Fasanenmörder

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Autor: Jussi Adler-Olsen
DT: Schändung
OT: Fasandræerne
Genre: Thriller, Krimi
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2008
Verlag: dtv premium
Preis: 14.95 €
Länge: 485 Seiten
ISBN:978-3-423-24787-0

Der zweite Fall für Carl Mørck

Ein Leichenfund in einem Sommerhaus in Rørvig. Ein Geschwisterpaar ist brutal ermordet worden. Der Verdacht fällt auf eine Gruppe junger Schüler eines Privatinternats, die für Gewaltorgien bekannt sind. Erst Jahre nach dem Mord ist einer von ihnen geständig. – Zwanzig Jahre später. Als Carl Mørck vom Sonderdezernat Q für unaufgeklärte Fälle in Kopenhagen aus dem Urlau zurückkommt, hält ihm sein Assistent Hafez el-Assad die alte Rørvig-Akrte vor die Nase. Niemand weiß, warum sie aufgetaucht ist. Der Fall war schließlich geklärt. (…) Als den Ermittlern von oberster Stelle weitere Nachforschungen strikt verboten werden, ist ihnen sofort klar, dass hier etwas zum Himmel stinkt. Die Spuren führen hinauf bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft (…) und die führen ganz weit nach unten, zu Kimmie, einer Obdachlosen (…). Diese Frau scheint etwas zu wissen, das drei höchst einflussreichen Männern zum Verhängnis werden könnte (…) [Klappentext]

Erneut das typische Dilemma von deutschen Titeln „Schändung“, brutal und abartig steht im Kontrast zu dem viel orignielleren dänischen Titel „Fasanenmörder“. Zwar passen beide inhaltlich sehr gut zum Buch, allerdings finde ich es immer fragwürdig, wenn man derart vom Original abweicht. Es wird sogar eher eines Klischees bedient: Oh, ein skandinavischer Krimi – her mit dem Einworttitel! Und das Cover… Hier, Blut und ein Messer: locken wir doch die ganz gewaltgeilen an. Persönlich halte ich es für ein bisschen zu dick aufgetragen.

Aber es gibt sehr viel Gutes zu sagen, um es vorweg zu nehmen: Hier folgt eine Lobeshymne1
Jussi Adler-Olsen schafft es erneut einen schrecklichen Fall zu konstruieren, der nach und nach entkleidet, noch immer furchtbar spannend ist. Besonders im Fokus steht nicht nur das Verbrechen an sich, sondern auch die Perspektivwechsel, welche dieses Katz-und-Maus-Spiel bestärken: Zum einen natürlich aus Mørcks Sicht, er und sein Assistent Assad erhalten eine neue Mitarbeiterin, Rose, und wie nur typisch für Mørck ist er schlichtweg ablehnend. Obwohl Morck wahrscheinlich ein ziemlich anstrengender Mensch ist, grummelig und ein nordischer Bär, schließt man ihn doch durch seine enorme Motivation und Schlagfertigkeit irgendwie ins Herz. Assad und er sind wie Pech und Schwefel, sie ergänzen sich auf eine tolle Art und Weise. Das ist für mich auch ein Grund, weshalb mir die Reihe so gut gefällt, man wird süchtig diese Figuren noch besser kennenzulernen.
Eine weitere Perspektive sind natürlich die ganz Reichen und Feinen, die mehr als nur ein bisschen Dreck am Stecken haben. Manchmal wird hier schon ein das ein oder andere Klischee verwendet (und zugegeben nervt es irgendwann, wenn das Personal zum dritten Mal vergewaltigt wird), aber gleichzeitig ist auch ein Hauch von einer Kritik an der Gesellschaft zu finden: Warum lassen wir es zu, dass die Reichen Poltik und Justiz bestechen, um fröhlich weiter zu – im Extremfall- morden oder Tiere zu quälen?  Ein ganz großes Thema, so dünkt mich, ist bei Adler-Olsen nicht nur das Verbrechen, sondern die schreiende Ungerechtigkeit und der Wille, diese aufzudecken, ein Exempel zu statuieren.
Am wichtigsten jedoch ist Kimmie: Wie bereits im ersten Fall Mørcks ist die Sichtweise des „Opfers“ wichtig. Hier ist es allerdings ein bisschen komplexer, mal ist man in der Vergangenheit, dann in ihren etwas schizophrenen Gedanken – faszinierend und artig –  , nach und nach erfährt man gerade so Details, was sehr spannend ist, kann mitdenken und den Fall verstehen – aber, wie ich schon sagte, es ist mehr als nur das Aufklären.

Nägelkauend auf der Couch sitzen und Seite um Seite umblättern, um endlich erlöst zu werden, um endlich eine Klarheit zu erfahren. Das ist das Geniale an Adler-Olsen. Er verwendet jedoch auch ziemlich brutale Mittel und mir kommt es fast schon fragwürdig vor, dass ich derartige Literatur gut finde, in der Vergewaltigung und Schändung das Leitthema sind.
Ich bin definitiv gespannt auf den nächsten Fall, jedoch muss ich sagen, dass ich zwischendurch auch andere Literatur für mich brauche, um nicht komplett verrückt zu werden von dieser grässlichen Welt.

THE VERDICT: Ein sehr gelungener, spannender, grässlich-brutaler zweiter Fall für einen wunderbaren Kommissar und seinen schrulligen Assistenten. Empfehelnswert für jeden, der nicht vor schonungsloser Gewalt zurückhält: 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

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Verblendung

Autor: Stieg Larsson
DT: Verblendung
OT: Män som hatar kvinnor (Millenium I)
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2005
Verlag: Heyne
Preis: 9,99
Länge: 704 Seiten
ISBN: 978-3453438200

Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffs spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, die hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. [Klappentext]

Nachdem mich neuerdings der Wunsch gepackt hatte, eher Kriminalliteratur zu lesen, wusste ich natürlich, dass ich „Verblendung“ nicht entkommen würde. Ich erinnere mich sogar ziemlich gut daran, wie mein Vater sie las, als ich noch klein war, und das ziemlich obsessiv. Also nah ich mir kurzerhand den Roman aus dem Regal und begann zu lesen – nicht gerade wenig sogar! Ich war förmlich an „Verblendung“ gekettet, ich wollte das ganze Mysterium verstehen.

Der Plot, die Frage, nach der verschwunden Harriet Vanger beginnt schon interessant: als Mikael Blomkvist vom ehemaligen Großindustriellen Henrik Vanger gebeten wird, Nachforschungen anzustellen, sträubt er sich gewaltig, hält das ganze Unterfangen für reinste Zeitverschwendung, denn der Fall liegt schon Jahrzehnte zurück. allerdings scheint es, als sei Henrik Vanger nahezu besessen mit dem Thema, sammelte Bilder, Informationen, eigentlich alles, um herauszufinden, was mit seiner Lieblinsnichte passiert ist. Nur eine Sache hält ihn daran, an diesem Fall verbissen weiterzuarbeiten: jedes Jahr zum Geburtstag erhält er ein Paket mit einer gerahmten Blume. Wie einst von Harriet.
Doch Mikael Blomkvist hat eigentlich ganz andere Probleme, der Wirtschaftsjournalist muss ins Gefängnis gehen, da seine Story gegen den Unternehmer Wennerström sich nicht vor Gericht beweisen lässt. Das wird lang und breit am Anfang erzählt, mit allerlei Wirtschaftsfachchinesisch, dass man sich fühlt, als würde man auf den Kohlen sitzen und auf den eigentlich Plot warten – aber es ist wichtig für die gesamte Geschichte. Schließlich ködert Vanger Blomkvist: er könne ihm exklusive Information zu Wennerström geben, die diesen ins Verderben stürzen würde.
Und dann freut man sich schon fast als Leser: jetzt beginnt das Aufarbeiten, ziemlich ausführlich, gründlich, tief und man glaubt schon selbst nicht mehr so richtig, dass Blomkvist etwas herausfindet über Harriets Verschwinden, das Henrik nicht weiß. Bis er auf einen mysteriösen Code trifft. Und dann kommt alles saftig ins Rollen.

https://i1.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51lOka1QQwL._SX319_BO1,204,203,200_.jpgMan darf sich „Verblendung“ keinesfalls als actiongeladenen, blutigen Thriller vorstellen. Er ist auf eine ganz andere Art und Weise grausam: so verrät der schwedische Titel mehr über den Inhalt, als der Deutsche: Männer, die Frauen hassen. Der Roman ist ebenfalls in mehrere Teile gegliedert, welche stehts auf ihrer Deckseite eine Statistik über Gewalt- und Sexualverbrechen an Frauen aufweisen. Das gibt einem schon mächtig zu schlucken.
Wie man es sich bei einem Unternehmerclan, der auf einer schwedischen Insel verteilt wohnt, ist die Stimmung unter den Mitgliedern teilweise nicht die beste: verhasst, verfeindet, ehemalige Nazis: wunderbar großes Konfliktpozential, das den Roman nur umso interessanter macht.

Wie es schon im Klappentext angekündigt wird, bleibt Mikael nicht alleine, sondern trifft – relativ spät sogar – auf Lisbeth Salander. Ein herrliches Gegenstück zu ihm: klein, tätowiert, äußerst ungewöhnlich gekleidet und furchtbar schweigsam über ihr eigenes Leben. Dafür beherrscht die junge Frau Hacker-Fähigkeiten, wie keine zweite – und einen tollen Verstand. Auf ihre sehr eigne, etwas grobe, geniale Art und Weise arbeiten die beiden richtig toll zusammen.
Figurentechnisch wurde sie mir auch viel sympathischer als jeder andere Charakter in „Verblendung“, nicht nur, weil sie so einzigartig ist, aber auch, weil sie eine wirklich starke Persönlichkeit ist.
Im Gegensatz zu Mikael, von dem es natürlich vorteilhaft ist, ihn als Protagonisten zu mögen, doch ehrlich gesagt ging mir sein etwas übersexualisiertes Leben etwas auf die Nerven. Irgendwann gibt es auch eine gewisse Grenze, wie viel ich über Sex in einem Thriller lesen möchte, vor allem weil Blomkvist auch grob gesagt, sich durch die Gegend vögelt.

Das Setting hingegen fand ich besonders toll: fast wie isoliert, gefangen auf der Vanger-Insel, um mehr über die Familie Vanger zu erfahren, die Mikael alle überaus seltsam, meist abweisend behandeln. Man braucht ein bisschen, um die Namen einordnen zu müssen, außerdem erfährt man die ganze Familiengeschichte der letzten 100 Jahre. So gesehen ist der Roman überaus detailliert, nahe zu perfektionistisch werden die Fäden langsam zusammengeführt. Und davon lebt „Verblendung“ : das Zusteuern auf die Lösung, langsam, präzise und glaubwürdig.

THE VERDICT: Nicht umsonst werden Krimi- und Thrillerautoren ständig mit Stieg Larsson verglichen: sein Werk ist einzigartig, faszinierend, fesselnd und genial aufgebaut. Es war eine Bereicherung „Verblendung“ zu lesen, auch wenn mich der Protagonist etwas nervte. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

October #15 Faves

Moinsen!

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1. Jussi Adler-Olsen: Erbarmen
Neben der Harry-Potter-Reihe, ist „Erbarmen“ für mich das Buch des letzten Monats gewesen. Nicht nur, weil ich meinen halben Bekanntenkreis damit terrorisiert habe, wie schrecklich fesselnd ich den Thriller finde, sondern auch, da einen Thriller lesen für mich etwas relativ Neues war. Meine ganze Begeisterung und Faszination vom abartig Bösem findet ihr hier.

2. Rimmel Stay Matte Powder in „003 Peach Glow“
Dass ich Rimmel-Produkte liebe, ist nichts Neues, dass ich Puder verwende, das schon. Dieser wird es vielleicht ändern, er ist sehr feinstäubig, sieht nicht körnig aus, eigentlich fast schon unsichtbar und leistet dennoch gut seinen Dienst – und hat zudem einen angenehmen Pfirsichduft.

3. Lindt Grand Plaisir Karamel und Salz Schokolade
Was soll man noch sagen? Es ist göttlich leckere Schokolade…

4. Aventurin-Armband
Dieses Armband habe ich mir in meinem Urlaub in Ungarn gekauft und ich liebes! Die Steine sind wunderschön geschliffen und die Farbe ist einfach nur perfekt für mich. Irgendwie hat sie auch etwas unfassbar beruhigendes auf mich.

5. Fritz-Kola
Es dünkt mich fast, dass der Slogan der Hamburger Getränkehersteller „Vielviel Koffein“ sich langsam zu meiner Lebenseinstellung entwickelt. Wie dem auch sei, ist die Kola der Fritz-Kola zwar schon länger eines meiner Lieblingsgetränke, aber neuerdings habe ich einen große 24er Kasten in unserem Keller zu stehen.

6. Catrice Velvet Matt Smokex Eyes Pencil in „010 Please, Mauve Black!“
Neuerdings entdecke ich die Kosmetikmarke Catrice für mich und muss sagen, dass dieser Kajal unglaublich ist: weich, cremig, hält fantastisch, tiefer, matter Farbton und das Smudging-Tool am Ende des Stiftes ist auch super. Ein bezahlbares Traumprodukt!

Musik des Monats:

Und wie erging es euch?

Love, Katha

Es gibt kein Erbarmen

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Autor: Jussi Adler-Olsen
DT: Erbarmen
OT: Kvinden i buret
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: dtv
Preis: 9.95€ (Taschenbuch)
Länge: 432 Seiten
ISBN: 978-3423212625

Der erste Fall für Carl Mørck

Als die dänische Politikerin Merete Lynggaard 2002 wie vom Erdboden verschluckt wird, bleiben die ratlosen Ermittler vor einem schwierigen Fall – der ungelöst in die Akten geht. Fünf Jahre später wird durch die Regierung veranlasst ein Sonderdezenat gegründet, um alte Fälle aufzurollen, den Job erhält der wieder in das Berufsleben findende Carl Mørck und stellt schon schnell fest, dass Lynggaards Verschwinden kein Selbstmord war.

Diese Geschichte ist der absolute Albtraum einer Frau: Eingesperrt in eine dunkle Druckkammer, über Jahre hinweg gequält. Der Plot teilt sich in zwei Stränge auf: zum einen die Sichtweise der entführten und leidenden Merete, auf der anderen Seite der etwas griesgrämige Kommissar Carl Mørck, so dass der Fall für den Leser nach und nach aufgerollt wird, kleine Hinweise gegeben werden und man sehr gut nachvollziehen kann, wie sich das Ereigniswirrwarr zu einem logisch-grausamen Konstrukt ergibt.
Denn wie der Titel „Erbarmen“ unschwer erkennen lässt, ist dies kein einfacher Thriller. Es ist absolute Grausamkeit, sowohl körperlich brutal, als auch psychologisch und absolut nichts für leicht besaitete.
Und dennoch, so sehr es den Leser auch quält, was das Opfer Merete durchmachen muss, kann man kaum loslassen von diesem Roman. Besonders schrecklich in Erinnerung geblieben ist mir die Szene, in der Merete Zahnschmerzen hat und ihre Entführer ihr durch eine Art Schacht eine rostige Zange hochschicken – denn das Opfer, obgleich sie sich in der blinden Dunkelheit befindet, wird beobachtet und sobald sie etwas falsches tut, zieht das Konsequenzen, wie z.B. dass der Druck im Raum erhöht wird.
Ich glaube, man kann es kaum anders sagen als grausam und pervers – und dennoch so schrecklich fesselnd, denn der Glaube an Gerechtigkeit und diese Kraft Carl Mørcks stecken an, man hofft unentwegt und fiebert mit Zähnen aufeinandergebissen auf eine Lösung hin. Denn warum bzw. wofür muss Lynggaard leiden?

„Erbarmen“ lebt nicht nur durch die Storyline, sondern auch seinen urigen, etwas eigenen und nicht immer so sympathischen Ermittler – der im Laufe des Romans Unterstützung durch den sehr lustigen Assad erhält. Ein sehr gegensätzliches, aber tolles Paar!

THE VERDICT: Dieses Buch ließ mich nicht in Ruhe und noch viel schlimmer, mir stockte gar der Atem. Ich bin selbst erschrocken, wie mich etwas so Böses, Ekeliges begeistern kann und so muss ich nur sagen, dass ich „Erbarmen“ wirklich empfehle – allerdings nicht als Einschlaflektüre! 8,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

The Imitation Game

DT: The Imitation Game – ein streng geheimes Leben
OT: The Imitation Game
Drama: Thriller, Historiendrama
Cast: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Allen Leech, Charles Dance
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore (auf Grundlage von Andrew Hodges‘ „Alan Turnig – Enigma“)
Musik:
Alexandre Desplat
Erscheinungsjahr:
2014
Länge:
ca. 113 Minuten
FSK:
12 Jahre

„The Imitation Game“ handelt von der Geschichte des britischen Mathematikers und Kryptoananalytikers Alan Turning, basierend auf der Biografie „Alan Turing – Enigma“ des britischen Mathematikers Andrew Hodges. Der Film wird auf drei Zeitebenen, Alans Kindheit in King’s College (1927, Cambridge), dem zweiten Weltkrieg (1939) und die kriminalistische Aufarbeitung seiner Vergangenheit (1951), die nicht chronologisch sind, sondern in Rückblenden oder vorausschauend gezeigt werden, erzählt. Der wichtigste Part ist natürlich das Entwickeln der Turning-Bombe in Bletchley Park mit Hilfe von Hugh Alexander, Joan Clarke, Peter Hilton und John Cairncross um Enigma zu knacken.

Besonders über die Besetzung habe ich mich sehr gefreut, da einige Schaupieler, die ich sehr mag und ich mir gut für die Rollen vorstellen konnte, dabei sind.
Hierbie spielt ein sehr überzeugender und authentischer Benedict Cumberbatch die Rolle des Alan Turing. Natürlich ist es immer schwierig, eine Biografie zu verfilmen, ob die Person exakt so war, oder ob in das Drehbuch viel zu viel hineininterpretiert wurde, kann ich nicht sagen. Dennoch muss man anmerken, dass die Rolle sehr glaubhaft und hervorragend geschauspielert wirkt, besonders die Emotionen und der hochgradig interessante Charakter Turings, ziehen einen in den Bann. Allerdings muss ich mich auch als etwas voreingenommen bekennen, da ich ein sehr großer Benedict Cumberbatch-Fan bin.
Auch Keira Knightley, die ich ebenfalls sehr schätze, spielt ihre Rolle der Joan Clarke emotional und mit Überzeugungskraft. Was mich etwas überraschte, war das doch sehr enge Verhältnis der beiden zueinander, von welchem es auch in der Biografie Turings hieß, dass es nicht so innig gewesen sei wie dargestellt, was mich etwas störte.
Ebenfalls gefreut habe ich mich über Mark Strong, der Major General Stewart Menzies spielt, da er auch hier mal wieder in der Rolle des strengen, ausnahmsweise nicht ganz so bösen, aber etwas unheimlichen Chiefs des MI6 brilliert.

Der Score gehört zu meinen absoluten Highlights des Filmes – aber was kann man schon bei Alexandre Desplat erwarten? Er leistet wieder durch charakteristische, den Film sehr gut unterstreichende Themen, Spitzenarbeit. Das Hauptthema „The Imitation Game“ ist ein wunderbares Zusammenspiel aus engergie- und spannungsgeladenen Komponenten, die unter andrem an das Tippen einer Enigma-Maschiene erinnern, im Einklang mit emotionalen Streichern und tiefen Tönen, welche die hoffnungsvollen, spannenden Szenen wundervoll unterstreichen. Dazu laute Töne, um die Wirren und Bomben des Zweiten Weltkrieges darzustellen. All dies, ohne langweilig oder wiederholend zu wirken. Vielleicht kein Soundtrack für zu Hause zum Nachhören, aber makellos geschneidert für diesen Film.

Ich mag den Film an sich wirklich sehr, betrachtet man ihn als fiktives Werk, ist er in sich weitestgehend schlüssig und hervorragend, leider gibt es einige inhaltliche (z.B. im Bezug auf die Turning-Maschine) und historische Fehler, welche die Grandiosität verpfuschen. Zum einen, wie bereits erwähnt, das innige Verhältnis zu Joan Clarke, zum anderen die Zusammenarbeit John Cairncrosses und Alan Turnings, die für hochgradig unwahrscheinlich gehalten wird, hier aber direkt als im „Team“ eingebunden dargestellt wird. Im Übrigen wird auch Tipp-Ex verwendet, den es damals allerdings noch nicht gab. Auf der anderen Seite ist dies natürlich ein Historienfilm und keine Dokumentation, einige Dinge werden etwas massentauglicher gemacht, ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst wissen. Ich betrachte es mit Zähneknirschen, da mir das Einbinden John Cairncrosses etwas Magenschmerzen bereitet.

THE VERDICT: Mir fällt es ziemlich schwer eine Bewertung zu schreiben, denn aus der anfänglichen Euphorie ist Nachdenklichkeit geworden. Ich erachte es als schwierig, eine Biografie zu verfilmen, umso trauriger sind die enthaltenen Fehler, die ich in meiner Wertung berücksichtigen muss. Dennoch ist natürlich kein Historienfilm perfekt und wahrscheinlich sollte man auch nicht mit dieser Erwartung ins Kino gehen – dafür gibt es die Biogarfie. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Schauspieler und insbesondere Benedict Cumberbatchs und der emotionale und spannungsgeladene Soundtrack machen allerdings die kleinen Fehler nicht wett, weshalb ich nicht die volle Punktzahl geben kann. Deshalb sind  es nur 9 von 10 Sternen – allerdings empfehle ich, ihn zu sehen und sich selbst, ein Bild zu machen.

Love, Katha

P.S. Ich empfehle ihn im Orignialton zu sehen, um in den Genuss Benedict Cumberbatchs Stimme zu kommen!

Kein System ist sicher

OT: Who am I
Genre: Thriller
Cast: Tom Schilling, Elyas M’Barek, Wotan Wilke Möhring, Antoine Monot Jr., Hannah Herzsprung
Regie: Baran bo Odar
Drehbuch: Baran bo Odar
Musik: Michael Kamm
Erscheinungsjahr: 2014
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Ich muss sagen, dass ich gewisse Vorurteile gegenüber von deutschen Filmen habe, ich sehe zwar gerne den Tatort, aber darauf beschränkt es dich dann auch schon. Die Gelegenheit, mir den Film anzusehen, kam eher spontan, ich ward eingeladen und bin einfach komplett ohne Vorkenntnisse ins Kino gegangen – um überrumpelt zu werden.
Ich liebe Tom Schilling und Antoine Monot, Wotan Wilke Möhring wird für mich leider eher ein Schauspieler für Romanzen bleiben, leistet aber souveräne Arbeit.

Die Hackerwelt wird wie eine U-Bahn dargestellt, so dass wenn Clay und MRX aufeinandertreffen, immer diese dunkle, unheimliche U-Bahn gezeigt wird – eine sehr spannende Idee und auch die Umsetzung fand ich rein optisch wirklich gut gelungen.

Der Soundtrack ist sehr modern, besteht hauptsächlich aus irgendwelchen Alternative-Rock-Songs und Elektro, entspricht keineswegs meinem Geschmack, unterstreicht den Film aber durch die Schnelligkeit und gibt gewissen bekifften Szenen den finalen Touch *haha* Als ein Laie in der Computerwelt, der schon mit HTML überfordert ist, kann ich natürlich nichts zur Authenzität sagen, muss aber gestehen, dass ich diesen Film besser verstanden habe, als Inside Wikileaks – insofern ein Pluspunkt.

[SPOILER] Das einzige, was mich an dem Film leider etwas stört, sind gewisse Logiklücken, wie beispielsweise die Enttarnung von MRX. Dieser Hacker schaffen es durch die absurdesten und besonders für Internetlaien unverständlichsten Methoden unerkannt zu bleiben – sind aber nicht schlau genug, um eine Webcam abzukleben? Natürlich kann die Arroganz, man habe als ein Hacker wie MRX dies gar nicht nötig, aber etwas dumm finde ich das schon.

THE VERDICT: Ein wirklich gelungener Film, spannend, energiegeladen und gut umgesetzt! Es ist nicht ganz mein Genre, aber zur Unterhaltung und abendlichem Popkorn-Kino ist er perfekt! Deshalb: 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha