Charlotte – Leben? Oder Theater?

Autor: David Foenkinos
OT: Charlotte
DT: Charlotte
Genre: Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014, Frankreich
Verlag: Penguin Verlag
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-328-10022-5
Länge: 237 Seiten

Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943)

Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt.

Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu.

Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt?

Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas.

Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend.

Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

THE VERDICT: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Spinner

Autor: Benedict Wells
OT: Spinner
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: Diogenes
Preis: 12€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3257243840
Länge: 320 Seiten

Nachdem ich vollkommen in den Bann gezogen war von Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit„, wollte ich auch weitere Bücher von diesem begnadeten Autor lesen und entschied mich für Spinner, einen Roman, der ganz gut zu der verwirrten Jugend passt, zu der ich auch gehöre.

Eine erlebnisreiche Woche aus dem Leben des Jesper Lier, 20 und nicht zur Uni gehender Student, und den großen Fragen und der Verwirrtheit, was man eigentlich aus seinem Leben machen soll.
Nach dem Tod seines Vaters zog er von München nach Berlin, die magische Großstadt zog ihn an mit ihren Reizen und funkenden Perspektiven. Doch Jesper steckt in einer Krise, er will endlich sein Leben umkrempeln und ehe er sich versieht, hat er sich in eine Fremde verliebt und träumt von ihr und  mit seinem Roman „Der Leidensgenosse“ über Nacht berühmt zu werden.

Ein Wells wäre natürlich kein Wells, wenn der schrullige Jesper nicht in die Untiefe sämtlicher philosophischer und essentieller Lebensfragen versinken würde. Lustig und lautstark geschrieben, mit viel Schwung und Energie, einer flotten und verrückten Handlung, scheint das Buch einerseits urkomisch zu sein, gleichseitig zeugt es von einer unheimlichen Tragik. Der Schreibstil schwankt seltsam zwischen kreischenden Heavy-Metal-Rocker und sanfter Klaviermusik, ein auf und ab aus Gefühlen und Reizen – was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Jesper erlebt die verrücktesten Partys, sieht Obszönes und Perverses, nimmt Drogen und lebt aber auch den tristen Alltag, kennt den leeren Kühlschrank und die dunkle, kleine Berliner Altbauwohnung. Auf ehrliche, skrupellose Weise wird allmählich die Verzweiflung Jespers klar: Was soll aus ihm werden? Was hat er, seitdem er von zu Hause geflohen ist, erreicht? Warum hat er keine Freundin?

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Mich hat „Spinner“ stark berührt, zwar ist Jespers Leben sehr überspitzt und gerne dramatisch, ja, wirkt auf der Weise einer Satire, doch die Essenz des Romans und seine Aussage ist sehr klar: Es ist in Ordnung, etwas verwirrt zu sein. Jung , ahnungslos und überfordert.

Ich denke, dass es ein sehr interessantes Buch für jedem, der um die Zwanzig ist, oder generell Menschen, die frisch aus der Schule kommen und gleichermaßen eine gewisse Ahnungslosigkeit verspüren, wie es mit ihren weitergehen soll, aber auch für Lesende, die älter sind und auf diese verrückte Zeit zurückblicken. Es ist manchmal definitiv keine leichte Kost, mnachmal sogar etwas zu viel des Guten, aber das macht das Buch anderseits so herrlich schrullig und eigenartig.

Zu guter letzt möchte ich sagen, dass mir das Cover zwar ganz gut gefällt mit dem simplen Bild eines rauchenden jungen Mannes, was vielleicht mit seiner leeren „coolen“ Miene etwas provokant wirken soll (es handelt sich hier um die neue Taschenbuchedition, die nicht mehr ein glänzendes, sondern ein mattes Diogenes-Cover besitzt), allerdings raucht Jesper sehr selten im Buch. So trifft das Bild  einfach nicht den Nagel auf den Kopf.

THE VERDICT: Ein berührender und gleichzeitig schriller und verrückter Roman und das Jung- und Verwirrtsein aus einer tragikomischen Perspektive, etwas gewöhnungsbedürfig, aber gleichermaßen liebenswert mit einem absoluten Spinner als Protagonisten. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Vom Ende der Einsamkeit

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Vom Ende der Einsamkeit
Genre: Drama
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Diogenes
Preis: 22 Euro (in Leinen gebunden)
Länge: 368 Seiten
ISBN: 978-3-257-069587

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Preis für Literatur

Jules und seinen älteren Geschwistern Liz und Marty, welche ihre Eltern durch einen Unfall im Kindesalter verlieren und in den 1980ern in einem Internat in Süddeutschland großwerden. Grundverschieden, bekäpmft jeder Charakter den Verlust anders, doch im Mittelpunkt steht Jules, einst selbstbwusst, zieht er sich nun zurück.

Ist das Leben ein Spiel, in dem Glück mit Pech bestraft wird, eine Art Nullsummenspiel? Dieser Frage geht Benedict Wells Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ nach. Der Roman erzählt von Aufarbeitung, Verlust, verpassten Chancen, großen Hoffnungen, Einsamkeit und vor allem Liebe.

Mit den Worten „Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich“ beginnen, wirft Wells einen sofort in die Erzählung – ein ganz großartiger erster Satz, der mich sofort neugierig machte. Ein Mann wacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus auf und erinnert sich plötzlich, warum er dort liegt. Doch dann beginnt der Roman chronologisch mit seiner Kindheit.

Jules‘ Erwachsenwerden wird von grundlegenden philosophische Fragen des Seins begleitet, sowie kleinen Zitaten von Rainer Maria Rilke oder Zeilen aus Liedern wie Paolo Contes „Via Con Me“, welches ein wiederholendes Motiv ist. Dabei sorgen diese überlappenden Momente für eine mitfühlbare Lebenswirklichkeit, als würde man sich mit Jules miterinnern. Häufig scheinen Kapitel wie Fragmente aus seinem Leben, die wie Puzzelteile aneinandergereiht das Bild vom verwirrten Mann mit dem Motorradunfall klarer werden lassen – um ihn nicht nur zu verstehen, sondern auch mitzufühlen! Denn genau das Fühlen steht bei diesem Roman im Vordergrund, mal Schmerz, mal Aufregung oder die reinste Freude, welche durch Wells sehr ruhigen, poetischen Schreibstil untermalt werden. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Beschreibung vom Jules Schwester, die während seiner Kidnheit im Heim unglaublich fern und unerreichbar war: „Sie redete, wie ein Verdurstender trinken würde: gierig nach jedem einzelnen Wort“

Es sind die Sehnsüchte und das Innenleben der Menschen, welche Wells sehr gut zu verstehen scheint. So wird von der äußeren und innen Welt gesprochen und wie Jules nicht mehr den Zugang zu ersterer findet. Ständig stellt er sich die Frage, was wäre wenn… Dese Menschlichkeit und die Liebe für das Detail lassen die Figuren in diesem Roman sehr plastisch wirken, als würde man sie kennen – aber irgendwie auch nicht, wie im echten Leben.

Auch die große Frage nach einem Beruf, einer Lebensaufgabe ist ein wichtiges Thema: Kaum ein Mensch kommt an Jules rann, er trottet erfolglos durch das Leben und weiß nicht, was er will, nur die Erinnerung an die geheimnisvolle Alva, die er bereits aus Schulzeiten kennt, scheint ihn nicht loszulassen. In seiner Jugend pflegten sie eine besondere Freundschaft, doch werden die beiden sehr lange nicht über ihre Gefühle sprechen. Berührend und mit Erinnerungsfragmenten erzählt Wells von den intensivsten Momenten einer Liebesgeschichte.
Überwältigend schön und gefühlsintensiv kreiert Wells in seinem Roman eine Geschichte, die mit ihrer zarten Melancholie, aber auch der leuchtenden Freude wie aus dem Leben gegriffen scheint.

„Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines dieser Bücher, die man fast schon langsam lesen will, um jede Seite auszukosten und die ein merkwürdiges Gefühl von Leere und Erfüllung hinterlassen, wenn man es durchgelesen hat. Ich bin noch immer absolut berührt und möchte diesen Roman jedem ans Herz legen.

Zu guter Letzt möchte ich das Cover loben, welches wie die typischen Diogenes Bücher aufgebaut ist und eine Illustration von Elizabeth Peyton zeigt, die hervorragend zur Geschichte passt – schlicht und schön.

THE VERDICT: Ich wüsste es nicht besser auszudrücken, als einfach zu sagen, dass dies eines der besten und berührensten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. 10/10 Sternen

Love, Katha

Die langen Tage von Castellamare

https://i0.wp.com/www.ullsteinbuchverlage.de/typo3temp/_processed_/csm_9783471351307_cover_a6306cfc7a.jpgAutor: Catherine Banner
DT: Die langen Tage von Castellamare
OT: The House at the Edge of the Night
Genre: Familienroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: List
Preis: 18 Euro (gebunden)
Länge: 480 Seiten
ISBN: 978-3-741-351307

Das ehemalige Findlingskind Amedeo Esposito erhält Anfang des 20. Jahrhunderts eine Stelle als Arzt auf einer kleinen Insel vor Sizilien namens Castellamare. Die kleine Gemeinde untersteht dort, wie zu dieser Zeit in Italien gar nicht mehr üblich, dem Befehl des Conte. So lebt sich Amedeo auf der in der zeit etwas ziürckgebliebenden Insel ein und schreibt in einer kleinen roten Kladde die Mythen und Sagen der Insel auf. Doch eines Tages geschieht etwas seltsames: in einer Nacht werden zwei Kinder geboren, sowohl das seiner Geliebten als auch seiner Frau Pina – und plötzlich gerät der junge Arzt in ein Schlamassel. Die Inselbewohner, die an die heilige Agata glauben, denken, es sei ihr Wunder. Gleichzeitig verliert Amedeo durch diesen Skandal seinen Beruf und gründet, um mit seiner Frau auf der Insel überleben zu können eine Bar.

Die Geschichte erzählt sich über ganze vier Generationen, von 1914 bis 2009, von Amedeo bis zu seiner Urenkelin Lena. Dabei erlebt die Insel viele Skandale, de facto Dorftrasch, geh durch Zeiten von Faschismus und Kommunismus, erlebt Modernisierungen, Krisen und zieht die verschiedensten Leute an. Mittelpunkt für die Espositos bleibt natürlich ihre Bar „Das Haus am Rande der Nacht“, die mal mehr, mal weniger von den Familienmitgliedern der Espositos geliebt wird.

Das Herz des Romans macht nicht nur die Umgebung aus, sondern vor allem die Charaktere. Dabei werden besonders drei Figuren in den Vordergrund gestellt und aus ihrer Perspektive erzählt (allerdings mit einem personalen Erzähler): Amedeo, seine Tochter Maria-Grazia und ihre Enkelin Maddelena. Zusammen bilden sie mit ihren Geschwistern und Geliebten ein riesiges Familiengerüst. Es ist so berührend, mitzuerleben, wie Figuren über ein ganzes Jahrhundert wachsen, lieben, streiten und altern. Zusätzlich zu den schrulligen an Sant’Agata glaubenden Dorfbewohner ergibt sich ein kunterbuntes, extrem lebendiges Dorfleben.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich die ersten fünfzig Seiten gebraucht habe, um mich richtig auf Castellamare einzuleben, denn am Anfang, als Amedeo auf die Insel kommt und seine seltsame Affäre hat, lamentiert der Roman etwas – vielleicht auch, weil sich Amedeo selbst so gefühlt hat, jedoch brauchte ich Zeit, um mich zu orientieren, doch als ich endlich begriff was geschah und Amedeo mit seiner Vaterschaft zunehmend ein identifizierbarer Charakter wurde und er mit der wunderbaren Pina die Bar gründete, da  begann ich es zu mögen und daraus wurde schließlich eine kleine, italienische Liebe.

besonders der ruhige und malerische Schreibstil Catherine Banners hat es mir angetan, das Buch liest sich so gemütlich und symbolisiert ein bisschen die italienischen Gelassenheit der Insulaner. Natürlich gibt es dann und wann auch sehr tragische, schrecklich spannende Momente, doch im großen und ganzen ist das Buch von einer unglaublich ansteckenden Ruhe umgeben, die zu tiefst berührt.
Letztlich glaube ich, dass sich dieser Roman genau in diesem Punkt von der typischen Familiensaga mit ihren dunklen Geheimnissen und Aufdeckungen abgrenzt und viel mehr ein sehr realistisch wirkendes und sehr bewegendes Familienportrait erzählt. Es ist also nicht im klassischen Sinne wirklich „fesselnd“, sondern greift auf anderer, gefühlvolleren  Ebene.
Besonders gefallen hat mir, dass Banner vor jedem neuen Abschnitt – das Buch ist in mehrere Teile gegliedert inklusive Jahreszahlen – mit einer Inselsage beginnt und gewissermaßen Amedeos Vermächtnis aufgreift.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die wichtigen Ereignisse der italienischen Geschichte bzw. der Geschichte des 20. Jahrhunderts stets eingebettet werden, wie auch neuste Erfindungen, z.B. der Fernseher und die Modernisierung einer ziemlich heruntergekommenen Insel.

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englische Ausgabe, Random House

Das einzige, was mich tatsächlich etwas verwirrt, ist das Cover. Zum einen finde ich zwar das hellblau wunderschön und es erinnert an da Meer um Sizilien, zum anderen passt es nicht ganz zum Roman. Genauer gesagt, das Foto darunter. Ich habe einen leichte Idee, dass es die Tochter von Amedeo, Maria-Grazia und ihre beste Freundin abbilden könnte, ganz sicher bin ich mir allerdings nicht. Als ich schließlich das englische „original“ Cover googelte, war ich aus dem Häuschen. Ebenfalls in Blautönen, aber auch mit dem im Roman ständig erwähnten Blumenranken wirkt es magisch und mystisch – genau, wie Catherine Banner die Insel beschreibt.
Das deutsche Cover wirkt meines Erachtens, grob gesagt, wie ein Standarderwachsenenlitertaurcover und lässt das Buch langweilig aussehen.
Gleiche Kritik an diesen nichtssagenden deutschen Titel…

Zu guter letzt eine kleine Anmerkung: Dieses Rezensionsexemplar habe ich auf der Seite Vorablesen gewonnen (und bin sehr glücklich, ein tolles Buch so kennengelernt zu haben!)

THE VERDICT: Ein bewegendes, wunderschön geschriebenes und ruhiges Buch über eine Familie eingebettet in ein ganzes Jahrhundert, welches mit seinen Beschreibungen auch Lust auf Italienurlaub macht. 8 von 10 Sternen

Love, Katha

Quellen:
deutsches Cover
englisches Cover

Die Entdeckung der Unendlichkeit

OT: The Theory of Everything
DT: Die Entdeckung der Unendlichkeit
Genre: Drama
Cast: Eddie Redmayne, Felicity Jones, Charlie Cox, David Thewlis, Simon McBurney
Regie: James Marsh
Drehbuch: Anthony McCarten
Musik: Jóhann Jóhannson
Länge: ca. 123 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Basierend auf Jane Hawkings „Die Liebe hat elf Dimensionen: Mein Leben mit Stephen Hawking“
Ausgezeichnung mit dem Oscar in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ für Eddie Redmayne
Sowie zwei Golden Globes in den Kategorien „Bester Hauptdarsteller“ und „Beste Filmmusik“

Das Schicksal des genialen Physikstudenten Stephen Hawking (Eddie Redmayne) scheint besiegelt, als beim 21-Jährigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird. Doch die Liebe zur seiner Cambridge-Kommilitonin Jane (Felicity Jones) gibt ihm neuen Lebensmut. Mit ihrer Unterstützung stürzt er sich in sein wichtigstes Projekt und erforscht genau das, wovon ihm noch wenig bleibt: die Zeit. Aber kann die Liebe zwischen Stephen und Jane auch den Tod besiegen?

Ein überraschendes Gefühl, ganz alte ausstehende Rezensionen zu finden und sich zu wundern, warum man sie nicht veröffentlicht hat. Nun rücke ich mit meiner Meinung zu „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ nach.

Bereits der Trailer zum Film ist sehr vielversprechend, lädt zu einer dramatischen Liebesgeschichte ein, begleitet von der grausamen Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose, die Hawkings in den Rollstuhl zwingt. Ein Kampf zwischen seiner Arbeit für die Physik und der Erkrankung beginnt. Und der Zuschauer wird nicht enttäuscht!
Bildgewaltig und mit einem unter die Haut gehenden Soundtrack wird diese traurige, aber nie hoffnungslose, kraftvolle Geschichte erzählt.
Eddie Redmayne gewann den Oscar nicht umsonst, seine Verkörperung von Hawking ist beeindruckend und erschreckend echt, er spielt den Verlauf den Krankheiterschreckend real. Auch Felicity Jones, die ich nun aus immer mehr Filmen kenne und immer mehr schätze, spielt Jane Hawing mit solch einer liebevollen, starken und warmen Kraft – eine wunderbare Besetzung!

Natürlich kann man einwenden, dass für diejenigen, die sich ein wenig mit Hawkings Leben auseinandergesetzt haben, die Geschichte romantisiert und auch nicht besonders spannend ist. Aber „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hat nicht den Anspruch, wie bei einem Krimi den Zuschauer an den Sessel zu fesseln, sondern tief im Herzen zu berühren und nachzudenken, aber vor allem, und das ist fast das schönste am Film, niemals aufzugeben.

THE VERDICT: Dieser Film ist ein überaus berührendes Meisterwerk mit hervorragenden Schauspielern, dem schicken Setting der Universität Cambridge, untermalt von einem Soundtrack mit melancholischer Ohrwurmgarantie. Allerdings finde ich ihn etwas zu romantisiert, auch wenn er sich schön als Liebesgeschichte macht. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Verwendete Bilder:
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Am grünen Rand der Welt

DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Romanze
Cast: Carey Mulligan, Matthias Schoneaerts, Michael Sheen, Tom Sturridge
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
Musik: Craig Armstrong
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: ca. 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Nach Thomas Hardys Roman „Am grünen Rand der Welt“ aus 1874.

Als Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) eine Farm im Südwesten Englands erbt, verändert sich ihr zuvor kleines Leben beträchtlich und bekommt als Frau eine bedeutsame Rolle. Ihr Leben wird jedoch immer trubulenter und verwirrender, als sich nach und nach drei Männer in die verlieben und sie zwischen den Stühlen steht: der Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), der etwas ältere Gutsbesitzer Boldwood (Michael Sheen) und der junge Sergeant Troy (Tom Sturridge). Durch seine verführerische Art fällt sie Troy in die Arme, merkt aber früh, dass er sie verstößt und so stürzt Bathsheba in ein wildes, unaufhaltsames Chaos.

Thomas Vinterbergs Adaption von Thomas Hardys „Am grünen Rand der Welt“ bietet keine skandinavische Kälte, wie man dem Regisseur vielleicht nach sagen mag, sondern viel mehr eine starke Tiefe, eine ruhige Art, Gefühle auszudrücken und doch nicht an Spannung nachzulassen.
Durch die sehr spezielle Rolle der Bathsheba Everdene scheint der Film auf der romantischen Ebene etwas distanziert zu wirken, man scheint nicht an die Rolle heranzukommen, auch wenn Carey Mulligan sie mit sehr viel Leidschaft verkörpert, hat sie immer etwas fernes, unantastbares und trägt dadurch nicht immer einen Sympathiefaktor – was es allerdings eher interessanter macht, sie kennenzulernen, auch, wenn es befremdlich wirkt.
Besonders gefällt mir, dass keine Figur flach und einfach ist, auf eine oder zwei Charaktereigenschaften ausgelegt, sondern alle recht komplex und real wirken. Außerdem muss ich mit leichtem Schmunzeln zugeben, dass der belgische Schauspieler Matthias Schoenarts, der durch „Der Geschmack von Rost und Knochen“ bekannt wurde, durch seine sanfte Art, die gleichzeitig Ruhe und Kraft verkörpert, für mich hervorsticht.

Dennoch scheint der Film manchmal in sich nicht plausibel, besonders bei der Handlung wirkt die Dramatik ein wenig zu sehr heraufbeschworen und plastisch, wodruch der Film fast schon Stimmungschwankungen von solchen Extremen hat, dass einem unbehaglich wird und es nicht fließend wirkt.

Wie man es bereits auch Joe Wrights Adaption von „Stolz und Vorurteil“ kennt, brilliert auch dieser Film mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, die viel mit dem warmen Licht der Sonne und den satt-grünen Hügeln der englischen Landschaft Dorset arbeiten und so der Zuschauer wunderbar in eine wilde, raue Welt eingeführt wird. Die Landschaftsaufnahmen und einige Reitszenen bilden einen wichtigen Bestandteil der Geschichte und wirken auch nie fehl am Platz. So haben wir es hier ohne Zweifel mit einem filmographischem Highlight zu tun, welches hervorragend mit dem Score Craig Armstrongs harmoniert: süße, kräftige Streicher, die mit sehr viel Kraft die wilde, schöne Landschaft nachanhmen – nicht fröhlich, sondern recht ernst. Dazu kommen folklore Töne und im Besonderen singt Carey Mulligan sogar ein Mal!

THE VERDICT: Ein bewegender, sowohl im filmographischen als auch musikalischem beeindruckender Film, der durch eine gewisse Distanz, aber auch Tiefe fasziniert. Leider ist „Am Rand der grünen Welt“ weniger romantisch, als das Plakat vielleicht suggeriert, sondern spielt auf einer ernsten, ruhigen  Ebene die Gefühle ab. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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