Belgravia

Autor: Julian Fellows
OT: Belgravia
DT: Belgravia
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: C. Bertelsmann
Preis: 19.99 Euro
ISBN: 978-3-570-10324-1
Länge: 448 Seiten

Vom Drehbuchautor der Serie Downton Abbey

Die Familie Trenchard, geführt von dem ehrgeizigen Bauleiter James Trenchard, befindet sich im Jahr 1841. Als vor 25 Jahren die Tochter Sophia bei der Geburt ihres unehelichen Sohnes Charles stirbt, versucht das Paar Trenchard alles, um den Ruf der Tochter zu beschützen und gibt das Kind weg. Doch als jetzt Anne Trenchard bei einem Nachmittagstee die Mutter des im Krieg gefallenen Vaters ihres geheimen Enkels trifft, beschließt sie, dass sie ihr Geheimnis nicht länger ungeteilt lassen kann – und damit gerät der Stein ins Rollen.

Vermutlich gehöre ich, wie viele Leser dieses Romans, zu den großen Downton Abbey Fans, die gespannt waren, was Drehbuchautor Julian Fellows noch zaubern kann. Bereits beim Lesen des Klappentextes wurde mir schnell klar, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit der preisgekrönten Serie haben würde – besondern in Hinblick auf die Upstairs-Downstairs-Perspektive.

Ein großes Lob geht an die wunderbare Covergestaltung: Ein schlichtes, aber auch edles Design welches das noble Belgravia Viertel in London mit Passanten und Kutschen darstellt und zweifelsohne ein Blickfang ist, der mich angelockt hat. Andererseits muss ich sagen, dass die gebundene Ausgabe des Buches recht dicke Seiten hat und sich das Buch als etwas schwerer erweist, als erwartet.

Julian Fellows hat einen angenehm leichten und etwas blumigen Schreibstil, der besonders die Dialoge sehr angenehm zu lesen macht – sehr lebhaft und spritzig. Ganz deutlich wird auch Fellows jahrelange historisch-gesellschaftliche Expertise nach Downton Abbey, aber auch seinen beiden anderen Romanen „Eine Klasse für sich“ und „Snobs“, so dass er hervorragend das dekadente Leben des Hochadels, die Fauxpas der Emporstrebenden und die Lästereien unter den Dienstboten einfangen kann und ein bisschen an „Vanity Fair“ erinnert. In diesem Punkt hat mich Belgravia gut überzeugt, da ich schon enige Bücher in dieser Periode gelesen habe, war ich positiv überrascht: es wirkt historisch wirklich gut authentisch. Natürlich erkennt man auch eine starke Analogie zu Downton Abbey.

Die Figuren hingegen sind sehr unterschiedlich: Manche sind sehr eindimensional und es wird sofort klar, ob sie böse oder gut sind und dass sich dies innerhalb des Romans nicht ändern wird.  Diese klassische Besetzung vom Sweetheart, der Zofe, die sich für etwas besseres hält, den verwöhnten reichten Kindern und dem Schurken macht den Roman in Teilen wirklich kitschig. Natürlich mag ich den Roman nicht die ganze Zeit mit Downton vergleichen, aber was mir in der Serie durchaus gefallen und hier gefehlt hat, war dass auch mal das „Böse“ eine gewisse Oberhand hat und es auch dunkle Episoden gab.

Andererseits gibt es durchaus ein paar Figuren, deren Charakter sich ändert und entwickelt, zwar um keine 180 Grad Drehung, aber etwas  und die mir recht sympathisch geworden sind. Doch wie bei den Figuren, fehlt mir auch in der Storyline öfters die Tiefe: Die Handlung spielt häufig an der Oberfläche und wirkt manchmal trotz der blumigen Sätze ein wenig wie ein Drehbuch. Nach längerem Überlegen wurde mir auch klar, wie ich dieses ambivalente Gefühl zu diesem Buch am besten ausdrücke: Die Gesichte ist mehr eine Strandlektüre als ein satter Roman, aber ich denke, dass sie in den Händen von ein paar Darstellern und Darstellerinnen zu noch besserem, tieferem und emotionaleren Material werden können. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich in der Geschichte Potential erkenne und sie mich manchmal wirklich mitreißen konnte, aber das gewisse Etwas (vielleicht auch das gewisse „Dunkle“) fehlt. Tatsächlich wäre ich sehr neugierig, wie „Belgravia“ filmisch umgesetzt seien würde, weil ich überzeugt davon bin, dass es mehr aus der an sich ganz interessanten Story machen könnte.

Zu guter letzt möchte ich mich beim Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

THE VERDICT: Eine nette, unterhaltende und leichte Lektüre mit guter historischer Exertise, die sich flott lesen lässt, aber meines Erachtens als Film mehr Wirkung hätte entfalten könne, statt in Form eines Romans. Leider fehlte mir die ausreichende Tiefe. 6 von 10 Sternen

Love, Katha

The Young Victoria

OT: The Young Victoria
DT: Young Victoria
Genre: Romanze, Kostümfilm
Cast: Emily Blunt, Rupert Friend, Miranda Richardson, Mark Strong, Paul Bettany, Jim Broadbent, Thomas Kretschmann, Harriet Walter
Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Julian Fellows
Musik: Ilan Eshkeri
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: ca. 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Jean-Marc Vallée erzählt in diesem Film die Geschichte einer erwachsen werdenden Victoria (Emily Blunt). Ihre Mutter und deren Berater Sir John Conroy (Mark Strong) sind in das sogenannte Kensington-System verwickelt, mit welchen sich Conroy immer mehr Macht zusichern möchte, indem er Victoria zwingt, zur Thronbesteigung ihn zu ihrem Provatsektär zu machen, sie hält doch stand und wehrt sich vehement. Währenddessen gerät die in den Einfluss vom Premierminister Lord Melbourne (Paul Bettany), lernt jedoch auch Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (Rupert Friend) kennen. Sie fällt in ein neues Leben rein, lernt eine Liebe kennen und macht auch Fehler.
Köngin Victroia wird in diesem Film keinesfalls komplett auf ihre Liebesgeschichte heruntereduziert, denn er behandelt genauso gut auch das Erwachsenwerden und so wird Victoria von einer wundervoll menschlichen Seite gezeigt.

Ich liebe die Bestzung! Als großer Fan von Emily Blunt, Jim Broadbent, Paul Bettany und Mark Strong habe ich mich immer wieder wie ei Keks gefreut. Mark Strong gilt ja mittlerweile als der klassische Bösewicht, auch gerne in Kostümfilmen, und meistert die Rolle nach wie vor grandios.
Übrigens gewann der Film einen Oscar für das Kostümdesign von Sandy Powell, so dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr sagen muss, wie wundervoll bereits die Optik dieses Filmes ist. Das tolle, worüber ich immerzu schmunzeln muss, sind einige Szenen, die Wilton House [A Day out in Salisbury], wo ich im Sommer war, gedreht haben. Das Drehbuch stammt aus der Hand von Julian Fellows, dem wir auch Downton Abbey zu verdanken haben, so dass ich glaube, dass auch DA-Fans sich über ‚The Young Victoria‘ freuen werden.

Ebenfalls amüsant ist es, den Film im Orignalton zu sehen (die Synchro ist allerdings sher gut), weil einige Szenen tatsächlich auf Deutsch gesprochen werden, da Albert ein Deutscher war – was tatsächlich sehr zum Schmunzeln einlädt und bei Rupert Friend recht putzig klingt.

THE VERDICT: Alles in einem ist es ein schöner, herzwärmender Film mit wunderschönen Kostümen und Setting und einer tollen Besetzung, man erfährt ein bisschen mehr über die Königin Victoria, auch wenn sie vielleicht etwas romantisiert dargestellt wird, gefällt mir der Film sehr! Dazu noch ein hörenswerter Spundtrack von Ilan Eshkeri, was soll man noch sagen? Definitiv  8,5 von 10 Sternen!

Love, Katha