigartige Geschichte folgt.

Als Hintergrund ist wichtig zu wissen, dass die Autorin Irène Némirovsky leider nie die Möglichkeit hatte, ihr Werk zu beenden, weil 1942 sie nach Auschwitz deportiert wurde. Der Romanzyklus sollte insgesamt aus fünf Teilen bestehen, sie konnte allerdings nur zwei davon schreiben. Das Manuskript wurde gute 60 Jahre später wiederentdeckt und 2004 erstmal veröffentlicht.

Doch zurück zum Film: Da die zarte Liebesgeschichte besonders auf der gemeinsamen Liebe für Musik begründet wird, musste der Film zwangsläufig einen guten Soundtrack haben, um diese Liebe zu untermalen – und ich wurde nicht enttäuscht: Nostalgische, französische Chansons und zarte Streicher- und Klavierthemen, die mit ihrer melancholie unter die Haut gehen! Die andere Seite des Filmes spiegelt der Soundtrack auch wieder: das Grauen und die Angst vor der Willkür der deutschen Bestzung, sowie alltägliche Demütigung durch ganz besonders unverschämte Offiziere.

Ohne zu Spoilern, möchte ich betonen, diese Geschichte überaus tragisch und bewegend ist, und dank der grandiosen Besetzung extrem unter die Haut geht. Als ein Mensch, der relativ viele herzzerreißende Dramen gesehen hat, wie zum Beispiel „die Königin und der Leibarzt“ oder „Abbitte“ , dachte ich, eine gewisse Abhärtung bereits zu besitzen, aber die Intensität dieses Film brach mein Herz! Suite Française gehört allein durch seine unvollendete Geschichte und dem tragischen Schicksal seiner Autorin zu den erstaunlichsten und auch spannendsten Liebesgeschichten (ohne auch nur ein einziges Mal überhaupt an Kitsch heranzukommen), welche ich je gesehen habe.
In gewisser Hinsicht möchte ich hier aber auch warnen, denn ich glaube ein Film mit solch melancholischer, drückender Grundstimmung, ist nicht leicht zu verkraften und jedermanns Geschmack – vor allem durch das offene Ende, welches mir selbst zu schaffen gemacht hat.

https://i2.wp.com/de.web.img2.acsta.net/newsv7/14/10/24/16/56/469129.jpg

Trotz der düsteren und tragischen Handlungen, spielt der ganze Film in einem hellen, sommerlichen Licht, was diese zarte und vorsichtige Liebesgeschichte, die eigentlich mehr eine Liebesandeutung ist, auf eine bezaubernd Art untermalt. Denn viele historisch angehauchte Filme arbeiten mit Farbfiltern, welche die Szenerie bestenfalls besonders düster wirken lassen und leider häufig erschreckend unnatürlich wirken (und ab und zu nicht passen). Hier jedoch wird mit dem natürlichen Licht eines französischen Sommers gearbeitet, es werden provinzielle Straßen in der Sonne gezeigt oder wie das satt grüne Gras in einem Blumenmeer vom Wind durchzogen wird: So entsteht eine nostalgisch, ja melancholisch und wie aus einem verzauberten, alten Traum wirkende Stimmung, welche die Gefühlstiefe ungeheuerlich betont.

THE VERDICT: Besonders tief berührend und besonders optisch wunderschön, mit zwei grandiosen Hauptdarstellern und einem Soundtrack, der nicht mehr aus dem Kopf geht, hat dieser Film mein Herz erobert – und gebrochen! 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Beitragsbild
Zweites Bild

Die dunkle Welt der Madame Bovary

Autor: Gustave Flaubert
DT: Madame Bovary
OT: Madame Bovary : Mœurs de province.
Genre: Klassiker, Drama
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1856
Verlag: Insel Klassik
Preis: 8,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3458362333
Länge: 455 Seiten

Die wohlbehütet aufgewachsene Emma hat ihre ganz eigene Vorstellung von der Liebe: romantisch und erfüllend stellt sie sich ihre Zukunft als Madame Bovary vor. Doch schon bald folgt die Ernüchterung. Aus Lebens- und Liebeshunger entfiehlt sie der ehelichen Langeweile – und stürzt sich in ein Abenteuer, das unvorhergesehene Konsequenzen nach sich zieht…

Ein Klassiker, den man gelesen haben muss, dachte ich mir bereits beim ersten Anblick. Mit Effie Briest und Anna Karenina gehört Emma Bovary nicht nur zu den großen Höhepunkten der Weltliteratur, sondern auch zu den großen, berühmten Ehebrecherinnen. Liest man diesen Roman, muss man allerdings immer bewusst sein, was diese Handlung für die damalige Zeit bedeutet hat – heute: ein hässliche Untat, damals jedoch: ein unfassbares Verbrechen. Wieso also bricht jemand eine Ehe – besonders in dieser Zeit?
Emma ist ein zartes Wesen und lebt von einer romantischen Vorstellung zu Ehe und doch wird genau diese zerstört.
Dabei ist sie nur anfangs Mitleidsträgerin: Sie lebt in einer unglücklichen Ehe, ihr Mann behandelt sie nicht sonderbar liebevoll und sie vermisst den Ruhm und Glanz in ihrem Leben, den sie sich für diese Zeit ausgemalt hat: Bälle, schöne Kleider. Stattdessen lebt sie mit einem langweiligen Mann in der öden Provinz. So lässt sich Emma von einem prunkvollen Herrn verzaubern für einen großen Preis – ihr Leben verändert sich unaufhaltsam und sie lässt sich fast leidenschaftlich in das Gestrick der Lügen ein, man glaubt fats sie ist fanatisch! Doch statt großer, tiefromantischer Gefühle, hat Emma fast schon etwas psychopathisches, habgieriges, egoistisches, sie stürzt sich in ihre Gefühle und möchte immer nur noch mehr. Das macht sie jedoch auf eine nahezu perverse Art für den Leser interessant – und erneut ruft man sich in den Kopf: eine Frau in dieser Zeit, eine Frau die auch ihre Sexualität leben will. Verboten! Es begeistert mich, wie revolutionär dieser Roman in der Hinsicht ist. Inzwischenzeit spielt ein anderer alter Herr mit ihr, der Stoffhändler, und nutzt ihr blankes Unwissen über Kredite herzlos aus. Die Tragödie ist perfekt.
Flaubert wählt die Worte sorgsam, präzise umschmiegen sie die traurige Welt des kleinen Dorfs, so dass der Leser in die Handlung gut reinfällt. Wunderschön geschrieben, meist etwas ausgeladen, wird einem die tiefe, innere, dunkle Welt Emmas erklärt – sie zu verstehen ist dabei weniger die Aufgabe, als aus ihren Fehlern zu lernen. Sympathisch wird sie nicht. Aber das soll sie auch nicht, worin ich jedoch eine Schwierigkeit sehe, da man als Leser häufig nach einer Figur sucht, mit der man sich identifizieren kann.

Es gibt so eine seltsame indirekte Verpflichtung, sich mit Klassikern auseinanderzusetzen und man muss es, wie ich denke auch mit einer gewissen Vorsicht tun, denn schließlich darf man nie vergessen, dass der heutige Blickwinkel ein ganz anderer ist. Genau darin sehe ich die Schwierigkeit von Madame Bovary, die sich zwar von gesellschaftlichen Konventionen befreien lässt, aber keinesfalls Opfer davon wird, es ist ihr Fehler und sie lebt ihn bewusst. Ich finde es sehr schwierig, Emma als eine Heldin zu betrachten – und ich glaube auch nicht, dass sie von Flaubert als solche angelegt war. Sie sollte schocken, entsetzen.

Als Beitragsbild habe ich ein Foto aus der neusten „Madame Bovary“-Verfilmung gewählt, welche wahrscheinlich gegen 2016 in Deutschland erscheinen wird. Ich bin neugierig!

THE VERDICT: Madame Bovary ist ein trauriger, faszinierender, manchmal recht langatmiger Roman, der zu den Klassikern schlechthin gehört. Manchmal möchte man das Buch genervt in die Ecke werfen, manchmal verfällt man in der Spannung. Diesen Roman liest man nicht nebenbei. Bewusst und mit Pausen. Ich gebe 6,5 von 10 Sternen, da es eine interessante Geschichte ist, aber mich leider nicht mit Herzblut begeistern konnte.

Love, Katha

Sühne und Vergebung

DT: Abbitte
OT: Atonement
Cast: Keira Knightley, James McAvoy, Saorise Ronan, Vanessa Redgrave, Ramona Garai
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Christopher Hampton
Musik: Dario Marianelli
Länge: ca. 118 Minuten
Erscheinungsjahr: 2007
FSK: ab 12 Jahren

Nach dem Roman „Abbitte“ von  Ian McEwan aus 2001.

Als Briony an einem heißen Sommertag des Jahres 1935 etwas sieht, dass sie nicht versteht und auch noch einen Brief in die Hand bekommt, in dem Robbie (James McAvoy) ihrer älteren Schwester Cecilia (Keira Knightley) seine sexuellen Absichten im groben niederlegt, ist Briony verwirrt, glaubt jedoch trotz ihrer mangelnden Erfahrung die Situation beschwerten zu können und sieht hinter ihm einen Triebtäter – dabei sind Robbie und Cecilia ineinander verliebt.
Am Abend schließlich wird die Robbie beschuldigen, ihre Cousine Lola (Juno Temple)sexuell belästigt zu haben, womit sie nicht nur die zwei liebenden auseinanderreißt, sondern auch das Leben von ihnen dreien für immer verändert.

Schon dieser Auszug zeigt, dass es sich bei „Abbitte“ um keine einfache, schlicht-traurige Liebesgeschichte handelt, sondern von einer abartig schmerzhaft intensiven Tragik, die einen jeden Zuschauer eigentlich nur erschüttern kann.
Denn ein 13-Jähriges Kind – besonders zu diesen Zeiten – versteht nicht viel von Sex und als sie schließlich mit diesem verboten-geheimnisvollen damit konfrontiert wird, überfällt sie die Eifersucht ihrer Schwärmerei für Robbie. Die Folgen ihres Handelns begreift sie nicht, glaubt aber richtig mit ihrer Beschuldigung zu liegen und ist eher von ihren eigenen Gefühlen überzeugt, als von dem, was sie vielleicht gesehen hat. Der in drei Teile gegliederte Film berichtet sowohl von den Konsequenzen für die auseinandergerissenen Liebenden, als auch für Briony selbst.

So wird in „Abbitte“ nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern es werden auch philosophische, moralische Fragen behandelt, welche nur eine Qualität dieses Filmes sind. Dabei sind die 7 Oscarnomminierungen nur ein kleiner Beweis.
Zum einen sind es die überaus überzeugenden Schauspieler, insbesondere die drei Hauptdarsteller, die dem Film seine Tiefe und Überzeugungskraft geben. Obwohl man Saorise Ronan für ihre Rolle der Briony über den Ganzen Film hassen und verabscheuen kann, ist es beeindruckend, wie gut die damals 13-jährige in diesem Film, der viele sehr bekannte und gute Schauspieler, wie z.B. Vanessa Redgrave, spielt und kein bisschen in ihrer Rolle untergeht.
Was mich ein bisschen überrascht und mir beim Erstsehen vor gut 2 oder 3 Jahren nicht aufgefallen ist, ist Benedict Cumberbatch in einer kleinen, aber bedeutsamen Nebenrolle.

Für mich ist „Abbitte“ ein wunderbares Zeugnis desssen, dass eine Kooperation zwischen Joe Wright, Dario Marianelli und Keira Knightley einen ganz wunderbaren Zauber haben und immer wieder aufs neue funktionieren, ohne zu langweilen – man denke an „Anna Karenina“ oder „Stolz und Vorurteil“.
Wie gut der Film in Anbetracht dessen, dass einer Adaption ist kann ich nicht beurteilen, da ich Ian McEwans Roman nicht gelesen habe.
Auch hier untermalt die wunderbar melancholische, unfassbar tragische und bewegende Musik Dario Marianellis die Stimmung des Filmes so einzigartig und nahzu perfekt. Maßgeschneiderte Melodien, mal bitter-süße Streicher verwoben mit dem Tippen einer Schreibmaschine, mal ein Chor, welche von der so vielen Themen des Filmes zeugen – und es lohnt sich, sie außerhalb dieses Filmes zu hören, wie beispielsweise „Denoument“ Dieser tolle Soundtrack gewann 2008 den Oscar.
Auch die Kostüme, besonders das eine lange grüne Abendkleid aus Seide, welches Keira Knighltey trägt, sind wunderbar. Das Kleid wurde übrigens 2008 von der amerikanischen InStyle zum schönsten Kleid der Filmgeschichte gewählt. Jaqueline Durran war ebenfalls für die prächtigen Kostüme in Anna Karenina verantwortlich-

THE VERDICT: „Abbitte“ ist eine unfassbar tragische Liebesgeschichte, die sich mit der Frage des Verzeihens und der Schuld auseinandersetzt. Dabei leisten alle Darsteller derart tolle Arbeit, dass man fast in der Geschichte versinken glaubt, was die gute Kamera und der berührende Score nur unterstreichen. Dennoch muss gesagt werden, dass es schmerzhaft ist, ihn zu sehen und ich ihn deshalb nicht allen Filmbegeisterten empfehlen kann. Am besten ist wahrscheinlich, wenn man nach diesem schweren Stück jemanden zum Reden hat.
9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Bilder verwendet im Beitrag:
Beitragsbild

Anna Karenina

OT: Anna Karenina
DT: Anna Karenina
Genre: Kostümfilm, Literaturverfilmung, Drama, Romanze
Cast: Keira Knightley, Aaron Taylor-Johnson, Jude Law, Matthew MacFadyen, Alicia Vikander, Domhnall Gleeson
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Tom Stoppard nach dem Roman von Lew Tolstoi
Musik: Dario Marianelli
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach Lew Tolstois Roman „Anna Karenina“ aus 1877.

Die bezaubernd schöne Anna (Keira Knightley) führt an der Seite ihres Ehemanns Alexej (Jude Law) ein glanzvolles Leben in mitten des Adels von St. Petersburg. Alles scheint perfekt, bis sie dem faszinierenden Offizier Graf Vronskij (Aaron Taylor-Johnson) begegnet. Hin- und hergerissen zwischen dieser leidenschaftlichen Affäre und der Liebe zu ihrem Sohn entscheidet sie sich für ihren Geliebten. Doch als die elegante Gesellschaft ihr dies nicht verzeihen kann, trifft Anna eine bittere Entscheidung [Klappentext]

Eine weitere Literaturverfilmung eines weltbekannten Klassikers, mag man auf den ersten Blick denken, doch was Joe Wright aus Anna Karenina macht, ist etwas Neues und Mutiges, denn die einzelnen Szenen sind wie ein Theater inszeniert – nimmt man die bittersüßeTragik, hat diese Idee  schon symbolischen Charakter.
Ich denke allerdings auch, dass es ein bisschen verwirrend sein kann, den Film zu sehen, wenn man die Storyline nicht kennt und so konnte ich diese Umsetzung auch erst beim Zweitsehen wirklich „schätzen“. Es mag etwas gekünstelt wirken, wenn die Wände über die Bühe abtransportiert werden, sich Türen in ein neues Geschehen öffnen, doch nun, wo ich den Film schon gut 4 Mal aus verschiedensten Anlässen gesehen habe, glaube ich, mit jedem Mal ein neues Detail zu sehen, das mich verzaubert.
Die Kostüme sind wunderschön und sehr kreativ, genauso wie das gesamte Flair und Setting stimmt. Dario Marianellis Musik dazu hat etwas sehr spezielles, ein bisschen als würde man in einen Zirkus eingeführt werden, mit Walzerklängen und russischen Gesängen, was die vielen Bläser und Streicher untermalen, jeodch trifft aber er durch zarte Klaviertöne auch traurige Momente

Nun zu den Darstellern! Obgleich ich kein so großer Fan von Keira Knightley bin, muss ich mich als ziemlich begeistert aussprechen. Diese Kooperation zwischen Knightley und Wright funktioniert einfach, man denke an Abbitte oder Stolz & Vorurteil!
Die schauspielerische Leistung ist eigentlich im allgemeinen sehr überzeugend und großartig. Man sieht Jude Law zur Abwechslung mal nicht als attraktiven Mann und er behauptet sich überzeugend! Mir gefiel auch der Ire Domhnall Gleeson sehr, den ich bis dato gar nicht kannte, sowie Alicia Vikander, die mich bereits in A Royal Affair verzaubert hatte.
Neben der großen Liebesgeschichte spielen die beiden die „Nebenliebesgeschichte“ von Kostja Ljewin und Kitty Schtscherbazkaja, und obwohl es eine Nebenlinie ist, berührte mich diese sehr.
Besonders schön fand ich das thematisieren von verschiedenen Formen von Liebe (obwohl ich damit wahrscheinlich mehr die Geschichte, als den Film lobe): die Reine, die Leidenschaftliche, die Verbotene usw.

THE VERDICT: eine mutige, zauberhafte und wunderschöne Neuinszinierung eines Klassikers mit einer guten und schauspielerisch-überzeugenden Besetzung. Untermalt von einem tollen Soundtrack und wunderschönem Setting, bin ich sehr begeistert! Nur ab und an kann man der Geschichte nicht ganz folgen, da diese Theater-Geschuchte etwas verwirrend  und anstrengend ist. Doch kann ich mir nur wiederholen, dass er besser wird, je öfter man ihn sieht. Deshalb 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Bilder verwendet im Beitrag:
Beitragsbild

Parade’s End

OT: Parade’s End
DT: Parade’s End – Der letzte Gentleman
Genre: Historienfilm, Drama
Cast: Benedict Cumberbatch, Rebecca Hall, Adelaine Clemens, Rupert Everett
Regie: Tom Stoppard
Drehbuch: Tom Stoppard
Musik: Dirk Brossé
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 6 Folgen á 45 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

England kurz vor dem Ersten Weltkriegs: Der britische Aristokrat und Gentleman alter Schule Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) heiratet die schöne, aber durchtriebenede Sylvia (Rebecca Hall). Obwohl Sylvia sich in Liebschaften stürzt und Christopher nicht sicher sein kann, dass das gemeinsame Kind von ihm stammt, hält er die Ehe mir ihr aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem er der jungen und ungestümen Valentine Wannop (Adelain Clemens) begegnet. Doch nicht nur seine Gefühlswelt gerät mit einem Mal ins Schwanken, auch das noch junge Jahrhundert befindet sich mit dem einsetzenden Krieg im Umbruch… [Klappentext]

Nun lässt sich sagen, dass der Trailer und dieser Klappentext zunächst kitschig und deutlich überdramatisert klingen, als es der Film an sich ist. Denn die Grundstimmung ist eine ruhige, vielleicht etwas traurige. Dies wird besonders schön durch das von Dirk Brossé komponierte Thema unterstrichen: es besteht aus einem Pianostück, welches von Streichern untermalt wird und sich durch den ganzen Film mit einem ungeheuren Wiedererkennungswert aber doch schlichter Schönheit schlängelt.

Als großer Cumberbatch Fan bin ich natürlich etwas befangen, aber alle Male begeistert. Er spielt die Rolle des Christopher Tietjens ultra ur-englisch und sehr elegant. Ein Mann, der zu Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und Modernisierung auf die alten Werte beharrt und stehts bemüht ist, das absolut allerrichtigste zu tun – ein komplettes Spiegelbild seiner Frau. Und wie ich Rebecca Hall in dieser Rolle liebe! Voll Feuer, Arroganz, einer gewissen verzweifelten Dummheit und Schönheit präsentiert sie die Rolle Sylvias.
Wer den Film bereits gesehen hat, dem wird jedoch auffallen, dass Benedict Cumberbatch irgendwie imemr auf seinem Schmollmund rumkaut oder irgendwie sonstige Absurditäten mit seinem Mund anstellt, was nicht stört, aber ab und zu echt komisch ist.

In gewisser Hinsicht kann man den Film als Reise von Tietjens betrachten, dass er die Augen vor bestimmten Dingen öffnet, ein Nachdenkspiel über neue und alte Werte in der Umbruchsgesellschaft. Demnach hat der Film etwas sehr trauriges, dramatisches. Jede Figur macht eine Wandlung durch, sogar Sylvia wird urplötzlich zurückgezogen christlich – fragt sich nur, ob das ihren Mann zurückholt.
Wo wir bei der jungen Valentine wären, eine Suffragette, ein wenig antagonistisch gegenüber von Christopher. Müsste man meinen?! Sie ist noch unerfahren im Leben und weiß auch nicht ganz, wohin sie möchte, doch dann überrumpeln sie die Gefühle. Der einzige Nachteil, den ich an der Besetzung bei Adelaine Clemens sehe, die wirklich gut spielt, dass sie erschreckend an Carey Mulligan erinnert!
Christopher, der rationale Mensch, der irgendwo in seiner Tiefe Gefühle unterbindet und die romantische Valentine. Natürlich ist die Storyline hinsichtlich dessen etwas offensichtlich, was meines Erachtens aber nicht stört, das der Film bzw. die Miniserie dadurch nicht weniger spannend wird.
Wo wir beim nächsten Punkt wären: die Verfilmung der Tetralogie Ford Madox Fords ist in 6 Folgen eingeteilt, was den Spannungsbogen ab und an wirklich anhebt. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich so gepackt war, dass ich 5 Folgen am Stück gesehen habe und mich nur die Zeit daran gehindert hat, die letzte erst am Folgetag zu sehen.

Optisch – BBC Niveau wird in aller Gänze erfüllt! – ist es selbstverständlich ein Hochgenuss: schon den Einstieg liebe ich über alles, wie die Kamera über ein prächtiges Zimmer fliegt, mit alten Möbeln, Kronleuchter… Toll! Ich zu meinem Teil habe den Roman nicht gelesen, vielleicht werde ich es irgendwann tun, somit versuche ich, wie auch sonst immer, den Film mehr oder weniger als Einzelwerk zu betrachten!

THE VERDICT: Alles in einem bin ich überwältigt, absolut begeistert und lege diesen Film bzw. diese Miniserie jedem ans Herzen, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsfilmen zu zählen ist.
10 von 10 Sternen. Epischer wird’s nicht.

Love,  Katha

A Royal Affair

DT: Die Königin und der Leibarzt
OT: En kongelig affære
Genre:
Historienfilm, Drama
Darsteller:
Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Mikkel Boe Følsgraad
Regie:
Nikolaj Arcel
Drehbuch:
Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
Musik:
Cyrille Aufort, Gabriel Yared
Erscheinungsjahr:
2012
Länge:
128 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren

Der Film handelt von der Dreiecksbeziehung des dänischen Königs Christian VII, seiner Frau Caroline Mathilde und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee. Es wird die Geschichte einer der berühmtesten Affären erzählt, die in der Zeit der Aufklärung spielt: Ganz Europa bordelt von den neuen Ideen, die Kant, Voltaire und Rousseau verbreiten, während Dänemark weiterhin noch als Hochburg für Absolutismus und Kirche gilt, Aberglauben ist weit verbreitet und die Bauern leben in Leibeigenschaft.
Die Geschichte ist aus der Sicht Carolines (meist in Rückbelenden) erzählt, wie sie als junges Mädchen nach Dänemark kommt und einen König vorfindet, der fast schon geisteskrank und unglaublich kindisch einzustufen ist: er findet Gefallen an Theatern und Prostituierten. Sie ist enttäuscht und nachdem sie ihre eheliche Pflicht erfüllte und ihm ein Kind gebar, zieht sie sich zurück und möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben, sie ist gefangenen in einer traurigen Welt. Unterdessen unternimmt Christian VII eine Europareise, wo ihm der Armenarzt Doktor Struensee bekannt wird, der wohl als einziger mit dem Gemütszustand seiner Majestät umgehen kann. Anfangs verhält sich Caroline recht abschätzig gegenüber von ihm, doch als sie bemerkt, dass er aufklärerische Gedanken hat, entwickelt sich eine Freundschaft, die später zu einer Liebe wird. Die König ermutigt Struensee schließlich, den Einfluss, welchen er auf Christian VII hat, politisch zu nutzen, was anfangs funktioniert, doch bald zu Verhängnis wird.

Der auf der Berlinale 2012 gezeigte Film basiert größtenteils auf Briefen und natürlich kennt man nicht exakt die Vorfälle innerhalb des Hofes, doch umso erstaunlicher ist es, wie präzise und interessant die Geschichte erzählt wird. Carolines Blickwinkel ist der eines unerfahrenen Mädchens, der einer sehr intelligenten und politisch ambitionierten Frau, die beide viel Leid ertragen müssen.
Der Film beginnt mit der Erzählerstimme Carolines, die im Sterben liegt und ihren Kinder, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, einen Brief schreibt, in dem sie ‚ihre Geschichte‘ offenlegt.
Es ist ein sehr trauriger Film und doch spielt die Kamera mit dem kühlen Licht und die wenigen Hoffnungsvollen Momente scheinen freudig zu leuchten. Das unterstützt die grandiose, melancholische Musik von Gabriel Yared und Cyrille Aufo: viele Streicher und Bläser, die immer wieder in das Thema des Filmes zurückkommen, das jedoch ein Klavierstück ist. – ein bisschen eine Hommage an die klavierspielnde Caroline: ruhige Klänge mit einer bestimmte Gefasstheit. Das ist natürlich ein riesiger Pluspunk! Optisch besticht er durch wunderschöne Gewänder, Schlösser und Mobiliar.

Die Schauspieler leisten Höchstarbeit: es ist das Debüt von Følsgraad, aber man merkt es ihm nicht an! Er spielt Christian VII so ekelerrgend, kindisch, befremdlich, dass es einem manchmal erschaudert, doch spielt er ihn auch so, dass man nicht nur die ganze Zeit denkt: Himmel, der spinnt doch! Sonder er tut einem auch in gewisser Hinsicht Leid, nicht nur, weil er schamlos vom Hof ausgenutzt wird.
Mads Mikkelsen ist natürlich überragend und so finde ich zwar, dass eher er als Folsgraad den Bären verdient hat. Struensee ist ja kein leichter Charakter: irgendwie ist er mehr oder weniger der Held – aus moderner Sicht -, für damals jedoch nur der Sündenbock. Aber der Held ist nicht perfekt, manchmal etwas stur, manchmal fragt man sich, ob etwas von der Machtbessenenheit in ihm überschwappt. Aber das ist nur eine weitere Stärke! Menschen sind nicht perfekt und abgeschliffen und doch hat man das leider in vielen Filmen, nicht aber hier.

Man leidet und freut sich mit den Liebenden, hofft, dass es gut wird und doch weiß man, dass es nicht seien kann. Ich möchte ja nicht allzu viel spoilern, aber ich muss sagen, dass ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe (und ich habe ihn schon einige Male gesehen, auch, wenn’s wehtut) immer mehr Details erkenne und doch jedes Mal zum Ende hin mir das Herz gebrochen wird. Es ist ja nicht so, dass man sagen kann: es ist nur ein Film. Es war wirklich so und das unterstreicht natürlich die Tragik dieses Filmes ungemein.

THE VERDICT: Es ist ein richtig gutes Ding. Ich war am Anfang beim erst sehen skeptisch, da auf der Berlinale doch recht seltsame, meist Kunstfilme laufen. Das ist keiner. „Die Königin und der Liebarzt“ ist allen voran hervorragend gemacht, lehrreich, traurig und etwas deprimierend. Ich liebe den Film sehr und gebe 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Bilder verwendet:
Beitragsbild

Verfall einer Familie

Moin!

Es gibt Bücher, die man gelesen haben muss, weil sie ein Teil der Weltgeschichte sind, aber wenn man keine Lust hat? So erging es mir, als ich das erste mal von den Buddenbrooks hörte. Uhh, dicker Schinken in schwerer Sprache – kann so etwas überhaupt interessant sein? Doch irgendwann im letzten Jahr wurde ich neugieriger und las es schneller durch, als ich erwartet hatte.

Autor: Thomas Mann
Titel: „Buddenbrooks – Verfall einer Familie“
Genre: Gesellschaftsroman, Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1901
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-569-29431-2
Länge: 768 Seiten

„Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich“, urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns, ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. Verfall einer Familie – sein Untertitel scheint ihn einzureihen in eine bestimmte Gattung, aber „der Zug zum Satirischen und Grottesken“, der darin steckt, hebt ihn zugleich davon ab, gibt ihm einen eigenen Charakter, eigene Wirkung bis in die Gegenwart. Thomas Mann erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Den meisten Raum nimmt das Leben Thomas Buddenbrooks ein – „ein modernes Heldenleben“; sein Sohn Hanno wird einen langen Strich unter die Genealogie der Familie setzen und sich rechtfertigen mit den Worten:“Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr …“ In den mehr als hundert Jahren seit seinem ersten Erscheinen hat der Roman unzählige Menschen in seinen Bann gezogen und hat bis heute nichts an Charme und Aktualität eingebüßt.“

Zugegeben, ein wenig hilfreicher Klappentext, doch im Grunde genommen geht es um die verschiedenen Generation Buddenbrook  eingebettet in ihr Familienunternehmen: von dem alten Johann Buddenbrook, über Jean Buddenbrook, dessen Sohn Thomas ein und als letzter erfolgt das kurze Leben des Hanno Buddenbrook.
Von Generation zu Generation wird das Handelsunternehmen übergeben und bringt jedem Oberhaupt Probleme, Konflitke und Herausforderungen. Thomas Buddenbrooks Leben füllt am meisten Platz in den Roman: er wird heiraten, aber nie die wahre Liebe in seiner Frau finden, er wird sich mit seinem psyisch angeschlagenen Bruder Christian abquälen und sich über ihn aufregen, Begräbnisse miterleben und nicht zuletzt an seinem Sohn Hanno verzweifeln, der kein Interesse an dem Handelsunternehmen zu haben scheint, sondern sich mit der Musik beschäftugen möchte – wie seine Mutter.

71SBImJssaL._SL1185_

Es ist das erste Buch, in dem ich viele „…“ sah, mir erschien es erst komisch, aber man gewöhnt sich dran, obgleich ich zugeben muss, noch immer nicht wirklich schlau daraus geworden zu sein. Ich muss zugeben, manchmal reichlich angeödet gewesen zu sein, es war langatmig und manchmal ein Kampf, aber dann wieder verschlang ich es! Besonders die Geschichte von Tony Buddenbrook mit ihrem Rauf und Runter, ihrem überschwänglichem Leiden und Aufgeben einer Liebe – eine moderne, extravagante Frau, die sich scheiden lässt. Doch auch die anderen Charaktere, wie Christian zeichnen sich von außerordentlicher Originalität wie Realität aus. Das ist wichtig bei einem Roman wie diesem, der unheimlich viele Charaktere vorstellt. Aber durch diese Zuordnung und exakte Beschreibung bleibt einem so gut wie jeder Darsteller (es hat was von einem Theaterstück!) in Erinnerung.

Der Roman beschreibt in einer exzellenten Sprache die Tragödie einer Generation, einer großen Familie, die mit ihrem letzten Sohn zusammenbricht. Thomas Mann schafft es hypotaktische Sätze zu einem Vergnügen zu machen, er wählt die Wörter bedacht und arbeitet mit hervorragenden Nuancen der Sprache, baut sogar Dialekte ein, was die Charaktere umso lebendiger erscheinen lässt – was manchmal aber auch nicht wirklich einfach zu verstehen ist. Nun, warum sollte man es lesen, wenn man mit dem Untertitel bereits weiß, was geschieht? Vlt sollte man es lesen, weil es ein Klassiker ist, weil man beginnt, die Welt mit offeneren Augen zu erblicken, wenn man den Roman gelesen hat? Das Buch veranlasste mich sogar dazu, Lübeck (T.Mann erwähnt zwar nie den Ort Lübeck, aber irgendwie weiß man es anhand der Beschreibungen ziemlich gut einzuordnen) zu besuchen, weil mir das Lesen kaum noch reichte, ich wollte es endlich sehen! Schade nur, dass vom eigentlichen Buddenbrookhaus nicht sehr viele Zimmer im Originalzustand eingerichtet sind, was etwas enttäuschend war.

Besonders muss ich die Ausgabe des Buches loben, sie ist nämlich nicht allzu schwer, in einer angenehmen größte gedruckt, und man kann es knautschen und knicken, der Buchrücken bekommt nicht diese schrecklichen Rillen – ich bin da ein bisschen pingelig:D

THE VERDICT: Diese wortwörtlichen Wucht zu bewerten ist letztlich schwer, da obgleich ein Meisterwerk, der Roman kann auch ziemlich langatmig und öde seien kann. Dennoch: Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, ihn zu lesen, da er einen auf gewisse Weise lehrt. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, wann sie wiederkommen?“ – Oscar Wilde