Rebecca

Anlässlich meines 3 jährigen Blog-Geburtstages (Himmel, wie die Zeit vergeht!) möchte ich gerne ein Buch vorstellen, dass ich kürzlich gelesen und genossen habe: Rebecca von Daphne du Maurier –  ein modernen Klassiker.

Autor: Daphne du Maurier
OT: Rebecca
DT: Rebecca
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1938
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 3-426-60542-2 (Ausgabe 1996)
Länge: 397 Seiten

Unsere junge Protagonistin, deren Name über die Geschichte nie bekannt wird, lebt mit einer schrecklichen älteren Dame in einem Hotel in Monte Carlo als ihre Gesellschafterin. Alles ändert sich jedoch, als Maxim de Winter, ein 40 jähriger Witwer, dort eintrifft und sich die junge Frau und er rasch verlieben und er sie binnen weniger Tage fragt, ob sie ihn heiraten will. Nach einer kurzen Hochzeitsreise nimmt er sie mit auf sein englisches Anwesen Manderley, doch schnell wird klar, dass seine unter mysteriösen Umständen Verstorbene Frau Rebecca noch immer im Haus präsent ist.

Die Schriftstellerin, die vielleicht einige von uns in Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“ das Staunen und Gruseln gelehrt hat, beweist in „Rebecca“ hohes schriftstellerisches Können, nicht nur schafft sie es, die Protagonistin nach und nach komplett paranoid zu machen, sondern man selbst weiß nicht, wem oder was man trauen kann. Dabei ist die Protagonistin eine zarte und sehr schüchterne junge Frau (und manchmal leider, auf Grund mangelnder Lebenserfahrung, mangelndem Selbstbewusstsein und Einschüchterung ein bisschen eine „dumme Gans“), deren Charakter sich überzeugend mitentwickelt und man meist gut mit ihr sympathisieren kann, aber auch teils etwas genervt ist, in diesem unheimlichen Haushalt.

Der Haushalt mit seinen vielen kleinen Nebenrollen ist mit mindestens genausoviel Liebe zum Detail von Maurier geschrieben und gezeichnet worden, was dem ganzen Buch eine unglaubliche Überzeugungskraft, psychologische Gerissenheit und Lebendigkeit gibt.

Dieser Roman ist ein wenig wie die gefürchtete Schatulle der Pandora: Erst einmal geöffnet, ist der weitere Verlauf unaufhaltsam und man liest eine Seite nach der anderen und hat stets das Schlimmste zu befürchten. Ohne Spoilern zu wollen: Dieser Roman lebt förmlich von seinen Drehungen und Wendungen, die einen teils eiskalt erwischen. Spannend wie ein Thriller und geistreich wie ein Klassiker mit einigen Zügen einer Romanze. Es ist wirklich schön, wie mehrere Genres in „Rebecca“ aufeinandertreffen, jedoch muss ich gestehen, dass der romantische Teil ein wenig dünn war.

Bei längerem Überlegen fiel mir allerdings auch auf, dass mir das alte unheimliche Haus, die verstorbene Frau, die aber noch immer präsent ist und das junge, zarte Mädchen bekannt vor kamen – auch Charlotte Brontës Meisterwerk „Jane Eyre“ . Knapp gesagt, könnte man meinen „Rebecca“ sei eine deutlich gruseliger und dafür weniger romantische Version einer ähnlichen Grundidee. Vom Lesegefühl, Schreibstil und der Persönlichkeiten der Hauptfiguren sind die beiden Geschichten jedoch Grundverschieden und auf jeden Fall lebenswert.
Natürlich schwingt hier eine wichtige Frage mit: Welches der Bücher gefällt mir besser? Es fällt mir nicht schwer mich zu positionieren: Jane Eyre glänzt durch angenehmere Charaktere und statt Grusel berührt es tief im Herzen.

Meine Empfehlung: Wer nicht wirklich weiß, wovon Rebecca handelt, den Film oder das Musical noch nicht gesehen hat – Hände weg, lasst euch überraschen!

Als einen kleinen Nachteil empfand ich das Ende, welches ich nicht inhaltlich erwähnen werde, um spoilerfei zu bleiben, welches meines Erachtens nach sehr abrupt und plötzlich kam, denn auch ein offenes Ende muss nicht so wortkarg geschrieben werden, um offen zu bleiben.

THE VERDICT: Ein extrem spannendes, unheimliches Buch, welches mit seiner Unberechenbarkeit einen sofort in einen Sog zieht. Eine literarisch-psychologischer Hochgenuss, den ich nur empfehlen kann! Einen kleinen Abzug gibt es, da mich der romantische Teil nicht vollständig überzeugen konnte. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

Mord in Babelsberg

 https://i2.wp.com/d.gr-assets.com/books/1391892649l/20641357.jpgAutor: Susanne Goga
Titel: Mord in Babelsberg
Genre: historischer Krimi
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: dtv
Preis: 9.95
Länge: 320 Seiten
ISBN: 978-3423214865

Band 4 der Leo Wechsler Reihe

Berlin 1926. Im Hof einer eleganten Wohnanlage in Kreuzberg wird eine Leiche einer Frau entdeckt, die mit einer Scherbe aus rotem Glas erstochen wurde. Kommissar Leo Wechsler muss am Tatort erkennen, dass es sich bei der Toten um Marlen Dornow handelt, zu der er vor Jahren eine sehr persönliche Verbindung hatte. […] Kurz darauf gibt es einen zweiten Toten: Viktor König, ein gefeierter Regisseur wurde  nach der Premiere seines großen Films über den sogenannten „Magier der Pfaueninsel“ ebenfalls mit einer roten Glasscherbe erstochen… [Klappentext]

Und erneut behält Goga ihren glatt geschliffenen Schreibstil mit wunderbar urigen Charakteren in der Zeit der Weimarer Republik bei. Nun findet ein Zeitsprung statt: von 1922 im dritten teil zu 1926 hat sich Leos leben eigentlich beruhigt, auch, weil die Inflation abgeflaut ist, doch nun kommt wieder Bewegung rein.

Leo Wechsler soll auch in diesem Buch als Charakter wachsen, während im dritten Band vor allem Claras Vergangenheit aufgerollt wird, geht es diesmal um eine Bekannte von Leo, die man schon aus dem ersten Teil kennt: Marlen – natürlich steht da die Beziehung zu Clara Kopf, welche Frau würde sich schon freuen, diese Dinge aus der Vergangenheit zu erfahren? Das Problem für Leo ist aber auch seine persönliche Beziehung zu der Toten darf nicht herauskommen, wenn er der ermittelnde Kommissar ist. Schon an dem Plot kann man erkennen, dass dieser vierte Teil weitaus energiegeladener ist, als seine Vorgänger – mit ordentlich Konfliktpotenzial und seinen Rivalen  im Präsidium wird eingeheizt. Dazu kommt noch die prekäre politische Lage, die sich nun gen rechts-populistisch bewegt.

Hier merkt man – worüber ich mich sehr freute –  Goga kann richtig gut historische Romane schreiben, alles wirkt so authentisch und ja, berlinerisch. Das merkt man am Dialekt, aber teilweise auch an der seltsamen Unfreundlichkeit mancher Charaktere. Doch auch wie sich die Gesellschaft entwickelt, kann man über die letzten vier Teile sehr gut mitfühlen: Leo festigt sich ebenfalls von Teil zu Teil, ich habe den Eindruck er wird selbstbewusster, was man auch im Umgang mit seinen zwei wunderbaren Kollegen merkt: Robert Walther, den man schon länger kennt und Jakob Sonnenschein – beide frisch verliebt.

Wunderbar ist zusätzlich, wie man in das Leben der aufblühenden Filmbranche der 20er eingeführt wird, aber auch die bösen Seiten entdeckt. Besser gesagt: in diesem Fall von Leo ist die Handlung düsterer und weniger offensichtlich als in dem Vorgänger, der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende erhalten und man hat als Leser selbst Raum um mitzurätseln. Dennoch behält Goga das ruhige an ihren Krimis, Verfolgungsjagden sind nicht zu erwarten – nach wie vor lese ich diese Bücher gerne nebenbei, weil sie entspannend und spannend sind.

THE VERDICT: Ein gelungener, vierter Teil, der durch einen reizvollen Fall in einem Berlin, welches sich im Umschwung befindet, besticht. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen: Cover

Red Queen

Autor: Victoria Aveyard
OT: Red Queen
Genre: Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: HarperTeen
Preis: 10.99 $ (Paperback)
ISBN: 978-0062362711
Seiten: 400

Band 1 der Red Queen Reihe
Auf Deutsch unter dem Titel „Die rote Königin“ erschienen.

Auf Social Media Seiten wie Instagram überall zu sehen und nun, wo es gut ein Jahr in meinem Regel stand, wollte ich endlich wissen, was an dem Hype von „Red Queen“, dem Debütroman von Victoria Aveyard, dran ist. In erster Linie muss ich zugeben, dass mich das Cover sehr zum Kauf anregte – es sieht aber auch genial aus und passt einfach perfekt!

Mare Barrow lebt in einer geteilten Gesellschaft: Die Farbe des Blute scheidet zwischen dem armen Volk und den großen Adelshäusern, denn letztere haben silbernes Blut. Diese sind mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und regieren seit Jahrhunderten über die rot blütigen. Mare, die in einem armen roten Dorf auswächst, bekommt durch einen mysteriösen Kontakt in den Palast zu kommen und dort den silbernen zu dienen. Dort stellt sich heraus, dass auch Mare besondere Kräfte hat und rotes Blut – eine absolute Unmöglichkeit, die der Hof unentdeckt lassen möchte und deshalb Mare aufnimmt unter dem Deckmantel, sie sei eine lang verlorene silberne Adelige. Die rebellische Mare gewinnt nun Hoffnung eine rote Revolution von innen zu starten, aber sie weiß noch nicht, mit dem sie sich anlegt, denn Worte können Lügen sein…

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So weit, so typisch Dystopien (für Jugendliche). Die Idee von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ist auch nicht neu, ich musste sogar mehr an das vorrevolutionäre Frankreich denken, als ich von der Division durch Blut las, doch fand ich die Idee reizvoll.
Ähnlich plätschert es weiter, Mare, eine nicht unbedingt intelligente, aber mutige und selbstbewusste Aufsässige mit Ecken und Kanten schafft es schließlich durch eine Verbindung in den Palast zu kommen – und das alles recht schnell dank Aveyards flottem Präsens-Parataxen-Schreibstil, der recht gewöhnungsbedürftig ist . Inhaltlich möchte ich vorwegnehmen, dass „Red Queen an einigen Stellen an eine abgespeckte und nettere Version von „Game Of Thrones“ erinnert, wer also eine Welt aus unterschiedlichen Häusern, bestimmten Fähigkeiten und Intrigen mag, ist hier richtig. So wird man auch Teil von Mares Gedanken, die im wesentlichen ziemlich stolz darauf ist, dass man auf ihr Lügenspiel hineinfällt.

Auf die ersten 100 Seiten scheint es „Red Queen“ an Energie zu fehlen, zwar passiert einiges, wirkt aber weniger dramatisch, als wahrscheinlich der Fall sein soll, der Roman hat einen sehr gemächlichen Ton. Ich möchte auch nicht zu viel vorwegnehmen, für alle die das Buch lesen wollen, aber ich muss sagen, es lebt von den absolut umwerfenden Plottwists, die manchmal in Form einer  deus ex machina erscheinen, in anderen Situationen aber auch gerne den Teufel heraufbeschwören, also sowohl positiv als auch negativ ausfallen.  Ähnlich wie Mare glaubt man beim Lesen die ganze Zeit alles unter Kontrolle zu haben und fürchtet Dreiecksbeziehung und dahinplätschernde Revolution (wie etwa in Panem im 3. Band) , als großartige grausame und verhängnisvolle Ereignisse- es ist definitiv nicht so!
Während ich das Buch las, und das muss ich an dieser Stelle zu geben, wollte ich es unbedingt mögen, doch lange hielt es bei mir nur als ein durchschnittlicher Dystopienroman durch, wie sie aktuell sich nur reihenweise in den Abteilungen für Jugendliteratur stapeln, nichts besonderes, aber in Ordnung. Doch es kam ganz anders.  „Red Queen“ blüht nach und nach auf und zeigt besonders zum Ende seine wahren Stärken (bis dahin muss man es leider durchgehalten haben…), seine Besonderheit: die Geschichte verliert nie die Energie, immer auf Trapp, dass man fast den Atem anhält. Übrigens, ein bisschen Liebe (oder Ansätze dieser) gibt es auch…

Der erste Band dieser Reihe ist durchaus lesenswert:  obgleich nun Mare nicht unbedingt die klassische Figur ist, mit der man sich identifizieren kann, lebt „Red Queen“ definitiv von der Diversität der Orte und Figuren,  besonders Letztere werden wortwörtlich durch die vielen Dialoge zum Leben erweckt. Manchmal dünkt es hier jedoch, dass es mehr ein Skript für einen Film ist, als ein richtiger Roman. Ich hätte mich sehr über ein paar weitere Beschreibungen gefreut –  diese müssen ja nicht so ausufernd sein wie die eines Theodor Fontane, aber besonders bei Zukunftsfantasien und Welten, die nicht der unseren entsprechen, fällt es nicht immer leicht, sich vorzustellen, wie das erfundene Universum aussehen soll. Dass ein Gewand aus violetter Seide ist und mit Steinen bestickt ist, könnte absolut alles zwischen dem Rokoko und moderner Kleidung sein. Es ist folglich zu merken, dass „Red Queen“ definitiv Stärken hat, die aber auf Grund nicht ignorierbarer Schwächen in der Gesamtwertung an Kraft verlieren, was sehr schade ist.

Alles ist im Ansatz einfach wunderbar: die Idee, die Figuren, der Konflikt, doch die Ausführungen gehen nicht immer in die Tiefe, sowohl inhaltlich als auch stilistisch, was dieses Buch hätte von einer netten Lektüre zu einem fesselnden Roman steigern können. Ich fühle bezüglich dieses Punktes einen gewissen Zwiespalt in mir, denn ich würde „Red Queen“ gerne noch mehr mögen.

THE VERDICT: Spannend, überraschend und energiegeladen ist der erste Teil aus der Reihe über rotes und silbernes Blut und voll herrlich unerwarteter Momente. Die Schwächen liegen wirklich in der Tatsache, dass es zu schnell zur Sache geht und an wichtigen Stellen detaillierte Ausführungen fehlen.7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Autorität

Autor: Jeff VanderMeer
DT: Autorität
OT: Authority
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: Kunstmann
Preis: 18.95 (broschiert)
Länge: 363 Seiten
ISBN: 978-3888979958

Band 2 der Southern Reach Trilogie

Nach der katastrophalen zwölften Expedition befindet sich Southern Reach, die für die mysteriöse Area X zuständige Organisation, in Auflösung. John Rodriguez, der neue Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verhörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst und die Organisation, der er die Treue geschworen hat… [Klappentext]

Nachdem mich der erste Band total gefesselt hatte, konnte ich es kaum erwarten, den zweiten Teil auszuleihen (ich finde den Preis für die ziemlich groß gedruckte, gebundene Ausgabe, trotz tollem, im Dunkeln leuchtendem Cover echt happig). Diesmal wird die Organisation Southern Reach aus der Perspektive des neuen Mitarbeiters John – im ganzen Buch „Control“ genannt – betrachtet. Wie der Klappentext und bereits der erste Teil andeuten, scheint es viele Geheimnisse zu geben und nicht alles läuft mit rechten Dingen zu.
Dass die Figuren keine Namen haben, sondern Bezeichnungen zu ihren Aufgaben, daran musste man sich schon im ersten Teil gewöhnt haben, denn meines Erachtens wird es eigentlich nur schlimmer. Erneut haben wir eine Figur vor uns, die sich zwar aus der Perspektive des auktoralen Erzählers durch die Handlung bewegt, allerdings erfährt man wieder nur nach und nach Fetzen. Wer die etwas kühle und distanzierte Biologin nicht mochte, wird Control bestimmt nicht leiden. Wenn ich ehrlich bin, fand ich seinen Code-Namen etwas lächerlich, denn nur weil er plötzlich mehr oder weniger der Boss dieser suspekten Regierungsorganisation ist, heißt das lange nicht, dass er alles unter Kontrolle hat – ganz im Gegenteil: immer wieder muss er einer Person am Telefon „Voice“ (nicht kreativ, aber passender) von seinen neusten Entdeckungen berichten und steht nach und nach zwischen den Stühlen: wie viel wird er dieser Person wirklich erzählen?
Soweit, so spannend. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, das Geschehen aus einer anderen Perspektive verstehen zu können, denn er Ansatz ist absolut brilliant: einen Neuen mit Dreck am Stecken einzuschleusen und nach und nach alles zu erklären… oder auch nicht?
Es ist wirklich ärgerlich, wie sehr es diesem Buch an Spannung mangelt, zwischen drin läuft Control auf gut hundert Seiten eigentlich nur durch die Gegend und alles wird komischer. Anders als im ersten Teil sind hier die Ausführungen zu Hintergrundgeschichten deutlich länger und lassen immer wieder den Spannungsbogen so enorm abfallen, dass man das Buch eigentlich nicht mehr lesen will. Natürlich lebt die Geschichte gerade durch das Absurde, Unverständliche von Area X, man weiß nicht, was dieses verseuchte Gebiet ist und was passieren will. Die einzig neue Erkenntnis ist (wie bereits sehr früh im Buch erwähnt), dass die Direktorin, also seine Vorgängerin in das Geschehen involviert ist. Da ich nicht spoilern möchte – obwohl es tatsächlich nicht viel zu sagen gibt – werde ich dieses Ärgernis nicht weiter ausführen.

IMG_0521Ich hatte viele Hoffnungen und hohe Erwartungen, da ich wirklich wissen wollte, was es mi Southern Reach auf sich hat. Eine Art großer, böser Enthüllungskrimi, der mehr ein verwirrendes kaum enthüllendes Schleichen war – wo im ersten Teil noch Reiz durch das Unbekannte und Verwirrende entstand, wurde ich hier zeitweise sogar böse. Wäre „Autorität“ gute 100 Seiten kürzer und Jeff VanderMeer hätte nur bei den wirklich nötigen Dingen abgewichen, es wäre tatsächlich eine spannende Fortsetzung gewesen. Mir ist fast, als sei Band 2 das absolute Gegenteil zu „Auslöschung“, was von den vielen aufeinanderfolgenden Ereignissen lebt! Ich ringe wirklich noch mit mir, ob ich den dritten Teil lesen werde.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass diese Reihe wirklich passende, interessante Einworttitel hat, was definitiv ein Pluspunkt ist. Zweiter Pluspunkt: wie schon im Vorgänger ist und bleibt VanderMeers Schreibstil absolut metaphorisch und wortreich. Nur scheint er ein großer Fan des Wortes „phosphoreszierend“ zu sein…

THE VERDICT: Ein etwas kraftloser, langatmiger zweiter Teil mit einigen wenigen wirklich guten Spannungselementen. Ich bin sowohl verärgert als auch enttäuscht, da ich mehr Energie erwartet hätte. 2,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

P.S. Ich habe beschlossen, zukünftig mehr von meinen eigenen Fotos von Büchern zu benutzen (nun, wo ich meine tolle Canon schon habe). Ich hoffe, euch gefällt es!

Die Stadt der träumenden Bücher

Zugegebenerweise hat mich die Leselust zum denkbar schlechtesten Moment meiner bisherigen schulischen Laufbahn erwischt: Während der Abiturprüfungen! Aber was soll’s, ich habe eine Menge toller Bücher vorzustellen. Hier eines davon:

https://www.piper.de/uploads/import/produkte/produkt-2579.jpgAutor: Walter Moers
DT/OT: Die Stadt der träumenden Bücher
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2004
Verlag: Piper
Preis: 12.99
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3492246880

Bücher können alles – sogar töten! Der junge Dichter Hildegunst von Mythemetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, die Stadt der träumenden Bücher… Walter Moers entführt uns in ein Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. [Klappentext]

Wir werden entführt in eine Welt der Bücher, alles ist mit ihnen verbunden, der absolute Traum eines jeden Bibliophilen wird in Buchhaim wahr – nur, dass es weniger menschlich zugeht, schließlich befinden wir uns bei Walter Moers,in Zamonien! Der Held Hildegunst von Mythenmetz, eine Art Echsen-Dinsosaurier, genannt Lindwurm, stürzt sich in ein gefährliches und waghalsiges Abenteuer – alles, dank eines Manuskriptes.

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist ein wahrgewordener Traum eines jeden Leser: selten habe ich ein Buch gelesen, dass so reich, originell, verwirrend und wortgewandt war. Es ist fast, als würde man ein Viergängemenü essen, das Herz wird einem so warm, sobald man es beendet hat, man fühlt sich gut gesättig, aber es liegt einem nicht schwer im Magen! So viel Einzigartigkeit: ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!

Vor ab: ich bin sehr froh, der Empfehlung, diesen Roman zu lesen, gefolgt zu sein!

So fantasiereich und -lastig dieser Roman ist, man muss sich einleben, denn es wird immer absurder und bedarf viel Abenteuerlust und Liebe zum Phantastischen, um die ersten 150 Seiten zu überwinden, sie leben vor allem von Grundwissen zur Vorgeschichte, Hintergrund zu Buchhaim und sind etwas langatmig. Dann jedoch kommt ein Bruch, die Geschichte erfährt ein zuvor nie gekanntes Tempo und eine neue Form der Spannung. Ich möchte nicht zu viel spoilern, denn sonst ist der Spaß der unzähligen Überraschungen verloren, allerdings lebt die Spannung hier von Wendungen, die man wirklich nur schwer erahnen kann.
Hildegunst von Mythenmetz lernt schnell, dass sein Auftrag, den sein Dichterpate ihm am Sterbebett gegeben hatte, viel gefährlicher ist, als er auch nur im geringsten erwartet hätte und dass er die Magie von Büchern deutlich unterschätzt.
Jedoch ist er ein ganz wunderbarer Protagonist, etwas naiv, lernt aber schnell und viel und erfüllt in dieser Hinsicht den Typ des Heldens, der eigentlich nicht vor hatte, einer zu sein und schließlich über sich hinauswächst. Allerdings lernt man als Leser gewisser Maßen auch dazu und das macht unheimlichen Spaß.

Ein ganz großes Highlight ist nicht nur Moers herrlich blumige und reiche Sprache, sondern auch die grandiose Idee, das die Namen zahlreicher Figuren nichts als Anagramme berühmter Schriftsteller sind und so freut man sich als Leser enorm, wenn man Charles Dickens, Friedrich Hörderlin, Goethe oder Edgar Allan Poe zwischen den Zeilen entdeckt. Ich bin über die Maßen begeistert über den Ideenreichtum dieses Buches, auch wenn es an manchen Stellen etwas zu sehr ins Detail geht, staunt man jedes Mal über die Fantasie des Autors. „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist zudem auch illustriert mit kleineren und größeren Zeichnungen, zeigen z.B. die Buchlinge in den Katakomben Buchhaims und untermalen wortwörtlich perfekt das Geschehen.

THE VERDICT: Ich bin begeistert und erstaunt, wie viel „Die Stadt der träumenden Bücher“ einem Leser an Ideenreichtum, überraschenden Wendungen und ulkigen Figuren bietet. Auf jeden Fall ein Muss für jeden Fantastikbegeisterten und Bibliophile, die es noch werden wollen. Sehr episch. 9,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Fasanenmörder

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Autor: Jussi Adler-Olsen
DT: Schändung
OT: Fasandræerne
Genre: Thriller, Krimi
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2008
Verlag: dtv premium
Preis: 14.95 €
Länge: 485 Seiten
ISBN:978-3-423-24787-0

Der zweite Fall für Carl Mørck

Ein Leichenfund in einem Sommerhaus in Rørvig. Ein Geschwisterpaar ist brutal ermordet worden. Der Verdacht fällt auf eine Gruppe junger Schüler eines Privatinternats, die für Gewaltorgien bekannt sind. Erst Jahre nach dem Mord ist einer von ihnen geständig. – Zwanzig Jahre später. Als Carl Mørck vom Sonderdezernat Q für unaufgeklärte Fälle in Kopenhagen aus dem Urlau zurückkommt, hält ihm sein Assistent Hafez el-Assad die alte Rørvig-Akrte vor die Nase. Niemand weiß, warum sie aufgetaucht ist. Der Fall war schließlich geklärt. (…) Als den Ermittlern von oberster Stelle weitere Nachforschungen strikt verboten werden, ist ihnen sofort klar, dass hier etwas zum Himmel stinkt. Die Spuren führen hinauf bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft (…) und die führen ganz weit nach unten, zu Kimmie, einer Obdachlosen (…). Diese Frau scheint etwas zu wissen, das drei höchst einflussreichen Männern zum Verhängnis werden könnte (…) [Klappentext]

Erneut das typische Dilemma von deutschen Titeln „Schändung“, brutal und abartig steht im Kontrast zu dem viel orignielleren dänischen Titel „Fasanenmörder“. Zwar passen beide inhaltlich sehr gut zum Buch, allerdings finde ich es immer fragwürdig, wenn man derart vom Original abweicht. Es wird sogar eher eines Klischees bedient: Oh, ein skandinavischer Krimi – her mit dem Einworttitel! Und das Cover… Hier, Blut und ein Messer: locken wir doch die ganz gewaltgeilen an. Persönlich halte ich es für ein bisschen zu dick aufgetragen.

Aber es gibt sehr viel Gutes zu sagen, um es vorweg zu nehmen: Hier folgt eine Lobeshymne1
Jussi Adler-Olsen schafft es erneut einen schrecklichen Fall zu konstruieren, der nach und nach entkleidet, noch immer furchtbar spannend ist. Besonders im Fokus steht nicht nur das Verbrechen an sich, sondern auch die Perspektivwechsel, welche dieses Katz-und-Maus-Spiel bestärken: Zum einen natürlich aus Mørcks Sicht, er und sein Assistent Assad erhalten eine neue Mitarbeiterin, Rose, und wie nur typisch für Mørck ist er schlichtweg ablehnend. Obwohl Morck wahrscheinlich ein ziemlich anstrengender Mensch ist, grummelig und ein nordischer Bär, schließt man ihn doch durch seine enorme Motivation und Schlagfertigkeit irgendwie ins Herz. Assad und er sind wie Pech und Schwefel, sie ergänzen sich auf eine tolle Art und Weise. Das ist für mich auch ein Grund, weshalb mir die Reihe so gut gefällt, man wird süchtig diese Figuren noch besser kennenzulernen.
Eine weitere Perspektive sind natürlich die ganz Reichen und Feinen, die mehr als nur ein bisschen Dreck am Stecken haben. Manchmal wird hier schon ein das ein oder andere Klischee verwendet (und zugegeben nervt es irgendwann, wenn das Personal zum dritten Mal vergewaltigt wird), aber gleichzeitig ist auch ein Hauch von einer Kritik an der Gesellschaft zu finden: Warum lassen wir es zu, dass die Reichen Poltik und Justiz bestechen, um fröhlich weiter zu – im Extremfall- morden oder Tiere zu quälen?  Ein ganz großes Thema, so dünkt mich, ist bei Adler-Olsen nicht nur das Verbrechen, sondern die schreiende Ungerechtigkeit und der Wille, diese aufzudecken, ein Exempel zu statuieren.
Am wichtigsten jedoch ist Kimmie: Wie bereits im ersten Fall Mørcks ist die Sichtweise des „Opfers“ wichtig. Hier ist es allerdings ein bisschen komplexer, mal ist man in der Vergangenheit, dann in ihren etwas schizophrenen Gedanken – faszinierend und artig –  , nach und nach erfährt man gerade so Details, was sehr spannend ist, kann mitdenken und den Fall verstehen – aber, wie ich schon sagte, es ist mehr als nur das Aufklären.

Nägelkauend auf der Couch sitzen und Seite um Seite umblättern, um endlich erlöst zu werden, um endlich eine Klarheit zu erfahren. Das ist das Geniale an Adler-Olsen. Er verwendet jedoch auch ziemlich brutale Mittel und mir kommt es fast schon fragwürdig vor, dass ich derartige Literatur gut finde, in der Vergewaltigung und Schändung das Leitthema sind.
Ich bin definitiv gespannt auf den nächsten Fall, jedoch muss ich sagen, dass ich zwischendurch auch andere Literatur für mich brauche, um nicht komplett verrückt zu werden von dieser grässlichen Welt.

THE VERDICT: Ein sehr gelungener, spannender, grässlich-brutaler zweiter Fall für einen wunderbaren Kommissar und seinen schrulligen Assistenten. Empfehelnswert für jeden, der nicht vor schonungsloser Gewalt zurückhält: 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

The Circle

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Autor: Dave Eggers
OT: The Circle
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Penguin
Preis: £6.29
Länge: 512 Seiten
ISBN: 978-0241146507

Auf deutsch unter „Der Circle“ erschienen

Mae Holland, eine jungere Amerikanerin erhält durch ihre Studiumsfreundin Annie einen Job bei der begehresten Firma ihrer Zeit: Der Circle, welche sich durch raffnierte Innovationen immer mehr etabliert. Schnell findet Mae sich in der Welt dieser Firma ein, sie wird Teil eines imensen sozialen Netzwerkes. Doch ihre Eltern, ihr Exfreund und ein mysteriöser, scheinbar identitätsloser Mann wirbeln ihr Leben auf – unterdessen wird der Circle immer mächtiger.

Selten hat mich ein Buch so entsetzt. Sagte ich selten? Noch nie. Zugegeben, der Englisch Grundkurs nötigte mich, meiner zweiten Dystopie näher zu kommen, doch ich verschlang den Roman förmlich. Etappenweise, um genau zu sein, da ich finde, dass man den Circle ab und an aus der Hand legen sollte, um nicht komplett verrückt zu werden.
Immer wieder fragte ich mich, wie das seien könne, wie grausam und blind Menschen seien können und musste leider feststellen, dass blinder Gehorsam und die Neigung nichts zu hinterfragen, stark verbreitet sind. In The Circle malt Dave Eggers ein gruseliges Zukunftsbild einer technisch hochentwickelten, ja, eigentlich Technik süchtigen Gesellschaft. Wenn’s neu und krass ist, wieso sollte man da Nein sagen?
Man kann es so oder so sehen, aber man findet im Circle unheimliche Verbindungen zu unserer technisierten Welt, wo wir alles sharen und liken und uns eine Identität im Netz erschaffen und unser Selbstwertgefühl dadurch aufflammt, dass jemand einen Smiley oder ein Herz sendet – das ist überspitzt, aber etwas ist dran.

Mae leitet einen druchs Geschehen, man blickt durch ihre Augen, fühlt, was sie fühlt und liest ihre Gedanken. Dabei ist Mae eine impulsive und leicht zu begeisternde Person, anfangs scheint sie naiv und unbeholfen, doch je mächtiger der Circle wird, desto mehr wird sie eingesogen von der Macht und man möchte in dieses Buch springen und schreien sie soll doch endlich zu Vernunft kommen. Sie ist ein sehr egoistischer und meines Erachtens nach stark sexualisierter Charakter, eigentlich zieht sie ihr Ding durch, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken – meist fallen ihr (wenn überhaupt) ihre Fehler im Nachhinein ein. Dadurch ist sie ein ziemlich vielseitiger und realistischer Charakter – ich persönlich habe sie mit jeder Seite mehr gehasst und war auch ein bisschen froh, als ich den Roman beendete, dass ich mich nicht mehr mit ihr befassen muss.
Die Ereignisse jagen sich förmlich: einen Chip in Kinder einpflanzen, um sie vor Kidnapping zu Schützen, überall Kameras intsallieren – jedes Mal, wenn man glaubt, absurder könnte es es nicht werden, fällt man umso mächtiger auf die Nase. Dave Eggers konstruiert eine abartige Welt, die sich als Utopia ausgibt und ständig betet man, wenigstens einer möge zur Besinnung kommen. Es ist die Geschichte von technischer Innovation und blindem Gehorsam, die gar nicht so weit von unserer Zeit weg zu seien scheint, man denke nur an die große Firma, die fast ein Monopol auf alles im Internet hat – Google. Ich meine natürlich den Circle!

Allerdings muss ich einwenden, dass ich Eggers Schreibstil nicht besonders mochte, er lebte von einer eigenartig dikatorischen Wiederholungskraft und den Dingen, die in Maes Kopf vorgehen – dadurch ist es natürlich sehr authentisch und teilweise auch furchtbar nervtötend, vor allem, wenn man an dem Punkt ankommt, wo die absolute Doktrin durch Leitspürche wie „Secrets are Lies“ anfängt. Zudem ist das Buch nur in drei Teile eingeteilt und in keine Kapitel, so dass es schwer ist, sich zu orientieren, manchmal geschieht ganz viel und dann wieder zum vierten Mal, wie Mae durch ihren Zing-Feed scrollt.

THE VERDICT: Der Circle ist ein abartig aufregendes, unheimliches und schockierendes Buch mit technokratischen Zukunftsvisionen und besticht dabei durch eine plastische Authenzität, die einem aber gleichzeitig enorm nerven kann 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Harry Potter #3

https://i0.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51hhvA%2BW48L._SX309_BO1,204,203,200_.jpgAutor: J. K. Rowling
DT:Harry Potter und der Gefangene von Askaban
OT: Harry Potter and the Prisoner of Azkaban
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1999
Verlag: Carlsen
Preis: 10.99€
Länge: 448 Seiten
ISBN: 978-3551551696

Dritter Band aus der Harry-Potter-Reihe

Natürlich weiß Harry, dass das Zaubern in den Ferien strengstens verboten ist, und trotzdem befördert er seine sschreckliche Tante mit einem Schwebezauber an die Decke. Die Konsequenz normalerweise: Schulverweis! Nicht so bei Harry; im Gegenteil, man behandelt ihn wie ein rohes Es. Hat es etwa damit zu tun, dass ein gefürchteter Verbrecher in der Schule eingedrungen ist und es auf Harry abgesehen hat? Mit seinen Freunden Ron und Hermine verucht Harry ein Geflecht aus Verrat, Rache, Feigheit und Verleumdung aufzudröseln und stößt dabei auf Dinge, die ihn fast an seinem Verstand zweifeln lassen. [Kappentext]

Nachdem im zweiten Band wieder der Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste sich als unpassend erwiesen hatte (und darüber war ich auch froh), war es umso spannender zu erfahren, wer der neue Lehrer wird, doch diesmal ist es kein aufgeblasener Nichtskönner, sondern eine recht seltame und den Schülern tatsächlich etwas beibringende Gestalt: Remus Lupin.
Im Laufe des Romans schloss ich diesen so spannenden Charakter immer mehr ins Herz. Denn wieder fällt mir auf, wie wunderbar J.K. Rowling die Charaktere vor dem inneren Auge aufblühen lässt und ein außergewöhnlcihes und buntes Bild von ihnen malt, sie scheinen förmlich zu leben, sie lachen, denken nach und haben ihre Fehler. Gleichzeitig fühlt man sich spätestens im dritten Band irgendwie zu Hause in Hogwarts, es scheint, als beginne man mit Harry selbst ein neues Schuljahr. Es ist wunderbar, wie originell die Figuren bleiben, obwohl immer mehr neue hinzukommen, alle haben ihre Eigentümlichkeiten und ihre ganz eigene Weise zu reden: Ruhig und bedacht wie Dumbledore, oder hochgestochen und trotzdem sympathisch wie McGonagall!

Natürlich ist es das Abenterliche, das neben den vierfältigen Charakteren an Harry Potter reizt. Die Ereignisse überschlagen sich nur und man erlebt sich selbst in einem ständigen Stimmungswechsel aus fasziniert, überrascht und unfassbar gespannt.
Gleichzeitig hat diese magische Welt etwas so menschliches, wie z.B. wie die Patronen, warme, glückliche Erinenrungen aufzurufen, wenn einen die Dementoren, etwas unheimliches und dunkles, angreifen – das macht man tatäschlich!
Ich denke am besten lässt es sich so beschreiben: Das Lesen des dritten Bandes hat unfassbar Spaß gemacht, man kann abschalten und in eine andere Welt eintauchen und sich selbst verzaubern lassen. Nichts in die Richtung, dass man den Weltschmerz von einem Helden auf sich selbst überträgt oder die utopischen Fantasien einer Zukunftswelt schon in der heutigen ansatzweise sehen kann. Solche Bücher sind auch wichtig, aber Harry Potter macht einfach gute Laune, es hinterlässt so ein warmes, gefülltes Gefühl, wenn man einen Band beendet hat und sich etwas von den Abenteuern erholen kann.

Das einzige, das ich schade finde, sind die deutschen Cover, die meines Erachtens zwar sehr einprägsam sind, aber nicht wikrlich schön. Wer kann, sollte die Bücher auf englisch lesen und Bloomsbury sei dank, gibt’s wirklich wunderbare soft-cover Taschenbücher, wie z.B. hier.

THE VERDICT: Mal wieder ein aufregendes und wunderbares Buch – man sollte sich defintiv davon verzaubern lassen! 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

Verblendung

Autor: Stieg Larsson
DT: Verblendung
OT: Män som hatar kvinnor (Millenium I)
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2005
Verlag: Heyne
Preis: 9,99
Länge: 704 Seiten
ISBN: 978-3453438200

Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffs spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, die hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt. [Klappentext]

Nachdem mich neuerdings der Wunsch gepackt hatte, eher Kriminalliteratur zu lesen, wusste ich natürlich, dass ich „Verblendung“ nicht entkommen würde. Ich erinnere mich sogar ziemlich gut daran, wie mein Vater sie las, als ich noch klein war, und das ziemlich obsessiv. Also nah ich mir kurzerhand den Roman aus dem Regal und begann zu lesen – nicht gerade wenig sogar! Ich war förmlich an „Verblendung“ gekettet, ich wollte das ganze Mysterium verstehen.

Der Plot, die Frage, nach der verschwunden Harriet Vanger beginnt schon interessant: als Mikael Blomkvist vom ehemaligen Großindustriellen Henrik Vanger gebeten wird, Nachforschungen anzustellen, sträubt er sich gewaltig, hält das ganze Unterfangen für reinste Zeitverschwendung, denn der Fall liegt schon Jahrzehnte zurück. allerdings scheint es, als sei Henrik Vanger nahezu besessen mit dem Thema, sammelte Bilder, Informationen, eigentlich alles, um herauszufinden, was mit seiner Lieblinsnichte passiert ist. Nur eine Sache hält ihn daran, an diesem Fall verbissen weiterzuarbeiten: jedes Jahr zum Geburtstag erhält er ein Paket mit einer gerahmten Blume. Wie einst von Harriet.
Doch Mikael Blomkvist hat eigentlich ganz andere Probleme, der Wirtschaftsjournalist muss ins Gefängnis gehen, da seine Story gegen den Unternehmer Wennerström sich nicht vor Gericht beweisen lässt. Das wird lang und breit am Anfang erzählt, mit allerlei Wirtschaftsfachchinesisch, dass man sich fühlt, als würde man auf den Kohlen sitzen und auf den eigentlich Plot warten – aber es ist wichtig für die gesamte Geschichte. Schließlich ködert Vanger Blomkvist: er könne ihm exklusive Information zu Wennerström geben, die diesen ins Verderben stürzen würde.
Und dann freut man sich schon fast als Leser: jetzt beginnt das Aufarbeiten, ziemlich ausführlich, gründlich, tief und man glaubt schon selbst nicht mehr so richtig, dass Blomkvist etwas herausfindet über Harriets Verschwinden, das Henrik nicht weiß. Bis er auf einen mysteriösen Code trifft. Und dann kommt alles saftig ins Rollen.

https://i1.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51lOka1QQwL._SX319_BO1,204,203,200_.jpgMan darf sich „Verblendung“ keinesfalls als actiongeladenen, blutigen Thriller vorstellen. Er ist auf eine ganz andere Art und Weise grausam: so verrät der schwedische Titel mehr über den Inhalt, als der Deutsche: Männer, die Frauen hassen. Der Roman ist ebenfalls in mehrere Teile gegliedert, welche stehts auf ihrer Deckseite eine Statistik über Gewalt- und Sexualverbrechen an Frauen aufweisen. Das gibt einem schon mächtig zu schlucken.
Wie man es sich bei einem Unternehmerclan, der auf einer schwedischen Insel verteilt wohnt, ist die Stimmung unter den Mitgliedern teilweise nicht die beste: verhasst, verfeindet, ehemalige Nazis: wunderbar großes Konfliktpozential, das den Roman nur umso interessanter macht.

Wie es schon im Klappentext angekündigt wird, bleibt Mikael nicht alleine, sondern trifft – relativ spät sogar – auf Lisbeth Salander. Ein herrliches Gegenstück zu ihm: klein, tätowiert, äußerst ungewöhnlich gekleidet und furchtbar schweigsam über ihr eigenes Leben. Dafür beherrscht die junge Frau Hacker-Fähigkeiten, wie keine zweite – und einen tollen Verstand. Auf ihre sehr eigne, etwas grobe, geniale Art und Weise arbeiten die beiden richtig toll zusammen.
Figurentechnisch wurde sie mir auch viel sympathischer als jeder andere Charakter in „Verblendung“, nicht nur, weil sie so einzigartig ist, aber auch, weil sie eine wirklich starke Persönlichkeit ist.
Im Gegensatz zu Mikael, von dem es natürlich vorteilhaft ist, ihn als Protagonisten zu mögen, doch ehrlich gesagt ging mir sein etwas übersexualisiertes Leben etwas auf die Nerven. Irgendwann gibt es auch eine gewisse Grenze, wie viel ich über Sex in einem Thriller lesen möchte, vor allem weil Blomkvist auch grob gesagt, sich durch die Gegend vögelt.

Das Setting hingegen fand ich besonders toll: fast wie isoliert, gefangen auf der Vanger-Insel, um mehr über die Familie Vanger zu erfahren, die Mikael alle überaus seltsam, meist abweisend behandeln. Man braucht ein bisschen, um die Namen einordnen zu müssen, außerdem erfährt man die ganze Familiengeschichte der letzten 100 Jahre. So gesehen ist der Roman überaus detailliert, nahe zu perfektionistisch werden die Fäden langsam zusammengeführt. Und davon lebt „Verblendung“ : das Zusteuern auf die Lösung, langsam, präzise und glaubwürdig.

THE VERDICT: Nicht umsonst werden Krimi- und Thrillerautoren ständig mit Stieg Larsson verglichen: sein Werk ist einzigartig, faszinierend, fesselnd und genial aufgebaut. Es war eine Bereicherung „Verblendung“ zu lesen, auch wenn mich der Protagonist etwas nervte. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

Es gibt kein Erbarmen

https://i1.wp.com/buchundhaltung.ch/buchundhaltung/2010/01/adler-olsen-Erbarmen.jpg

Autor: Jussi Adler-Olsen
DT: Erbarmen
OT: Kvinden i buret
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: dtv
Preis: 9.95€ (Taschenbuch)
Länge: 432 Seiten
ISBN: 978-3423212625

Der erste Fall für Carl Mørck

Als die dänische Politikerin Merete Lynggaard 2002 wie vom Erdboden verschluckt wird, bleiben die ratlosen Ermittler vor einem schwierigen Fall – der ungelöst in die Akten geht. Fünf Jahre später wird durch die Regierung veranlasst ein Sonderdezenat gegründet, um alte Fälle aufzurollen, den Job erhält der wieder in das Berufsleben findende Carl Mørck und stellt schon schnell fest, dass Lynggaards Verschwinden kein Selbstmord war.

Diese Geschichte ist der absolute Albtraum einer Frau: Eingesperrt in eine dunkle Druckkammer, über Jahre hinweg gequält. Der Plot teilt sich in zwei Stränge auf: zum einen die Sichtweise der entführten und leidenden Merete, auf der anderen Seite der etwas griesgrämige Kommissar Carl Mørck, so dass der Fall für den Leser nach und nach aufgerollt wird, kleine Hinweise gegeben werden und man sehr gut nachvollziehen kann, wie sich das Ereigniswirrwarr zu einem logisch-grausamen Konstrukt ergibt.
Denn wie der Titel „Erbarmen“ unschwer erkennen lässt, ist dies kein einfacher Thriller. Es ist absolute Grausamkeit, sowohl körperlich brutal, als auch psychologisch und absolut nichts für leicht besaitete.
Und dennoch, so sehr es den Leser auch quält, was das Opfer Merete durchmachen muss, kann man kaum loslassen von diesem Roman. Besonders schrecklich in Erinnerung geblieben ist mir die Szene, in der Merete Zahnschmerzen hat und ihre Entführer ihr durch eine Art Schacht eine rostige Zange hochschicken – denn das Opfer, obgleich sie sich in der blinden Dunkelheit befindet, wird beobachtet und sobald sie etwas falsches tut, zieht das Konsequenzen, wie z.B. dass der Druck im Raum erhöht wird.
Ich glaube, man kann es kaum anders sagen als grausam und pervers – und dennoch so schrecklich fesselnd, denn der Glaube an Gerechtigkeit und diese Kraft Carl Mørcks stecken an, man hofft unentwegt und fiebert mit Zähnen aufeinandergebissen auf eine Lösung hin. Denn warum bzw. wofür muss Lynggaard leiden?

„Erbarmen“ lebt nicht nur durch die Storyline, sondern auch seinen urigen, etwas eigenen und nicht immer so sympathischen Ermittler – der im Laufe des Romans Unterstützung durch den sehr lustigen Assad erhält. Ein sehr gegensätzliches, aber tolles Paar!

THE VERDICT: Dieses Buch ließ mich nicht in Ruhe und noch viel schlimmer, mir stockte gar der Atem. Ich bin selbst erschrocken, wie mich etwas so Böses, Ekeliges begeistern kann und so muss ich nur sagen, dass ich „Erbarmen“ wirklich empfehle – allerdings nicht als Einschlaflektüre! 8,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Harry Potter #1

https://i1.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/51ZU%2BCvkTyL.jpg

 Autor: J. K. Rowling
DT: Harry Potter und der Stein der Weisen
OT:
Harry Potter and the Philosopher’s Stone
Genre:
Fantasy
Sprache:
Deutsch
Ersterscheinung:
1997
Verlag:
Carlsen
Preis:
8.99€ (Taschenbuch)
Länge:
336 Seiten
ISBN:
978-3551354013

Erster Band aus der Harry-Potter-Reihe

Eigentlich hatte Harry Potter geglaubt, er sei ein ganz normaler Junge. Zumindest bis zu seinem elften Geburtstag. Da erfährt er, dass er sich an der Schule für Hexerei und Zauberer einfinden soll. Und warum? Weil Harry ein Zauberer ist. Und so wird für Harry das erste Jahr in der Schule des spannendste, aufregendste und lustigste in seinem Leben. Er stützt von einem Abenteuer in die nächste ungeheuerliche Geschichte, muss gegen Bestien, Mitschüler und Fabelwesen kämpfen. Da ist es gut, dass er schon Freunde gefunden hat, die ihm im Kampf gegen die dunklen Mächte zur Seite stehen [Klappentext]

Nun endlich habe auch ich es geschafft, meinen Weg in die Harry Potter Welt im Literarischen und nicht allein Filmischen Bereich zu finden – es ist erstaunlich, was mir die letzten Jahre gefehlt hat!
Zu der Geschichte muss nicht viel gesagt werden, außer natürlich, welch grandiose Idee es ist, Kinder in eine Schule für Hexerei und Zauberei zu schicken und eine magische Welt in das „normale“ England miteinzubauen. Durch kleine, verrückte Besonderheiten, wie das Gleis 9 3/4 wird die Geschichte nur ungemein lebendiger und bezaubernder – im wahrsten Sinne des Wortes! Es ist genial, was für eine brillante Fantasie J.K. Rowling hat und auf was für verrückte Ideen sie teilweise kommt, von lebendigen Schachfiguren zu Bohnen in verschiedensten Geschmacksrichtungen!
Die Geschichte baut ihre Spannung bis ca. zum letzten Viertel des Buches auf, wo nach und nach alles entblättert wird und es zum, nennen wir’s man „Showdown“ kommt und Harry mit dem Bösen konfrontiert wird.

Zugegenberweise kann man manchmal die Handlung etwas erahnen und dennoch möchte man es so dringend wissen, dass man weiter liest – es wird eigentlich nie langweilig, gleichzeitig finde ich allerdings bekommt man nicht ganz eine Atempause, in der sich, um es ein bisschen realistisch betrachtet, die Figuren intensiver entwickeln könnten-

Das Buch ist in einem schlichten, vielleicht schon etwas kindgerechten Stil geschrieben und lässt sich sehr schnell lesen, man fliegt förmlich von Seite zu Seite. Obwohl man hier auch zugeben muss, dass auf diesen etwas über 300 Seiten vergelichsweise eine Menge Handlung reingesteckt wurde – manche Autoren sagen so viel auf 900 Seiten. Ich glaube, persönlich mag ich etwas blumigeren Schreibstil, allerdings finde ich J.K. Rowling benutzt hier die flinke und dennoch präzise Sprache passend. Schließlich leben die Charaktere jede durch besondere Eigenschaften, häufig in die Wörtliche Rede eingebaut, wie zum Beispiel Draco Malfoys wunderbar abwertenden „Potter“ am Satzende. So entstehen vor dem geistigen Auge die Figuren und leben auf!

THE VERDICT: Ich bin überrascht, wie sehr ich von diesem Buch gepackt war und mich in der magischen Welt von Hogwarts verlor und kann nun warmen Herzens sagen: Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte es schleunigst tun! 8,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

The Cuckoo’s Calling

https://i2.wp.com/i1.mirror.co.uk/incoming/article4786431.ece/ALTERNATES/s615b/BOOK-COVER-CUCKOOS-CALLING.jpg

 Autor: Robert Galbraith
OT: The Cuckoo’s Calling
Genre: Krimi
Sprache: English
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Sphere
Preis: £7.99 (Taschenbuch)
Länge: 560 Seiten
ISBN: 978-0751549256

Erster Teil der Cormoran Strike Krimis
Auf deutsch unter dem Titel „Der Ruf des Kuckuks“ erschienen

Als das berühmte Model Lula Laudry tot auf den Straßen Mayfairs aufgefunden wird, geht die Polizei von einem Selbstmord aus. Doch ihr Bruder John Bristow hat Zweifel und engagiert eine alte Bekanntschaft – den Privatdetektiven Cormoran Strike, ein einbeiniger Kriegsveteran, der in großen finanziellen Problemen steckt und gerade von seiner Freundin rausgeworfen wurde. Der Fall kommt wie gerufen! Eine Ermittlung zwischen der Londoner Armut und den Schönen und Reichen.

Strike ist ein mysteriöser Charakter und hat dank seiner Exfreundin reichlich Probleme, man lernt ihn im Laufe des Romans immer besser kennen und mag ihn eigentlich immer mehr – genauso wie seine Sekretärin Robin, die zunächst auf Zeit von einer Firma angestellt wurde und sich reichlich unwohl fühlt. Sie ist der Sympathieträger des Romans, lustig und aufgeschlossen mit brillianten Beiträgen, die einem zum Schmunzeln bringen. Dieses Duo lässt das Buch lebendig und lebensecht wirken, es sind vielseitige, keinerlei flache Figuren.

Bei Krimis gibt es meistens zwei verschiedene Arten, den Plot aufzubauen: zum einen rollen sich die Handlungsstränge nach und nach auf und die Lösung blüht vor dem geistigen Auge auf – oder man durchlebt etliche Befragungen, glaubt im Dunkeln zu Tappen und plötzlich kommt die grandiose Lösung! Zwar ist das wirklich grandiose Ende – ohne spoilern zu wollen – absolut grandios, auf der anderen Seite liegt genau hier die Schwäche des Romans: Fast 400 Seiten tappt man verwirrt von einer Befragung zur nächsten und somit zieht es sich leider hin. Wer den ruhigen Ermittlungskrimi mag, wird hier auf seine Kosten kommen, doch ab und an wartet selbst der geduldigste Leser auf ein Zeichen, auf eine Idee.

Die Englische Ausgabe zeichnet sich durch einen reichhaltigen, lebendige Wortschatz aus, der zwischen dem formalen Englisch der Intelligenten und Reichen und dem stark Slang-balsteten, umgangssprachlichen Alltagsgeschwätz der einfachen Leute. Besonders schön ist, dass jeder anders redet, charakteristisch für bestimmte Redewendungen oder einen bestimmten Akzent, was den Figuren, bis zu einer noch so unbedeutenden Nebenfigur, wunderbar Leben einhaucht. Genau das ist der große Pluspunkt an dem Roman: Sobald man anfängt zu lesen, werden London und Strike vor dem Auge lebendig. Ich konnte das Buch kaum noch weglegen!

THE VERDICT: Ein vielseitiger, humorvoller und spannender Krimi, das Duo aus der Sekretärin Robin und dem schrullig-mürrischem Strike, der sein Leben versucht unter Kontrolle zu bekommen, ist hervorragend! Spannend und witzreich aufgebaut. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Teil und empfehle ihn mit dem Herzen. 8,5 von 10 Sternen!

Love, Katha

Bild verwendet im Beitrag:
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Tod in Blau

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Autor: Susanne Goga
OT/DT: Tod in Blau
Genre: historischer Krimi
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2007
Verlag: dtv
Preis: 9.95€ (Taschenbuch)
Länge: 304 Seiten
ISBN: 978-3423214872

Zweiter Teil der Leo-Wechsler-Reihe

1922. Arnold Wegner malt seine Zeit in starken Kontrasten – Armut und Luxus, Krieg und Vergnügungssucht, Krankheit und Irrsinn. Seine radikalen, provokativen Bilder erregen Bewunderung und Abscheu, lassen aber niemanden kalt. Als der Maler tot in seinem einem Atelier gefunden wird, führt eine erste Spur Kommissar Leo Wechsler zur rechtsextremen Asgard-Gesellschadr, in der ehemalige Offiziere verkehren. […] Und es stellt sich heraus, dass es einen Zeugen gibt – der jedoch entzieht sich allen Befragungen der Polizei.

Versetzt im Berlin der 1920er Jahre, mitten in der Wirtschaftskrise, in der die stärksten Gegensätze aufeinanderprallen, darf Leo Wechsler erneut ermitteln.

Schlicht und interessant geschrieben, mit vielen lebhaften Dialogen, auch gerne in Berlinerisch, wird die Ermittlung voran getrieben. Diese Reihe lebt natürlich nicht nur von dem interessanten historischen Hintergrund, der sehr authentisch dargestellt wird, sie lebt zum einen vom Berlin-Falir, wobei es besonders toll ist, wenn man die ganzen erwähnten Straßen kennt und sich vorstellen kann, wie der Herr Kommissar in den Morgenstunden zur Arbeit geht – sie lebt andererseits aber auch von Leo Wechsler, einem überraschend einfühlsamen, aber auch ambitioniertem Kommissar.

Auch im zweiten Teil dreht sich ein gewisser Teil um Leos Privatleben, wobei die Liebe auch eine gewisse Rolle spielt. Aber statt eines stereotypischen Bildes, bekommt man ein sehr symathisches und menschliches Portrait eines jungen Witwers in den Krisenzeiten der 20er Jahre. Mir wächst Leo mit dem zweiten Teil wirklich ans Herz!

Ganz besonders ist die gewissen Ruhe, die der Krimi mit sich bringt – es geht nicht um großartige Verfolgungsjagden und viel atemberaubende Spannung, sondern um die kriminalistische Aufarbeitung eines Falles, und dies funktioniert hier auch sehr gut, ohne dass der Kommissar fast sterben muss. Die Motive für den Mord werden nicht plötzlich am Ende plötzlich hervorgezaubert, sondern nach und nach rollt sich das ganze Rätsel auf, was sehr gelungen war.

Wie schon beim ersten Teil finde ich, dass sich diese Art von Buch am besten unterwegs liest. So eignet sich „Tod in Blau“ für langweilige Bahnfahrten (am besten mit der tuckernden U-Bahn durch Berlin), es ist perfekt zum entspannen oder auch nebenbei leben. Das schätze ich besonders an den Büchern, dass man sie nicht so schrecklich konzentriert wie Goethe-Werke lesen muss, sondern einfach abschalten kann.

Im Vergleich zu Teil eins kann ich sagen: Der Fall ist gut durchdacht, authentisch und originell und es macht Spaß, mitzufiebern, mitzuraten und Teil einer brisanten Ermittlung zu werden – er hat deutlich mehr Energie und Spannung als der erste Teil. Mir hat die Thematik um den Künstler und die damals aufkommenden, rechtsradikalen Bewegungen in der Weimarer Republik sehr gefallen!

Wie alle Bücher dieser Reihe, ist das Cover passend zu der Mode der damaligen Zeit gestaltet, ein bisschen Farbe in einem Schwarzweißbild, was ich sehr geschmackvoll finde.

THE VERDICT: Eine gute, spannende Lektüre zum Lesen für nebenbei mit einem authentischem Fall, der wunderbar die Probleme der Gesellschaft in der Weimarer Republik wiederspiegelt und einen wunderbaren Ermittler, den man sofort liebt! 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Bild im Beitrag:
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Ein verworrenes Engelsspiel

Autor: Carlos Ruiz Zafón
DT: Das Spiel des Engels
OT: El juego del Ángel
Genre: Mystery
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2008
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 10,95 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3596186440
Länge: 720 Seiten

Barcelona in den turbulenten Jahren vor dem Spanischen Bügerkrieg. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauerromanen, als er einen mit dem Zeichen des Engels versiegelten Brief erhält. Der mysteriöse Verlger Andreas Corelli macht ihm ein unwiderstehliches Angebot. Bald kämpft David um sein Leben – und um seine Liebe.

Der Protagonist erzählt seine Geschichte im wunderbar blumigen, ausführlichen und dabei so malerisch präzisen Stil, wie man ihn von Zafón schon aus dem ersten Teil der Barcelona-Reihe, dem „Schatten des Windes“ kennt – bzw. der wunderbaren Übersetzung von Peter Schwaar. Schon alleine dieser Stil und die Erzählweise, die einem ein unheimliches, düsteres Barcelona vor die Augen zaubern, ist es wert, mindestens etwas von Zafón zu lesen.
Da ich bereits den „Schatten des Windes“, „Marina“ und versehentlich schon den dritten Teil der Reihe „Der Gefangene des Himmels“ (und hier lässt sich sagen, dass man die Bücher eigentlich unabhängig voneinander lesen kann) gelesen hatte, waren meine Erwartungen nicht minder groß.

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©FischerVerlag

David Martín lässt sich in einen Pakt mit den Teufels ein und trägt die Konsequenzen. Ich glaube, wer Goethes „Faust“ gelesen hat, ist hier vielleicht im Vorteil. Die Geschichte schwankt zischen liebevoll-lustigen Momenten mit seinem großen Fan Isabella, die unbedingt seine Assistentin werden will und Stunden in den Buchhandlung Sempere und Söhne, die praktisch die Verbindung zum „Schatten des Windes“ bildet. Andererseits folgt der für Zafón typische Mystery-Teil und im Laufe des Romans wird dieser Teufelpakt mit all seinen Auswirkungen immer kurioser, ja gar gruseliger, die David in Angst und Schrecken versetzt.
Leider bin ich etwas zwiegespalten, denn während sich die Spannung über die ersten 500 Seiten des Romans ballt – ACHTUNG SPOILER – geht der Roman schließlich in ein reinstes Blutbad über, eine Art Splatterroman, exzessives Sterben und Morden,  es scheint, als lese man einen reinen Wahn, ein Delirium mit keiner Chance auf ein gutes Ende. Oder wie ein Freund von mir sagte: Am Ende stehen so viele Fragen offen, man ist eigentlich nur noch verwirrter. Ich habe kein Happy End erwartet, es hätte auch nicht gepasst, aber dass sich der Kreis schließt, dass ich verstehe, wer Andreas Corelli ist – oder bin ich zu blöd?! Aber vielleicht ist das auch der Reiz: ein bisschen Interpretationsspielraum, ein paar Geheimnisse.

THE VERDICT:
„Das Spiel des Engels“ ist ein spannender, packender Mysteryroman von wunderbaren Stil, präzise, malend und dennoch perfekt abgestimmt zur Handlung, die sehr speziell und ungemein faszinierend ist. Hier harmonieren Stil und Inhalt. Ich verschlang ihn innerhalb weniger Tage und dennoch bin ich irgendwie verwirrt, ein bisschen enttäuscht über die Wendung zum Ende, was mich sehr teilt. Es ist schwierig, eine passende Bewertung zu geben, aber ich entscheide mich für 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Imitation Game

DT: The Imitation Game – ein streng geheimes Leben
OT: The Imitation Game
Drama: Thriller, Historiendrama
Cast: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Allen Leech, Charles Dance
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore (auf Grundlage von Andrew Hodges‘ „Alan Turnig – Enigma“)
Musik:
Alexandre Desplat
Erscheinungsjahr:
2014
Länge:
ca. 113 Minuten
FSK:
12 Jahre

„The Imitation Game“ handelt von der Geschichte des britischen Mathematikers und Kryptoananalytikers Alan Turning, basierend auf der Biografie „Alan Turing – Enigma“ des britischen Mathematikers Andrew Hodges. Der Film wird auf drei Zeitebenen, Alans Kindheit in King’s College (1927, Cambridge), dem zweiten Weltkrieg (1939) und die kriminalistische Aufarbeitung seiner Vergangenheit (1951), die nicht chronologisch sind, sondern in Rückblenden oder vorausschauend gezeigt werden, erzählt. Der wichtigste Part ist natürlich das Entwickeln der Turning-Bombe in Bletchley Park mit Hilfe von Hugh Alexander, Joan Clarke, Peter Hilton und John Cairncross um Enigma zu knacken.

Besonders über die Besetzung habe ich mich sehr gefreut, da einige Schaupieler, die ich sehr mag und ich mir gut für die Rollen vorstellen konnte, dabei sind.
Hierbie spielt ein sehr überzeugender und authentischer Benedict Cumberbatch die Rolle des Alan Turing. Natürlich ist es immer schwierig, eine Biografie zu verfilmen, ob die Person exakt so war, oder ob in das Drehbuch viel zu viel hineininterpretiert wurde, kann ich nicht sagen. Dennoch muss man anmerken, dass die Rolle sehr glaubhaft und hervorragend geschauspielert wirkt, besonders die Emotionen und der hochgradig interessante Charakter Turings, ziehen einen in den Bann. Allerdings muss ich mich auch als etwas voreingenommen bekennen, da ich ein sehr großer Benedict Cumberbatch-Fan bin.
Auch Keira Knightley, die ich ebenfalls sehr schätze, spielt ihre Rolle der Joan Clarke emotional und mit Überzeugungskraft. Was mich etwas überraschte, war das doch sehr enge Verhältnis der beiden zueinander, von welchem es auch in der Biografie Turings hieß, dass es nicht so innig gewesen sei wie dargestellt, was mich etwas störte.
Ebenfalls gefreut habe ich mich über Mark Strong, der Major General Stewart Menzies spielt, da er auch hier mal wieder in der Rolle des strengen, ausnahmsweise nicht ganz so bösen, aber etwas unheimlichen Chiefs des MI6 brilliert.

Der Score gehört zu meinen absoluten Highlights des Filmes – aber was kann man schon bei Alexandre Desplat erwarten? Er leistet wieder durch charakteristische, den Film sehr gut unterstreichende Themen, Spitzenarbeit. Das Hauptthema „The Imitation Game“ ist ein wunderbares Zusammenspiel aus engergie- und spannungsgeladenen Komponenten, die unter andrem an das Tippen einer Enigma-Maschiene erinnern, im Einklang mit emotionalen Streichern und tiefen Tönen, welche die hoffnungsvollen, spannenden Szenen wundervoll unterstreichen. Dazu laute Töne, um die Wirren und Bomben des Zweiten Weltkrieges darzustellen. All dies, ohne langweilig oder wiederholend zu wirken. Vielleicht kein Soundtrack für zu Hause zum Nachhören, aber makellos geschneidert für diesen Film.

Ich mag den Film an sich wirklich sehr, betrachtet man ihn als fiktives Werk, ist er in sich weitestgehend schlüssig und hervorragend, leider gibt es einige inhaltliche (z.B. im Bezug auf die Turning-Maschine) und historische Fehler, welche die Grandiosität verpfuschen. Zum einen, wie bereits erwähnt, das innige Verhältnis zu Joan Clarke, zum anderen die Zusammenarbeit John Cairncrosses und Alan Turnings, die für hochgradig unwahrscheinlich gehalten wird, hier aber direkt als im „Team“ eingebunden dargestellt wird. Im Übrigen wird auch Tipp-Ex verwendet, den es damals allerdings noch nicht gab. Auf der anderen Seite ist dies natürlich ein Historienfilm und keine Dokumentation, einige Dinge werden etwas massentauglicher gemacht, ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst wissen. Ich betrachte es mit Zähneknirschen, da mir das Einbinden John Cairncrosses etwas Magenschmerzen bereitet.

THE VERDICT: Mir fällt es ziemlich schwer eine Bewertung zu schreiben, denn aus der anfänglichen Euphorie ist Nachdenklichkeit geworden. Ich erachte es als schwierig, eine Biografie zu verfilmen, umso trauriger sind die enthaltenen Fehler, die ich in meiner Wertung berücksichtigen muss. Dennoch ist natürlich kein Historienfilm perfekt und wahrscheinlich sollte man auch nicht mit dieser Erwartung ins Kino gehen – dafür gibt es die Biogarfie. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Schauspieler und insbesondere Benedict Cumberbatchs und der emotionale und spannungsgeladene Soundtrack machen allerdings die kleinen Fehler nicht wett, weshalb ich nicht die volle Punktzahl geben kann. Deshalb sind  es nur 9 von 10 Sternen – allerdings empfehle ich, ihn zu sehen und sich selbst, ein Bild zu machen.

Love, Katha

P.S. Ich empfehle ihn im Orignialton zu sehen, um in den Genuss Benedict Cumberbatchs Stimme zu kommen!