September Faves #17

Moinsen!
Der Monat September ist so schnell an mir vorbeigezogen – genauso wie das frühherbstlich Wetter und nun ist es bereits kalt und stürmisch und wir sind mitten im Herbst. Deshalb möchte ich heute ein paar meiner Highlights aus musikalischer wie bibliophiler Sicht zeigen, so wie ganz generell ein paar Dinge, die mir im September besonders gefallen haben.

1. „Schachnovelle“ von Stefan Zweig
Mein dritter Zweig hat mich genauso wie die „Ungeduld des Herzens“ (wovon ich in privaten Kreisen noch  immer schwärme) absolut in den Bann gezogen: Eine starke und spannende Novelle über zwei verschiedene Schachspieler. Ich mag es sehr, wie Zweig dem Wahnsinn Wort und Charakter gibt und dem Leser das Gefühl, mit der handelnden Figur in die unendlichen Wirre der Irrnis einzutauchen. Sehr empfehlenswert!

2. Schokomüsli von Cerbona
Ein ungesundes, aber herrlich leckeres Vergnügen ist das Schokomüsli mit dunkler Schokolade und Knusperstücken des ungarischen Herstellers Cerbona. Ich finde es immer ganz toll, im Urlaub in Ungarn Sachen zu probieren, die es nur dort gibt.

3. Erstwählerin sein
Letztes Jahr durfte ich bereist für mein Bundesland Berlin wählen – doch dieses Jahr war ich Erstwählerin bei den Bundestagswahlen, also eigentlich schon mein zweiter Urnengang, aber dennoch eine tolle Sache, sich nun endlich auch politisch in Form meiner Stimme äußern zu können und dieses Recht zu nutzen – unabhängig von dem Ausgang der Ergebnisse dieser Bundestagswahl, was nochmal ein ganz anderes Thema ist.

4. Ovomaltine Crunchy Cream
Diese (leider teure) Alternative zu Nutella hat mich wirklich überzeugt, besonders mit den Crunchy-Stückchen ist es ein besonderer Geschmack, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist – beide Brotaufstriche sind aber genauso süß und ungesund. Am liebsten streiche ich diese Nuss-Malz-Creme auf meinen Eierkuchen, aber auch auf dem Frühstückstoast ist sie lecker (wenn auch ein bisschen zu schade dafür).

5. Tee-Set vom Trödel
Katha hat den Trödel für sich entdeckt: Wunderbare Bücher in tollen alten Ausgaben, die fast wie neu aussehen und Unmengen an entzückenden Kleinkram kann man auf Trödeln und Wohnungsentrümpelungen finden, wenn man ein gutes Auge und Geduld mitbringt. Dieses süße Teeset aus bayerischem Porzellan habe ich zusätzlich mit einem passenden Kuchenteller für schlappe 4 Euro bekommen! Eine neue, elegante Art meinen Tee wie eine vornehme englische Dame einzunehmen, finde ich.

6. 7/8 – Straight Jeans mid rise mit Fransen
Ich verkünde offiziell den Anfang des Endes der Skinny Jeans. Die superenge Hose, die jetzt nun seit bestimmt 10 Jahren in allen Läden die Hosen-Abteilung sämtlicher Modegschäfte dominiert und diktiert, zählt ihre letzten Tage. Nun, ganz so dramatisch ist es nicht, ich mag meine alten Skinny Jeans nach wie vor sehr gerne, aber nun wo ich mir im August inspiriert von den vielen Boyfriend- und Straight Jeans tragenden Bloggerinnen eine gerade geschnittene 7/8-Hose gekauft habe, bin ich begeistert, wie unglaublich bequem diese ist und dass auch locker fallende Hosen meinem curvy Figurtypen schmeicheln können – plus: Man hat nicht den Kampf die Hose über die Ferse bekommen zu müssen und wie ein Idiot in die Jeans zu hüpfen.

7. Smart Closet App
Empfohlen von der wunderbaren Modedesignerin und YouTuberin Justine Leconte (ich kann einen Besuch bei ihrem Channel von ganzem Herzen empfehlen) lud ich mir die „Smart Closet“ App auf mein Handy. Man kann durch Abfotogarfieren der eigenen Kleidungsstücke und detaillierten Angaben wie (Kleider < kurze Kleider ) diese  fast wie in Schubladenbzw. Unterkaterogien ordnen. Zusätzlich hat die App eine Lookbook-Funktion, wo man die Bilder der Kleidungsstücke zu einem Outfit zusammenstellen kann und eine Kalenderfunktion, wo man die Outfits oder einzelnen Kleidungsstücke einspeichern kann. Die App rechnet schließlich, wenn man die Funktion regelmäßig verwendet, aus was die besten Price-per-Wear Stücke sind. Da sieht man erst richtig, was man oft trägt. Zusätzlich kategorisiert die App nach Farben und Marken. Manchmal sieht man bei der eignen Garderobe den Wald vor lauter Bäumen nicht – diese App hilft dabei, zu schauen, was man wirklich trägt und wie man guten Nutzen aus seiner Garderobe bekommt und hilft vielleicht manchen auch, weniger oder gezielter passende Kleidungsstücke zu kaufen.

8. Gemeinsam Theodor Fontane lesen
Klassiker lesen kann manchmal recht ermüdend oder zumindest irgendwie einsam sein und meiner Erfahrung nach gibt es bei einigen Klassikern eine Menge zu diskutieren (natürlich gilt das für jedes Genre, aber mein Ziel ist es ja, mehr Klassiker zu lesen). Deshalb war es für mich eine absolute Freude mit der wunderbaren Instagrammerin Nora (@nora.reads) die Bücher „Frau Jenny Treibel“ und „Stine“ zusammen zu lesen und zu diskutieren. Ich hatte ein viel intensiveres Leseerlebnis!

Was ich im September gelesen habe:

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  • Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel – eine interessante Beobachtung zum Verhältnis zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum, im altbekannten, ausschweifenden Theodor Fontane Stil, leider mit ziemlich unsympathischen Figuren. 6/10 Sternen
  • Fontane, Theodor: Stine – eine  kurze, tragische Geschichte, die durch ihre Figuren und die Nähe zur Stadt Berlin punktet . 7/10 Sternen
  • Irving, John: Gottes Werk und Teufels Beitrag – ein wichtige moderner Klassiker, der ganz anders ist, als erwartet und durch seine Schrulligkeiten absolut Spaß macht zu lesen. Positiv überrascht bestärkt es mich in meiner Begeisterung für den Diogenes Verlag: 8,5/10 Sternen
  • Towles, Amor: A Gentleman in Moscow – ein gehypter Roman, der leider durch einige historische Schwachstellen wie Langatmigkeit leider nicht mein Herz erobern konnte, deshalb nur 6/10 Sternen
  • Zweig, Stefan: Schachnovelle – hat mich wirklich überzeugt und meine Liebe zu diesem wunderbaren Autor nur bekräftigt, deshalb: 9/10 Sterne

Musikalische Highlights:

Wie war euer September? Was waren eure Favoriten und was habt ihr gelesen?

Love Katha

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July Faves #17

Moin!

Wieder neigt sich ein Monat dem Ende. Die letzte Vorlesung ist geschafft, nach wochenlangem Regen steht endlich wieder die Sonne am Himmel und eine warme Brise weht durch die Stadt – und natürlich haben sich in den letzten Wochen wieder einige Favoriten angesammelt.

1. Sonnenbrile mit Sehstärke
Ich trage zwar schon seit meiner frühen Kindheit eine Brille, allerdings hatte ich bis zu diesem Frühjahr noch nie eine Sonnenbrille mit Sehstärke. Immer wieder Shatte ich onnenbrillen ausprobiert, aber es richtig verabscheut, nicht scharf mit ihnen zu sehen können. Nun allerdings kann ich aus vollem Herzen bestätigen, dass eine Sonnenbrille mit Sehstärke eine herrliche und sehr empfehlenswerte Sache ist und eine absolute Revolution.

2. Vöslauer Balance
Eigentlich ist das österreichische Vöslauer schon seit Ewigkeiten mein liebstes Mineralwasser (mit Geschmack), also wurde es mal Zeit es hier zu teilen – gerade jetzt, in der heißen Jahreszeit, wo man auch mehr trinkt. Geschmackstechnisch empfinde ich es unter allen Mineralwassern mit Geschmack am besten, da die Note von Frucht stets recht minimalistisch und dezent ist und nicht quietschbunt und zuckersüß schmeckt.

3. Aspekte im ZDF
Ich glaube, viele wissen gar nicht, dass man im ZDF Sendungen teils kostenlos besuchen kann – Aspekte im Hauptstadtstudio in Berlin ist eine dieser Sendungen. Manchen ist sie vielleicht nur als Sendung nach der Heute Show bekannt und ich stieß auch nur zufällig darauf. Aber seitdem ich mit meinem Freund dort war, hat sich meine Meinung in Begeisterung gewandt. Zum einen gab es einen sehr freundlichen Empfang mit Getränken, zum anderen waren die verschiedensten Altersklassen verteten, was für ein buntes Publikum sorgte und toller Stimmung. Das Beste war selbstverständlich in einem Fernsehstudio zu sitzen und mitzuerleben, wie eine Sendung aufgenommen wird, wie hunderte von Scheinwerfern von der Decke hängen, wie das Kamerateam sich durch das Publikum windet. Zu guter letzt gab es ein Interview mit dem Sänger Faber, der nicht nur einen Song spielte, sondern gleich noch zwei Zugaben lieferte. Die Stimmung war wunderbar locker, ausgelassen und heiter, kein bisschen gezwungen, was ich nicht erwartet hätte.

4. Social Movie Night: Dunkirk
Dank meines Freundes bekam ich die Möglichkeit der Social Movie Night am 24.07. im Berliner Zoopalast Kino beizuwohnen, da er glücklicherweise zwei Tickets gewonnen hatte. Es ist eine von YouTubern organisierte Veranstaltung, Filme vor der eigentlichen Preview zu sehen und später darüber zu diskutieren. So konnten wir den neusten Film des britischen Regisseurs Christopher Nolan vor allen anderen sehen: „Dunkirk“, der, wie der Name schon suggeriert, die Evakuierungsaktion von Dünkirchen im Zweiten Weltkrieg beeindruckend und schockierend wiedergibt. Natürlich ist man bei einem Kriegsfilm vorbereitet, grausame Sachen zu sehen und dennoch hatte dieser Film durch die einfache Gewalt des Wassers, eine Ebene von einer anderen Brutalität. Es ist ein hervorragend gemachter, beklemmender und bewegender Film, der beispielhaft Schicksale im Krieg zeigt und die Schrecken des Krieges lehrt.

5. Lesehighlight: Stefan Zweigs „Ungeduld des Herzens“
Mein Lieblingsbuch in diesem Monat und ganz bestimmt auch eines meiner liebsten in diesem Jahr. Ich darf offiziell bekunden: ich bin in Stefan Zweigs Literatur verliebt. Im Grund genommen kann ich diesen großartigen Klassiker folgendermaßen herunterbrechen: der Roman ist eine  Hommage an eine verlorengegangene glänzende Zeit vor dem ersten Weltkrieg, an Offiziere, an Festlichkeiten und eine alte heile Welt. Dieser Charakter mit der alten, ausschweifenden Sprache und dem extrem interessant konstruiertem moralischen Dilemma, in der jede Figur einen nachvollziehbaren Standpunkt vertritt und psychologische Einsicht in den Protagonisten erlaubt, schafft es, dass man selbst leidet, da man sich nicht entscheiden kann, macht dieses Buch so unglaublich wichtig und brilliant. Für mehr Hintergrund und zu einer tieferen Besprechung, gibt’s hier die Rezension.

6. Jane Austen Tasse
Dank der lieben Leonie vom Blog Leonie’s Lesekiste bekam ich auf Instagram die Möglichkeit, diese wunderbare Tasse (und zwei Bücher) zu gewinnen. Ich muss gestehen, dass ich seitdem die Tasse zu Hause engetrudelt ist, sie ständig verwende, weil sie schlichtweg mein bibliophiles Klassikerherz wärmt.

7. Sticken lernen
Dieses Jahr scheinen folklore Blumenmuster überall in den Geschäften zu sein und wie schon tausendfach erwähnt liebe ich Blumenmuster in jeder Form – was wäre, denn anstelle etwas zu kaufen, doch selbst tätig zu werden? Mich erinnern diese Muster ziemlich an meine ungarische Identität und meine zweite Heimat, weshalb es kam, dass ich meine Mutter fragte, wie man so etwas denn sticke – und seitdem kann ich nicht mehr aufhören. Sticken ist so herrlich entspannend und macht gleichzeitig richtig Spaß, wobei am Besten ist, wirklich seinen Fortschritt und seine Verbesserung sehen zu können und dann stolz etwas in den Händen halten zu können. Aktuell arbeite ich an einer fröhlichen Verzierung meiner alten Jeansjacke, aber ich glaube, ich werde noch viel mehr besticken in der Zukunft.

8. #Booksandhotdrinkstuesday auf Instagram
Schon länger wollte ich auf Instagram eine eigne Aktion starten, bei de ich mittels eines Hashtags Leute verbinde, über verschiedene Themen zu schreiben und sich auszutauschen. In letzter Zeit merke ich auf dieser Plattform diesen stetigen Druck nach mehr Followern, Likes, Comments – was auch immer. Dabei ist es doch immer am Schönsten, sich einfach mit Gleichgesinnten über Bücher und Tees und derlei zu unterhalten. Ohne diese Zahlen zu sehen. Deshalb habe ich diese kleine persönliche Aktion ins Leben gerufen, an der immer wieder ein paar andere tolle InstagrammerInnen teilnehmen und bin richtig glücklich darüber, da ich wirklich Spaß habe.

9. Geblümtes Sommerkleid von H&M
Vermutlich wird dieses bezaubernde, leichte Kleid auf lange Sicht einer meiner liebsten Kleidungsstücke dieses Jahres, denn in diesem Kleid finde ich einfach alles wieder, was mir gefällt: Ein leichter Stoff, der allerdings nicht durchsichtig ist, ein wunderbares Blumenmuster, ein V-Ausschnitt, eine angenehme Länge (endet ca. Mitte der Waden) und seitliche Schlitze sorgen bei einem Wind für ein luftiges Gefühl.

Musikalische Highlights

Diesen Monat hat sich musikalisch einiges bei mir getan. manchmal gibt es Songs, die einen nicht nur bezaubern, sondern auch den weiteren Musikgeschmack prägen. Nachdem ich mich letzten Monat in Salvador Sombrals „Amar Pelos Dois“ verliebte, hat mich jetzt eine nostalgische Welle des Jazz ergriffen. Unter den Highlights sind aber auch natürlich andere Genres vertreten:

Gemischtes

Zu guter letzt eine persönliche Challenge: ich habe mir vorgenommen, diesen Monat jeden Tag zu lesen und bin stolz verkünden zu können, es tatsächlich geschafft zu haben. Manchmal waren es 150 Seiten, an andern Tagen vielleicht nur 20, aber es hat mich definitiv dazu motiviert, mehr zu lesen und sogar meine Lesechallenge auf Goodreads von 25 Büchern, die ich dieses Jahr lesen möchte, auf 30 zu erhöhen. Wenn ich jeden Tag lese, bleibe ich nicht nur viel besser am Buch, sondern fühle mich selbst auch erfüllter – zudem ich die Möglichkeit, so seinen SuB zu reduzieren ein schöner Nebeneffekt.

Außerdem war ich Second Hand Buchshoppen mit meiner besten Freundin Charlie vom Blog Keine Zeit für Langeweile. Zu diesem Zweck ging es in den tiefsten Osten Berlins, ins Café Tasso, welches eine Mischung aus Second Hand Buchladen und Café ist (mit vielen Bio Sachen!). Die Auswahl ist ganz toll, man findet von Fachlektüre zur Physik bis hin zu englischen Büchern alles mit einer angenehmen und der Preis von 1.50 Euro pro Buch ist angemessen, da man auch vielen in sehr gutem Zustand findet. Mittlerweile bin ich definitiv auf der Suche nach mehr solcher Second Hand Buchläden, nicht nur weil man unheimlich an Geld spart, sondern einfach kleine Schätze finden kann.

Wie war euer Juli?

Love, Katha

Ungeduld des Herzens

Autor: Stefan Zweig
OT/DT: Ungeduld des Herzens
Genre: Roman
Ersterscheidung (DE): 1939
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 10 DM (Taschenbuch)
ISBN: 9783596119127
Länge: 456 Seiten

Durch einen Zufall bekommt der junge Leutnant Anton Hofmiller die Möglichkeit einem Abend auf dem Anwesen der reichen ungarischen Familie Kekesfalva zu verbringen. Als er jedoch die Tochter des Hauses, Edith, zum Tanzen auffordert, passiert ihm ein schrecklicher Fauxpas, denn er hatte zuvor nicht gemerkt, dass sie an den Beinen gelähmt ist. Aus Mitleid  wird er sie besuchen später, um sich zu entschuldigen. Immer wieder und wieder kommt er aus Mitleid vorbei und verstrickt sich in einen Kampf mit seinem Gewissen.

Mit diesem teils grausamen, oft bewegenden und immer grandios geschriebenem Roman hat sich Stefan Zweig definitiv einen Platz in meinem Herzen gesichert. Der englische Titel „Beware of Pity“ zeigt meiner Meinung nach noch stärker, die gefährlich das Ausmaß von Mitleid werden kann, welches Anton Hofmiller nach und nach stärker beherrscht.

Zeigs Buch hat etwas, was mehr anmuten lässt, als sei es nicht Ende der 1930er, sondern eher in den 1880ern geschrieben worden, eine Hommage an das Wien in seiner Glänzenden Zeit, an Offiziere, an Festlichkeiten und eine alte, eigentlich schon heile Welt, die verloren gegangen ist. Dieser Charakter mit der alten, ausschweifenden Sprache und dem extrem interessant konstruiertem moralischen Dilemma, in der jede Figur einen nachvollziehbaren Standpunkt vertritt und man selbst leidet, da man sich nicht entscheiden kann, macht dieses Buch so unglaublich wichtig und brilliant.

Wunderbar ist auch die psychologische Einsicht in den Protagonisten, den Mitleid und Wahnsinn befällt und wie es die satte Wortwahl, die langen Sätze und das Sprachgefühl Zweigs es möglich machen eine so starke emotionale Dichte und Intensität zu erzeugen, das man wortwörtlich mitleidet.

Letztendlich habe ich lange überlegt, was eine angemessene Bewertung für dieses Werk ist, um meine Begeisterung auszudrücken, aber es trotzdem nicht ganz das perfekte Buch nennen zu können, weil das meinem Gefühl nicht gerecht wird. Zum einen bin ich fest davon überzeugt, dass dieser ellenlange, Metaphern- und Nostalgiereiche Schreibstift nicht jedem gut bekommen wird. Ich, wo ich wirklich diesen langen prosaischen Stil schätze, hatte dann und wann auch Momente, wo ich mir durchaus etwas mehr Tempo gewünscht hätte, da der Spannungsbogen durch lange Abschweifungen etwas leidet.

Auch das moralische Dilemma wirkt erstmal banal, doch wenn man von den Gefühlen in der Geschichte ergriffen wird, erscheint es höchst authentisch. Leider war ich nicht ganz überzeugt vom Ende des Romans, denn es fehlte sich so abrupt an, als würde man nach einer langen Reise einfach urplötzlich, vielleicht einen halben Kilometer vor dem Ziel  von etwas überfahren werden. Zwar ist es ein schlaues Ende, aber wie es eingeleitet wurde, ward nicht dem Rest der Geschichte gerecht. Mir gefiel der Anfang mit dem Beobachtenden Literaten, der die Geschichte Hofmillers erfährt extrem gut und ich hatte gehofft, dass wenigstens ein paar Worte von dieser Konversation am Ende zur Abrundung aufgegriffen werden. Vielleicht wäre das auch zu viel gewesen, Stefan Zweig wird seine Gründe dafür gehabt haben, ich möchte nur betonen, dass mir ein abgerundeter Schluss besser gefallen hätte.

Eins steht zweifelsohne fest: Ich kann nicht anders als zu verkünden, als mehr von Stefan Zweig lesen zu müssen!

THE VERDICT: „Ungeduld des Herzens“ wird sich von nun an unter meinen liebsten Klassikern befinden. Herrlich geschrieben mit einer interessanten, aber auch grausame Geschichte und einer tiefgehenden emotionalen Intensität, wie ich sie noch bei keinem Klassiker gefühlt habe. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

Ein Versprechen – Reise in die Vergangenheit

OT: A Promise
DT: Ein Versprechen – Reise in die Vergangenheit
Cast: Richard Madden, Alan Rickman, Rebecca Hall, Maggie Steed
Genre: Drama, Liebesfilm
Regie: Patrice Leconte
Drehbuch: Patrice Leconte
Musik: Gabriel Yared
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Vefilmung von Stefan Zweigs Erzählung „Reise in der Vergangenheit“

Wir befinden uns im Jahr 1912: der junge Ingenieur Friedrich Zeitz erhält eine Stelle bei dem Großunternhemer Karl Hoffmeister, ein alternder Mann mit keinem guten Gesundheitszustand. Bei einem Besuch auf dem Anwesen der Hoffmeisters lenrt Friedrich die deutlich jüngere, sehr schöne Frau, Charlotte, seines Arbeitgebers kennen und versucht sie zunächst so gut wie möglich zu meiden, weil ihn ihre Anziehungskraft durchaus beunruhigt. Kurz bevor der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Friedrich gezwungen auf Grund der Krankheit Karl Hoffmeisters an seiner Stelle die Auslandsvertrung in Mexiko zu repärsentieren. Vor seiner Überfahrt, kochen schließlich die Gefühle von beiden über – doch durch den Krieg ist kein postalischer Verkehr mehr möglich, es bleibt nur ein Verprechen, dass sie sich zum Abschied gaben.

Mich dünkt, dass Rebecca Hall, wie sie schon in Parade’s End zeigte, wie geschaffen für diese Art von Rollen ist. Durch ihre recht außergewöhnliche Schönheit und einen unglaublichen Charme und dem bezabuernd Natürlichen, schafft man es im Film sich sogar in sie zu verlieben! Es ist, als schmelze sie perfekt mit den 1910ern zusammen. Und ihre hellen Gewänder machen sie zusätzlich zu einem optischen Traum.
Leider wirkte Richard Madden als Freidrich Zeitz auf mich wie ein kalter Fisch mit dem immergleichen Geischtsausdruck. Denn obwohl er natürlich mit sich sebst kämpft und versucht, seine Gefühle ihr gegenüber nicht zu offensichtlich werden zu lassen, wirkt er mit diesem kalten Blick unheimlich unsympathisch und nichtssagend.
Bei Allen Rickman merkt man, wie Stefan Zweig es in seinem Werk auf das Psycholgische angsetzt haben muss, denn zumeist spielt er nur den stillen, geheimisvollen Beobachter, bei den man sich fragt, ib er denn gar nichts ahnt, oder selbst die Finger im Spiel hat.

https://i0.wp.com/www.impawards.com/intl/misc/2014/posters/promise_ver2_xlg.jpgInteressant und wirklich gut gemacht, fand ich die Filmografie: Besonders in den Momenten, wo Freidrich Charlotte betrachtet, beispielsweise, als er die Treppe hinter ihr folgt, wachkelt die Kamera leicht, man erlebt den Augenblick mit seinem ransendem Herzen mit, welches ihr unbedingt näher sein zu will, als er darf. Oder es wird aus Friedrichs Augen gezeigt, wie er Charlottes Lachen still beobachet, oder gar den Schmuck an ihrem Hals neugierig beobachtet. Dadurch entsteht ein ganz eignes Knistern, welches ich in dieser so leisen Form selten gesehen habe.
Meist ist das Licht des Fimes recht duster gehalten, ähnlich wie der traurige Konfikt,in den die drei Figuren verwickelt sind, doch in den frohen Momenten, in denen er mit Charlotte allein ist, scheint es ein ganz natürliches leuchten zu geben – ähnlich wie auf dem Filmplakat.

Dazu kam noch ein sehr melancholischer, vor allem durch Streichermelodien geprägter Soundtrack, der die trübe, aber in ihrer geheimen tiefe leidenschfatliche Grundstimmmung wunderschön untermalt. Als träume man im Herzen von der Liebe, die so unerreichbar ist.

Was zunächst wirkt, wie eine sich über den ganzen Film hinwegziehende, langsam aufkeimene Liebesgeschichte, ist vielleicht für unsere modernen Augen fremd – denn genau durch dieses Entfalten wird der Film zu einer Retrospektive für alte, vergangene Werte. Anfangs mag diese Sichtweise auf eine Beziehung seltsam wirken, aber ich muss sagen, dass genau diese Tatsache den Film historishc betrachtet authentisch macht: Das Warten auf die Liebe, das Versprechen (wie der Filmtitel schon sagt) auf jemanden zu warten. Andereseits dünkt mich, dass Stefan Zwieg es nicht unbedingt auf die Liebe, sondern auch auf ein Portrait einer dieser Zeit vor dem Ersten Weltrkieg abgesehen hat, weshalb ein tiefere Einblick in Zeitzs Arbeit (auch in Mexiko) durchaus interessant gewesen wäre. Irgendwie hatte ich durchgehend das Gefühl, eine Komponente fehlt.

THE VERDICT: Ein ganz anderer Liebesfilm, der mit seiner stillen Art in eine vergangene Zeit zurückführt und mich auf den Roman sehr neugierig gemacht hat. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha