Belgravia

Autor: Julian Fellows
OT: Belgravia
DT: Belgravia
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: C. Bertelsmann
Preis: 19.99 Euro
ISBN: 978-3-570-10324-1
Länge: 448 Seiten

Vom Drehbuchautor der Serie Downton Abbey

Die Familie Trenchard, geführt von dem ehrgeizigen Bauleiter James Trenchard, befindet sich im Jahr 1841. Als vor 25 Jahren die Tochter Sophia bei der Geburt ihres unehelichen Sohnes Charles stirbt, versucht das Paar Trenchard alles, um den Ruf der Tochter zu beschützen und gibt das Kind weg. Doch als jetzt Anne Trenchard bei einem Nachmittagstee die Mutter des im Krieg gefallenen Vaters ihres geheimen Enkels trifft, beschließt sie, dass sie ihr Geheimnis nicht länger ungeteilt lassen kann – und damit gerät der Stein ins Rollen.

Vermutlich gehöre ich, wie viele Leser dieses Romans, zu den großen Downton Abbey Fans, die gespannt waren, was Drehbuchautor Julian Fellows noch zaubern kann. Bereits beim Lesen des Klappentextes wurde mir schnell klar, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit der preisgekrönten Serie haben würde – besondern in Hinblick auf die Upstairs-Downstairs-Perspektive.

Ein großes Lob geht an die wunderbare Covergestaltung: Ein schlichtes, aber auch edles Design welches das noble Belgravia Viertel in London mit Passanten und Kutschen darstellt und zweifelsohne ein Blickfang ist, der mich angelockt hat. Andererseits muss ich sagen, dass die gebundene Ausgabe des Buches recht dicke Seiten hat und sich das Buch als etwas schwerer erweist, als erwartet.

Julian Fellows hat einen angenehm leichten und etwas blumigen Schreibstil, der besonders die Dialoge sehr angenehm zu lesen macht – sehr lebhaft und spritzig. Ganz deutlich wird auch Fellows jahrelange historisch-gesellschaftliche Expertise nach Downton Abbey, aber auch seinen beiden anderen Romanen „Eine Klasse für sich“ und „Snobs“, so dass er hervorragend das dekadente Leben des Hochadels, die Fauxpas der Emporstrebenden und die Lästereien unter den Dienstboten einfangen kann und ein bisschen an „Vanity Fair“ erinnert. In diesem Punkt hat mich Belgravia gut überzeugt, da ich schon enige Bücher in dieser Periode gelesen habe, war ich positiv überrascht: es wirkt historisch wirklich gut authentisch. Natürlich erkennt man auch eine starke Analogie zu Downton Abbey.

Die Figuren hingegen sind sehr unterschiedlich: Manche sind sehr eindimensional und es wird sofort klar, ob sie böse oder gut sind und dass sich dies innerhalb des Romans nicht ändern wird.  Diese klassische Besetzung vom Sweetheart, der Zofe, die sich für etwas besseres hält, den verwöhnten reichten Kindern und dem Schurken macht den Roman in Teilen wirklich kitschig. Natürlich mag ich den Roman nicht die ganze Zeit mit Downton vergleichen, aber was mir in der Serie durchaus gefallen und hier gefehlt hat, war dass auch mal das „Böse“ eine gewisse Oberhand hat und es auch dunkle Episoden gab.

Andererseits gibt es durchaus ein paar Figuren, deren Charakter sich ändert und entwickelt, zwar um keine 180 Grad Drehung, aber etwas  und die mir recht sympathisch geworden sind. Doch wie bei den Figuren, fehlt mir auch in der Storyline öfters die Tiefe: Die Handlung spielt häufig an der Oberfläche und wirkt manchmal trotz der blumigen Sätze ein wenig wie ein Drehbuch. Nach längerem Überlegen wurde mir auch klar, wie ich dieses ambivalente Gefühl zu diesem Buch am besten ausdrücke: Die Gesichte ist mehr eine Strandlektüre als ein satter Roman, aber ich denke, dass sie in den Händen von ein paar Darstellern und Darstellerinnen zu noch besserem, tieferem und emotionaleren Material werden können. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich in der Geschichte Potential erkenne und sie mich manchmal wirklich mitreißen konnte, aber das gewisse Etwas (vielleicht auch das gewisse „Dunkle“) fehlt. Tatsächlich wäre ich sehr neugierig, wie „Belgravia“ filmisch umgesetzt seien würde, weil ich überzeugt davon bin, dass es mehr aus der an sich ganz interessanten Story machen könnte.

Zu guter letzt möchte ich mich beim Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

THE VERDICT: Eine nette, unterhaltende und leichte Lektüre mit guter historischer Exertise, die sich flott lesen lässt, aber meines Erachtens als Film mehr Wirkung hätte entfalten könne, statt in Form eines Romans. Leider fehlte mir die ausreichende Tiefe. 6 von 10 Sternen

Love, Katha

The Prisoner of Zenda

Autor: Anthony Hope
OT: The Prisoner of Zenda
Genre: Abenteuerroman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Collins Classics
Preis: 2.99 AUD
ISBN: 978-0-00-792533-9
Länge: 224 Seiten

Als Rudolf Rassendyll, ein rothaariger Engländer, zur Krönung des neuen Königs nach Ruritania fährt, ahnt er nicht, was ihm dort blühen wird. Durch Zufall begegnet er auf einer Wanderung dem zukünftigen König und seinen getreuen und sie beschließen, weil Rudolf und der König sich fast wie Zwillinge gleichen, zusammen etwas zu feiern. Als jedoch der König am nächsten Morgen mit Vergiftungserscheinungen aufwacht, bitten die Bediensteten Rudolf doch während der Krönung den König zu spielen. Er lässt sich drauf ein und es folgt ein flottes Abenteuer.

Die Briten haben ein herrliches Wort um die Grundstimmung dieses Buchs einzufangen: swashbuckling (dt.: heroisch, abenteuerlich, ritterlich, brisant).

Den erfundenen Staat Ruritania kann man sich deutschsprachig vorstellen, aber da Teile in Dresden spielen, ist es irgendwie auch nicht Deutschland. Ich denke, es ist eine entweder Österreich, die Schweiz oder Luxemburg.

Diese abenteuerliche Geschichte ist von der Idee sicherlich die neuste, aber wie sie hier umgesetzt wird, ist mitreißend, spannend und rührt in manchen Momenten auch das Herz! Es geht hier um ritterliche Ideale, Loyalität und die Bewahrung von Ehre – das Gute muss über das Böse siegen. Zwei Männer die sich gleichen und Rollen tauschen – das kennt man auch sicherlich schon von wo anders. Doch auch, wenn die Idee so altmodisch und vielleicht auch übertrieben und ein bisschen lächerlich wirkt, die Charaktere sind das Herz dieser Geschichte: Rudolf, der von einem gelangweilten jungen Engländer zum abenteuerlichen König wird, der für Prinzipien steht, manchmal aber auch seine weiche Seite zeigt. Aber auch die junge Prinzessin Flavia, etwas naiv, aber mit einem großen Herzen und beeindruckender Eleganz. Sie sind Helden, die auch die Tugenden einer Periode wiederspiegeln.

Dadurch, dass das Buch nicht besonders lang ist, geht es stets flott voran, die Geschichte ist schnell und reißt einen richtig mit.

Zu guter letzt muss ich sagen, dass dies mein erster Klassiker ist, den ich auf Englisch lese und auch, wenn dieses Buch noch vergleichsweise simpel zu manch anderen alten Autoren geschrieben ist, muss ich zugeben, dass ich häufiger als sonst Wörter nachschlagen musste, da ich sonst nicht die wichtigen Feinheiten verstanden hätte. Das Interessante ist nämlich, dass man das Buch als Spaß-Abenteuer-Roman vor allem in jungen Jahren lesen kann (es ist zweifelsohne auch für jüngeres Publikum geeignet), aber man auch die Seiten des viktorianischen Zeitalters erkennt, mit Macken, etwas Sexismus und einer gewissen altmodischen Haltung. So ist es nicht nur ein Abenteuerroman, sondern enthält gesellschaftskritische, sarkastische Andeutungen, wenn man genauer hinschaut, was manchmal für jemanden, der nicht Muttersprachler ist, schwieriger sein kann.

THE VERDICT: Ein solider Abenteuerroman, der verdammt Spaß macht zu lesen, manchmal sehr klischeehaft ist und für alte, ritterliche Ideale einsteht. Sehr gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Charlotte – Leben? Oder Theater?

Autor: David Foenkinos
OT: Charlotte
DT: Charlotte
Genre: Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014, Frankreich
Verlag: Penguin Verlag
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-328-10022-5
Länge: 237 Seiten

Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943)

Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt.

Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu.

Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt?

Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas.

Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend.

Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

THE VERDICT: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Effi Briest

Autor: Theodor Fontane
OT: Effi Briest
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Preis: 12,90 DM (Taschenbuch)
ISBN: 978-3746652665
Länge: 336 Seiten

Effi Briest lebt bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen und genießt ihre unbeschwerte Jugend, am liebsten im Garten. Als sie jedoch mit siebzehn Jahren den einundzwanig Jahre älteren Geert von Instetten heiraten und in das tiefste Pommern ziehen soll, ändert sich ihr Leben radikal. Der freie Vogel lebt nun in Kessin an der kalten Küste in einem unheimlichen Hause und ihr Mann ist nur selten da. Das Leben scheint ihr so trist und vereinsamt. Doch alles  ändert sich, als sie Major Crampas auf einer Feier  kennenlernt, einen offensiven Offizier.

Drei Mal habe ich dieses Buch angefangen, bis ich es tatsächlich in nahezu einem Zug durchlas. Mein Wille war groß, wo ich doch viel reizendes über Effi Briest gelesen habe und Theodor Fontanes Schreibstil verehre. Allerdings ist mir nun rückblickend bewusst geworden, dass ich in dieses Buch reinwachsen musste. So gerne ich auch Klassiker lese, glaube ich, das einige erst wirklich verständlich werden und sich einem erschließen, wenn man  ein bisschen „erwachsener“ wird (mir ist das schon mit ein paar Büchern passiert, auch als anderen Gdnres). Ich bin natürlich noch sehr jung, aber nun mit fast 19 Jahren und einem besonderem Faible für das 18. und 19. Jahrundert,  kann ich viel besser mitempfinden und verstehen, wie die Gesellschaft im 19. Jahrhundert gedacht haben muss, als vor drei Jahren, wo ich noch wenig darüber wusste. An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!
Vor drei Jahren hätte ich vermutlich gesagt, dass es eine interessante Geschichte mit einem blumigen Schreibstil ist, die mich aber nicht berühren noch fesseln konnte. Jetzt sehe ich es zum Glück anders!

IMG_1832.JPG

Das wunderbare an Fontane ist, das er mit vielen Symbolen arbeitet: Das Rondell der Eltern im Garten, die Schaukel, das Meer in Kessin, der Hund Instettens namens Rollo und ein paar mehr. Auf den ersten Blick erkennt man eindeutig, dass es ein Gesellschaftsroman des Realismus ist: Gegenstände und Personen werden detailliert beschrieben, aber wirken zunächst seltsam oberflächlich. Erst nach und nach werden Effis und später auch Innstettens Charakter und Emotionen  für den Lesenden sichtbar. Genauso wie es in der Gesellschaft Gang und Gäbe war, diszipliniert und nach außen hin stets perfekt zu wirken, agieren die Figuren im Roman. Auf mich wirkte es wie realistisches Portrait der Wilhelminischen Ära, das gleichzeitig seltsam zynisch wirkt, weil es diese Normalität ad absurdum führt. Durch die angedeuteten Witze und Beobachtungen wird offensichtlich, in was für einer gespielten Welt Effi lebt und wie sehr sie unter den affektierten Menschen leidet (wie man es auch selbst tun würde). Ein paar wenige Figuren wachsen ihr ans Herz und ganz still und heimlich trifft sie sich dann und wann mit Crampas, was sie sehr gut vor Instetten vertuscht.

Nun stellen sich einige Fragen: Kann man mit Effi Mitleid haben? Sie geht doch ohne weitere Bedenken in diese Ehe, obgleich dieser Mann eigentlich der Verehrer ihrer Mutter war? Was definiert man als Ehebruch?

Ich glaube, es ist sehr subjektiv, wie man dieses Buch wahrnimmt. Wir lasen es letztes Jahr in Ausschnitten im Deutsch Leistungskurs und die Meinung zu Effis Verhalten differierte stark. Dennoch macht diese kontroverse und interessante Person den Roman für mich so interessant und lesenswert: Man kann herrlich darüber diskutieren und sich überlegen, was man selbst getan hätte.
So gesehen kann man „Effi Briest“ in eine Reihe mit den anderen großen europäischen Werken, die Ehebruch thematisieren stellen, allerdings ist Effi eine viel sanftere Figur und deutlich weniger selbstmitleidige und egoistische Person als Emma Bovary (Anna Karenina habe ich allerdings noch nicht gelesen), die ich wirklich kein Stück mochte. Wer Werke aus dieser Reihe lesen will, dem lege ich Effi ans Herz.

Der einzig negative Punkt, den ich anmerken muss, ist das man besonders, wenn man den Roman anfängt, sich an den Schreibstil gewöhnen muss – man kann „Effi Briest“ eher nicht in einer lauten Bahn lesen. Fontane schwankt zwischen Berichtartigem Schreiben, blumigen Ausschweifungen, knapper mündlicher Rede und langen Diskussionen – so gesehen trifft man auf fast jede Erzählform, was für eine gewisse Leichtigkeit und Abwechslung sorgt. Allerdings verliert der Roman in der Mitte leider deutlich an Tempo und teils langweilt man sich fast so sehr wie Effi im pommer’schen Kessin. Diese Mitte hat mich zwei Mal zum Abbruch veranlasst, doch sobald sie überwunden ist, kommt der ein großartiges letztes Drittel.

Einer meiner Lieblingssätze und auch wahrscheinlich einer der bekanntesten aus diesem Roman ist ohne Zweifel der Dauerspruch von Effis Vater „Es ist ein (zu) weites Feld…“, der nicht ohne Grund zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Zu guter letzt etwas zu dieser Ausgabe: Ich habe sie (und „Irrungen, Wirrungen“)  vor einiger Zeit zu einem spottbilligen Preis auf dem Trödel gefunden und mich sofort verleibt. Es gibt eine ganze Reihe dieser „Berliner Frauenromane“, welche der Aufbau Verlag in den 1990ern aufgelegt hat, jedoch heute leider nicht mehr erhältlich sind. Dabei sind es wahrlich schöne Bücher, von denen ich so gerne die gesamte Reige besitzen würde.

THE VERDICT: Ein wunderbar geschriebener Roman in mit vielen Facetten und faszinierenden CHarakteren. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber voll versteckter Symbolik, nur leider ist die Mitte des Buches im Gegensatz zum starken Anfang und Ende etwas dünn, aber darüber sehe ich gerne in der Gesamtbewertung hinweg, da alles in einem es einfach ein tolles und hoch lesenswertes Buch ist, besonders für Klassiker-Liebhaber! 8 von 10 Steren.

Love, Katha

Jahresrückblick: Bücher, Filme und Events 2016

Moin Moin!

Zum Jahresende möchte ich  ein mal zurückschauen auf 2016, mit seinen Ereignissen und Erlebnissen. Ich mag dieses Gefühl, einen Kalender zu durchblättern und darauf zurückzuschauen, was man erreicht und erlebt hat. Also Achtung, laaaaanger Artikel. Ich werde den Text in zwei Gruppen aufteilen: Zunächst folgt ein bibliophiler Rückblick, wo ich meine Lieblinge, sowie verhasste Bücher des Jahres durchgehe und anschließend im zweiten Teil alles über Events, Filme und Ähnlichem.

Davor noch kurz etwas zu mir: Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht mit einem NC, auf den ich recht stolz bin, zudem habe ich ein Praktiukum bei einer großen Tageszeitung in Berlin absolviert, das erste Mal in meinem Leben (als Aushilfskarft) gearbeitet und ein Studium in Sozialwissenschaften angefangen. Es ist ziemlich viel passiert und ich muss zugeben, dass ich es selbst noch nicht so richtig glauben kann, dass ich nicht mehr in Klassenräumen sondern Vorlesungssälen sitze. Zugegeben, dass ist alles ziemlich viel auf einmal und überwältigend – aber ich bin gespannt auf 2017.

Bibliophiles

Hier folgt eine Liste, was ich dieses Jahr  gelesen habe in alphabetischer, nicht chronologischer Reihenfolge (meiner Meinung nach übersichtlicher). Ich nehme mir jedes Jahr vor, um die 20 Bücher zu lesen – das mag nun für Bücherwürmer ziemlich wenig sein, aber ich habe einfach viele Interessen und finde auch, dass man ein Buch gerne mal langsam lesen kann, um es auszukosten. Dieses Jahr jedoch habe ich zu meiner eignen Überraschung 30 Bücher geschafft! Ich glaube, ich habe noch nie so viele Bücher in einem Jahr gelesen und muss sagen, auch ein bisschen stolz zu sein.

Adler-Olsen, Jussi: Schändung
Aveyard, Victoria: Red Queen (Englisch)
Banner, Catherine: Die langen Tage von Castellamare
Brontë, Charlotte: Jane Eyre
Christie, Agatha: Die Tote in der Bibliothek
Eggers, Dave: The Circle (Englisch)
Gaethgens, Thomas W.: Anton von Werner. Die Proklamation des Deutschen Kaiserreichs
Gaiman, Neil: Stardust (Englisch)
Goga, Susanne: Es geschah in Schöneberg
Haig, Matt: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben
Hardy, Thomas: Am grünen Rand der Welt
Ionesco, Eugene: Die kahle Sängerin
Kloeble, Christopher: Die unsterbliche Familie Salz
Moers, Walter: Die Stadt der träumenden Bücher
Martenstein, Harald: Der Titel ist die halbe Miete
Moyes, Jojo: Ein ganzes halbes Jahr
Navai, Ramita: Stadt der Lügen
Ng, Celeste: Was ich euch nicht erzählte
Pullman, Philip: The Subtle Knife (Englisch)
Stachniak, Eva: Die Schwester des Tänzers
Stedman, M.L.: The Light Between Oceans (Englisch)
Stolz, Bärbel: Isch des Bio
Rowling, J.K.: Harry Potter und der Gefangene von Askaban
Rowling, J.K.: Harry Potter and the Goblet of Fire (Englisch)
Vandermeer, Jeff: Auslöschung
Vandermeer, Jeff: Autorität
Wells, Benedict: Spinner
Wells, Benedict: Von Ende der Einsamkeit
Wilde, Oscar: Das Gespenst von Canterville
Zafón, Carlos Ruiz: Der dunkle Wächter

Die gute Nachricht ist, von den vielen Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe, waren viele richtig gute dabei.  Deshalb fiel es mir wirklich schwer, eine  Entscheidung zu treffen, welche mich am meisten begeistert habe. Die Reihenfolge ist total willkürlich gewählt und die Zahlen sollen keinerlei  Hierarchie darstellen  das gilt durchgängig in diesem Blogpost].  Ich habe versucht, passende Worte zu finden, weshalb mich diese Bücher so fasziniert und begeistert haben und hoffe, dass ich es knapp aber verständlich ausdrücken konnt, falls näheres Interesse an einem bestimmten Buch besteht, habe ich, falls vorhanden (was fast immer der Fall ist), die Rezensionen oben in der Leseliste verlinkt.

Hier meine Hochkaräter des Jahres:

1. „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë

Einer der bekanntesten klassischen Liebesgeschichten hatte ich schon mit der jüngsten Verfilmung mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender lieben gelernt, als ich jedoch im Sommer diese so zarte und gleichzeitig auch kraftvolle Geschichte las, war ich noch viel begeisterter. Besonders die weise, nachdenkliche aber auch sehr eigene Protagonistin Jane schloss ich sofort ins Herz.

2. „Vom Ende der Einsamkeit“ von Benedict Wells

Eine Geschichte über das Leben mit seinen Entscheidungen, den Gefühlen, den Problemen und dem Schmerz aus der Sicht eines aufwachsenden Jungen und später  Mannes namens Jules. Ich finde kaum Worte dafür, wie großartig ich diesen Roman eigentlich finde. Selten hat mich ein Buch so stark nachhaltig beeindruckt und mich selbst Wochen später noch beschäftigt  und tief berührt.  Die Figuren wirken so echt und zum anfassen, wie aus dem echten Leben entommen, man kann vielleicht nicht jede ihrer Entscheidungen verstehen oder nachvollziehen, aber Wells macht es durch seinen sanften Schreibstil unmöglich, nicht mitzufühlen. Das Leiden und Freuen und Mitfiebern in diesem Roman hat etwas ganz besonders interaktives!

IMG_1721.JPG

3. „Die langen Tage von Castellamare“ von Catherine Banner

Eine liebevoll geschriebenes Buch über die Familie Esposito, die auf einer kleinen Sizilianischen Insel lebt – über ein ganzes Jahrhundert verteilt. Dabei sind es nicht nur die Eigenarten des italienischen Dorflebens und die revolutionären Veränderungen durch Geschichte und Modernisierung, die mich so fasziniert haben, aber vor allem die kleinen Geschichten und Schicksale der einzelnen, stetig älter werdenden Mitglieder dieser schrulligen Familie.

4. „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

Ich war recht spät dran dieses Buch zu lesen, aber ich wollte es auf jeden Fall vor dem Film schaffen. Zwar hatte ich viel gutes gehört, wollte es aber nicht wirklich glauben. Ich hatte mich so sehr geirrt. Die Liebesgeschichte von Lou (einer fröhlichen Person und seit kurzen Arbeitslosen) und Will (ein ehemals sehr aktiver und erfolgreicher Mann, der nun durch einen Unfall  vom Kopf abwärts gelähmt ist ) ist anders als alles andere, aber noch viel wichtiger fand ich, dass die Charaktere hier so lebendig und eigen sind, mit ihren Fehlern und Macken machen sie den wichtigsten Teil in diesem Buch aus. Ich habe  Rotz und Wasser geheult!

5. „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers

Wir werden entführt in eine Welt der Bücher: nach Buchhaim in Zamonien! Der Held Hildegunst von Mythenmetz, eine Art Echsen-Dinsosaurier, genannt Lindwurm, stürzt sich in ein gefährliches und waghalsiges Abenteuer – alles, dank eines Manuskriptes. Das Buch ist so reich, originell, verwirrend und wortgewandt und macht unglaublich großen Spaß zu lesen.

6. „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ von Matt Haig

Kurz gesagt: ein wunderbar ehrliches, biografisches Buch über Depressionen, welches Mut und Hoffnung macht, aber auch auf eine sehr gut gemachte Weise aufklärt und gegen die Stigmatisierung von Depressionen ankämpft. Es ist mehr als ein Buch über die Psyche, es hat etwas therapeutisches, etwas beruhigendes, das man nicht alleine ist  mit seinen Ängsten und Problemen und dass diese nicht für immer da sein werden.

7. „Das Magische Messer“ von Philip Pullman (His Dark Materials II)

Die Fortsetzung von Philip Pullmans magischen Abenteuer hat mich kein bisschen enttäuscht – und ich hatte ziemlich hohe Erwartungen, nachdem mich der erste Teil so unfassbar begeistert hat. Die wunderbar freche Lyra und ihr Dämon Pantalamion erleben atemberaubende Abenteuer, doch diesmal können sie zwischen Welten wandern. Zu dem Alethiometer kommt in Band 2 ein weiteres magisches Instrument dazu: ein Messer.

Bei den „Flops“ des bibliophilen Jahres 2016 sind zum Glück nur drei Bücher enthalten, die ich jedoch mit aller Leidenschaft verachte, vielleicht auch, weil ich hohe Erwartungen gehabt habe.

1. „Die Tote in der Bibliothek“ von Agatha Christie

Da ich Klassiker der Literatur so bewundere, glaubte ich unbedingt auch in die modernere Kriminologie der Miss Marple schauen zu müssen. Aus den Filmen hatte ich sie  als eine urige, nette Dame in Erinnerung hatte! Leider sollte sich das nicht für mich erfüllen, das Buch war spröde, öde, nichtssagend, langatimig und in jedem Sinne nicht besonders schön zu lesen. Leider!

2. „Die unsterbliche Familie Salz“ von Christopher Kloeble

Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch unbedingt weiterlesen wollt, weil ihr so verzweifelt seid, dass es sich doch noch positiv verändern kann, da die Geschichte eigentlich viel zu bieten hat? Nun, dieses Buch ist es eindeutig nicht wert, am Ende tat es mir einfach nur leid, so sehr meine Zeit verschwendet zu haben. Kurz und knapp gesagt: es ist die Geschichte einer an schattenlose Menschen glaubende Familie, die über einen Zeitraum von 100 Jahren komplett paranoid wird, jedes einzelne Familienmitglied! Der Anfang hatte mich so euphorisch begeistert, doch nach und nach wurde das Buch einfach nur ad absurdum geführt!

3. „Autorität“ von Jeff Vandermeer (2. Teil der Southern Reach Trilogie)

Die seltsamen geographisches und naturwisschenschaftlichen Phänomene eines immer näherkommenden Gebietes namens Area X sollen untersucht werden – doch was ist mit der Organisation, die hinter diesem Untersuchungsprogramm steckt? So sehr hatte ich mich auf die Fortsetzung des unheimlichen Sci-Fi-Mystery Buches „Auslöschung“ gefreut, welches besonders durch sein flottes Tempo glänzt – dahingegen war Teil 2 das absolute Gegenteil,  der Versuch in der Fortsetzung eine andere Perspektive  zu verwenden, scheitert katastrophal. Es ist langatmig, verstörend und einfach schrecklich.

Events

IMG_1731.JPG

21.03.: Aurora im Heimathafen Berlin

Ein klassischer Fall von: Vorher habe ich die Musikerin gerne gehört, nach dem Konzert bin ich verliebt in sie. Ich sah Aurora zwei Mal dieses Jahr, einmal auf einem kleinen intimen Konzert in Berlin und dann auf einer großen Bühne in Budapest. Die junge Norwegerin macht mystische, kraftvolle Musik, scheint dabei aber als Person so zart und jung zu sein. Auf der Bühne war sie unglaublich süß, bescheiden und schüchtern, erzählte von ihrem Frühstück und wirkte unglaublich bewegt von der begeisterten Menge. Doch wenn sie anfing zu singen, wirkte Aurora wie in  Trance und zeugte von so viel Stärke, dass man es im eigenen Körper fühlen konnte. Einfach nur großartig!

26.03.: Linie 1 Musical im Grips Theater

Schon seit Jahren musste ich mir anhören, dass ich das legendäre Berlin-Musical nicht kenne. Nun, dieses Jahr haben mich meine besten Freunde kurzerhand  zu diesem Kult-Musical eingeladen. Auch, wenn es nach der Aufführung durchaus kritische Stimmen meiner versierten Freunde gab, die Linie 1 in und auswendig kannten, muss ich sagen: Berliner Schnauze, Berliner U-Bahn, wunderbare Songtexte, schrullige Figuren und viel zu lachen. Mir hat es echt gut gefallen!

07.05.: Don Giovanni Oper in der Komischen Oper

Dass die Komische Oper in ihren Inszenierungen sehr eigen ist, eilt ihr als Ruf voraus, aber diesmal durfte ich es selbst miterleben. Auch dieser Besuch war ürbigens ein Geschenk. Als großer Klassik- und Mozartfan hatte ich schon lange davon heimlich geträumt, Don Giovanni eines Tages zu sehen, vor allem nachdem ich die legendäre Endszene mehrmals in dem Film „Amadeus“ gesehen hatte. Nun, es war schon recht speziell, besonders der Humor; manchmal neigte der Hauptdarsteller zu spontanen herumalbern und urkomischen, aber auch peinlichen Einlagen. Die Kostüme waren expressionistisch und bunt, doch die Musik… ein Traum: leidenschaftlich und impulsiv! Ich möchte unbedingt eines Tages eine klassische Inszenierung dieses Werkes sehen, aber diese moderne Interpretation hat mir durchaus gefallen, obwohl ich manchmal sehr verwirrt war.

12.07.: Yamato – Drummers of Japan in der Komischen Oper

Japanische Trommeln aller Größen, viel Muskelkraft und eine Show zwischen Mystik und traditionellem Kampf. Kann man über einer Stunde Trommeln zuhören? Anfangs war ich skeptisch, doch als ich im Saal saß und die Truppe leidenschaftlich anfing loszuschlagen, war ich wie angesteckt! Ich brauche ihre Musik nicht ständig zu hören, aber als Show sind Yamato ziemlich toll.

19.07.: Les Ballets Trockadero de Montre Carlo in der Komischen Oper

Männer in Tutus nehmen klassisches und modernes Ballett ordentlich auf die Schippe! Da konnte ich nicht nein sagen. Diese sehr eigene Ballettkompanie schafft es auf quietschig bunte und glitzerne Art, die legendärsten Momente im Ballett ad absurdum zu führen: Der sterbende Schwan mausert plötzlich  und in Don Quijote drehen alle durch. Dabei ist es definitiv kein geschmackloser Slapstick-Blödsinn, sondern wirklich lustig und vor allem extrem professionell getanzt. Ich besuchte diese Vorstellung mit einer Freundin, die im Gegensatz zu mir (ich habe mehrere Jahre Ballett getanzt) überhaupt keinen Bezug zu dieser Tanzkunst hatte und auch sie war begeistert. Mir hatte der Abend unglaublich Spaß gemacht!

10-17.08.: Sziget Festival Budapest

Ich hatte schon ziemlich ausführlich über dieses unvergessliche Erlebnis berichtet, aber ich möchte noch einmal kurz anklingen, dass dieses bunte, riesige Festival so viel Charme hat, unglaublich gut durchdacht und beruhigend gut organisiert ist, dass ich jedem Festival-Liebhaber den Besuch empfehlen kann. Die pulsierende Stimmung war unvergesslich und das Line-Up ein herrlicher Mix von bekannten Musikern diverser Genres.

11.09.: Lollapalooza Festival Berlin

Schon letztes Jahr hatte ich dieses Festival besucht, da fand dieses jedoch noch auf dem Tempelhofer Feld stand, einem ehemaligem Flughafen Feld. Es war für mich das erste Erlebnis dieser Art und ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß, auch wenn es ziemlich chaotisch war [Lollapolloza 2015]. Dieses Jahr jedoch waren die ziemlich satten Tickets noch ein Stückchen teurer, dafür die Veranstaltung in einem Park, der danach absolut zerstört war. Die Preise vom Essen waren… nicht mein Budget. Nun hatte ich mich aber auf Musiker wie Milky Chance und Radiohead gefreut, woran ich absolut nichts zu meckern habe, doch die Hitze, der Staub, von dem man nichts sehen konnte, waren neben der Tatsache, dass es einfach zu voll war, absolut erschreckend. Irgendwie fühlte ich mich nicht mehr so wohl und war letztenendes enttäuscht, da das Festival  so plump und kommerziell ausgerichtet war, statt mit Liebe und Freude gestaltet (was ein großes Festival durchaus kann, wenn ich an meine Erfahrungen mit dem Sziget zurückdenke!).

04.10.: Passenger im Tempodrom

Ähnlich wie bei meiner Erfahrung mit Aurora kann ich auch hier nur sagen: ein super charismatischer Musiker, der sein Publikum in den Bann zieht. Er erzählte wunderbare Anekdoten, sang Covers, aber auch eigene Songs und brachte die Menge mehrmals zum Mitsingen. Seine unglaublich bewegende Stimme sorgte für eine melancholische und verzauberte Grundstimmung. Zudem muss man sagen, dass der Tempodrom echt faszinierend gebaut ist, einem futuristischem Zirkuszelt ähnlich!

Filme

Kinobesuche:

Ich muss auch ein wenig über diese besonders kleine Auswahl schmunzeln, lustigerweise folgten die ersten beiden und die letzten beiden direkt aufeinander und dazwischen klaffte ein halbes Jahr eine Kinolücke. Vielleicht schaff ich es im nächsten Jahr häufiger!

The Danish Girl
Brooklyn
Inferno
Doctor Strange

Lieblingsfilme 2016:

In manchen Jahren sehe ich mehr Filme, in anderen lese ich eher. Dieses Jahr scheint mich eher zum Lesen inspiriert zu haben. Hier mache ich es knapp, weil ich zu Teilen ziemlich ausführliche Rezensionen verfasst habe. Dennoch lässt sich eine Gemeinsamkeit in all diesen Filmen erkennen: Eine besondere Liebesgeschichte und eine starke Frau in der Hauptrolle!

1. Ein ganzes halbes Jahr

Genauso wie der oben erwähnte Roman begeisterte mich der Film ungemein. Nicht nur wegen der tollen Schauspielern und des romantischen Scores von Craig Armstrong, sondern weil der Film bis auf marginale Abweichungen wunderbar die Buchvorlage wiederspiegelt und ihr auch ebenbürtig ist, die Figuren Will und Lou (aber auch die Nebencharaktere) wurden genauso interpretiert, wie ich sie mit vorgestellt habe. Ganz ganz toll!

2. Die Herzogin

Was wäre ich ohne einen Historienfilm nach einer wahren Begebenheit? Diesmal handelt es sich um die Geschichte der Gerogiana Cavendish, Duchess of Devonshire und eine der faszinierendsten Persönlichkeiten ihrer Zeit: politisch aktiv, bildschön und in einer grausamen Ehe gefangen. Mit Keira Knightley in der Hauptrolle und herrlich prächtigen Kostümen schwankt dieser Film zwischen grausamer Realität und der äußeren Fassade eines glamourösen Filmes.

3. Suite Française

Dieser Film ließ mich ganz lange nachdem ich ihn gesehen habe, nicht los. Vor ab will ich sagen, dass ich definitiv noch die Romanvorlage lesen muss, um diese schrecklich traurige Liebesgeschichte besser zu verstehen. Das nahezu unaussprechliche Phänomen wird in dem Film zur Wahrheit: im besetzen Frankreich verlieben sich eine verheiratete Französin und ein deutscher Offizier ineinander – was natürlich nicht geht. Der Film hat etwas seltsam ruhiges, aufwühlendes und quälendes , aber auf eine brutal schöne Weise. Und der Soundtrack ist ein Traum…

Neu entdeckte Lieblingsmusiker

The Lumineers

Zwar kannte ich die amerikanische Band schon länger, allerdings hatte ich sie nie wirklich war genommen – bis mir YouTube vor ein paar Monaten vorschlug das Video zu ihrem neuen Song „Sleep on the Floor“ zu sehen. Ich war neugierig… und verliebte mich in diesen melancholischen Song. natürlich hörte ich auch sofort danach das ganze neue Album „Cleopatra“ an und fand ein paar neue Lieblinsglieder, u.a. „Ophelia„.

Tom Rosenthal

Ein melancholischer Indie-Musiker, den ich durch den YouTuber Will Derbyshire (der übrigens auch toll ist!) kennengelernt habe. Seine Texte sind so tiefgründig und berühren auf einer nachdenklichen, poetischen Ebene, die einen aber nicht herunterziehen, sondern in Hoffnung und mit einem warmen Gefühl hinterlassen. Besonders gefallen mir „Ian“ und „Bob in the Rain and the Lizard of Hope„, die ich nur wärmstens empfehlen kann, besonders an grauen und regnerischen Tagen mit einer Tasse Tee.

Max Richter

Der Komponist erinnert etwas an Philip Glass mit seinen ruhigen Klavierelementen. Erst Mitte des Jahres merkte ich, wie viel ich von ihm kannte, aber es nicht in seiner ruhigen Schönheit wertgeschätzt hatte. Zugegebenermaßen, etwas traurig ist seine Musik schon, lädt allerdings so wunderbar zum Träumen ein und berührt jedes Mal beim Hören etwas ganz tief in mir. Am meisten liebe ich „Vladmir’s Blues“ und „I will not forget You„.

Bosse

Ihn kannte ich schon vor diesem Jahr, aber das ich seine Musik tatsächlich intensiv höre und genieße, habe ich ein paar beharrlichen Freunden zu bedanken. Ich bin ziemlich begeistert von der Wortgewandtheit und der Kraft in Text und Melodie dieses Künstlers! Dieses Jahr haben mir besonders „Schönste Zeit“ , „Liebe ist leise“ und „Dein Hurra“ gefallen und ich habe sie ständige rauf und runter gehört.

Hui, das ist irgendwie länger geworden, als ich es erwartet habe. Ich hoffe, ihr hattet ein gutes Jahr mit vielen tollen Filmen, Erlebnissen, Büchern und gutem Essen! Was habt ihr erlebt und welche Filme und Bücher – vielleicht  aus dieser Liste?-  sind euch ans Herz gewachsen?
An dieser Stelle möchte ich mich außerdem für die vielen lieben und auch konstruktiven Kommentare bedanken, sowie eure Likes und Follows, die mich so motivieren, hier weiterzuschreiben!

Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr und freue mich schon aufs Tippen, Lesen, Bloggen und Fotografieren!

Alles Liebe,
Katha

His Dark Materials II

Autor: Philip Pullman
OT: The Subtle Knife
Genre: Fantasy, Abenteuer
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1997
Verlag: Scholastik UK Ltd.
Preis: £ 7.99 (Taschenbuch)
ISBN: 978-1407130231
Länge: 325 Seiten

Der zweite Teil der His Dark Materials Reihe.
Auf Deutsch unter dem Titel „Das Magische Messer“ erschienen.

Der 12 jährige Will befindet sich auf der Flucht, seit einiger Zeit werden er und seine Mutter von mysteriösen Fremden bedrängt. Nachdem er seine Mutter einer guten Bekannten anvertraut hat, rennt er selbst verwirrt durch die Stadt Oxford,  bis er plötzlich an einer Straße einen Schnitt in der Luft entdeckt, der ihn zu einer ganz anderen, seltsamen Welt und zu einem Mädchen namens Lyra führen wird.

Ähnlich wie Teil eins habe ich auch den zweiten Band innerhalb kurzer Zeit verschlungen! Man wird schnell in die Handlung reingeworfen und danach nimmt die Geschichte mit Beständigkeit an Energie und Geschehen auf, verdammt spannend geschrieben bekam ich dann und wann ganz schön Herzklopfen vor Aufregung, was als nächstes geschehen würde.

Die Idee der mutigen und manchmal auch ziemlich naiven Lyra einen nachdenklicheren, weniger impulsiven Partner an die Seite zu stellen, wirkt am Anfang recht fremd, da es etwas ungewohnt ist, allerdings wird schnell klar, dass die beiden eine Art Bestimmung teilen und sich hervorragend ergänzen. Will ist ein etwas weniger leicht zugänglicher Charakter als Lyra, dennoch konnte ich ihn schnell ins Herz schließen.

IMG_1646.JPG

Auch das Cover ist wieder wunderschön: Ein sehr gut durchdachtes Design, das auf verspielte Art und Weise die wichtigsten Elemente das Buches darstellt, die man jedoch während des Lesens erst entdeckt oder auch schon durch Band eins in Teilen erahnen kann. Wer ist der Mann im Ballon? Wessen Dämonen sind dargestellt? Wer ist die Hexe und so weiter – einfach brilliant!

Das besondere an diesem Teil ist, dass die Paralleluniversen und das Springen zwischen ihnen ein wichtiger Teil ist und damit man nicht durcheinanderkommt, gibt es an den Seitenrändern des Buches stets ein kleines Symbol, welches auf die Welt hinweist, in der gerade die Handlung spielt – das hilft wirklich gut gegen mögliche Verwirrung!

Eine kleine Anmerkung am Rande: Man findet die His Dark Materials  Reihe vor allem in der Jugendabteilung und zum Beispiel  unter Amazon mit der Alterseinstufung von 12-16 Jahren. Das empfinde ich aus zweierlei Gründen als falsch: Nur weil Kinder die Hauptrollen spielen, ist dies keineswegs „nur“ Jugendliteratur, doch leider, weil es nur im Bereich der Jugendliteratur zu finden ist, werden viele Erwachsene wahrscheinlich eher nicht zu diesen wunderbaren Büchern greifen, was schade ist. Außerdem glaube ich, dass die Bücher – zumindest auf Englisch macht es den Eindruck – viele verstecke gesellschaftskritische Aspekte erhält, die man erst als Teenager oder Älter überhaupt merken kann.
Zu guter letzt möchte ich betonen, dass vor allem der zweite Teil schon einiges an Brutalität erhält, die zum einen ziemlich ungewöhnlich für Protagonisten von 12 Jahren ist, aber ich denke auch, für manchen 12 jährigen nicht ganz ohne, beziehungsweise nicht unbedingt für jüngere Leser geeignet. Der Roman ist ziemlich schonungslos in seinem Geschehen und deutet nicht unbedingt auf ein Happy End hin, was die Wendungen auch recht unvorhersehbar macht.

Tatsächlich ist das Alter der Protagonisten mein einziger Kritikpunkt, Abenteuer hin oder her, es erscheint mir ziemlich grausam und unrealistisch, dass 12 jährige so eine waghalsiges Abenteuer durch Zeit und Raum mit derartig viel Mut (vielleicht auch Leichtsinn) beschreiten.

Vor allem durch den so metaphorischen Schreibstil, schafft Pullman die Idee seiner Parallelwelten unglaublich überzeugend umzusetzen. Durch die vielseitigen Charaktere und das wechselnde Setting mit der Magie und den Intrigen, werden die ersten zwei Bände zu Juwelen ihres Genres – ich bin wirklich aus dem Häuschen!

THE VERDICT: Eine absolut gelungene Fortsetzung des ersten Teils, die definitiv auf mehr neugierig macht. Viel Action, viel Magie, tolle Charktere und faszinierende Welten! 8,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Vom Ende der Einsamkeit
Genre: Drama
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Diogenes
Preis: 22 Euro (in Leinen gebunden)
Länge: 368 Seiten
ISBN: 978-3-257-069587

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für Literatur

Jules und seinen älteren Geschwistern Liz und Marty, welche ihre Eltern durch einen Unfall im Kindesalter verlieren und in den 1980ern in einem Internat in Süddeutschland großwerden. Grundverschieden, bekäpmft jeder Charakter den Verlust anders, doch im Mittelpunkt steht Jules, einst selbstbwusst, zieht er sich nun zurück.

Ist das Leben ein Spiel, in dem Glück mit Pech bestraft wird, eine Art Nullsummenspiel? Dieser Frage geht Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ nach. Der Roman erzählt von Aufarbeitung, Verlust, verpassten Chancen, großen Hoffnungen, Einsamkeit und vor allem Liebe.

Mit den Worten „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ beginnen, wirft Wells einen sofort in die Erzählung – ein ganz großartiger erster Satz, der mich sofort neugierig machte. Ein Mann wacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus auf und erinnert sich plötzlich, warum er dort liegt. Doch dann beginnt der Roman chronologisch mit seiner Kindheit.

Jules‘ Erwachsenwerden wird von grundlegenden philosophische Fragen des Seins begleitet, sowie kleinen Zitaten von Rainer Maria Rilke oder Zeilen aus Liedern wie Paolo Contes „Via Con Me“, welches ein wiederholendes Motiv ist. Dabei sorgen diese überlappenden Momente für eine mitfühlbare Lebenswirklichkeit, als würde man sich mit Jules miterinnern. Häufig scheinen Kapitel wie Fragmente aus seinem Leben, die wie Puzzelteile aneinandergereiht das Bild vom verwirrten Mann mit dem Motorradunfall klarer werden lassen – um ihn nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzufühlen! Denn genau das Fühlen steht bei diesem Roman im Vordergrund, mal Schmerz, mal Aufregung oder die reinste Freude, welche durch Wells sehr ruhigen, poetischen Schreibstil untermalt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Beschreibung vom Jules Schwester, die während seiner Kidnheit im Heim unglaublich fern und unerreichbar war: „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“

Es sind die Sehnsüchte und das Innenleben der Menschen, welche Wells sehr gut zu verstehen scheint. So wird von der äußeren und innen Welt gesprochen und wie Jules nicht mehr den Zugang zu ersterer findet. Ständig stellt er sich die Frage, was wäre wenn… Dese Menschlichkeit und die Liebe für das Detail lassen die Figuren in diesem Roman sehr plastisch wirken, als würde man sie kennen – aber irgendwie auch nicht, wie im echten Leben.

Auch die große Frage nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe ist ein wichtiges Thema: Kaum ein Mensch kommt an Jules rann, er trottet erfolglos durch das Leben und weiß nicht, was er will, nur die Erinnerung an die geheimnisvolle Alva, die er bereits aus Schulzeiten kennt, scheint ihn nicht loszulassen. In seiner Jugend pflegten sie eine besondere Freundschaft, doch werden die beiden sehr lange nicht über ihre Gefühle sprechen. Berührend und mit Erinnerungsfragmenten erzählt Wells von den intensivsten Momenten einer Liebesgeschichte.
Überwältigend schön und gefühlsintensiv kreiert Wells in seinem Roman eine Geschichte, die mit ihrer zarten Melancholie, aber auch der leuchtenden Freude wie aus dem Leben gegriffen scheint.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines dieser Bücher, die man fast schon langsam lesen will, um jede Seite auszukosten und die ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Erfüllung hinterlassen, wenn man es durchgelesen hat. Ich bin noch immer absolut berührt und möchte diesen Roman jedem ans Herz legen.

Zu guter Letzt möchte ich das Cover loben, welches wie die typischen Diogenes Bücher aufgebaut ist und eine Illustration von Elizabeth Peyton zeigt, die hervorragend zur Geschichte passt – schlicht und schön.

THE VERDICT: Ich wüsste es nicht besser auszudrücken, als einfach zu sagen, dass dies eines der besten und berührensten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. 10/10 Sternen

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

IMG_0826.JPG

Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Stardust

https://i0.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/5170sldUmML._SX304_BO1,204,203,200_.jpgAutor: Neil Gaiman
OT: Stardust
Genre: Fantasy, Abenteuer
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1999
Verlag: Harper
Preis: 7.99  US-Dollar
ISBN: 978-0380804559
Länge: 352 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Der Sternwanderer“ erschienen.

„Stardust“ erzählt die abenteuerliche Geschichte des jungen Tristan Thorn, der seiner Angebeten verspricht, ihr einen gefallenen Stern als Zeichen seiner Liebe zu bringen. Entgegen seiner Erwartung gerät er in ein gefährliches Abenteuer, denn er ist nicht der einzige, der nach dem Stern sucht – und dieser entpuppt sich ebenfalls als ganz anders, als er sich jemals gedacht hätte.

Es ist schon sehr erstaunlich, in wie vielen verschiedenen Ausgaben man dieses Buch findet, am populärsten und wohl schönsten ist die Fassung, welche Illustrationen von Charles Vess enthält – das trifft allerdings nicht auf die oben angegeben Daten zu. Eine deutsche Version zu finden ist übrigens auch ziemlich schwierig, wie ich feststellen durfte.

Ich habe sehr gemischte Gefühle bezüglich des „Sternwanderers“. Bereits als Kind hatte mich sehr Film so verzaubert, dass ich mir sicher war, eines Tages das Buch zu lesen. Meistens inspirieren mich Filme, die Bücher zu lesen, auf denen sie basieren und ich wurde noch nie enttäuscht. Hier ist es allerdings anders.
Zum einen muss man sagen, dass die Edition, welche ich besitze, sehr groß gedruckt ist und diese 352 Seiten in normaler Druckgröße gar die Hälfte wäre. Dennoch ist zu sagen, dass es eine wirklich hübsche Ausgabe ist. Ich hatte die Hoffnung, dass man trotz der Kürze eine gelungene Geschichte vorfindet, allerdings waren es mehr Fetzen und Ideen, die mir gefielen, als das ganz Buch.

Zum anderen empfand ich die Geschichte während des Lesens als unfassbar komprimiert. Gaimans Fantasie ist wie ein überquillender, magischer Brunnen, er erschafft so interessante Welten und Figuren, die man so gern noch besser kennenlernen würde – ich spreche hier nicht von ewig langen Beschreibungen, wie sie Fontane pflegt, aber mehr Hülle und Fülle. Stattdessen ist das Tempo so rasant, dass man gerade so von der Stadt Wall losgepilgert bereits per Kerzenschein mitten in Faerie befindet. Leider nimmt dieses seltsame Tempo, welches ein bisschen wirkt, als wolle Gaiman einfach nur mit seinem Buch endlich fertig werden, den wahren Zauber dieser liebreizenden Geschichte weg. An dieser Stelle möchte ich ehrlich gesagt einfach nur enttäsucht den Film erneut sehen, denn dieser schafft es, aus den so interessanten Ansätzen von Charakteren mehr zu formen und die Liebesgeschichte zwischen dem Stern Yvaine und Tristan Thorn nicht gezwungen, sondern bezaubernd schön zu gestalten. Es scheint fast, als sei das Buch eine Inspiration, aber keine wirklich handfeste Geschichte.
Ich wollte dieses Buch so gerne mögen und es fällt mir wirklich schwer, zuzugeben, dass ich mehr erwartet hätte, als eine oberflächliche Erzählung. Man hätte so viel machen können! Vor allem die Beziehung der Gegenspieler hätte spannender und noch enegiegeladener gestaltet werden können, stattdessen sterben plötzlich alle hintereinander. Vor allem das Ende schien so einen seltsam ungeduldigen Charakter zu haben.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch durchaus positives zu sagen: Neben der viel erwähnten Tatsache, dass ich die Geschichte in ihren Grundzügen und der Welt, in der sie spielt, absolut brilliant finde, liebe ich auch Gaimans so vielseitigen und etwas verrückten Schreibsil und kann definitiv empfehlen, das Buch im Original zu lesen. Abenteuer und Humor arbeiten hier einfach wundervoll zusammen. Besonders die Art, in welcher der gefallene Stern Yvaine (ja, der Stern ist eine Frau!) Tristan beschimpft, ist einfach göttlich.

THE VERDICT: Die Idee ist brilliant, die Umsetzung leider nicht so erfüllend und teils sehr mager. Statt dem Buch, möchte ich allen den brillianten und wunderschönen Film (Lieblingsszene im Beitragsbild!) ans Herz legen, der dieses Märchen in seiner eignen Interpretation für mich persönlich vervollständigt. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Tag: Book Courtship

Hallöchen!

Erstmal ein großer Seuftzer, endlich habe ich meine schriftlichen Prüfungen überlebt! Als zweites ein fettes Danke an meine beste Freundin und Bloggerin Charlie @keinezeitfuerlangeweile.blogspot.defür das Tagen. Kurzum, hier ist er, der Book Courtship Tag! (siehste, ich habe gar nicht so lang zum beantworten gebraucht!)

1.) Initial Attraction: A book you bought because of the cover
(Sofortige Anziehung: Ein Buch, das du wegen des Covers gekauft hast)

Ich bin ein schlechter Leser, denn ich glaube, da gibt es einige. Mich, als großen Kunstliebhaber, trifft dieses Symptom ziemlich stark. Anfang dieses Jahres erschienen vom Penguin Verlag in ihrer Penguin Classics Reihe neu aufgelegte, bezaubernde Versionen von Fitzgerald, u.a. The Great Gatsby und The Last Tycoon, die ich beide besitze. Mal sehen, wann ich sie lesen werde. Vor allem was Klassiker angeht, investiere ich gerne in besonders tolle Ausgaben (ich weiß ja, dass ich sie irgendwann lesen werde). Ein Buch, was seit ca. einem Jahr bei mir rumsteht und darauf wartet, gelesen zu werden ist „Red Queen“ von Victoria Aveyard – erst später sollte ich feststellen, wie sehr es in der Instagram-Community gefeiert wird…

2.) First Impression: A book you got because of the summary
(Erster Einruck: Ein Buch, das du aufgrund der Inhaltsangabe gekauft hast)

„Lucian“ von Isabel Abedi. Sollte ich keinesfalls bereuen, es ist ein bezauberndes Jugendbuch. Mich verführen häufiger Klappentexte und ich wurde selten enttäuscht.

3.) Sweet Talk: A book with great writing (Süße Worte: Ein Buch mit tollem Schreibstil)

Eigentlich ist für mich guter Schreibstil eine Voraussetzung, dass ich ein Bcuh gut finde. Sprache ist so etwas bezauberndes, filigranes, vielfältiges und jeder, der Bücher veröffentlicht, sollte meiner Meinung nach sich selbst zum Ziel machen, das meiste aus seinem Wortschatz rauszuholen. Es ist schließlich das Werkzeug!
Besonders toll finde ich Carlos Ruiz Záfon, der es mit einer leichten Blumigkeit schafft, ein mysteriöses Barcelona zu malen, das so plastisch und real scheint…
Außerdem der große Meister des schwarzen Humors und der ulkigsten Figuren: Charles Dickens (meine Rezension zu seinem Meisterwekt „Große Erwartungen“ findet ihr hier.

4.) First Date: The first book of a series which made you want to pursue the rest of the series (Erstes Date: Das erste Buch einer Serie, das dafür gesorgt hat, dass du den Rest der Reihe lesen wolltest)

Rubinrot…

5.) Late Night Phone Calls: A book that kept you up all night long
(Anrufe spät in der Nacht: Ein Buch, das dich die ganze Nacht wachgehalten hat)

Ganz simpel: Die Harry-Potter-Reihe, wenn man erstmal anfängt, kann man gar nicht mehr damit aufhören!

6.) Always On Your Mind: A book you could not stop thinking about
(Immer in deinem Kopf: Ein Buch, über das du nicht aufhören konntest nachzudenken)

Der Schatten des Windes. Ich werde wohl jeden Menschen, den ich kennenlerne, früher oder später fragen, ob er es kennt und wenn ja, wie er es fand. Ich habe selten eine Geschichte gelesen, die mich so fasziniert hat und gleichzeit Literatur noch mehr lieben. Eine neuere Entdeckung war für mich aus dieser Schublade defintiv „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers.

7.) Getting Physical: A book in which you love the way it feels
(Es wird körperlich: Ein Buch, bei dem du liebst, wie es sich anfühlt)

Zum einen „Alicia“ von Berhahrd Hennen (zumindest in manchen Zeilen des Romans) für dieses wundervoll kribbelnde Gefühl vom frisch verliebtsein, wenn man glaubt, dass man Bäume ausreißen könnte und gar nicht weiß, wohin mit der ganzen Glücklichkeit, aber auch diese verrückte Abenteuerlust. Und – das klingt jetzt vielleicht obszön – „Das Parfüm“ von Patrick Süßkind. In dem Gehirn diesen komplett besessene Jean-Baptiste zu stecken und de facto nach dem absoluten Parfum zu suchen, dem Geruch von Liebe, diesem so mächtigen Lebensexiszenzdrang ein Parfum zu erschaffen, ist so genial und abartig zugleich, ich liebe und hasse es irgendwie. Jedenfalls lässt es mich nicht los, seitdem ich es gelesen habe, und das ist meiner Meinung nach eine der höhsten Künste im Bereich der Literatur.

8.) Meeting the Parents: A book which you would recommend to your friends and family
(Die Eltern treffen: Ein Buch, das du deinen Freunden und deiner Familie empfehlen würdest)

„Northern Lights“ bzw. „Der Goldene Kompass“ von Philipp Pullman. Ich denke, es ist ein Buch, welches man schon in den frühen Jahren von 11 lesen kann und mit Ende 20, 30 was weiß ich, noch immer liebt. Magie und die Brise von Abentuerlust mit einer wunderbar neugierigen, hinreißend intelligenten Protagonistin in einer verwunschenen Welt. Und als krönendes Sahnehäubchen: der Schreibstil.
Ich würde sagen, obwohl ich ein Neuling in diesem Gebiet bin, dass die Harry Potter Reihe aus ähnlichen Gründen definitiv auch in diese Kategorie fällt.

9.) Thinking About the Future: A book or series that you know you’ll re-read many times in the future. (Über die Zukunft nachdenken: Ein Buch oder eine Reihe, von der du weißt, dass du sie in Zukunft noch oft lesen wirst)

Ich kann ja nicht ständig vom Schatten des Windes reden – allerdings muss ich gestehen, dass ich Bücher nur sehr selten noch mal lesen, einfach auch, weil es noch zu viel für mich zu entdecken gibt. Mir hat es in meiner frühen Jugend die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier sehr angetan, eine leichte, lustige Wohlfühllektüre mit Spannungsfaktor. Ich erinnere mich mit welcher Leselust ich sie damals verschlungen habe und vor Entzückung ganz und gar aus dem Häuschen war. Ich denke, es würde mir heute und in 10 Jahren auch noch gefallen, weil es einfach eine tolle Reihe ist.

Ich tagge:

Gian von gnbworld.wordpress.com
Ulrike von leselebenszeichen.wordpress.com
Rosa von diogenesclubbing.wordpress.com

Love, Katha

Auslöschung

https://i0.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/61joLfDw4DL._SX319_BO1,204,203,200_.jpg

Autor: Jeff VanderMeer
DT: Auslöschung
OT: Annihilation
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Kunstmann
Preis: 16.95€ (broschiert).
Länge: 240 Seiten
ISBN: 978-3888979682

Band 1 der Southern Reach Trilogie

Seit ein mysteriöses „Ereignis“ vor mehr als dreißig Jahren das Gebiet erschütterte, ist Area X von einer unsichtbaren Grenze umgeben. Niemand weiß genau, was dahinter geschieht, aber es gibt Gerüchte von einer sich verändernden und  die Reste der menschlichen Zivilisation überwuchernde Natur, die ebenso makellos wie bedrohlich ist. zuständig für das Gebiet ist eine geheime Regierungsorganisation, die sich Southern Reach nennt und den Auftrag hat, herauszufinden, was hinter der Grenze geschieht, Dies ist der Bericht der zwölften Expedition. [Klappentext]

Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob mir das Buch gefallen hat, oder mich eine höhere Instanz irgendwie dazu gebracht hat, es zu lesen. Es war auch nicht sonderlich clever von mir, es einen Tag vor meiner ersten Abiturprüfung anzufangen – letztlich hatte ich kein Stück damit gerechnet, dass mich „Auslöschung“ so sehr in den Bann ziehen würde.
Nun bin ich allerdings auch sehr verstört, verwirrt und etwas zwischen dem dringenden Bann weiterlesen zu wollen und der Frage, ob mir das gut tun würde.

Die Geschichte der Expedition wird aus dem Blickwinkel einer Teilnehmerin geschrieben, der Biologin. Ferner in ihrem Team sind eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Vermesserin, wobei Namen niemals genannt werden und die ersten Seiten sehr oberflächlich sind und man erst nach und nach etwas über die Person der Biologin erfährt, was auch dem geschuldet ist, dass sie sehr distanziert und kühl als Person ist, mehr oder minder eine Einsiedlerin, und sich mehr als Biologin, als als Mensch ansieht. Aber vielleicht macht auch genau dieses mysteriöse, fast schon thrillerhaftige „Auslöschung“ so unfassbar spannend, es liest sich auch wie ein Krimi, nach und nach wird das Rätsel entkleidet – aber nicht vollends, stehts kommen neue Fragen.
In Area X geschehen zudem die merkwürdigsten Dinge, es gibt einen geheimen Tunnel, der nah an dem Basislager ist, zu dem sie gebracht wurden (und keiner erinnert sich mehr wie), allerdings nicht in die vom Southern Reach gegebene Karte eingezeichnet ist. Immer mehr wird der ganze Umstand der Mission verdächtig, auch im Zusammenhang mit den vorigen Missionen und der Biologin scheint, als versuche die Psychologin alle zu manipulieren – ein geniales, böses Verstrickungsspiel, welches die Psyche der Figuren, aber auch die des Lesers herausfordert.
Was sie schließlich in dem Tunnel, den die Biologin aber den Turm tauft, entdecken, wirkt wie ein reinster LSD-Trip auf den Leser. Auflösung ist verstörend, schockierend und weckt trotz der scheinbar unmenschlichen Biologin doch sehr viel Menschlichkeit in einem selbst. Genauso mysteriös, wie Area X also ist, was dieses Buch mit einem macht.
Und das ist der Suchtfaktor, der durch die Geschehnisse von seltsamen Pseudobibeltexten und dem plötzlichen Verschwinden der Anthropologin gefüttert wird.
Allerdings muss auch gesagt werden, dass die Geschehnisse sich teilweise derart überschlagen, dass das Ganze dann doch etwas abdriftet und fern von jener Vorstellungskraft ist – woran ich mich auch nicht ganz gewöhnen konnte. Es hat schon was von einem Rausch.

Der Schreibstil dabei ist sehr metaphorisch, sehr bilderlastig, was gut ist, um sich Area X vorzustellen, dennoch enthält er gerade durch die Ich-Perspektive der nicht unbedingt sympathischen, aber interessanten Biologin einen stark nüchternen Ton und fällt nie zu ausgeschmückt aus. Teilweise kann ihre Art schon ganz schön selbstmitleidig und nervig werden und manchmal ist ihr sehr raional-biologisches Denken fast schon zu fremd, um realistisch sein zu können für einen Menschen.

Ein großer Pluspunkt und für mich vielleicht auch der erste Anreiz dieses Buch zu lesen, ist das entzückende, gleichzeitig geheimnisvolle Cover und glücklicherweise ein Klappentext, der gerade genug, aber kein bisschen zu viel verrät. Ich habe das relativ dünne Buch ausgeliehen, da ich den Preis schon relativ saftig fand. Ebenfalls gut fand ich, dass im Laufe auch klar wurde, weshalb der Titel „Auslöschung“ gewählt wurde, was meines Erachtens nach auch passend ist.

THE VERDICT: Spannend, mysteriös, abartig und die ganze Zeit immenses Herzklopfen. Obwohl die Geschichte fast schon etwas zu abgefahren ist, um sie wirklich ansatzweise begreifen zu können, empfehle ich zumindest jedem, den das Genre interessiert, hereinzuschnuppern. Vorsicht Suchtfaktor! 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover

Liebster Award #3

Ahoi!

Ich arbeite gerade meinen Zettel an zu schreibenden Beiträgen ab, wollte mir aber wirklich Zeit für die Beantwortung dieser Fragen nehmen, um ein möglichst gutes Ergebnis dabei zu erzielen. Danke nochmal an die ganz wunderbare Koriandermadame von Zeit dass es Zeit wird (genialer Name, btw)!

Lieblingssong?
Schwierig. Tatsächlich höre ich seit einem halben Jahr mehr oder weniger regelmäßig viel von Keane, besonders „Somewhere Only We Know“ hat es mir sehr angetan! Gut, ich bin ehrlich: ich nerve wahrscheinlich meinen ganzen Freundeskreis damit, wie sehr ich dieses Lied feier. Zweiter Lieblingssong „Can’t Pretend“ von Tom Odell.

Lieblingsessen?
Nudeln, alles Mögliche mit Nudeln! Und natürlich ein richtig saftiger, frischer Burger.

Lieblingsbuch?
„Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón. Defintiv.
Ich liebe viele Bücher, z.B. „Große Erwartungen“ von Charles Dickens oder „Der Goldene Kompass“ von Philip Pullman (die übrigens beide bei mir rezensiert sind, falls jemand sie nicht kennt.

Lieblingsfilm/serie?
Downton Abbey und Sherlock. Diese Fragen sind ziemlich schwierig, also versuche ich einfach mit dem ersten Impuls zu antworten, denn ich binge (wenn ich mal keine Klausurphase habe) so einiges…

Lieblingsbild/foto?
Als große Kunstliebhaberin und Bewunderin könnte ich jetzt sehr viel aufzählen, aber mein Herz schlägt besonders für Portraits, deshalb wähle ich eins, das ich sehr bewundere: „Jenny Lind“ von Eduard Magnus. Es spornt mich an mit der Hoffnung, eines Tages selbst ein so gefühlvolles Portrait mit einer immensen Ausstrahlungskraft zu schaffen.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/41/Magnus_Jenny_Lind.jpg

Erste Erinnerung?
Ich habe keine Ahnung, sorry.

Lieblingsspruch/zitat?
„Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist“ – Theodor Heuss. Es hilft mir, mich daran zu erinnern, nicht so schwarzmalerisch zu denken.

Wie ehrlich bist du?
Bei Beantwortung dieser Fragen: absolut. Ansonsten: so ehrlich wie möglich und nötig. Ich denke, man tendiert häufiger dazu, sich auch selbst unbewusst zu belügen, ja, was ist schon wahr – daraus könnte nun eine ganz große philosophische Diskussion werden *lach*

Welchen Song assoziierst du spontan mit mir?
„Barfuß am Klavier“ von Annenmaykanereit, weil ich ihn vor ein paar Monaten auf meinem Blog gepostet habe und du ganz begeistert darüber warst, was mich sehr gefreut hat, weil ich jemanden inspirieren konnte!

Tipps für Neu-Blogger?
Ambitioniert und originell bleiben und  bei anderen Blogs vorbeischauen.

Stelle dir hier eine Frage deiner Wahl und beantworte sie! Was hörst du gerade?
Storms“ von Tom Odell (ich liebe ihn!!!)

Da dies schon mein dritter Liebster Award ist – was mich ziemlich erstaunt und auch berührt – werde ich nicht 11 Blogger markieren, da ich das schon Mal gemacht habe. Trotzdem ein ganz fettes Danke, an alle, die meinem Blog folgen und ihn lesen, weil mir das wirklich die Motivation gibt, unbedingt weiterzuschreiben.

Alles Liebe
Eure Katha

The Circle

https://i2.wp.com/ecx.images-amazon.com/images/I/41%2Bb8t5VrOL._SY344_BO1,204,203,200_.jpg

Autor: Dave Eggers
OT: The Circle
Genre: Sci-Fi, Dystopie
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Penguin
Preis: £6.29
Länge: 512 Seiten
ISBN: 978-0241146507

Auf deutsch unter „Der Circle“ erschienen

Mae Holland, eine jungere Amerikanerin erhält durch ihre Studiumsfreundin Annie einen Job bei der begehresten Firma ihrer Zeit: Der Circle, welche sich durch raffnierte Innovationen immer mehr etabliert. Schnell findet Mae sich in der Welt dieser Firma ein, sie wird Teil eines imensen sozialen Netzwerkes. Doch ihre Eltern, ihr Exfreund und ein mysteriöser, scheinbar identitätsloser Mann wirbeln ihr Leben auf – unterdessen wird der Circle immer mächtiger.

Selten hat mich ein Buch so entsetzt. Sagte ich selten? Noch nie. Zugegeben, der Englisch Grundkurs nötigte mich, meiner zweiten Dystopie näher zu kommen, doch ich verschlang den Roman förmlich. Etappenweise, um genau zu sein, da ich finde, dass man den Circle ab und an aus der Hand legen sollte, um nicht komplett verrückt zu werden.
Immer wieder fragte ich mich, wie das seien könne, wie grausam und blind Menschen seien können und musste leider feststellen, dass blinder Gehorsam und die Neigung nichts zu hinterfragen, stark verbreitet sind. In The Circle malt Dave Eggers ein gruseliges Zukunftsbild einer technisch hochentwickelten, ja, eigentlich Technik süchtigen Gesellschaft. Wenn’s neu und krass ist, wieso sollte man da Nein sagen?
Man kann es so oder so sehen, aber man findet im Circle unheimliche Verbindungen zu unserer technisierten Welt, wo wir alles sharen und liken und uns eine Identität im Netz erschaffen und unser Selbstwertgefühl dadurch aufflammt, dass jemand einen Smiley oder ein Herz sendet – das ist überspitzt, aber etwas ist dran.

Mae leitet einen druchs Geschehen, man blickt durch ihre Augen, fühlt, was sie fühlt und liest ihre Gedanken. Dabei ist Mae eine impulsive und leicht zu begeisternde Person, anfangs scheint sie naiv und unbeholfen, doch je mächtiger der Circle wird, desto mehr wird sie eingesogen von der Macht und man möchte in dieses Buch springen und schreien sie soll doch endlich zu Vernunft kommen. Sie ist ein sehr egoistischer und meines Erachtens nach stark sexualisierter Charakter, eigentlich zieht sie ihr Ding durch, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken – meist fallen ihr (wenn überhaupt) ihre Fehler im Nachhinein ein. Dadurch ist sie ein ziemlich vielseitiger und realistischer Charakter – ich persönlich habe sie mit jeder Seite mehr gehasst und war auch ein bisschen froh, als ich den Roman beendete, dass ich mich nicht mehr mit ihr befassen muss.
Die Ereignisse jagen sich förmlich: einen Chip in Kinder einpflanzen, um sie vor Kidnapping zu Schützen, überall Kameras intsallieren – jedes Mal, wenn man glaubt, absurder könnte es es nicht werden, fällt man umso mächtiger auf die Nase. Dave Eggers konstruiert eine abartige Welt, die sich als Utopia ausgibt und ständig betet man, wenigstens einer möge zur Besinnung kommen. Es ist die Geschichte von technischer Innovation und blindem Gehorsam, die gar nicht so weit von unserer Zeit weg zu seien scheint, man denke nur an die große Firma, die fast ein Monopol auf alles im Internet hat – Google. Ich meine natürlich den Circle!

Allerdings muss ich einwenden, dass ich Eggers Schreibstil nicht besonders mochte, er lebte von einer eigenartig dikatorischen Wiederholungskraft und den Dingen, die in Maes Kopf vorgehen – dadurch ist es natürlich sehr authentisch und teilweise auch furchtbar nervtötend, vor allem, wenn man an dem Punkt ankommt, wo die absolute Doktrin durch Leitspürche wie „Secrets are Lies“ anfängt. Zudem ist das Buch nur in drei Teile eingeteilt und in keine Kapitel, so dass es schwer ist, sich zu orientieren, manchmal geschieht ganz viel und dann wieder zum vierten Mal, wie Mae durch ihren Zing-Feed scrollt.

THE VERDICT: Der Circle ist ein abartig aufregendes, unheimliches und schockierendes Buch mit technokratischen Zukunftsvisionen und besticht dabei durch eine plastische Authenzität, die einem aber gleichzeitig enorm nerven kann 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen
Cover