Nadelstreifenanzüge der Tafelrunde

DT: Kingsman – The Secret Service
OT: Kingsman – The Secret Service
Genre: Action-Trash-Komödie, Agentenfilm
Cast: Colin Firth, Taron Egerton, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Michael Caine
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
Musik: Henry Jackman, Matthew Margeson
Erscheinungsjahr: 2014
Länge: ca. 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Nachdem Agent Lancelot getötet wurde, sucht Harry Hart alias Galahad (Colin Firth) , ebenfalls Geheimagent bei den Kingsmen, welche im Verborgenen die Welt retten, einen Nachfolger und schlägt dessn Sohn Eggsy (Taron Egerton) vor. Dieser lebt jedoch in einem Londoner Slum und als er auf die anderen vorgeschlagenen Kingsmen trifft, findet er einen äußerst elitäre Gruppierung vor, in welcher er sich hochkämpfen muss, denn  nur einer wird weiterkommen.
Unterdessen versucht der Milliardär Valentine (Samuel L. Jackson) mit einem heimtückischen Plan, die Weltbevölkerung zu minimieren mittels eines globalen Komplotts, gegen welches Harry und auch bald Eggsy ankämpfen – wie ein Gentleman.

Colin Firth als schicker Geheimagent in einem Nadelstreifenanzug mit einem kugelsicheren Regenschirm, Samuel L. Jackson als ein lispelnder Bösewicht in pseudo-Rapperkleidung mit einem sehr verrückten Plan und Mark Strong in der Rolle des strengen nicht bösen, aber sehr strikten Agenten. So gesehen also ein wildes Kuddelmuddel an Agentenparodie vom feinsten! Betrachtet man diese wundervolle Besetzung (man vergesse nicht Michael Caine!), so lohnt sich schon hier der Gang ins Kino.

Man kann natürlich sagen, dass man alles schon mal ein bisschen gesehen hat, z.B. den Kugelschreiber mit Gift, die Ausbildung mit dem Jungen aus dem Slum gegen die reichen Schnösel, Männer in Anzügen, die die Welt retten und alles ziemlich übertrieben, überzogen und urkomisch – und genau das ist der große Pluspunkt! Es ist ein bisschen wie eine moderne Version der Ritter der Tafelrunde mit ein wenig James Bond Flair.
Obgleich der Humor manchmal wirklich überaus unter der Gürtellinie ist, kann man einfach nicht anders, als Lachen und ein bisschen verwirrt gucken. Dabei geht Harry Hart auch über Leichen und das irgendwie auch nicht gerade wenig…

Dazu ein solider Score , der aus einer saftigen Mischung actionreicher Melodien sowie Oldies besteht, nicht ganz mein Geschmack, passt aber ganz gut zur Stimmung des Filmes.

THE VERDICT: Eine verrückte, abgedrehte,  recht trashige, aber dabei kein bisschen schlecht gemachte Agentenkomödie mit einer wundervollen Besetzung und vielen herrlichen Lach- und WTF-Momenten – deshalb 6 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Mr Morgan

OT: Mr Morgan’s Last Love
DT: Mr Morgan’s Last Love
Genre: Drama
Cast: Sir Michael Caine, Clémence Poésy, Justin Kirk, Gillian Anderson, Jane Alexander
Regie: Sandra Nettelbeck
Drehbuch: Sandra Nettelbeck, Francoise Dorner
Musik: Hans Zimmer
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 116 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Beginnend mit dem Tag, an dem Pauline (Clémence Poésy) ihm im Bus ihre Hilfe anbietet, stolpert der sture, vom Leben erschöpfte Matthew Morgan (Michael Caine) zurück ins Glück. Die Lebensfreude und der unerschütterliche Optimismus der jungen Frau erobern sein altes Herz. Auf ihren alltäglichen Abenteuern mit Spaziergängen durch Paris, Mittagessen im Park und Reisen aufs Land entdeckt das ungewöhnliche Paar zahlreiche Schätze: Freundschaft, Gemeinschaft – und die Bedeutung von Familie. Dank Pauline nähert sich Matthew zum ersten Mal seit langem wieder seinem Sohn Miles (Justin Kirk) an. Gerade rechtzeitig lernen Vater und Sohn, sich wieder gegenseitig zu respektieren – und finden beide, jeder auf seine eigene Weise, wieder Liebe und Hoffnung. [Klappentext]

Ich muss sagen, dass der Text den Film positiver und klischeehafter suggeriert, als er es denn eigentlich ist. Man hat weniger diese hoffnungsvolle feel-good-Stimmung, als eine ruhige Melancholie, die sich durch den ganzen Film zeichnet.
Denn dieser beginnt mit dem Tod von Morgans Frau, der ihm die Lebensfreude nimmt. Ab und an sieht man auch seine Frau, wenn er nachdenkt oder sich erinnert, aber nicht in der Weise, dass sie ein Geist der Vergangenheit ist, der in seinem Leben spukt, viel mehr als etwas Positives.
Zudem muss ich sagen, dass ich wirklich zufrieden mit der Synchronisation bin, denn Michael Caines Synchronstimme ist sehr angenehm und unterstreicht gut den Charakter, Sowieso spielt er die Rolle dieses alten, sturen, vielleicht emotional verwirrten und doch weisen Mannes sehr authentisch und strahlt eine unbeschreibliche ruhe aus.
Eben diese Ruhe zeichnet den Film meiner Auffassung nach auch aus, es geht um keine große Tragödie , sondern die stillen Momente, die den Film manchmal einen Hauch von Tragik verleihen – aber mehr auch nicht, Deshalb versinkt er auch nicht in Kitsch oder Klischee, was mir ziemlich gut gefällt.
Die Drehorte Paris, Bruxelles, Köln und die Bretagne, wobei das ganze nur in Paris und der Bretagne spielen soll, sind schön gewählt und jedes Mal, wenn Mr Morgan durch seinen Altbau ging und man diese Architektur von Wohnung betrachten konnte, schlug mein Herz höher. Da wird man doch glatt neidisch!

Überrascht war ich von Clémence Poésy (die ja in der Tat einen wirklich schönen Namen hat), denn ich kannte sie eigentlich nur als Model und wusste dementsprechend nicht ganz, was ich von der Besetzung halten sollte – und war positiv überrascht!

Was mir ebenfalls sehr gefallen hat, waren die Dialoge, manchmal weise und philosophisch wie z.B. das Zitat von Leonard Cohen („There is a crack in everything, that’s how the light gets in“) , dann wieder lustig, wie beispielsweise als zwei Verkäuferinnen sich über den alten Mann klischeebedient lustig machen – Franzosen, die bloß nicht englisch sprechen , beziehungsweise es vorgeben. Herrlich!

So gesehen muss ich sagen, dass mir der Film wirklich gefallen hat. Er ist ruhig, fast schon impressionistisch, die Kameraführung mochte ich aus unbeschreiblichen Gründen irgendwie genauso wie das Setting. Die Musik ist kein großer Knüller, ein ruhiger, bescheidener Hans Zimmer und zum Abschluss ein schöner Norah Jones Song. Es ist kein Film, den man zwei Mal sieht, er verleitet zum Nachdenken, stimmt aber auf eine melancholische Weise traurig – nicht wirklich hoffnungsvoll.

THE VERDICT:
Berührend, ruhig, gute Darsteller. Mir fehlt dieses gewisse etwas, was ihn prägnanter macht, doch mögen tue ich „Mr Morgan’s Last Love“ definitiv. Dementsprechend 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha