Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

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Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

The Duchess

OT: The Duchess
DT: Die Herzogin
Cast: Keira Knightley, Ralph Fiennes, Dominic Cooper, Haylay Atwell
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Andres Thomas Jensen, Jeffrey Hatcher, Saul Dibb
Musik: Rachel Portman
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Basierend auf dem Leben der Georgiana Cavendish, Duchess of Devonshire
Ausgezeichnet mit einem Oscar für das Beste Kostümdesign.

Georgiana Spencer wird gerade mit 17 Jahren mit  deutlich älteren Lord William Cavendish, Duke of Devonshire verheiratet. Die lebhafte junge Frau führt jedoch ein recht tristes Leben mit dem kühlen und distanzierten Herzog auf seinem Anwesen. Dass sie nicht sofort einen Jungen, sondern ein Mädchen zur Welt bringt, zerrüttet ihr Verhältnis noch mehr. Als Georgiana jedoch in Bath Lady Elisabth Foster kennenlernt, erfreut dies ihren Mann auf verdächtige Weise.

Traurig, dramatisch und optisch mitreißend ist dieses Portrait der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts und zeigt, wie Männer praktisch jede Grausamkeit anwenden können und damit durchkommen, während der kleinste Fehler einer Frau schon zum Verbrechen wird – wie beispielsweise Mädchen zu bekommen, anstelle eines Erbens.

Was einem natürlich als erstens ins Auge sticht, ist wie opulent und anregend der Film gestaltet ist, die Kostüme sind ein Traum, das ganze Setting ein Augenschmaus – schon dafür lohnt es sich, in den Film hineinzuschauen. Nicht umsonst gewann Michael O’Connor den Oscar für das Beste Kostümdesign.

Wie in jedem Kostümfilm glänzt Keira Knightley in ihrer Rolle – auch hier als Georgiana. Sie spielt die fröhliche, die erschütterte, die verliebte, die naive, die kämpferische – ja, jede Emotion überzeugend. Ich muss einfach zugeben, dass ich sie in diesem Genre am liebsten sehe. Die Verfilmung über die faszinierende Persönlichkeit Georgiana Cavendish informiert, fasziniert und macht neugierig, mehr über diese Frau zu erfahren, die es geschafft hat, sogar die Politik zu beeinflussen und die Whig-Partei zu fördern.  Knightleys Leistung in diesem Film zeigt, dass man sie  bloß nicht als Sweetheart in Liebesfilmen abschreiben soll, sondern dass sie eine sehr gute Schauspielerin ist, die man ruhig ernster nehmen kann.

Ralph Fiennes (den ich manchmal echt gerne zum Ausgleich in freundlichen Rollen sehen würde), beweist hier, wie unglaublich unsympathisch, abartig und verhasst er einem werden kann. Ich schätze ihn unglaublich in diesen dunklen Rollen, auch wenn ich mich die ganze Zeit über die Rolle aufrege, weil er sie einfach so überzeugend spielt. Er ist hervorragend in der Rolle des passiv-agressiven Mannes.

Rachel Portman bleibt auch in diesem Film ihrem Stil treu, es ist bemerkenswert wie man ihre Stücke fast immer wiedererkennt: Die melancholischen Streicher stehen wie immer im Vordergrund. Die Musik ist – wie leider auch Georgianas Leben – recht düster und nur mit kleinen Lichtblicken versehen. Das musikalische Thema steht hier stark im Vordergrund und lässt sich durch den gesamten Soundtrack wiederfinden, schafft es aber, nicht eintönig zu klingen. Wie immer tolle Leistung!

Schade finde ich, was ich allerdings nur im Nachhinein beim erstellen dieser Rezension gelesen habe, ist dass der Film u.a. damit beworben wurde, dass Prinzessin Diana eine Nachfahrin Cavendishs war und sie verbunden im Schicksal seien, was ein ziemlich gruseliger und geschmackloser Vergleich ist, der vollkommen fehl am Platz ist. Der Film hat es wirklich nicht nötig, damit zu werben.

Ein weiterer, großartiger  Film des Regisseurs Saul Dibb ist „Suite Française“, den ich jedem, der Dramatik und traurig-zarte Liebesgeschichten mag, sehr ans Herz legen kann.

THE VERDICT: Ein optisch sehr ansprechendes Portrait von Georgiana Cavendish mit zwei guten Hauptdarstellern, welche die Dramatik des Lebens dieser Frau auf den Punkt bringen und ein Film, der neugierig macht, mehr von dieser faszinierenden Frau zu erfahren. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Der Leuchturm und das Kind

Autor: M.L. Stedman
OT: The Light Between Oceans
Genre: Drama
Sprache: Englisch
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 2012
Verlag: Scribner / Simon and Schuster
Preis: 17 US Dollar
ISBN: 978-1-4516-8175-8
Länge: 345 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Das Licht zwischen den Meeren“ erschienen.

„The light between oceans“ erschien gleichnamig 2016 als Film mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

Als Tom Sherbourne nach Jahren an der Front des Ersten Weltkrieges, eine Stelle als Leuchtturmwärter auf der Insel Janus Rock erhält, verfolgen ihn noch immer traurige Erinnerungen. Dann und wann fährt ein Boot ihn zur Küste, in den nächstgelegene Stadt Partageuse, wo er eines Tages die junge Isabel Greysmark kennenlernt. Auf eine ganz besondere Weise schafft sie es wieder, das Totgeglaubte in ihm zum Leben zu erwecken. Bald heiraten sie und ziehen gemeinsam auf die isolierte Insel. Isabel wünscht sich neben ihrem geliebten Mann unbedingt ein Kind und träumt davon, als Mutter aufzublühen, doch nach zwei Fehlgeburten, ist sie nicht mehr die alte. Als jedoch eines Tages auf mysteriöse Weise in einem Boot ein toter Mann und ein lebendes Baby angespült werden, weiß Isabel, dass das ein Zeichen Gottes ist und so tauft sie das Kind liebevoll Lucy. Tom hingegen plagen schreckliche Schuldgefühle, besonders als sich herausstellt, dass eine Frau namens Hannah Roennfeld auf dem Land ihren Mann und ihr Baby vermisst…

Wer vielleicht den Trailer der Verfilmung gesehen haben mag, wird glauben, dass der Plottwist in meiner Zusammenfassung schon gesagt worden ist – so ist es definitiv nicht. Im Grunde erledigt sich diese Vorgeschichte auf gut ein drittel des Buches und wird ziemlich schnell angedeutet und bildet somit den Grundstein für dieses Drama.

M.L. Stedmans Roman ist in drei Teile gegliedert: Zum einen das herrlich romantische und zarte Zusammentreffen von Tom und Isabel, welches sich beim Lesen anfühlt, als sie man selbst verliebt.
Im zweiten Teil deutet sich die Tragödie an und bildet die zwei Seiten, zwischen denen Tom steht und verzweifelt versucht die Gerechtere zu finden: Seine Frau, die von nichts mehr träumt, als eigene Kinder zu haben, allerdings keine haben kann und ohne Lucy in eine schwere Depression fallen würde und Hannah, die Tochter eines reichen Tycoons, die einen Deutschen geheiratet hat, welcher von der ganzen Stadt gehasst und auf das Meer getrieben wurde, da er von wütenden Veteranen verfolgt wurde und seither samt Kind aus ihrem Leben gerissen wurde.
Im dritten schließlich, nun, ich will nicht spoilern.

Besonders durch den Schreibstil werden die schönen Momente wie in leuchtendem Licht darstellt, die Kargheit eines Insellebens genauso trocken ausgedrückt und irgendwo dazwischen liegt eine seltsame Grundstimmung, welche sich wie ein Gewitter aufbaut.

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Das fiese an dem Roman ist, dass aus diesen drei Perspektiven geschrieben wird und man sich sehr gut in Isabel, Tom und Hannah hineinversetzten kann, da man von jeder Figur ihre Wünsche, Gedanken, Hoffnungen und Gefühle direkt mitbekommt und der Roman dadurch nicht nur inhaltlich grausam tragisch ist, sondern auch der*die Lesende selbst, weil es unfassbar schwer ist, selbst zu entscheiden, mit wem man sympathisieren soll. M.L. Stedman hat ein Drama von einem sehr authentischen Gefühlschaos mit viel Tiefe konstruiert und ist dabei keineswegs kitschig, sondern strikt und knallhart. Was die Charaktere besonders real macht, ist die Tatsache, dass sie alle ihre Ecken und Kanten haben und stellenweise auch ziemlich unsympathisch seien können.

„Das Licht zwischen den Meeren“ ist dramatisch aufgebaut wie eine griechische Tragödien, nur mit dem Unterschied, dass nicht alle am Ende sterben – stattdessen ist das eigene Herz gebrochen und einige Tränen vergossen.

Insofern lässt es sich nicht anders ausdrücken, als zu sagen, wer diese Art von Roman lesen will, muss schon masochistisch verlangt sein (zumindest lesetechnisch), weil es einfach nur unglaublich wehtut, verzweifelt und hilflos dieser drei Schicksale ausgeliefert zu sein.
Ich habe dem ersten Teil des Buches für seine besonders zarte Seite sehr geliebt, doch im tragischen Teil wurde es mir manchmal auch einfach zu viel, ich war den endlosen Kreisbewegungen der Frage um das Kind einfach nervlich nicht gewachsen.

Die Kehrseite dieses sprachlich auch sehr ungewöhnlichen Romans, zeigt sich im dritten Teil, wo das hin und her von Lucys Schicksal doch deutlich langatmiger ist, als die ersten beiden Teile des Romans. Hier muss man sich als Lesende*r als geduldig erweisen und durchhalten, was echt schade ist, da das den Spannungsbogen ziemlich senkt.

THE VERDICT: Ein tragischer, trauriger, das Herz zerschmetternder Roman, der sich zweiweise echt hinzieht, aber auch zu Tränen rührt und im Innersten schmerzt. Zusammenfassend war es teils einfach zu viel für mich. Deshalb gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Ein Versprechen – Reise in die Vergangenheit

OT: A Promise
DT: Ein Versprechen – Reise in die Vergangenheit
Cast: Richard Madden, Alan Rickman, Rebecca Hall, Maggie Steed
Genre: Drama, Liebesfilm
Regie: Patrice Leconte
Drehbuch: Patrice Leconte
Musik: Gabriel Yared
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Vefilmung von Stefan Zweigs Erzählung „Reise in der Vergangenheit“

Wir befinden uns im Jahr 1912: der junge Ingenieur Friedrich Zeitz erhält eine Stelle bei dem Großunternhemer Karl Hoffmeister, ein alternder Mann mit keinem guten Gesundheitszustand. Bei einem Besuch auf dem Anwesen der Hoffmeisters lenrt Friedrich die deutlich jüngere, sehr schöne Frau, Charlotte, seines Arbeitgebers kennen und versucht sie zunächst so gut wie möglich zu meiden, weil ihn ihre Anziehungskraft durchaus beunruhigt. Kurz bevor der Erste Weltkrieg ausbricht, ist Friedrich gezwungen auf Grund der Krankheit Karl Hoffmeisters an seiner Stelle die Auslandsvertrung in Mexiko zu repärsentieren. Vor seiner Überfahrt, kochen schließlich die Gefühle von beiden über – doch durch den Krieg ist kein postalischer Verkehr mehr möglich, es bleibt nur ein Verprechen, dass sie sich zum Abschied gaben.

Mich dünkt, dass Rebecca Hall, wie sie schon in Parade’s End zeigte, wie geschaffen für diese Art von Rollen ist. Durch ihre recht außergewöhnliche Schönheit und einen unglaublichen Charme und dem bezabuernd Natürlichen, schafft man es im Film sich sogar in sie zu verlieben! Es ist, als schmelze sie perfekt mit den 1910ern zusammen. Und ihre hellen Gewänder machen sie zusätzlich zu einem optischen Traum.
Leider wirkte Richard Madden als Freidrich Zeitz auf mich wie ein kalter Fisch mit dem immergleichen Geischtsausdruck. Denn obwohl er natürlich mit sich sebst kämpft und versucht, seine Gefühle ihr gegenüber nicht zu offensichtlich werden zu lassen, wirkt er mit diesem kalten Blick unheimlich unsympathisch und nichtssagend.
Bei Allen Rickman merkt man, wie Stefan Zweig es in seinem Werk auf das Psycholgische angsetzt haben muss, denn zumeist spielt er nur den stillen, geheimisvollen Beobachter, bei den man sich fragt, ib er denn gar nichts ahnt, oder selbst die Finger im Spiel hat.

https://i0.wp.com/www.impawards.com/intl/misc/2014/posters/promise_ver2_xlg.jpgInteressant und wirklich gut gemacht, fand ich die Filmografie: Besonders in den Momenten, wo Freidrich Charlotte betrachtet, beispielsweise, als er die Treppe hinter ihr folgt, wachkelt die Kamera leicht, man erlebt den Augenblick mit seinem ransendem Herzen mit, welches ihr unbedingt näher sein zu will, als er darf. Oder es wird aus Friedrichs Augen gezeigt, wie er Charlottes Lachen still beobachet, oder gar den Schmuck an ihrem Hals neugierig beobachtet. Dadurch entsteht ein ganz eignes Knistern, welches ich in dieser so leisen Form selten gesehen habe.
Meist ist das Licht des Fimes recht duster gehalten, ähnlich wie der traurige Konfikt,in den die drei Figuren verwickelt sind, doch in den frohen Momenten, in denen er mit Charlotte allein ist, scheint es ein ganz natürliches leuchten zu geben – ähnlich wie auf dem Filmplakat.

Dazu kam noch ein sehr melancholischer, vor allem durch Streichermelodien geprägter Soundtrack, der die trübe, aber in ihrer geheimen tiefe leidenschfatliche Grundstimmmung wunderschön untermalt. Als träume man im Herzen von der Liebe, die so unerreichbar ist.

Was zunächst wirkt, wie eine sich über den ganzen Film hinwegziehende, langsam aufkeimene Liebesgeschichte, ist vielleicht für unsere modernen Augen fremd – denn genau durch dieses Entfalten wird der Film zu einer Retrospektive für alte, vergangene Werte. Anfangs mag diese Sichtweise auf eine Beziehung seltsam wirken, aber ich muss sagen, dass genau diese Tatsache den Film historishc betrachtet authentisch macht: Das Warten auf die Liebe, das Versprechen (wie der Filmtitel schon sagt) auf jemanden zu warten. Andereseits dünkt mich, dass Stefan Zwieg es nicht unbedingt auf die Liebe, sondern auch auf ein Portrait einer dieser Zeit vor dem Ersten Weltrkieg abgesehen hat, weshalb ein tiefere Einblick in Zeitzs Arbeit (auch in Mexiko) durchaus interessant gewesen wäre. Irgendwie hatte ich durchgehend das Gefühl, eine Komponente fehlt.

THE VERDICT: Ein ganz anderer Liebesfilm, der mit seiner stillen Art in eine vergangene Zeit zurückführt und mich auf den Roman sehr neugierig gemacht hat. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Suite française

OT: Suite française
DT: Suite française – Melodie der Liebe
Cast: Michelle Williams, Kristin Scott Thomas, Matthias Schoenaerts, Margot Robbie, Ruth Wilson, Tom Schilling
Genre: Drama
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Matt Charman
Musik: Rael Jones
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irène Némirovsky.

Frankreich im Sommer 1940 während der deutschen Besatzung: Die junge Lucile Angellier lebt unter der Obhut ihrer dominanten Schwiegermutter Madame Angellier. Ihr Ehemann ist im Krieg und beide Frauen warten auf Nachricht von ihm, Luciles einzige Freude ist das Klavierspiel. Ihr Leben ändert sich dramatisch, als Pariser Flüchtlinge im Dorf eintreffen – bald gefolgt von einem deutschen Regiment, das in dem kleinen Ort stationiert wird. Viele Einwohner müssen Soldaten bei sich aufnehmen. Der deutsche Offizier Bruno von Falk wird im Hause der Familie Angellier einquartiert. Lucile versucht den attraktiven und kultivierten Bruno zu ignorieren doch schon bald kommen sich die beiden durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik näher. [Klappentext]

Ich muss gestehen, dass ich den guten Matthias Schoenaerts immer mehr lieben lerne, denn auch in diesem Film zeigt er, dass er in der Rolle des romantischen, aber nicht  kitschigen und jungen Mann mit mehrdimensionalem Charakter brilliert! Michelle Williams spielt das absolute Gegenstück zu dem Soldaten: eine ängstliche, verschlossene junge Frau. Zwar spürt man von Anfang an ein unglaubliches (in gewisser Weise geheimes) Kribbeln, doch nur ganz langsam und vorsichtig lässt sie die Annäherungsversuche des galanten Mannes zu – eine wirklich einzigartige Geschichte folgt.

Als Hintergrund ist wichtig zu wissen, dass die Autorin Irène Némirovsky leider nie die Möglichkeit hatte, ihr Werk zu beenden, weil 1942 sie nach Auschwitz deportiert wurde. Der Romanzyklus sollte insgesamt aus fünf Teilen bestehen, sie konnte allerdings nur zwei davon schreiben. Das Manuskript wurde gute 60 Jahre später wiederentdeckt und 2004 erstmal veröffentlicht.

Doch zurück zum Film: Da die zarte Liebesgeschichte besonders auf der gemeinsamen Liebe für Musik begründet wird, musste der Film zwangsläufig einen guten Soundtrack haben, um diese Liebe zu untermalen – und ich wurde nicht enttäuscht: Nostalgische, französische Chansons und zarte Streicher- und Klavierthemen, die mit ihrer melancholie unter die Haut gehen! Die andere Seite des Filmes spiegelt der Soundtrack auch wieder: das Grauen und die Angst vor der Willkür der deutschen Bestzung, sowie alltägliche Demütigung durch ganz besonders unverschämte Offiziere.

Ohne zu Spoilern, möchte ich betonen, diese Geschichte überaus tragisch und bewegend ist, und dank der grandiosen Besetzung extrem unter die Haut geht. Als ein Mensch, der relativ viele herzzerreißende Dramen gesehen hat, wie zum Beispiel „die Königin und der Leibarzt“ oder „Abbitte“ , dachte ich, eine gewisse Abhärtung bereits zu besitzen, aber die Intensität dieses Film brach mein Herz! Suite Française gehört allein durch seine unvollendete Geschichte und dem tragischen Schicksal seiner Autorin zu den erstaunlichsten und auch spannendsten Liebesgeschichten (ohne auch nur ein einziges Mal überhaupt an Kitsch heranzukommen), welche ich je gesehen habe.
In gewisser Hinsicht möchte ich hier aber auch warnen, denn ich glaube ein Film mit solch melancholischer, drückender Grundstimmung, ist nicht leicht zu verkraften und jedermanns Geschmack – vor allem durch das offene Ende, welches mir selbst zu schaffen gemacht hat.

Trotz der düsteren und tragischen Handlungen, spielt der ganze Film in einem hellen, sommerlichen Licht, was diese zarte und vorsichtige Liebesgeschichte, die eigentlich mehr eine Liebesandeutung ist, auf eine bezaubernd Art untermalt. Denn viele historisch angehauchte Filme arbeiten mit Farbfiltern, welche die Szenerie bestenfalls besonders düster wirken lassen und leider häufig erschreckend unnatürlich wirken (und ab und zu nicht passen). Hier jedoch wird mit dem natürlichen Licht eines französischen Sommers gearbeitet, es werden provinzielle Straßen in der Sonne gezeigt oder wie das satt grüne Gras in einem Blumenmeer vom Wind durchzogen wird: So entsteht eine nostalgisch, ja melancholisch und wie aus einem verzauberten, alten Traum wirkende Stimmung, welche die Gefühlstiefe ungeheuerlich betont.

THE VERDICT: Besonders tief berührend und besonders optisch wunderschön, mit zwei grandiosen Hauptdarstellern und einem Soundtrack, der nicht mehr aus dem Kopf geht, hat dieser Film mein Herz erobert – und gebrochen! 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die unsterbliche Familie Salz

https://i1.wp.com/www.dtv.de/_cover_media/450b/9783423280921.jpgAutor: Christopher Kloeble
OT/DT: Die unsterbliche Familie Salz
Genre: Familiengeschichte
Ersterscheinung: 2016
Verlag: dtv
Preis: 22 Euro (gebunden)
Länge: 440 Seiten
ISBN: 978-3423280921

Diesmal möchte ich meine Rezension etwas anders aufbauen, um meinem Ärger Herr zu werden, denn dieses Buch ist für mich der Beweis davon, wie sehr man sich beim Überfliegen eines Klappentextes, von einem tollen Cover und einem interessanten Buchtitel blenden lassen kann.

Inhalt Klappentext vom Verlag (dtv) : Reich an Glanz un voller dunkler Seiten ist die Geschichte der außergewöhnlichen Familie Salz: Sie beginnt Anfang des 20. Jahrhundertd mit Intrigen in Münchener Bierkellern und einem folgenschweren Mord in Leizig. In den 40er Jahren muss sich Lola Salz auf eine Odysee quer durch das Deutsche Reich begeben; das Leben mit ihr beschreibt ihre Tochter in den 60er Jahren als Horror. Kurz Salz ist 1989 Teil einer herrlichen Wendekomödie, in der alle Karten der Familie neu gemischt werden. Seine Tochter Emma Salz sucht aber 205 detektivisch nach ihrem Schatten und der Wahrheit. Im Zentrum stehen immer das prächtige Hotel Fürstenhof in Leipzig, Zuhause und Existenzgrundlage der Familie Salz, – und die Frage: Welcher Schatten werfen wir auf die Generationen nach uns?

Wer sich nun eine Familiensaga vorstellt wie die Verfilmung der Adlon-Dynastie oder Ähnliches irrt sich. Wer sich eine Familiengeschichte vorstellt, irrt sich.
In einem hat der Klappentext allerdings recht „Horror“. Kurz und knapp, der Inhalt ist eher so:

Tatsächlicher Inhalt: Lola Rosa Salz und ihre Familie machen sich das Hotel „Fürstenhof“ 1914 zu eigen, indes wird Lolas Mutter krank und fällt ins Koma. Als Lola nachts dem Jungen Maria auf dem Dach begegnet, deutet Lola fortan alles nach den Schatten eines Menschen deuten. Als der Junge sie überzeugt ihre halbtote Mutter mit einem Kissen zu ersticken, wird Lola in ein Internat geschickt und vom Fürstenhof verbannt, den sie für die nächsten 50 Jahre abgrundtief hassen wird.
Sie lernt ihren Mann kennen, bekommt zwei Kinder, sie müssen sich durch den Krieg schlagen. In den 60er Jahren wird Lola alkoholsüchtig und erzählt ihrer knapp 17 Jährigen Tochter Aveline stets vor dem Einschlafengehen, dass sie auf den Schatten der Menschen achten muss, um nicht vergewaltigt werden zu müssen. Aveline entdeckt in dieser Zeit ein alkoholhaltiges Beruhigungsmittel, konsumiert dieses exzessiv, lässt sich von einem jungen Mann schwängern, der sie zur Geburt ihres Sohnes verlässt. In den späten Achtzigern verliebt sich ihr Bruder bei einer Polizeikontrolle und einenm kurzen Blick in ein DDR-Mädchen und will das Hotel wiedererobern, was die Familie komplett auf den Kopf stellt, weil „Mutti“ Lola ganz andere Pläne hat.

Die Schattenparanoia bleibt durchgehend und steigert sich sogar: zum Ende hin wirkt es, als seien Charakter oder Äußeres ganz gleichgültig und als könne der Schatten durch eine Art übernatürliche Macht etwas über das tiefste Innere eines Menschen aussagen, was mir etwas zu absurd wurde, denn wenn ein Mensch keinen Schatten hatte (wie auch immer das funktionieren sollte), dann sei er böse. Erschrocken las ich auf mehreren Seiten Begeisterungslieder über die Genialität und die philosophische Tiefe dieser Schatten, was es vielleicht gewesen wäre, wenn nicht jeder Schatten zur zweiten Hälfte des Buches als Vergewaltiger gedeutet worden wäre und ihm die Bedeutung angemessen wurde, als sei er der Heilige Gral. Nach einer Weile war ich schlichtweg genervt und gegruselt, was für ein furchtbaren Schmarrn ich las.
Gleichzeitig gab es auch einen Fall im Buch, wo eine Figur keinen Schatten sehen konnte – was mich verwirrt und verstört zurückließ. Wohin wollte dieses Buch? Es schien mir, als sei sich der Autor selbst nicht sicher gewesen, worüber er schriebn. Meiner Meinung nach wurde aus einer interessanten Legende ein abgedroschenes Mystery-Ding.

Ein Pluspunkt war für mich der Anfang, wo Lola auch noch etwas urig und sympathisch war, ich hatte lauter Ideen, wie sich das Buch entwickeln könnte, die besondere Freundschaft zu Maria wurde leider abgebrochen (was noch nachvollziehbar war), der Kampf ums Leben und durch den Krieg war sehr fesselnd und traurig, wirkte aber durch seine Brutalität und der beschriebenen Angst äußerst realistisch, was mir sehr gefiel – doch ab der Nachkriegszeit wurde die ganze Familie komplett verrückt.

Allerdings muss man dem Buch lassen, dass es in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist, ja, auch die Idee mit dem Schatten, aber auch die Betrachtung der Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven, empfand ich als ziemlich grandios und abwechslungsreich. Nur die Umsetzung war gruselig und abschreckend.
Beispielsweise mochte ich sehr, dass Aveline ihren Teil aus der „Du“-persepktive erzählt, fand es aber bei Alfons ganz schrecklich das sämtliche wörtliche Rede schlichtweg kursiv geschrieben wurde. Aber das war noch in Ordnung, später im Buch war wörtliche Rede überhaupt nicht mehr gekennzeichnet und war nur bedingt zu erkennen (meist erst im Nachhinein, was den Lesenfluss nicht begünstigt.)

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Vorablesen erhalten.

THE VERDICT: Anfangs noch sehr reizvoll und spannend, wird der Roman bei gut der Hälfte zunehmend mysteriöser, böser, verwirrender und komplett NICHT nachvollziehbar und war deshalb eine riesige, nervige Enttäuschung. Ich war froh, als ich es endlich weglegen konnte. 1 von 10 Sternen – Hände weg, es gibt so viel bessere, mysteriöse Familiengeschichten.

Love Katha

Quellen
Cover

Suffragette

OT: Suffragette
DT: Suffragette – Taten statt Worte
Cast: Carey Mulligan, Helena Bonham Carter, Meryl Streep, Ben Whishaw
Genre: Drama
Regie: Sarah Gavron
Drehbuch: Abi Morgan
Musik: Alexandre Desplat
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Maud (Carey Mulligan) ist eine arbeitende Mutter, die zunächst eher zufällig in die beginnende Frauenrechtsbewegung um Emmeline Pankhurst (Merly Streep) hineingezogen wird. Mauds Wunsch nach Gleichberechtigung führt dazu, dass sie ihren Job verliert, von ihrem Ehemann auf die Straße gesetzt wird und selbst um das Recht, ihren Sohn zu sehen, kämpfen muss. Aber die Frauen, sogenannte Suffragetten,halten zusammen – um gemeinsam den inspirierenden und herzerweichenden Kampf um Frauenrechte, um Würde und Selbstbestimmung fortzusetzten. [Klappentext]

Als allererstes möchte ich sagen, dass der Klappenext meiner Meinung nach irreführend ist, zwar gibt er den Inhalt richtig wieder, aber er macht den Eindruck, als sei dieser Film eine Shakespear’sche Tragödie. Das ist er nicht, ganz im Gegenteil, denn vielmehr weist „Suffragette“ auf eine schmerzhafte Weise auf eine Wahrheit hin: diese Frauen haben für etwas gekämpft, was für uns hier in Europa selbstverständlich geworden ist, so sehr, dass wir fast schon vergessen haben, welches Privileg diese Form der Gleichstellung ist.

Das ist einer der Filme, auf die ich mich schon länger gefreut habe, vor allem als großer Fan von Carey Mulligan seit ihrer großartigen Performance in „Am Grünen Rand der Welt„. Hier zeigt sie aber nicht die romantische, sondern ihre leidende und kämpferische Seite, welche sie genauso grandios spielt. Die Besetzung hält auch, was sie verspricht: zum einen natürlich die entsprechende Frauenpower und großes, emotionales schauspielerisches Können von Carey Mulligan, die einiges druchleiden muss. Angst, Verzweiflung, Entschlossenheit und vor allem ihre Entwicklung von einer jungen Frau, die sich hat  herumschubsen lassen, zu einer um ihre Würde kämpfende Suffragette.
Dass es manchmal etwas fantastisch werden kann, zeigt Helena Bonham Carter in ihrer Rolle einer sehr engagierten Apothekersfrau. Seltsam fand ich allerdings Meryl Streep, denn obwohl Mrs Pankhurst natürlich eine führende Rolle spielt, thematisiert der Film vor allem die „gewöhnlichen“ Frauen, welche vor allem aus der Arbeiterklasse stammen. Ihr kurzer und plötzlicher Auftritt als eine leidenschaftlich Reden haltende Emmeline Pankuhurst wirkte etwas überdramatsiert und eher als Werbung für Streep als Schauspielerin – was der Film wirklich nciht nötig hat.
Auch Brendan Gleesons Aufritt als gegen Suffragetten ermittelnder Polizeibeamter sorgt für eine gewisse Portion Einschüchterung – dieser Mann schafft es immer, eine gewisse mächtige Erhabenheit auszustrahlen.

Was ich sehr positiv finde ist die Tatsache, dass der Film nicht überwältigend Feministisch ist. Besonders in unserer Zeit wird der Begriff Feminismus falsch verstanden, denn meiner Meinung geht es um eine Gleichstellung – keine Besserstellung! Die Wurzeln einer Bewegung ausgelöst durch Mrs Pankhurst werden in verschiedenen Facetten gezeigt, denn eine Suffragette zu sein war in erster Linie sehr gefährlich. Der im Jahr 1912 spielende Film zeichnet ein sich immer Frauenbild, welches sich im Aufbruch befindet: Mädchen, die es satt haben, missbraucht zu werden, sprechen.. naja,  aber nicht jede kann ihre Stimme erheben. Manche Männer lassen ihren Frauen Freiheit, unterstützen sie bestenfalls, andere werfen sie aus ihren Häsuern. Einige verschiedene Seiten sind vorhanden und zeigen eine brutale Diskrepanz. Dazu kommen die Kämpfe mit der Polizei, die radikalen Suffragetten – kurz und gut: es wird definitiv nicht verschönt und das macht diesen Film so bewundernswert ausdrucksstark, weil die Realität von vor fast 100 Jahren erschreckend mitfühlbar wiedergegeben wird.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass man sich vor allem für dieses Thema interessieren muss, um den Film zu mögen, weil er schon sehr speziell und geschichtsgetreu ist – ganz und gar kein Popkornkino, mehr wie eine emotionale Dokumentation, die sehr interessant zu sehen ist.

Ein großes Plus: Mein Lieblingskomponist Desplat leistet mal wieder ganze Arbeit und sorgt mit seinem düsteren, traurigen Soundtrack für Revolutionsstimmung. Dazu die Nahaufnahmen von Mulligans emotionalen Gesichtsausdrücken – das Mifühlen ist perfekt.

THE VERDICT: Wen die 1910er und die Frauenbewegung faszinieren, für den ist das genau der richtige Film. Carey Mulligan und Helena Bonham Carter, die beide eher aus anderen Genres bekannt sind, beweisen beide, dass sie auch in ganz anderen Rollen brillieren können. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Vom Ende der Einsamkeit
Genre: Drama
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Diogenes
Preis: 22 Euro (in Leinen gebunden)
Länge: 368 Seiten
ISBN: 978-3-257-069587

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für Literatur

Jules und seinen älteren Geschwistern Liz und Marty, welche ihre Eltern durch einen Unfall im Kindesalter verlieren und in den 1980ern in einem Internat in Süddeutschland großwerden. Grundverschieden, bekäpmft jeder Charakter den Verlust anders, doch im Mittelpunkt steht Jules, einst selbstbwusst, zieht er sich nun zurück.

Ist das Leben ein Spiel, in dem Glück mit Pech bestraft wird, eine Art Nullsummenspiel? Dieser Frage geht Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ nach. Der Roman erzählt von Aufarbeitung, Verlust, verpassten Chancen, großen Hoffnungen, Einsamkeit und vor allem Liebe.

Mit den Worten „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ beginnen, wirft Wells einen sofort in die Erzählung – ein ganz großartiger erster Satz, der mich sofort neugierig machte. Ein Mann wacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus auf und erinnert sich plötzlich, warum er dort liegt. Doch dann beginnt der Roman chronologisch mit seiner Kindheit.

Jules‘ Erwachsenwerden wird von grundlegenden philosophische Fragen des Seins begleitet, sowie kleinen Zitaten von Rainer Maria Rilke oder Zeilen aus Liedern wie Paolo Contes „Via Con Me“, welches ein wiederholendes Motiv ist. Dabei sorgen diese überlappenden Momente für eine mitfühlbare Lebenswirklichkeit, als würde man sich mit Jules miterinnern. Häufig scheinen Kapitel wie Fragmente aus seinem Leben, die wie Puzzelteile aneinandergereiht das Bild vom verwirrten Mann mit dem Motorradunfall klarer werden lassen – um ihn nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzufühlen! Denn genau das Fühlen steht bei diesem Roman im Vordergrund, mal Schmerz, mal Aufregung oder die reinste Freude, welche durch Wells sehr ruhigen, poetischen Schreibstil untermalt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Beschreibung vom Jules Schwester, die während seiner Kidnheit im Heim unglaublich fern und unerreichbar war: „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“

Es sind die Sehnsüchte und das Innenleben der Menschen, welche Wells sehr gut zu verstehen scheint. So wird von der äußeren und innen Welt gesprochen und wie Jules nicht mehr den Zugang zu ersterer findet. Ständig stellt er sich die Frage, was wäre wenn… Dese Menschlichkeit und die Liebe für das Detail lassen die Figuren in diesem Roman sehr plastisch wirken, als würde man sie kennen – aber irgendwie auch nicht, wie im echten Leben.

Auch die große Frage nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe ist ein wichtiges Thema: Kaum ein Mensch kommt an Jules rann, er trottet erfolglos durch das Leben und weiß nicht, was er will, nur die Erinnerung an die geheimnisvolle Alva, die er bereits aus Schulzeiten kennt, scheint ihn nicht loszulassen. In seiner Jugend pflegten sie eine besondere Freundschaft, doch werden die beiden sehr lange nicht über ihre Gefühle sprechen. Berührend und mit Erinnerungsfragmenten erzählt Wells von den intensivsten Momenten einer Liebesgeschichte.
Überwältigend schön und gefühlsintensiv kreiert Wells in seinem Roman eine Geschichte, die mit ihrer zarten Melancholie, aber auch der leuchtenden Freude wie aus dem Leben gegriffen scheint.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines dieser Bücher, die man fast schon langsam lesen will, um jede Seite auszukosten und die ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Erfüllung hinterlassen, wenn man es durchgelesen hat. Ich bin noch immer absolut berührt und möchte diesen Roman jedem ans Herz legen.

Zu guter Letzt möchte ich das Cover loben, welches wie die typischen Diogenes Bücher aufgebaut ist und eine Illustration von Elizabeth Peyton zeigt, die hervorragend zur Geschichte passt – schlicht und schön.

THE VERDICT: Ich wüsste es nicht besser auszudrücken, als einfach zu sagen, dass dies eines der besten und berührensten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. 10/10 Sternen

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Irisches Herz in Brooklyn

OT: Brooklyn
DT: Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten
Genre: Drama, Liebesgeschichte
Cast: Saorise Ronan, Emory Gohen, Domnhall Gleeson, Julie Walters, Jim Broadbent
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
Musik: Michael Brook
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

nach dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín
nominiert für 3 Oscars

Wir schreiben das Jahr 1952 in einer irischen Kleinstadt: Die junge Ellis Lacey erhält durch Hilfe ihrer Schwester Rose und dem Father Flood eine Stelle in Brooklyn und emigriert in die Vereinigten Staaten. Ihre Schwester und die verwitwete Mutter bleiben jedoch in Irland. Ellis lebt in einer Art Pension mit anderen Mädchen und erhält eine Stelle in einem örtlichen Kaufhaus, belegt gleichzeitig aber auch einen Kurs über Buchhaltung. Sie leidet an starkem Heimweh und fühlt sich verloren in der großen Stadt, bis sie eines Tages auf einem Tanzabend Tony kennenlernt. Plötzlich wird ihr Leben wieder fröhlicher, bis sie plötzlich einen Anruf ihrer Mutter erhält, dass ihre Schwester gestorben ist und sie Ellis zurück nach Irland bittet.

Es geht um die Heimat, um Familie, um die erste und vielleicht auch große Liebe, um Tod und Schmerz, Sehnsucht, Heimweh – ja, Brooklyn ist ein berührender Film und wird deshalb vielleicht als ein typischer Frauenfilm abgestempelt, weshalb ich die Idee mit meinem besten Freund in diesen Film zu gehen recht komisch fand und positiv überrascht wurde.

Die junge Saorise Ronan beweist, dass sie weitaus mehr ist, als eine Schauspielerin, die in ihrer Kindheit durch die Verfilmung von „Abbitte“ berühmt wurde. Jetzt ist sie kein kleines Mädchen mehr, sondern eine erwachsene junge Frau, die mit ihrem wunderbaren irischen Akzent bezaubert und durch gefühlsvolles schauspielerisches Können besticht.
Dabei ist Ellis auf keinen fall ein platter Charakter, teils auch widersprüchlich und trifft auch nicht unbedingt Entscheidungen, die sie für den Zuschauer sympathisch machen – was gut ist, denn dadurch ist „Brooklyn“ so lebensnah und bewegend. Der Film lebt von den kleinen und großen, aber vor allem menschlichen Gefühlen.
Außerdem habe ich mich sehr über den (kurzen) Auftritt Jim Broadbents gefreut, er schafft es immer wieder ältere Männer auf eine so nette und fast schon drollige Weise darzustellen, mal ernst, mal selbstironisch.
Ein weiterer Pluspunkt sind natürlich die anderen – irischen – Schauspieler, welche durch ihren natürlichen Akzent dem Film Authenzität verleihen.

Besonders positiv sind mir neben Ronans hervorragender schauspielerischer Leistung der Soundtrack aufgefallen: Michael Brook kombiniert Irische Folklore mit melancholischen, aber auch modernen Tönen, wobei Streicher stets im Vordergrund stehen und dadurch sich das traditionell irische Thema durch den Film zieht und stets an die Heimat erinnert. Die vielen Höhen und Tiefen werden durch herzzerreißende Geigen betont und alles in einem ist es ein eher trauriger und nachdenklicher Sound, der aber das Emigieren und eine neue Heimat aufbauen mit all seinen Mühen originell untermalt.
Ganz toll sind auch die Kostüme: Volksnahe Kleidung, schlicht und bieder wie die 1950er Jahre. Es wird nicht mit typischen Rockabily-Klischees gearbeitet, sondern mit der Kleidung des Alltags.

Brooklyn ist allerdings im großen und ganzen eine Liebesgeschichte, welche durch eine mögliche Dreiecksbeziehung etwas in ein Klischee fällt, das nicht hätte seien müssen. Natürlich ist es eine Buchverfilmung und da ich dieses nicht gelesen habe, kann ich es in dem Punkt nicht bewerten, allerdings steht für mich fest, dass das letzte Drittel für mich etwas zu rosa-rot war, denn der Film ist im Großteil recht ernst und dementsprechend ist der Kontrast ziemlich groß.

THE VERDICT: Alles in einem ist „Brooklyn“ ein schöner Film mit Portionen von Wehmut, Liebe und der Bedeutung von Heimat. Vor allem punktet er durch Optik, Soundtrack und seiner Hauptdarstellerin, die der leuchtende Stern des Filmes ist. Es ist ein netter Film, den man sich an einem gemütlichen Abend ansehen kann und zu kleinen Diskussionen über Emigration verleitet, allerdings auch nicht mehr. 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Danish Girl

OT: The Danish Girl
DT: The Danish Girl
Genre: Filmbiografie, Drama
Cast: Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Amber Heard, Matthias Schoenaerts, Sebastian Koch, Ben Whishaw
Regie: Tom Hooper
Drehbuch: Lucinda Coxon
Musik: Alexandre Desplat
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Gerda Wegener (Alicia Vikander) und ihr Mann Einar (Eddie Redmayne) führe ein Leben als Künstlerehepaar in den 20er Jahren in Dänemark. Gerdas Mann ist deutlich erfolgreicher mit seinen Landschaften, als sie selbst. Als Gerda ihn zur Beendigung einer ihrer Portraits braucht, imitert er die Frauengestalt so gut, dass ihre gemeinsame Freundin Oola und sie ihn ‚Lili‘ nennen. Währenddessen scheint sich Einar immer mehr von der Rolle als Frau zu begeistern, trägt Kleider und lernt weiblichen Bewegungen zu imiteren, bis er den Entschluss fässt, das Leben einer Frau führen zu wollen – was erhebliche Konsequenzen mit sich zieht, vor allem für Gerda.

Die Emotinoalität dieses Filmes ist so mitreißend, dass man fast schon selbst mitleidet und sich freut. Selten habe ich diese Zerrissenheit aus Freude und bittren Leidestränen so intensiv mitgefühlt und gesehen, wie sie Vikander und Redmayne erzeugen. Zusammen mit einem opulenten Bühnenbild, welches die glanzvoll goldenen Zwanziger Jahre darstellt und der brillianten Kameraführung ist „The Danish Girl“ ein optisches Fest! Ich ertappte mich immer wieder während des Filmes beim Staunen über die Kostüme, die Möbel und die genialen Einstellungen und Winkel, die die Stimmung des Filmes umso mehr betonten. Untermalt wird der Film durch Alexandre Desplats melancholisch-dramatischen Soundtrack, der von leidenschaftlichen Streichern und ruhigen Klaviertönen geprägt ist und thematisch sehr gut diese tiefe Traurigkeit des dänischen Moors, welches Einar malt, erinnert.

Es ist eine ganz persönliche Freude für mich über diesen Film zu schreiben, weil ich schon seit Jahren ein großer Bewunderer der schwedischen Schauspielerin Alicia Vikander bin und sie nun endlich immer größere internationale Bekanntheit erfährt! Nachdem Eddie Redmayne sich schon als Stephen Hawing in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ als unglaublich authentischer Schauspieler für Leidensgeschichten bewiesen hat, überzeugt er auch in „The Danish Girl“ – von Zeit un Zeit wird er immer weiblicher und man spürt den Schmerz und die Freude, die Lili empfindet. So werden auch die intimsten Gefühle – und zu meinem Entsetzen auch die intimsten Körperstellen – in dem Film sehr stark betont, weshalb ich mir nicht sicher bin, ob die Altersfreigabe von 6 Jahren wirklich angemessen ist – in der Tat gibt es keine wirkliche rohe Gewalt, allerdings psychische.

Genauso wie Alicia Vikander, die in ihrer Rolle als (leidende) Gerda grandioses schauspielerisches Können beweist, ja Redmayne fast schon übertrumpft, erlangt Matthias Schoenaerts auch immer mehr Bekanntheit und lässt seine Rolle als Einars  alter Schulfreund Hans mehr als eine Nebenrolle wirken.

Natürlich stellt sich die Frage, ob die Filmbiografie der Geschichte der echten Lili Elbe gerecht wird, was ich nicht beurteilen kann, da ich nicht ein mal die Biografie gelesen habe, doch es ist deutlich, dass der Film das Verständnis zum Thema Intersexualität erhöht und auch öffentlichkeitstauglich macht, was wichtig ist. Eine Art Zeichen zu setzten, dass der Wunsch nach der wahren Identiätsfindung ein Anrecht ist, das jeder hat.

Gleichzeitig ist das Thema sicherlich auch provokant und wird wahrscheinlich nicht jeden Ansprechen.

THE VERDICT: Ich denke, das Wort „Bewegend“ trifft es am besten, um eine Beurteilung des Filmes zu treffen, der sowohl schauspielerisch, als auch optisch beeindruckend ist, dennoch feht mir gefühlt etwas, um diesen schönen Film als genial einzuordnen, deshalb 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die Entdeckung der Unendlichkeit

OT: The Theory of Everything
DT: Die Entdeckung der Unendlichkeit
Genre: Drama
Cast: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, David Thewlis, Simon McBurney
Regie: James Marsh
Drehbuch: Anthony McCarten
Musik: Jóhann Jóhannson
Länge: ca. 123 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Basierend auf Jane Hawkings „Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking“
Ausgezeichnung mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für Eddie Redmayne
Sowie zwei Golden Globes in den Kategorien „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Filmmusik“

Das Schicksal des genialen Physikstudenten Stephen Hawking (Eddie Redmayne) scheint besiegelt, als beim 21-Jährigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Doch die Liebe zur seiner Cambridge-Kommilitonin Jane (Felicity Jones) gibt ihm neuen Lebensmut. Mit ihrer Unterstützung stürzt er sich in sein wichtigstes Projekt und erforscht genau das, wovon ihm noch wenig bleibt: die Zeit. Aber kann die Liebe zwischen Stephen und Jane auch den Tod besiegen?

Ein überraschendes Gefühl, ganz alte ausstehende Rezensionen zu finden und sich zu wundern, warum man sie nicht veröffentlicht hat. Nun rücke ich mit meiner Meinung zu „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ nach.

Bereits der Trailer zum Film ist sehr vielversprechend, lädt zu einer dramatischen Liebesgeschichte ein, begleitet von der grausamen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose, die Hawkings in den Rollstuhl zwingt. Ein Kampf zwischen seiner Arbeit für die Physik und der Erkrankung beginnt. Und der Zuschauer wird nicht enttäuscht!
Bildgewaltig und mit einem unter die Haut gehenden Soundtrack wird diese traurige, aber nie hoffnungslose, kraftvolle Geschichte erzählt.
Eddie Redmayne gewann den Oscar nicht umsonst, seine Verkörperung von Hawking ist beeindruckend und erschreckend echt, er spielt den Verlauf den Krankheiterschreckend real. Auch Felicity Jones, die ich nun aus immer mehr Filmen kenne und immer mehr schätze, spielt Jane Hawing mit solch einer liebevollen, starken und warmen Kraft – eine wunderbare Besetzung!

Natürlich kann man einwenden, dass für diejenigen, die sich ein wenig mit Hawkings Leben auseinandergesetzt haben, die Geschichte romantisiert und auch nicht besonders spannend ist. Aber „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hat nicht den Anspruch, wie bei einem Krimi den Zuschauer an den Sessel zu fesseln, sondern tief im Herzen zu berühren und nachzudenken, aber vor allem, und das ist fast das schönste am Film, niemals aufzugeben.

THE VERDICT: Dieser Film ist ein überaus berührendes Meisterwerk mit hervorragenden Schauspielern, dem schicken Setting der Universität Cambridge, untermalt von einem Soundtrack mit melancholischer Ohrwurmgarantie. Allerdings finde ich ihn etwas zu romantisiert, auch wenn er sich schön als Liebesgeschichte macht. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Sommer im Februar

OT: Summer in February
DT: Sommer im Februar
Genre: Romantisches Drama
Cast: Dominic Cooper, Emily Browning, Dan Stevens, Hattie Morahan, Nicholas Farrell
Regie: Christopher Menaul
Drehbuch: Jonathan Smith
Musik: Benjamin Wallfisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Litertaurverfilmung des gleichnamigen Romans von Jonathan Smith aus 1995.

Cornwall 1913. In der elitären Künstlerkolonie Lamorma verlieben sich der Maler Alfred Munnings und sein bester Freund Gilbert in dieselbe Frau, Florence Carter-Wood. Die aristokratische Schönheit liebt den adeligen Gilbert. Doch als der berühmte Munnings ihr einen Heiratsantrag macht, stimmt sie diesem zu. Die Situation droht zu eskalieren und die gefährliche Ménage-à-trois nimmt bedrohliche Züge an, als Florence schon in der Hochzeitsnacht versucht sich umzubringen. Zu spät muss sie erkennen, dass sie nicht nur die Herzen der beiden Männer gebrochen hat, sondern auch ihr eigenes.

Natürlich sticht einem schnell die Besetzung ins Auge: Dominic Cooper, der fast nirgends einen sehr sympathischen Menschen spielt, verkörpert auch hier in seiner Rolle des exzentrischen Malers Alfred Munnings nicht gerade den nettesten Menschen und tut dies mit Bravour. Besonders über Dan Stevens habe ich mich gewundert, da man ihn zuvor nur von Downton Abbey kannte, war ich neugierig ihn in einer anderen Rolle als Matthew Crawley zu sehen – allerdings fiel mir das wirklich schwer, weil das Thema vielleicht etwas anders ist, aber der Rollentyp und das Setting des beginnenden 20. Jahrhunderts doch sehr an die Serie erinnern. Auch Emily Browning in ihren tagisch-traurigen Rolle hätte mehr überzeugen können, sie wirkt verzweifelt ja, aber es fehlt etwas von Leidenschaft.

Obgleich der Titel und das Plakat vielleicht nett und romantisch erscheinen mögen, ist „Sommer im Februar“ noch mehr, auch wenn das Cornwall-Setting an so manchen Rosamunde Pilcher Film erinnern lässt, ist dieser Film durch seine Dramatik und tiefe Traurigkeit, einem tragischen Ernst und der Hin- und Hergerissenheit des jungen Herzens der Florence Carter-Wood ganz weit davon entfernt. Natürlich, man ahnt es früh, bahnt sich dieser Beziehungskonflikt dem unvermeidlichen zu.
Leider zieht sich die Geschichte eher hin, als dass man als Zuschauer vor Spannung fast schreien möchte, und so wird aus diesem wirklich schönen Drama manchmal eine etwas fade, langgezogene Tragik, die auf ihre Erlösung wartet. Diese ab und an langweiligen Szenen nehmen dem Film irgendwie seine Spannung und so plätschert die Geschichte eher von sich hin. Um es anders zu formulieren: Man hätte mehr daraus machen können!

Nichtsdestotrotz möchte ich die wunderschöne Klavier- udn Streichermusik von Benjamin Wallfisch loben. Sie sorgt für ein wunderbares Flair! Es ist auch toll, diesen Score dann und wann zum Entspannen oder einfach aus Lust zu toller Filmmusik zu hören!

THE VERDICT: Vielleicht habe ich zu viel erwartet, denn ich bin leider enttäuscht. Die Geschichte ist wunderschön, das Setting atemberaubend, traurig und mit einem wunderbaren Score unterstrichen, doch manchmal hilft selbst das nicht, wenn der Film sich so hinzieht. Schade! 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Leidenschaft der Thérèse Raquin

OT: In Secret
DT: In Secret – Geheime Leidenschaft
Genre: Drama, Kostümfilm, Literaturverfilmung
Cast: Elizabeth Olsen, Jessica Lange, Tom Felton, Oscar Issac, Matt Lucas
Regie: Charlie Stratton
Drehbuch: Charlie Stratton
Musik: Gabriel Yared
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach Émile Zolas Roman „Thérèse Raquin“ aus 1867

Thérèse Raquin (Elizabeth Olsen) lebt ein trauriges, langweiliges Leben als Halbwaise bei ihrer Tante in den französischen Provinz Vernon. Seit kleinauf ist es ihre Aufgabe, sich um ihren stets kränkelnden Sohn Camille (Tom Felton) zu kümmern und so ist es kein Wunder, dass Madame Raquin der Überzeugung ist, dass Thérèse als Schutzengel für ihren Sohn, ihn heiraten muss. Sie ziehen nach Paris und Thérèse führt ihr trauriges Leben weiter, öde Dominoabende mit seltsamen Freunden füllen ihre Tage neben ihrer Arbeit, bis Camille seinen guten Freund Laurent (Oscar Isaac) nach Hause bringt. Thérèse und Laurent stürzen sich vom ersten Moment an in eine gefährliche Affäre. Doch sie hält es nicht mehr mit ihrem Mann Camille aus und daher schmiedet Laurent einen Plan aus, der alles verändern wird.

Man muss schon bei der Besetzung schmunzeln, dass Tom Felton, den die meisten natürlich als Draco Malfoy kennen, schlichtweg nicht aus der Rolle des Unabetitlichem herauskommt. Bei Elizabeth Olsen denkt man natürlich an ihren zwei skandalösen Schwestern, die schon in einigen schlechten Filmen mitgespielt haben, doch keinesfalls darf man an diesem Vorurteil hängen bleiben! Auch wenn etwas auf die Spitze getrieben, spielt Olsen ihre Rolle souverän und mit einer einzigartigen Tragik, die ihrer Rolle sehr gut entspricht. Dennoch sticht Jessica Lange besonders hervor und spielt ihre Rolle der Madame Raquin mit unfassbar viel Überzeugungskraft, dass sie eigentlich das strahlende Licht im düsteren Setting des Filmes ist.

Doch auch wenn der Plot im Ursprung Zolas Feder entsprechen soll, ist die Geschichte fast schon skandalös dramatisch. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass besonders durch Thérèses sehr heftige Leidenschaft und ihr sexuelles Verlangen, dass lange nicht gestillt werden konnte, diese Affäre mehr als nur ein kleiner Seitensprung ist. Besonders ihre Sexualität wird in etlichen Szenen besonders betont, nicht auf eine perverse Game-Of-Thrones-Art, aber mit Nachdruck. Auch durch das besonders düstere Setting, dass einen glauben lässt, der Film spiele weniger in Paris des 19. Jahrhunderts als neben einer Kohlefabrik des 19. Jahrhunderts, trägt stark zur fast schon gruseligen Stimmung bei, welche Gabriel Yared mit seinem unheimlichen, fast stillen Soundtrack ziemlich gut unterstreicht. Es ist kein Soundtrack zum naher zu Hause hören, aber er passt zum Film. Jedoch sieht man durch diesen Farbfilter schon fast die Schaupieler nicht. Zwar ist der Film dramatisch und düster, aber das lässt einen eher an Splatter á la Sweeney Todd erinnern!

THE VERDICT: Gut gemeint, aber absolut überdramatisch verfilmt, die Geschichte wirkt eher skurril, überspitzt und surreal, als spannend. Ein Ziel erreicht der Film trotzdem: er ist verstörend und man muss irgendwie darüber nachdenken. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha


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