Die Schöne und das Biest

OT: Beauty and the Beast
DT: Die Schöne und das Biest
Cast: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Emma Thompson, Ewan McGregor, Ian McKellen, Kevin Kline, Stanley Tucci, Gugu Mbatha-Raw
Genre: Märchenfilm
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Stephen Chbosky, Evan Spiliotopoulos
Musik: Alan Menken
Länge: 130 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Belle, eine junge Bibliophile, lebt mit ihrem Vater in einem kleinen französischen Dorf. Ihr Vater macht sich wie jedes Jahr wieder auf seine Reise und ihr verspricht, eine Rose mitzubringen, doch verirrt er sich auf Grund eines Sturmes und folgt einem Pfad zu einem mysteriösen, unheimlichen Schloss, dessen Gefangener er bald wird. Seine Pferd galoppiert schnell zurück zum Dorf und signalisiert seiner Tochter, dass ihr Vater in Gefahr ist und natürlich folgt sie dem Tief zurück zum Schloss, um festzustellen, dass ihr Vater fort gefangen gehalten wird – jedoch nicht von einem Menschen.

Wie schön ist es doch, die Helden der eigenen Kindheit neu zu erleben! Ich muss schon im Vorfeld gestehen, dass Belle stets meine liebste Disnes-Prinzessin gwesen ist und ich das heute auch noch sagen kann: Sie punktet durch ihr warmes Herz, ihre Intelligenz, ihrer Bibliophilie und natürlich auch, weil sie wunderschön ist. Hätte es eine bessere Besetzung als Emma Watson geben können? Ich bezweifle es! Sie brilliert in der Rolle von Belle –  so überzeugend und liebevoll wie sie den Charakter spielt, meint man nach einer Weile, dass sie wohl in echt auch dieses liebenswürdige Wesen seien muss. Sie bleibt der Zeichentrickfigur in ihrem Liebreiz treu, gibt ihr aber etwas frisches, cleveres und manchmal fast schon freches.

Der Kern des Filmes (und meiner Begeisterung)  ist allerdings die Machart: Von den Kostümen, über das CGI, über Kulisse und Musik. Songs, die um Mitsingen einladen und eine magische Welt, wo man nur mit offenen Mund staunen mag. Mich hat es an Stellen, wie beispielsweise der berühmten Tanzszene mit dem Biest im gelben Kleid, teils wirklich ergriffen, weil dieses alte Märchen so authentisch zum Leben erweckt wurde. Selbiges gilt für die urigen Gegenstände im Schloss, den große Schauspieler (im Original) ihre Stimmen geliehen haben. Auch, wenn in die deutsche, synchronisierte Version sah, glaube ich sagen zu können, dass Ian McKellen als Uhr und Emma Thompson als Teekanne nicht besser hätten gewählt werden können – zweifelsohne werde ich diesen zauberhaften Film noch einige Male im Orginial sehen, sobald er erschienen ist.

Der Film „Die Schöne und das Biest“ konnte mein Herz sofort einnehmen, mich zum Lachen bringen und mich an Stellen auch zu feuchten Augen rühren und mich wieder Fühlen lassen, als sei ich 7 Jahre alt.

Ähnlich wie in der Orginalzeichentrickversion gewöhnt man sich so an den Anblick des Biestes in Biestgestalt, dass der Anblick des normalen Dan Stevens zum Ende fast schon seltsam ist. Es macht Spaß, Schauspieler, die man jahrelang mit einer bestimmten Rolle assoziiert hat, wie Emma Watson mit Hermine in Harry Potter und Dan Stevens als Matthew in Downton Abbey, in ganz anderen Rollen zu sehen und sich bezaubern zu lassen.

Eine Sache – es ist eher ein Detail – über das ich ein bisschen traurig lache musste, ist dass Belle (wohlgemerkt in einem französischen Dorf, wo die Figuren französische Namen haben) den Kindern lesen beibringt – aus einem englischen Buch! So perfekt dieser Film auch glänzt, ist es schade, wie amerikanisiert sogar ein französisches Dorf werden kann.

Kleine Bemerkung am Rande: Ich habe den Film nicht in 3D gesehen (an dieser Stelle oute ich mich auch gerne als kein Fan davon) und muss sagen, dass es total ausreicht. Die Technik hat die Visualisierung vom Biest und den lebendigen Gebrauchsgegenständen im Schloss so gut zu Stande gebracht, dass es so schon unfassbar dreidimensional aussah.

Eine größere Bemerkung: Während ich im Internet zuvor einige Rezensionen gelesen habe, um zu sehen, ob meine sehr positive Einschätzung des Filmes, negativen standhalten kann, bin ich auf zwei recht interessante Kontroversen gestoßen. Zum einen wurde kritisiert, dass Belle unter einem Stockholm-Syndrom leide und dies keine gute „Message“ des Filmes sei. Ich denke, man kann sich über alles streiten, wenn man möchte. Für mich ist es klar, dass die Aussage des Filmes ist, dass man sich in jemanden auf Grund seines Charakters verlieben kann, auch wenn derjenige ein grässliches Aussehen hat und auf den ersten Blick recht garstig wirkt. Man muss auch betrachten, dass die Ursprünge und die Idee des Märchens aus dem 18. Jahrhundert stammen!
Zum anderen heißt es, dass LeFou, der Gehilfe von Gaston, dem eingebildeten jungen Mann, der auch starkes Interesse an Belle hege, möglicherweise als homosexuell interpretiert werden kann. Dazu kann ich nur sagen: Na und? Falls dies wirklich so beabsichtigt war, was macht das schon aus. Generell erkennt man viel Diversität (beispielsweise in den Hautfarben und Ethinizitäten) und moderne Züge in dieser Märchenverfilmung, was ich sehr schön finde – wir befinden uns nicht mehr im Jahre 1991, in welchem der Original Disney Film. auf den sich dieser bezieht,  in die Kinos gekommen ist.

THE VERDICT: Ein wunderschön gemachter, nicht ohne Grund stark gehypter Disney-Film mit Charme und Herz, der einen sofort um den Finger wickelt. Ein süßer Gute-Laune-Film für die ganze Familie. 9 von 10 Sternen.

´Love, Katha

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Mehr zu den Kontroversen

One Last Dance

Autor: Judith Lennox
OT: One Last Dance
Genre: Familiensaga, historischer Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Headline Review
Preis: 7.99 Pfund
ISBN: 978-0755384143
Länge: 505 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein letzter Tanz“ erschienen

Anfang des 20. Jahrhunderts: Esme Langdon ist seit Kindheitszeiten in Devlin Reddaway verliebt, der jedoch für ihre Schwester Camilla schwärmt. Nach einer kurzen Liebesaffäre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwört sich Devlin sein Anwesen für Camilla aufzubauen. Als er jedoch aus dem Krieg verwundet zurückkehrt, muss er feststellen, dass Camilla schon mit jemand anderem verlobt ist. Aus Groll und Eifersucht nimmt er schließlich ihre kleine Schwester Esme zur Frau. Sein Anwesen Rosindell will er weiterhin groß machen.

Es gibt einige ganz großartige Familiensagen, historische Romane und Liebesdramen -sowohl filmisch, als auch proasisch- , welche im 20. Jahrhundert spielen. Ein klassisches Beispiel sind für mich Downton Abbey und die Jahrhundertreihe, beginnend mit „Sturz der Titanen“ von Ken Follett. Beide beweisen, dass Geschichte unterhaltsam, mitreißend, zeitgetreu aber nicht mit dem präzisesten Anspruch eines Geschichtswissenschaftlers erzählt werden kann.
„One Last Dance“ gehört nicht ein mal ansatzweise dazu, der historische Vorhang und die Geschichte mit dem Anwesen sind schlichtweg eine Tarnung für einige schrecklich kitschige und klischeebelasteten Liebesgeschichten. Was am Anfang noch vielversprechend war, entwickelte sich inhaltlich zu einem Hamasterrad.
Natürlich besitzt dieser Roman vor allem den Anspruch als seichter Roman zu unterhalten und ihn nebenbei zu lesen – was er sehr gut bis zur ersten Hälfte erfüllt und für dieses Genre ein wirklich angenehmer Roman ist, aber die Wendung, welche die Geschichte später annimmt unter der großen Überschrift „Liebe ist alles“ tut nur weh.

Für mich ist dieses Buch ein klassischer Fall von „Oh schönes Cover, oh es geht um den 1. Weltkrieg (was ein enormes Interessengebiet von mir ist) und es sieht ganz unterhaltsam aus“ – das leih ich mir aus. Ich würde rückblickend keinen Cent für diesen Schund verschwenden. Wer eine Liebesgeschichte lesen will, die (realistischer) im 1. Weltkrieg spielt und wo sich die Figuren wirklich entwickeln, dem möchte ich „Eins wollt ich dir noch sagen“ ans Herz legen.

Was den zweiten Weltkrieg angeht, hatte sich Lennox vermutlich gedacht, dass sie den überhaupt nicht richtig erwähnen müsse. Bombenanschläge in London? Am Rande. Vor allem haben die Figuren Sex. Es tut einfach nur weh! Wenn man die Handlung eines Romans schon in die Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche setzt, muss man diese erwähnen. Ganz, als sei von 1910 bis 1950 kaum etwas geschehen, außer dass Frauen Bobs tragen und mehr Zeit mit Männern verbringen können.

Leider konnte ich mit keinem der Charaktere warm werden, so dass mich selbst traurige und dramatische Momente nicht immer überzeugten. Esme, die Protagonistin, war zwar eine wirklich süße Figur aber unglaublich platt. Dafür muss ich sagen, dass ich Devlin, der zwar ein Fremdgeher ist uns sie aus den falschen Gründen geheiratet hat, deutlich mehr mochte, weil er am vielseitigsten war und dadurch die plastische Figur des Romans, die sich tatsächlich entwickelt hat. Das propagierte Geschlechterbild ist jedoch wirklich zum gruseln, Männer sind notorisch nur auf Sex gepolt und Frauen lassen sich ausnutzten bis zum geht nicht mehr oder sind auch nur auf Sex aus. Betrachtet man Werke wie „Jane Eyre“ oder auch „Stolz und Vorurteil“, wird man erschreckt feststellen, dass diese Bücher viel feministischer und weniger vorurteilsbelastet oder auf ihr Geschlechterrolle fixiert waren, als „One last dance“. Das geht gar nicht!

Zudem gibt es keine wirkliche psychologische Entwicklung der Figuren, was erschreckend ist, betrachtet man, dass der Roman gut 60 Jahre einnimmt. Gut bleibt gut, und böse ist böse ohne die kleinste Vielschichtigkeit und ruft gar nicht dazu auf, verschiedene Perspektiven zu betrachten.

Ich bin etwas hin und her gerissen. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist (im wahrsten Sinne: Urlaub für’s Gehirn), zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben.

Ich erwarte kein historisch korrektes Werk, was dieser Roman ganz bestimmt nicht ist, aber gute Unterhaltung. Ich habe die Passagen, welche sich um das Anwesen und seine Entwicklung sehr genossen, nicht nur, weil dies wirklich historisch realistisch ist, sondern auch, weil das neben der ganzen Liebe, die Figuren Esme und Devlin am meisten zum Leben erweckte. Leider  kam das viel zu kurz! Ich war ich an manchen Stellen so verärgert über die platten Figuren und die sich wiederholenden Passagen, dass ich selbst als seichte Lektüre „One last dance“ nicht empfehlen möchte. Lasst euch nicht von diesem tollen Cover täuschen!

Knapp gesagt, hätte man Ken Follett an die Idee dieses Romans gesetzt, hätte man das gesamte Potential ausschöpfen könne, so verbleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

THE VERDICT: Selbst für ein seichtes Nebenbeilesen gibt es deutlich bessere Bücher. Auch wenn der Anfang vielversprechend war und sogar ganz unterhaltsam in Teilen.  Aber enttäuschend im großen und ganzen. 2,5 von 10 Sternen.

Love , Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Geliebte Jane

OT: Becoming Jane
DT: Geliebte Jane
Cast: Anne Hathaway, James McAvoy, Julie Walters, James Cromwell, Maggie Smith
Genre: Filmbiografie
Regie: Julian Jerrold
Drehbuch: Kevin Hood, Sarah Williams
Musik: Adrian Johnston
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Basierend auf Jon Hunter Spences gleichnamigen Roman aus dem Jahr 2003.

Wer war Jane Austen, eine der bekanntesten englischsprachigen Autorinnen, hiner ihren Büchern? Wodurch wurden ihre Geschichten inspirert? Julian Jerrolds Film „Geliebte Jane“ beleuchtet Janes literarisches Werden in einem zarten Film, der so wie Austens Romane, eine  bezaubernde Liebesgeschichte erzählt.

Wunderschön, in einem angenehmen Tempo aber traurig zeigt dieser Film, dass man manchmal der Realität und der eignen Existenzsicherung ins Auge sehen muss und die Liebe leider nicht immer siegen kann – dennoch verbleibt Jane in diesem Film mit einer positiven Aussage: ihre Figuren werden glücklich.

Natürlich stellt sich die Frage: Wie viel Jane Austen ist in dieser Verfilmung  entahlten, ist es wirklich eine Biografie oder mehr ihr Leben und ihre Romane gemischt zu einer Interpretation ihrer Persönlichkeit? Nun, ich habe keine Jane Austen Biografie gelesen, aber  als ein Fan ihrer Werke kannte ic im groben ihre Biografie und erkannte im Film auch zentarle  Verlaufspunkte aus  Leben. Das sie sehr gebildet aufwuchs, wie es um ihren elterlichen Haushalt stand, das sie und ihre Schwester Cassandra nie heirateten würden, das ihre Bücher nur unter „By a lady“ publiziert wurden und das sie einen wichtigen Antrag erhielt, den sie ablehnte, wurde alles berücksichtigt.

Mir ist es gar nicht so wichtig, dass der Film haargenau Jane Austen unter die Lupe nimmt, denn ich bezweifle, dass dies der Anspruch von „Geliebte Jane“ ist. Es handelt sich schließlich um einen Spielfilm, bei dem die Emotion im Vordergrund steht, und nicht um eine Dokumentation.  Vielmehr  stellt der Film eine interessante, gut unterhaltende, etwas lehrreiche und vor allem berührende Liebesgeschichte dar  mit einem recht typischen  Konflikt um  die Liebe in einer Gesellschaft Ende des 18. Jahrhunderts. Betrachtet man „Geliebte Jane“ aus dieser Perspektive, ist es ein sehr schön gemachter Kostümfilm, optisch sehr reizend (aber auch nicht zu Hollywood, es werden glücklicherweise auch die schlechten Seiten von Janes Lage dargestellt), einem angenehmen, leichten Soundtrack und zwei ganz tollen Hauptdarstellern, die eine aufkeimende, junge Liebe mit ihren Unsicherheiten und kleinen Leidenschaften hervorragend spielen und man sich ertappt, wie man sich mit verliebt.

Sowohl Anne Hathaway, die man vielleicht aus weniger his Rollen historischen kennt, wirkt so natürlich und sympathisch in ihrer Rolle, wohin James McAvoy die Rolle des Gegenpols einnimmt und die beiden in bissigen Diskussionen gemeinsam aufblühen.

Das einzige, was mich an diesem Film gestört hat, ist die Tonqualität, da der Soundtrack häufig unverhältnismäßig laut ist zu dem eigentlichen Redepart und man ständig lauter oder leiser stellen muss, damit man ein angenehmes Fernseherlebnis hat.

THE VERDICT: Ein wirklich schön gemachter, wenn auch nicht die detaillierteste und schärfste Untersuchung von Jane Austens Leben – es ist mehr Liebesfilm, als Filmbiografie, mit tollen Dialogen und viel Herz. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

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The Duchess

OT: The Duchess
DT: Die Herzogin
Cast: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Dominic Cooper, Haylay Atwell
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Andres Thomas Jensen, Jeffrey Hatcher, Saul Dibb
Musik: Rachel Portman
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Basierend auf dem Leben der Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire
Ausgezeichnet mit einem Oscar für das Beste Kostümdesign.

Georgiana Spencer wird gerade mit 17 Jahren mit  deutlich älteren Lord William Cavendish, Duke of Devonshire verheiratet. Die lebhafte junge Frau führt jedoch ein recht tristes Leben mit dem kühlen und distanzierten Herzog auf seinem Anwesen. Dass sie nicht sofort einen Jungen, sondern ein Mädchen zur Welt bringt, zerrüttet ihr Verhältnis noch mehr. Als Georgiana jedoch in Bath Lady Elisabth Foster kennenlernt, erfreut dies ihren Mann auf verdächtige Weise.

Traurig, dramatisch und optisch mitreißend ist dieses Portrait der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und zeigt, wie Männer praktisch jede Grausamkeit anwenden können und damit durchkommen, während der kleinste Fehler einer Frau schon zum Verbrechen wird – wie beispielsweise Mädchen zu bekommen, anstelle eines Erbens.

Was einem natürlich als erstens ins Auge sticht, ist wie opulent und anregend der Film gestaltet ist, die Kostüme sind ein Traum, das ganze Setting ein Augenschmaus – schon dafür lohnt es sich, in den Film hineinzuschauen. Nicht umsonst gewann Michael O’Connor den Oscar für das Beste Kostümdesign.

Wie in jedem Kostümfilm glänzt Keira Knightley in ihrer Rolle – auch hier als Georgiana. Sie spielt die fröhliche, die erschütterte, die verliebte, die naive, die kämpferische – ja, jede Emotion überzeugend. Ich muss einfach zugeben, dass ich sie in diesem Genre am liebsten sehe. Die Verfilmung über die faszinierende Persönlichkeit Georgiana Cavendish informiert, fasziniert und macht neugierig, mehr über diese Frau zu erfahren, die es geschafft hat, sogar die Politik zu beeinflussen und die Whig-Partei zu fördern.  Knightleys Leistung in diesem Film zeigt, dass man sie  bloß nicht als Sweetheart in Liebesfilmen abschreiben soll, sondern dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist, die man ruhig ernster nehmen kann.

Ralph Fiennes (den ich manchmal echt gerne zum Ausgleich in freundlichen Rollen sehen würde), beweist hier, wie unglaublich unsympathisch, abartig und verhasst er einem werden kann. Ich schätze ihn unglaublich in diesen dunklen Rollen, auch wenn ich mich die ganze Zeit über die Rolle aufrege, weil er sie einfach so überzeugend spielt. Er ist hervorragend in der Rolle des passiv-agressiven Mannes.

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Rachel Portman bleibt auch in diesem Film ihrem Stil treu, es ist bemerkenswert wie man ihre Stücke fast immer wiedererkennt: Die melancholischen Streicher stehen wie immer im Vordergrund. Die Musik ist – wie leider auch Georgianas Leben – recht düster und nur mit kleinen Lichtblicken versehen. Das musikalische Thema steht hier stark im Vordergrund und lässt sich durch den gesamten Soundtrack wiederfinden, schafft es aber, nicht eintönig zu klingen. Wie immer tolle Leistung!

Schade finde ich, was ich allerdings nur im Nachhinein beim erstellen dieser Rezension gelesen habe, ist dass der Film u.a. damit beworben wurde, dass Prinzessin Diana eine Nachfahrin Cavendishs war und sie verbunden im Schicksal seien, was ein ziemlich gruseliger und geschmackloser Vergleich ist, der vollkommen fehl am Platz ist. Der Film hat es wirklich nicht nötig, damit zu werben.

Ein weiterer, großartiger  Film des Regisseurs Saul Dibb ist „Suite Française“, den ich jedem, der Dramatik und traurig-zarte Liebesgeschichten mag, sehr ans Herz legen kann.

THE VERDICT: Ein optisch sehr ansprechendes Portrait von Georgiana Cavendish mit zwei guten Hauptdarstellern, welche die Dramatik des Lebens dieser Frau auf den Punkt bringen und ein Film, der neugierig macht, mehr von dieser faszinierenden Frau zu erfahren. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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La La Land

OT: La La Land
DT: La La Land
Cast: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend
Genre: Musicalfilm
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Musik: Justin Hurwitz
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Nominiert für 14 Oscars.

Gewann 2017 7 Golden Globes, darunter Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik.

Ich empfehle an dieser Stelle – so wie ich das auch getan habe – den Trailer nicht zu sehen und sich einfach komplett überraschen zu lassen, weil der Trailer zu viel von den „magischen“ und schönen Szene angedeutet und so vielleicht das Staunen und die Überraschung ein bisschen weniger intensiv ausfallen könnte.

In Los Angeles leben Mia und Sebastian, die beide von einer Zukunft als Berühmtheit träumen. Während Mia unbedingt Schauspielerin werden will, sich allerdings unerfolgreich von einem Vorsprechen zum nächsten kämpft, hofft Sebastian auf eine großartige Karriere als Jazzmusiker mit eigenem Club. Als sie sich das erste Mal auf einer Party unterhalten, beide genervt und frustriert von  ihrer aktuell frustrierenden Lage, wird eine Spannung zwischen den beiden deutlich und es scheint, dass sie sich nicht zufällig über den Weg laufen.

Warum bin ich in diesen Film reingegangen? Nun, als ich den Titel gehört habe, fand ich ehrlich gesagt er klang recht nichtig und in bisschen lächerlich (anscheinend ist La La Land ein Spitzname für Los Angeles) . Als ich allerdings vernahm, was für ein heißer Oscar-Kandidat dieser Film ist  (und ich jedes Jahr im Kino ein paar der Oscar-Kandiaten sehe) und meine beste Freundin Charlie mir eröffnete, sie sei ziemlich überfordert-überzeugt von dem Film, war mir klar: Warum eigentlich nicht?

Es ist kein Film, der wegen seines Inhalts den Rahmen sprengt und die Herzen erobert, extrem tiefgründig und sehr anspruchsvoll ist, sondern der durch seine Machart glänzt, durch wenige Schnitte, wunderbare Musicalszenen, überzeugende Schauspieler und tollen Tanzeinlagen, Sternenhimmel und Herzklopfen. Ein bisschen erinnert mich das an den ganz großartigen Stummfilm „The Artist“, der vor einigen Jahren auch ein großer Oscar-Favorit war, wie ich finde aus ähnlich Gründen: Ein etwas „verstaubtes“ Genre aufgegriffen, etwas modernisiert, eine Brise von Eigenartigkeit dazugegeben und einen Film für das Herz kreiert, der einen unglaublich in der Vergangenheit https://i1.wp.com/www.kino.de/wp-content/gallery/la-la-land-2016/la-la-land-3-rcm0x1920u.jpgschwelgen lässt und dessen Soundtrack man gerne nach der Kinoaufführung ruf und runter hört.

So magisch und bezaubernd der Film in seiner  Machart ist, muss man auch zulassen, sich von diesem Glitzern überzeugen zu lassen, sein Herz zu öffnen für eine Hommage an Hollywood und Träume, kleine versteckte Symbole, Hoffnungsfunken .
Ich denke nicht, dass der Film für jederman ist, sondern ein toller Film, den ich jedem Tagträumer und Realitätsflüchtigen empfehlen kann.
Der Film berührt tief, bringt aber auch zum Nachdenken, was man aus seinen Träumen im Leben machen will.

Ich muss zugeben, dass ich zuvor keinen Film mit Ryan Gosling gesehen habe und auch nur drei mit Emma Stone kenne –  ich war also fast ohne Meinung zu den beiden Schauspielern in diesen Film gegangen, hatte nur zuvor gelesen, dass die beiden häufiger zusammengearbeitet haben und ich muss sagen, man merkt das! Die beiden waren in der Lage, Mia und Sebastian so viel Leben einzuhauchen und eine so unglaublich überzeugende,k nisternede Chemie zu erzeugen sowohl in romantischen Szenen als auch bissigen Diskussionen. Ihre Liebesgeschichte ist ziemlich vorhersehbar und überhaupt nichts Neues und jeder, der nicht dieses ganze Tra-ra mag mit bunten, üppigen Szenen mag, der wird sich hier langweilen, denn der Film ist auch nicht „spannend“, sondern emotional, manchmal sogar ganz schön  mitreißend. Hier spricht der Film ans Optische und ans Gefühl.

Das Herz dieses Filmes macht natürlich der Soundtrack aus, der die ganzen Emotionen und Tanzsszenen auch erst möglich macht. Nach Aussage des Regisseurs Chazelle ist die Musik, die Justin Hurwitz komponiert hat, inspiriert von alten MGM-Filmen aus den 1940er Jahren (entsprechend ist „La La Land“ auch im Cinemascope-Format gedreht worden). Neben frischen Musicaleinlagen mit dem halben Set, die mit Klavier-Melodien und wunderbaren langen Szenen ohne Schnitt durch die Gegend hüpfen, enthält der Film auch viele Jazzstücke und auch melancholische Orchestrastücke. Eher untypisch für ein Musical ist allerdings, dass es kaum Solos gibt, was für einen richtigen Musical-Fan mögicherweise eine Enttäuschung sein könnte – betrachtete man es jedoch aus der Perspektive, dass Chazelle versucht hat, etwas Neues, aber an Altem inspiriertes zu kreieren, finde ich, dass ihm das wirklich gelungen ist. Die Musik ist wie eine Feuerwerk-Batterie: Irgendwie bekommt man alles: rauschende Feuerwerke, lautes Knallen und kleine flinke Funken und man kann als Zauschaunder einfach nur Staunend starren und zu hören. Zumindest komme ich von diesem tollen Soundtrack nicht mehr los!

Meine Favoriten sind bei den peppigen Elementen „Another Day of Sun“ und  „Someone in the Crowd“ und bei langsameren „Planetarium“. Bei letzterem muss ich anmerken, dass mir daran nicht nur die unglaublich eingänge Melodie gefällt, sondern auch dass es die typischen Elemente von alten Disneyfilmen enthält, aber auch etwas an die Musik von den Ghibli Studios (z.B. „Das Wandelnde Schloss“)  unter Joe Hisaishi erinnert und dadurch etwas unglaublich melancholisch-nostalgisches hat.

Zu diesen Soundtrack, über den ich hier noch ewig schreiben könnte, kommen mitreißende Tanzeinlagen, wo man wirklich sehen kann, wie viel Energie vor allem die beiden Hauptdarsteller in diesen Film investiert haben müssen – das gilt besonders für Ryan Gosling, dessen Rolle faktisch daraus besteht, dass er Klavier spielt und es durch die langen Aufnahmen ohne Schnitt unmöglich ist, jemand andere spielen zu lassen. Eine beeindruckende Leistung!

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so euphorisch und verzaubert ein Kino verlassen habe, ich hätte Tanzen können, so entzückt wie ich war. Der Film hat mein Herz erweicht und meine Sinne in den Bann gezogen und entsprechend bin ich nur in der Lage, ihn  freudeerfüllt zu bewerten, vielleicht bin ich auch verblendet, aber als Tagträumer bin ich vermutlich das perfekte Zielpublikum für so einen Film. Nachdem ich verschiedenste Rezensionen im Internet gelesen habe, verfestigt sich mein Eindruck, dass sich die Geister an diesem Film scheiden – aber sei’s drum, Geschmäcker sind verschieden. Ich liebe den Film trotz der Krtitken, und das mag für mich etwas heißen!

Einen minimalen Abzug gibt es, da ich rückblickend finde, dass der Anfang (auch wenn ich verstehe, warum er so bunt und extrem fröhlich gemacht wurde) nicht ganz mit der Grundstimmung des Filmes harmoniert und es einen recht harten Bruch gibt. Er hat etwas eigenstehendes.

THE VERDICT: Ein unbeschreiblich kreativ gestalteter Film, der auf nostalgisch-romantische Weise verzaubert und um Träumen und Tanzen einlädt. Der Soundtrack als absoluter Hochkaräter rundet den Film mit zwei überzeugenden Schauspielern wunderbar ab . Die Geschichte mag nicht die anspruchsvollste sein, aber ihre Machart ist ein wahrer Traum. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Film irgendwann ein Klassiker wird. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

 

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Der Leuchturm und das Kind

Autor: M.L. Stedman
OT: The Light Between Oceans
Genre: Drama
Sprache: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Scribner / Simon and Schuster
Preis: 17 US Dollar
ISBN: 978-1-4516-8175-8
Länge: 345 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“ erschienen.

„The light between oceans“ erschien gleichnamig 2016 als Film mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

Als Tom Sherbourne nach Jahren an der Front des Ersten Weltkrieges, eine Stelle als Leuchtturmwärter auf der Insel Janus Rock erhält, verfolgen ihn noch immer traurige Erinnerungen. Dann und wann fährt ein Boot ihn zur Küste, in den nächstgelegene Stadt Partageuse, wo er eines Tages die junge Isabel Greysmark kennenlernt. Auf eine ganz besondere Weise schafft sie es wieder, das Totgeglaubte in ihm zum Leben zu erwecken. Bald heiraten sie und ziehen gemeinsam auf die isolierte Insel. Isabel wünscht sich neben ihrem geliebten Mann unbedingt ein Kind und träumt davon, als Mutter aufzublühen, doch nach zwei Fehlgeburten, ist sie nicht mehr die alte. Als jedoch eines Tages auf mysteriöse Weise in einem Boot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, weiß Isabel, dass das ein Zeichen Gottes ist und so tauft sie das Kind liebevoll Lucy. Tom hingegen plagen schreckliche Schuldgefühle, besonders als sich herausstellt, dass eine Frau namens Hannah Roennfeld auf dem Land ihren Mann und ihr Baby vermisst…

Wer vielleicht den Trailer der Verfilmung gesehen haben mag, wird glauben, dass der Plottwist in meiner Zusammenfassung schon gesagt worden ist – so ist es definitiv nicht. Im Grunde erledigt sich diese Vorgeschichte auf gut ein drittel des Buches und wird ziemlich schnell angedeutet und bildet somit den Grundstein für dieses Drama.

M.L. Stedmans Roman ist in drei Teile gegliedert: Zum einen das herrlich romantische und zarte Zusammentreffen von Tom und Isabel, welches sich beim Lesen anfühlt, als sie man selbst verliebt.
Im zweiten Teil deutet sich die Tragödie an und bildet die zwei Seiten, zwischen denen Tom steht und verzweifelt versucht die Gerechtere zu finden: Seine Frau, die von nichts mehr träumt, als eigene Kinder zu haben, allerdings keine haben kann und ohne Lucy in eine schwere Depression fallen würde und Hannah, die Tochter eines reichen Tycoons, die einen Deutschen geheiratet hat, welcher von der ganzen Stadt gehasst und auf das Meer getrieben wurde, da er von wütenden Veteranen verfolgt wurde und seither samt Kind aus ihrem Leben gerissen wurde.
Im dritten schließlich, nun, ich will nicht spoilern.

Besonders durch den Schreibstil werden die schönen Momente wie in leuchtendem Licht darstellt, die Kargheit eines Insellebens genauso trocken ausgedrückt und irgendwo dazwischen liegt eine seltsame Grundstimmung, welche sich wie ein Gewitter aufbaut.

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Das fiese an dem Roman ist, dass aus diesen drei Perspektiven geschrieben wird und man sich sehr gut in Isabel, Tom und Hannah hineinversetzten kann, da man von jeder Figur ihre Wünsche, Gedanken, Hoffnungen und Gefühle direkt mitbekommt und der Roman dadurch nicht nur inhaltlich grausam tragisch ist, sondern auch der*die Lesende selbst, weil es unfassbar schwer ist, selbst zu entscheiden, mit wem man sympathisieren soll. M.L. Stedman hat ein Drama von einem sehr authentischen Gefühlschaos mit viel Tiefe konstruiert und ist dabei keineswegs kitschig, sondern strikt und knallhart. Was die Charaktere besonders real macht, ist die Tatsache, dass sie alle ihre Ecken und Kanten haben und stellenweise auch ziemlich unsympathisch seien können.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist dramatisch aufgebaut wie eine griechische Tragödien, nur mit dem Unterschied, dass nicht alle am Ende sterben – stattdessen ist das eigene Herz gebrochen und einige Tränen vergossen.

Insofern lässt es sich nicht anders ausdrücken, als zu sagen, wer diese Art von Roman lesen will, muss schon masochistisch verlangt sein (zumindest lesetechnisch), weil es einfach nur unglaublich wehtut, verzweifelt und hilflos dieser drei Schicksale ausgeliefert zu sein.
Ich habe dem ersten Teil des Buches für seine besonders zarte Seite sehr geliebt, doch im tragischen Teil wurde es mir manchmal auch einfach zu viel, ich war den endlosen Kreisbewegungen der Frage um das Kind einfach nervlich nicht gewachsen.

Die Kehrseite dieses sprachlich auch sehr ungewöhnlichen Romans, zeigt sich im dritten Teil, wo das hin und her von Lucys Schicksal doch deutlich langatmiger ist, als die ersten beiden Teile des Romans. Hier muss man sich als Lesende*r als geduldig erweisen und durchhalten, was echt schade ist, da das den Spannungsbogen ziemlich senkt.

THE VERDICT: Ein tragischer, trauriger, das Herz zerschmetternder Roman, der sich zweiweise echt hinzieht, aber auch zu Tränen rührt und im Innersten schmerzt. Zusammenfassend war es teils einfach zu viel für mich. Deshalb gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Suite française

OT: Suite française
DT: Suite française – Melodie der Liebe
Cast: Michelle Williams, Kristin Scott Thomas, Matthias Schoenaerts, Margot Robbie, Ruth Wilson, Tom Schilling
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Matt Charman
Musik: Rael Jones
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irène Némirovsky.

Frankreich im Sommer 1940 während der deutschen Besatzung: Die junge Lucile Angellier lebt unter der Obhut ihrer dominanten Schwiegermutter Madame Angellier. Ihr Ehemann ist im Krieg und beide Frauen warten auf Nachricht von ihm, Luciles einzige Freude ist das Klavierspiel. Ihr Leben ändert sich dramatisch, als Pariser Flüchtlinge im Dorf eintreffen – bald gefolgt von einem deutschen Regiment, das in dem kleinen Ort stationiert wird. Viele Einwohner müssen Soldaten bei sich aufnehmen. Der deutsche Offizier Bruno von Falk wird im Hause der Familie Angellier einquartiert. Lucile versucht den attraktiven und kultivierten Bruno zu ignorieren doch schon bald kommen sich die beiden durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik näher. [Klappentext]

Ich muss gestehen, dass ich den guten Matthias Schoenaerts immer mehr lieben lerne, denn auch in diesem Film zeigt er, dass er in der Rolle des romantischen, aber nicht  kitschigen und jungen Mann mit mehrdimensionalem Charakter brilliert! Michelle Williams spielt das absolute Gegenstück zu dem Soldaten: eine ängstliche, verschlossene junge Frau. Zwar spürt man von Anfang an ein unglaubliches (in gewisser Weise geheimes) Kribbeln, doch nur ganz langsam und vorsichtig lässt sie die Annäherungsversuche des galanten Mannes zu – eine wirklich einzigartige Geschichte folgt.

Als Hintergrund ist wichtig zu wissen, dass die Autorin Irène Némirovsky leider nie die Möglichkeit hatte, ihr Werk zu beenden, weil 1942 sie nach Auschwitz deportiert wurde. Der Romanzyklus sollte insgesamt aus fünf Teilen bestehen, sie konnte allerdings nur zwei davon schreiben. Das Manuskript wurde gute 60 Jahre später wiederentdeckt und 2004 erstmal veröffentlicht.

Doch zurück zum Film: Da die zarte Liebesgeschichte besonders auf der gemeinsamen Liebe für Musik begründet wird, musste der Film zwangsläufig einen guten Soundtrack haben, um diese Liebe zu untermalen – und ich wurde nicht enttäuscht: Nostalgische, französische Chansons und zarte Streicher- und Klavierthemen, die mit ihrer melancholie unter die Haut gehen! Die andere Seite des Filmes spiegelt der Soundtrack auch wieder: das Grauen und die Angst vor der Willkür der deutschen Bestzung, sowie alltägliche Demütigung durch ganz besonders unverschämte Offiziere.

Ohne zu Spoilern, möchte ich betonen, diese Geschichte überaus tragisch und bewegend ist, und dank der grandiosen Besetzung extrem unter die Haut geht. Als ein Mensch, der relativ viele herzzerreißende Dramen gesehen hat, wie zum Beispiel „die Königin und der Leibarzt“ oder „Abbitte“ , dachte ich, eine gewisse Abhärtung bereits zu besitzen, aber die Intensität dieses Film brach mein Herz! Suite Française gehört allein durch seine unvollendete Geschichte und dem tragischen Schicksal seiner Autorin zu den erstaunlichsten und auch spannendsten Liebesgeschichten (ohne auch nur ein einziges Mal überhaupt an Kitsch heranzukommen), welche ich je gesehen habe.
In gewisser Hinsicht möchte ich hier aber auch warnen, denn ich glaube ein Film mit solch melancholischer, drückender Grundstimmung, ist nicht leicht zu verkraften und jedermanns Geschmack – vor allem durch das offene Ende, welches mir selbst zu schaffen gemacht hat.

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Trotz der düsteren und tragischen Handlungen, spielt der ganze Film in einem hellen, sommerlichen Licht, was diese zarte und vorsichtige Liebesgeschichte, die eigentlich mehr eine Liebesandeutung ist, auf eine bezaubernd Art untermalt. Denn viele historisch angehauchte Filme arbeiten mit Farbfiltern, welche die Szenerie bestenfalls besonders düster wirken lassen und leider häufig erschreckend unnatürlich wirken (und ab und zu nicht passen). Hier jedoch wird mit dem natürlichen Licht eines französischen Sommers gearbeitet, es werden provinzielle Straßen in der Sonne gezeigt oder wie das satt grüne Gras in einem Blumenmeer vom Wind durchzogen wird: So entsteht eine nostalgisch, ja melancholisch und wie aus einem verzauberten, alten Traum wirkende Stimmung, welche die Gefühlstiefe ungeheuerlich betont.

THE VERDICT: Besonders tief berührend und besonders optisch wunderschön, mit zwei grandiosen Hauptdarstellern und einem Soundtrack, der nicht mehr aus dem Kopf geht, hat dieser Film mein Herz erobert – und gebrochen! 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
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Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Vom Ende der Einsamkeit
Genre: Drama
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Diogenes
Preis: 22 Euro (in Leinen gebunden)
Länge: 368 Seiten
ISBN: 978-3-257-069587

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für Literatur

Jules und seinen älteren Geschwistern Liz und Marty, welche ihre Eltern durch einen Unfall im Kindesalter verlieren und in den 1980ern in einem Internat in Süddeutschland großwerden. Grundverschieden, bekäpmft jeder Charakter den Verlust anders, doch im Mittelpunkt steht Jules, einst selbstbwusst, zieht er sich nun zurück.

Ist das Leben ein Spiel, in dem Glück mit Pech bestraft wird, eine Art Nullsummenspiel? Dieser Frage geht Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ nach. Der Roman erzählt von Aufarbeitung, Verlust, verpassten Chancen, großen Hoffnungen, Einsamkeit und vor allem Liebe.

Mit den Worten „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ beginnen, wirft Wells einen sofort in die Erzählung – ein ganz großartiger erster Satz, der mich sofort neugierig machte. Ein Mann wacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus auf und erinnert sich plötzlich, warum er dort liegt. Doch dann beginnt der Roman chronologisch mit seiner Kindheit.

Jules‘ Erwachsenwerden wird von grundlegenden philosophische Fragen des Seins begleitet, sowie kleinen Zitaten von Rainer Maria Rilke oder Zeilen aus Liedern wie Paolo Contes „Via Con Me“, welches ein wiederholendes Motiv ist. Dabei sorgen diese überlappenden Momente für eine mitfühlbare Lebenswirklichkeit, als würde man sich mit Jules miterinnern. Häufig scheinen Kapitel wie Fragmente aus seinem Leben, die wie Puzzelteile aneinandergereiht das Bild vom verwirrten Mann mit dem Motorradunfall klarer werden lassen – um ihn nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzufühlen! Denn genau das Fühlen steht bei diesem Roman im Vordergrund, mal Schmerz, mal Aufregung oder die reinste Freude, welche durch Wells sehr ruhigen, poetischen Schreibstil untermalt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Beschreibung vom Jules Schwester, die während seiner Kidnheit im Heim unglaublich fern und unerreichbar war: „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“

Es sind die Sehnsüchte und das Innenleben der Menschen, welche Wells sehr gut zu verstehen scheint. So wird von der äußeren und innen Welt gesprochen und wie Jules nicht mehr den Zugang zu ersterer findet. Ständig stellt er sich die Frage, was wäre wenn… Dese Menschlichkeit und die Liebe für das Detail lassen die Figuren in diesem Roman sehr plastisch wirken, als würde man sie kennen – aber irgendwie auch nicht, wie im echten Leben.

Auch die große Frage nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe ist ein wichtiges Thema: Kaum ein Mensch kommt an Jules rann, er trottet erfolglos durch das Leben und weiß nicht, was er will, nur die Erinnerung an die geheimnisvolle Alva, die er bereits aus Schulzeiten kennt, scheint ihn nicht loszulassen. In seiner Jugend pflegten sie eine besondere Freundschaft, doch werden die beiden sehr lange nicht über ihre Gefühle sprechen. Berührend und mit Erinnerungsfragmenten erzählt Wells von den intensivsten Momenten einer Liebesgeschichte.
Überwältigend schön und gefühlsintensiv kreiert Wells in seinem Roman eine Geschichte, die mit ihrer zarten Melancholie, aber auch der leuchtenden Freude wie aus dem Leben gegriffen scheint.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines dieser Bücher, die man fast schon langsam lesen will, um jede Seite auszukosten und die ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Erfüllung hinterlassen, wenn man es durchgelesen hat. Ich bin noch immer absolut berührt und möchte diesen Roman jedem ans Herz legen.

Zu guter Letzt möchte ich das Cover loben, welches wie die typischen Diogenes Bücher aufgebaut ist und eine Illustration von Elizabeth Peyton zeigt, die hervorragend zur Geschichte passt – schlicht und schön.

THE VERDICT: Ich wüsste es nicht besser auszudrücken, als einfach zu sagen, dass dies eines der besten und berührensten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. 10/10 Sternen

Love, Katha

Die langen Tage von Castellamare

https://i0.wp.com/www.ullsteinbuchverlage.de/typo3temp/_processed_/csm_9783471351307_cover_a6306cfc7a.jpgAutor: Catherine Banner
DT: Die langen Tage von Castellamare
OT: The House at the Edge of the Night
Genre: Familienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: List
Preis: 18 Euro (gebunden)
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3-741-351307

Das ehemalige Findlingskind Amedeo Esposito erhält Anfang des 20. Jahrhunderts eine Stelle als Arzt auf einer kleinen Insel vor Sizilien namens Castellamare. Die kleine Gemeinde untersteht dort, wie zu dieser Zeit in Italien gar nicht mehr üblich, dem Befehl des Conte. So lebt sich Amedeo auf der in der zeit etwas ziürckgebliebenden Insel ein und schreibt in einer kleinen roten Kladde die Mythen und Sagen der Insel auf. Doch eines Tages geschieht etwas seltsames: in einer Nacht werden zwei Kinder geboren, sowohl das seiner Geliebten als auch seiner Frau Pina – und plötzlich gerät der junge Arzt in ein Schlamassel. Die Inselbewohner, die an die heilige Agata glauben, denken, es sei ihr Wunder. Gleichzeitig verliert Amedeo durch diesen Skandal seinen Beruf und gründet, um mit seiner Frau auf der Insel überleben zu können eine Bar.

Die Geschichte erzählt sich über ganze vier Generationen, von 1914 bis 2009, von Amedeo bis zu seiner Urenkelin Lena. Dabei erlebt die Insel viele Skandale, de facto Dorftrasch, geh durch Zeiten von Faschismus und Kommunismus, erlebt Modernisierungen, Krisen und zieht die verschiedensten Leute an. Mittelpunkt für die Espositos bleibt natürlich ihre Bar „Das Haus am Rande der Nacht“, die mal mehr, mal weniger von den Familienmitgliedern der Espositos geliebt wird.

Das Herz des Romans macht nicht nur die Umgebung aus, sondern vor allem die Charaktere. Dabei werden besonders drei Figuren in den Vordergrund gestellt und aus ihrer Perspektive erzählt (allerdings mit einem personalen Erzähler): Amedeo, seine Tochter Maria-Grazia und ihre Enkelin Maddelena. Zusammen bilden sie mit ihren Geschwistern und Geliebten ein riesiges Familiengerüst. Es ist so berührend, mitzuerleben, wie Figuren über ein ganzes Jahrhundert wachsen, lieben, streiten und altern. Zusätzlich zu den schrulligen an Sant’Agata glaubenden Dorfbewohner ergibt sich ein kunterbuntes, extrem lebendiges Dorfleben.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich die ersten fünfzig Seiten gebraucht habe, um mich richtig auf Castellamare einzuleben, denn am Anfang, als Amedeo auf die Insel kommt und seine seltsame Affäre hat, lamentiert der Roman etwas – vielleicht auch, weil sich Amedeo selbst so gefühlt hat, jedoch brauchte ich Zeit, um mich zu orientieren, doch als ich endlich begriff was geschah und Amedeo mit seiner Vaterschaft zunehmend ein identifizierbarer Charakter wurde und er mit der wunderbaren Pina die Bar gründete, da  begann ich es zu mögen und daraus wurde schließlich eine kleine, italienische Liebe.

besonders der ruhige und malerische Schreibstil Catherine Banners hat es mir angetan, das Buch liest sich so gemütlich und symbolisiert ein bisschen die italienischen Gelassenheit der Insulaner. Natürlich gibt es dann und wann auch sehr tragische, schrecklich spannende Momente, doch im großen und ganzen ist das Buch von einer unglaublich ansteckenden Ruhe umgeben, die zu tiefst berührt.
Letztlich glaube ich, dass sich dieser Roman genau in diesem Punkt von der typischen Familiensaga mit ihren dunklen Geheimnissen und Aufdeckungen abgrenzt und viel mehr ein sehr realistisch wirkendes und sehr bewegendes Familienportrait erzählt. Es ist also nicht im klassischen Sinne wirklich „fesselnd“, sondern greift auf anderer, gefühlvolleren  Ebene.
Besonders gefallen hat mir, dass Banner vor jedem neuen Abschnitt – das Buch ist in mehrere Teile gegliedert inklusive Jahreszahlen – mit einer Inselsage beginnt und gewissermaßen Amedeos Vermächtnis aufgreift.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die wichtigen Ereignisse der italienischen Geschichte bzw. der Geschichte des 20. Jahrhunderts stets eingebettet werden, wie auch neuste Erfindungen, z.B. der Fernseher und die Modernisierung einer ziemlich heruntergekommenen Insel.

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englische Ausgabe, Random House

Das einzige, was mich tatsächlich etwas verwirrt, ist das Cover. Zum einen finde ich zwar das hellblau wunderschön und es erinnert an da Meer um Sizilien, zum anderen passt es nicht ganz zum Roman. Genauer gesagt, das Foto darunter. Ich habe einen leichte Idee, dass es die Tochter von Amedeo, Maria-Grazia und ihre beste Freundin abbilden könnte, ganz sicher bin ich mir allerdings nicht. Als ich schließlich das englische „original“ Cover googelte, war ich aus dem Häuschen. Ebenfalls in Blautönen, aber auch mit dem im Roman ständig erwähnten Blumenranken wirkt es magisch und mystisch – genau, wie Catherine Banner die Insel beschreibt.
Das deutsche Cover wirkt meines Erachtens, grob gesagt, wie ein Standarderwachsenenlitertaurcover und lässt das Buch langweilig aussehen.
Gleiche Kritik an diesen nichtssagenden deutschen Titel…

Zu guter letzt eine kleine Anmerkung: Dieses Rezensionsexemplar habe ich auf der Seite Vorablesen gewonnen (und bin sehr glücklich, ein tolles Buch so kennengelernt zu haben!)

THE VERDICT: Ein bewegendes, wunderschön geschriebenes und ruhiges Buch über eine Familie eingebettet in ein ganzes Jahrhundert, welches mit seinen Beschreibungen auch Lust auf Italienurlaub macht. 8 von 10 Sternen

Love, Katha

Quellen:
deutsches Cover
englisches Cover

Red Queen

Autor: Victoria Aveyard
OT: Red Queen
Genre: Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: HarperTeen
Preis: 10.99 $ (Paperback)
ISBN: 978-0062362711
Seiten: 400

Band 1 der Red Queen Reihe
Auf Deutsch unter dem Titel „Die rote Königin“ erschienen.

Auf Social Media Seiten wie Instagram überall zu sehen und nun, wo es gut ein Jahr in meinem Regel stand, wollte ich endlich wissen, was an dem Hype von „Red Queen“, dem Debütroman von Victoria Aveyard, dran ist. In erster Linie muss ich zugeben, dass mich das Cover sehr zum Kauf anregte – es sieht aber auch genial aus und passt einfach perfekt!

Mare Barrow lebt in einer geteilten Gesellschaft: Die Farbe des Blute scheidet zwischen dem armen Volk und den großen Adelshäusern, denn letztere haben silbernes Blut. Diese sind mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und regieren seit Jahrhunderten über die rot blütigen. Mare, die in einem armen roten Dorf auswächst, bekommt durch einen mysteriösen Kontakt in den Palast zu kommen und dort den silbernen zu dienen. Dort stellt sich heraus, dass auch Mare besondere Kräfte hat und rotes Blut – eine absolute Unmöglichkeit, die der Hof unentdeckt lassen möchte und deshalb Mare aufnimmt unter dem Deckmantel, sie sei eine lang verlorene silberne Adelige. Die rebellische Mare gewinnt nun Hoffnung eine rote Revolution von innen zu starten, aber sie weiß noch nicht, mit dem sie sich anlegt, denn Worte können Lügen sein…

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So weit, so typisch Dystopien (für Jugendliche). Die Idee von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ist auch nicht neu, ich musste sogar mehr an das vorrevolutionäre Frankreich denken, als ich von der Division durch Blut las, doch fand ich die Idee reizvoll.
Ähnlich plätschert es weiter, Mare, eine nicht unbedingt intelligente, aber mutige und selbstbewusste Aufsässige mit Ecken und Kanten schafft es schließlich durch eine Verbindung in den Palast zu kommen – und das alles recht schnell dank Aveyards flottem Präsens-Parataxen-Schreibstil, der recht gewöhnungsbedürftig ist . Inhaltlich möchte ich vorwegnehmen, dass „Red Queen an einigen Stellen an eine abgespeckte und nettere Version von „Game Of Thrones“ erinnert, wer also eine Welt aus unterschiedlichen Häusern, bestimmten Fähigkeiten und Intrigen mag, ist hier richtig. So wird man auch Teil von Mares Gedanken, die im wesentlichen ziemlich stolz darauf ist, dass man auf ihr Lügenspiel hineinfällt.

Auf die ersten 100 Seiten scheint es „Red Queen“ an Energie zu fehlen, zwar passiert einiges, wirkt aber weniger dramatisch, als wahrscheinlich der Fall sein soll, der Roman hat einen sehr gemächlichen Ton. Ich möchte auch nicht zu viel vorwegnehmen, für alle die das Buch lesen wollen, aber ich muss sagen, es lebt von den absolut umwerfenden Plottwists, die manchmal in Form einer  deus ex machina erscheinen, in anderen Situationen aber auch gerne den Teufel heraufbeschwören, also sowohl positiv als auch negativ ausfallen.  Ähnlich wie Mare glaubt man beim Lesen die ganze Zeit alles unter Kontrolle zu haben und fürchtet Dreiecksbeziehung und dahinplätschernde Revolution (wie etwa in Panem im 3. Band) , als großartige grausame und verhängnisvolle Ereignisse- es ist definitiv nicht so!
Während ich das Buch las, und das muss ich an dieser Stelle zu geben, wollte ich es unbedingt mögen, doch lange hielt es bei mir nur als ein durchschnittlicher Dystopienroman durch, wie sie aktuell sich nur reihenweise in den Abteilungen für Jugendliteratur stapeln, nichts besonderes, aber in Ordnung. Doch es kam ganz anders.  „Red Queen“ blüht nach und nach auf und zeigt besonders zum Ende seine wahren Stärken (bis dahin muss man es leider durchgehalten haben…), seine Besonderheit: die Geschichte verliert nie die Energie, immer auf Trapp, dass man fast den Atem anhält. Übrigens, ein bisschen Liebe (oder Ansätze dieser) gibt es auch…

Der erste Band dieser Reihe ist durchaus lesenswert:  obgleich nun Mare nicht unbedingt die klassische Figur ist, mit der man sich identifizieren kann, lebt „Red Queen“ definitiv von der Diversität der Orte und Figuren,  besonders Letztere werden wortwörtlich durch die vielen Dialoge zum Leben erweckt. Manchmal dünkt es hier jedoch, dass es mehr ein Skript für einen Film ist, als ein richtiger Roman. Ich hätte mich sehr über ein paar weitere Beschreibungen gefreut –  diese müssen ja nicht so ausufernd sein wie die eines Theodor Fontane, aber besonders bei Zukunftsfantasien und Welten, die nicht der unseren entsprechen, fällt es nicht immer leicht, sich vorzustellen, wie das erfundene Universum aussehen soll. Dass ein Gewand aus violetter Seide ist und mit Steinen bestickt ist, könnte absolut alles zwischen dem Rokoko und moderner Kleidung sein. Es ist folglich zu merken, dass „Red Queen“ definitiv Stärken hat, die aber auf Grund nicht ignorierbarer Schwächen in der Gesamtwertung an Kraft verlieren, was sehr schade ist.

Alles ist im Ansatz einfach wunderbar: die Idee, die Figuren, der Konflikt, doch die Ausführungen gehen nicht immer in die Tiefe, sowohl inhaltlich als auch stilistisch, was dieses Buch hätte von einer netten Lektüre zu einem fesselnden Roman steigern können. Ich fühle bezüglich dieses Punktes einen gewissen Zwiespalt in mir, denn ich würde „Red Queen“ gerne noch mehr mögen.

THE VERDICT: Spannend, überraschend und energiegeladen ist der erste Teil aus der Reihe über rotes und silbernes Blut und voll herrlich unerwarteter Momente. Die Schwächen liegen wirklich in der Tatsache, dass es zu schnell zur Sache geht und an wichtigen Stellen detaillierte Ausführungen fehlen.7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Stardust

https://i0.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/5170sldUmML._SX304_BO1,204,203,200_.jpgAutor: Neil Gaiman
OT: Stardust
Genre: Fantasy, Abenteuer
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1999
Verlag: Harper
Preis: 7.99  US-Dollar
ISBN: 978-0380804559
Länge: 352 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Der Sternwanderer“ erschienen.

„Stardust“ erzählt die abenteuerliche Geschichte des jungen Tristan Thorn, der seiner Angebeten verspricht, ihr einen gefallenen Stern als Zeichen seiner Liebe zu bringen. Entgegen seiner Erwartung gerät er in ein gefährliches Abenteuer, denn er ist nicht der einzige, der nach dem Stern sucht – und dieser entpuppt sich ebenfalls als ganz anders, als er sich jemals gedacht hätte.

Es ist schon sehr erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Ausgaben man dieses Buch findet, am populärsten und wohl schönsten ist die Fassung, welche Illustrationen von Charles Vess enthält – das trifft allerdings nicht auf die oben angegeben Daten zu. Eine deutsche Version zu finden ist übrigens auch ziemlich schwierig, wie ich feststellen durfte.

Ich habe sehr gemischte Gefühle bezüglich des „Sternwanderers“. Bereits als Kind hatte mich sehr Film so verzaubert, dass ich mir sicher war, eines Tages das Buch zu lesen. Meistens inspirieren mich Filme, die Bücher zu lesen, auf denen sie basieren und ich wurde noch nie enttäuscht. Hier ist es allerdings anders.
Zum einen muss man sagen, dass die Edition, welche ich besitze, sehr groß gedruckt ist und diese 352 Seiten in normaler Druckgröße gar die Hälfte wäre. Dennoch ist zu sagen, dass es eine wirklich hübsche Ausgabe ist. Ich hatte die Hoffnung, dass man trotz der Kürze eine gelungene Geschichte vorfindet, allerdings waren es mehr Fetzen und Ideen, die mir gefielen, als das ganz Buch.

Zum anderen empfand ich die Geschichte während des Lesens als unfassbar komprimiert. Gaimans Fantasie ist wie ein überquillender, magischer Brunnen, er erschafft so interessante Welten und Figuren, die man so gern noch besser kennenlernen würde – ich spreche hier nicht von ewig langen Beschreibungen, wie sie Fontane pflegt, aber mehr Hülle und Fülle. Stattdessen ist das Tempo so rasant, dass man gerade so von der Stadt Wall losgepilgert bereits per Kerzenschein mitten in Faerie befindet. Leider nimmt dieses seltsame Tempo, welches ein bisschen wirkt, als wolle Gaiman einfach nur mit seinem Buch endlich fertig werden, den wahren Zauber dieser liebreizenden Geschichte weg. An dieser Stelle möchte ich ehrlich gesagt einfach nur enttäsucht den Film erneut sehen, denn dieser schafft es, aus den so interessanten Ansätzen von Charakteren mehr zu formen und die Liebesgeschichte zwischen dem Stern Yvaine und Tristan Thorn nicht gezwungen, sondern bezaubernd schön zu gestalten. Es scheint fast, als sei das Buch eine Inspiration, aber keine wirklich handfeste Geschichte.
Ich wollte dieses Buch so gerne mögen und es fällt mir wirklich schwer, zuzugeben, dass ich mehr erwartet hätte, als eine oberflächliche Erzählung. Man hätte so viel machen können! Vor allem die Beziehung der Gegenspieler hätte spannender und noch enegiegeladener gestaltet werden können, stattdessen sterben plötzlich alle hintereinander. Vor allem das Ende schien so einen seltsam ungeduldigen Charakter zu haben.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch durchaus positives zu sagen: Neben der viel erwähnten Tatsache, dass ich die Geschichte in ihren Grundzügen und der Welt, in der sie spielt, absolut brilliant finde, liebe ich auch Gaimans so vielseitigen und etwas verrückten Schreibsil und kann definitiv empfehlen, das Buch im Original zu lesen. Abenteuer und Humor arbeiten hier einfach wundervoll zusammen. Besonders die Art, in welcher der gefallene Stern Yvaine (ja, der Stern ist eine Frau!) Tristan beschimpft, ist einfach göttlich.

THE VERDICT: Die Idee ist brilliant, die Umsetzung leider nicht so erfüllend und teils sehr mager. Statt dem Buch, möchte ich allen den brillianten und wunderschönen Film (Lieblingsszene im Beitragsbild!) ans Herz legen, der dieses Märchen in seiner eignen Interpretation für mich persönlich vervollständigt. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

A Little Chaos

OT: A Little Choas
DT: Die Gärtnerin von Versailles
Cast: Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci, Helen McCrory
Genre: Liebesfilm, Kostümfilm
Regie: Alan Rickman
Drehbuch: Allison Deegan
Musik: Peter Gregson
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Frankreich, Endes des 17. Jahrhunderts: Die unkonventionelle Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra (Kate Winslet) erhält den Auftrag, einen Park für den Sonnenkönig Ludwig XIV. (Alan Rickman) zu bauen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Keine leichte Aufgabe für die selbstbewusste Witwe, die fortan nicht nur gegen neidische männliche Kollegen und subtile Hofintrigen zu kämpfen hat, sondern sich auch immer stärker zum obersten Gartenarchitekten des Königs, André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts), hingezogen fühlt. Während Andrés eifersüchtige Ehefrau die zarte Liaison mit aller Macht zu sabotieren versucht, drängt der ungeduldige König auf baldige Fertigstellung seines Gartens…

Natürlich besticht der Film vor allem durch seine Optik, der Prunk und die Kostüme sind mindestens so überwältigend, wie sie seinerzeit Ludwig XIV. getragen hat. Mit einer Liebe fürs Detail sorgt auch die Kameraführung dafür, dass diese Pracht zu Geltung kommt.
Wenn man bereits den Trailer sieht oder den Cast betrachtet wird deutlich, dass es sich eindeutig um einen Film mit hoher Starbesetzung handelt – das kann häufig in die Hose gehen, bei „der Gärtnerin“ ist das aber definitiv nicht der Fall!
Ganz großartig ist Alan Rickman in der Rolle Ludwig XIV.: prächtig, blass und erhaben und mit einer kühnen, ästhetisch überwältigenden Art gibt er jedes Mal, wenn er seinen Auftritt hat dem Film etwas glamouröses und zauberhaftes. Man überlege sich mit Schichten von glitzernden Klamotten und einer turmhohen Perücke herumzustolzieren und dabei kein bisschen lächerlich zu wirken, sondern unverfroren natürlich – das ist eine Kunst!
Matthias Schoenaerts, der neuerdings überall zu sehen ist, zeigt in diesem Film auch, weshalb: Der belgische Schauspieler verfügt über das Talent in seinen Rollen (und mit seinen großen Hundeaugen) eine so innige Form der Liebe zu zeigen, die einen wahrhaftig berührt. Ach und Kate Winslet – was soll man schon sagen? Sie ist wie eine Rose, mit der Zeit wird sie immer schöner und vollkommener.

Alan Rickmans zweiter und leider auch letzter Film lebt von einem feinen, detailierten Humor und schönen der Botschaften für das Leben, wie die Stärke der Liebe und den Glauben an sich selbst und das so toll verpackt macht „Die Gärtnerin von Versailles“ zu einem liebenswürdigem und süßen Film.

Ein großer Kritikpunkt ist für mich der Titel, welcher den Film in seiner Qualität nicht berührt, aber die Einstellung, mit dem man ihn ansieht: von „A Little Chaos“ zu „die Gärtnerin von Versailles“ zu kommen ist schon ein großer Sprung. Zwar spiegelt der deutsche Titel den Sachbestand dar, aber er wirkt so abgedroschen und erinnert an diese Reihe von Frauenromanen (was keine Kritik an diesen seien soll) wie „Die Wanderhure“, „Die Kastellanin“, „Die Bogenschützin“, „Die Sündenheilerin“ usw. Aber „A Little Chaos“ weißt auf die Botschaft der Sabine de Barra hin, dass sie auf die klassische Ordnung des Gartens verzichtet, etwas Chaos verwendet, um ihre eigene Vollkommenheit, ihr Eden zu finden! Der englische Titel gibt meines Erachtens nach sehr viel mehr her.

Leider hat sich für mich die etwas offensichtliche Geschichte sich nicht vollständig entladen: Dass die Witwe Sabine von ihrer Vergangenheit heimgesucht wird und die neidische Frau die Liebe zwischen André und Sabine zu sabotieren versucht, ist wenig überraschend, dass die Liebe stärker ist als das, auch nicht, aber das ist in Ordnung. Das gibt dem Film so ein gutes Gefühl, wenn man aus ihm rauskommt, ein glücklicher und befriedigter Zuschauer.
Nein, nur die „Nebengeschichte“ des Gartenbaus hätte nach meinem Geschmack mehr in den Vordergrund rücken müssen und nicht so nebensächlich behandelt werden, so dass am Ende alles fein ist, ich hätte wirklich gerne genauer erlebt, wie die Arbeiten funktioniert haben und so wirkt der Film etwas „zu“ Liebeslastig – ja, auch ein bisschen kitschig, aber das ist ok.

Der Soundtrack Peter Gregsons ist definitiv hörenswert, stark streicherlastig und melancholisch erinnert er an die Werke Vivaldis, schafft also das Leben und das Lebensgefühl so energiereich und elegant darzustellen, was perfekt mit dem Thema Garten und Liebe übereinstimmt.

THE VERDICT: „Die Gärterin von Versailles“ ist ein liebevoller und optisch prächtiger Film mit Starbesetzung, der Lust auf den Frühling macht. Das perfekte für einen lauschigen und ruhigen Abend unter netten Leuten. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Quellen
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Irisches Herz in Brooklyn

OT: Brooklyn
DT: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten
Genre: Drama, Liebesgeschichte
Cast: Saorise Ronan, Emory Gohen, Domnhall Gleeson, Julie Walters, Jim Broadbent
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Michael Brook
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

nach dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín
nominiert für 3 Oscars

Wir schreiben das Jahr 1952 in einer irischen Kleinstadt: Die junge Ellis Lacey erhält durch Hilfe ihrer Schwester Rose und dem Father Flood eine Stelle in Brooklyn und emigriert in die Vereinigten Staaten. Ihre Schwester und die verwitwete Mutter bleiben jedoch in Irland. Ellis lebt in einer Art Pension mit anderen Mädchen und erhält eine Stelle in einem örtlichen Kaufhaus, belegt gleichzeitig aber auch einen Kurs über Buchhaltung. Sie leidet an starkem Heimweh und fühlt sich verloren in der großen Stadt, bis sie eines Tages auf einem Tanzabend Tony kennenlernt. Plötzlich wird ihr Leben wieder fröhlicher, bis sie plötzlich einen Anruf ihrer Mutter erhält, dass ihre Schwester gestorben ist und sie Ellis zurück nach Irland bittet.

Es geht um die Heimat, um Familie, um die erste und vielleicht auch große Liebe, um Tod und Schmerz, Sehnsucht, Heimweh – ja, Brooklyn ist ein berührender Film und wird deshalb vielleicht als ein typischer Frauenfilm abgestempelt, weshalb ich die Idee mit meinem besten Freund in diesen Film zu gehen recht komisch fand und positiv überrascht wurde.

Die junge Saorise Ronan beweist, dass sie weitaus mehr ist, als eine Schauspielerin, die in ihrer Kindheit durch die Verfilmung von „Abbitte“ berühmt wurde. Jetzt ist sie kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene junge Frau, die mit ihrem wunderbaren irischen Akzent bezaubert und durch gefühlsvolles schauspielerisches Können besticht.
Dabei ist Ellis auf keinen fall ein platter Charakter, teils auch widersprüchlich und trifft auch nicht unbedingt Entscheidungen, die sie für den Zuschauer sympathisch machen – was gut ist, denn dadurch ist „Brooklyn“ so lebensnah und bewegend. Der Film lebt von den kleinen und großen, aber vor allem menschlichen Gefühlen.
Außerdem habe ich mich sehr über den (kurzen) Auftritt Jim Broadbents gefreut, er schafft es immer wieder ältere Männer auf eine so nette und fast schon drollige Weise darzustellen, mal ernst, mal selbstironisch.
Ein weiterer Pluspunkt sind natürlich die anderen – irischen – Schauspieler, welche durch ihren natürlichen Akzent dem Film Authenzität verleihen.

Besonders positiv sind mir neben Ronans hervorragender schauspielerischer Leistung der Soundtrack aufgefallen: Michael Brook kombiniert Irische Folklore mit melancholischen, aber auch modernen Tönen, wobei Streicher stets im Vordergrund stehen und dadurch sich das traditionell irische Thema durch den Film zieht und stets an die Heimat erinnert. Die vielen Höhen und Tiefen werden durch herzzerreißende Geigen betont und alles in einem ist es ein eher trauriger und nachdenklicher Sound, der aber das Emigieren und eine neue Heimat aufbauen mit all seinen Mühen originell untermalt.
Ganz toll sind auch die Kostüme: Volksnahe Kleidung, schlicht und bieder wie die 1950er Jahre. Es wird nicht mit typischen Rockabily-Klischees gearbeitet, sondern mit der Kleidung des Alltags.

Brooklyn ist allerdings im großen und ganzen eine Liebesgeschichte, welche durch eine mögliche Dreiecksbeziehung etwas in ein Klischee fällt, das nicht hätte seien müssen. Natürlich ist es eine Buchverfilmung und da ich dieses nicht gelesen habe, kann ich es in dem Punkt nicht bewerten, allerdings steht für mich fest, dass das letzte Drittel für mich etwas zu rosa-rot war, denn der Film ist im Großteil recht ernst und dementsprechend ist der Kontrast ziemlich groß.

THE VERDICT: Alles in einem ist „Brooklyn“ ein schöner Film mit Portionen von Wehmut, Liebe und der Bedeutung von Heimat. Vor allem punktet er durch Optik, Soundtrack und seiner Hauptdarstellerin, die der leuchtende Stern des Filmes ist. Es ist ein netter Film, den man sich an einem gemütlichen Abend ansehen kann und zu kleinen Diskussionen über Emigration verleitet, allerdings auch nicht mehr. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover
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