Olga

Autor: Bernhard Schlink
DT: Olga
Ersterscheinung: 2018
Verlag: Diogenes
ISBN: 978 3 257 07015 6
Länge: 320 Seiten

Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern: Die Waise Olga trifft auf den Gutsherrensohn Herbert. Zusammen wachsen sie auf und treffen immer wieder aufeinander, obwohl sie nicht unterschiedlicher hätten sein könnten und verlieben sich schließlich. Während Olga sich trotz ihrer gesellschaftlichen Position zur Lehrerin hochkämpft, zieht es Herbert in den Kolonialkrieg nach Afrika und schließlich auf eine Expedition in die Arktis.

Schlink schafft es, das Leben von Olga, von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer großen Liebe und dem Altwerden, einfühlsam auf 320 Seiten zu erzählen, sagt dabei nie zu viel, aber auch nicht zu wenig. Man hätte sicherlich daraus auch ein Familiendrama spinnen können, einer dieser romantischen historischen Romane von 600 Seiten – keine Frage, bei der Fülle der historischen Ereignisse, der Rückblenden, des Materials hätte man das sehr wohl machen können und einen mittelmäßigen, netten und interessanten Roman daraus machen können. Aber Schlink gibt nur kleine Hinweise, erzählt in unterschiedlichen Tempi, mit Rückblenden, Briefen, nachdenklichen Momenten. Man fühlt als Leser, wie viel Liebe in diesen Figuren steckt. Die Verknüpfung der verschiedenen Zeiten, Vergangenheit und Gegenwart, ist überzeugend gelungen und steigert nur die Emotionalität des Romans.

Ich konnte nicht anders, als lächeln, während ich dieses Buch las und es kaum noch asu den Händen legen. Bücher, wie Olga, sind der Grund, weshalb ich so gerne lese. Weil man in ihnen eintauchen kann, mit den Figuren miträtseln, fiebern und wachsen, ihre Veränderungen wahrnehmen kann, mit ihnen durch Liebe und Trauer geht, aber auch, weil man sich verzaubern lässt von dem Schreibstil. Schlink zeigt so gut, wie wunderbar und schön Schlichtheit sein können – etwas, was mir auch an Benedict Wells‘ Vom Ende der Einsamkeit so gut gefallen hat: dass ich während des Lesens förmlich über die Seiten gleiten konnte, weil es so ruhig und sanft geschrieben ist und dieser Stil so hervorragend zum Gelesenenen passt. Ich habe auch den Eindruck, dass wenn man den Roman am Stück liest, sehr schön in seine Intensität eintauchen kann.

Manchmal passiert es, dass man ein richtig gutes Buch zum richtigen Zeitpunkt liest und es einem wahrlich das Herz und die Seele wärmt und man während des Lesens richtig aufgeht. Bei mir war das bei „Olga“ zweifelsohne der Fall, die poetische Leichtigkeit des Schreibstils, die Tiefe der Charaktere und die bewegende Geschichte haben bei mir Mitten ins Herz getroffen und ich fühle mich in einer altbekannten Situation wieder: Ich möchte in meinem Freundeskreis dieses schöne, bewegende Buch herumreichen, in der Hoffnung, dass sich andere ebenfalls so begeistern lassen.

Ich kann mit bestimmter Sicherheit sagen, dass Olga eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahres werden wird. Zugegeben, man muss diese Art von ruhigen und dennoch bewegenden Büchern mögen, ich denke, es wird Leute geben, die da, wo ich Schönheit sehe, nur langweilige Blässe erkennen. Aber wer sich vielleicht mit meinem Geschmack identifizieren kann und den Vorleser auch mochte, wird vielleicht auch Freude an diesem Buch finden.

THE VERDICT: Ein kleines Juwel an Roman: Bewegend und packend geschrieben, erzählt Schlink eine traurige aber wunderschöne Liebes- und Lebensgeschichte mit absolutem Lieblingsbuchpotential. Ich kann es von ganzem Herzen empfehlen. 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

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One Last Dance

Autor: Judith Lennox
OT: One Last Dance
Genre: Familiensaga, historischer Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Headline Review
Preis: 7.99 Pfund
ISBN: 978-0755384143
Länge: 505 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein letzter Tanz“ erschienen

Anfang des 20. Jahrhunderts: Esme Langdon ist seit Kindheitszeiten in Devlin Reddaway verliebt, der jedoch für ihre Schwester Camilla schwärmt. Nach einer kurzen Liebesaffäre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwört sich Devlin sein Anwesen für Camilla aufzubauen. Als er jedoch aus dem Krieg verwundet zurückkehrt, muss er feststellen, dass Camilla schon mit jemand anderem verlobt ist. Aus Groll und Eifersucht nimmt er schließlich ihre kleine Schwester Esme zur Frau. Sein Anwesen Rosindell will er weiterhin groß machen.

Es gibt einige ganz großartige Familiensagen, historische Romane und Liebesdramen -sowohl filmisch, als auch proasisch- , welche im 20. Jahrhundert spielen. Ein klassisches Beispiel sind für mich Downton Abbey und die Jahrhundertreihe, beginnend mit „Sturz der Titanen“ von Ken Follett. Beide beweisen, dass Geschichte unterhaltsam, mitreißend, zeitgetreu aber nicht mit dem präzisesten Anspruch eines Geschichtswissenschaftlers erzählt werden kann.
„One Last Dance“ gehört nicht ein mal ansatzweise dazu, der historische Vorhang und die Geschichte mit dem Anwesen sind schlichtweg eine Tarnung für einige schrecklich kitschige und klischeebelasteten Liebesgeschichten. Was am Anfang noch vielversprechend war, entwickelte sich inhaltlich zu einem Hamasterrad.
Natürlich besitzt dieser Roman vor allem den Anspruch als seichter Roman zu unterhalten und ihn nebenbei zu lesen – was er sehr gut bis zur ersten Hälfte erfüllt und für dieses Genre ein wirklich angenehmer Roman ist, aber die Wendung, welche die Geschichte später annimmt unter der großen Überschrift „Liebe ist alles“ tut nur weh.

Für mich ist dieses Buch ein klassischer Fall von „Oh schönes Cover, oh es geht um den 1. Weltkrieg (was ein enormes Interessengebiet von mir ist) und es sieht ganz unterhaltsam aus“ – das leih ich mir aus. Ich würde rückblickend keinen Cent für diesen Schund verschwenden. Wer eine Liebesgeschichte lesen will, die (realistischer) im 1. Weltkrieg spielt und wo sich die Figuren wirklich entwickeln, dem möchte ich „Eins wollt ich dir noch sagen“ ans Herz legen.

Was den zweiten Weltkrieg angeht, hatte sich Lennox vermutlich gedacht, dass sie den überhaupt nicht richtig erwähnen müsse. Bombenanschläge in London? Am Rande. Vor allem haben die Figuren Sex. Es tut einfach nur weh! Wenn man die Handlung eines Romans schon in die Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche setzt, muss man diese erwähnen. Ganz, als sei von 1910 bis 1950 kaum etwas geschehen, außer dass Frauen Bobs tragen und mehr Zeit mit Männern verbringen können.

Leider konnte ich mit keinem der Charaktere warm werden, so dass mich selbst traurige und dramatische Momente nicht immer überzeugten. Esme, die Protagonistin, war zwar eine wirklich süße Figur aber unglaublich platt. Dafür muss ich sagen, dass ich Devlin, der zwar ein Fremdgeher ist uns sie aus den falschen Gründen geheiratet hat, deutlich mehr mochte, weil er am vielseitigsten war und dadurch die plastische Figur des Romans, die sich tatsächlich entwickelt hat. Das propagierte Geschlechterbild ist jedoch wirklich zum gruseln, Männer sind notorisch nur auf Sex gepolt und Frauen lassen sich ausnutzten bis zum geht nicht mehr oder sind auch nur auf Sex aus. Betrachtet man Werke wie „Jane Eyre“ oder auch „Stolz und Vorurteil“, wird man erschreckt feststellen, dass diese Bücher viel feministischer und weniger vorurteilsbelastet oder auf ihr Geschlechterrolle fixiert waren, als „One last dance“. Das geht gar nicht!

Zudem gibt es keine wirkliche psychologische Entwicklung der Figuren, was erschreckend ist, betrachtet man, dass der Roman gut 60 Jahre einnimmt. Gut bleibt gut, und böse ist böse ohne die kleinste Vielschichtigkeit und ruft gar nicht dazu auf, verschiedene Perspektiven zu betrachten.

Ich bin etwas hin und her gerissen. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist (im wahrsten Sinne: Urlaub für’s Gehirn), zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben.

Ich erwarte kein historisch korrektes Werk, was dieser Roman ganz bestimmt nicht ist, aber gute Unterhaltung. Ich habe die Passagen, welche sich um das Anwesen und seine Entwicklung sehr genossen, nicht nur, weil dies wirklich historisch realistisch ist, sondern auch, weil das neben der ganzen Liebe, die Figuren Esme und Devlin am meisten zum Leben erweckte. Leider  kam das viel zu kurz! Ich war ich an manchen Stellen so verärgert über die platten Figuren und die sich wiederholenden Passagen, dass ich selbst als seichte Lektüre „One last dance“ nicht empfehlen möchte. Lasst euch nicht von diesem tollen Cover täuschen!

Knapp gesagt, hätte man Ken Follett an die Idee dieses Romans gesetzt, hätte man das gesamte Potential ausschöpfen könne, so verbleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

THE VERDICT: Selbst für ein seichtes Nebenbeilesen gibt es deutlich bessere Bücher. Auch wenn der Anfang vielversprechend war und sogar ganz unterhaltsam in Teilen.  Aber enttäuschend im großen und ganzen. 2,5 von 10 Sternen.

Love , Katha

Parade’s End

OT: Parade’s End
DT: Parade’s End – Der letzte Gentleman
Genre: Historienfilm, Drama
Cast: Benedict Cumberbatch, Rebecca Hall, Adelaine Clemens, Rupert Everett
Regie: Tom Stoppard
Drehbuch: Tom Stoppard
Musik: Dirk Brossé
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 6 Folgen á 45 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

England kurz vor dem Ersten Weltkriegs: Der britische Aristokrat und Gentleman alter Schule Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) heiratet die schöne, aber durchtriebenede Sylvia (Rebecca Hall). Obwohl Sylvia sich in Liebschaften stürzt und Christopher nicht sicher sein kann, dass das gemeinsame Kind von ihm stammt, hält er die Ehe mir ihr aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem er der jungen und ungestümen Valentine Wannop (Adelain Clemens) begegnet. Doch nicht nur seine Gefühlswelt gerät mit einem Mal ins Schwanken, auch das noch junge Jahrhundert befindet sich mit dem einsetzenden Krieg im Umbruch… [Klappentext]

Nun lässt sich sagen, dass der Trailer und dieser Klappentext zunächst kitschig und deutlich überdramatisert klingen, als es der Film an sich ist. Denn die Grundstimmung ist eine ruhige, vielleicht etwas traurige. Dies wird besonders schön durch das von Dirk Brossé komponierte Thema unterstrichen: es besteht aus einem Pianostück, welches von Streichern untermalt wird und sich durch den ganzen Film mit einem ungeheuren Wiedererkennungswert aber doch schlichter Schönheit schlängelt.

Als großer Cumberbatch Fan bin ich natürlich etwas befangen, aber alle Male begeistert. Er spielt die Rolle des Christopher Tietjens ultra ur-englisch und sehr elegant. Ein Mann, der zu Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und Modernisierung auf die alten Werte beharrt und stehts bemüht ist, das absolut allerrichtigste zu tun – ein komplettes Spiegelbild seiner Frau. Und wie ich Rebecca Hall in dieser Rolle liebe! Voll Feuer, Arroganz, einer gewissen verzweifelten Dummheit und Schönheit präsentiert sie die Rolle Sylvias.
Wer den Film bereits gesehen hat, dem wird jedoch auffallen, dass Benedict Cumberbatch irgendwie imemr auf seinem Schmollmund rumkaut oder irgendwie sonstige Absurditäten mit seinem Mund anstellt, was nicht stört, aber ab und zu echt komisch ist.

In gewisser Hinsicht kann man den Film als Reise von Tietjens betrachten, dass er die Augen vor bestimmten Dingen öffnet, ein Nachdenkspiel über neue und alte Werte in der Umbruchsgesellschaft. Demnach hat der Film etwas sehr trauriges, dramatisches. Jede Figur macht eine Wandlung durch, sogar Sylvia wird urplötzlich zurückgezogen christlich – fragt sich nur, ob das ihren Mann zurückholt.
Wo wir bei der jungen Valentine wären, eine Suffragette, ein wenig antagonistisch gegenüber von Christopher. Müsste man meinen?! Sie ist noch unerfahren im Leben und weiß auch nicht ganz, wohin sie möchte, doch dann überrumpeln sie die Gefühle. Der einzige Nachteil, den ich an der Besetzung bei Adelaine Clemens sehe, die wirklich gut spielt, dass sie erschreckend an Carey Mulligan erinnert!
Christopher, der rationale Mensch, der irgendwo in seiner Tiefe Gefühle unterbindet und die romantische Valentine. Natürlich ist die Storyline hinsichtlich dessen etwas offensichtlich, was meines Erachtens aber nicht stört, das der Film bzw. die Miniserie dadurch nicht weniger spannend wird.
Wo wir beim nächsten Punkt wären: die Verfilmung der Tetralogie Ford Madox Fords ist in 6 Folgen eingeteilt, was den Spannungsbogen ab und an wirklich anhebt. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich so gepackt war, dass ich 5 Folgen am Stück gesehen habe und mich nur die Zeit daran gehindert hat, die letzte erst am Folgetag zu sehen.

Optisch – BBC Niveau wird in aller Gänze erfüllt! – ist es selbstverständlich ein Hochgenuss: schon den Einstieg liebe ich über alles, wie die Kamera über ein prächtiges Zimmer fliegt, mit alten Möbeln, Kronleuchter… Toll! Ich zu meinem Teil habe den Roman nicht gelesen, vielleicht werde ich es irgendwann tun, somit versuche ich, wie auch sonst immer, den Film mehr oder weniger als Einzelwerk zu betrachten!

THE VERDICT: Alles in einem bin ich überwältigt, absolut begeistert und lege diesen Film bzw. diese Miniserie jedem ans Herzen, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsfilmen zu zählen ist.
10 von 10 Sternen. Epischer wird’s nicht.

Love,  Katha

My dear I wanted to tell you

Moinsen!

Manchmal liest man querbeet durch alle Genres, an anderen Tagen möchte man sich lieber einem bestimmten Themenbereich widmen und irgendwann gen letztem Jahr, auch durch meinen Downton Abbey Konsum verschuldet, fing ich an, immer mehr Gesellschaftsromane des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu lesen.

Autor: Louisa Young
DT: Eins wollt ich dir noch sagen
OT: My dear I wanted to tell you
Genre: Historischer Roman, Romanze
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2011
Verag: List (Ullstein)
Preis: 18€ (Gebunden)
ISBN: 978-3-471-35047-8
Länge: 432 Seiten

Erster Weltkrieg. Der junge Riley meldet sich freiwillig an der Front. Er findet sich wieder im Wahnsinn des Krieges. Nur Briefe seiner großen Liebe Nadine halten ihm am Leben. Dann wird Riley schwer verwundet und löst unter einem Vorwand die Verlobung. Nadine, am Boden zerstört, lässt sich als Lazarettschwester nach Frankreich versetzen und hofft, Riley dort zu vergessen. Es gelingt ihr nicht…“

Copyright©List by Ullstein Verlage
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Da ich Liebesgeschichten UND den 1. Weltkrieg als Themen mag, ging ich recht optimistisch heran, bereits der Prolog beginnt toll! Aus der objektiven Erzählweise wird dargestellt, wie sich die verschiedenen Charaktere am frühen Morgen des 7. Juni 1917 im Alltag wiederfinden, der durch eine Explosion unterbochen wird. „In London schrak Nadine Waveney in der Krankenstation hoch, hörte das Grollen in der Ferne und fragte sich in einem Augenblick der Verwirrung: Sind sie hier?“ [S.8] „Im Ärmelkanal änderten die Wellen ihre Richtung, widersetzten sich der Strömung und dem Wind“  „In Étaples schrak ein Wachposten mit einer so abrupten Kopfbewegung hoch, dass es ihm beinahe das Genick brach.“ [S.9] – eine ebenso interessant geschriebene Einleitung, die einen aber auch zum Weiterlesen verleitet.

Doch Louisa Young schreibt nicht nur über die Liebesgeschichte von Riley und Nadine, sondern auch von dem Ehepaar Locke, welches mir irgendwann derart unsympathisch wurde, dass ich fast aufgehört hätte, das Buch zu lesen, weil mir Ehefrau Julia derart auf den Geist ging, weil sie in ihrem eigenen Selbstmitleid versinkt und fast wie wahnsinnig erscheint! Aber es ist gleichzeitig auch das, was diesen Roman auszeichnet: er ist keinesfalls nett oder bequem, es ist viel mehr die Geschichte darüber, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.

Ich war sehr hin und her gerissen, denn einerseits ist der Roman sehr betrübend, andererseits sehr heftig und es kam anders, als ich erwartet hatte, denn „Eins wollt ich dir noch sagen“ ist gekennzeichnet von Schützengrabenszenen. Es ist keinesfalls eine Geschichte von übermäßigem Kitsch, sie wird dezent und doch mit schöner Sprache erzählt. „Louisa Youngs kraftvoller, eindringlicher Roman erzählt von Liebe und Erschütterung, von Wut und Empathie“, so sagt The Sunday Times. Ja, ja, es ist wohl so, aber irgendwie, trotz der so bezaubernden bitter-süßen Melanchloie, manchmal fehlte mir der Antrieb es lesen zu wollen, auch, wenn es eine recht schöne Geschichte ist, war mir dann und wann, besonders durch bestimmte Kaugummi-Längen einfach öde.

THE VERDICT: Wer sich eine all zu romantische Liebesgeschichte erhofft, wird hier fehl am Platz sein, so spiegelt der Roman das gesellschaftliche Leben eingebettet im 1. Weltkrieg relativ gut da, auch, wenn es manchmal an dieser gewissen Spannung mangelt. Ich persönlich habe das erste Viertel verschlungen, die Mitte teilweise ziemlich langatmigen teils Widerwillen gelesen und das Ende wiederum hat mich wieder in den Bann genommen. Kein perfektes Buch, aber es hat einen Liebreiz. 4,5 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet; und das ist mehr.“ – Goethe

Fall of Giants

Mein erster Follett! Zugegeben, das 1040 seitige Buch liegt einem etwas schwer in der Hand – aber es ist nun mal eine ‚gewichtige‘ Story.  Schon der Klappentext lässt darauf hindeuten:

Autor: Ken Follett
DT: Sturz der Titanen : Die Jahrhundert-Saga
OT: Fall Of Giants
Genre: Historienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung:2010
Verlag: Bastei Lübbe
Preis: 12,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3404166602
Länge: 1040 Seiten

England. Ethel Williams, Kind einer Bergmannsfamilie aus Wales, ist Dienerin im Haus von Earl Fitzherbert. Als sie von ihm ein Kind erwartet, wird sie in Schande entlassen. Aber Ethel lässt sich nicht entmutigen und beginnt für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Russland. Grigori und Lew Peschkow wachsen als Waisen auf. Während Grigori zum Revolutionär wird, gelangt sein Bruder in Amerika zu Reichtum – bis er sich zur Armee melden muss und so als Soldat in die Heimat zurückkehrt. Deutschland. Anders als sein Vater sehnt sich Walter von Ulrich nach einem demokratischen Deutschland. In London verliebt er sich Hals über Kopf in die emanzipierte Lady Maud. Am Tag vor der deutschen Kriegserklärung an Russland heiraten sie heimlich. Doch der beginnende Konflikt reißt die Liebenden auseinander. Drei Familien, drei Schicksale, die sich kreuzen, während der Schatten des Krieges die Welt verändert.“

Copyright©Bastei Lübbe
Copyright©Bastei Lübbe

Aber der Klappentext hält, was er verspricht, ich konnte den Wälzer gar nicht mehr aus der Hand legen und war gefesselt von den Drehungen und Wendungen der Story, sowie dem bezaubernden Schreibstil. Zwar sind die ersten 50 Seiten doch langgezogen, aber man kann sich relativ gut einarbeiten. Die Perspektiven aus den verschiedenen Ländern sind eine hervorragende Idee und gewähren einem einen guten Einblick, ja,  die Welt öffnet sich einem, die Figuren machen zwar keine 270-Grad-Wende in ihrer Entwicklung, das lässt sie jedoch auch realistisch erscheinen. Manchmal sind einem die Sexszenen etwas lästig, aber das ist Geschmackssache. Was die historischen Tatsachen angeht, so streitet man sich, bei Amazon kann man das sehr gut merken – mich hat nichts gestört.

Besonders die komplizierte Liebesbeziehung zwischen Lady Maud und Walter von Ulrich habe ich mit großer Spannung verfolgt! Aber da ich nicht spoilern möchte…

Manchmal nimmt der Roman in der Tat Kaugummi-Gestalt an, ein paar Kapitel sind quälend lang. Als ich das Buch in die Hand nahm, ahnte ich nicht, dass ich es zu Ende lesen würde, manchmal nimmt einem die Länge die Freude, aber hier war es anders. Für den die ersten 300 Seiten benötigte ich etwas länger, der Schulstress unterbrach mich beim Lesen, als jedoch dann die Ferien kamen, hatte ich den Rest innerhalb von einigen wenigen Tagen verschlungen. Nun BRENNE ich darauf, den zweiten Teil zu lesen.

Alles in einem kann ich jedem den Roman ans Herz legen, der detailreiche Historienromane mag und Wert auf einen guten Schreibstil legt (und etwas Geduld mit den ersten 50 Seiten hat…). 9 von 10 Sternen

Love, Katha