One Last Dance

Autor: Judith Lennox
OT: One Last Dance
Genre: Familiensaga, historischer Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Headline Review
Preis: 7.99 Pfund
ISBN: 978-0755384143
Länge: 505 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein letzter Tanz“ erschienen

Anfang des 20. Jahrhunderts: Esme Langdon ist seit Kindheitszeiten in Devlin Reddaway verliebt, der jedoch für ihre Schwester Camilla schwärmt. Nach einer kurzen Liebesaffäre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwört sich Devlin sein Anwesen für Camilla aufzubauen. Als er jedoch aus dem Krieg verwundet zurückkehrt, muss er feststellen, dass Camilla schon mit jemand anderem verlobt ist. Aus Groll und Eifersucht nimmt er schließlich ihre kleine Schwester Esme zur Frau. Sein Anwesen Rosindell will er weiterhin groß machen.

Es gibt einige ganz großartige Familiensagen, historische Romane und Liebesdramen -sowohl filmisch, als auch proasisch- , welche im 20. Jahrhundert spielen. Ein klassisches Beispiel sind für mich Downton Abbey und die Jahrhundertreihe, beginnend mit „Sturz der Titanen“ von Ken Follett. Beide beweisen, dass Geschichte unterhaltsam, mitreißend, zeitgetreu aber nicht mit dem präzisesten Anspruch eines Geschichtswissenschaftlers erzählt werden kann.
„One Last Dance“ gehört nicht ein mal ansatzweise dazu, der historische Vorhang und die Geschichte mit dem Anwesen sind schlichtweg eine Tarnung für einige schrecklich kitschige und klischeebelasteten Liebesgeschichten. Was am Anfang noch vielversprechend war, entwickelte sich inhaltlich zu einem Hamasterrad.
Natürlich besitzt dieser Roman vor allem den Anspruch als seichter Roman zu unterhalten und ihn nebenbei zu lesen – was er sehr gut bis zur ersten Hälfte erfüllt und für dieses Genre ein wirklich angenehmer Roman ist, aber die Wendung, welche die Geschichte später annimmt unter der großen Überschrift „Liebe ist alles“ tut nur weh.

Für mich ist dieses Buch ein klassischer Fall von „Oh schönes Cover, oh es geht um den 1. Weltkrieg (was ein enormes Interessengebiet von mir ist) und es sieht ganz unterhaltsam aus“ – das leih ich mir aus. Ich würde rückblickend keinen Cent für diesen Schund verschwenden. Wer eine Liebesgeschichte lesen will, die (realistischer) im 1. Weltkrieg spielt und wo sich die Figuren wirklich entwickeln, dem möchte ich „Eins wollt ich dir noch sagen“ ans Herz legen.

Was den zweiten Weltkrieg angeht, hatte sich Lennox vermutlich gedacht, dass sie den überhaupt nicht richtig erwähnen müsse. Bombenanschläge in London? Am Rande. Vor allem haben die Figuren Sex. Es tut einfach nur weh! Wenn man die Handlung eines Romans schon in die Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche setzt, muss man diese erwähnen. Ganz, als sei von 1910 bis 1950 kaum etwas geschehen, außer dass Frauen Bobs tragen und mehr Zeit mit Männern verbringen können.

Leider konnte ich mit keinem der Charaktere warm werden, so dass mich selbst traurige und dramatische Momente nicht immer überzeugten. Esme, die Protagonistin, war zwar eine wirklich süße Figur aber unglaublich platt. Dafür muss ich sagen, dass ich Devlin, der zwar ein Fremdgeher ist uns sie aus den falschen Gründen geheiratet hat, deutlich mehr mochte, weil er am vielseitigsten war und dadurch die plastische Figur des Romans, die sich tatsächlich entwickelt hat. Das propagierte Geschlechterbild ist jedoch wirklich zum gruseln, Männer sind notorisch nur auf Sex gepolt und Frauen lassen sich ausnutzten bis zum geht nicht mehr oder sind auch nur auf Sex aus. Betrachtet man Werke wie „Jane Eyre“ oder auch „Stolz und Vorurteil“, wird man erschreckt feststellen, dass diese Bücher viel feministischer und weniger vorurteilsbelastet oder auf ihr Geschlechterrolle fixiert waren, als „One last dance“. Das geht gar nicht!

Zudem gibt es keine wirkliche psychologische Entwicklung der Figuren, was erschreckend ist, betrachtet man, dass der Roman gut 60 Jahre einnimmt. Gut bleibt gut, und böse ist böse ohne die kleinste Vielschichtigkeit und ruft gar nicht dazu auf, verschiedene Perspektiven zu betrachten.

Ich bin etwas hin und her gerissen. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist (im wahrsten Sinne: Urlaub für’s Gehirn), zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben.

Ich erwarte kein historisch korrektes Werk, was dieser Roman ganz bestimmt nicht ist, aber gute Unterhaltung. Ich habe die Passagen, welche sich um das Anwesen und seine Entwicklung sehr genossen, nicht nur, weil dies wirklich historisch realistisch ist, sondern auch, weil das neben der ganzen Liebe, die Figuren Esme und Devlin am meisten zum Leben erweckte. Leider  kam das viel zu kurz! Ich war ich an manchen Stellen so verärgert über die platten Figuren und die sich wiederholenden Passagen, dass ich selbst als seichte Lektüre „One last dance“ nicht empfehlen möchte. Lasst euch nicht von diesem tollen Cover täuschen!

Knapp gesagt, hätte man Ken Follett an die Idee dieses Romans gesetzt, hätte man das gesamte Potential ausschöpfen könne, so verbleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

THE VERDICT: Selbst für ein seichtes Nebenbeilesen gibt es deutlich bessere Bücher. Auch wenn der Anfang vielversprechend war und sogar ganz unterhaltsam in Teilen.  Aber enttäuschend im großen und ganzen. 2,5 von 10 Sternen.

Love , Katha

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