[Unileben #2] Motivationsprobleme überwinden

Pünktlich zu meinem vierten Bloggeburtstag möchte ich über ein Thema schreiben, das mir besonders am Herzen liegt, und mit dem ich auch meine Problemchen habe: Motivation und der Mangel an dieser. Nachdem ich nun einige Wochen darüber gegrübelt habe, wie ich diesen Beitrag am besten schreiben, bin ich zu dieser Version gekommen.

Ist es nicht ironisch über Motivationsprobleme zu schreiben, wenn eigentlich für die Uni zu lernen sollte? Es könnte kaum typischer sein, wenn ich ehrlich bin. Manchmal kommt die Motivation und Inspiration aus dem Nichts und plötzlich funktioniert alles, es ist so leicht und alles läuft von selbst, an anderen Tagen geht gar nichts und es ist für mich schon ein Problem, aus dem Bett zu kommen, geschweige denn mich an meinen Schreibtisch zu bekommen. Ich möchte hier ein bisschen meine Erfahrungen teilen, was mir hilft, um zu Potte zu kommen – oder zumindest, was mir Kraft gibt.

Durch meinen Studiengangwechsel habe ich schnell festgestellt, dass ich zwar nach wie vor öfter wirklich keine Lust habe, mich mit etwas zu beschäftigen, aber wenn ich mich erst dazu aufgrafft habe, anzufangen und mich mit etwas auseinander zusetzten, stets aufs neue merken, es wirklich interessant ist und ich mich meistens sogar sehr gern mit den Texten, die ich lesen muss oder schreiben soll, beschäftige. Sicher gefällt mir nicht alles, aber jetzt spüre wirklich ich den Kontrast, wie viel leichter es ist für etwas zu lernen, was einen im Kern begeistert. Deshalb würde ich grundsätzlich dazu raten, dass wenn man merkt, dass man große Motivationsschwierigkeiten zum Lernen hat, für sich selbst festzustellen, ob es am Lernen liegt, oder der Tatsache, dass man möglicherweise etwas ‚falsches‘ studiert. Ich habe eine kleine Liste mit einer Erfahrung und einigen Warnzeichen in einem älteren Blogpost dazu verfasst, in den ihr gerne ebenfalls reinschauen könnt. Ich hoffe wirklich, dass ich mit meinen Erfahrungen jemanden helfen kann.

Erster Disclaimer: Wer wirklich mit schwerwiegenden Prokrastionationsproblemen zu kämpfen hat (und ich zähle mich nicht dazu) sollte sich meiner Meinung nach vielleicht an die psychologische Beratung der Uni wenden, da ich dafür keine hilfreichen Tipps geben kann.

Zweiter Disclaimer: Ich schreibe das nicht, weil ich großartige Noten an der Uni habe (das ist nicht der Fall), oder weil ich meine Tipps für das Non plus ultra halte und total den Dreh raushabe. Ganz im Gegenteil, ich möchte einfach meinen Gedanken zu diesem Thema Raum geben.

1. Wenn schon prokastinieren, dann effektiv: Ende letzten Semesters gab es diesen einen großen Essay, an den ich mich überhaupt nicht ransetzten wolle – zugegeben, bei den anderen Essays war es nicht besser, aber Ende Februar war bei mir gänzlich die Luft raus, besonders nach den Klausuren. Bloß nicht dieser Essay! –  ich hatte einfach einen Trotz der Lustlosigkeit in mir. Aber anstellte mich mit YouTube und Instagram abzulenken, nutze ich diese Energie, um etwa total banale Sachen nachzuholen oder aufzuräumen. Aufräumen hat einen tollen Effekt bei mir: ich kann sowieso in einem geordneten Raum besser lernen und ich musste ohne hin  etwas aufräumen oder putzen. Sicherlich ist es keineswegs eine dauerhafte Lösung, besonders bei schwerwiegenden Prokrastinationsproblemen.

2. Duschen: Manchmal bedarf es nur einen kleinen Frischekicks, um mal den Kopf freizubekommen oder ein wenig zu entspannen, um ein wenig Stress zu entladen oder eine Pause während des Lernens zu machen, um Abstand von seinem eigenen Gedankenwirrwarr zu bekommen.

3. Nicht in Jogginghose oder Pyjama oder im Bett lernen. Manche mögen mir hier total widersprechen, aber bis auf wenige Ausnahmefälle lerne ich oft komplett „anzogen“. Manchmal trage ich sogar Hemd und Jeans, einfach nur um mich irgendwie professioneller und vorbereiteter zu fühlen. Vermutlich ist es eine Art von psychologischem Selbstbetrug, aber es hilft mir wirklich. Übrigens gilt das auch  für Prüfungssitautionen.

4. Anfangen ist der erste und wichtigste Schirtt. Es gibt Momente, da ist alles so viel, dass man keine Ahnung hat, was man tun soll, der Gedanke an diese komplizierte Aufgabe nimmt einem schon alle Kraft und man badet förmlich in der Überforderung, diesen überwindenden Schritt zu tun. Mir ging es letztes Semester oft so, ich war einfach strukturell überfordert und musste für mich lernen, wie ich lerne. Wenn man dann erstmal die Gliederung und den Plan hat, wie man an die Aufgabe rangeht, schreiben sich Texte oft von alleine. Ich glaube, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Aufgabe absolut machbar ist und man allein schon durch Aufstellen einer Gliederung, einer Übersicht oder eines Lernplans viel erreicht hat, wird einem ein kleines bisschen leichter ums Herz und man kann systematisch weiter machen.

5. Motivation und rechtzeigtig Anfangen. Ich sage es noch immer zu mir: fang rechtzeitig an und ich bin leider noch immer nicht gut darin – einerseits weil ich wirklich viele abzugebende Abgaben letztes Semester hatte und nicht wusste, wo mir der Kopf stand, andererseits weil ich wirklich unmotiviert war. Aber hey, ich habe zumindest angefangen, mir früh einen Plan zu erstellen, was ich machen muss.  Mit rechtzeitig anfangen meine ich bei einer Klausur mindestens drei Wochen vorher und bei einem Essay unbedingt mindestens zwei Wochen früher – das ist mit Nichten ein gutes Zeitfenster, aber ich versuche mich. Natürlich gibt einem auf-den-letzten-Drücker-machen einen unglaublichen Adrenalinschub, aber wenn man mit dem Verstehen philosophischer Texte kämpft und 4 Stunden vor der Abgabe mitten in der Nacht einen großen logischen Argumentationsfehler entdeckt – und ich war da – ist das einfach keine Situation in der man stecken will.

6. Handy weg. Es ist so einfach und doch so beschissen schwer, sich gleich doppelt zur Selbstdisziplin aufzuraffen. Oft hilft es mir, mein Handy nicht in Sichtweite zu haben, aber den ultimativen Trick habe ich auch noch nicht herausgefunden.

7. Finger weg von YouTube oder Netflix – gilt jedenfalls für mich, einmal angefangen, etwas in der Form eines Videos zu sehen, ist es bei mir sowohl mit der Motivation als auch mit der Konzentration vorbei. Deshalb spare ich mir, so gut ich kann, Fernsehen oder Filme als Belohnung auf, wenn ich etwas geschafft habe. Funktioniert meistens sogar ganz gut.

8. In der Bibliothek lernen. Dies habe ich erst in meinem letzten Semester für mich entdeckt, aber ich bin überrascht, wie gut es mir geholfen hat. In dem Grimm-Zentrum der HU ist es nicht nur unbequem und ein bisschen kühl, sondern alle sind derart konzentriert und es gibt eine Aura des angespannten Lernwillens, dass man nicht anders kann, als konsequent zu lernen. Die Bibliothek hat einige Nachteile und Aspekte, die mich wirklich aufregen, aber dazu möchte ich in einem anderen Beitrag ausführlicher äußern. Ich glaube, was in der Bibliothek der springende Punkt ist, der sich beispielsweise auch an meiner Angewohnheit in ’schickeren‘ Sachen zu lernen sehen lässt, ist, dass wenn man es ‚zu bequem‘ hat, die Verlockung im Bett rumzugammeln (man sitzt ja schon da und hat seine bequeme Jogginghose an) und Netflix zu sehen noch viel größer ist, als wenn man in der unbequemen Bibliothek mit Jeans und Hemd sitzt und alle anderen fleißig lernen- vielleicht ist es ein alberner psychologischer Trick, aber bei mir funktioniert er.

9. Tee- und Spazierpausen. Ich trinke unheimlich gern Tee, wie ich es hier auf meinem Blog sicherlich schon hunderte Male beteuert habe. Für mich ist eine schöne Art eine Pause zu halten, mir einen Tee zu kochen und ganz bewusst (möglichst ohne Instagram o.Ä.) in der Küche zu sitzen, durchzuatmen und die Pause als solche zu genießen. Ich bin nicht immer diszipliniert genug, um das immer durchzuziehen, aber oft hilft es mir neben der anstrengenden  Uniaufgabe den Kopf freizubekommen. Andere Art der entspannenden Pausen sind ein Spaziergang oder einer Meditation auf dem Balkon, die ich beide wärmstens empfehlen. Aber kann ich mir das zeitlich leisten? Naja, wenn ich wirklich glaube, dass ich mir YouTube leisten kann, dann ist der Gang um den Block echt die bessere Alternative.

10. Mittags lernen. Meinen letzten Stundenplan fand ich Anfang des Semesters katastrophal, drei Mal in der Woche fing mein Tag um 8 Uhr an und ich hatte keinen  freien Tag. So kam es, dass ich oft spätestens um 14 Uhr aus der Uni raus war und den halben Tag noch vor mir hatte – ein enormer Motivationsboost. Deshalb ging ich nach der Uni öfter noch in die Bibliothek und lernte dort einige Stunden, was bedeutete, dass wenn ich abends Heim fuhr, noch Zeit zum Entspannen und Nichtstun hatte. Früher habe ich oft um 19 Uhr angefangen zu lernen und saß teils noch um 1 Uhr morgens an einer Hausaufgabe, was nicht nur frustrierend ist, sondern auch dafür sorgt, dass ich noch weniger Schlaf bekomme. So hatte ich wirklich die Kraft, meine Zeit besser zu nutzen, was sich toll anfühlt.

11. Ziele setzten. Natürlich kann man lernen, bis man umfällt und die Augen zu klappen, aber keine zwei Wochen am Stück. Für mich hat es sich bewährt, mit gewisse Ziele für den Tag zu setzten, was ich schaffen möchte, oder dass ich, wenn ich eine bestimmte Sache gelernt habe, mir die Zeit nehme, Abend noch einen Film als Belohnung zu sehen. Oder im Bullet Journal systematisch durchstreichen zu können, was man geschafft hat, gibt mir auch eine gewisse Zufriedenheit. Ich glaube, es ist wichtig, sich ab und zu zu sagen, dass es für heute reicht (oder aber auch das Gegenteil, dass man echt noch ein paar Sachen schaffen muss).

12. Ein schöner Schreibtisch. Ein großer, möglichst leerer Schreibtisch mit viel Licht und einem gemütlichen, ergonomischen Stuhl kann für mich die Welt verändern. Ich lerne sogar lieber, wenn man Schreibtisch mich in einer Form dazu einlädt. Was zusätzlich mit dem ersten Punkt Hand in Hand geht, für mich lernt es sich aufgeräumt einfach besser.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nach wie vor meine Probleme mit Motivation habe – manchmal gibt es leider die Tage, wo man auch akzeptieren muss, dass nichts geht (außer es ist der Tag der Abgabe oder vor der Prüfung) und man sich auch die Ruhe nehmen muss. Ich arbeite wie bereits gesagt selbst noch an meiner Motivationslosigkeit.

Ich freue mich wie immer über Kommentare und Anregungen

Love, Katha

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Die Sucht nach Stress

Oder eine Erinnerung an mich selbst.

Es ist gar, als stünde ich ständig unter Strom, müsste ständig tun, um in Bewegung zu bleiben, höher, schneller, weiter. Zufriedenseien ist Aufgeben in dem ständigen, täglichen Kampf des Besserwerdens. Sich auf einen Erfolg auszuruhen ist ein Wimpernschlag, bevor ich begreife, dass ich das beim nächsten Mal auch schaffen muss, wenn nicht gar besser. Es ist fast lächerlich: Ich klage darüber, wie schrecklich gestresst ich bin, dass mir der Kopf sonstwo steht, doch gleichzeitig entwickelt man auf eine paradox-perverse Weise eine Art Stockholmsyndrom zu diesem Leiden. Es ist die Droge, der Adrenalinkick, etwas auf den letzten Drücker machen zu müssen und freudetaumelnd, fast schon übermüdet in der Nacht endlich fertig zu sein! Wer braucht schon Schlaf, wenn man von Kaffee leben kann?

Doch dann kommt etwas überaus absurdes: ein ruhiger Tag, an welchem man die Füße hochlegen kann. Ein sanftes Lächeln bei dem Gedanken, doch kaum habe ich es mir am Fenster bei mildem Samstagslicht mit einem Buche gemütlich gemacht, da pulsiert die Schläfe, die Gedanken gehen verloren, man fragt sich was man doch machen könnte, was fehlt.
Fast schon eine leere Enttäuschung, mal entspannen zu müssen.
An den Tagen, wo ich weiß, dass ich noch später etliches zu tun habe, da lege ich gerne die Füße hoch, um den Moment abzuwarten, wo es nahezu zu spät ist, um anzufangen. Es ist die Sucht, die einen ergreift, das Spiel mit der Zeit zu spielen in der festen Überzeugung, es gewinnen zu können. Ein Packt mit dem Teufel. Nur, dass ich nicht Faust sein möchte.

Das ist Schwachsinn. Das Aufschieben, das nächtliche Arbeiten, die bittren Tränen der Angst, die man weint aus reiner Verzweiflung. Das Leben ist nicht die Aufreihung von Erfolgen, das Leben ist nicht die Schule oder das Studium, und doch muss man auch hinfallen, denn Glück fühlt man nur im Kontrast intensiv. Es ist keine Schande, hinzufallen und zu scheitern, es tut weh, doch nur wer liegen bleibt, ist gescheitert. Zufriedenheit ist eine Belohnung, die man sich selbst schenken sollte. Ich möchte ein bisschen mehr lächeln, einfach tief einatmen und an mich glauben, ohne psychopathisch zuckend in der ständigen Angst des Versagens zu leben, die ich mit der Sucht nach Stress, den ich mir selbst aussetzte mache.

Sagte ich Schwachsinn? Unsinn. Wahnsinn!

Das wird schon. Stress hilft zur Motivation, aber die Motivation sollte nicht alleinig aus Stress hervorgerufen werden.
Ich möchte nicht mehr sagen: ich bin der unentspannteste Mensch auf Erden.
Ich möchte sagen – nein, ich werde jetzt einfach schmunzelnd nicken.

Love, Katha