One Last Dance

Autor: Judith Lennox
OT: One Last Dance
Genre: Familiensaga, historischer Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Headline Review
Preis: 7.99 Pfund
ISBN: 978-0755384143
Länge: 505 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein letzter Tanz“ erschienen

Anfang des 20. Jahrhunderts: Esme Langdon ist seit Kindheitszeiten in Devlin Reddaway verliebt, der jedoch für ihre Schwester Camilla schwärmt. Nach einer kurzen Liebesaffäre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwört sich Devlin sein Anwesen für Camilla aufzubauen. Als er jedoch aus dem Krieg verwundet zurückkehrt, muss er feststellen, dass Camilla schon mit jemand anderem verlobt ist. Aus Groll und Eifersucht nimmt er schließlich ihre kleine Schwester Esme zur Frau. Sein Anwesen Rosindell will er weiterhin groß machen.

Es gibt einige ganz großartige Familiensagen, historische Romane und Liebesdramen -sowohl filmisch, als auch proasisch- , welche im 20. Jahrhundert spielen. Ein klassisches Beispiel sind für mich Downton Abbey und die Jahrhundertreihe, beginnend mit „Sturz der Titanen“ von Ken Follett. Beide beweisen, dass Geschichte unterhaltsam, mitreißend, zeitgetreu aber nicht mit dem präzisesten Anspruch eines Geschichtswissenschaftlers erzählt werden kann.
„One Last Dance“ gehört nicht ein mal ansatzweise dazu, der historische Vorhang und die Geschichte mit dem Anwesen sind schlichtweg eine Tarnung für einige schrecklich kitschige und klischeebelasteten Liebesgeschichten. Was am Anfang noch vielversprechend war, entwickelte sich inhaltlich zu einem Hamasterrad.
Natürlich besitzt dieser Roman vor allem den Anspruch als seichter Roman zu unterhalten und ihn nebenbei zu lesen – was er sehr gut bis zur ersten Hälfte erfüllt und für dieses Genre ein wirklich angenehmer Roman ist, aber die Wendung, welche die Geschichte später annimmt unter der großen Überschrift „Liebe ist alles“ tut nur weh.

Für mich ist dieses Buch ein klassischer Fall von „Oh schönes Cover, oh es geht um den 1. Weltkrieg (was ein enormes Interessengebiet von mir ist) und es sieht ganz unterhaltsam aus“ – das leih ich mir aus. Ich würde rückblickend keinen Cent für diesen Schund verschwenden. Wer eine Liebesgeschichte lesen will, die (realistischer) im 1. Weltkrieg spielt und wo sich die Figuren wirklich entwickeln, dem möchte ich „Eins wollt ich dir noch sagen“ ans Herz legen.

Was den zweiten Weltkrieg angeht, hatte sich Lennox vermutlich gedacht, dass sie den überhaupt nicht richtig erwähnen müsse. Bombenanschläge in London? Am Rande. Vor allem haben die Figuren Sex. Es tut einfach nur weh! Wenn man die Handlung eines Romans schon in die Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche setzt, muss man diese erwähnen. Ganz, als sei von 1910 bis 1950 kaum etwas geschehen, außer dass Frauen Bobs tragen und mehr Zeit mit Männern verbringen können.

Leider konnte ich mit keinem der Charaktere warm werden, so dass mich selbst traurige und dramatische Momente nicht immer überzeugten. Esme, die Protagonistin, war zwar eine wirklich süße Figur aber unglaublich platt. Dafür muss ich sagen, dass ich Devlin, der zwar ein Fremdgeher ist uns sie aus den falschen Gründen geheiratet hat, deutlich mehr mochte, weil er am vielseitigsten war und dadurch die plastische Figur des Romans, die sich tatsächlich entwickelt hat. Das propagierte Geschlechterbild ist jedoch wirklich zum gruseln, Männer sind notorisch nur auf Sex gepolt und Frauen lassen sich ausnutzten bis zum geht nicht mehr oder sind auch nur auf Sex aus. Betrachtet man Werke wie „Jane Eyre“ oder auch „Stolz und Vorurteil“, wird man erschreckt feststellen, dass diese Bücher viel feministischer und weniger vorurteilsbelastet oder auf ihr Geschlechterrolle fixiert waren, als „One last dance“. Das geht gar nicht!

Zudem gibt es keine wirkliche psychologische Entwicklung der Figuren, was erschreckend ist, betrachtet man, dass der Roman gut 60 Jahre einnimmt. Gut bleibt gut, und böse ist böse ohne die kleinste Vielschichtigkeit und ruft gar nicht dazu auf, verschiedene Perspektiven zu betrachten.

Ich bin etwas hin und her gerissen. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist (im wahrsten Sinne: Urlaub für’s Gehirn), zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben.

Ich erwarte kein historisch korrektes Werk, was dieser Roman ganz bestimmt nicht ist, aber gute Unterhaltung. Ich habe die Passagen, welche sich um das Anwesen und seine Entwicklung sehr genossen, nicht nur, weil dies wirklich historisch realistisch ist, sondern auch, weil das neben der ganzen Liebe, die Figuren Esme und Devlin am meisten zum Leben erweckte. Leider  kam das viel zu kurz! Ich war ich an manchen Stellen so verärgert über die platten Figuren und die sich wiederholenden Passagen, dass ich selbst als seichte Lektüre „One last dance“ nicht empfehlen möchte. Lasst euch nicht von diesem tollen Cover täuschen!

Knapp gesagt, hätte man Ken Follett an die Idee dieses Romans gesetzt, hätte man das gesamte Potential ausschöpfen könne, so verbleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

THE VERDICT: Selbst für ein seichtes Nebenbeilesen gibt es deutlich bessere Bücher. Auch wenn der Anfang vielversprechend war und sogar ganz unterhaltsam in Teilen.  Aber enttäuschend im großen und ganzen. 2,5 von 10 Sternen.

Love , Katha

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Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Sommer im Februar

OT: Summer in February
DT: Sommer im Februar
Genre: Romantisches Drama
Cast: Dominic Cooper, Emily Browning, Dan Stevens, Hattie Morahan, Nicholas Farrell
Regie: Christopher Menaul
Drehbuch: Jonathan Smith
Musik: Benjamin Wallfisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Litertaurverfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Smith aus 1995.

Cornwall 1913. In der elitären Künstlerkolonie Lamorma verlieben sich der Maler Alfred Munnings und sein bester Freund Gilbert in dieselbe Frau, Florence Carter-Wood. Die aristokratische Schönheit liebt den adeligen Gilbert. Doch als der berühmte Munnings ihr einen Heiratsantrag macht, stimmt sie diesem zu. Die Situation droht zu eskalieren und die gefährliche Ménage-à-trois nimmt bedrohliche Züge an, als Florence schon in der Hochzeitsnacht versucht sich umzubringen. Zu spät muss sie erkennen, dass sie nicht nur die Herzen der beiden Männer gebrochen hat, sondern auch ihr eigenes.

Natürlich sticht einem schnell die Besetzung ins Auge: Dominic Cooper, der fast nirgends einen sehr sympathischen Menschen spielt, verkörpert auch hier in seiner Rolle des exzentrischen Malers Alfred Munnings nicht gerade den nettesten Menschen und tut dies mit Bravour. Besonders über Dan Stevens habe ich mich gewundert, da man ihn zuvor nur von Downton Abbey kannte, war ich neugierig ihn in einer anderen Rolle als Matthew Crawley zu sehen – allerdings fiel mir das wirklich schwer, weil das Thema vielleicht etwas anders ist, aber der Rollentyp und das Setting des beginnenden 20. Jahrhunderts doch sehr an die Serie erinnern. Auch Emily Browning in ihren tagisch-traurigen Rolle hätte mehr überzeugen können, sie wirkt verzweifelt ja, aber es fehlt etwas von Leidenschaft.

Obgleich der Titel und das Plakat vielleicht nett und romantisch erscheinen mögen, ist „Sommer im Februar“ noch mehr, auch wenn das Cornwall-Setting an so manchen Rosamunde Pilcher Film erinnern lässt, ist dieser Film durch seine Dramatik und tiefe Traurigkeit, einem tragischen Ernst und der Hin- und Hergerissenheit des jungen Herzens der Florence Carter-Wood ganz weit davon entfernt. Natürlich, man ahnt es früh, bahnt sich dieser Beziehungskonflikt dem unvermeidlichen zu.
Leider zieht sich die Geschichte eher hin, als dass man als Zuschauer vor Spannung fast schreien möchte, und so wird aus diesem wirklich schönen Drama manchmal eine etwas fade, langgezogene Tragik, die auf ihre Erlösung wartet. Diese ab und an langweiligen Szenen nehmen dem Film irgendwie seine Spannung und so plätschert die Geschichte eher von sich hin. Um es anders zu formulieren: Man hätte mehr daraus machen können!

Nichtsdestotrotz möchte ich die wunderschöne Klavier- udn Streichermusik von Benjamin Wallfisch loben. Sie sorgt für ein wunderbares Flair! Es ist auch toll, diesen Score dann und wann zum Entspannen oder einfach aus Lust zu toller Filmmusik zu hören!

THE VERDICT: Vielleicht habe ich zu viel erwartet, denn ich bin leider enttäuscht. Die Geschichte ist wunderschön, das Setting atemberaubend, traurig und mit einem wunderbaren Score unterstrichen, doch manchmal hilft selbst das nicht, wenn der Film sich so hinzieht. Schade! 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Am grünen Rand der Welt

DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Romanze
Cast: Carey Mulligan, Matthias Schoneaerts, Michael Sheen, Tom Sturridge
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
Musik: Craig Armstrong
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: ca. 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Nach Thomas Hardys Roman „Am grünen Rand der Welt“ aus 1874.

Als Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) eine Farm im Südwesten Englands erbt, verändert sich ihr zuvor kleines Leben beträchtlich und bekommt als Frau eine bedeutsame Rolle. Ihr Leben wird jedoch immer trubulenter und verwirrender, als sich nach und nach drei Männer in die verlieben und sie zwischen den Stühlen steht: der Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), der etwas ältere Gutsbesitzer Boldwood (Michael Sheen) und der junge Sergeant Troy (Tom Sturridge). Durch seine verführerische Art fällt sie Troy in die Arme, merkt aber früh, dass er sie verstößt und so stürzt Bathsheba in ein wildes, unaufhaltsames Chaos.

Thomas Vinterbergs Adaption von Thomas Hardys „Am grünen Rand der Welt“ bietet keine skandinavische Kälte, wie man dem Regisseur vielleicht nach sagen mag, sondern viel mehr eine starke Tiefe, eine ruhige Art, Gefühle auszudrücken und doch nicht an Spannung nachzulassen.
Durch die sehr spezielle Rolle der Bathsheba Everdene scheint der Film auf der romantischen Ebene etwas distanziert zu wirken, man scheint nicht an die Rolle heranzukommen, auch wenn Carey Mulligan sie mit sehr viel Leidschaft verkörpert, hat sie immer etwas fernes, unantastbares und trägt dadurch nicht immer einen Sympathiefaktor – was es allerdings eher interessanter macht, sie kennenzulernen, auch, wenn es befremdlich wirkt.
Besonders gefällt mir, dass keine Figur flach und einfach ist, auf eine oder zwei Charaktereigenschaften ausgelegt, sondern alle recht komplex und real wirken. Außerdem muss ich mit leichtem Schmunzeln zugeben, dass der belgische Schauspieler Matthias Schoenarts, der durch „Der Geschmack von Rost und Knochen“ bekannt wurde, durch seine sanfte Art, die gleichzeitig Ruhe und Kraft verkörpert, für mich hervorsticht.

Dennoch scheint der Film manchmal in sich nicht plausibel, besonders bei der Handlung wirkt die Dramatik ein wenig zu sehr heraufbeschworen und plastisch, wodruch der Film fast schon Stimmungschwankungen von solchen Extremen hat, dass einem unbehaglich wird und es nicht fließend wirkt.

Wie man es bereits auch Joe Wrights Adaption von „Stolz und Vorurteil“ kennt, brilliert auch dieser Film mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, die viel mit dem warmen Licht der Sonne und den satt-grünen Hügeln der englischen Landschaft Dorset arbeiten und so der Zuschauer wunderbar in eine wilde, raue Welt eingeführt wird. Die Landschaftsaufnahmen und einige Reitszenen bilden einen wichtigen Bestandteil der Geschichte und wirken auch nie fehl am Platz. So haben wir es hier ohne Zweifel mit einem filmographischem Highlight zu tun, welches hervorragend mit dem Score Craig Armstrongs harmoniert: süße, kräftige Streicher, die mit sehr viel Kraft die wilde, schöne Landschaft nachanhmen – nicht fröhlich, sondern recht ernst. Dazu kommen folklore Töne und im Besonderen singt Carey Mulligan sogar ein Mal!

THE VERDICT: Ein bewegender, sowohl im filmographischen als auch musikalischem beeindruckender Film, der durch eine gewisse Distanz, aber auch Tiefe fasziniert. Leider ist „Am Rand der grünen Welt“ weniger romantisch, als das Plakat vielleicht suggeriert, sondern spielt auf einer ernsten, ruhigen  Ebene die Gefühle ab. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Parade’s End

OT: Parade’s End
DT: Parade’s End – Der letzte Gentleman
Genre: Historienfilm, Drama
Cast: Benedict Cumberbatch, Rebecca Hall, Adelaine Clemens, Rupert Everett
Regie: Tom Stoppard
Drehbuch: Tom Stoppard
Musik: Dirk Brossé
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 6 Folgen á 45 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

England kurz vor dem Ersten Weltkriegs: Der britische Aristokrat und Gentleman alter Schule Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) heiratet die schöne, aber durchtriebenede Sylvia (Rebecca Hall). Obwohl Sylvia sich in Liebschaften stürzt und Christopher nicht sicher sein kann, dass das gemeinsame Kind von ihm stammt, hält er die Ehe mir ihr aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem er der jungen und ungestümen Valentine Wannop (Adelain Clemens) begegnet. Doch nicht nur seine Gefühlswelt gerät mit einem Mal ins Schwanken, auch das noch junge Jahrhundert befindet sich mit dem einsetzenden Krieg im Umbruch… [Klappentext]

Nun lässt sich sagen, dass der Trailer und dieser Klappentext zunächst kitschig und deutlich überdramatisert klingen, als es der Film an sich ist. Denn die Grundstimmung ist eine ruhige, vielleicht etwas traurige. Dies wird besonders schön durch das von Dirk Brossé komponierte Thema unterstrichen: es besteht aus einem Pianostück, welches von Streichern untermalt wird und sich durch den ganzen Film mit einem ungeheuren Wiedererkennungswert aber doch schlichter Schönheit schlängelt.

Als großer Cumberbatch Fan bin ich natürlich etwas befangen, aber alle Male begeistert. Er spielt die Rolle des Christopher Tietjens ultra ur-englisch und sehr elegant. Ein Mann, der zu Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und Modernisierung auf die alten Werte beharrt und stehts bemüht ist, das absolut allerrichtigste zu tun – ein komplettes Spiegelbild seiner Frau. Und wie ich Rebecca Hall in dieser Rolle liebe! Voll Feuer, Arroganz, einer gewissen verzweifelten Dummheit und Schönheit präsentiert sie die Rolle Sylvias.
Wer den Film bereits gesehen hat, dem wird jedoch auffallen, dass Benedict Cumberbatch irgendwie imemr auf seinem Schmollmund rumkaut oder irgendwie sonstige Absurditäten mit seinem Mund anstellt, was nicht stört, aber ab und zu echt komisch ist.

In gewisser Hinsicht kann man den Film als Reise von Tietjens betrachten, dass er die Augen vor bestimmten Dingen öffnet, ein Nachdenkspiel über neue und alte Werte in der Umbruchsgesellschaft. Demnach hat der Film etwas sehr trauriges, dramatisches. Jede Figur macht eine Wandlung durch, sogar Sylvia wird urplötzlich zurückgezogen christlich – fragt sich nur, ob das ihren Mann zurückholt.
Wo wir bei der jungen Valentine wären, eine Suffragette, ein wenig antagonistisch gegenüber von Christopher. Müsste man meinen?! Sie ist noch unerfahren im Leben und weiß auch nicht ganz, wohin sie möchte, doch dann überrumpeln sie die Gefühle. Der einzige Nachteil, den ich an der Besetzung bei Adelaine Clemens sehe, die wirklich gut spielt, dass sie erschreckend an Carey Mulligan erinnert!
Christopher, der rationale Mensch, der irgendwo in seiner Tiefe Gefühle unterbindet und die romantische Valentine. Natürlich ist die Storyline hinsichtlich dessen etwas offensichtlich, was meines Erachtens aber nicht stört, das der Film bzw. die Miniserie dadurch nicht weniger spannend wird.
Wo wir beim nächsten Punkt wären: die Verfilmung der Tetralogie Ford Madox Fords ist in 6 Folgen eingeteilt, was den Spannungsbogen ab und an wirklich anhebt. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich so gepackt war, dass ich 5 Folgen am Stück gesehen habe und mich nur die Zeit daran gehindert hat, die letzte erst am Folgetag zu sehen.

Optisch – BBC Niveau wird in aller Gänze erfüllt! – ist es selbstverständlich ein Hochgenuss: schon den Einstieg liebe ich über alles, wie die Kamera über ein prächtiges Zimmer fliegt, mit alten Möbeln, Kronleuchter… Toll! Ich zu meinem Teil habe den Roman nicht gelesen, vielleicht werde ich es irgendwann tun, somit versuche ich, wie auch sonst immer, den Film mehr oder weniger als Einzelwerk zu betrachten!

THE VERDICT: Alles in einem bin ich überwältigt, absolut begeistert und lege diesen Film bzw. diese Miniserie jedem ans Herzen, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsfilmen zu zählen ist.
10 von 10 Sternen. Epischer wird’s nicht.

Love,  Katha

5. Part GB-Reise: Bath

Ahoi!

Bevor ich nach Großbritannien gereist bin, habe ich natürlich so einige Reiseführer und Websites (besonders für Schlösser) durchforstet – aber ich muss auch zugeben, dass meine Mutter für die Planung verantwortlich war, also hier noch mal ein dickes Dankeschön.
Da ich Jane Austens Bücher sehr mag und allgemein die Zeit mit ihrem Flair, der Kleidung, der Art und der Kunst, wollte ich natürlich nach Bath Spa.
Aber ich hätte niemals erwartet, eine so hübsche Stadt vorzufinden. Man kennt aus den BBC Jane Austen Verfilmungen mehr oder weniger einige alte Stadtteile, doch das nahezu nirgends ein modernes Gebäude (jedenfalls in Inneren der Stadt) stehen würde, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber es war toll, man fühlte sich gar, als würde man durch vergangene Zeiten wandern, mit Anne Elliot vor über 200 Jahren leben.

Dazu kam noch, das anscheinend genau an dem Tag, an welchem wir in der Stadt waren, die Studenten ihren Abschluss feierten und so war auf dem Platz vor der Kirche eingenommen von Studenten in ihren Roben und Hüten und einigen Musikern. Es war toll! Man spürte Freude und leichte Traurigkeit über die Tatsache, dass das natürlich auch Abschied bedeutete, welche so hübsch durch die Musik unterstrichen wurde. Nachher merkte ich, dass fast überall Musik gespielt wurde.

Dann gab es aber auch hie und da echt seltsame und witzige Dinge. Besonders bei dem Türsteher wusste ich nicht, was ich denken soll. Und ob der echt war!

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Wie auch in anderen britischen Städten sah man an vielen Stellen Blumen, aber im Einklang mit den alten Bauten sah es echt klasse aus. Die Wohnbrücke, welche mit Geschäften angesiedelt war, erinnerte mich total an „Das Parfum“ – sah von hinten aber ziemlich schäbig aus.

 

Love, Katha

3. Part GB-Reise: Isle of Wight

Ahoi!

Ich glaube, nicht jeder würde von Großbritannien erwarten, dass es dort wunderschöne lange Strände gibt. Und auch ohne Steine, denn die nette Erfahrung mit einem Steinstrand und den dementsprechenden Fußschmerzen durfte ich bereits vor einigen Jahren in Brighton machen. Es war natürlich auch dort schön, aber auf eine andere Weise.

Was mir in Großbritannien zusätzlich aufgefallen ist, jedenfalls in Südengland, dass es fast überall und in sogut wie jedem öffentlichen Verkehrsmittel freies WLAN gibt, was natürlich absolut genial war! Ich ärgere mich etwas, dass ich die ganzen Schilder nicht fotografiert habe, dann hätte ich sie nämlich hier posten können.
Wie dem auch sei, erreichten wir die Insel über Portsmouth, wo man beeindruckende alte Segelschiffe bestaunen konnte, mit einer Fähre und schließlich fuhren wir mit einer süßen, total wackelnden alten Eisenbahn an der Küste entlang, bis wir unser Ziel erreicht hatten. Und was es da gab! PALMEN! Überall PALMEN!

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Es ging schließlich den Hang zu einem sehr schönen, wenn auch recht kurzen Strand herunter, wo wir uns auf eine Bank setzten, etwas im Wasser spazierten und das angenehme Wetter genossen. Auf der Insel gab es auch ein ‚altes Dorf‘ mit süßes Cottages, was man durch eine Art schönen Wald erreichen konnte (der allerdings Eintritt kostete).

Weitere Impressionen:

Es war also ziemlich entspannt (deshalb gibt’s auch wenig zu berichten, weil wir hauptsächlich am Wasser rumlagen) und schön! Jedem, der einen ruhigen Tag in England erleben möchte und ein wenig Rosemunde-Pilcher-Feeling nicht schlecht findet, kann ich es sehr empfehlen. Lauschig & nett!

Love, Katha

2. Part GB-Reise: A Day out in Salisbury

Moin!

Großbritannien ist mehr als bekannt für seine Burgen, Schlösser und Gärten und genauso wie letztes Jahr, wollte ich diesmal auch eins besuchen und unsere Wahl fiel auf das Wilton House  bei Salisbury, wo u.a. auch The Young Victoria, der 2. Teil von Johnny English und Pride & Prejudice gedreht wurden. Am Tag, als wir da waren, war auch der Lord anwesend, aber wir haben ihn leider nicht gesehen – die Museumsfrauen meinten jedoch, wir hätten ihn so oder so nicht erkannt, weil er in Shorts uns T-Shirt rumgelaufen sei:D

Im Garten standen, wie man auch auf dem ersten Bild sehen kann, etliche Zedern und ich muss sagen, dass ich finde, dass die Zeder einer der Bäume englischer Herrenhäuser und Schlösser. Vielleicht ist es einfach der Einfluss vom Groby-Tree aus „Parade’s End“ (SEHEN-MUSS!!!), aber ich finde es passt. Diese mächtigen, großen Bäume haben eine gewisse Erhabenheit, die den Stolz und die Macht (vergangener Tage) dieser Häuser sehr gut untermalt.

Zusätzlich gab es noch einen wundervollen japanischen Garten, voller Blumen und Blüten. Ich habe es sehr genossen, dort entlangzuwandeln.

Salisbury an sich ist eine süße Stadt und verkörpert auch in gewisser Hinsicht, wie man sich englische Städte in historischen Grafschaften vorstellt. Am besten fand ich die Uralt-Taverne, die ich unbedingt fotografieren musste. Schon beeindruckend, wie lange dieses Gebäude dort steht.

Als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten gilt die Kathedrale, die wirklich von monumentaler Schönheit ist – und riesig! Ich hatte nicht erwartet, so ein großes „Ding“ vorzufinden, auch, wenn es Kathedrale heißt! Besonders toll fand ich den Gang in den Arcaden, so dass ich mich einfach mal hinsetzte und diese Ruhe und Besonnenheit, die fast schon philosophisch war, über mich ergehen ließ. Diese Einsamkeit und Ruhe in den Arcaden der Kathedrale war so ein seltsames Gefühl – aber auch schön!

Mir hat der Aufenthalt dort sehr gefallen, besonders Wilton House war sehr nett, es war schön, dass es nicht allzu überfüllt war, so dass man seinen Aufenthalt wirklich genießen konnte. Die Museums-Damen waren zu dem echt toll und schienen ABSOLUT ALLES über Wilton House zu wissen und erzählten mit einer freudigen Begeisterung vom Bau des Gebäudes und den Van Dyck Bildern.

Wie steht ihr zu Schlössern? Welche mögt ihr besonders (in England)? Freu mich auf eure Kommentare, haut in die Tasten!

Love, Katha

1. Part GB-Reise: When in London

Ahoi!

Mein drittes Mal in Großbritannien sollte keineswegs weniger aufregend oder toll sein, wie in den letzten Jahren. Ich liebe dieses Land mit all seinen Traditionen, seiner Sprache, seiner Heidelandschaften, seinem Regen und ja, auch das Essen ist toll.

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie aufgeregt ich war, als ich das erste Mal nach London fuhr. Wie jedes Jahr ging es durch den Eurotunnel und wenn man mal bedenkt, dass man mit einem Zug unter den Ärmelkanal hindurchrast ist das nicht ganz ohne, aber mittlerweile kenne ich das Prozedere und döse nach kurzer Zeit ein. Das Hauptreiseziel in diesem Jahr war eher der Süden Englands, aber wir machten noch einen Zwischenstop in der liebreizenden Hauptstadt.

Den ersten Abend, den wir dort verbrachten, konnten wir einen wirklichen tollen Sonnenuntergang an der Themse beobachten. Unheimlicherweise liegt direkt neben dem ExCel London, das anscheinend irgendeine Art von riesiges Messegelände darstellen soll (von Abu Dhabi gesponsert!) eine Fußgängerbrücke. Aber nicht nur einfach eine stinknormale Brücke, sondern ein gruseliges Stahlgrüst, das gute 15 Meter in die Luft schießt und nachdem ich die quietschenden Treppen mit meiner Akrophobie irgendwie gemeistert hatte, bot sich ein schwindelerregender und doch wundervolles Ausblick – und irgendwie hatte ich, trotz, dass es windig war, am Ende ziemlich viel Spaß.

Ich finde Londons Eigenart faszinierend: wie zivilisiert einfach jeder auf der rechten Seites der Rolltreppe stehen (ich wünschte, so etwas gäbe es hier in Berlin auch!), wie höflich und freundlich die Menschen sind, wenn man mal als unwissender Touri nicht weiterkommt, wie zu jeder Tageszeit Menschen quer durch die Stadt und überall joggen gehen und was ich besonders süß finde ist, dass sich zur Mittagspause einfach jeder mit seinem Sandwich unter den kühlenden Schatten der Bäume im nächstgelegenen Park setzt. Modisch – man hört ja immer vom London Look usw – ist es mehr als kunterbunt und deutlich mutiger als Berlin! Aber es gibt auch duzende tolle Shops, die wir leider nicht in Deutschland haben. Eine gute Ausrede, um shoppen zu gehen.

Apropos, Mittagesse gab ea auch ich war bei Speedy’s und wem das nichts sagt, dann gebe ich mal das Stichwort ‚Sherlock‘, denn Speedy’s ist nichts anderes als die Sandwichbar neben dem Haus, das in der Serie die vermeidliche 221B Baker Street spielt (aber in echt etwas weiter weg liegt und Gower Street heißt).

Die Bedienung war wirklich sehr freundlich und Himmel! Dieses Sandwich war einfach nur göttlich. Jedem, dem das Glück gegeben ist, einen Tag in dieser wundervollen Stadt zu verbirngen, empehle ich nicht nur die klassischen Touristen-Attraktionen, sondern für die Pause zwischendurch auch Speedy’s. Man könnte natürlich preiswerter essen, aber es lohnt sich!

Weitere Highlights in Bildern:

 

Die süße Statue zweier Liebenden steht am Internationalen Bahnhof St Pancras, also direkt neben King’s Cross. Ich sehe sie jedes Mal, wenn ich dort mit dem Zug ankomme und ich liebe sie einfach, weil es ein wundervolles Feeling erschafft und hervorragend zur Romantik eines Bahnhofes passt! Was meint ihr dazu? Bin ich die einzige, die Bahnhöfe romantisch findet?

Diesmal hatte ich GOTTSEIDANK Zeit, mit die National Gallery anzusehen und ich bin mehr als glücklich, dort gewesen zu sein, denn es ist toll. Besonders gut finde ich, dass es kostenlos ist, aber allen voran, weil es so Kultur absolut jedem näherbringen kann. Als ich einen Raum betrat, war da ein Museumsführer mit einer Klasse Grundschülern, der ihnen das Portrait von Charles I. (von Van Dyck) erklärte. Eigentlich lief es wie bei einer Klausur ab: erster Eindruck, was sieht man, wie wirkt es und warum ist es da. Doch wie liebevoll seine Stimme war, wie nett und geduldig er mit ihnen sprach, war sowohl süß als auch einfach klasse. Er erzählte ihnen zusätzlich, dass man bei diesem Museum vor allem eins bedenken sollte: es soll nicht als Staatseigentum angesehen werden, denn dieses Museum gehört de facto jedem – und das find ich gut.

Jap, das Bild mit meiner Hand ist seltsam, aber ich möchte damit eigentlich nur veranschaulichen, wie klein dieses Kunstwerk auf der Millenium Bridge ist, denn es ist ein Bild aus: Überraschung! Kaugummi. Es gibt etliche davon auf der ganzen Brücke, manche, die man auch nicht versteht, aber angesichts dessen, dass da echt viele Kaugummis sind, mag ich die Idee total!

Ich hatte also schöne 1 1/2 Tage in der Stadt, konnte vieles im wahrsten Sinne des Wortes ‚wiedersehen‘ und hatte auch noch perfekt sonniges Wetter.

Wart ihr schon einmal in London? Wie fandet ihr es und was habt ihr erlebt? Ich bin gespannt, neues zu erfahren!

Love, Katha

Von großen & hohen Erwartungen

Ahoi!

Irgendetwas verbindet mich mit Charles Dickens, was mich dazu brachte, diesen Roman lesen zu wollen.
Vielleicht ist es, weil ich eine Vorliebe für Bandwurmsätze habe oder weil ich selbst gerne ausschmückend und detailliert schreibe, vielleicht, weil mich Gesellschafts (kritische) Romane faszinieren und natürlich auch das 19. Jahrhundert, oder gar weil ich in meiner Kindheit viel mit seiner Weihnachtsgeschichte konfrontriert wurde, ja gar terrorisiert, vielleicht weil ich Großbritannien liebe, aber vielleicht ist es, weil ich am gleichen Tag Geburtstag habe wie er.
Und so war mir, dass ich einen Roman von ihm lesen wollte. Ganz unbedingt und meine Wahl fiel auf Große Erwartungen – und ich hatte „große“ Erwartungen.

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Autor: Charles Dickens
DT: Große Erwartungen
OT: Great Expectations
Genre: Klassiker, Bildungsroman
Sprache: Deutsch
Übersetzer: Paul Heichen
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 1861
Verlag: Insel Taschenbuch
Preis: 9.99€
ISBN:978-3458357780
Länge: 740 Seiten

Philip Pirrip, gennant Pip wächst in der kargen, traurigen Welt der englischen Küsten, der nebeligen Landschaft der Marschen auf. Der Waisenjunge lebt bei seiner Schwester, die ihn „mit der Hand aufzieht“, wie es immer so schön heißt, und ihrem Mann, Joe, der sein bester Freund wird. Als er als Kind das Garb seiner Eltern besucht, begegnet er einem furchteinfößenden Häftling, der von einem Gefangenenschiff geflohen war, der ihn zwingen wird, Essen und Werkzeug für ihn zu stehlen, was er auch tut.
In den armen Verhältnissen, in welchen er lebt, beginnt er bald von Reichtum und Ansehen zu träumen, als er die schöne aber arrogante Estella kennenlernt, die Tochter von der mysteriösen Miss Havisham, Pips Aufgabe ist es, mit ihr spielen (er dient also als Gesellschafter) und von Zeit zu Zeit verliebt er sich unsterblich in sie und schämt sich für seine Herkunft. Doch wie durch ein Wunder taucht eines Tages, schon als er fast erwachsen ist, nicht mehr mit Estella spielt und seine Ausbildung als Schmied fast beendet hat, der Londoner Anwalt Mr Jaggers auf und eröffnet ihm, dass er große Erwartungen habe, denn eine Person, deren Name nicht bekannt werden noch hinterfragt werden dürfe, habe ihm sehr viel Geld vermacht – und von da an stellt sich sein Leben auf dem Kopf: er wird in die Welt, die er sich erträumt hatte, eingefüht, verändert sich mit ihr, begegnet natürlich Estella und wird in ein düsteres Geheimnis verwickelt.

Diese traurige, tiefgehende aber auch zugleich ungemein spannende Geschichte wird auf eine wundervolle Weise erzählt: Sprachlich kann man kaum mehr erwarten! Man glaubt den Nebel auf den Marschen sehen zu können, das Klopfen von Pips Herzen zu fühlen.

„Der Himmel weiß, dass wir uns niemals unserer Tränen schämen müssen, denn sie sind der Regen auf den blind machenden Staub der Erde, der über unserem harten Herzen liegt.“ – Große Erwartungen, 19. Kapitel

Fakt ist, dass ich Charles Dickens bewundere, bewundere, wie er sich hochgearbietet hat, wie wortgewandt er schreiben mag (ich lese derweilen zwar nur Übersetztungen, aber die tun’s auch) und wie offen seine Augen sind, dass er nicht blind durch die Welt tappt!
So gesehen kann man davon ausgehen, dass „Große Erwatungen“ zu einem sehr persönlichen Werk Dickens‘ gehören. Er veranschaulicht verschiedene Themen die Armut, Kontraste zwischen Arm und Reich, soziale Strukturen, Arroganz und Liebe sehr detailliert und verschieden. Der Protagonist Pip, der aus der Ich-Perspektive berichtet, verändert sich sichtbar während des Verlaufs, mal ist er nachdenklicher, mal gequält, dann und wann leidet man mit ihm und ab und an möchte man auf ihn einreden, er tut einem Leid, vorallem, wie er aufwächst, aber er regt einen auch auf. Besonders die Versessenheit auf Estella idt manchmal zum Haare-herausreßen. Aber genau das scheint der Roman von einem zu Fordern: Emotionen! Und das bietet er.
Besonders die Figuren kann ich loben! Sie sind skurril und arrogant, mysteriös und unheimlich, liebevoll und weise: sehr prägnant gezeichnet, übertrieben aber nie, man hat immer großes Vergnügen daran ihnen zu folgen, weil sie nie platt und eintönig sind
Klassiker werden häuifg als langweilig abgestempelt und in Deutsch-Unterrihcten so verarbeitet, dass man dann lieber keine liest, was echt traurig ist! Dieser Roman ist ohne Zweufel ein Meisterwerk, dass ich jedem empfehlen möchte, weil es so konrastreich, nicht verschönernd von den Schattenseiten, aber auch der Schönheit einer Welt berichtet. Jedoch kann ich auch sagen, dass man für das Buch Geduld aufbringen sollte, denn ab und an, schöner Stil hin oder her, ist er zäh und langatmig, manche Handlungsstränge überziehen 50 Seiten oder mehr und das kann schon anstrengend sein.

THE VERDICT: Zusammenfassend kann ich „Große Erwartungen“ nur empfehlen, denn die Geschichte ist sowohl einzigartig, spannend als auch lehrreich, sowie voll mit kuriosen und schrecklich wundervollen Charakteren, die sehr gut in die seltsame, düstere Welt des 19. Jahrhunderts eingebettet sind. Charles Dickens ist für mich ohne Zweifel ein Zauberer des Romans und der Sprache, der einem aber keinen Wunsch, sondern kalte Realität vorhölt.
Die Übersetztung kann ich nur insofern bewerten, dass es etwas nervig ist, dass sie „Mr“ und „Miss“ etc. tatsächlich mitübersetzt haben, was am Anfang gewöhnungsbedurftnig ist und m.E. nach unnötig.
Zweifelsohne 9 von 10 Sternen.

Love, Katha