Die unsterbliche Familie Salz

https://i1.wp.com/www.dtv.de/_cover_media/450b/9783423280921.jpgAutor: Christopher Kloeble
OT/DT: Die unsterbliche Familie Salz
Genre: Familiengeschichte
Ersterscheinung: 2016
Verlag: dtv
Preis: 22 Euro (gebunden)
Länge: 440 Seiten
ISBN: 978-3423280921

Diesmal möchte ich meine Rezension etwas anders aufbauen, um meinem Ärger Herr zu werden, denn dieses Buch ist für mich der Beweis davon, wie sehr man sich beim Überfliegen eines Klappentextes, von einem tollen Cover und einem interessanten Buchtitel blenden lassen kann.

Inhalt Klappentext vom Verlag (dtv) : Reich an Glanz un voller dunkler Seiten ist die Geschichte der außergewöhnlichen Familie Salz: Sie beginnt Anfang des 20. Jahrhundertd mit Intrigen in Münchener Bierkellern und einem folgenschweren Mord in Leizig. In den 40er Jahren muss sich Lola Salz auf eine Odysee quer durch das Deutsche Reich begeben; das Leben mit ihr beschreibt ihre Tochter in den 60er Jahren als Horror. Kurz Salz ist 1989 Teil einer herrlichen Wendekomödie, in der alle Karten der Familie neu gemischt werden. Seine Tochter Emma Salz sucht aber 205 detektivisch nach ihrem Schatten und der Wahrheit. Im Zentrum stehen immer das prächtige Hotel Fürstenhof in Leipzig, Zuhause und Existenzgrundlage der Familie Salz, – und die Frage: Welcher Schatten werfen wir auf die Generationen nach uns?

Wer sich nun eine Familiensaga vorstellt wie die Verfilmung der Adlon-Dynastie oder Ähnliches irrt sich. Wer sich eine Familiengeschichte vorstellt, irrt sich.
In einem hat der Klappentext allerdings recht „Horror“. Kurz und knapp, der Inhalt ist eher so:

Tatsächlicher Inhalt: Lola Rosa Salz und ihre Familie machen sich das Hotel „Fürstenhof“ 1914 zu eigen, indes wird Lolas Mutter krank und fällt ins Koma. Als Lola nachts dem Jungen Maria auf dem Dach begegnet, deutet Lola fortan alles nach den Schatten eines Menschen deuten. Als der Junge sie überzeugt ihre halbtote Mutter mit einem Kissen zu ersticken, wird Lola in ein Internat geschickt und vom Fürstenhof verbannt, den sie für die nächsten 50 Jahre abgrundtief hassen wird.
Sie lernt ihren Mann kennen, bekommt zwei Kinder, sie müssen sich durch den Krieg schlagen. In den 60er Jahren wird Lola alkoholsüchtig und erzählt ihrer knapp 17 Jährigen Tochter Aveline stets vor dem Einschlafengehen, dass sie auf den Schatten der Menschen achten muss, um nicht vergewaltigt werden zu müssen. Aveline entdeckt in dieser Zeit ein alkoholhaltiges Beruhigungsmittel, konsumiert dieses exzessiv, lässt sich von einem jungen Mann schwängern, der sie zur Geburt ihres Sohnes verlässt. In den späten Achtzigern verliebt sich ihr Bruder bei einer Polizeikontrolle und einenm kurzen Blick in ein DDR-Mädchen und will das Hotel wiedererobern, was die Familie komplett auf den Kopf stellt, weil „Mutti“ Lola ganz andere Pläne hat.

Die Schattenparanoia bleibt durchgehend und steigert sich sogar: zum Ende hin wirkt es, als seien Charakter oder Äußeres ganz gleichgültig und als könne der Schatten durch eine Art übernatürliche Macht etwas über das tiefste Innere eines Menschen aussagen, was mir etwas zu absurd wurde, denn wenn ein Mensch keinen Schatten hatte (wie auch immer das funktionieren sollte), dann sei er böse. Erschrocken las ich auf mehreren Seiten Begeisterungslieder über die Genialität und die philosophische Tiefe dieser Schatten, was es vielleicht gewesen wäre, wenn nicht jeder Schatten zur zweiten Hälfte des Buches als Vergewaltiger gedeutet worden wäre und ihm die Bedeutung angemessen wurde, als sei er der Heilige Gral. Nach einer Weile war ich schlichtweg genervt und gegruselt, was für ein furchtbaren Schmarrn ich las.
Gleichzeitig gab es auch einen Fall im Buch, wo eine Figur keinen Schatten sehen konnte – was mich verwirrt und verstört zurückließ. Wohin wollte dieses Buch? Es schien mir, als sei sich der Autor selbst nicht sicher gewesen, worüber er schriebn. Meiner Meinung nach wurde aus einer interessanten Legende ein abgedroschenes Mystery-Ding.

Ein Pluspunkt war für mich der Anfang, wo Lola auch noch etwas urig und sympathisch war, ich hatte lauter Ideen, wie sich das Buch entwickeln könnte, die besondere Freundschaft zu Maria wurde leider abgebrochen (was noch nachvollziehbar war), der Kampf ums Leben und durch den Krieg war sehr fesselnd und traurig, wirkte aber durch seine Brutalität und der beschriebenen Angst äußerst realistisch, was mir sehr gefiel – doch ab der Nachkriegszeit wurde die ganze Familie komplett verrückt.

Allerdings muss man dem Buch lassen, dass es in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist, ja, auch die Idee mit dem Schatten, aber auch die Betrachtung der Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven, empfand ich als ziemlich grandios und abwechslungsreich. Nur die Umsetzung war gruselig und abschreckend.
Beispielsweise mochte ich sehr, dass Aveline ihren Teil aus der „Du“-persepktive erzählt, fand es aber bei Alfons ganz schrecklich das sämtliche wörtliche Rede schlichtweg kursiv geschrieben wurde. Aber das war noch in Ordnung, später im Buch war wörtliche Rede überhaupt nicht mehr gekennzeichnet und war nur bedingt zu erkennen (meist erst im Nachhinein, was den Lesenfluss nicht begünstigt.)

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Vorablesen erhalten.

THE VERDICT: Anfangs noch sehr reizvoll und spannend, wird der Roman bei gut der Hälfte zunehmend mysteriöser, böser, verwirrender und komplett NICHT nachvollziehbar und war deshalb eine riesige, nervige Enttäuschung. Ich war froh, als ich es endlich weglegen konnte. 1 von 10 Sternen – Hände weg, es gibt so viel bessere, mysteriöse Familiengeschichten.

Love Katha

Quellen
Cover

Advertisements

Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

https://wasliestdu.de/dateien/styles/width-200/public/cover/A/A3/A3C/ziemlich-gute-gruende-am-leben-zu-bleiben-matt-haig.jpeg?itok=Rm9YIPSmAutor: Matt Haig
DT: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
OT: Reasons To Stay Alive
Genre: Biografie, Ratgeber
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: dtv
Preis: 18.90 € (Gebunden)
Länge: 304 Seiten
ISBN: 978-3-423-28071-6

Dies ist ein Buch, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn mit 24 Jahren wird Matt Haig von einer lebensbedrohlichen Krankheit überfallen, von der er bis dahin kaum etwas wusste: einer Depression. Plötzlich findet er sich buchstäblich am Abgrund wieder… Dieses Buch beschreibt, wie er allmählich die zerstörerische Krankheit besiegt und ins Leben zurückfindet. Es ist eine bewegende und mitreißende Hymne an das Leben und Menschsein geworden [Klappentext].

Matt Haig schildert ein seinem Buch seine Depression (welche mit einer Angststörung gekoppelt ist) auf verschiedenen Ebenen: Zum einen erzählt er in kleineren Sequenzen von persönlichen Momenten, u.a. wie er sich fühlte, als er nicht mehr leben wollte. Außerdem gibt es häufig Listen, z.B. über Symptome, Dinge, die ihm helfen usw. Ich glaube, in erster Linie ist dieses Buch für jeden, der an einer Depression leidet, oder jemanden kennt, der depressiv ist, sinnvoll. Man darf nicht erwarten, dass Matt Haig großartig mit Ratschlägen um sich wirft, oder wie der Titel suggeriert, Gründen, die einem zum Leben motivieren (es gibt eine Liste mit Twitterbeiträge dazu).
Für mich persönlich wirkte es mehr wie ein therapeutisches Werk, das einem zeigt, dass man mit bestimmten Gedanken und Gefühlen nicht alleine ist. In erster Linie ist dies die Geschichte Haigs, seinem ganz persönlichen Schicksal. Man muss sagen, dass er viel Glück hatte: eine sehr unterstützende Partnerin und eine fürsorgliche Familie, die wür ihn da waren, deshalb ist für Haig die Schlussfolgerung vor allem, dass ihm Liebe gut tut. Nicht jeder, der unter Depressionen leidet, hat solche Personen im Leben und ich habe reichlich Rezensionen u.a. auf Amazon gelesen, wo sich Menschen genau deshalb aufgeregt haben. Letztenendes ist „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ eine Autobiografie mit Ansätzen und Ratschlägen – Haig selbst schreibt häufig genug, dass er sich nicht anmaßt, für alle zu sprechen. Ihm tut das Schreiben und Lesen gut, vielleicht hilft es auch anderen Menschen. Ein schlichter, genialer Gedanke!

Ich sehe es als eine Inspiration oder als einen Einstieg in dieses Thema, denn häufig geht es nicht in die dunkelste Tiefe der Depression, stattdessen schneidet Haig viele verschiedene Aspekte an, z.B. nicht die Kraft zu haben, überhaupt etwas zu tun; wie schwer es für jemanden seien kann, ohne in Tränen auszubrechen, schlichtweg einkaufen zu gehen – oder am schlimmsten: Panikattaken.
Hier möchte ich ein Lob aussprechen, da ich diese Herangehensweise sehr toll finde: jeder, aus welchen Motiven er dieses Buch liest, kann sich einen eigenen Schwerpunkt heraussuchen und für sich reflektieren.
Zusätzlich empfiehlt Haig Literatur, die ihm geholfen hat in gewissen Phasen seiner Depression. Ganz toll fand ich die Gespräche mit seinem früheren Ich, wer würde das eigentlich nicht gerne machen?

Das Schöne ist, dass man im Laufe des Buchs richtig bemerkt, wie sich die Psyche Haigs kräftigt! Ich denke, das gibt nicht nur das Gefühl, dass der unsichtbare Ich-Erzähler Buches für einen da ist, sondern es tatsächlich realistisch und machbar ist ( mindestens ein bisschen) aus seinem Loch hervorzukommen. Matt Haig betont – richtigerweise!- häufig, dass eine Depression eine unsichtbare Krankheit ist mit einer großen Macht. Dazu führt er viele Statistiken an, die mich eher gegruselt haben, aber zeigen, wie ernst man eine Depression nehmen muss, und weil er ein Mann ist, auch das Thema „Boys don’t cry“.

Was tut mir gut? Was nicht? Matt Haig hat mich inspiriert, genauer darüber nachzudenken, denn man tut häufiger Dinge, die eigentlich gar nicht optimal für einen sind. An dieser Stelle kann man mit ein bisschen Liebe anfangen – mit Selbstliebe, egal, ob man selbst unter der unsichtbaren Krankheit leidet.

1. Eine kleine Bemerkung am Rande: Meistens bin ich sehr zufrieden mit dtv-Ausgaben, sie sind einfach in vielerlei Hinsicht richtig: gutes Layout, richtige (angenehme) Schriftgröße, gute und solide Übersetzung, Standardpreise.
Aber die gebundene Version von „Reasons to stay alive“ ist nicht nur preistechnisch richtig happig, sondern in einer Schrift für Senile gedruckt. Natürlich hat dies nichts im dem Inhalt zu tun, trotzdem empfehle ich jedem, der kann, nicht diese Mogelpackung, sondern die englische Version zu kaufen.

„Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ liest sich sehr schnell und angenehm, ich hatte es binnen weniger Stunden durchgelesen. Weshalb ich empfehle, mindestens hineinzuschnuppern, falls man z.B. in einer Buchhandlung die Möglichkeit hat – es geht schnell „zur Sache“.

2. Eine größere Bemerkung: Ich hoffe, dass es nun keinen großen Aufschrei gibt, inwieweit man überhaupt qualifiziert ist, ein Buch über Depressionen zu beurteilen. Ich finde, dass Depressionen etwas sehr Persönliches und Individuelles sind und keine Depression mehr oder weniger ernstgenommen werden sollte. Ich denke, jeder sollte sich um sein Seelenwohl kümmern und dass dieses Buch gewissermaßen auch dazu rät.

THE VERDICT: Eine bewegende Autobiografie mit Ansätzen von Ratschlägen und interessanten Gedanken. Matt Haig thematisiert verschiedene Aspekte einer Depression und hinterlässt eine Spur von warmer Hoffnung. Dieses Buch lebt von einer gewissen Leichtigkeit, hebt aber (zum Glück) nicht ab. Auf jeden Fall empfehlenswert! 8 von 10 Sternen.

Ein großes Danke an Charlie von Keine Zeit für Langeweile für das Leihen dieses Buches!

Love, Katha

Quellen
Cover

Es gibt kein Erbarmen

https://i1.wp.com/buchundhaltung.ch/buchundhaltung/2010/01/adler-olsen-Erbarmen.jpg

Autor: Jussi Adler-Olsen
DT: Erbarmen
OT: Kvinden i buret
Genre: Thriller
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: dtv
Preis: 9.95€ (Taschenbuch)
Länge: 432 Seiten
ISBN: 978-3423212625

Der erste Fall für Carl Mørck

Als die dänische Politikerin Merete Lynggaard 2002 wie vom Erdboden verschluckt wird, bleiben die ratlosen Ermittler vor einem schwierigen Fall – der ungelöst in die Akten geht. Fünf Jahre später wird durch die Regierung veranlasst ein Sonderdezenat gegründet, um alte Fälle aufzurollen, den Job erhält der wieder in das Berufsleben findende Carl Mørck und stellt schon schnell fest, dass Lynggaards Verschwinden kein Selbstmord war.

Diese Geschichte ist der absolute Albtraum einer Frau: Eingesperrt in eine dunkle Druckkammer, über Jahre hinweg gequält. Der Plot teilt sich in zwei Stränge auf: zum einen die Sichtweise der entführten und leidenden Merete, auf der anderen Seite der etwas griesgrämige Kommissar Carl Mørck, so dass der Fall für den Leser nach und nach aufgerollt wird, kleine Hinweise gegeben werden und man sehr gut nachvollziehen kann, wie sich das Ereigniswirrwarr zu einem logisch-grausamen Konstrukt ergibt.
Denn wie der Titel „Erbarmen“ unschwer erkennen lässt, ist dies kein einfacher Thriller. Es ist absolute Grausamkeit, sowohl körperlich brutal, als auch psychologisch und absolut nichts für leicht besaitete.
Und dennoch, so sehr es den Leser auch quält, was das Opfer Merete durchmachen muss, kann man kaum loslassen von diesem Roman. Besonders schrecklich in Erinnerung geblieben ist mir die Szene, in der Merete Zahnschmerzen hat und ihre Entführer ihr durch eine Art Schacht eine rostige Zange hochschicken – denn das Opfer, obgleich sie sich in der blinden Dunkelheit befindet, wird beobachtet und sobald sie etwas falsches tut, zieht das Konsequenzen, wie z.B. dass der Druck im Raum erhöht wird.
Ich glaube, man kann es kaum anders sagen als grausam und pervers – und dennoch so schrecklich fesselnd, denn der Glaube an Gerechtigkeit und diese Kraft Carl Mørcks stecken an, man hofft unentwegt und fiebert mit Zähnen aufeinandergebissen auf eine Lösung hin. Denn warum bzw. wofür muss Lynggaard leiden?

„Erbarmen“ lebt nicht nur durch die Storyline, sondern auch seinen urigen, etwas eigenen und nicht immer so sympathischen Ermittler – der im Laufe des Romans Unterstützung durch den sehr lustigen Assad erhält. Ein sehr gegensätzliches, aber tolles Paar!

THE VERDICT: Dieses Buch ließ mich nicht in Ruhe und noch viel schlimmer, mir stockte gar der Atem. Ich bin selbst erschrocken, wie mich etwas so Böses, Ekeliges begeistern kann und so muss ich nur sagen, dass ich „Erbarmen“ wirklich empfehle – allerdings nicht als Einschlaflektüre! 8,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

The End of the Affair

das_ende_einer_affaere-9783423127769

Autor: Graham Greene
DT: „Das Ende einer Affäre“
OT: The End of the Affair
Genre: Drama
Sprache: Deutsch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 1951
Verlag: dtv
Preis: 9,90€
ISBN: 978-3423127769
Länge: 256 Seiten

London 1946. Bei einem Spaziergang trifft der Romanschriftsteller Maurice Bendrix seinen alten Bekannten Henry Miles, mit dessen Frau Sarah er ein Verhältnis hatte. Zu Bendrix‘ Überraschung erweist sich der sonst so einsilbige Beamte Miles als überaus gesprächig und schüttet ihm sein Herz aus: Miles verdächtigt Sarah, eine Affäre zu haben. Brisanterweise erwartet der ratlose Ehemann ausgerechnet von Bendrix, ihm bei seinen Nachforschungen zu helfen. Und plötzlich ist der Liebhaber eifersüchtiger als der Gatte. Er beauftragt einen Detektiv, denn er selbst ist es, der unbedingt herausbekommen will, ob und wen Sarah liebt, aber vor allem, warum sie ihn damals verließ, nach jener gefährlichen Liebesnacht im Bombenhagel des Krieges.

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, um diesen Roman zu rezensieren, denn ich meine noch nie ein derart seltsames Buch gelesen zu haben. Der Leser wird aus der Perspektive des Ich-Erzählers Maurice durch die Geschichte geführt, erlebt all seine Gedanken, Gefühle und Blickwinkel, was das Buch schon sehr besonders macht. Hierbei handelt es sich weniger um den typischen Ich-Erzähler, nein, man wird wirklich Teil der Wut, des Hasses und des Selbstmitleides, in dem sich Maurice über 256 Seiten badet. Zwar ist sehr spannend, de facto alles mit zu bekommen und das gibt der Figur unheimlich Charakter, Salz und Pfeffer, endlich mal kein platter, nichtssagender Charakter – doch es ist auch anstrengend, ganz als jammere einen ständig jemand über seinen Liebeskummer die Ohren voll.
Der Schreibstil ist schön, die Worte gut gewählt aber auch sehr pathetisch und dramatisch. Ich denke, hier ist ein Punkt, an welchem viele den Roman nicht mögen, denn diese sehr selbstmitleidige, pathetische Art kann durchaus nerven – hat dennoch was lehrreiches und faszinierendes. Denn dies ist ein Punkt, welcher mir an dem Roman durchaus gefällt: Man reflektiert sehr viel, Maurice zwingt einen flrmlich, über sich selbst nachzudenken und gibt einem selbst teilweise durch eigenes, offensichtliches Fehlverhalten, die Möglichkeit zu lernen.
Auch den Einstieg in den Roman, wie er darüber philosophiert, dass man bei einem Anfang eines Buches ja einen x-beliebigen Moment aus jemandes ‚Leben‘ nehme und ob dies angemessen sei, faszinierte mich.
Dennoch bin ich etwas enttäuscht, es ist ganz, als sei die Geschichte wirklich gut gemeint, auf eine ganz neue Art und Weise ausgelegt, nichtsdestotrotz erscheinen mit diese fast 260 Seiten lang – langatmig und häufig wiederholend, was mich ziemlich störte, denn ab und an wollte ich es wirklich nur gelernt in die Ecke werfen und Maurice endlich meine Meinung sagen!

THE VERDICT:
Zusammenfassend bin ich gemischter Gefühle: Ja, ich mag den Ansatz, die Umsetzung jedoch ist sehr gewöhnungsbedürftig und dürfe nicht jedermanns Sache sein. Genauso, wie man sich mit viel Liebe und Geduld an eine Freundin mit Liebeskummer und einem Hang zur Dramatik wendet, genauso sollte man dieses Buch behandeln. Irgendwie hatte ich mir etwas mehr erhofft, deshalb 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

The fault in our stars

81ctoDX0XrL._SL1500_

Autor: John Green
DT: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
OT: The Fault In Our Stars
Genre: romantisches Drama, Jugendroman
Sprache: Deutsch
Übersetzer: Sophie Zeitz
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Reihe Hanser, dtv
Preis: 9,95€
ISBN: 978-3423625838
Länge: 336 Seiten

„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. Ein tiefgründiges, emotionales und zugleich freches Jugendbuch über Krankheit, Liebe und Tod.“ [Lovleybooks.de]

Ich möchte mich als aller erstes bedanken, bei Charlie @ keinezeitfuerlangeweile, weil sie mich gezwungen hat John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zu lesen.

Ich lese Klassiker, seit einem Jahr nur Klassiker und plötzlich schlage ich dieses Buch auf und es ist so voller Wärme und Liebe und dennoch Ernst und ich will behaupten, dass dieser Roman eines Tages ein Klassiker wird. Die Hauptfigur Hazel erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, ist dabei offen, witzig und ernst und sieht auf eine wundervolle Weise die kleinen Dinge. Sie begegnet Augustus bereits am Anfang es Romanes, wo er sie während einer Art Gruppentherapie unaufhörlich anstarrt. Es geht nicht in jedem Sinne nur um die wunderschöne, herzzerreißende Liebesgeschichte von Hazel und Gus, denn dieses Buch ist vieles, aber nicht kitschig, denn Krebs, den sie beide haben, kann kaum kitschig sein.

Es ist so schwierig, die richtigen Worte für diesen Roman zu finden, denn er trifft die richtigen Worte und schafft es, einen trotz der unglaublichen Tragik der unheilbaren Krankheit, die Hazel hat, einen zum Schmunzeln zu bringen.

„Wie heißt du?“, fragte er [Gus]
„Hazel.“
„Nein, dein ganzer Name.“
„Hm. Hazel Grace Lancaster.“ (S.20)

Und er sollte sie die ganze Zeit Hazel Grace nennen, was zugleich bürokratisch, aber auch süß klang. Gus ist nicht der perfekte Typ und Hazel schildert dies auch, aber er verzaubert einem trotzdem, denn sein Verhalten ist allzu menschlich: Gus möchte nicht vergessen werden. Als er Hazel davon das erste Mal berichtet, hält sie ihm de facto einen Kurzvortrag über ihre Meinung, der ihm die Sprache raubt. Das ist Hazel! Sie ist wortgewandt, spricht über den falschen Gebrauch von ‚buchstäblich‘, was mehr oder weniger der Running Gag des Buches ist. Und auch wenn man weiß, dass dieses Buch ein tragisches ist, schenkt es mit der Lebensfreude, die Hazel und Gus mittels ihrer Liebe aussprühen, Hoffnung. Am Schönsten finde, wie das Thema des Vergessenwerdens behandelt wird, weil wir Menschen alle Teil davon sind und ich mich persönlich auch davor fürchte.

Ein großer Pluspunkt sind ohne Zweifel die Charaktere, die alles andere als flach sind oder sich auf wenige Eigenschaften, die man im großen und ganze  mit den Adjektiven ‚gut‘ und ‚böse‘ beschreiben lassen, beschränken, was bei einigen Jugendbüchern der Fall ist. Wo wir schon beim nächsten Punkt sind: bei Amazon liegt die Altersempfehlung bei 12-15 Jahre. Dem Mindestalter kann ich zustimmen, aber eigentlich ist es lächerlich zu behaupten, dass mit 15 schluss ist, denn ich glaube, dass dieser Roman verschiedenste Altersklassen anspricht, allen voran, weil die Figuren sehr erwachsen sind.

Ich darf mich glücklich nennen, weil ich nicht krebskrank bin, aber noch glücklicher darf ich mich nennen, weil ich dieses Buch gelesen habe. Lev Großmann vom Time Magazine sagt folgendes: „So ehrlich und intensiv wie nichts sonst, was ich in letzter Zeit gelesen habe, weder in Jugendbüchern, noch in anderen.“

Danke, Charlie. Wer weiß, ob ich dieses Buch ohne dich gelesen hätte, wo ich so lange Jugendbücher (auch berechtigt) abgestempelt habe. Aber irgendwie hat es was von einem Klassiker, denn diese Geschichte ist zeitlos-einzigartig.

THE VERDICT: Ich glaube, dass ich hierbei den Gebrauch des Wortes „episch“ nicht misshandle, denn „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ kann ich nicht anders beschreiben. 9,5 von 10 Sternen – Prädikat Episch!

Love, Katha

We’re all made of glue

Hallo!

Zunächst wünsche ich jedem Leser natürlich einen guten Start in den Mai 😉

Es gibt immer Bücher, die man liest und zu einer bestimmten Kategorie gehören, die man gerne liest. Bei manchen sind das Abenteuerbücher, Sci-Fi, Thriller, Liebesgeschichten und weiß der Geier was. Bei mir sind es mit Tendenz Abenteuer- und Historienromane bzw. Klassiker. Meistens jedenfalls, denn es gibt diese eine, etwas schräge Autorin, deren Bücher von sehr seltsamer Natur sind, die ich aber dennoch gerne lese, obwohl sie aus der Reihe fallen (oder vlt gerade deshalb?).

Autor: Marina Lewycka
Titel: Das Leben kleben
Genre: Humor
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2010
Verlag: dtv
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3423213493
Länge: 464 Seiten

Sie begegnen sich zufällig an einem Müllcontainer: Georgie Sinclair, neuerdings alleinerziehende Mutter, und Mrs Shapiro, eine verschrobene alte Dame mit sieben Katzen, einer Vorliebe für Schnäppchenjagd und die großen russischen Komponisten – und einem Geheimnis aus der Zeit des Krieges.“

Copyright©Deutscher Taschenbuch Verlag

Es sollte der Sommer werden, in dem ich alle bis dato von Marina Lewycka verfassten Bücher lesen sollte, ihr damals neustes war mein Erstes. Georgies Leben ist ziemlich verwahrlost und durcheinander: sie schreibt über Klebstoff in einem Fachmagazin und ihr Sohn zieht sich im Internet Weltuntergangwebsites rein. Sie begegnet der sehr komischen und schrulligen Naomi Shapiro, die in einem riesigen Haus lebt, auf welches die Makler ein Auge gefasst haben und sie deshalb unbedingt in ein Altersheim einliefern wollen – ganz gegen ihren Willen. Georgie stürzt in ein Abenteuer, welches wohl das Chaos in Person ist und ihr Leben wird eine 360 Grad Wendung machen.

Die Geschichte wird mit einer enormen Herzenswärme und Selbstironie erzählt, die einen mit jenem genialen Humor aber auch aberkomischer Tiefheit zum Lesen zwingen. Es ist mir, als beweise dieses Buch, das die ganzen verrückten, humorvollen Romane, wie z.B. Jonas Jonassons „Hundertjähriger“ nichts gegen so menschliche Geschichten sind, die einem den wohl schönsten Humor auf die Lippen zaubern. Skurril, urig, eigen – und zauberhaft geschrieben, dieses Buch hat einen eigenen Charakter, was ich nur als hervorragend befinden kann!

THE VERDICT: Manchmal ist der Roman schon heftig, wie z.B. als Georgies Sohn einen epileptischen Anfall bekommt. Aber mit all den Makler Intrigen, des großen Familiengeheimnisses der Mrs Shapiro und der tollen Ich-Erzählerin Gerogie, kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Denn irgendwie ist er auch Klebstoff für einen selbst.Außerdem ist das Cover, wie bei allen Lewycka-Büchern sehr ansprechend und lustig! Ein kleiner Abzug auf Grund des etwas schmalzigen Endes, das nicht unbedingt mit dem Rest des Romanes harmoniert.  8 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Optimismus ist die Fähigkeit, den blauen Himmel hinter Wolken zu ahnen.“ – Madeleine Robinson