Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

Die Schwester des Tänzers

Autor: Eva Stachniak
DT: Die Schwester des Tänzers
OT: The Chosen Maiden
Genre: Historischer Roman, Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Insel Verlag
Preis: 15.95€ (broschiert)
Länge: 570 Seiten
ISBN: 978-3-458-36178-7

Der Roman handelt von dem russisch-polnischen Duo, der Tänzerin Bronislawa Nijinksa und ihrem Bruder Waslaw Nijinska, die im 19. Jahrhundert in der Truppe „Ballet Russes“ Weltruhm erreichten und heute noch eine wichtige Rolle im Ballett spielen. Hier wird die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars zum Roman.

Schon von klein auf, war Bronislawa Nijinska dazu bestimmt, eine Ballerina zu werden, viel harte Arbeit, die Strenge ihrer Eltern, beide ebenfalls Tänzer, bestimmen das Leben des Mädchens. Auch ihre beiden Geschwister Stassik und Waslaw ist dieses Schicksal vorherbestimmt. Gemeinsam wachsen sie Anfang des 20 Jahrhunders in Sankt Petersburg auf. Während es sich herauskristallisiert, dass Waslaw zum Tanzen geboren ist und mit Leichtigkeit auf der Bühne schwebt, steht Bronia in seinem Schatten. Doch auch in ihrer Familie gibt es Veränderungen und Russland erlebt zeitgleich ebenfalls eine Umwälzung.

Der Roman spielt zwischen 1894 und 1939 ,ist in mehre Lebensabschnitte gegliedert und wird aus Bronias Perspektive erzählt, manchmal springt sie zwischen den Zeiten und macht Überlegungen, die sowohl Vergangenheit als auch Zukunft berühren können.
Anders als alle anderen Bücher die ich bisher las, verwendet Eva Stachniak eine sehr besondere Erzählweise: Es wirkt, als spräche man mit der alternden Bronia, ähnlich wie eine alte Dame, die von ihrem Leben berichtet. Es gibt kein Jetzt,  fast wie eine Biografie, bloß in dem Stil, ja in dem Gewand eines Romans, wird von den Höhen und Tiefen, Kämpfen und Schwierigkeiten eines Lebens berichtet. Dabei ist die Geschichte so detailliert, dass es fast schon unmöglich scheint, so genau recherchiert zu haben, doch es kann ja gar nicht anders sein, weil Stachniak es schafft, sehr authentisch und überzeugend zu schreiben.
An die etwas eigentümlichen Schreibstil muss man sich jedoch gewöhnen. Selbiges gilt für polnische Begriffe, die jedoch fast immer übersetzt werden und natürlich Ballett-Fachvokabular. Als großer Fan des Balletts, und weil ich in meiner Kindheit für mehrere Jahre selbst getanzt habe, waren mir die Begriffe natürlich vertraut, allerdings kann man als Neuling sich damit schwer tun, denn Stachniak legt viel Wert auf einzelne Tanzseuqenzen und ihre Beschreibungen.

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Als einen großen Nachteil empfand ich, dass ich mit Bronia nie richtig warm werden konnte. Sie war stets da, stets faszinierend, ihre Entscheidungen waren manchmal seltsam, unbegründet, abrupt, aber häufig nachvollziehbar. Was bleibt, ist jedoch die Distanz zum Charakter, sie wirkt kalt und streng und in den wenigen Momenten, wo sie aufweicht, sie etwas berührt, bleibt die Handlung so kurz, wie bei ihrer ersten Schwärmerei, das eine Gefühl von Resignation bleibt. Sie erlebt dabei so viel, das reiche für einen ganzen Tolstoi-Roman! Schicksalsschläge, Leid, Freude, aber mit dem Erzählstil verblaßte dieses Potential in Mittelmäßigkeit.

Neben Bronia spielt natürlich ihr begabter Bruder Waslaw eine Rolle. Es ist wirklich beeindruckend, wie stark Bronia Neid, Missgunst und diesem Schatten trotz, sie ist eine starke Frau, aber neben ihrem Bruder fast unsichtbar. Dieser ist recht sonderbar, impulsiv, wird gehasst und geliebt, es wirkt, als sei er am Rande des Wahnsinns, ein Mensch, der besessen vom Ballett, besessen von Revolution im Tanz, sich selbst nicht versteht. Letztlich war er für mich stellenweise sehr viel interessanter als seine Schwester, aber die Idee, das Licht auf die historisch weniger bekannte Figur zu setzten, ist eine schöne.
Nur leider ist die Umsetzung, wie schon erwähnt, manchmal unglaublich schwer zugänglich, Bronia lebt, aber nicht so richtig vor meinem geistigen Auge. Interessant ist der Roman alle mal, nur leider fehlt es an Energie und an Spannung. So las ich das Buch nebenbei in der Bahn, fasziniert vom Ballett, von diesem Leben, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Vielleicht waren meine Anforderungen aber zu hoch, denn für eine Biografie ist das Buch sehr gut, nur nicht für einen Roman. Vor allem das Ende hinterließ mich mit Fragen, es war alles und nichts gleichzeitig.

Allerdings möchte ich das wunderschöne Cover loben, es wirkt herrlich winterlich, ästhetisch und russisch. Leider kommt an dieser Stelle wieder ein Aber! Denn während des Lesens erfährt man wiederholt, dass Bronislawa Nijinska eine kleine, eher muskulös-stämmige Frau war, was die Dame auf dem Bild leider nicht ist. Ferner ist diese broschierte Ausgabe ungewöhnlich , ja seltsam schwer für ein etwas größeres Taschenbuch.

Vielen Dank an die Seite Vorablesen, dass ich dieses Rezensionsexemplar enthalten konnte!

THE VERDICT: Obwohl großartig recherchiert, hinterlässt mich dieses Buch mit einem unbefriedigten Gefühl. Die Ballett-Welt wird hervorragend porträtiert, nur der Hauptcharater bleibt jedoch schwer zugänglich. Meine Erwartungen wurden leider nur halb erfüllt: Die Geschichte ist großartig, aber die Erzählungweise strotzt vor Mittelmäßigkeit. 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Der Medicus

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Autor: Noah Gordon
Titel: Der Medicus
Orignialtitel: The Physician
Genre: Historienroman, Abenteuer
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1986
Verlag: Heyne
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3453471092
Länge: 848 Seiten

„London im 11. Jahrhundert. Nach dem Tod seiner Mutter findet der neunjährige Waise Rob Cole Schutz bei einem Bader und wird sein gelehriger Schüler, bis er eines Tages nach Persien aufbricht, denn dort, im fernen Isfahan, lehrt Ibn Sina Avicenna, der berühmteste aller Ärzte. Rob trotz mutig den Gefahren seiner Reise, Hunger, Rest und den Überfällen religiöser Fanatiker. Unbeirrt folgt er seiner Berufung als Arzt und Heiler.“

Ich muss zugeben, dass ich ein wenig etwas anderes als erwartet, las. Irgendwie rechnete ich mit mehr ‚Blut‘, als dann letztlich vorkam, dafür lernte ich eine Menge über dilettantische Bader und die Pest. Robs Figur ist eine sehr interessante und vielfältige Persönlichkeit, man erfährt sehr viel über sein Innenleben, den Eindrücken und entwickelt sich etwas mit ihm mit: vom kleinen, Ärzte misstrauen Burschen zum großen Heiler mit einer ganz besonderen Gabe.
Seine Gabe ist die zentrale Thematik, die ihn letztlich zum Heiler macht, denn wenn Rob die Hand eines Patienten ergreift, spürt er, ob derjenige sterben wird oder nicht. Besonders gut fand ich, wie die Gabe behandelt wurde, denn in einer Zeit von Aberglaube und Hexenverfolgung hatte Rob natürlich vor sich selbst Angst!

Mit der Zeit wird Rob älter, als er in die Lehre beim Bader eingeht, treten nach und nach seine sexuellen Wünsche vor – und das zeiht sich von dort an fortwährend durch das Buch.
In gewisser Hinsicht ist Noah Gordon ein wenig wie Ken Follett: historischer Roman, nein, dicker historischer Roman, gut geschrieben  (obwohl Follets Stil etwas blumiger und schöner ist), präzise beobachtet und die Zeit gut aufgefasst und ja, mit Sexszenen. Der wesentliche Unterschied ist, dass Ken Follett diese weniger Ärztehaft beschreibt, denn mal ehrlich: Rob kommt einem ziemlich unheimlich rüber, wenn er beim Sex daran denkt, was da alles so medizinisch gesehen passiert. Zudem sind die Szenen immer seltsam nüchtern und leidenschaftslos geschrieben.
Für weitere Fremdschäm-Momente sorgt Robs Schwanzvergleich: sein Glied war größer/kleiner/haariger/dunkler als das von Wemauchimmer und weiß der Himmel. Bitte nicht!
Wer sich nun denkt: was ist denn das? Abgesehen davon ist der Roman wirklich toll! Man lernt Unmengen dazu und ich weiß nicht so viel über die historische Korrektheit dieses Buches, aber ich persönlich finde sie überzeugend. Es wird von dem Leben in einer Karawane erzählt, wie sie funktioniert, wie die persische Welt war mit ihren schmucken Bauten und den fremdartigen Lebenstilen, den Widersprüchen und Streitigkeiten zwischen Religion und Alltag bzw. der Anwendbarkeit religiöser Grundsätze im Alltag – an sich ziemlich aktuell, wenn man bedeckt, dass der Roman im 11. Jahrhundert spielen soll.
Eine weitere Thematik und zentrale Rolle spielt natürlich (besonders zu diesen Zeiten) die Religion. Zudem kann Rob nicht als Christ in Isfahan lernen und so tut er das unglaubliche: er gibt sie als Jude aus und das ist sowohl witzig als auch spannend, weil man sich die ganze Zeit fragt, ob er auffliegen wird. Er wird zum Menschenbeobachter und studiert mit manch witzigen Kommentar die Gewohnheiten und die Religion.
Rob wird einiges leiden und manchmal ist man sich schon ziemlich unsicher um das Schicksal des werdenden Medicus: wird er die Reise überleben (naja, ganz offensichtlich schon, was soll denn die restlichen 500 Seiten passieren)? Was passiert mit der Frau, in welche er sich verliebt? Kann man die ausbrechende Pest stoppen und was ist mit seinen Gefährten: werden sie diese überleben? Ab und an hat man immer ein paar Abstecher in die Perspektive der anderen, mal in die von Mary, die Frau, in welche er sich verliebt, dann Ibn Sina usw. Ich finde das ganz gut, weil man dann auch einen anderen Blick auf Rob bekommt.
Dafür, dass es ein Schinken ist, passiert eine Menge, was gut ist, weil man fortwährend zum Lesen gezwungen wird, denn es ist sowohl spannend als auch unterhaltsam. Man lernt, wird mit Rob erwachsen, fiebert z.B. bei einem persischen Marathon und einer Schlacht mit. Der Stil ist recht präzise, verliert sich ab und an in Details, was ganz schön ist und lässt sich flüssig und gut lesen. Recht ungewöhnlich, aber auch schon beim Schamanen die selbe Problematik: Druckfehler, von fehlenden Buchstaben, Buchstabendrehern und fehlenden Satzzeichen ist ein bisschen war drin.

THE VERDICT: Eine unterhaltsame und lehrreiche Lektüre mit ordentlich Saft und gutem Stil, aber kleinen Mängeln: Robs Sexualitätsdrang war dann doch nach einer Weile etwas nervig und die Druckfehler gehen absolut gar nicht, deshalb kann ich das Buch auch leider nicht ‚Episch‘ nennen, auch wenn es mir sehr gefallen hat. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

„An der Schwelle jeder wissenschaftlichen Betrachtung der Welt steht die Verwunderung.“ – Wilhelm Röpke

My dear I wanted to tell you

Moinsen!

Manchmal liest man querbeet durch alle Genres, an anderen Tagen möchte man sich lieber einem bestimmten Themenbereich widmen und irgendwann gen letztem Jahr, auch durch meinen Downton Abbey Konsum verschuldet, fing ich an, immer mehr Gesellschaftsromane des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu lesen.

Autor: Louisa Young
DT: Eins wollt ich dir noch sagen
OT: My dear I wanted to tell you
Genre: Historischer Roman, Romanze
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2011
Verag: List (Ullstein)
Preis: 18€ (Gebunden)
ISBN: 978-3-471-35047-8
Länge: 432 Seiten

Erster Weltkrieg. Der junge Riley meldet sich freiwillig an der Front. Er findet sich wieder im Wahnsinn des Krieges. Nur Briefe seiner großen Liebe Nadine halten ihm am Leben. Dann wird Riley schwer verwundet und löst unter einem Vorwand die Verlobung. Nadine, am Boden zerstört, lässt sich als Lazarettschwester nach Frankreich versetzen und hofft, Riley dort zu vergessen. Es gelingt ihr nicht…“

Copyright©List by Ullstein Verlage
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Da ich Liebesgeschichten UND den 1. Weltkrieg als Themen mag, ging ich recht optimistisch heran, bereits der Prolog beginnt toll! Aus der objektiven Erzählweise wird dargestellt, wie sich die verschiedenen Charaktere am frühen Morgen des 7. Juni 1917 im Alltag wiederfinden, der durch eine Explosion unterbochen wird. „In London schrak Nadine Waveney in der Krankenstation hoch, hörte das Grollen in der Ferne und fragte sich in einem Augenblick der Verwirrung: Sind sie hier?“ [S.8] „Im Ärmelkanal änderten die Wellen ihre Richtung, widersetzten sich der Strömung und dem Wind“  „In Étaples schrak ein Wachposten mit einer so abrupten Kopfbewegung hoch, dass es ihm beinahe das Genick brach.“ [S.9] – eine ebenso interessant geschriebene Einleitung, die einen aber auch zum Weiterlesen verleitet.

Doch Louisa Young schreibt nicht nur über die Liebesgeschichte von Riley und Nadine, sondern auch von dem Ehepaar Locke, welches mir irgendwann derart unsympathisch wurde, dass ich fast aufgehört hätte, das Buch zu lesen, weil mir Ehefrau Julia derart auf den Geist ging, weil sie in ihrem eigenen Selbstmitleid versinkt und fast wie wahnsinnig erscheint! Aber es ist gleichzeitig auch das, was diesen Roman auszeichnet: er ist keinesfalls nett oder bequem, es ist viel mehr die Geschichte darüber, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.

Ich war sehr hin und her gerissen, denn einerseits ist der Roman sehr betrübend, andererseits sehr heftig und es kam anders, als ich erwartet hatte, denn „Eins wollt ich dir noch sagen“ ist gekennzeichnet von Schützengrabenszenen. Es ist keinesfalls eine Geschichte von übermäßigem Kitsch, sie wird dezent und doch mit schöner Sprache erzählt. „Louisa Youngs kraftvoller, eindringlicher Roman erzählt von Liebe und Erschütterung, von Wut und Empathie“, so sagt The Sunday Times. Ja, ja, es ist wohl so, aber irgendwie, trotz der so bezaubernden bitter-süßen Melanchloie, manchmal fehlte mir der Antrieb es lesen zu wollen, auch, wenn es eine recht schöne Geschichte ist, war mir dann und wann, besonders durch bestimmte Kaugummi-Längen einfach öde.

THE VERDICT: Wer sich eine all zu romantische Liebesgeschichte erhofft, wird hier fehl am Platz sein, so spiegelt der Roman das gesellschaftliche Leben eingebettet im 1. Weltkrieg relativ gut da, auch, wenn es manchmal an dieser gewissen Spannung mangelt. Ich persönlich habe das erste Viertel verschlungen, die Mitte teilweise ziemlich langatmigen teils Widerwillen gelesen und das Ende wiederum hat mich wieder in den Bann genommen. Kein perfektes Buch, aber es hat einen Liebreiz. 4,5 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet; und das ist mehr.“ – Goethe

Fall of Giants

Mein erster Follett! Zugegeben, das 1040 seitige Buch liegt einem etwas schwer in der Hand – aber es ist nun mal eine ‚gewichtige‘ Story.  Schon der Klappentext lässt darauf hindeuten:

Autor: Ken Follett
DT: Sturz der Titanen : Die Jahrhundert-Saga
OT: Fall Of Giants
Genre: Historienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung:2010
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3404166602
Länge: 1040 Seiten

England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waisen auf. Während Grigori zum Revolutionär wird, gelangt sein Bruder in Amerika zu Reichtum – bis er sich zur Armee melden muss und so als Soldat in die Heimat zurückkehrt. Deutschland. Anders als sein Vater sehnt sich Walter von Ulrich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Doch der beginnende Konflikt reißt die Liebenden auseinander. Drei Familien, drei Schicksale, die sich kreuzen, während der Schatten des Krieges die Welt verändert.“

Copyright©Bastei Lübbe
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Aber der Klappentext hält, was er verspricht, ich konnte den Wälzer gar nicht mehr aus der Hand legen und war gefesselt von den Drehungen und Wendungen der Story, sowie dem bezaubernden Schreibstil. Zwar sind die ersten 50 Seiten doch langgezogen, aber man kann sich relativ gut einarbeiten. Die Perspektiven aus den verschiedenen Ländern sind eine hervorragende Idee und gewähren einem einen guten Einblick, ja,  die Welt öffnet sich einem, die Figuren machen zwar keine 270-Grad-Wende in ihrer Entwicklung, das lässt sie jedoch auch realistisch erscheinen. Manchmal sind einem die Sexszenen etwas lästig, aber das ist Geschmackssache. Was die historischen Tatsachen angeht, so streitet man sich, bei Amazon kann man das sehr gut merken – mich hat nichts gestört.

Besonders die komplizierte Liebesbeziehung zwischen Lady Maud und Walter von Ulrich habe ich mit großer Spannung verfolgt! Aber da ich nicht spoilern möchte…

Manchmal nimmt der Roman in der Tat Kaugummi-Gestalt an, ein paar Kapitel sind quälend lang. Als ich das Buch in die Hand nahm, ahnte ich nicht, dass ich es zu Ende lesen würde, manchmal nimmt einem die Länge die Freude, aber hier war es anders. Für den die ersten 300 Seiten benötigte ich etwas länger, der Schulstress unterbrach mich beim Lesen, als jedoch dann die Ferien kamen, hatte ich den Rest innerhalb von einigen wenigen Tagen verschlungen. Nun BRENNE ich darauf, den zweiten Teil zu lesen.

Alles in einem kann ich jedem den Roman ans Herz legen, der detailreiche Historienromane mag und Wert auf einen guten Schreibstil legt (und etwas Geduld mit den ersten 50 Seiten hat…). 9 von 10 Sternen

Love, Katha