Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Anna Karenina

OT: Anna Karenina
DT: Anna Karenina
Genre: Kostümfilm, Literaturverfilmung, Drama, Romanze
Cast: Keira Knightley, Aaron Taylor-Johnson, Jude Law, Matthew MacFadyen, Alicia Vikander, Domhnall Gleeson
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Tom Stoppard nach dem Roman von Lew Tolstoi
Musik: Dario Marianelli
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach Lew Tolstois Roman „Anna Karenina“ aus 1877.

Die bezaubernd schöne Anna (Keira Knightley) führt an der Seite ihres Ehemanns Alexej (Jude Law) ein glanzvolles Leben in mitten des Adels von St. Petersburg. Alles scheint perfekt, bis sie dem faszinierenden Offizier Graf Vronskij (Aaron Taylor-Johnson) begegnet. Hin- und hergerissen zwischen dieser leidenschaftlichen Affäre und der Liebe zu ihrem Sohn entscheidet sie sich für ihren Geliebten. Doch als die elegante Gesellschaft ihr dies nicht verzeihen kann, trifft Anna eine bittere Entscheidung [Klappentext]

Eine weitere Literaturverfilmung eines weltbekannten Klassikers, mag man auf den ersten Blick denken, doch was Joe Wright aus Anna Karenina macht, ist etwas Neues und Mutiges, denn die einzelnen Szenen sind wie ein Theater inszeniert – nimmt man die bittersüßeTragik, hat diese Idee  schon symbolischen Charakter.
Ich denke allerdings auch, dass es ein bisschen verwirrend sein kann, den Film zu sehen, wenn man die Storyline nicht kennt und so konnte ich diese Umsetzung auch erst beim Zweitsehen wirklich „schätzen“. Es mag etwas gekünstelt wirken, wenn die Wände über die Bühe abtransportiert werden, sich Türen in ein neues Geschehen öffnen, doch nun, wo ich den Film schon gut 4 Mal aus verschiedensten Anlässen gesehen habe, glaube ich, mit jedem Mal ein neues Detail zu sehen, das mich verzaubert.
Die Kostüme sind wunderschön und sehr kreativ, genauso wie das gesamte Flair und Setting stimmt. Dario Marianellis Musik dazu hat etwas sehr spezielles, ein bisschen als würde man in einen Zirkus eingeführt werden, mit Walzerklängen und russischen Gesängen, was die vielen Bläser und Streicher untermalen, jeodch trifft aber er durch zarte Klaviertöne auch traurige Momente

Nun zu den Darstellern! Obgleich ich kein so großer Fan von Keira Knightley bin, muss ich mich als ziemlich begeistert aussprechen. Diese Kooperation zwischen Knightley und Wright funktioniert einfach, man denke an Abbitte oder Stolz & Vorurteil!
Die schauspielerische Leistung ist eigentlich im allgemeinen sehr überzeugend und großartig. Man sieht Jude Law zur Abwechslung mal nicht als attraktiven Mann und er behauptet sich überzeugend! Mir gefiel auch der Ire Domhnall Gleeson sehr, den ich bis dato gar nicht kannte, sowie Alicia Vikander, die mich bereits in A Royal Affair verzaubert hatte.
Neben der großen Liebesgeschichte spielen die beiden die „Nebenliebesgeschichte“ von Kostja Ljewin und Kitty Schtscherbazkaja, und obwohl es eine Nebenlinie ist, berührte mich diese sehr.
Besonders schön fand ich das thematisieren von verschiedenen Formen von Liebe (obwohl ich damit wahrscheinlich mehr die Geschichte, als den Film lobe): die Reine, die Leidenschaftliche, die Verbotene usw.

THE VERDICT: eine mutige, zauberhafte und wunderschöne Neuinszinierung eines Klassikers mit einer guten und schauspielerisch-überzeugenden Besetzung. Untermalt von einem tollen Soundtrack und wunderschönem Setting, bin ich sehr begeistert! Nur ab und an kann man der Geschichte nicht ganz folgen, da diese Theater-Geschuchte etwas verwirrend  und anstrengend ist. Doch kann ich mir nur wiederholen, dass er besser wird, je öfter man ihn sieht. Deshalb 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Jane Eyre

OT: Jane Eyre
DT: Jane Eyre
Genre: Kostümfilm, Romanze
Cast: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Judi Dench
Regie: Cary Joji Fukunaga
Drehbuch: Moira Buffini
Musik: Dario Marianelli
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: ca. 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

„Im Alter von 18 Jahren tritt die unscheinbare und mittellose Jane Eyre (Mia Wasikowska) ihre erste Stelle als Hauslehrerin im geheimnisvollen Schloss Thornfield an. Aufgewachsen als Waisenkind war Janes bisheriges Leben von Entbehrungen und fehlender Liebe geprägt. Umso mehr fühlt sie sich vom Hausherrn Edward Rochester (Michael Fassbender) magisch angezogen. Die furchtlose Direktheit der jungen Frau imponiert dem charismatischen Arbeitgeber und er entdeckt in Jane eine Seelenverwandte. Als Rochester ihr völlig überraschend einen Heiratsantrag macht, scheint das Glück zu sein. Doch am Tag der geplanten Hochzeit nehmen die Dinge plötzlich eine dramatische Wendung“ [Klappentext]

Als jemand, der den Roman nicht gelesen hat, kann ich natürlich nie beurteilen, wie buchgetreu die Verfilmung ist, die Kritiken zum Film und die Meinungen jedoch fallen stark auseinander, ich halte ihn jedoch für gelungen. Wer Zeffirellis Verfilmung von ‚Jane Eyre‘ kennt, wird sich vielleicht mit dieser nicht anfreunden können, ich muss allerdings zustimmen, dass ich sie nichtsdestotrotz schön finde.
Etwas filigraner und zarter würde als Beschreibung ganz gut passen, der Film hat schon etwas leicht wunderliches. Zugegebenermaßen mag ich Mia Wasikowska nur bedingt (und es empfiehlt sich diesen Film der eignen Ohren halber im Originalton zu hören), doch ist sie mit ihrem sehr ruhigen Wesen eine durchaus interessante Besetzung. Unheimlich fand ich zunächst Michael Fassbender, nachdem ich ihn zuvor in „12 Year a Slave“ als letztes gesehen hatte, war ich etwas verstört, doch spielt er auch hier seine Rolle überzeugend (und)mysteriös. Natürlich adelt Judi Dench durch ihre Anwesenheit jeden Film!

Doch besonders bezaubert bin ich von der Filmmusik. Dario Marianelli gehört dank seinen wunderbar zarten, sehr emotionalen aber auch energiegefüllten Kompositionen , wie aus „Stolz & Vorurteil“, „Abbitte“ oder „Agora“ , zu meinen Lieblingsfilmkomponisten. So lohnt es sich definitiv, bereits den Score zu hören, der von Pianosolos und viel Streichermagie geprägt ist, als wolle die Musik das Gefühl eines sehnsüchtigen, gar bedrückten Herzen ausdrücken.
Das Setting so wie die Kostüme sind etwas düster, aber meines Erachtens nach durchaus passend.

THE VERDICT: Eine etwas neuere Version von Jane Eyre, melancholisch und zart mit einem herzzerreißenden Soundtrack, aber keine wirklich tollen Synchronisation. Manchmal fehlte mir die Überzeugungskraft in den starken, sehr emotionalen Szenen, wohingegen die stillen, düsteren und mysteriösen sehr gut gespielt wurden. Deshalb 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Parade’s End

OT: Parade’s End
DT: Parade’s End – Der letzte Gentleman
Genre: Historienfilm, Drama
Cast: Benedict Cumberbatch, Rebecca Hall, Adelaine Clemens, Rupert Everett
Regie: Tom Stoppard
Drehbuch: Tom Stoppard
Musik: Dirk Brossé
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 6 Folgen á 45 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

England kurz vor dem Ersten Weltkriegs: Der britische Aristokrat und Gentleman alter Schule Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) heiratet die schöne, aber durchtriebenede Sylvia (Rebecca Hall). Obwohl Sylvia sich in Liebschaften stürzt und Christopher nicht sicher sein kann, dass das gemeinsame Kind von ihm stammt, hält er die Ehe mir ihr aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem er der jungen und ungestümen Valentine Wannop (Adelain Clemens) begegnet. Doch nicht nur seine Gefühlswelt gerät mit einem Mal ins Schwanken, auch das noch junge Jahrhundert befindet sich mit dem einsetzenden Krieg im Umbruch… [Klappentext]

Nun lässt sich sagen, dass der Trailer und dieser Klappentext zunächst kitschig und deutlich überdramatisert klingen, als es der Film an sich ist. Denn die Grundstimmung ist eine ruhige, vielleicht etwas traurige. Dies wird besonders schön durch das von Dirk Brossé komponierte Thema unterstrichen: es besteht aus einem Pianostück, welches von Streichern untermalt wird und sich durch den ganzen Film mit einem ungeheuren Wiedererkennungswert aber doch schlichter Schönheit schlängelt.

Als großer Cumberbatch Fan bin ich natürlich etwas befangen, aber alle Male begeistert. Er spielt die Rolle des Christopher Tietjens ultra ur-englisch und sehr elegant. Ein Mann, der zu Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und Modernisierung auf die alten Werte beharrt und stehts bemüht ist, das absolut allerrichtigste zu tun – ein komplettes Spiegelbild seiner Frau. Und wie ich Rebecca Hall in dieser Rolle liebe! Voll Feuer, Arroganz, einer gewissen verzweifelten Dummheit und Schönheit präsentiert sie die Rolle Sylvias.
Wer den Film bereits gesehen hat, dem wird jedoch auffallen, dass Benedict Cumberbatch irgendwie imemr auf seinem Schmollmund rumkaut oder irgendwie sonstige Absurditäten mit seinem Mund anstellt, was nicht stört, aber ab und zu echt komisch ist.

In gewisser Hinsicht kann man den Film als Reise von Tietjens betrachten, dass er die Augen vor bestimmten Dingen öffnet, ein Nachdenkspiel über neue und alte Werte in der Umbruchsgesellschaft. Demnach hat der Film etwas sehr trauriges, dramatisches. Jede Figur macht eine Wandlung durch, sogar Sylvia wird urplötzlich zurückgezogen christlich – fragt sich nur, ob das ihren Mann zurückholt.
Wo wir bei der jungen Valentine wären, eine Suffragette, ein wenig antagonistisch gegenüber von Christopher. Müsste man meinen?! Sie ist noch unerfahren im Leben und weiß auch nicht ganz, wohin sie möchte, doch dann überrumpeln sie die Gefühle. Der einzige Nachteil, den ich an der Besetzung bei Adelaine Clemens sehe, die wirklich gut spielt, dass sie erschreckend an Carey Mulligan erinnert!
Christopher, der rationale Mensch, der irgendwo in seiner Tiefe Gefühle unterbindet und die romantische Valentine. Natürlich ist die Storyline hinsichtlich dessen etwas offensichtlich, was meines Erachtens aber nicht stört, das der Film bzw. die Miniserie dadurch nicht weniger spannend wird.
Wo wir beim nächsten Punkt wären: die Verfilmung der Tetralogie Ford Madox Fords ist in 6 Folgen eingeteilt, was den Spannungsbogen ab und an wirklich anhebt. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich so gepackt war, dass ich 5 Folgen am Stück gesehen habe und mich nur die Zeit daran gehindert hat, die letzte erst am Folgetag zu sehen.

Optisch – BBC Niveau wird in aller Gänze erfüllt! – ist es selbstverständlich ein Hochgenuss: schon den Einstieg liebe ich über alles, wie die Kamera über ein prächtiges Zimmer fliegt, mit alten Möbeln, Kronleuchter… Toll! Ich zu meinem Teil habe den Roman nicht gelesen, vielleicht werde ich es irgendwann tun, somit versuche ich, wie auch sonst immer, den Film mehr oder weniger als Einzelwerk zu betrachten!

THE VERDICT: Alles in einem bin ich überwältigt, absolut begeistert und lege diesen Film bzw. diese Miniserie jedem ans Herzen, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsfilmen zu zählen ist.
10 von 10 Sternen. Epischer wird’s nicht.

Love,  Katha

Einer wie keiner

DT: Molière
OT: Molière
Genre: Kostümfilm, Komödie
Besetzung: Romain Duris, Fabrice Luchini, Laura Morante, Édourad Baer, Ludivine Sagnier
Regie: Laurent Tirard
Drehbuch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron
Musik: Frédéric Talgorn
Erscheinungsjahr: 2007

Der Beginn dieses Filmes ist grandios: Barocke Stoffe werden gezeigt, wie sie sich leicht bewegen, dazu eine Streichermelodie und in einer alten Schrift die Namen der Darsteller, die Musik wird allmählich lauter, fließt zusammen und ergibt hinter einem prachtvollen Stoff mit verschnörkelten Buchstaben das Wort: Molière.
Gut, ich bin unfähig es zu beschreiben, aber im wesentlichen ist zu sagen, dass es grandios gestaltet ist!

Der französische Dramatiker Jean-Baptiste Poquelin – besser bekannt als Molière – (Romain Duris) wird auf Grund seiner Schulden ins Gefängnis geworfen, die Lage scheint ziemlich aussichtslos, bis der Kaufmann Jourdain (Fabrice Luchini) sich dazu bereiterklärt, seine Schulden zu bezahlen – im Gegenzug soll er Jourdain in den Künsten des Theaters unterrichten, denn er möchte die Gunst der jungen Witwe Célimène (Ludivine Sagnier) erwerben. Jourdain ist jedoch verheiratet und damit der ganze Schwindel nicht auffällt, muss sich Moliere als vermeintlicher Priester und Hauslehrer Tartuffe ausgeben, was jedoch seiner Frau Elmire (Laura Morante) ganz und gar missfällt und so landet er plötzlich ungewollt in einem Abenteuer zwischen Schwindel, Theater, Liebe und Betrug.

Natürlich gibt es noch weitere Probleme: Die Tochter Jourdains verliebt sich in einen jungen Mann, obwohl sie einen anderen heiraten soll, Jourdain wird von seinem vermeintlichen besten Freund ausgebeutet, Celimène ist ein wahres Biest und kann ihn gar nicht leiden – was Jourdain gar nicht weiß – , Molière muss irgendwie den Schwindel aufrechterhalten, verliebt sich aber in Elmire usw.
Natürlich klingt das alles zusammengeworfen ganz schön kitschig und ab und an ist der Film auch recht offensichtlich, aber das macht nichts aus. Es ist ein Wohlfühlfilm, wo man sich amüsiert, eine Komödie eben mit einigen ernsten Elementen. Man hat ziemlich viel Spaß und es gibt etliche urkomische Momente.
Die Kostümierung und die Möbel sind total klasse und dies vereint mit der sehr authentischen, barocken Musik lässt die Optik des Filmes glänzen!
Zudem ist „Molière“ mein erster Film mit Romain Duris gewesen, mit welchem ich seit je her ein sehr enges Verhältnis führe und etliche seiner Filme gesehen habe, weil ich ihn sehr überzeugend und lebendig finde. Auch Fabrice Luchini spielt toll, er ist ja mehr oder weniger in absolut jeder französischen Komödie unterwegs (was ich beim Erstsehen jedoch nicht wusste), was eventuell etwas lästig sein könnte für diejenigen, die häufig franzöische Komödien sehen. Es hat etwas von Dauerbeschallung, auch wenn er ein guter Schauspieler ist.

Ich weiß nicht, ob ich die einzige mit dieser seltsamen Angewohnheit bin, aber wenn es mir schlecht geht, sehe ich gern einen meiner Lieblingsfilme, der mir immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, egal wie oft ich ihn sehe. Abgesehen davon ist es für mich ein wichtiges Kriterium, um einen Film gut zu finden, dass er eine Vielzahl an Emotionen auslösen kann und einen in eine andre Welt katapultiert und das kann „Molière“ alle mal! Man lacht sich weg, bis die Balken biegen, fiebert mit, glaubt kaum, was für Unsinn es gibt, ist jedoch irgendwie auch traurig und berührt.

THE VERDICT: Eine Tragikomödie von wunderbarer Qualität und ohnegleichen, einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Prädikat Episch, 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die Frau des Zeitreisenden

DT: Die Frau des Zeitreisenden
OT: The Timetraveler’s Wife
Genre: Romanze
Cast: Eric Bana, Rachel McAdams, Ron Livingston, Jane McLean
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Bruce Joel Rubin,Jeremy Leven, Audrey Niffeneger
Musik: Mychael Danna
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: ca. 103 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Buchadaptionen sind eine Sache für sich, manche mögen sie, andere verfluchen sie hingegen. Ich stehe in diesem Falle auf einer relativ neutralen Seite. So sah ich mir gestern das zweite Mal „Die Frau des Zeitreisenden“ an, eine bittersüße Geschichte über Liebe, Sterben und Zeit. Es ist keine typische Zeitreisenden Geschichte, es geht weniger um die Abenteuer in längst vergangenen Jahrhunderten, ganz im Gegenteil, das Reisen wird viel mehr als Last dargestellt.

Henry DeTamble leidet an einem genetischen Defekt, der ihn dazu zwingt, durch die Zeit zu reisen.Er kann sich weder aussuchen, wohin er reist, noch wann, wodurch er manchmal spontan verschwindet. Jedoch kann er dabei nie seine Kleidung behalten, so dass er sich immer welche stehlen muss. Dagegen lebt Clare Abshire ein recht normales Leben, bis sie als kleines Mädchen den nackten erwachsenen Henry trifft, dem sie ihre Picknickdecke gibt. Die Story verläuft nicht chronologisch, es geht auf und ab, mal ist der eine erwachsen, mal der andere, aber man kommt als Zuschauer nicht durcheinander.

Der Film beginnt damit, dass die erwachsene Clare Henry in einer Bücherei trifft, dieser aber noch nichts von ihr weiß, weil er sie zu dieser Zeit nicht kennt. Natürlich freut sich Clare und redet ziemlich verwirrendes Zeug vor sich hin, denn sie kann ihre Freude kaum zügeln. Für den Zuschauer wird spätestens hier klar, dass die beiden sich ineinander verlieben werden und so kommt es auch: die schöne auch sehr komplizierte Beziehung der beiden wird auf ca. 100 Minuten erzählt. Vom Verlieben, zur Einsamkeit, Streiterein und dem Wunsch nach einem Kind.

Beim Liebesfilmen gibt es eine Menge zu mäkeln, von nicht authentischen Gefühlen, maßlosen Übertreibungen, schlechter Filmmusik und kitschigen wie unglaubwürdigen Plot. Gehen wird also diese Kriterien durch:

Der Film baut sich von Zeit zu Zeit auf, man sieht die Hauptfiguren Clare (Rachel McAdams) und Henry in verschiedenen Altersstadien, die gleichzeitig aber auch verschiedene Stadien ihrer Liebe zueinander wiederspigeln. So merkt man auch, dass Clare zwischen dem jungen und dem alten Henry steht. Dabei spielt Rachel McAdams ihre Rolle so überzeugend. Die Expertin für (tragische) Liebesfilme übertrifft sich hier selbst, die Gefühle wirken unglaublich echt – die Kamera arbeitet viel damit, wie liebevoll die beiden sich ansehen und auch Eric Bana spielt hier überzeugend. Manchmal ertappt man sich beim sehen des Filmes dabei, wie man sich fast schon wünscht, auch so angesehen zu werden, wie Clare. Natürlich kann man schlecht behaupten, die Geschichte sei realistisch, aber dadurch, dass Magie enthalten ist, wird sie keineswegs schlechter. Ich habe das Buch nicht gelesen – ganz unabhängig davon versuche natürlich den Film als eigenständiges Werk zu betrachten – aber die Aussagekraft dieses Liebesfilme gefällt mir besonders – Was mir häufig bei Nicholas Sparks Verfilmungen fehlt, ist die tiefere Bedeutung, denn in „Die Frau des Zeitreisenden“ wird man sehr offen mit dem vergehen von Zeit, dem Gehen und Sterben konfrontriert, was der Liebesgeschichte ab und an ihrer Kitsch nimmt.

Henry begegnet seine verstorbenen Mutter in der Bahn und seiner noch ungeborenen Tochter Alba in der Zukunft und weiß manchmal Dinge, die er ihnen gern sagen würde, kann es aber nicht. Auch sein Vater, der noch immer um die verstorbene Mutter trauert, spielt hier eine Rolle, denn so wie sein Sohn wünscht er sich auch, dass Henry mittels des Zeitreisen den Autounfall verhindern könne.
Obwohl der zentrale Fokus hier auf der Liebesgeschichte geht, gefällt mir, dass die Werte von Zusammenhalt, Vertrauen und Liebe hervorgehoben werden, z.b. als Clare zwei Fehlgeburten erleidet. Aber die Liebe ist nicht perfekt, wem gefällt es schon 2 Woche nichts von seinem Mann mit zu bekommen und nicht zu wissen, wann er kommt, noch wann er geht.
Man weiß von Anfang an, dass die beiden sich ineinander verlieben werden und es gibt auch nicht sonderlich viel mitzufiebern, was die anbelangt. Was mir persönlich nicht gefällt [ACHTUNG SPOILER!] ist, dass sich die ganzen letzten 30 Minuten damit beschäftigen, wie er stirbt. bereits gut 40 Minuten vor Ende des Filmes (eines 100 Minütigen Films!) wird für alle, die es nicht geahnt haben, recht offensichtlich, dass er streben wird und das nervt ordentlich, nicht nur, weil es narrativ ziemlich langatmig ist, sondern weil man es sicher besser hätte lösen können. Natürlich geschieht das unabwendbare und er stirbt auf grausame Art und Weise, bloß irgendwie fehlt in diesem Teil die Spannung.

THE VERDICT: Zusammenfassend kann ich im großen und ganzen Sagen, dass es ein wirklich schöner Film mit tollen Darstellern ist, bitter und süß, tragisch aber leider etwas offensichtlich, vor allem, weil man eigentlich nach spätestens 15 Minuten den Film erahnen kann und er nach der Hälfte  (leider!) so gut wie alles enthüllt, was mir etwas den schönen Film verdorben hat. Kein Muss, aber nett. 5 von 10 Sternen

Love, Katha

Temps des Cerises

Moin!

Es ist so wundervoll wie der Frühling hier in Berlin ausbricht, fast schon schade, dass nun langsam die zarten Blüten der Obstbäume zu Boden sinken, aber dennoch ist es eine Freude. Man nimmt grüne Bäume eigentlich nicht wirklich wahr, sie sind natürlich da, aber sonst? Ich tat das lange auch nicht, bis zum letzten Jahr, wo der Winter bis Anfang April andauerte, seitdem sehe ich die Natur anders – und es ist schön. Wenn ihr hinausgeht: seht euch diese prächtigen, blühenden Kastanien an! Es hat seinen Zauber:) Heute möchte ich den Roman „Das Lächeln der Frauen“ vorstellen.

Autor: Nicholas Barreau
Titel: Das Lächeln der Frauen
Genre: Liebesgeschichte
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Piper
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-27285-8
Länge: 336 Seiten

Die Restaurantbesitzerin Aurélie hat Liebeskummer: Von einem Tag auf den anderen wurde sie von ihrem Freund verlassen. Unglücklich streift sie durch Paris und stößt in einer Buchhandlung auf einen Roman, der gleich in den ersten Sätzen nicht nur ihr Lokal, sondern auch sie selbst beschreibt. Natürlich möchte Aurélie den Autor kennenlernen, doch der ist leider sehr menschenscheu, erzählt der Lektor des französischen Verlags. Aber Aurélie gibt nicht auf…“

Ich war total angetan von dem Klappentext, der im Wesentlichen auch gut aufgebaut ist, was schon zu Anfang ein unheimlicher Pluspunkt ist, denn viele Klappentexte verraten entweder nichts, sondern sind nur Pressestimmen oder erzählen das halbe Buch.

Copyright©Piper Verlag
Copyright©Piper Verlag

Schon der Name Aurélie ist bezaubernd, die Geschichte, obgleich sie natürlich ziemlich offensichtlich ist, auch. Dennoch! Ich war verzaubert von Aurélie & André, dem Autor: denn der Roman ist in zwei Ich-Stimmen aufgeteilt, wodurch ein unheimlicher Wortwitz und peinliches Lachen vorprogrammiert sind. Ich habe mich bei diesem süßen, französischen Roman unheimlich amüsiert. Auch toll: am Ende des Buches gibt es ein paar erwähnte Rezepte aus Aurélies Restaurant „Temps des Cerises“. Es ist Paris, wie man es sich vorstellt, und sobald man den Roman beendet hat – ich habe ihn verschlungen – will man nach Paris! Es ist eine Menge Kitsch enthalten, aber es ist kein süßer, klebriger, fremdschäm-Kitsch á la Rosamunde Pilcher, sondern ein herzen-erwährmender, liebevoller Kitsch, das man staunt, dass ein Mann dergleichen schreiben kann, was mich zu meinem nächsten Punkt führt: Ich möchte natürlich nicht spoilern, d.h., wer das Buch lesen möchte, dem empfehle ich hier nicht weiterzulesen, aber eins ist doch wohl sehr ironisch: André, ein Verlagsmitarbeiter, publiziert unter einem anderen Namen in SEINEM Verlag einen Roman. Natürlich ist  verständlich, warum er das macht, doch googlet man Nicholas Barreau, so findet man keine französische Originalausgabe, welche ja angeblich von Svophie Scherrer übersetzt wurde… Alles in einem also eine süße, zarte Geschichte mit hervorragenden Wortwitz und Gewandtheit, leicht und gut leserlich geschrieben: Die perfekte (Sommer-)ferien Lektüre. 4/5 Sternen.

Love, Katha


das Zitat des Tages. „Die Stunde ist kostbar. Warte nicht auf eine spätere, gelegener Zeit“ – Katharina von Sienna