Schweiz-Reise #1: Bern und Laupen

Moinsen – oder lieber Grüezi?

Ein Grund für meine Abstinenz in der Bloggerwelt war eine Reise, eine ganz besondere und sehr erfüllende, in der Schweiz. Ich habe ein bisschen Zeit benötigt, um zu rekapitulieren, was ich erzählen möchte, denn meine Begeisterung ist so groß, dass ich kaum weiß, wie ich sie ausdrücken soll.

Die Schweiz, trotz dass sie unser Nachbarland ist, schien mir stehts merkwürdig fremd und fern. Politisch neutral, kein EU-Land, grüne Wiesen des Friedens, lustige Dialekte, grasende Kühe, die vier Sprachen, alles teuer, Volksentscheide und Heidi-Klischees – das war meine Vorstellung. Nach dieser wunderbare Reise wurde mir klar, wie wenig ich wusste.
Ich werde meine Reise in vier Teile stückeln, damit ich jeden Ort, an dem ich war, richtig würdigen kann und im Details berichten, was ich alles gesehen und erlebt habe.

Meine Reise begann und endete in der alten Stadt Bern, die de-facto-Hauptstadt der Schweiz. Im Anfang Juni in der Schweiz zu reisen, ist eine wunderbare Sache, denn die Saison hat noch nicht ganz begonnen beziehungsweise an einigen Stellen gerade erst, die Städte sind noch nicht ganz voller Touristen und man kann getrost fotografieren, ohne sich durch Mengen zu quetschen, was mir nach meinen Erfahrungen im überfüllten Versailles und Zaandam etwas ist, was wichtig geworden ist.

Ein paar Dinge, die mich wirklich erstaunt und überrascht haben:

1. Die Aaare (Fluß) hat nicht nur eine unglaublich beunruhigende Geschwindigkeit, sondern ist kristallklar und hat einen wunderschön silbrig-türkisen Schimmer.

2. Teuer hat in der Schweiz noch einmal eine ganz neue Dimension. Für mich waren Großbritannien und Frankreich schon teuer, aber die Schweiz ist nochmal erschreckend teurer. Bern hat scheinbar neben Zürich und Genf die höchsten Lebenshaltungskosten weltweit (Quelle), es lohnt sich aber dort zu wohnen, um weiterzureisen. Ich kann wirklich nur empfehlen – wenn möglich -, viel selbst zu kochen und für unterwegs vorzubereiten (Abgepackte Supermarkt Sandwiches zwischen meist rund 6 Franken, ca 5.50 Euro).

3. Bern, sowie der Rest der Schweiz, ist ziemlich gut ausgeschildert, sauber und ordentlich (was mit anderen Hauptstädten in Europa, wie Brüssel, nicht mal ansatzweise vergleichbar ist). Ein schöner Nebenaspekt: Vor öffentlichen Toiletten in Zügen oder Restaurants muss man keine Angst haben.

4. Bern liegt 542 m über dem Meeresspiegel (Vergleich: Berlin je nach Ort zwischen 34-122 m) und besitzt dadurch wirklich imposante, Viadukt-anmutende Brücken, aber auch ordentlich viele Treppen und Wege, an denen es auswärts geht.

5. Besonders vom Bundeshaus aus, aber auch anderen Stellen, kann man in der Ferne bereits die ersten Berge der Alpen bestaunen. Ich bin auf dieser Reise sehr viel Zug gefahren und obwohl ich mir stehts vorgenommen hatte, zu lesen, konnte ich nicht anders, als wie gebannt aus dem Fenster zu sehen und die schneebedeckten Berge und die klaren Flüsse in der Ferne zu betrachten.

6. Die Luft is bereits in Bern deutlich besser als in Berlin oder vergleichbaren Städten.

Dinge, die ich wirklich empfehlen kann, in Bern zu sehen und die mich selbst bezaubert haben

  • Ein Spaziergang an der Aare
  • In den Rosengarten gehen, die Vielfalt der Blüten bestaunen und einmal Bern von oben mir Aare-Blick betrachen
  • Bundeshaus und das Wasserspiel auf dem Bundesplatz betrachten (und wenn es warm genug ist ins Wasser reinlaufen!)
  • Durch die historische Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) gehen und die ca. 6 Kilometer lange Lauben betrachten mit den großen Fahnen aller Kantone und ab und zu auch einfach in Nebengassen gehen und wunderschöne Bauten und kleine Gärten betrachten.

Neben der Hauptstadt sah ich die schnuckelige Gemeinde Laupen, die auch im Kanton Bern liegt. Dabei ist die Altstadt ein kleine Traum aus alten Walserhäusern, vielen Blumen und Pflanzen, die üppig in Vorgärten, auf Fensterbrettern und Terrassen wuchsen im bunten durcheinander wie ein kleines Farbenmeer. Nicht nur in Bern, sondern auch in Laupen war gerade die Rose in ihrer Blüte und an vielen Hauswänden und Gärten zu bestaunen.
Nur zufällig waren wir in einer Empfehlung vom Swiss-Pass auf Laupen gestoßen, eine komplett untouristische Gemeinde (was sicherlich zum Charme beigetragen hat) einige Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Nicht mehr, als eine kurze S-Bahn-Strecke.


Wir liefen die Gässchen hoch zum bekannten Schloss der Gemeinde und trafen auf ein paar spielende Katzen, eine sehr freundliche alte Dame, die uns herzlich empfahl das älteste Haus (wohlgemerkt, nicht das Schloss) anzusehen, sowie einer alten Gärtnerin, die uns einlud ihren prächtigen Garten anzusehen und uns etwas über Laupen erzählte, wie beispielsweise, dass auf dem Weg neben ihrem Haus für jedes Kind (es wurde Anfang der 1990er eingeführt), welches dort geboren wurde, ein Stein gelegt wird. Wie schön es aussah, diese kleine Geschichte aus Steinen zu betrachten, zu schauen, ob es Geschwister gibt und ob jemand vielleicht am gleichen Tag wie ich geboren wurde (leider nein, nur 3 Tage vorher).
Diese Ruhe und Herzlichkeit die das leicht verträumte Laupen ausstrahlte, löste so eine warme Freude in mir aus. Vielleicht ist es ziemlich unspektakulär, dort zu leben, vor allem als geborene Großstädterin, aber ein wenig von einem fremden und neuen Eindruck mitzunehmen, besonders von der besonnenen Freundlichkeit der alten Gärtnerin, ist das schönste am Reisen. Man entdeckt und lernt stets was dazu.

Bald kommt Teil 2 zu Luzern, stay tuned!

Wart ihr schon ein mal in Bern? Oder in der Schweiz?

Love, Katha

Antik-Genuss im Kaffee 26

Der im Westen von Berlin liegende Bezirk Spandau wird unter Berliner häufig als „nicht Berlin“ verpönt. Dabei waren diese Menschen häufig noch nie dort – oder habe sich die Mühe gegeben, die kleinen Schätze von Spandau zu entdecken, denn eins davon ist ohne Zweifel das „Kaffee 26“.

Wo? Jüdenstraße 26, 13597
Wann? Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 10-18 Uhr
Was? Kaffee, Kuchen und Antiquariat
Preise? Angemessen, moderat
Zahlen?
Webseite: kaffee26.de

Es ist ein recht unscheinbare Name für das in einer kleinen ruhigen Seitenstraße gelegene Café, welches auch von außen  nicht außergewöhnlich aussieht,  doch sobald man eintritt, offenbart sich eine nach Kaffee und Kuchen duftende Welt.  Ein kleiner Himmel für Aug‘ und Geschmack! Doch was trinke und esse ich  hier? Die Auswahl ist groß, verschiedene Röstungen – darunter auch eine sogenannte Spandauer Röstung – , welche man auch für zu Hause erwerben kann, köstliche Kuchen und von Cappuccino, über Eiskafee zu verschiedenen (auch Bio!) Teearten ist alles dabei. Die beiden Besitzerinnen des „Kaffee 26“  sind zwei Schwestern, die das Café mit ihrem Vater, POMELO_20150908100736_fasteinem Antik-Händler, liebevoll eingerichtet haben. Allerdings ändert sich die Einrichtung regelmäßig, denn die wunderbaren großen alten Sessel, Tische mit Ornamenten, Kommoden, Lampen und Stühle mit Schnitzereien kann man erwerben. Durch die großen Fenster kommt viel Licht ins Café und so wirkt es hell und ruhig, als sei man selbst in seinem eignen antiken Wohnzimmer mit einem köstlichen Getränk. Besonders gen Mittags, wenn es noch nicht voll ist, herrscht eine lauschige, angenehm ruhige Atomsphäre, für die ich das Café enorm schätze.

Wer verirrt sich in den Laden? Häufig die Einheimischen, ältere Damen und Herren, aber auch Schüler und Lehrer der anliegenden Schulen trifft man an – denn die Auswahl und die Qualität sind nicht nur hervorragend, sondern auch die Preise sehr angemessen und das Angebot jeden Cent wert!

Das Kaffee 26 ist ein wunderbarer Ort in Spandau, an dem man ruhig sein Getränk trinken und sich mit seinen Freunden  unterhalten kann. Ich treffe mich dort sehr gerne, weil es  ein eher verstecktes Juwel in dieser großen Stadt  ist und die ganzen Touristen und Hipster es ja eher nach Prenzlauer Berg und Friedrichshain treibt. Allerdings muss man sagen, dass auch diese Kaffee immer populärer wird und ich es schon häufiger erlebt habe, dass es rappelvoll war! Wie man nun lesen kann, bin ich absolut verzaubert von diesem Café – und das schon seit mehreren Jahren!

THE VERDICT: Ein wunderschönes, liebevoll gestaltetes Antik-Café mit leckeren Getränken und Kuchen, wo man sich einfach nur wohlfühlen kann. Ich kann jedem einen Besuch ans Herz legen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha