Bookstagram & Ich

Der Balkon und Ich

Ein Samstagvormittag: es ist ziemlich frisch auf meinem Balkon, wenn ich müde seufze, bildet mein Atem weiße Schlieren in der Luft. Ich trage mehrere Schichten: ein T-Shirt, ein dicker Cardigan, Wollsocken und ein Schal natürlich, sie geben mir Wärme und erlauben mir sogar ein bisschen Bewegungsfreiheit.
Die Sonne scheint fröhlich auf den Balkon, das ist gut, das muss ich nutzen. Denn die Sonne ist mein Freund, sie spendet Licht, das ich gut gebrauchen kann.

Auf einer Holzplatte stehen Kerzen, Laubblätter und ein Stapel weißer Bücher. Liebevoll ordne ich sie an, ich lasse mir Zeit, es hat einen sehr entspannenden Effekt eine Art ordentliches Chaos zu kreieren. Manchmal stelle ich noch einen Topf Blumen dazu oder die aktuelle Tageszeitung. Als letztes schließlich zücke ich meine Kamera (manchmal auch mein Handy) und hopse herum, bis ich den perfekten Winkel gefunden habe für mein Foto – vermutlich sehe ich dabei Rumpelstilzchen ziemlich ähnlich.

Warum das alles?

Nun, ich bin, wie auch auf in der Widget-Leiste verlinkt, mittlerweile ziemlich aktiv auf dem social media Kanal Instagram, besser gesagt, auf einer etwas spezielleren Form des Ganzen namens Bookstagram. Ja, ich fotografiere Bücher, ordne sie an, mache sogenannte „Tags“ (auf den Blogs nennt man sie meistens Stöckchen) und habe immensen Spaß.
Was als simpler Zeitvertreib mit dem laschen Gedanken „Okay, ich probiere mal Insta aus“ ist tatsächlich ein Hobby geworden.

Quantität und Qualität

Es ist natürlich ein wesentlicher Teil dieser social Media Präsenz. Besonders, als meine Zahl an Followern anstieg, nahm auch mein Elan, täglich etwas zu posten, zu. Nur, wie man das dann für sich selbst auslegt ist die Frage.
Es gibt so viele Bookstagrammer auf Instagram, ich habe selbst überhaupt keinen Durchblick obwohl ich das nun seit ca. einem halben Jahr intensiv betreibe. Jeder hat seinen gewissen Stil, manche sogar enormen Wiedererkennungswert und unglaubliche Anzahl an  Follower in fünfstelligen Bereichen.
Ich habe an mich selbst den gleichen Anspruch, wie an meinen Blog: Ich möchte etwas gut geschmiedetes hinterlassen, ich möchte nicht langweilen und mich doppeln. aber vor allem mich selbst verwirklichen.

Allerdings sehe ich sehr häufig Menschen, die ein Buch beispielsweise drei Tage hintereinander fotografieren. Schön und gut und jedem das seine. Allerdings empfinde ich das für mich als unkreativ, da poste ich lieber nicht täglich und hinterlasse Content, den ich nicht schon vier bis fünf mal gezeigt habe.
Was mich aber mein Stolz dann kostet, sind Follower. Ja, richtig, wenn ich mehrere Tage nicht poste und wehe mir, dass ich mal etwas anderes zeige als Bücher, dann folgen mir die Leute nicht mehr. Was mich am Anfang aufgeregt und auch etwas persönlich beleidigt hat, versuche ich mit einem Schulterzucken hinzunehmen.
Natürlich freue ich mich, wenn mir neue Menschen folgen, wenn ich ein größeres Publikum erreichen kann (selbiges gilt natürlich für meinen Blog). Aber wenn jemand mich nur deshalb „mag“ und abonniert, weil ich nur Bücher zeigen soll, hat sich derjenige in mir geirrt.
Denn so sehr ich Bücher auch liebe, nur Bücher … wäre mir viel zu langweilig. Manchmal sind es kleine Zeichnungen, häufiger Altbauten und Architektur, die ich bewundere. Weil ich mich über so viel mehr Dinge definiere, als nur Bücher. Das mag ein Nachteil sein, dass ich auch kein reiner Buch- oder Filmblogger bin, dass ich mich nicht spezifiziere. Aber verdammt, ich würde mich vor mir selbst langweilen.

Meine Zufriedenheit mit meinem Insta-Feed gilt vor allem meiner Zufriedenheit mit den Werken, die ich hinterlasse. Ich werde nicht um Follower betteln, solche Hashtags wie #likesforlikes oder #followforfollow benutzen und überall „love it“ kommentieren. Es ist natürlich jedermanns eigne Entscheidung, wie er Insta und andere social media seiten auslebt. Denn ich möchte hier niemandem vorschreiben, wie er seine Seite zu pflegen hat. Ich schreibe, wie ich es hier mache, und wie ich es persönlich für gut halte. Und die Qualität und die Reflektion meiner selbst in meinen „Werken“ ist mir wichtig.

Ich habe regelmäßig Kreativlöcher, es ist eine Kunst, sich etwas auszudenken, aber gleichzeitig macht es so Spaß, denn irgendwie ist man nicht allein, ganz im Gegenteil, mit manche Leuten entwickelt man eine Art „Bücherbeziehung“ , kommentiert gegenseitig und tauscht sich über Romane aus, was einer der schönsten Seiten an Bookstagram ist.

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Der beste Filter ist immer das natürliche Licht

Wie kann man so viele Bücher besitzen?

Das frage ich mich regelmäßig, wenn ich auf Insta manche „shelfies“ sehe, also selfies von Bücherregalen, die sich scheinbar über meter strecken, wo die Bücher nach Farben sortiert sind und wunderschöne Ausgaben der „Clothbound Classics“-Reihe des Penguin Verlags (also hochwertige und nicht gerade Preiswerte Auflagen von Klassikern) besonders hervorstehen. Ich kann es mehr oder weniger empirisch belegen, welche Auswirkung das auf mich hat: ich möchte nämlich unbedingt noch mehr Bücher besitzen. Auch schon vor Instagram war mein Buchkaufverhalten manchmal etwas bedenklich, aber ich kaufe seitdem definitiv mehr Bücher.

Ich muss allerdings auch sagen, dass es Augenblicke gibt, wo ich mich frage, ob das nicht eigentlich alles materialistisch-kapiltalitische Selbstdarstellung ist, angeben, wie viel man sich leisten kann. Wenn man zynisch und insta-feindlihc sein will, kann man das über alles sagen, über Blogger, die viel Reisen oder professionell fotografieren, über Instagrammer, die stolz ihre Chanel Classic Flap Handtasche neben einem riesigen Starbucks-Gettränk präsentieren, über… ja, über alle.
Mein Gott, nein. Es ist toll anzusehen, es ist toll, Freude zu teilen, es ist einfach toll. Lasst die Leute tun, was sie glücklich macht und seht es euch nicht an, wenn ihr nur trollen möchtet. Für mich persönlich ist die Plattform natürlich eine Austauschmöglichkeit und es bleibt jedem selbst überlassen, worin er oder sie sich wiederfindet. Dazu noch ein wunderbar böser Kommentar [hier] der YouTuberin Alexa Losey. Denn bei Instagram geht es einfach  darum, sich kreativ frei zu fühlen und nicht den Druck, berühmt zu werden, weil es viel wichtigeres im Leben gibt.

Was YouTube sagt

Wenn man bei Youtube Insta-Theme oder Insta-Famous eingibt, findet man verdammt viele Videos. Das sogenannte Insta-Theme beschreibt, wie der eigene Feed Bilder aus ähnlichen oder gleichen Farblementen  bestehen soll und dass säntliche Bilder die gleiche Belichtung haben müssen usw. Im Grunde genommen, dass alle Bilder auf eine unterschiedliche Weise gleich aussehen sollen und das diese Weise eines „perfekten Feeds“ zu mehr Ruhm führen käme. Nun so simpel das auch klingt, so schwierig ist das und meines Erachtens ist mein Leben zu bunt, um sich auf einen monochromen Feed aus  beispielsweise  Weiß und Pastellfarben zu beschränken. Ferner erfährt man, wie man durch bestimmte Arten von Postings besonders viele Follower bekommt und das es tatsächlich Apps gibt, die einem Statistiken anzeigen, welche Bilder am beliebtesten sind, um welche Uhrzeit man posten soll…

Oh ja, Instagram ist eine ernstzunehmende, perfektionistische Wissenschaft! Zumindest für andere. Denn man kann das ganze natürlich mit viel mehr Humor und Leichtigkeit betrachten.

Tatsächlich fand ich neulich irgendwo in den Untiefen von YouTube ein ganz lustiges Video darüber, wie sich Bookstagram in der Realität anfühlt und welches auf humorvolle Weise herausstellt, wie man damit kämpft, ein gutes Foto aus gewissen Winkeln zu machen und dass das bookstagrammer-Leben natürlich deutlich glamourös ist, als es scheint, als es ist. Das alles mit einem Augenzwinkern.

Ein paar Bookstagrammer, die ich bewundere:

@lottelikesbooks
@mscaulfield
@maru.books
@azriela.moone
@bluestockingbookshelf
@mynerdywonderland
@beautywithbooks
@earlgreyandbooks
@bookolanda

Es gibt natürlich einen großen Haufen an tollen Bookstagrammern, das hier sind die, die mir aus dem Stegreif eingefallen sind. Wenn ich euch noch nicht komplett vergrault habe, könnt ihr auch gerne mal meine Insta-Seite besuchen! @katha-logisch

Ich bin gespannt auf eure Kommentare und verlinkt mit gerne eurer Instagram-Profil, falls ihr eins habt.

Love, Katha

Die Sucht nach Stress

Oder eine Erinnerung an mich selbst.

Es ist gar, als stünde ich ständig unter Strom, müsste ständig tun, um in Bewegung zu bleiben, höher, schneller, weiter. Zufriedenseien ist Aufgeben in dem ständigen, täglichen Kampf des Besserwerdens. Sich auf einen Erfolg auszuruhen ist ein Wimpernschlag, bevor ich begreife, dass ich das beim nächsten Mal auch schaffen muss, wenn nicht gar besser. Es ist fast lächerlich: Ich klage darüber, wie schrecklich gestresst ich bin, dass mir der Kopf sonstwo steht, doch gleichzeitig entwickelt man auf eine paradox-perverse Weise eine Art Stockholmsyndrom zu diesem Leiden. Es ist die Droge, der Adrenalinkick, etwas auf den letzten Drücker machen zu müssen und freudetaumelnd, fast schon übermüdet in der Nacht endlich fertig zu sein! Wer braucht schon Schlaf, wenn man von Kaffee leben kann?

Doch dann kommt etwas überaus absurdes: ein ruhiger Tag, an welchem man die Füße hochlegen kann. Ein sanftes Lächeln bei dem Gedanken, doch kaum habe ich es mir am Fenster bei mildem Samstagslicht mit einem Buche gemütlich gemacht, da pulsiert die Schläfe, die Gedanken gehen verloren, man fragt sich was man doch machen könnte, was fehlt.
Fast schon eine leere Enttäuschung, mal entspannen zu müssen.
An den Tagen, wo ich weiß, dass ich noch später etliches zu tun habe, da lege ich gerne die Füße hoch, um den Moment abzuwarten, wo es nahezu zu spät ist, um anzufangen. Es ist die Sucht, die einen ergreift, das Spiel mit der Zeit zu spielen in der festen Überzeugung, es gewinnen zu können. Ein Packt mit dem Teufel. Nur, dass ich nicht Faust sein möchte.

Das ist Schwachsinn. Das Aufschieben, das nächtliche Arbeiten, die bittren Tränen der Angst, die man weint aus reiner Verzweiflung. Das Leben ist nicht die Aufreihung von Erfolgen, das Leben ist nicht die Schule oder das Studium, und doch muss man auch hinfallen, denn Glück fühlt man nur im Kontrast intensiv. Es ist keine Schande, hinzufallen und zu scheitern, es tut weh, doch nur wer liegen bleibt, ist gescheitert. Zufriedenheit ist eine Belohnung, die man sich selbst schenken sollte. Ich möchte ein bisschen mehr lächeln, einfach tief einatmen und an mich glauben, ohne psychopathisch zuckend in der ständigen Angst des Versagens zu leben, die ich mit der Sucht nach Stress, den ich mir selbst aussetzte mache.

Sagte ich Schwachsinn? Unsinn. Wahnsinn!

Das wird schon. Stress hilft zur Motivation, aber die Motivation sollte nicht alleinig aus Stress hervorgerufen werden.
Ich möchte nicht mehr sagen: ich bin der unentspannteste Mensch auf Erden.
Ich möchte sagen – nein, ich werde jetzt einfach schmunzelnd nicken.

Love, Katha

Mumford and Sons @ Waldbühne

Freudentrunken laufe ich in der Nacht nach Hause durch die spärlich beleuchteten Straßen, vereinzend ziehen Autos an mir vorbei, doch ich höre sie nicht, denn in meinen Ohren klingen noch immer die goldenen Funken dieser wunderbaren Musik.
Meine Konzerterfahrung beschränkt sich auf ein kleines Konzert von Brooke Fraser vor einigen Jahren, doch Mumford and Sons in der Waldbühne zu erleben – davon möchte ich ein bisschen erzählen.

Allein die Waldbühne, eine Konzertkollosseum für über 20 00 Bersuchermitten im Berliner Grün am Pichelsberg, ist schon beeindruckend, doch als die Vorband Bear’s Den gegen 19 Uhr eintingelte, spürte ich wie mein Herz den Takt der Musik überschlug, wie ich in Mitten von ebenso begeisterten Leuten, eins mit dieser Freude wurde.
Doch als es langsam dunkel wurde und Herr Mumford uns bat, doch kurz „very leise“ zu sein, war es seine so volle, tiefe und warme Stimme, die durch den Wald hallte, die Bäume nahmen sie auf und raschelten ein bisschen. Es bedurfte keiner großartigen Lichtspiele oder Effekte, es waren vielmehr die Zuschauer, die Handys und Feuerzeuge herausholten, während er zärtlich, aber doch kraftvoll „Cold Arms“ sang und sich auf meiner Haut ein Streifen von Gänsehaut bildete. Die Stimmung zwischen diesem melancholischen, manchmal fröhlichen, doch immer bewegenden Song mit einem Publikum, welches so positive Energie verspürte, war schlichtweg atemberaubend.

Ein ebenfalls schönes Ereignis hatte ich, als ich während ich auf meine gute Freundin Celi wartete, mich mit einem fremden jungen Mann unterhielt, der sich ebenfalls zum Warten auf der Bordsteinkante niedergelassen hatte. Er erzählte mir, dass er gerade Hesses „Narziss und Goldmund“ las und wir unterhielten uns immer mehr angeregt über Kunst, Musik, das Sein und Leben. Das sind wohl diese kleinen, besonderen Alltagswunder: mit einer Fremden Person auf der Straße über das Leben zu philosophieren. Falls du das liest: ich werde mein Versprechen halten und „Steppenwolf“ lesen.

Love, Katha

Kolumne: Erwartungshaltungen

Oder: Dinge nicht mehr zu Tode denken

Man stelle sich die Situation vor: Donnerstag gegen 10 Uhr, ein lauter, sich rege unterhaltender Leistungskurs des 2. Semesters – Deutsch oder Geschichte. Manche noch ein bisschen schläfriger als andere, eigentlich ist ein ganz normaler Tag- da kommt der Lehrer durch die Tür, unter dem Arm ein dicker, verdächtig aussehender Stapel Papier.
Einige werden langsam unruhig, noch sagt der Lehrer nichts. Es wird sich begrüßt, Floskel hier, Überprüfen der Anwesenheit, Formalitäten da, während der Stapel auf dem Tisch des Lehrers wortlos liegt. Ein leises Gemurmel geht herum, ach ja, vor ein paar Wochen wurde doch Klausur geschrieben. Ist sie das?
Schließlich verkündet der Lehrer fast feierlich, dass es sich tatsächlich um die Klausur handle, wir sie jedoch erst am Ende der zweiten Hälfte des Unterrichtblockes erhielten – spricht in ca. 80 Minuten. Das Herz stockt. Nun liegt irgendwo in diesem Blätterstapel das eigene Werk, korrigiert, begutachtet und nun soll ich 80 Minuten ruhig hier rumsitzen? Jetzt kommen zwei Züge in den Menschen hervor: Optimismus und Pessimismus.
Aber wie denkt man eigentlich richtig? Versetzt man sich kurz wieder in das Gefühl nach der Klausur? Mag man darauf vertrauen, dass man sein bestes gegeben hat und es doch gar nicht so schlimm sein kann? Oder stellt man fest, dass die vermeintlich geniale Interpretation total unverständlich und schlecht begründet war? Oder noch schlimmer: Hatte man nicht während der Klausur schon so ein flaues Gefühl im Bauch? Diese blöde Klausur kann da doch nicht ernsthaft noch 80 Minuten liegen! Noch schlimmer ist es, erst 45 Minuten über die Klausur zu diskutieren, ohne die eigne gesehen zu haben und sich selbst auch nicht so genau daran zu erinnern, ob man geschrieben hat, dass in Vers 8 ein wichtiges Hendiadyoin steht oder ob man Jacques Necker im Bezug zur Französischen Revolution erwähnt hatte. Manchmal frage ich, ob den Lehrer, der diesen Stapel über Tage korrigierte, sich ein bisschen daran ergötzt, einen derartig auf die Folter zu spannen…
Die Panik steigt einem bis zum Halse. Soll ich mit dem schlechtesten Rechnen, damit ich nicht enttäuscht werde? Hab ich nicht heimlich ein gutes Gefühl? War die Klausur das letzte Mal, als ich ein gutes Gefühl hatte denn gut? Oh bitte lass es wenigstens 10 Punkte sein! Und überhaupt: Warum sieht mein Sitznachbar so unbesorgt ruhig aus?
Die Fragen drehen und wenden sich durch die Hirnwindungen des nervösen Gymnasiasten. Es hilft ja nichts, denkt er sich seufzend und versucht nicht an die Klausur zu denken, die direkt vor seiner Nase liegt.
Und es hilft, denke ich, tatsächlich nicht. Tief einatmen und versuchen, sich abzulenken, denn Dinge totzudenken macht meiner Erfahrung nach Dinge noch viel schlimmer. Nun kann man auch nichts mehr ändern, nun hilft es aber an sich selbst zu glauben und ein bisschen Zuversicht schadet auch nicht.

Love, Katha

Kolumne: In der Thunfischdose

Oder: eine Ode ans U-Bahnfahren.

Berlin hat seinen gewissen Charme, der durch allerlei vertraute und manchmal auch überraschende Liebenswüridgkeiten ausgemacht wird. Manche denken dann an die Hipsterviertel Kreuzberg oder Prenzlauerberg mit ihren alten Straßen, die bunte und sich klimaktisch nach ihrer Exotik steigende Cafés säumen, oder an die vielen schmucken Altbauten. Doch zuerst muss man dahin gelangen – und das ist eigentlich noch viel spannender.

Ich habe, man sehe vom GDL-Streik und anderen winterlichen Weichenkrisen ab, das Gefühl, dass Berlin doch ein recht gutes und meist zuverlässiges Verkehrswesen hat, was einen schnell von A nach B bringt, vorausgesetzt man befindet sich nicht in der absoluten Einöde der Randbezirke, die inoffiziell schon nach Brandenburg aussehen. Bus, im Osten der Stadt Tram, S-Bahn und U-Bahn schleppen einen ganz gut durch die Gegend.

Es gibt viel über U-Bahnfahren in Berlin zu sagen und fährt man erstmal regelmäßig durch dieses Metropolenwirrwarr, bekommt man eine ganz andere Sicht auf die Öffis. Wer mit mir U-Bahn fährt, ist schon von vornerein zu bemitleiden, denn ich rege mich regelmäßig über die nicht vorhandene Ästhetik von optischen Scheusale wie Bayerischer Platz, Halemweg oder Berliner Straße auf. Dazu ein anderes Mal mehr. Jetzt mal wirklich: diese Decke der Berliner Straße ist so beängstigend-erdrückend niedrig, dass man beim Anblick zu ersticken vermag, zudem ist Bahnhof in ein plastikartiges, versifftes Weiß getaucht, dass man sich fühlt wie in einer verschimmelten Psychartriezelle, wobei die blutroten Emaillefliesen noch zusätzlich Torrero-Stier-artige Wutanfälle erzeugen.

Aber eigentlich möchte ich von meinen schönen U9-Erlebnissen berichten. Für alle Nicht-Berliner: Die ca. 13km lange charakteristisch orange-markierte U-Bahnlinie pendelt zwischen Osloer Straße (im Norden Berlins) und Rathaus Steglitz (Süden Berlins) und trifft dabei im Herzen der Stadt auf den sagenumwobenen Zoologischen Garten. Aus mir unersichtlichen Gründen ist diese Linie immer voll. Sagte ich voll? Überfüllt. Zugegebenermaßen, keine Tokio’schen Zustände, aber durchaus voll. Wenn ich Freitag abends gen Steglitz fahren will oder um drei Uhr nachmittags am Dienstag zur Turmstraße möchte, stets fühlt man sich wie in einer Thunfischdose – um ehrlich zu sein, manchmal auf olfaktorisch.

Dennoch fahre ich gerne mit dieser Linie. Vielleicht, weil ich mich gerne über den U-Bahnhof Berliner Straße aufrege, vielleicht weil ich das bereits eingegraute Babyblau des Bundesplatzes mag, oder einfach die bunten Kacheln der Spichernstraße heimlich feier, vielleicht steh ich auf die grauen Wände des Hansaplatzes oder diese wunderbare Blau-Orange-Augenkrebskombi der Schloßstraße, oder ich fahre einfach gerne mit den uralten Wagen der Berliner U-Bahn, wo die Bezüge der Sitze markenzeichlich mit rot-blauen Fleckchen besprenkelt sind.

Und dann soll jemand sagen, man sieht beim U-Bahnfahren nichts. So ein Blödsinn.

Love, Katha

P.S. Verantwortlicher für dieses optische Scheusal ist Rainer G. Rümmler.

Kolumne: Der kranke Gymnasiast

Moin Leute!

Da ich es tatsächlich vollbracht habe, seit Anfang März krank zu sein, habe ich leider Blogtechnisch wenig geschafft, allerdings kann ich dafür umso mehr zum Thema krank sein sagen und was ich mir eingemummt in der Decke für Gedanken gemacht habe.

Mitnichten ist krank sein ein altersloses Problem, als Kind gröhlt man flennend über das schier unendliche Jucken der Windpocken oder hustet ohne Ende, so dass man im übrfüllten Wartezimmer im Winter eine Kinderarztpraxis wahrscheinlich vor lauter Chorgehuste noch kranker wird. Währenddessen streiten sich Mütter die Haare gegenseitig rausreißend, ob man sein Kind impfen sollte. Jaja, Krankheiten sind heikel.
Und kaum sitzt man im 2. Semester der Oberstufe wird es nicht besser. Gerade so werden die Hausaufgaben nach stundenlangem Prokrastinieren wahlweise auf YouTube, Messengern, mit Büchern, Zocken – oder jedem andren heiß geliebten Objekt, das sich besser macht, als eine Quelleninterpretion über die französische Ständegesellschaft – geschafft, da überfällt er einen. Der Krankheitserreger, der sich gerne des Nachts in den müden, bereits jetzt unausgeschlafenen Körper des Schülers festbohrt, um Morgens mit 39° C Fieber aufzustehen.

Erster Gedanke: Gott, geht es mir scheiße. So geh ich nirgends hin.
Zweiter: Weiterschlafen.
Dritter, der meistens kommt, wenn das Abklingen des Symptoms beginnt: Wie zur Hölle hole ich das ein?
Vierter (optional, falls Klausur): F***!!  Ich muss jetzt auch noch mit Schüttelfrost zum Arzt kriechen und ein Attest holen – also bezahlen, für die Entschuldigung als einziges Beweismittel, dass ich Fieber habe.

Die Bürokratie hinter einem Fieberschub oder einer Erkältung ist schier unglaublich. Geht man allerdings in die Schule, wie ich es eine Weile zu tun pflegte und WIRKLICH NICHT empfehlen kann, sitzt man im Delirium des Symptoms in seinem Deutschunterricht, weil man fürchtet, das nicht alles aufholen kann – und fällt doch fast vom Stuhl.
Noch grandioser wird es allerdings, wenn Menschen sich noch in ihrem Leiden versuchen zu übertrumpfen, man im Wartezimmer mit angeschwollener Nase hockt und der Nachbar einen verächtlichen Blickes mustert, als ob er sagen wolle: Na und? Also ich habe ja eine Lungenembolie.

Was ich nur sagen und empfehlen kann, da ich diese Nachholpanik schlichtweg verkörpere. Ich gehe nicht mehr mit Fieber zur Schule, ich habe ein paar wirklich wundervoll zuverlässige Freunde (denn die sind das einzig Wahre, womit man sich durchkämpfen kann) und ich lege mich hin und schlafe, trinke Tee und entspanne. Stress macht offensichtlich auch krank.

Bleibt bitte gesund und stressfrei!

Love, Katha

Kolumne: Brotdosen oder Aluminiumfolie ?!

Hey Leute!

Manchmal darf man für die Schule so wundervoll-schreckliche Texte verfassen – und dann verschwinden sie in der Versenkung: Geschichten, Gedichte, Reden.  Deshalb konserviere ich meine hier – Eine Rede zum Thema „Brotdosen oder Aluminiumfolie“

Wir transportieren unser Essen zur Schule, Uni, Arbeit. Morgens, wenn wir unser Brot schmieren, schläfrig die Gurkenscheiben auf den Käse legen – eine alte Tradition. Liebevoll betten wir unser späteres Mahl in die Brotdose…
Naja, und dann gibt’s noch die, die ihre Sandwiches mit Alufolie mumifizieren und in die Tasche schmeißen. Dort, zwischen schweren Büchern und der glugsenden Wasserflasche, dem Handy und dem Portemonnaie wird das Alu-Brot in den Wogen der ratternden U-Bahn gequetscht. Zerquetscht. Malträtiert!
Und wenn man voll Vorfreude des Mittags seine Alufolie vorsichtig öffnet, dann schwindet das Lächeln: ein halb-verprügeltes Brot, möglicherweise, man denke nur an das bröckelige Braunbrot, nicht mal in einem Stück. Neidisch fliegt der Blick zu dem Kollegen mit der Brotdose: Sein Brot, in ganzer Form und Pracht, liegt neben einer schönen, saftigen Mandarine in der Dose. Glücklich beißt er in sein Brot. Oh ja, Brotdosen!
Und für alle Ökofreaks: Die Dose ist nicht nur wiederverwendbar, sie muss auch nicht aus giftigem Plastik sein. Manifestieren wir doch mal Tatsachen: Im Streit Brotdose gegen Alufolie geht es nicht nur um Transport, sondern um Tradition! Lasst nicht den Vormarsch des trügerisch silbern glänzenden Feindes zu! Legt euer gutes Essen in Brotdosen!

Wie bettet ihr euer Frühstück? Oder kauft ihr unterwegs etwas? Bin gespannt auf eure Meinungen.

Love, Maret

Kolumne: Flaschen-Erinnerung

In den Tiefen unseres Kammerschrankes findet man, wenn man Kartoffeln sucht, vor allem Olivenöl, irgendwelche Weine, Zwiebel und eine leere Cola-Flasche. Der Ordnung halber war ich schon halb dabei, sie stirnrunzelnd wegzuwerfen, als mein Blick über das Etikett flog.
Vor gut einem Jahr brachte Coca-Cola jene Cola-Flaschen mit Vornamen heraus – erinnert sich noch wer an diese riesigen Plakate am Alexanderplatz? Exakt, genau die.
Ich befand mich in Belgien auf der Rückfahrt nach Deutschland, es war unerträglich heiß, also wollte ich mir für die lange Zugfahrt etwas zu Trinken kaufen und dachte mir, was wäre es witzig, wenn ich eine Cola-Flasche mit meinem Namen fände – es sei gesagt, in Belgien existiert anders als in so ziemlich allen deutschen Supermärkten, mein Name (ein langweiliger, alter Standartvorname) schlichtweg nicht. “Naja, gut, dann etwas anders“ , denke ich mir und greife blindlings in das Regal nach einer Flasche mit Namen „Fanny“ mit dem Gedanken, dass kein Mensch so hieße. Sei’s drum, ich brauchte etwas zu Trinken.
In Köln schließlich stiegen wir in einen wenig leeren ICE um, und Himmel, war ich meinem Vater über die Sitzplatzreservierung dankbar! Es ging also weiter: Meine Cola hatte bereits Raumtemperatur angenommen, schreiende Kinder rannten durch das Großraumabteil und eine junge Frau im Gang sah mich plötzlich an, fragend, ob der Platz neben mir denn besetzt sei. Ich verneinte und so setzte sie sich neben mich und schlug ihr Philosophiebuch über Kants Kategorischen Imperativ auf.
Meine Cola stand weiterhin auf dem Tisch und wärmte sich im Licht der Sonne auf. Irgendwann blickte sie von ihrer fesselnden Lektüre auf und warf mir einen unfassbar entsetzten Blick zu: „Warum… Warum steht mein Name auf der Cola da?!“
Halb im Kammerschrank versunken, frage ich mich noch immer… wer heißt so?

Love, Katha