Utopie als Dystopie? 1984.

Autor: George Orwell
OT: Nineteen Eighty-Four
Genre: Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung (GB): 1948
Verlag: Penguin
Preis: ca. 6-7 Euro (Taschenbuch)
ISBN: 978-0140817744
Länge: 329 Seiten

Winston Smith lebt in Ozeanien, einem Machtblock, der sich im permanenten Krieg gegen Eurasien und Ostasien befindet, an dessen Spitze Big Brother steht. Seine Welt ist kontrolliert durch überall anwesende Fernseher, die ihn beobachten können und einer Polizei, die die Gedanken der Bevölkerung kontrolliert. Alles in reguliert, sogar die Sprache, in der die Menschen kommunizieren. Eines Tages überkommt ihn jedoch das Gefühl, sich gegen das System wehren zu wollen.

Schon lange wollte ich das bekannte Buch des britischen Autors Orwell lesen, doch fürchtete ich mich etwas davor, dass ich dem ganzen nicht gewachsen seien könnte. Zugegebenermaßen empfinde ich Zukunftsromane (zum Erscheinunszeitpunkt war es schließlich in der Zukunft) und besonders Dystopisches meist seht unheimlich. So sammelte meine Ausgabe auch schon ein bisschen Staub, bis das erste Kapitel ich letzte Woche für meinen Politische Theorie Kurs an der Uni lesen sollte – und da war’s geschehen und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Fast schon angeekelt, aber außerordentlich gefesselt und mit einem großen Gesprächsbedarf arbeite ich mich durch 1984, dem Sinnbild für einen totalen Überwachungsstaat.

Meine Eindrücke sind noch recht verwischt, aber meine Gefühle zu diesem Buch recht eindeutig. Ich habe noch nie etwas so abartig verstörendes gelesen (und es gibt bestimmt noch viel schlimmere, unheimlicher dystopische Bücher), was mich gleichzeitig aber auch positiv geprägt hat. Orwell zeichnet eine Welt, wo alles kontrolliert wird, erschreckenderweise sogar die Sprache, die nach und nach ins sogenannte „Neusprech“ umgewandelt werden soll und das politische aus Wörtern wie Freiheit entnimmt und folglich das Denken begrenzt.

Ich könnte stundenlang über dieses Buch reden, weil es extrem clever und überraschend simpel konstruiert ist, eigentlich für jeden verständlich, wenn man es mindestens in der eigenen Sprache liest, es lässt sich wunderbar diskutieren und interpretieren. Ist es ein Konterwerk zu Thomas Morus´ scheinbar idealer Gesellschaft in „Utopia“ aus 1516? Kritisiert es schlichtweg totalitäre Systeme? Mal Orwell eine mögliche Zukunft eines außerordentlichen Überwachungsstaats? Ist dieses Buch ein Warnschuss oder eher Bewältigung eines vergangenen Systems? Verarbeitet es das Dritte Reich und den Kommunismus unter Stalin? Was können wir aus unserer Zeit wiedererkennen?  Und wie lässt sich das alles  damit vereinbaren, dass Orwell sich selbst als demokratischen Sozialisten ansah?- Fragen über Fragen, die zeigen, wie aktuell, einschüchternd und vor allem wichtig dieses Buch ist. Was von diesen Thesen stimmt, Sinn macht und möglich ist, möchte ich offen lassen, feststeht die enorme Bedeutung dieses Buches und sicherlich auch anderer dystopischer Werke und auch wenn ich mich gut gegruselt habe, denke ich, sollte ich mehr lesen, denn Orwell zeigt so schön, dass dieses Genre so gut als Gesellschaftskritik genutzt werden kann.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende – ich war wirklich auch etwas erleichtert, als ich mit dem Buch fertig war. Ich weiß nicht, ob ich es noch einmal lesen will, nicht, weil es schlecht wäre – ganz im Gegenteil! – sondern weil es etwas mit einem anstellt, als würde man selbst Gehirngewaschen und so einsam und isoliert mit diesem Werk, wie sich der Protagonist Winston fühlt. Denn das ist die abartige Wirkung von Totalitarismus, der Privatraum, eine Zuflucht für einen selbst, Gedankenfreiheit – es geht alles verloren.

Ein zweifelsohne wichtiger, erschreckender und gut durchdachter und schlau geschriebener Roman. Dennoch glaube ich nicht, dass er es trotz seiner Genialität zur besten Bewertung schafft. Das ist zum einen dem etwas dünneren Mittelteil „verschuldet“ zum anderen, weil dieses Buch ein bisschen zu viel für mich war, auch wenn es wirklich schlau ist.  Ich kann zweifelsohne sagen, auch wenn es nicht eines der besten Bücher ist, dass es eines der wichtigsten Bücher ist, die jede und jeder gelesen haben sollte.

Zu dieser Ausgabe: Mehr zufällig, als absichtlich legte ich mir die Schüler-Version von 1984 zu bin und rückblickend sehr froh darüber. Das Englisch ist für jeden, der halbwegs regelmäßig mit der Sprache in Berührung kommt, gut verständlich und die Klärung einzelner, teils spezifischen oder umgangssprachlichen Wörter erfolgt im Anhang. Dazu gibt es Analyse-Fragen (die vermutlich vor allem dafür geeignet sind, wenn man das Buch in der Schule behandelt) und Charakterbeschreibungen wie knappe Inhaltsangaben, was nicht nur perfekt ist, wenn man dieses Buch in der Schule behandeln, sondern auch wenn man einen Klassiker im Original liest und noch ein bisschen mehr darüber nachdenken mag, als das reine Lesevergüngen.

THE VERDICT: Beklemmend, beunruhigend, erschreckend, abartig und dennoch ein Meisterwerk. Ein Spiegel für eine Gesellschaft, die auf den Überwachungsstaat zu läuft und eine zeitlose Kritik. Für meinen Geschmack war es etwas zu unheimlich, aber dieses Werk ist zweifelsohne wichtig und ein Lesemuss. 8.5 von 10 Sternen

Love, Katha

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Red Queen

Autor: Victoria Aveyard
OT: Red Queen
Genre: Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: HarperTeen
Preis: 10.99 $ (Paperback)
ISBN: 978-0062362711
Seiten: 400

Band 1 der Red Queen Reihe
Auf Deutsch unter dem Titel „Die rote Königin“ erschienen.

Auf Social Media Seiten wie Instagram überall zu sehen und nun, wo es gut ein Jahr in meinem Regel stand, wollte ich endlich wissen, was an dem Hype von „Red Queen“, dem Debütroman von Victoria Aveyard, dran ist. In erster Linie muss ich zugeben, dass mich das Cover sehr zum Kauf anregte – es sieht aber auch genial aus und passt einfach perfekt!

Mare Barrow lebt in einer geteilten Gesellschaft: Die Farbe des Blute scheidet zwischen dem armen Volk und den großen Adelshäusern, denn letztere haben silbernes Blut. Diese sind mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und regieren seit Jahrhunderten über die rot blütigen. Mare, die in einem armen roten Dorf auswächst, bekommt durch einen mysteriösen Kontakt in den Palast zu kommen und dort den silbernen zu dienen. Dort stellt sich heraus, dass auch Mare besondere Kräfte hat und rotes Blut – eine absolute Unmöglichkeit, die der Hof unentdeckt lassen möchte und deshalb Mare aufnimmt unter dem Deckmantel, sie sei eine lang verlorene silberne Adelige. Die rebellische Mare gewinnt nun Hoffnung eine rote Revolution von innen zu starten, aber sie weiß noch nicht, mit dem sie sich anlegt, denn Worte können Lügen sein…

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So weit, so typisch Dystopien (für Jugendliche). Die Idee von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ist auch nicht neu, ich musste sogar mehr an das vorrevolutionäre Frankreich denken, als ich von der Division durch Blut las, doch fand ich die Idee reizvoll.
Ähnlich plätschert es weiter, Mare, eine nicht unbedingt intelligente, aber mutige und selbstbewusste Aufsässige mit Ecken und Kanten schafft es schließlich durch eine Verbindung in den Palast zu kommen – und das alles recht schnell dank Aveyards flottem Präsens-Parataxen-Schreibstil, der recht gewöhnungsbedürftig ist . Inhaltlich möchte ich vorwegnehmen, dass „Red Queen an einigen Stellen an eine abgespeckte und nettere Version von „Game Of Thrones“ erinnert, wer also eine Welt aus unterschiedlichen Häusern, bestimmten Fähigkeiten und Intrigen mag, ist hier richtig. So wird man auch Teil von Mares Gedanken, die im wesentlichen ziemlich stolz darauf ist, dass man auf ihr Lügenspiel hineinfällt.

Auf die ersten 100 Seiten scheint es „Red Queen“ an Energie zu fehlen, zwar passiert einiges, wirkt aber weniger dramatisch, als wahrscheinlich der Fall sein soll, der Roman hat einen sehr gemächlichen Ton. Ich möchte auch nicht zu viel vorwegnehmen, für alle die das Buch lesen wollen, aber ich muss sagen, es lebt von den absolut umwerfenden Plottwists, die manchmal in Form einer  deus ex machina erscheinen, in anderen Situationen aber auch gerne den Teufel heraufbeschwören, also sowohl positiv als auch negativ ausfallen.  Ähnlich wie Mare glaubt man beim Lesen die ganze Zeit alles unter Kontrolle zu haben und fürchtet Dreiecksbeziehung und dahinplätschernde Revolution (wie etwa in Panem im 3. Band) , als großartige grausame und verhängnisvolle Ereignisse- es ist definitiv nicht so!
Während ich das Buch las, und das muss ich an dieser Stelle zu geben, wollte ich es unbedingt mögen, doch lange hielt es bei mir nur als ein durchschnittlicher Dystopienroman durch, wie sie aktuell sich nur reihenweise in den Abteilungen für Jugendliteratur stapeln, nichts besonderes, aber in Ordnung. Doch es kam ganz anders.  „Red Queen“ blüht nach und nach auf und zeigt besonders zum Ende seine wahren Stärken (bis dahin muss man es leider durchgehalten haben…), seine Besonderheit: die Geschichte verliert nie die Energie, immer auf Trapp, dass man fast den Atem anhält. Übrigens, ein bisschen Liebe (oder Ansätze dieser) gibt es auch…

Der erste Band dieser Reihe ist durchaus lesenswert:  obgleich nun Mare nicht unbedingt die klassische Figur ist, mit der man sich identifizieren kann, lebt „Red Queen“ definitiv von der Diversität der Orte und Figuren,  besonders Letztere werden wortwörtlich durch die vielen Dialoge zum Leben erweckt. Manchmal dünkt es hier jedoch, dass es mehr ein Skript für einen Film ist, als ein richtiger Roman. Ich hätte mich sehr über ein paar weitere Beschreibungen gefreut –  diese müssen ja nicht so ausufernd sein wie die eines Theodor Fontane, aber besonders bei Zukunftsfantasien und Welten, die nicht der unseren entsprechen, fällt es nicht immer leicht, sich vorzustellen, wie das erfundene Universum aussehen soll. Dass ein Gewand aus violetter Seide ist und mit Steinen bestickt ist, könnte absolut alles zwischen dem Rokoko und moderner Kleidung sein. Es ist folglich zu merken, dass „Red Queen“ definitiv Stärken hat, die aber auf Grund nicht ignorierbarer Schwächen in der Gesamtwertung an Kraft verlieren, was sehr schade ist.

Alles ist im Ansatz einfach wunderbar: die Idee, die Figuren, der Konflikt, doch die Ausführungen gehen nicht immer in die Tiefe, sowohl inhaltlich als auch stilistisch, was dieses Buch hätte von einer netten Lektüre zu einem fesselnden Roman steigern können. Ich fühle bezüglich dieses Punktes einen gewissen Zwiespalt in mir, denn ich würde „Red Queen“ gerne noch mehr mögen.

THE VERDICT: Spannend, überraschend und energiegeladen ist der erste Teil aus der Reihe über rotes und silbernes Blut und voll herrlich unerwarteter Momente. Die Schwächen liegen wirklich in der Tatsache, dass es zu schnell zur Sache geht und an wichtigen Stellen detaillierte Ausführungen fehlen.7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Autorität

Autor: Jeff VanderMeer
DT: Autorität
OT: Authority
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: Kunstmann
Preis: 18.95 (broschiert)
Länge: 363 Seiten
ISBN: 978-3888979958

Band 2 der Southern Reach Trilogie

Nach der katastrophalen zwölften Expedition befindet sich Southern Reach, die für die mysteriöse Area X zuständige Organisation, in Auflösung. John Rodriguez, der neue Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verhörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst und die Organisation, der er die Treue geschworen hat… [Klappentext]

Nachdem mich der erste Band total gefesselt hatte, konnte ich es kaum erwarten, den zweiten Teil auszuleihen (ich finde den Preis für die ziemlich groß gedruckte, gebundene Ausgabe, trotz tollem, im Dunkeln leuchtendem Cover echt happig). Diesmal wird die Organisation Southern Reach aus der Perspektive des neuen Mitarbeiters John – im ganzen Buch „Control“ genannt – betrachtet. Wie der Klappentext und bereits der erste Teil andeuten, scheint es viele Geheimnisse zu geben und nicht alles läuft mit rechten Dingen zu.
Dass die Figuren keine Namen haben, sondern Bezeichnungen zu ihren Aufgaben, daran musste man sich schon im ersten Teil gewöhnt haben, denn meines Erachtens wird es eigentlich nur schlimmer. Erneut haben wir eine Figur vor uns, die sich zwar aus der Perspektive des auktoralen Erzählers durch die Handlung bewegt, allerdings erfährt man wieder nur nach und nach Fetzen. Wer die etwas kühle und distanzierte Biologin nicht mochte, wird Control bestimmt nicht leiden. Wenn ich ehrlich bin, fand ich seinen Code-Namen etwas lächerlich, denn nur weil er plötzlich mehr oder weniger der Boss dieser suspekten Regierungsorganisation ist, heißt das lange nicht, dass er alles unter Kontrolle hat – ganz im Gegenteil: immer wieder muss er einer Person am Telefon „Voice“ (nicht kreativ, aber passender) von seinen neusten Entdeckungen berichten und steht nach und nach zwischen den Stühlen: wie viel wird er dieser Person wirklich erzählen?
Soweit, so spannend. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, das Geschehen aus einer anderen Perspektive verstehen zu können, denn er Ansatz ist absolut brilliant: einen Neuen mit Dreck am Stecken einzuschleusen und nach und nach alles zu erklären… oder auch nicht?
Es ist wirklich ärgerlich, wie sehr es diesem Buch an Spannung mangelt, zwischen drin läuft Control auf gut hundert Seiten eigentlich nur durch die Gegend und alles wird komischer. Anders als im ersten Teil sind hier die Ausführungen zu Hintergrundgeschichten deutlich länger und lassen immer wieder den Spannungsbogen so enorm abfallen, dass man das Buch eigentlich nicht mehr lesen will. Natürlich lebt die Geschichte gerade durch das Absurde, Unverständliche von Area X, man weiß nicht, was dieses verseuchte Gebiet ist und was passieren will. Die einzig neue Erkenntnis ist (wie bereits sehr früh im Buch erwähnt), dass die Direktorin, also seine Vorgängerin in das Geschehen involviert ist. Da ich nicht spoilern möchte – obwohl es tatsächlich nicht viel zu sagen gibt – werde ich dieses Ärgernis nicht weiter ausführen.

IMG_0521Ich hatte viele Hoffnungen und hohe Erwartungen, da ich wirklich wissen wollte, was es mi Southern Reach auf sich hat. Eine Art großer, böser Enthüllungskrimi, der mehr ein verwirrendes kaum enthüllendes Schleichen war – wo im ersten Teil noch Reiz durch das Unbekannte und Verwirrende entstand, wurde ich hier zeitweise sogar böse. Wäre „Autorität“ gute 100 Seiten kürzer und Jeff VanderMeer hätte nur bei den wirklich nötigen Dingen abgewichen, es wäre tatsächlich eine spannende Fortsetzung gewesen. Mir ist fast, als sei Band 2 das absolute Gegenteil zu „Auslöschung“, was von den vielen aufeinanderfolgenden Ereignissen lebt! Ich ringe wirklich noch mit mir, ob ich den dritten Teil lesen werde.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass diese Reihe wirklich passende, interessante Einworttitel hat, was definitiv ein Pluspunkt ist. Zweiter Pluspunkt: wie schon im Vorgänger ist und bleibt VanderMeers Schreibstil absolut metaphorisch und wortreich. Nur scheint er ein großer Fan des Wortes „phosphoreszierend“ zu sein…

THE VERDICT: Ein etwas kraftloser, langatmiger zweiter Teil mit einigen wenigen wirklich guten Spannungselementen. Ich bin sowohl verärgert als auch enttäuscht, da ich mehr Energie erwartet hätte. 2,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

P.S. Ich habe beschlossen, zukünftig mehr von meinen eigenen Fotos von Büchern zu benutzen (nun, wo ich meine tolle Canon schon habe). Ich hoffe, euch gefällt es!

Auslöschung

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Autor: Jeff VanderMeer
DT: Auslöschung
OT: Annihilation
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Kunstmann
Preis: 16.95€ (broschiert).
Länge: 240 Seiten
ISBN: 978-3888979682

Band 1 der Southern Reach Trilogie

Seit ein mysteriöses „Ereignis“ vor mehr als dreißig Jahren das Gebiet erschütterte, ist Area X von einer unsichtbaren Grenze umgeben. Niemand weiß genau, was dahinter geschieht, aber es gibt Gerüchte von einer sich verändernden und  die Reste der menschlichen Zivilisation überwuchernde Natur, die ebenso makellos wie bedrohlich ist. zuständig für das Gebiet ist eine geheime Regierungsorganisation, die sich Southern Reach nennt und den Auftrag hat, herauszufinden, was hinter der Grenze geschieht, Dies ist der Bericht der zwölften Expedition. [Klappentext]

Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob mir das Buch gefallen hat, oder mich eine höhere Instanz irgendwie dazu gebracht hat, es zu lesen. Es war auch nicht sonderlich clever von mir, es einen Tag vor meiner ersten Abiturprüfung anzufangen – letztlich hatte ich kein Stück damit gerechnet, dass mich „Auslöschung“ so sehr in den Bann ziehen würde.
Nun bin ich allerdings auch sehr verstört, verwirrt und etwas zwischen dem dringenden Bann weiterlesen zu wollen und der Frage, ob mir das gut tun würde.

Die Geschichte der Expedition wird aus dem Blickwinkel einer Teilnehmerin geschrieben, der Biologin. Ferner in ihrem Team sind eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Vermesserin, wobei Namen niemals genannt werden und die ersten Seiten sehr oberflächlich sind und man erst nach und nach etwas über die Person der Biologin erfährt, was auch dem geschuldet ist, dass sie sehr distanziert und kühl als Person ist, mehr oder minder eine Einsiedlerin, und sich mehr als Biologin, als als Mensch ansieht. Aber vielleicht macht auch genau dieses mysteriöse, fast schon thrillerhaftige „Auslöschung“ so unfassbar spannend, es liest sich auch wie ein Krimi, nach und nach wird das Rätsel entkleidet – aber nicht vollends, stehts kommen neue Fragen.
In Area X geschehen zudem die merkwürdigsten Dinge, es gibt einen geheimen Tunnel, der nah an dem Basislager ist, zu dem sie gebracht wurden (und keiner erinnert sich mehr wie), allerdings nicht in die vom Southern Reach gegebene Karte eingezeichnet ist. Immer mehr wird der ganze Umstand der Mission verdächtig, auch im Zusammenhang mit den vorigen Missionen und der Biologin scheint, als versuche die Psychologin alle zu manipulieren – ein geniales, böses Verstrickungsspiel, welches die Psyche der Figuren, aber auch die des Lesers herausfordert.
Was sie schließlich in dem Tunnel, den die Biologin aber den Turm tauft, entdecken, wirkt wie ein reinster LSD-Trip auf den Leser. Auflösung ist verstörend, schockierend und weckt trotz der scheinbar unmenschlichen Biologin doch sehr viel Menschlichkeit in einem selbst. Genauso mysteriös, wie Area X also ist, was dieses Buch mit einem macht.
Und das ist der Suchtfaktor, der durch die Geschehnisse von seltsamen Pseudobibeltexten und dem plötzlichen Verschwinden der Anthropologin gefüttert wird.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Geschehnisse sich teilweise derart überschlagen, dass das Ganze dann doch etwas abdriftet und fern von jener Vorstellungskraft ist – woran ich mich auch nicht ganz gewöhnen konnte. Es hat schon was von einem Rausch.

Der Schreibstil dabei ist sehr metaphorisch, sehr bilderlastig, was gut ist, um sich Area X vorzustellen, dennoch enthält er gerade durch die Ich-Perspektive der nicht unbedingt sympathischen, aber interessanten Biologin einen stark nüchternen Ton und fällt nie zu ausgeschmückt aus. Teilweise kann ihre Art schon ganz schön selbstmitleidig und nervig werden und manchmal ist ihr sehr raional-biologisches Denken fast schon zu fremd, um realistisch sein zu können für einen Menschen.

Ein großer Pluspunkt und für mich vielleicht auch der erste Anreiz dieses Buch zu lesen, ist das entzückende, gleichzeitig geheimnisvolle Cover und glücklicherweise ein Klappentext, der gerade genug, aber kein bisschen zu viel verrät. Ich habe das relativ dünne Buch ausgeliehen, da ich den Preis schon relativ saftig fand. Ebenfalls gut fand ich, dass im Laufe auch klar wurde, weshalb der Titel „Auslöschung“ gewählt wurde, was meines Erachtens nach auch passend ist.

THE VERDICT: Spannend, mysteriös, abartig und die ganze Zeit immenses Herzklopfen. Obwohl die Geschichte fast schon etwas zu abgefahren ist, um sie wirklich ansatzweise begreifen zu können, empfehle ich zumindest jedem, den das Genre interessiert, hereinzuschnuppern. Vorsicht Suchtfaktor! 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

The Circle

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Autor: Dave Eggers
OT: The Circle
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Penguin
Preis: £6.29
Länge: 512 Seiten
ISBN: 978-0241146507

Auf deutsch unter „Der Circle“ erschienen

Mae Holland, eine jungere Amerikanerin erhält durch ihre Studiumsfreundin Annie einen Job bei der begehresten Firma ihrer Zeit: Der Circle, welche sich durch raffnierte Innovationen immer mehr etabliert. Schnell findet Mae sich in der Welt dieser Firma ein, sie wird Teil eines imensen sozialen Netzwerkes. Doch ihre Eltern, ihr Exfreund und ein mysteriöser, scheinbar identitätsloser Mann wirbeln ihr Leben auf – unterdessen wird der Circle immer mächtiger.

Selten hat mich ein Buch so entsetzt. Sagte ich selten? Noch nie. Zugegeben, der Englisch Grundkurs nötigte mich, meiner zweiten Dystopie näher zu kommen, doch ich verschlang den Roman förmlich. Etappenweise, um genau zu sein, da ich finde, dass man den Circle ab und an aus der Hand legen sollte, um nicht komplett verrückt zu werden.
Immer wieder fragte ich mich, wie das seien könne, wie grausam und blind Menschen seien können und musste leider feststellen, dass blinder Gehorsam und die Neigung nichts zu hinterfragen, stark verbreitet sind. In The Circle malt Dave Eggers ein gruseliges Zukunftsbild einer technisch hochentwickelten, ja, eigentlich Technik süchtigen Gesellschaft. Wenn’s neu und krass ist, wieso sollte man da Nein sagen?
Man kann es so oder so sehen, aber man findet im Circle unheimliche Verbindungen zu unserer technisierten Welt, wo wir alles sharen und liken und uns eine Identität im Netz erschaffen und unser Selbstwertgefühl dadurch aufflammt, dass jemand einen Smiley oder ein Herz sendet – das ist überspitzt, aber etwas ist dran.

Mae leitet einen druchs Geschehen, man blickt durch ihre Augen, fühlt, was sie fühlt und liest ihre Gedanken. Dabei ist Mae eine impulsive und leicht zu begeisternde Person, anfangs scheint sie naiv und unbeholfen, doch je mächtiger der Circle wird, desto mehr wird sie eingesogen von der Macht und man möchte in dieses Buch springen und schreien sie soll doch endlich zu Vernunft kommen. Sie ist ein sehr egoistischer und meines Erachtens nach stark sexualisierter Charakter, eigentlich zieht sie ihr Ding durch, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken – meist fallen ihr (wenn überhaupt) ihre Fehler im Nachhinein ein. Dadurch ist sie ein ziemlich vielseitiger und realistischer Charakter – ich persönlich habe sie mit jeder Seite mehr gehasst und war auch ein bisschen froh, als ich den Roman beendete, dass ich mich nicht mehr mit ihr befassen muss.
Die Ereignisse jagen sich förmlich: einen Chip in Kinder einpflanzen, um sie vor Kidnapping zu Schützen, überall Kameras intsallieren – jedes Mal, wenn man glaubt, absurder könnte es es nicht werden, fällt man umso mächtiger auf die Nase. Dave Eggers konstruiert eine abartige Welt, die sich als Utopia ausgibt und ständig betet man, wenigstens einer möge zur Besinnung kommen. Es ist die Geschichte von technischer Innovation und blindem Gehorsam, die gar nicht so weit von unserer Zeit weg zu seien scheint, man denke nur an die große Firma, die fast ein Monopol auf alles im Internet hat – Google. Ich meine natürlich den Circle!

Allerdings muss ich einwenden, dass ich Eggers Schreibstil nicht besonders mochte, er lebte von einer eigenartig dikatorischen Wiederholungskraft und den Dingen, die in Maes Kopf vorgehen – dadurch ist es natürlich sehr authentisch und teilweise auch furchtbar nervtötend, vor allem, wenn man an dem Punkt ankommt, wo die absolute Doktrin durch Leitspürche wie „Secrets are Lies“ anfängt. Zudem ist das Buch nur in drei Teile eingeteilt und in keine Kapitel, so dass es schwer ist, sich zu orientieren, manchmal geschieht ganz viel und dann wieder zum vierten Mal, wie Mae durch ihren Zing-Feed scrollt.

THE VERDICT: Der Circle ist ein abartig aufregendes, unheimliches und schockierendes Buch mit technokratischen Zukunftsvisionen und besticht dabei durch eine plastische Authenzität, die einem aber gleichzeitig enorm nerven kann 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Media Monday #228

Moinsen!

Da bin ich wieder, irgendwo keuchend und hustend vom Rudertraining, fast ertrunken in meiner Schularbeit, kam das leise Schuldgefühl mit der Sehnsucht auf, endlich wieder zu bloggen.

Media Monday #228


1. Eine der erschreckendsten Zukunfts-Dystopien ist das Zukunftsszenario in „Cloud Atlas“. Menschen, die hergstellt werden, um zu arbeiten und nach 12 Jahren Dienst kompostartig zum Futter der neu entstehenden Menschen gegeben werden – das ist doch abartig.Ich finde allgemein Dystopien ziemlich erschreckend und gruselig, weshalb ich sie auch nur in Maßen ertrage. Natürlich ist z.B. „Matri“x absolut genial, und ebenfalls die „Tribute von Panem“ haben mich ziemlich schockiert vom Konzept – aber allgemein gesagt bin ich nicht so bewandert in diesem Genre.

2. Bei Patrick Süßkind gibt es immer wieder ungemein charismatische Bösewichter, wie Jean-Baptiste Grenouille . Seuftz, was für eine faszinierende Gestalt, irgendwie hat er etwas unglaubliches an sich, vielleicht nicht charismatisch, doch einen irgendwie nicht loslassend.

3. Bei „Birdsong“ hatte ich wohl eine völlig falsche Erwartungshaltung, denn irgendwie hatte mich der Trailer glauben lassen, es sei eine ganz hübsche Liebesgeschichte im Setting des Ersten Weltkriegs (also ein ziemlich perfekter Film für mich) – falsch gedacht. Tatsächlich war das teils 3 Stunden ziemlich grausamer, langatmige Schlachtszenen…

4. Ist ja toll, was technisch heutzutage alles möglich ist, aber eine Verfilmung des „Schatten des Windes“ haben sie immer noch nicht möglich gemacht! Dabei braucht man dazu kein großen High-tech-Tra-ra und die Story ist einfach wundervoll.

5. Wäre doch klasse, wenn Blogs auch mal eine Messe hätte. Einen Stand auf der Frankfurter Buchmesse für Buchblogger – oder gibt’s das etwa auch schon? Wäre doch ein schöner Diskutierzirkel.

6. „Northern Lights“ (dt. „Der Goldene Kompass“) war als simple Urlaubslektüre o.ä. gedacht, doch schon sehr schnell war ich verzaubert von der wunderbaren, magischen Welt von Lyra und ihren Dämonen. Seitdem liebe ich diese Geschichte, meine Rezension dazu findet ihr hier.

7. Zuletzt habe ich tatsächlich mal entspannt und das war absolut nötig, weil ich das Gefühl habe, ständig unter Strom zu stehen (ich gebe zu auch Schuld daran zu sein) und so verbrachte ich ein stressfrei-ruhiges Wochenende vor meinem Fernseher und fern von der Außenwelt und jederlei negativer Energie.

Love, Katha