Schweiz-Reise #4: Matterhorn

Grüezi!

Was ist Freiheit? Kann der Mensch frei seien? – Einen Reisebericht mit zwei derart wichtigen philosophischen Frage zu beginnen, mag eigentümlich erscheinen, aber es spiegelt gut wieder, was ich gedacht und gefühlt habe während meines Aufenthaltes in der Bergen, genauergesagt in Gornergrat.

Die Alpen, in diesem Fall die Schweizer Alpen, sind ein besonderer Ort. Von so vielen Menschen jährlich besucht, beobachtet, fotografiert, bewandert, bestiegen und dennoch wirken diese Berge wie ein Symbol für eine unendliche Ferne und der Freiheit auf mich. Hoch oben, wo schon längst keine Bäume mehr wachsen und kleine blaue Blümchen fleckenweise das ausgetrocknete Gras besprenkeln, welches herrlich knuspert, wenn man drauf tritt. Eine Welt, die den Sommer auf eine andere Weise erlebt: Mit Schnee und Eis, wenn auch auf Grund des Klimawandels mit weniger. Wenn man dort oben zwischen den Spitzen der hoch über einen auftürmenden Felsen steht, dort, wo man noch hinwandern kann ohne Kletterausrüstung, bei ca 3000m Höhe, fühlt man wie kostbar es ist, diesen Moment besitzen zu können. Wie schön es seien kann, wenn das einzige Geräusch neben wenigen Touristen vor allem das Plätschern von Schmelzwasser ist und die Luft so gut ist, dass man sie förmlich durch die Nebenhöhlen sich ausbreiten spürt und die Sonne auf einen brennt, wo es keinen  Schutz im Schatten gibt. Diese Mischung aus Ruhe, Verlassenheit, Freiheit, Unendlichkeit, Reinheit und Schönheit überflutete mein Herz.

Ich denke, dass wenn man die Schweiz besucht, das Matterhorn wie ein Wahrzeichen scheint, die spezielle Steinformation, welche die berühmte Toblerone schmückt und für mich war es wichtig, diesen schönen Ort zu sehen – weiß Gott, wann ich das nächste Mal die Möglichkeit habe, dieses Land zu besuchen. Die alpine Sehnsucht ist stark, wenn man stets nur Berge in der Ferne sieht, egal ob man in Bern, Laupen, Luzern oder am Thunersee ist. Man muss  aber auch irgendwie dahinkommen – und das ist leider erschreckend teuer. Schon die Strecke von Visp nach Zermatt mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn war schön: Kleine Dörfer, Wiesen, die man schlichtweg Ricola-Wiesen taufen könnte, grasende Ziegen und Kühe und alles bei bezaubernden Sonnenschein und angenehm milden Temperaturen.

Unser Glück war, dass die Saison erst vor ein oder zwei Tagen begonnen hatte und die Aussichtsplattform in Gornergrat (gut 3000 m Höhe) ganz gut besucht, aber bei weitem nicht voll war. Erreichen ist dies von Zermatt aus mit der Gornergrat Bahn, einer Zahnrad-Bahn, also einer Bahn die besonders steile Strecken befahren kann. Auch schon auf dieser Fahrt erfährt man einen wunderbaren Ausblick auf die Berge und auf Wasserfälle. Aber selbst für Schweizer Verhältnisse sind die Preise gruselig, allerdings glaube ich auch, dass es eine einmalige Möglichkeit ist, wo sich die Ingestion lohnt und wer gerne wandert, kann selbstverständlich mit Zelt auf dem Rücken selbst hochklettern.

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Denn das Jedermannsrecht in der Schweiz (wie auch in einigen nordischen Ländern) grob gesagt fast überall zu wandern. Und ich ließ mir nicht den Spaß nehmen, vom Gornergrat gute 500 Höhenmeter abwärts zu wandern, was vielleicht nach wenig klingt, aber das keineswegs ist. Für mich war dieses Laufen und Staunen der Höhepunkt der ganzen Reise. Man braucht auch keine Wanderschuhe, ein paar stabile Sneaker reichen bei gutem Wetter vollkommen – obwohl wie auch einige Asiaten in hohen Schuhen sahen.

Einfach Laufen, sich umsehen, dieses Gefühl von ja, auch Freiheit, einatmen. Durch einen wunderbaren Zufall hatte ich auch das Glück zwei putzige kleine Murmeltiere an einem Vorsprung beobachten zu können – nur kurz, denn sie liefen schnell wieder zurück zu ihrem Fels und sonnten sich davor. Wenn ich darüber schreibe, fühle ich selbst, wie ich anfange zu lächeln, weil es ein so belebendes Erlebnis ist.

Mit diesem Beitrag endet auch meine kleine Reihe über die Schweiz. Ich hoffe, ich konnte inspirieren oder wenigstens etwas spannendes, neues schreiben. Mein Fazit ist schlichtweg, dass ich mich in dieses bezaubernde kleine Land verliebt habe!

Love, Katha

Schweiz-Reise #3: Domodossola und Thunersee

Grüezi!

Wenn man schon in der Schweiz ist, kann man auch einen kleinen Ausflug nach Italien planen, oder nicht? Dadurch, dass die Schweiz entzückend klein ist und ein sehr effektives Bahn-Netz hat, kann man durchaus schnell von Bern bis zur Grenze fahren und weiter in die kleine Gemeinde Domodossola, deren Besuch ich von Herzen empfehlen kann!

Das schöne an Domodossola ist, das es für die meisten Touristen eher ein Durchfahr-Ort ist, wenn man beispielsweise von der Schweiz nach Mailand oder zum Lago di Maggiore will, deshalb ist es dort herrlich untouristisch – man darf gleichzeitig aber auch keinesfalls erwarten, dass jemand Englisch spricht, offenbar nicht mal von jungen, gleichaltrigen Menschen, was mich ein bisschen schockiert hat, da man zumindest hier in Deutschland ein Minimum an Englisch gelernt hat, bevor man die Schulpflicht erreicht hat. Wie dem auch sei, war es ein wirklich schöner Ausflug, der mich stark an meine Kursfahrt in Rom erinnert hat dank der vielen verwinkelten Gassen, den engen Häusern, die satte Gewürzfarben oder ein zartes Pink tragen und dieser besonderen, herzerwärmenden, nostalgischen Heruntergekommenheit und den vielen alten Laternen, die einen unglaublich romantischen Charme haben.
Allerdings, und das sei gesagt, habe ich mich wohler gefühlt als in Rom: Obwohl die Altstadt von Einheimischen gut besucht war, kann man keineswegs davon sprechen, dass es voll war. Zur Mittagszeit waren die Geschäfte zu, alle machten ihre Siesta, die Menschen saßen draußen in Cafés und schlürften gut gelaunt, wie ich auch an vielen Stellen in der Schweiz es gesehen habe, Aperol Spritz. Hier versuchen glücklicherweise keine aggressiven Mofa-Fahrer einen auf Fußgängerwegen „ausversehen“ zu überfahren und trotz, dass alles sehr alt aussieht, ist es keineswegs dreckig oder unangenehm, sondern hat italienischen Charme. Es ist eigentlich unmöglich, sich nicht in diese kleine Gemeinde zu verlieben und die strahlende Sonne tat dazu bei.

Natürlich wandte ich wie immer meine Lieblingstaktik an, um eine fremde Stadt zu erkunden: Einfach wild rumlaufen, von einer Straße in der nächste Gasse, blumengesäumte Hinterhöfe und kleine Cafés entdecken, Italiennerinnen, die sich von den Balkonen gegenüber lautsrak unterhielten, beobachten und natürlich selbst etwas furchtbar einheimisches tun und Campari oder Aperol trinken.
Leider sind einer der maßgeblichen Unterschiede, die man merkt, wenn man in Italien ist, die Preise, besonders wenn man Essen gehen möchte: Moderate Preise, alles ist sehr gut bezahlbar.

Ebenfalls faszinierend fand ich, dass wenn man den Tunnel zwischen der Schweiz und Italien überwunden hat, nicht nur die Temperaturen deutlich anders sind, sondern auch das Grün der Wälder etwas gelblicher und wärmer wirkte, während es in der Schweiz oft leuchtend dunkelgrün ist.

Ein paar Impressionen:

Nach dem Ausflug nach Italien ging es aber noch zum wunderschönen Thunersee, der praktischerweise auch direkt auf der Strecke zwischen Visp und Bern lag. Dieser See schafft es auf wunderbare Weise all die Schönheiten der Schweiz zusammenfasst: klares, türkises Wasser, umgeben von Bergen, die Wälder säumen und an deren Spitzen der weiße Schnee leuchtet und unten im Tal die vielen kleinen Boote und Yachten, die neben wunderschönen Walserhäsuern und Palmen (ja, wirklich!) parken. Wir haben mit der Fähre der BLS eine Fahrt über den See gemacht, was, obwohl es leider teuer ist, ich wirklich empfehlen kann, da man so einen schönen Ausblick bekommt und die vielen kleinen Gemeinden am See sieht mit ihren bezaubernden Kirchen und Schlössern.

Mich beschlich zu diesem Zeitpunkt ein merkwürdiges Gefühl, dass in der Schweiz alles sehr ähnlich aussah (Walserhäuser, türkises Wasser, alles teuer, nette Menschen, sehr viel grün) und irgendwie auch nicht. Natürlich, überall sind Berge und Seen, aber deren Schönheit und das Wiederentdecken von noch einem kristallklaren See und noch einer blumenbesprenkelten Wiese hat etwas sehr kostbares und schönes an sich. Vor allem merkte ich, wie ich nach den ersten paar Tage nicht nur körperlich, sondern auch geistig sehr weit weg von Berlin (und all dem Stress dort) war und einfach mich in der weiten, alpinen Ferne und ihrer Unbeschwertheit verlieren konnte. Es braucht nicht unbedingt ein Urlaub in die Schweiz, um sich entspannen zu können, aber ich verstehe nun, weshalb Menschen das machen, denn in der Tat hat die Schweiz etwas so fernes vom Alltag und etwas sehr erholsames und friedvolles mit den großen Bergen und der guten Luft.

Im Vierten und letzten Teil geht’s richtig in die Alpen. Stay tuned!

Love, Katha

Raus aus Berlin #2: Kurztrip nach Dresden

Moinsen!

Nach meinem Tagesausflug nach Husum im Januar, spürte ich wieder das Bedürfnis dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, den Kopf wo anders frei zu bekommen und sich von etwas inspirieren zu lassen, was man noch nicht gesehen hat.

Diesmal fiel meine Wahl auf etwas größeres: Dresden.

KURZ GESAGT: Einfach mal durch eine fremde Stadt laufen, ein bisschen von ihreM Flair schnuppern und frei von Alltäglichem sein, ein bisschen Fotografieren, im Park in der Sonne lesen, durch die historische Altstadt bummeln und den Straßenmusikern lauschen und natürlich lecker Essen gehen!

Wir hatten wirklich Glück gehabt, einen Tag mit absolutem Kaiserwetter zu erwischen: Sonnenschein und tolle Temperaturen, bei denen man sehr gut draußen sitzen konnte und die Sonnenstrahlen das Gesicht streichelten. Teils waren mein Freund und ich wirklich am Schwitzen und erinnerten uns gegenseitig lachend, wie bitter wir doch in Husum gefroren haben.

Als kleinen Disclaimer möchte ich anmerken, dass ich bei diesen „Ich muss mal raus aus Berlin-Trips“, nicht unbedingt in Museen gehe – auch wenn Dresden großartige und verlockende Galerien hat – sondern einfach fremde Luft schnuppern möchte und mich in einer fremden Stadt verlieren und verlieben möchte, ohne mir Stress zu machen, was ich alles sehen muss. Deshalb lief ich auch einfach gut 6 Stunden wild durch die Gegend, saß am Ufer der Elbe und erfreute mich einfach meiner (BewegungS)Freiheit – ich kann es wirklich sehr empfehlen, ab und zu ein anderes Stadtbild zu sehen!

Hier ein paar Impressionen:

Besonders positiv aufgefallen waren mit einige Schilder in der Innenstadt, wie an der Semperoper oder der Kunstakademie, die in großer Schrift darauf hinwiesen, dass diese Stadt in den Zeiten, wo rechtspopulistisches Denken am Aufmarsch ist, offen bleiben muss und diese Bewegung nicht tolerieren darf. Wie großartig (und wichtig!) ist so ein Statement!

Ebensfalls großartig war die Musikalität der Stadt, egal ob man im Café saß oder auf dem großen Platz vor der Frauenkirche schlenderte – überall tönte ziemlich gute Musik: Von Akkordeonspielern mit beeindruckend vierseitigem Repertoire, über einen Indie-Gitarrenspieler und Klavierspieler, zu einem Bläserquartett.

Aber ein bisschen Tourismus musste sein und so saßen wir in der berühmten Frauenkirche und betrachten den wunderbaren Prunk des Barocks. Mittlerweile habe ich – besonders als ich in Rom war – einige Kirchen von innen und außen betrachten dürfen und auch diese hat mich wirklich beeindruckt. Auch der Platz mit der Statue Martin Luthers war sehr schön – und wirklich gut voll, man hat richtig das Leben der Stadt spüren können, wo Einheimische und Touristen aufeinandertreffen.

Und ganz allgemein gesprochen blühte mein Herz bei dieser bezaubernden und teils wirklich so hervorragenden Altstadt einfach nur auf: Alte, wunderschöne Bauten, kleine süße Gassen und wunderbare, prächtige Leuchter wohin das Auge nur reicht! Zweifellos ein kleiner Himmel für mich!

Abends ließen mein Freund und ich unseren kleinen Trip mit zwei leckeren Getränken und richtig tollen Burgern in einer ziemlich großen Bar/Restaurant namens „Alex“ mitten in der Altstadt ausklingen – und dazu noch mit permanenten Sonnenschein, der nur spät abends durch ein minimales Nieseln unterbrochen wurde. Wir hatten vorher noch nie etwas von dieser Bar gehört, aber die Größe und die Werbung für deren Webseite ließ vermuten, dass es sich um eine Kette handeln würde. Und so ist es! Allerdings muss gesagt sein, dass es für eine Kette und auch allgemein betrachtet, eine ziemlich gute Bar ist mit wirklich freundlicher Bedienung. Irgendwann muss mal in Berlin vorbei geschaut werden, ob es genauso toll ist wie Dresden!

Gibt es ein Fazit? Wenn überhaupt, dann nur, dass ich gerne wiederkommen möchte, um Museen zu besuchen, ein paar einheimische Bars kennenzulernen, wieder an der großartigen Elbe entlang zu spazieren und noch besser mit Dresden vertraut zu werden, denn es hat mir sehr gut gefallen.

Wart ihr schon mal in Dresden? Und an Einheimische: Ich freue mich über künftige Tipps für Dresden!

Love, Katha

Raus aus Berlin #1: Atempause in Nordfriesland

Moin Moin!

Nach ganz viel Buchbloggerei und ein paar Berlin-Tipps, heute mal etwas anderes.
Ich schreibe gerne über das Reisen (und ich habe den Verdacht, meine Leser lesen auch gerne über das Reisen), allerdings komme ich leider viel zu selten dazu, zum einen ist es natürlich meine stressig-studentische Lebensphase, die mir  einen Strich durch die Rechnung zieht, zum anderen natürlich: Geld wächst leider nicht auf Bäumen. Aber ich muss auch zugeben, die ganze Zeit im hektischen Berlin zu pendeln ist einfach nicht schön, irgendwann wird man Teil dieser gehetzten grauen Masse, die morgens stets entnervt  in die S-Bahn steigt und sich im Zentrum schnellen Schrittes durch Autos und Abgasvolken bahnt.
Jetzt aber Schluss damit, ich brauche eine Auszeit! Einfach mal am Wochenende weg von hier. Ich habe kein Auto, noch Führerschein, es soll also die Bahn sein. Am besten am Meer, ein kleiner Ort an der Nordsee, wo ich mal meine Ruhe habe.

Husum.

Bis vor dieser Reise dachte ich, Husum sei eine Insel… peinlich, schlimmer wird, dass ich dachte, Husum liege nördlich von Bremen. Aber das ist das Gute am Reisen, es bildet und öffnet einem die Augen!
Ein paar Wochen später saß ich um kurz nach sieben einem Intercity und rollte gen Hamburg Altona, wo ich schließlich in einen kalten klapprigen und fast ausgestorbenen Zug Richtung Sylt einstieg – es war frisch, Nordsee im Winter war mutig, wurde mir langsam klar. Umso weiter ich mich von Berlin, Shopping Malls und gestressten Menschen entfernte, desto ruhiger wurde ich. Das Wackeln und Rattern dieses alten Zuges, die karge Winterlandschaft und die Schafe auf den Feldern beruhigten mich. Ich hatte zuvor nicht besonders viel über Husum recherchiert, es sei überschaubar und man könne zum Meer spazieren – das reichte mir. Ich hatte keine Ahnung, was für eine kleine, ruhige Perle mich erwarten sollte.

Als ich ankam, sah ich gerade mal eine Hand voll Menschen, es war recht ausgestorben am Bahnhof und langsam bewegte ich mich gen Altstadt und dem süßen kleinen Hafen, der mehr einem schmalen Kanal glich. Das Herz der Stadt bestand fast nur aus alten, ein-, maximal zweistöckigen Häusern: Backstein und schmucke Fassaden so weit das Auge reicht. Kleine Gassen als die Adern der Stadt, die Häuschen waren gesäumt von Rosenstauden, die im Sommer wahrscheinlich prächtig blühen, und fast nirgends parkten Autos, es war, als wandle man in Zeiten Theodor Storms. Und das ist ganz wichtig, den der große Dichter hat diesem Örtchen die Bezeichnung „Die graue Stadt am Meer“ gegeben und Zeit seines Lebens über das Husumer Watt gedichtet. Doch den Tag, den ich erwischte, konnte man keinesfalls als grau bezeichnen. Der Himmel war strahlend blau und frisch mit ein paar Wolkentupfern und das Licht wirkte so nordisch, es hatte etwas einzigartiges, wie es die kleinen Gassen umhüllte. Das schöne an Husum ist, man kann komplett ohne einen Plan durch die Stadt laufen und sich einfach nach und nach entzücken lassen.

Mir war es allerdings auch wichtig, etwas vom Meer zu sehen, deshalb folgte ich dem Kanal und musste erstmal durch ein etwas unheimliches Industriegelände, bestehend aus drei hohen Türmen und einer Weidelandschaft mit Schafen zu rechten. Danach ging es gefühlte Ewigkeiten gerade aus, so wirklich glaubte ich nicht mehr, dass da noch Meer käme, obwohl es grässlich windig war, bis ich schließlich in der Ferne ein kleines Hotel erkennen konnte und dahinter ein rotes Gebäude, welches sich später aus DLRG entpuppen sollte. Also lief ich, atmete die salzige, eiskalte Frische ein, stapfte gegen diese verdammt steife Brise und vergaß einfach alles andere. Es war herrlich, besonders als ich schließlich am Wasser ankam. Diese Luft war so frisch und pustete jeden Stress aus den tiefsten Windungen meines Körpers. Zugegebenerweise, irgenwann wurde es dann doch zu kalt und ich begann den Rückzug.

In der Altstadt wieder angekommen, zog mich das „Fischaus Loof“ mit seinem warmen Licht richtig an. Völlig durchgefroren betrat ich das sehr gut besuchte Haus und mir bot sich eine Pracht und Vielfalt an Fisch an, ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte. Am Tisch schließlich platzgenommen, bestellte ich den Fischburger mit Pulled Salmon und Kartoffel Wedges für etwas über 8 Euro. Und mein lieber Scholli, das war vielleicht köstlich!! Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass ein Mahl im „Loof“ den Besuch dieser kleinen Stadt schon wert macht.
Schließlich ging es noch durch das Herz der Stadt, wo ich den Ramschladen „Mischmasch“ entdeckte, der jeglichen Kram aus den verschiedensten Kulturen anbietet sowie kleine Spieluhren, die vom Hochzeitsmarsch bis zu „Hey Jude“ von den Beatles alle mögliche spielen. Ein weiteres Juwel ist das „Antiquariat Streblow„, welches neben Vintage Dosen und Postkarten auch antike Puppen und vor allem eine Unmenge Büchern anbietet. Schnuckelig und putzig eingerichtet mit einer uralten Kasse und einer freundlichen Besitzerin lädt dieser Laden zu langen Aufenthalten ein,der etwas nostalgisch-romantisches hat.

Der Rest meines Besuches war Stöbern und Spazieren, entdecken und staunen, ein Gespräch im „Loof“ mit freundlichen Einheimischen und einfach die Ruhe und Freundlichkeit dieser kleinen Stadt genießen. Ich werde definitiv noch mal einen Ausflug bei wärmeren Temperaturen planen, denn Husum ist eine schöne Stadt, die man keinesfalls mit einem spöttischen Lachen über die Größe abtun sollte.
Ich war nur kurz für einen Tag da, aber so dass ich hier nur ein paar flüchtige Eindrücke loswerden kann, aber ich hoffe, zeigen zu können, wie malerisch verträumt Husum auf mich wirkte.

Wart ihr schon mal in Husum? oder könnt ihr den Besuch einer anderen Nordfriesischen Stadt empfehlen?

Alles Liebe,
Katha

Nostalgisches Budapest

Moin!

Es ist diese Stadt, der man nachsagt, wie sei das Paris des Ostens, es ist diese Stadt, die ich jedes Jahr sehe, kurz durchfahre, aber nie richtig betrachtet habe. Doch diesen Sommer sollte sich das ändern! Irgendwie habe ich es geschafft, mehr zu reisen, als je zuvor. Von Roms schwüler Hitze, über einen sanften Sommer in den Niederlanden, kehrte ich erneut zu der unerträglichen Wärme in meiner zweiten Heimat zurück: Ungarn.

Bereits wenn man am Ostbahnhof (Budapest Keleti Pályaudvar) ankommt, einem bezaubernden Kopfbahnhof des 19. Jahrhunderts, empäfngt einen dieses altmodische Flair einer vergangenen Zeit, was das wohl besondere an Budapest ist. In der Tat ähnelt es durch seine vielen Neorenaissancebauten an Paris, ist dabei doch weniger zusammengedrückt, die Gebäude ersticken nicht an ihrer quadratischen Anordnung. Die vollen, lebendigen Straßen säumen Altbauten, mal mit Cafés aus dem 19. Jahrhundert, in denen die berühmtesten Künstler unterwegs waren. Dazwischen tingelt eine alte, gelbe, wackelnde Straßenbahn, die das Gefühl der melancholischen Nostalgie perfektioniert. Da wurde mein Herz ganz warm!
Die U-Bahn ist ähnlich wie in London: es geht erschreckend tief, steil und schnell nach unten. Über die Klimaanlage in den Wagen habe ich mich dann doch gefreut, denn es war zum Ersticken heiß, überall lief an einem das Wasser herunter. Meistens ist es in Ungarn im Sommer warm – nicht heiß.

Natürlich habe ich die typischen Sehenswürdigkeiten abgeklappert: das wunderschöne Parlament, neogotisch, mit kleinen Türmchen in strahlendem Weiß leuchtet es durch seine Pracht am leicht türkisen Donauufer. Ein Besuch im Parlamentsgebäude ist das Anstehen definitiv wert, es ist sowohl von der Fassade, als auch innen ein unfassbar faszinierendes Gebäude.
Dazu kamen die berühmten Brücken von Budapest, da die Donau die zwei Teile der Stadt, Buda und Pest, voneinander trennt, gibt es einige große, pompöse Brücken. Die drei schönsten davon sind die Margaretenbrücke, die größte, sie auch direkt zur Margareteninsel führt. Diese Insel ist mittlerweile etwas zum zentralen Sportort der Einheimischen mutiert, überall sieht man in Läufer. Dabei ist es natürlich eine schöne Insel, mit vielen hohen, Schattenspendenen Bäumen und einem Brunnen, an dem Abends musikbegleitete Lichtshows stattfinden! Die zweite, wohl berühmteste, ist die Kettenbrücke, eine Kettenbrücke aus 1849, die am Brückenkopf von Löwenstatuen bewacht wird. Doch die Freiheitsbrücke, ein riesiger, grüner Stahlkoloss im Jugenstil ist mein persönlicher Favorit. Das tolle an diesen großen Brücken ist nicht nur der unvergessliche Blick, den man besonders nachts auf die beleuchtete Stadt hat, sondern auch die kleinen Details, die man auf jeder Brücke bewundern kann.

Ein nächtlicher Spaziergang entlang der Donau ist sowieso verpflichtend! nicht nur, um eine Erfrischung von der Hitze zu bekommen, sondern auch das pulsierende Leuchten Budapests in sich aufzuatmen.
Doch was rede ich so viel, seht selbst:

Das besondere an Budapest im Sommer ist das riesige Festival namens „Sziget“, welches auf einer der Donauinseln stets Anfang August stattfindet. Geprägt von einem unglaublichen Line-Up und einer wunderbaren Aufmachung – überall Lichterketten, Lampions, Stände, Hängematten, Schaukeln usw – ist es definitiv einen Besuch wert. Ich war dieses Jahr das erste Mal dort und sah Robbie Williams – es war unfassbar!

Weniger bezaubernd war leider der Besuch des vermeintlichen Künstlerviertels Szentendre, welches auf den letzten zwei Bildern zu sehen ist, welches sich als absolutes Touristenmekka entpuppen sollte – leider! Es gab trotzdem ein paar kleine Ecken die Einblick in den eigentlich kleinen, verschlafenen Ort, geben.

Was toll für europäische Touristen, aber keinesfalls für die Ungarn ist, sind die Preise. Da die dortige Währung, der Forint, nach und nach immer mehr an Wert verloren hat, kommt man für deutsche Verhältnisse günstig weg.
Traurig anzusehen ist leider auch, wie die Stadt zur Zeit an den Einwanderern, die sich häufig in U-Bahnhöfen niedergelassen haben, friedlich liegen sie da, aber das traurige Schicksal trifft einen. Man merkt, dass dieses Land, so sehr ich es auch liebe, mit sich kämpft.

Dennoch, Budapest ist bezaubernd, man verliert sich in der Nostalgie der alten Gebäude, in diesem Gefühl zwischen alltäglicher Hektik und leichter Lebendigkeit. Man muss es mehr als ein mal gesehen haben.

Love, Katha

P.S. ein bisschen musikalischen Geschmack bekommt man durch George Ezras „Budapest„.

Niederländische Tage

Moin!

Meine Reise durch die Niederlande ging über Den Haag und ein paar kleine Ausflüge weiter – allerdings sollte sich das Wetter mit dem Eintreffen in Den Haag schlagartig verändern, aus leichten, sorglosen Tagen in Amsterdam entstand plötzlich ein wilder, tosender Sturm! Am nächsten Tag blies der Wind über das Meer, es schlug hohe Wellen, kam in der Stadt an und richtete recht großen Schaden an. Dennoch ließen wir uns dieses Spektakel der Natur nicht entgehen und so ging es an den Strand von Scheveningen bei Windstärke 10 und es war schier unfassbar diese Wucht der Natur zu erleben!
Anschließend ging es zum Mauritshuis, de wunderbaren Kunstmuseum, wo wir erneut Rembrandt bestaunen konnten, doch das Herzstück dieses zauberhaften alten Gebäudes mit samtigen floralen Tapeten ist natürlich Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“. Dieses Werk berührt mich jedes Mal aufs Neue, ich mag fast sagen, was für andere die Mona Lisa ist, ist für mich dieses Mädchen.
Am nächsten Tag war schließlich der Sturm abgeklungen, viel mehr noch: der Himmel färbte sich in ein sattes, klares, frisches Meerblau und erneut gingen wir nach Scheveningen, um diesmal aber die Weite des Strandes zu beobachten. Besonders bezaubernd sind die Sprookjesbeelden, Kunstwerke direkt am Ufer, die allerdings auch in einem Museum zu besichtigen sind. Irgendwie lustig, niedlich, aber auch definitiv zum Nachdenken anregend.

Wir verbrachten nicht den ganzen Tag am Strand – es war zwar sonnig, aber noch lange nicht warm – , sondern fuhren nach Vleuten (Nähe Utrecht), wo das wunderschöne Kasteel de Haar steht, welches einen eher an Dornröschen oder andere, verwunschene Märchen mit Rosenstauden und Burgen erinnert. Hier spielt erneut der Arichtekt Pierre Cuypers eine tragende Rolle, da dieser das Schloss Ende des 19. Jahrhunderts neu aufarbeitete, allerdings mit viele mittelalterlichen Elementen. Eine Führung lohnt sich definitiv – es erinnert manchmal auch ein wenig an Downton Abbey.
Ein weiterer Tag führte uns zu den Windmühlen des Freilichtmuseums der Zaanse Schans. Die Nachbildungen zeigen z.B. ein altes Albert Heijn (eine Supermarktkette, die in den Niederlanden praktisch an jeder Ecke zu finden ist), aber auch kleine süße Hütten und natürlich alte Windmühlen. So schön und liebevoll das allerdings klingt, fehlt dem Ganzen schlichtweg der verschlafene Charme, denn es war eher ein Mekka für Touristen, überall asiatische und arabische Besucher, die aufregt alles fotografierten, was ihnen vor die Linse kam. Es war voll und irgendwie war ich etwas enttäuscht. Die Windmühlen waren allerdings interessant – nur leider liegen sie Mitten in einem Industriegelände.

Das wahre Abenteuer war jedoch die Rückreise, denn der Sturm hatte wohl einiges angerichtet und so kam es, dass wir Ewigkeiten benötigten von Den Haag nach Amsterdam Centraal zu kommen – Berlin war dann gar nicht in Aussicht! Doch es war bereichernd, die Niederlande zu sehen. Es ist so ein charmantes Land, man spürt förmlich eine viel entspanntere Mentalität, die uns hektischen, gestressten Berlinern fehlt.

Love, Katha

Geliebtes Amsterdam

Moin,

es ist schon fast ungewöhnlich, wenn ich darauf zurückblicke, wie viel ich dieses Jahr reise! Kurz noch in der sengenden Hitze der ewigen Stadt Rom, um eine Atempause in der geliebten Heimat zu machen und ins lauschige, windige und so herzliche Amsterdam.
In diesem ersten Reisebericht möchte ich ausschließlich von Amsterdam berichten, im zweiten werde ich dann Den Haag und einige unserer Tagesausflüge genauer unter die Lupe nehmen.
Wenn man weiß, dass Amsterdam die Stadt der Fahrräder ist, dann weiß man noch lange nicht, wie es denn eigentlich ist, erst wenn man das klangvolle Klingeln hört, das eingerostete Rattern der Fahrräder oder selbst angefahren wird von einem lebhaften Haufen Fahrradfahrer, weiß man, dass man in einer eignen Welt ist. Mir scheint fast, Amsterdam ist ein eigener, liebevoller Mikrokosmos durchzogen von Grachten, in denen kleine Boote und Hausboote glugsen bei dem leichten Wellengang. Die Straßen sind gesäumt von blühenden, Schattenspendenen Bäumen und hohen Straßenlaternen, an denen üppig gefüllte Blumenkästen baumeln. Die Häuser sind alt, mit großen, unfassbar großen Fenstern, lichtdurchflutet und überraschend schmal. In den Untergeschossen befinden sich meist Cafés, alle mit ihrem eignene Charme und zwischen diesen schmalen Straßen tingelt die Straßenbahn, welches dort das Hauptverkehrsmittel ist – neben den Fahrrädern natürlich!
Ich muss zugeben, dass ich ständig Fahrräder fotografiert habe! Die Fahrräder dort entsprechen aber nicht dem Niveau der Berliner Räder, wo man schon gut Buße zahlt, wenn man keine funktionierende Lampe hat. Doch Amsterdam ist eine freie Stadt und was dort durch die Straßen rattert hat nicht mal eine Lampe, manchmal nicht eine Klingel (in diesem Fall schreien die Menschen laut „Tuuuut -Tuuut“) und sieht meist hochgradig instabil aus – aber es funktioniert!
Das Besondere, was mich vom Herzen berührte, war allerdings die Stimmung – in dieser so hektischen, gefühlskalten Welt findet man in Amsterdam einen fröhlichen Ort Erde, wo die Menschen des Abends noch durch die Straßen und den wunderbaren Vondelpark, wo es sogar ein Open-Ait-Kino in mitten kleiner Teiche gibt, wandeln und einen Charme verbreiten, der durch und durch ansteckt. Diesen Gefühl, willkommen zu sein, habe ich in keiner Stadt je so stark gespürt.
Kultureller Höhepunkt war der Besuch des Rijksmuseums: eine wunderbar zusammengestellten Sammmlung besonders Niederländischer Kunst in seiner Goldenen Epoche und so kann man mit großen Augen die Erhabenheit der Werke Rembrandts bestaunen, wie z.B. die „Nachtwache“ oder die filigrane Schönheit Vermeers „Dienstmagd mit Milchkrug“. Toll war vor allem, dass es zu vielen Bildern ein doppelseitiges DinA3 Blatt mit Informationen gab. Nicht nüchtern und langweilig, sondern spannende Fakten oder versteckte Ideen auf den Bildern – was mir unfassbar gefallen hat. Auch architektonisch ist es unfassbar beeindruckend: entworfen von Pierre Cuypers (dem wir auf der Reise mehrfach begegnen sollten) charakterisiert es sich mit hohen Säulen und Bögen, eine Balance aus Gotik und Renaissance.

Und damit man sich meine Begeisterung nicht nur vorstellen muss, hier ein paar Bilder:

 

Desweiteren besuchten wir das Schiffahrtsmuseum, das auch beeindruckend und liebevoll gestaltet war – zu dem konnte man ein altes Segelschiff (strenggenommen ein moderner Nachbau) besichtigen und sich in das Leben der Crew einfühlen. Im Unterdeck gab es sogar Liegematten, die nach dem ganzen durch die Stadt laufen, einen wunderbare Ruhepause baten.

Auch das Schloss, welches sich wirklich im Herzen der Stadt befindet, ist einen Besuch wert. Es ist nicht kitschig oder überladen gestaltet, sondern sehr geschmackvoll und gewährt einen tollen Einblick. Vor dem Schloss befanden sich übrigens die zwei Straßenkünstler, die über den ganzen Platz riesige, viele Seifenblasen pusteten – zu Freude aller. Für einen kurzen Moment war es, als habe jeder etwas Leuchten in seinen Augen.

Mit Wind und Sonnenschein und diesen wunderbaren Bildern im Herzen verließen wir diese zauberhafte Stadt, auf dem Weg nach Den Haag…

Love, Katha

Kolumne: In der Thunfischdose

Oder: eine Ode ans U-Bahnfahren.

Berlin hat seinen gewissen Charme, der durch allerlei vertraute und manchmal auch überraschende Liebenswüridgkeiten ausgemacht wird. Manche denken dann an die Hipsterviertel Kreuzberg oder Prenzlauerberg mit ihren alten Straßen, die bunte und sich klimaktisch nach ihrer Exotik steigende Cafés säumen, oder an die vielen schmucken Altbauten. Doch zuerst muss man dahin gelangen – und das ist eigentlich noch viel spannender.

Ich habe, man sehe vom GDL-Streik und anderen winterlichen Weichenkrisen ab, das Gefühl, dass Berlin doch ein recht gutes und meist zuverlässiges Verkehrswesen hat, was einen schnell von A nach B bringt, vorausgesetzt man befindet sich nicht in der absoluten Einöde der Randbezirke, die inoffiziell schon nach Brandenburg aussehen. Bus, im Osten der Stadt Tram, S-Bahn und U-Bahn schleppen einen ganz gut durch die Gegend.

Es gibt viel über U-Bahnfahren in Berlin zu sagen und fährt man erstmal regelmäßig durch dieses Metropolenwirrwarr, bekommt man eine ganz andere Sicht auf die Öffis. Wer mit mir U-Bahn fährt, ist schon von vornerein zu bemitleiden, denn ich rege mich regelmäßig über die nicht vorhandene Ästhetik von optischen Scheusale wie Bayerischer Platz, Halemweg oder Berliner Straße auf. Dazu ein anderes Mal mehr. Jetzt mal wirklich: diese Decke der Berliner Straße ist so beängstigend-erdrückend niedrig, dass man beim Anblick zu ersticken vermag, zudem ist Bahnhof in ein plastikartiges, versifftes Weiß getaucht, dass man sich fühlt wie in einer verschimmelten Psychartriezelle, wobei die blutroten Emaillefliesen noch zusätzlich Torrero-Stier-artige Wutanfälle erzeugen.

Aber eigentlich möchte ich von meinen schönen U9-Erlebnissen berichten. Für alle Nicht-Berliner: Die ca. 13km lange charakteristisch orange-markierte U-Bahnlinie pendelt zwischen Osloer Straße (im Norden Berlins) und Rathaus Steglitz (Süden Berlins) und trifft dabei im Herzen der Stadt auf den sagenumwobenen Zoologischen Garten. Aus mir unersichtlichen Gründen ist diese Linie immer voll. Sagte ich voll? Überfüllt. Zugegebenermaßen, keine Tokio’schen Zustände, aber durchaus voll. Wenn ich Freitag abends gen Steglitz fahren will oder um drei Uhr nachmittags am Dienstag zur Turmstraße möchte, stets fühlt man sich wie in einer Thunfischdose – um ehrlich zu sein, manchmal auf olfaktorisch.

Dennoch fahre ich gerne mit dieser Linie. Vielleicht, weil ich mich gerne über den U-Bahnhof Berliner Straße aufrege, vielleicht weil ich das bereits eingegraute Babyblau des Bundesplatzes mag, oder einfach die bunten Kacheln der Spichernstraße heimlich feier, vielleicht steh ich auf die grauen Wände des Hansaplatzes oder diese wunderbare Blau-Orange-Augenkrebskombi der Schloßstraße, oder ich fahre einfach gerne mit den uralten Wagen der Berliner U-Bahn, wo die Bezüge der Sitze markenzeichlich mit rot-blauen Fleckchen besprenkelt sind.

Und dann soll jemand sagen, man sieht beim U-Bahnfahren nichts. So ein Blödsinn.

Love, Katha

P.S. Verantwortlicher für dieses optische Scheusal ist Rainer G. Rümmler.