Charlotte – Leben? Oder Theater?

Autor: David Foenkinos
OT: Charlotte
DT: Charlotte
Genre: Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014, Frankreich
Verlag: Penguin Verlag
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-328-10022-5
Länge: 237 Seiten

Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943)

Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt.

Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu.

Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt?

Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas.

Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend.

Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

THE VERDICT: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Die verlorene Zeit

OT: Die verlorene Zeit
Genre: Drama
Cast: Dagmar Manzel, Mateusz Damiecki, Alice Dwyer, Lech Mackiewicz
Regie: Anna Justice
Drehbuch: Pamela Katz
Musik: Christoph Kaiser, Julian Maas
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: ca. 105 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Inspiriert von wahren Ereignissen, erzählt „Die verlorene Zeit“ von einer außergwöhnlichen Liebesgeschichte zweier zerrissener Schicksale, die ihren Anfang 1944 in Polen nimmt. Der junge Tomasz Limanowski (Mateuz Damiecki) rettet seiner Geliebten Hannah Silberstein (Alice Dwyer) mit einer riskanten Flucht aus einem deutschen KZ das Leben. Doch im Chaos der letzten Kriegstage werden sie gewaltsam voneinander getrennt und sind überzeugt, der andere sei ums Leben gekommen. Über dreißig Jahre später erfährt die inzwischen in New York gut situiert lebende Hannah ganz zufällig von einer Möglichkeit, dass Tomasz noch am Leben sein könnte. Verborgene Gefühle über diese lang verdrängte Liebe kommen zum Vorschein. Sie kontaktiert den internationalen Suchdienst vom Roten Kreuz und beginnt erneut nach Tomasz zu suchen [Klappentext].

Nur zufällig entdeckte ich diesen Film in der Bibliothek, das Cover wirkte nachdenklich und traurig, doch der Titel weckte Neugier in mir, doch als ich den Klappentext durchlas, wunderte ich mich: nicht noch so eine Geschichte! Eine Liebe wird auseinandergerissen, sie verlieren sich in den Wirren des Krieges, dazu noch das Thema Nationalsozialismus – manchmal hat man all diese Filme schon ganz schön satt.
Aber nachdem ich diesen Film gesehen hatte, muss ich sagen, dass es sich lohnt, diesen zu sehen. Zugegben, der Film ist ziemlich traurig und man wird sicherlich nicht mit einem glücklichen Gefühl hinausgehen, aber dazu ist er nicht gemacht. Vielmehr handelt es sich um ein bewegendes, stilles Drama und keine laute, aufschreiende Tragödie. Es gibt ganz kleine Lichtblicke, Wolkenlöcher in zutiefst grauen Zeiten.
Die Musik dazu besteht aus ruhigen Klavierstücken, untermalt von melancholischen Streichern und untermalen den Film sehr schön! Offengestanden lege ich viel Wert auf einen guten bzw passenden Soundtrack und hier wurde ich nicht enttäuscht. Zudem ist die Farbsättigung in „Die verlorene Zeit“ etwas niedrig, was die bedrückte Stimmung gut untermalt.
Zugegeben, die Idee einer solchen Story ist nicht die originellste, aber es gibt tatsächliche solche Schicksale, insofern kann ich in Anbetracht dieses Gesichtpunktes schlecht Kritik üben. Die Umsetzung jedoch halte ich mit einer recht guten, soliden schauspielerischen Leistung für durchaus gut.

THE VERDICT: Ein melancholischer und berührender Film über eine traurige, durch Krieg zerrissene Liebe mit guten Schauspielern und einem tollen Soundtrack. Es tut vielleicht etwas weh, ihn zu sehen, denn die Dinge und Geschehnisse werden sehr realistisch dargestellt, aber wer gerne mal einen nachdenklichen Abend verbringen möchte, dem kann ich „Die verlorene Zeit“ nur empfehlen. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen

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