Gottes Werk und Teufels Beitrag

Autor: John Irving
OT: The Cider House Rules
DT: Gottes Werk und Teufels Beitrag
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (US): 1985
Verlag: Diogenes
Preis: 14.90 €
ISBN: 9783257218374
Länge: 833 Seiten

Homer Wells wächst in einem Waisenhaus in einer kleinen Gemeinde namens St. Cloud’s im US- Bundestaat Maine auf. Nach mehreren gescheiterten Adoptionsversuchen, entschließt sich das Personal Homer zu behalten. Er wird älter und es scheint unvermeidlich, dass Homer eines Tages herausfindet, dass der leitende Arzt des Waisenhauses nicht nur Geburten, sondern auch gegen das Gesetz Abtreibungen durchführt. Als der Arzt schließlich den Teenager Homer fragt, ob er nicht bei ihm Medizin lernen wolle, kommt der Stein ins Rollen und eine Odyssee beginnt.

Vor längerem hab ich mal einen Text gelesen, in dem sich einer meiner Lieblingsautoren, Benedict Wells, dazu äußert das die Romane „Gottes Werk und Teufels Betrag“ sowie „Das Hotel New Hampshire“ des amerikanischen Autors John Irving ihn inspiriert hätten, Autor zu werden – das konnte ich nicht ignorieren, vor allem seit dem mich dieser Roman mit dem roten Apfel und dem faszinierenden Titel auf dem Instagram Account @paper.and.poetry mehr oder minder verfolgt hat. Also habe ich meine kleine Abneigung gegen dicke Bücher über Bord geworfen und den Roman zu meinem September-Urlaub bei den Großeltern mitgenommen – und absolut verschlungen!

Kleine Anmerkung am Rande: Ich finde sowohl den englischen Original-Titel „The Cider House Rules“ (also: die Regeln des Cider Hauses) als auch den deutschen „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ sehr passend. Beide beziehen sich auf andere Aspekte des Romans, treffen aber den Nagel auf den Kopf. In gewisser Weise kann man das Buch auch in genau diese zwei Teile einteilen. Allerdings finde ich, dass der deutsche Titel viel spannender und mysteriöser (und vielleicht auch verlockender) klingt, als das Original.

Ich erwischte mich öfters dabei, wie ich mich hinsetzte, um kurz ein paar Seiten zu lesen und nach 70 Seiten kurz aufzuhorchen, um festzustellen, wie schnell man diesen dicken Schinken wegliest. Ich würde nicht sagen, dass es ein fesselndes Buch ist, denn man kann es durchaus mal für einen Tag bei Seite legen, sondern eher ein kurioses Buch, bei dem man, erstmal angefangen zu lesen, überhaupt nicht mehr wegkommt – und doch lohnt es sich, immer mal wieder den Roman bei Seite zu legen und etwas über Geschehen und iNhalt zu sinnieren, denn Irving grast zweifelsohne auch ernste Themen ab, die aber überraschenderweise nie schwer wirken und einem auf dem Magen liegen. Ich bin wirklich beeindruckt von der Leichtigkeit, der Frische des Romans.

Ich glaube nicht, dass es eines meiner Lieblingsbücher wird, auch wenn es herrlichen schrullig und angenehm ist, weil mir dazu vielleicht das gewisse Etwas fehlt und der Roman manchmal auch ein bisschen zu tief in die ulkige Kiste greift, aber nichtsdestoweniger ist es ein toller, empfehlenswerter Roman, der auch perfekt ist, wenn man sich geistig einfach ablenken will. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich erstens die Verfilmung des Romans sehen möchte und zweitens weitere Romane Irvings kennenlernen möchte, denn dieses Buch hat echt Spaß gemacht.

THE VERDICT: Ein etwas anderes Buch, ganz anders als erwartet: ich wurde positiv überrascht von der angenehmen Schlichtheit von Irvings Schreibstil, von der Tragikomik der Handlung, von den ersten und den fröhlichen Tönen und wie ein so dickes Buch nie langatmig wirkt, sondern stets etwas von Frische mit sich bringt. Nicht umsonst gilt „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ bereits als moderner Klassiker. 8.5 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Tagebuch einer Lady auf dem Lande

Autor: E.M. Delafield
DT: Tagebuch einer Lady auf dem Lande
OT: Diary of a provincial lady
Genre: Erzählung
Ersterscheinung: 1930
Verlag: Manhatten
Preis: 6.99 Euro
Länge: 208 Seiten
ISBN: 978-3442546916

Südengland in den dreißiger Jahren: mitten auf dem Lande schreibt eine Lady ihr Tagebuch, schildert alltäglich Verzweiflung an den spießigen Nachbarn,  Zynismus an der reichen Lady, die sie beneidet, Ernüchterung an ihrem Nichtsnutz an Ehemann und ihren Geldsorgen.

Bei diesem Buch spüre ich ein ähnliches Gefühl wie bei Timur Vermes‘ „Er ist wieder da“ – ich wollte es wirklich mögen, ich habe die ersten 100 Seiten auch genossen und gut gelacht und oft geschmunzelt über die bissigen Bemerkungen der Lady, doch irgendwann war es einfach nur immer wieder dasselbe (zum Glück ist es ein kurzes Buch) mit einem merkwürdig abrupten, unbefriedigendem Ende.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Einträge wunderbar lustig als tägliche Glosse sind und auch wirklich gut das Gefühl und die Dekadenz des Landadels in dieser sich stark wandelnden Zeit darstellt, aber so wiederholend, wie es geschrieben ist – auch wenn ich einsehe, dass diese Leben auf dem Land mindestens genauso wiederholend ist – langweilt es nach einer Weile und verliert den Esprit den es hatte. Um es gerade heraus zu sagen, so vielversprechend, wie es anfing, habe ich wirklich mehr erwartet.

Dabei fällt es recht scher mit überhaupt einer der Personen zu sympathisieren, weil alles so hochgestochen und teils auch sehr falsch schein und unsere Protagonistin auch einige Fehler hat – wie sich selbst stets als das Opfer anzusehen -, welche die wenigen Sympathiefunken wettmachen. Auch wenn es zu den modernen Klassikern gehört und ich die Weitsicht und den Hauch von modernen Ansichten in einer altmodischen Gegend erkannt habe, denke ich keinesfalls, dass es ein Buch ist, dass man gelesen haben muss.

Zu dieser Ausgabe: Selten hat mich eine Ausgabe so aufgeregt wie diese. Nicht nur ist dieses in keinerlei Weise passendes Cover eine optische Beleidigung, sondern die Idee die Übersetzungen die französischen Sätze Mademoiselles in einen Anhang (und nicht mal alles zu übersetzten, sondern nur längere Sätze oder ganz inkonsequent dann und dann einzelne Wörter) zu stecken. Ich spreche leider kein Französisch und fand es entsprechend sehr nervig ständig blättern zu müssen – Der Gebrauch von Fußnoten war wohl nicht bekannt.

THE VERDICT: Ein klassischer Fall der U-Bahn-Lektüre: flott, kurzweilig, recht amüsant, aber leider nicht nachhaltig beeindruckend und oft wiederholend. Ich hatte mehr erhofft! 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Unsere Seelen bei Nacht

Autor: Kent Haruf
OT: Our Souls at Night
DT: Unsere Seelen bei Nacht
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Orignial Ersterscheinung: 2015
Verlag: Diogenes
Preis: 20 Euro (Gebunden)
ISBN: 978-3257069860
Länge: 208 Seiten

Als Addie Moore bei ihrem Nachbarn Louis Waters an der Tür klingelt, ahnt er noch nicht, wie sehr das sein Leben verändern wird. Addie macht ihm einen Vorschlag: Da ihre beiden Partner ja verstorben seien und es Nachts doch so einsam sei, könne er dann nicht ab und zu bei ihr übernachten? Etwas verwirrt und von sich selbst überrascht stimmt Louis schließlich zu. Doch in einer Kleinstadt bleibt nichts geheim. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und nicht nur die gleichaltrigen Nachbarn schämen sich, sondern auch ihre eigenen Kinder wollen sie überzeugen, dass sie einfach nur peinlich sind. Addie und Louis entpuppen sich jedoch schnell als starkes Team.

In erster Linie hat mich der bezaubernde Titel dieses Buches angelockt, er wirkte so ehrlich und melancholisch. Vielleicht hätte ich das Buch nicht gelesen, wenn ich kein Rezensionsexemplar gewonnen hätte. Deshalb bin ich gleich doppelt glücklich, denn dieser kurze, bewegende Roman ist eine Bereicherung!

Was als erstes sofort auffällt: Es gibt keine Anführungszeichen bei wörtlicher Rede. Zunächst war es unglaublich gewöhnungsbedürftig, mir war, als fehle es dem Buch einfach an Form. Doch spätestens nach 10 oder  15 Seiten wirkte dieser freie, einfache Schreibstil so herrlich echt. Es ist faszinierend, wie Haruf nahe zu nur mit wörtlicher Rede es schafft, zwei tolle Charaktere mit liebevoller Urigkeit und Tiefe zu bilden. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es mir so gut gefallen könnte. Denn auch wenn ich Dickens, Fontane und Goethe für ihren imposanten, teils ausschweifenden Stil liebe, zeigt Haruf, dass es auch anders geht, ohne dass die Iinhaltliche Qualität oder die Plastizität der Figuren darunter leiden – ganz im Gegenteil!

Außerdem heißt es, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda und Robert Redford in Vorbereitung sei. Denn gerade auf Grund des Drehbucharigen Charakters dieses kurzen Romans kann ich mir vorstellen, dass eine authentische Verfilmung hier gut möglich seien. Ich bin sehr gespannt auf diesen Film!

Mir gefällt nicht nur die Einfachheit dieses Buches, sondern auch, wie es mich aus der Reserve gelockt hat, meine Vorurteile über „einfach“ geschriebene Bücher in einem Zack verloren gegangen sind. Ich bin mehr als positiv überrascht. Der englische Begriff „Straightfoward“ trifft es wohl am besten, schlicht, direkt, mitten ins Herz.

Andererseits muss ich sagen, auch wenn es eine wunderbare, leichte Geschichte ist, wie ein schöner Sommertag, den man genießt, kann ich es mehr als Lektüre für Zwischendurch empfehlen, wenn man etwas heiteres, was aber auch nachdenkliche, berührende Seiten hat, braucht. Am besten im Sommerurlaub. Denn auch, wenn es mir gefällt fehlt mir ein Funken, damit ich sagen kann, dass ich es wahrlich liebe.

Was mir das Herz bricht ist, wie viel Liebe in den Charakteren steckt und wie gerne man noch viel mehr von ihnen und mit ihnen erfahren möchte, aber man weiß, da es Harufs letztes Buch ist, dass keins mehr erscheinen wird. Allerdings – das sei gesagt – weiß ich jetzt schon, dass ich mehr von diesem Autor lesen möchte.
In dieser Hinsicht kann man das Buch als vielfach erfolgreich bezeichnen: Es hat geschafft mich zu begeistern und für mehr zu inspireren.

Zu dieser Ausgabe: Das schlichte Diogenes-Cover mit der gelben Hauswand und den sommerlichen Lichtflecken passt gut zu der warmen, frischen Stimmung des Buches und dessen Inhalt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich den Preis für ein recht dünnes und groß gedrucktes Buch etwas happig finde, auch wen der Inhalt wunderbar ist.

Zu Guter letzt möchte ich der Seite „Vorablesen“ danken, dass ich dieses tolle Rezensionsexemplar erhalten habe.

THE VERDICT: Ein besonderer, manchmal lustiger, meist bittersüßer Roman in schlichter, präziser Sprache über das Altern und dass man nie zu alt für irgendwas Neues ist. 8 von 10 Sternen

Love, Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

We’re all made of glue

Hallo!

Zunächst wünsche ich jedem Leser natürlich einen guten Start in den Mai 😉

Es gibt immer Bücher, die man liest und zu einer bestimmten Kategorie gehören, die man gerne liest. Bei manchen sind das Abenteuerbücher, Sci-Fi, Thriller, Liebesgeschichten und weiß der Geier was. Bei mir sind es mit Tendenz Abenteuer- und Historienromane bzw. Klassiker. Meistens jedenfalls, denn es gibt diese eine, etwas schräge Autorin, deren Bücher von sehr seltsamer Natur sind, die ich aber dennoch gerne lese, obwohl sie aus der Reihe fallen (oder vlt gerade deshalb?).

Autor: Marina Lewycka
Titel: Das Leben kleben
Genre: Humor
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2010
Verlag: dtv
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3423213493
Länge: 464 Seiten

Sie begegnen sich zufällig an einem Müllcontainer: Georgie Sinclair, neuerdings alleinerziehende Mutter, und Mrs Shapiro, eine verschrobene alte Dame mit sieben Katzen, einer Vorliebe für Schnäppchenjagd und die großen russischen Komponisten – und einem Geheimnis aus der Zeit des Krieges.“

Copyright©Deutscher Taschenbuch Verlag

Es sollte der Sommer werden, in dem ich alle bis dato von Marina Lewycka verfassten Bücher lesen sollte, ihr damals neustes war mein Erstes. Georgies Leben ist ziemlich verwahrlost und durcheinander: sie schreibt über Klebstoff in einem Fachmagazin und ihr Sohn zieht sich im Internet Weltuntergangwebsites rein. Sie begegnet der sehr komischen und schrulligen Naomi Shapiro, die in einem riesigen Haus lebt, auf welches die Makler ein Auge gefasst haben und sie deshalb unbedingt in ein Altersheim einliefern wollen – ganz gegen ihren Willen. Georgie stürzt in ein Abenteuer, welches wohl das Chaos in Person ist und ihr Leben wird eine 360 Grad Wendung machen.

Die Geschichte wird mit einer enormen Herzenswärme und Selbstironie erzählt, die einen mit jenem genialen Humor aber auch aberkomischer Tiefheit zum Lesen zwingen. Es ist mir, als beweise dieses Buch, das die ganzen verrückten, humorvollen Romane, wie z.B. Jonas Jonassons „Hundertjähriger“ nichts gegen so menschliche Geschichten sind, die einem den wohl schönsten Humor auf die Lippen zaubern. Skurril, urig, eigen – und zauberhaft geschrieben, dieses Buch hat einen eigenen Charakter, was ich nur als hervorragend befinden kann!

THE VERDICT: Manchmal ist der Roman schon heftig, wie z.B. als Georgies Sohn einen epileptischen Anfall bekommt. Aber mit all den Makler Intrigen, des großen Familiengeheimnisses der Mrs Shapiro und der tollen Ich-Erzählerin Gerogie, kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Denn irgendwie ist er auch Klebstoff für einen selbst.Außerdem ist das Cover, wie bei allen Lewycka-Büchern sehr ansprechend und lustig! Ein kleiner Abzug auf Grund des etwas schmalzigen Endes, das nicht unbedingt mit dem Rest des Romanes harmoniert.  8 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Optimismus ist die Fähigkeit, den blauen Himmel hinter Wolken zu ahnen.“ – Madeleine Robinson