Schweiz-Reise #3: Domodossola und Thunersee

Grüezi!

Wenn man schon in der Schweiz ist, kann man auch einen kleinen Ausflug nach Italien planen, oder nicht? Dadurch, dass die Schweiz entzückend klein ist und ein sehr effektives Bahn-Netz hat, kann man durchaus schnell von Bern bis zur Grenze fahren und weiter in die kleine Gemeinde Domodossola, deren Besuch ich von Herzen empfehlen kann!

Das schöne an Domodossola ist, das es für die meisten Touristen eher ein Durchfahr-Ort ist, wenn man beispielsweise von der Schweiz nach Mailand oder zum Lago di Maggiore will, deshalb ist es dort herrlich untouristisch – man darf gleichzeitig aber auch keinesfalls erwarten, dass jemand Englisch spricht, offenbar nicht mal von jungen, gleichaltrigen Menschen, was mich ein bisschen schockiert hat, da man zumindest hier in Deutschland ein Minimum an Englisch gelernt hat, bevor man die Schulpflicht erreicht hat. Wie dem auch sei, war es ein wirklich schöner Ausflug, der mich stark an meine Kursfahrt in Rom erinnert hat dank der vielen verwinkelten Gassen, den engen Häusern, die satte Gewürzfarben oder ein zartes Pink tragen und dieser besonderen, herzerwärmenden, nostalgischen Heruntergekommenheit und den vielen alten Laternen, die einen unglaublich romantischen Charme haben.
Allerdings, und das sei gesagt, habe ich mich wohler gefühlt als in Rom: Obwohl die Altstadt von Einheimischen gut besucht war, kann man keineswegs davon sprechen, dass es voll war. Zur Mittagszeit waren die Geschäfte zu, alle machten ihre Siesta, die Menschen saßen draußen in Cafés und schlürften gut gelaunt, wie ich auch an vielen Stellen in der Schweiz es gesehen habe, Aperol Spritz. Hier versuchen glücklicherweise keine aggressiven Mofa-Fahrer einen auf Fußgängerwegen „ausversehen“ zu überfahren und trotz, dass alles sehr alt aussieht, ist es keineswegs dreckig oder unangenehm, sondern hat italienischen Charme. Es ist eigentlich unmöglich, sich nicht in diese kleine Gemeinde zu verlieben und die strahlende Sonne tat dazu bei.

Natürlich wandte ich wie immer meine Lieblingstaktik an, um eine fremde Stadt zu erkunden: Einfach wild rumlaufen, von einer Straße in der nächste Gasse, blumengesäumte Hinterhöfe und kleine Cafés entdecken, Italiennerinnen, die sich von den Balkonen gegenüber lautsrak unterhielten, beobachten und natürlich selbst etwas furchtbar einheimisches tun und Campari oder Aperol trinken.
Leider sind einer der maßgeblichen Unterschiede, die man merkt, wenn man in Italien ist, die Preise, besonders wenn man Essen gehen möchte: Moderate Preise, alles ist sehr gut bezahlbar.

Ebenfalls faszinierend fand ich, dass wenn man den Tunnel zwischen der Schweiz und Italien überwunden hat, nicht nur die Temperaturen deutlich anders sind, sondern auch das Grün der Wälder etwas gelblicher und wärmer wirkte, während es in der Schweiz oft leuchtend dunkelgrün ist.

Ein paar Impressionen:

Nach dem Ausflug nach Italien ging es aber noch zum wunderschönen Thunersee, der praktischerweise auch direkt auf der Strecke zwischen Visp und Bern lag. Dieser See schafft es auf wunderbare Weise all die Schönheiten der Schweiz zusammenfasst: klares, türkises Wasser, umgeben von Bergen, die Wälder säumen und an deren Spitzen der weiße Schnee leuchtet und unten im Tal die vielen kleinen Boote und Yachten, die neben wunderschönen Walserhäsuern und Palmen (ja, wirklich!) parken. Wir haben mit der Fähre der BLS eine Fahrt über den See gemacht, was, obwohl es leider teuer ist, ich wirklich empfehlen kann, da man so einen schönen Ausblick bekommt und die vielen kleinen Gemeinden am See sieht mit ihren bezaubernden Kirchen und Schlössern.

Mich beschlich zu diesem Zeitpunkt ein merkwürdiges Gefühl, dass in der Schweiz alles sehr ähnlich aussah (Walserhäuser, türkises Wasser, alles teuer, nette Menschen, sehr viel grün) und irgendwie auch nicht. Natürlich, überall sind Berge und Seen, aber deren Schönheit und das Wiederentdecken von noch einem kristallklaren See und noch einer blumenbesprenkelten Wiese hat etwas sehr kostbares und schönes an sich. Vor allem merkte ich, wie ich nach den ersten paar Tage nicht nur körperlich, sondern auch geistig sehr weit weg von Berlin (und all dem Stress dort) war und einfach mich in der weiten, alpinen Ferne und ihrer Unbeschwertheit verlieren konnte. Es braucht nicht unbedingt ein Urlaub in die Schweiz, um sich entspannen zu können, aber ich verstehe nun, weshalb Menschen das machen, denn in der Tat hat die Schweiz etwas so fernes vom Alltag und etwas sehr erholsames und friedvolles mit den großen Bergen und der guten Luft.

Im Vierten und letzten Teil geht’s richtig in die Alpen. Stay tuned!

Love, Katha

Die langen Tage von Castellamare

https://i0.wp.com/www.ullsteinbuchverlage.de/typo3temp/_processed_/csm_9783471351307_cover_a6306cfc7a.jpgAutor: Catherine Banner
DT: Die langen Tage von Castellamare
OT: The House at the Edge of the Night
Genre: Familienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: List
Preis: 18 Euro (gebunden)
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3-741-351307

Das ehemalige Findlingskind Amedeo Esposito erhält Anfang des 20. Jahrhunderts eine Stelle als Arzt auf einer kleinen Insel vor Sizilien namens Castellamare. Die kleine Gemeinde untersteht dort, wie zu dieser Zeit in Italien gar nicht mehr üblich, dem Befehl des Conte. So lebt sich Amedeo auf der in der zeit etwas ziürckgebliebenden Insel ein und schreibt in einer kleinen roten Kladde die Mythen und Sagen der Insel auf. Doch eines Tages geschieht etwas seltsames: in einer Nacht werden zwei Kinder geboren, sowohl das seiner Geliebten als auch seiner Frau Pina – und plötzlich gerät der junge Arzt in ein Schlamassel. Die Inselbewohner, die an die heilige Agata glauben, denken, es sei ihr Wunder. Gleichzeitig verliert Amedeo durch diesen Skandal seinen Beruf und gründet, um mit seiner Frau auf der Insel überleben zu können eine Bar.

Die Geschichte erzählt sich über ganze vier Generationen, von 1914 bis 2009, von Amedeo bis zu seiner Urenkelin Lena. Dabei erlebt die Insel viele Skandale, de facto Dorftrasch, geh durch Zeiten von Faschismus und Kommunismus, erlebt Modernisierungen, Krisen und zieht die verschiedensten Leute an. Mittelpunkt für die Espositos bleibt natürlich ihre Bar „Das Haus am Rande der Nacht“, die mal mehr, mal weniger von den Familienmitgliedern der Espositos geliebt wird.

Das Herz des Romans macht nicht nur die Umgebung aus, sondern vor allem die Charaktere. Dabei werden besonders drei Figuren in den Vordergrund gestellt und aus ihrer Perspektive erzählt (allerdings mit einem personalen Erzähler): Amedeo, seine Tochter Maria-Grazia und ihre Enkelin Maddelena. Zusammen bilden sie mit ihren Geschwistern und Geliebten ein riesiges Familiengerüst. Es ist so berührend, mitzuerleben, wie Figuren über ein ganzes Jahrhundert wachsen, lieben, streiten und altern. Zusätzlich zu den schrulligen an Sant’Agata glaubenden Dorfbewohner ergibt sich ein kunterbuntes, extrem lebendiges Dorfleben.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich die ersten fünfzig Seiten gebraucht habe, um mich richtig auf Castellamare einzuleben, denn am Anfang, als Amedeo auf die Insel kommt und seine seltsame Affäre hat, lamentiert der Roman etwas – vielleicht auch, weil sich Amedeo selbst so gefühlt hat, jedoch brauchte ich Zeit, um mich zu orientieren, doch als ich endlich begriff was geschah und Amedeo mit seiner Vaterschaft zunehmend ein identifizierbarer Charakter wurde und er mit der wunderbaren Pina die Bar gründete, da  begann ich es zu mögen und daraus wurde schließlich eine kleine, italienische Liebe.

besonders der ruhige und malerische Schreibstil Catherine Banners hat es mir angetan, das Buch liest sich so gemütlich und symbolisiert ein bisschen die italienischen Gelassenheit der Insulaner. Natürlich gibt es dann und wann auch sehr tragische, schrecklich spannende Momente, doch im großen und ganzen ist das Buch von einer unglaublich ansteckenden Ruhe umgeben, die zu tiefst berührt.
Letztlich glaube ich, dass sich dieser Roman genau in diesem Punkt von der typischen Familiensaga mit ihren dunklen Geheimnissen und Aufdeckungen abgrenzt und viel mehr ein sehr realistisch wirkendes und sehr bewegendes Familienportrait erzählt. Es ist also nicht im klassischen Sinne wirklich „fesselnd“, sondern greift auf anderer, gefühlvolleren  Ebene.
Besonders gefallen hat mir, dass Banner vor jedem neuen Abschnitt – das Buch ist in mehrere Teile gegliedert inklusive Jahreszahlen – mit einer Inselsage beginnt und gewissermaßen Amedeos Vermächtnis aufgreift.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die wichtigen Ereignisse der italienischen Geschichte bzw. der Geschichte des 20. Jahrhunderts stets eingebettet werden, wie auch neuste Erfindungen, z.B. der Fernseher und die Modernisierung einer ziemlich heruntergekommenen Insel.

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englische Ausgabe, Random House

Das einzige, was mich tatsächlich etwas verwirrt, ist das Cover. Zum einen finde ich zwar das hellblau wunderschön und es erinnert an da Meer um Sizilien, zum anderen passt es nicht ganz zum Roman. Genauer gesagt, das Foto darunter. Ich habe einen leichte Idee, dass es die Tochter von Amedeo, Maria-Grazia und ihre beste Freundin abbilden könnte, ganz sicher bin ich mir allerdings nicht. Als ich schließlich das englische „original“ Cover googelte, war ich aus dem Häuschen. Ebenfalls in Blautönen, aber auch mit dem im Roman ständig erwähnten Blumenranken wirkt es magisch und mystisch – genau, wie Catherine Banner die Insel beschreibt.
Das deutsche Cover wirkt meines Erachtens, grob gesagt, wie ein Standarderwachsenenlitertaurcover und lässt das Buch langweilig aussehen.
Gleiche Kritik an diesen nichtssagenden deutschen Titel…

Zu guter letzt eine kleine Anmerkung: Dieses Rezensionsexemplar habe ich auf der Seite Vorablesen gewonnen (und bin sehr glücklich, ein tolles Buch so kennengelernt zu haben!)

THE VERDICT: Ein bewegendes, wunderschön geschriebenes und ruhiges Buch über eine Familie eingebettet in ein ganzes Jahrhundert, welches mit seinen Beschreibungen auch Lust auf Italienurlaub macht. 8 von 10 Sternen

Love, Katha

Quellen:
deutsches Cover
englisches Cover

Die ewige Stadt – Rom

Hallo Leute!

Wie es Ende des 2. Semesters üblich ist, bin ich mit meinen Leistungkursen auf Bildungsreise gegangen, oder um es genauer zu formulieren: 45 laute, Berliner Deutsch- und Geschichsleistungskursler beschlossen bei einem Hitzehoch die ewige Stadt im Herzen Italiens zu besuchen: Rom.

Die Anreise

Es war schon abenteuerlich genug, überhaupt in Rom anzukommen, denn wie es mir scheint, haben die Italiener ein sehr entspanntes Verhältnis zu Zeit und so kam unsere AirBerlin-Maschine zwar pünktlich in Berlin an, aber wir saßen bzw. standen eine 3/4 Stunde am Gepäckband, bis überhaupt das Gepäck unserer Maschine auf die Rollen kam. Da ich das letzte Mal vor bestimmt 7 Jahren geflogen bin und mich nicht wirklich an das Aussehen eines Flughafens noch an den Flug selbst erinnern konnte, war das schon ziemlich aufregend für mich. Mit Freuden konnte ich sogar feststellen, dass mir das Fliegen zwar ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber auch Freude bereitet, die besonders durch den wunderschönen Blick über die Alpen bekräftigt wurde.

Unsere Gruppe sollte in einem Kloster im Herzen der Stadt übernachten – wir hatten alle in etwa eine Vorsterllung dass es nicht besonders modern werden würde, aber als uns Pater Matteo erwartete, um uns eine Predigt zu halten und uns „willkommen“ zu heißen, war einem, als bekäme man einen kalten Kübel Wasser über den Kopf geschüttet. Er erzählte uns mit einem strengen Akzent, dass das Kloster Vatikanischer Boden sei und deshalb andere Regeln als draußen in Italien herrschten. Wer nicht um 23 Uhr zu Hause war, wurde nicht nur nicht mehr reingelassen (er empfahl uns darauf einige Brücken zum nächtigen), sondern auch am nächsten Tage rausgeworfen. Dazu kamen Kleidervorschriften, bestimmte Essenszeiten die nach der Pünktlichkeit seiner Schweizer Armbanduhr eingehalten werden müssten. Doch da bekamen wir die Zimmer zu sehen, welche einem quadratischen Raum mit hoher Decke und einem Metallgestell mit einer Matte, ganz wie ein Lazarett, entsprachen. Unser Zimmer lag zur Straße raus und die Hitze war so unerträglich, dass wir genötigt waren, das Fenster offen zu halten und selbst um halb zwei Hubkonzerte der Via del Plebiscito anzuhören. Über das Bad und den Schimmel möchte ich eigentlich nicht mal reden. Das Frühstück fiel mehr als spartanisch aus – und ich wollte, ohne etwas von dieser faszinierenden Stadt gesehen zu haben, eigentlich nur noch nach Hause.
Zum Wetter lässt sich zusammenfassend für die fünf Tage sagen, dass es nicht nur einfach unerträglich heiß war, sondern durch die engen Gassen begünstigt, fast kein erfrischender Hauch von Wind pustete. Schatten war ebenfalls selten, was unter anderem daran liegt, dass kaum ein Baum in Rom steht, außer vereinzelte Pinien, in denen aggressive Zikaden Konzerte veranstalteten, um ein Weibchen zu ergattern. Wer mag, kann sich hier dieses grausame Surren des Todes anhören.

Das Programm

Trotz der weniger berauschenden Umstände gab es natürlich sehr viel zu besuchen und so sahen wir am ersten Tage das Forum Romanum, das Pantheon und die spanische Treppe. In den nächsten Tagen ging es mit dem Casa di Goethe und einer Tour durch das faschistische Rom weiter. Am Mittwoch erfolgte ein Besuch in die vatikanischen Museen und die sixtinische Kapelle. Da sich die Tour etwas verzögerte und wir stets zu Fuß unterwegs waren, mussten wir in einem stringenten Schritttempo fast schon zum Kloster rennen, damit wir unser Mittagessen erhielten (Unpünktlichkeit bestraft Pater Matteo in diesem Fall mit Hunger). Am späten Nachmittag ging es schließlich zum Kolosseum, wobei ich ziemlich überrascht war, da ich es mir größer vorgestellt habe. Den Abend rundeten Gian und ich mit leckeren italienischen Essen im Trastevere-Viertel. Wobei hier gesagt werden muss, dass man in Rom unverschämte Preise hatte und aufpassen musste, dass man nicht für Gedeck und allerlei Extrakosten zahlen musste. Doch bei Sloppy Sam’s hatten wir wirklich Glück und konnten Mitten in dem Viertel schlechthin mit einer Menge Flair essen, weshlab ich das Restaurant an der Piazza Campo de Fiori nur empfehlen kann.
Besonderes Highlight war der Strand von Ostia als Abschluss der Fahrt, wobei unsere Lehrerin dort angekommen feierlich verkündete, dass nun die Bildungsreise vorbei sei und der Urlaub beginne. Da dies das dato südlichste, was ich je besucht hatte, war und dementsprechend auch nicht das Mittelmeer kannte, war ich ganz aus dem Häuschen. Das Meer schlug große, salzige Wellen und alle quietschten vor Freude, sich endlich aus der Hitze und den täglichen 20-Kilometer-durch-Rom-Wanderungen ins kühle Nass werfen zu können. Zuvor mussten wir noch gut zwei Stunden durch die Ruinen des antiken Ostia latschten und sahen circa das, was wir schon von den letzten Tagen Rom kannten: Ruinen ohne Ende mit dem etwas monoton sprechenden Fremdenführer.

Und hier ein paar Impressionen:

 

Und nun wieder in Berlin angekommen, müde, fertig, bereichert, freue ich mich über gut 20 Grad Celsius und bewölkten Himmel – es hat seinen Charme. Es war eine abenteuerliche Fahrt durch eine Stadt mit aggressiven Autofahrern, wunderschönen Sonnenuntergängen und definitiv eine Reise in die Vergangenheit. Wart ihr schon ein mal in Rom? Wie fandet ihr es?

Da auch Gian dabei war, könnt ihr hier seine Eindrücke dieser abenteuerlich-verschwitzen Romfahrt lesen, mit einer noch ausführlicheren Bildergalerie zum Kloster.

Love, Katha