Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Vom Ende der Einsamkeit
Genre: Drama
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Diogenes
Preis: 22 Euro (in Leinen gebunden)
Länge: 368 Seiten
ISBN: 978-3-257-069587

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für Literatur

Jules und seinen älteren Geschwistern Liz und Marty, welche ihre Eltern durch einen Unfall im Kindesalter verlieren und in den 1980ern in einem Internat in Süddeutschland großwerden. Grundverschieden, bekäpmft jeder Charakter den Verlust anders, doch im Mittelpunkt steht Jules, einst selbstbwusst, zieht er sich nun zurück.

Ist das Leben ein Spiel, in dem Glück mit Pech bestraft wird, eine Art Nullsummenspiel? Dieser Frage geht Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ nach. Der Roman erzählt von Aufarbeitung, Verlust, verpassten Chancen, großen Hoffnungen, Einsamkeit und vor allem Liebe.

Mit den Worten „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ beginnen, wirft Wells einen sofort in die Erzählung – ein ganz großartiger erster Satz, der mich sofort neugierig machte. Ein Mann wacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus auf und erinnert sich plötzlich, warum er dort liegt. Doch dann beginnt der Roman chronologisch mit seiner Kindheit.

Jules‘ Erwachsenwerden wird von grundlegenden philosophische Fragen des Seins begleitet, sowie kleinen Zitaten von Rainer Maria Rilke oder Zeilen aus Liedern wie Paolo Contes „Via Con Me“, welches ein wiederholendes Motiv ist. Dabei sorgen diese überlappenden Momente für eine mitfühlbare Lebenswirklichkeit, als würde man sich mit Jules miterinnern. Häufig scheinen Kapitel wie Fragmente aus seinem Leben, die wie Puzzelteile aneinandergereiht das Bild vom verwirrten Mann mit dem Motorradunfall klarer werden lassen – um ihn nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzufühlen! Denn genau das Fühlen steht bei diesem Roman im Vordergrund, mal Schmerz, mal Aufregung oder die reinste Freude, welche durch Wells sehr ruhigen, poetischen Schreibstil untermalt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Beschreibung vom Jules Schwester, die während seiner Kidnheit im Heim unglaublich fern und unerreichbar war: „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“

Es sind die Sehnsüchte und das Innenleben der Menschen, welche Wells sehr gut zu verstehen scheint. So wird von der äußeren und innen Welt gesprochen und wie Jules nicht mehr den Zugang zu ersterer findet. Ständig stellt er sich die Frage, was wäre wenn… Dese Menschlichkeit und die Liebe für das Detail lassen die Figuren in diesem Roman sehr plastisch wirken, als würde man sie kennen – aber irgendwie auch nicht, wie im echten Leben.

Auch die große Frage nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe ist ein wichtiges Thema: Kaum ein Mensch kommt an Jules rann, er trottet erfolglos durch das Leben und weiß nicht, was er will, nur die Erinnerung an die geheimnisvolle Alva, die er bereits aus Schulzeiten kennt, scheint ihn nicht loszulassen. In seiner Jugend pflegten sie eine besondere Freundschaft, doch werden die beiden sehr lange nicht über ihre Gefühle sprechen. Berührend und mit Erinnerungsfragmenten erzählt Wells von den intensivsten Momenten einer Liebesgeschichte.
Überwältigend schön und gefühlsintensiv kreiert Wells in seinem Roman eine Geschichte, die mit ihrer zarten Melancholie, aber auch der leuchtenden Freude wie aus dem Leben gegriffen scheint.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines dieser Bücher, die man fast schon langsam lesen will, um jede Seite auszukosten und die ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Erfüllung hinterlassen, wenn man es durchgelesen hat. Ich bin noch immer absolut berührt und möchte diesen Roman jedem ans Herz legen.

Zu guter Letzt möchte ich das Cover loben, welches wie die typischen Diogenes Bücher aufgebaut ist und eine Illustration von Elizabeth Peyton zeigt, die hervorragend zur Geschichte passt – schlicht und schön.

THE VERDICT: Ich wüsste es nicht besser auszudrücken, als einfach zu sagen, dass dies eines der besten und berührensten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. 10/10 Sternen

Love, Katha

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Die Stadt der träumenden Bücher

Zugegebenerweise hat mich die Leselust zum denkbar schlechtesten Moment meiner bisherigen schulischen Laufbahn erwischt: Während der Abiturprüfungen! Aber was soll’s, ich habe eine Menge toller Bücher vorzustellen. Hier eines davon:

https://www.piper.de/uploads/import/produkte/produkt-2579.jpgAutor: Walter Moers
DT/OT: Die Stadt der träumenden Bücher
Genre: Fantasy
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2004
Verlag: Piper
Preis: 12.99
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3492246880

Bücher können alles – sogar töten! Der junge Dichter Hildegunst von Mythemetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, die Stadt der träumenden Bücher… Walter Moers entführt uns in ein Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. [Klappentext]

Wir werden entführt in eine Welt der Bücher, alles ist mit ihnen verbunden, der absolute Traum eines jeden Bibliophilen wird in Buchhaim wahr – nur, dass es weniger menschlich zugeht, schließlich befinden wir uns bei Walter Moers,in Zamonien! Der Held Hildegunst von Mythenmetz, eine Art Echsen-Dinsosaurier, genannt Lindwurm, stürzt sich in ein gefährliches und waghalsiges Abenteuer – alles, dank eines Manuskriptes.

„Die Stadt der träumenden Bücher“ ist ein wahrgewordener Traum eines jeden Leser: selten habe ich ein Buch gelesen, dass so reich, originell, verwirrend und wortgewandt war. Es ist fast, als würde man ein Viergängemenü essen, das Herz wird einem so warm, sobald man es beendet hat, man fühlt sich gut gesättig, aber es liegt einem nicht schwer im Magen! So viel Einzigartigkeit: ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!

Vor ab: ich bin sehr froh, der Empfehlung, diesen Roman zu lesen, gefolgt zu sein!

So fantasiereich und -lastig dieser Roman ist, man muss sich einleben, denn es wird immer absurder und bedarf viel Abenteuerlust und Liebe zum Phantastischen, um die ersten 150 Seiten zu überwinden, sie leben vor allem von Grundwissen zur Vorgeschichte, Hintergrund zu Buchhaim und sind etwas langatmig. Dann jedoch kommt ein Bruch, die Geschichte erfährt ein zuvor nie gekanntes Tempo und eine neue Form der Spannung. Ich möchte nicht zu viel spoilern, denn sonst ist der Spaß der unzähligen Überraschungen verloren, allerdings lebt die Spannung hier von Wendungen, die man wirklich nur schwer erahnen kann.
Hildegunst von Mythenmetz lernt schnell, dass sein Auftrag, den sein Dichterpate ihm am Sterbebett gegeben hatte, viel gefährlicher ist, als er auch nur im geringsten erwartet hätte und dass er die Magie von Büchern deutlich unterschätzt.
Jedoch ist er ein ganz wunderbarer Protagonist, etwas naiv, lernt aber schnell und viel und erfüllt in dieser Hinsicht den Typ des Heldens, der eigentlich nicht vor hatte, einer zu sein und schließlich über sich hinauswächst. Allerdings lernt man als Leser gewisser Maßen auch dazu und das macht unheimlichen Spaß.

Ein ganz großes Highlight ist nicht nur Moers herrlich blumige und reiche Sprache, sondern auch die grandiose Idee, das die Namen zahlreicher Figuren nichts als Anagramme berühmter Schriftsteller sind und so freut man sich als Leser enorm, wenn man Charles Dickens, Friedrich Hörderlin, Goethe oder Edgar Allan Poe zwischen den Zeilen entdeckt. Ich bin über die Maßen begeistert über den Ideenreichtum dieses Buches, auch wenn es an manchen Stellen etwas zu sehr ins Detail geht, staunt man jedes Mal über die Fantasie des Autors. „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist zudem auch illustriert mit kleineren und größeren Zeichnungen, zeigen z.B. die Buchlinge in den Katakomben Buchhaims und untermalen wortwörtlich perfekt das Geschehen.

THE VERDICT: Ich bin begeistert und erstaunt, wie viel „Die Stadt der träumenden Bücher“ einem Leser an Ideenreichtum, überraschenden Wendungen und ulkigen Figuren bietet. Auf jeden Fall ein Muss für jeden Fantastikbegeisterten und Bibliophile, die es noch werden wollen. Sehr episch. 9,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Was Shakespeare a Fraud?

DT: Anonymus
OT: Anonymous
Genre: Tragödie, Drama
Cast: Rhys Ifans, Jamie Campell Bower, Vanessa Redgrave, David Thewlis, Derek Jacobi, Sam Reid
Regie: Roland Emmeric
Drehbuch: John Orloff
Musik: Thomas Wander, Harald Kloser
Länge: ca. 131 Minuten
Erscheinungsjahr: 2011
FSK: ab 12 Jahren

Manche Dinge vermögen einen enormen Zauber auf uns zu haben und so ergeht es mir bei diesem Film, den ich vor einigen Jahren das erste Mal sah – und nicht ganz verstand. Die Thematik war ohne Zweifel interessant, doch erst nun, ergreift sie wirklich mein Interesse!
Shakespeare, der nicht Shakespeare ist, sondern Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford. Bereits vor Jahrhunderten flammte die Debatte auf, wem wohl die Urheberschaft von Werken wie Hamlet, Romeo und Julia, Viel Lärm um Nichts oder Macbeth gehöre, Namen wie Francis Bacon fielen und so auch der von Edward de Vere. Eine unglaublich umstrittene These, ein gefährliches Projekt.

So beschäftigt sich der Film „Anonymus“ von Roland Emmerich mit der Oxford-Theorie und setzt diese auf ebenso grandiose, wie düstere Weise um. Der Film beginnt wie ein Sprecher (der gute alte Derek Jacobi) auf eine Bühne tritt und dem Publikum von Shakespeare erzählt, dem Mann, der so weltberühmte Stücke geschrieben hatte, dass der Nachhall bis heute international ist, und anzweifelt, dass dieser Mann wirklich William Shakespeare war.
So reisen wir zurück.

Wir sehen, wie Edward de Vere bei den Cecils, den Unterstützern Elisabeth I., auswächst und lernt, ihm es alleridngs ebenso verboten bleibt, zu schreiben, was seine größte Leidenschaft ist. So gerät er in einen Konflikt zwischen Cecil und seiner selbst, der seinen Höhepunkt dabei erlangt, dass er sich in Elisabeth verliebt. Intrigen werden gesponnen, Edward versucht einen Dramatiker zu finden, der unter seinem Namen seinem Stücke veröffentlichen wird, findet sogar einen, jedoch gerät dieser Vertrag außer Kontrolle und so wird der einst reichste Mann der Insel von Shakespeare erpresst, denn die Stücke dürfen keinesfalls unter seinem Namen erscheinen! Gleichzeitig bahnt sich ein Umschwung in der Politik an und das Ende des elisabethanischen Zeitalters.

Emmerich legt sich mit Literaturwissenschaftlern an, die in ihrer Mehrheit die Urheberrechte an andere Schriftsteller oder Persönlichkeiten dementieren, und sorgt ebenso für Gesprächsstoff, dass doch ein Film, wie dieser, nicht vom selben Mann stammen kann, wie z.B. von „2012“ – er liebt die Provokation. Doch ganz gleich, wie viel Wahrheit in dieser Oxford-Theorie steckt, so glänzt der Film als Eigenwerk sehr wohl! Intrigen, Dramatik, wundervolle Kostüme und auch der Filmpark Babelsberg, der hinter diesem optischen Fest steckt, leistet ganze Arbeit.

Bis zu diesem Film war mir Rhys Ifans kein Begriff – muss ich zu meiner Schande behaupten, denn er verleiht der Figur des Edward de Vere, dem ‚wahren‘ Shakespeare, eine intelligente, traurige Arroganz, sowie Leidenschaft, in seiner Kunst, die man als Zuschauer in der Tat zu spüren bekommt. Auch die Grand Dame Vanessa Redgrave adelt den Film in ihrer Rolle als Elisabeth I.

Etwas verwirrend fand ich die Zeitsprünge in den Filmen, da der junge Edward de Vere dem jungen Southampton (der jedoch dessen Sohn ist) unheimlich ähnlich sieht, musste ich mich erst etwas sortieren. Ansonsten lässt sich dem Plot ziemlich flüssig folgen.

Untermalt wird dieses Werk durch die melancholische, aber auch von mittelalterlichen Tönen geprägte Musik von Thomas Wander und Harald Kloser. Ein besonders schönes, trauriges Stück daraus ist ‚Edward’s Theme‘ – anhören lohnt sich!

THE VERDICT: Was soll ich noch an Lobgesang singen? Mit welchen Worten meine Begeisterung beschreiben? Ich kann den Film von tiefstem Herzen empfehlen, es ist eine nachdenkliche Tragödie und passt doch irgendwie zu Shakespeares Genie – ganz gleich, wie viel Wahrheit hinter dieser unglaublichen Idee steckt, mich hat sie jedenfalls dazu angeregt, mehr wissen zu wollen.  Echt episch: 9 von 10 Sternen

Love, Katha

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Einer wie keiner

DT: Molière
OT: Molière
Genre: Kostümfilm, Komödie
Besetzung: Romain Duris, Fabrice Luchini, Laura Morante, Édourad Baer, Ludivine Sagnier
Regie: Laurent Tirard
Drehbuch: Laurent Tirard, Grégoire Vigneron
Musik: Frédéric Talgorn
Erscheinungsjahr: 2007

Der Beginn dieses Filmes ist grandios: Barocke Stoffe werden gezeigt, wie sie sich leicht bewegen, dazu eine Streichermelodie und in einer alten Schrift die Namen der Darsteller, die Musik wird allmählich lauter, fließt zusammen und ergibt hinter einem prachtvollen Stoff mit verschnörkelten Buchstaben das Wort: Molière.
Gut, ich bin unfähig es zu beschreiben, aber im wesentlichen ist zu sagen, dass es grandios gestaltet ist!

Der französische Dramatiker Jean-Baptiste Poquelin – besser bekannt als Molière – (Romain Duris) wird auf Grund seiner Schulden ins Gefängnis geworfen, die Lage scheint ziemlich aussichtslos, bis der Kaufmann Jourdain (Fabrice Luchini) sich dazu bereiterklärt, seine Schulden zu bezahlen – im Gegenzug soll er Jourdain in den Künsten des Theaters unterrichten, denn er möchte die Gunst der jungen Witwe Célimène (Ludivine Sagnier) erwerben. Jourdain ist jedoch verheiratet und damit der ganze Schwindel nicht auffällt, muss sich Moliere als vermeintlicher Priester und Hauslehrer Tartuffe ausgeben, was jedoch seiner Frau Elmire (Laura Morante) ganz und gar missfällt und so landet er plötzlich ungewollt in einem Abenteuer zwischen Schwindel, Theater, Liebe und Betrug.

Natürlich gibt es noch weitere Probleme: Die Tochter Jourdains verliebt sich in einen jungen Mann, obwohl sie einen anderen heiraten soll, Jourdain wird von seinem vermeintlichen besten Freund ausgebeutet, Celimène ist ein wahres Biest und kann ihn gar nicht leiden – was Jourdain gar nicht weiß – , Molière muss irgendwie den Schwindel aufrechterhalten, verliebt sich aber in Elmire usw.
Natürlich klingt das alles zusammengeworfen ganz schön kitschig und ab und an ist der Film auch recht offensichtlich, aber das macht nichts aus. Es ist ein Wohlfühlfilm, wo man sich amüsiert, eine Komödie eben mit einigen ernsten Elementen. Man hat ziemlich viel Spaß und es gibt etliche urkomische Momente.
Die Kostümierung und die Möbel sind total klasse und dies vereint mit der sehr authentischen, barocken Musik lässt die Optik des Filmes glänzen!
Zudem ist „Molière“ mein erster Film mit Romain Duris gewesen, mit welchem ich seit je her ein sehr enges Verhältnis führe und etliche seiner Filme gesehen habe, weil ich ihn sehr überzeugend und lebendig finde. Auch Fabrice Luchini spielt toll, er ist ja mehr oder weniger in absolut jeder französischen Komödie unterwegs (was ich beim Erstsehen jedoch nicht wusste), was eventuell etwas lästig sein könnte für diejenigen, die häufig franzöische Komödien sehen. Es hat etwas von Dauerbeschallung, auch wenn er ein guter Schauspieler ist.

Ich weiß nicht, ob ich die einzige mit dieser seltsamen Angewohnheit bin, aber wenn es mir schlecht geht, sehe ich gern einen meiner Lieblingsfilme, der mir immer ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, egal wie oft ich ihn sehe. Abgesehen davon ist es für mich ein wichtiges Kriterium, um einen Film gut zu finden, dass er eine Vielzahl an Emotionen auslösen kann und einen in eine andre Welt katapultiert und das kann „Molière“ alle mal! Man lacht sich weg, bis die Balken biegen, fiebert mit, glaubt kaum, was für Unsinn es gibt, ist jedoch irgendwie auch traurig und berührt.

THE VERDICT: Eine Tragikomödie von wunderbarer Qualität und ohnegleichen, einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Prädikat Episch, 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

A Royal Affair

DT: Die Königin und der Leibarzt
OT: En kongelig affære
Genre:
Historienfilm, Drama
Darsteller:
Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Mikkel Boe Følsgraad
Regie:
Nikolaj Arcel
Drehbuch:
Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
Musik:
Cyrille Aufort, Gabriel Yared
Erscheinungsjahr:
2012
Länge:
128 Minuten
FSK:
ab 12 Jahren

Der Film handelt von der Dreiecksbeziehung des dänischen Königs Christian VII, seiner Frau Caroline Mathilde und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee. Es wird die Geschichte einer der berühmtesten Affären erzählt, die in der Zeit der Aufklärung spielt: Ganz Europa bordelt von den neuen Ideen, die Kant, Voltaire und Rousseau verbreiten, während Dänemark weiterhin noch als Hochburg für Absolutismus und Kirche gilt, Aberglauben ist weit verbreitet und die Bauern leben in Leibeigenschaft.
Die Geschichte ist aus der Sicht Carolines (meist in Rückbelenden) erzählt, wie sie als junges Mädchen nach Dänemark kommt und einen König vorfindet, der fast schon geisteskrank und unglaublich kindisch einzustufen ist: er findet Gefallen an Theatern und Prostituierten. Sie ist enttäuscht und nachdem sie ihre eheliche Pflicht erfüllte und ihm ein Kind gebar, zieht sie sich zurück und möchte nichts mehr mit ihm zu tun haben, sie ist gefangenen in einer traurigen Welt. Unterdessen unternimmt Christian VII eine Europareise, wo ihm der Armenarzt Doktor Struensee bekannt wird, der wohl als einziger mit dem Gemütszustand seiner Majestät umgehen kann. Anfangs verhält sich Caroline recht abschätzig gegenüber von ihm, doch als sie bemerkt, dass er aufklärerische Gedanken hat, entwickelt sich eine Freundschaft, die später zu einer Liebe wird. Die König ermutigt Struensee schließlich, den Einfluss, welchen er auf Christian VII hat, politisch zu nutzen, was anfangs funktioniert, doch bald zu Verhängnis wird.

Der auf der Berlinale 2012 gezeigte Film basiert größtenteils auf Briefen und natürlich kennt man nicht exakt die Vorfälle innerhalb des Hofes, doch umso erstaunlicher ist es, wie präzise und interessant die Geschichte erzählt wird. Carolines Blickwinkel ist der eines unerfahrenen Mädchens, der einer sehr intelligenten und politisch ambitionierten Frau, die beide viel Leid ertragen müssen.
Der Film beginnt mit der Erzählerstimme Carolines, die im Sterben liegt und ihren Kinder, die sie seit Jahren nicht gesehen hat, einen Brief schreibt, in dem sie ‚ihre Geschichte‘ offenlegt.
Es ist ein sehr trauriger Film und doch spielt die Kamera mit dem kühlen Licht und die wenigen Hoffnungsvollen Momente scheinen freudig zu leuchten. Das unterstützt die grandiose, melancholische Musik von Gabriel Yared und Cyrille Aufo: viele Streicher und Bläser, die immer wieder in das Thema des Filmes zurückkommen, das jedoch ein Klavierstück ist. – ein bisschen eine Hommage an die klavierspielnde Caroline: ruhige Klänge mit einer bestimmte Gefasstheit. Das ist natürlich ein riesiger Pluspunk! Optisch besticht er durch wunderschöne Gewänder, Schlösser und Mobiliar.

Die Schauspieler leisten Höchstarbeit: es ist das Debüt von Følsgraad, aber man merkt es ihm nicht an! Er spielt Christian VII so ekelerrgend, kindisch, befremdlich, dass es einem manchmal erschaudert, doch spielt er ihn auch so, dass man nicht nur die ganze Zeit denkt: Himmel, der spinnt doch! Sonder er tut einem auch in gewisser Hinsicht Leid, nicht nur, weil er schamlos vom Hof ausgenutzt wird.
Mads Mikkelsen ist natürlich überragend und so finde ich zwar, dass eher er als Folsgraad den Bären verdient hat. Struensee ist ja kein leichter Charakter: irgendwie ist er mehr oder weniger der Held – aus moderner Sicht -, für damals jedoch nur der Sündenbock. Aber der Held ist nicht perfekt, manchmal etwas stur, manchmal fragt man sich, ob etwas von der Machtbessenenheit in ihm überschwappt. Aber das ist nur eine weitere Stärke! Menschen sind nicht perfekt und abgeschliffen und doch hat man das leider in vielen Filmen, nicht aber hier.

Man leidet und freut sich mit den Liebenden, hofft, dass es gut wird und doch weiß man, dass es nicht seien kann. Ich möchte ja nicht allzu viel spoilern, aber ich muss sagen, dass ich jedes Mal, wenn ich ihn sehe (und ich habe ihn schon einige Male gesehen, auch, wenn’s wehtut) immer mehr Details erkenne und doch jedes Mal zum Ende hin mir das Herz gebrochen wird. Es ist ja nicht so, dass man sagen kann: es ist nur ein Film. Es war wirklich so und das unterstreicht natürlich die Tragik dieses Filmes ungemein.

THE VERDICT: Es ist ein richtig gutes Ding. Ich war am Anfang beim erst sehen skeptisch, da auf der Berlinale doch recht seltsame, meist Kunstfilme laufen. Das ist keiner. „Die Königin und der Liebarzt“ ist allen voran hervorragend gemacht, lehrreich, traurig und etwas deprimierend. Ich liebe den Film sehr und gebe 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

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The fault in our stars

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Autor: John Green
DT: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
OT: The Fault In Our Stars
Genre: romantisches Drama, Jugendroman
Sprache: Deutsch
Übersetzer: Sophie Zeitz
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Reihe Hanser, dtv
Preis: 9,95€
ISBN: 978-3423625838
Länge: 336 Seiten

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.“ [Lovleybooks.de]

Ich möchte mich als aller erstes bedanken, bei Charlie @ keinezeitfuerlangeweile, weil sie mich gezwungen hat John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zu lesen.

Ich lese Klassiker, seit einem Jahr nur Klassiker und plötzlich schlage ich dieses Buch auf und es ist so voller Wärme und Liebe und dennoch Ernst und ich will behaupten, dass dieser Roman eines Tages ein Klassiker wird. Die Hauptfigur Hazel erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, ist dabei offen, witzig und ernst und sieht auf eine wundervolle Weise die kleinen Dinge. Sie begegnet Augustus bereits am Anfang es Romanes, wo er sie während einer Art Gruppentherapie unaufhörlich anstarrt. Es geht nicht in jedem Sinne nur um die wunderschöne, herzzerreißende Liebesgeschichte von Hazel und Gus, denn dieses Buch ist vieles, aber nicht kitschig, denn Krebs, den sie beide haben, kann kaum kitschig sein.

Es ist so schwierig, die richtigen Worte für diesen Roman zu finden, denn er trifft die richtigen Worte und schafft es, einen trotz der unglaublichen Tragik der unheilbaren Krankheit, die Hazel hat, einen zum Schmunzeln zu bringen.

„Wie heißt du?“, fragte er [Gus]
„Hazel.“
„Nein, dein ganzer Name.“
„Hm. Hazel Grace Lancaster.“ (S.20)

Und er sollte sie die ganze Zeit Hazel Grace nennen, was zugleich bürokratisch, aber auch süß klang. Gus ist nicht der perfekte Typ und Hazel schildert dies auch, aber er verzaubert einem trotzdem, denn sein Verhalten ist allzu menschlich: Gus möchte nicht vergessen werden. Als er Hazel davon das erste Mal berichtet, hält sie ihm de facto einen Kurzvortrag über ihre Meinung, der ihm die Sprache raubt. Das ist Hazel! Sie ist wortgewandt, spricht über den falschen Gebrauch von ‚buchstäblich‘, was mehr oder weniger der Running Gag des Buches ist. Und auch wenn man weiß, dass dieses Buch ein tragisches ist, schenkt es mit der Lebensfreude, die Hazel und Gus mittels ihrer Liebe aussprühen, Hoffnung. Am Schönsten finde, wie das Thema des Vergessenwerdens behandelt wird, weil wir Menschen alle Teil davon sind und ich mich persönlich auch davor fürchte.

Ein großer Pluspunkt sind ohne Zweifel die Charaktere, die alles andere als flach sind oder sich auf wenige Eigenschaften, die man im großen und ganze  mit den Adjektiven ‚gut‘ und ‚böse‘ beschreiben lassen, beschränken, was bei einigen Jugendbüchern der Fall ist. Wo wir schon beim nächsten Punkt sind: bei Amazon liegt die Altersempfehlung bei 12-15 Jahre. Dem Mindestalter kann ich zustimmen, aber eigentlich ist es lächerlich zu behaupten, dass mit 15 schluss ist, denn ich glaube, dass dieser Roman verschiedenste Altersklassen anspricht, allen voran, weil die Figuren sehr erwachsen sind.

Ich darf mich glücklich nennen, weil ich nicht krebskrank bin, aber noch glücklicher darf ich mich nennen, weil ich dieses Buch gelesen habe. Lev Großmann vom Time Magazine sagt folgendes: „So ehrlich und intensiv wie nichts sonst, was ich in letzter Zeit gelesen habe, weder in Jugendbüchern, noch in anderen.“

Danke, Charlie. Wer weiß, ob ich dieses Buch ohne dich gelesen hätte, wo ich so lange Jugendbücher (auch berechtigt) abgestempelt habe. Aber irgendwie hat es was von einem Klassiker, denn diese Geschichte ist zeitlos-einzigartig.

THE VERDICT: Ich glaube, dass ich hierbei den Gebrauch des Wortes „episch“ nicht misshandle, denn „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ kann ich nicht anders beschreiben. 9,5 von 10 Sternen – Prädikat Episch!

Love, Katha

Fall of Giants

Mein erster Follett! Zugegeben, das 1040 seitige Buch liegt einem etwas schwer in der Hand – aber es ist nun mal eine ‚gewichtige‘ Story.  Schon der Klappentext lässt darauf hindeuten:

Autor: Ken Follett
DT: Sturz der Titanen : Die Jahrhundert-Saga
OT: Fall Of Giants
Genre: Historienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung:2010
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3404166602
Länge: 1040 Seiten

England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waisen auf. Während Grigori zum Revolutionär wird, gelangt sein Bruder in Amerika zu Reichtum – bis er sich zur Armee melden muss und so als Soldat in die Heimat zurückkehrt. Deutschland. Anders als sein Vater sehnt sich Walter von Ulrich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Doch der beginnende Konflikt reißt die Liebenden auseinander. Drei Familien, drei Schicksale, die sich kreuzen, während der Schatten des Krieges die Welt verändert.“

Copyright©Bastei Lübbe
Copyright©Bastei Lübbe

Aber der Klappentext hält, was er verspricht, ich konnte den Wälzer gar nicht mehr aus der Hand legen und war gefesselt von den Drehungen und Wendungen der Story, sowie dem bezaubernden Schreibstil. Zwar sind die ersten 50 Seiten doch langgezogen, aber man kann sich relativ gut einarbeiten. Die Perspektiven aus den verschiedenen Ländern sind eine hervorragende Idee und gewähren einem einen guten Einblick, ja,  die Welt öffnet sich einem, die Figuren machen zwar keine 270-Grad-Wende in ihrer Entwicklung, das lässt sie jedoch auch realistisch erscheinen. Manchmal sind einem die Sexszenen etwas lästig, aber das ist Geschmackssache. Was die historischen Tatsachen angeht, so streitet man sich, bei Amazon kann man das sehr gut merken – mich hat nichts gestört.

Besonders die komplizierte Liebesbeziehung zwischen Lady Maud und Walter von Ulrich habe ich mit großer Spannung verfolgt! Aber da ich nicht spoilern möchte…

Manchmal nimmt der Roman in der Tat Kaugummi-Gestalt an, ein paar Kapitel sind quälend lang. Als ich das Buch in die Hand nahm, ahnte ich nicht, dass ich es zu Ende lesen würde, manchmal nimmt einem die Länge die Freude, aber hier war es anders. Für den die ersten 300 Seiten benötigte ich etwas länger, der Schulstress unterbrach mich beim Lesen, als jedoch dann die Ferien kamen, hatte ich den Rest innerhalb von einigen wenigen Tagen verschlungen. Nun BRENNE ich darauf, den zweiten Teil zu lesen.

Alles in einem kann ich jedem den Roman ans Herz legen, der detailreiche Historienromane mag und Wert auf einen guten Schreibstil legt (und etwas Geduld mit den ersten 50 Seiten hat…). 9 von 10 Sternen

Love, Katha