Parade’s End

OT: Parade’s End
DT: Parade’s End – Der letzte Gentleman
Genre: Historienfilm, Drama
Cast: Benedict Cumberbatch, Rebecca Hall, Adelaine Clemens, Rupert Everett
Regie: Tom Stoppard
Drehbuch: Tom Stoppard
Musik: Dirk Brossé
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: 6 Folgen á 45 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

England kurz vor dem Ersten Weltkriegs: Der britische Aristokrat und Gentleman alter Schule Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) heiratet die schöne, aber durchtriebenede Sylvia (Rebecca Hall). Obwohl Sylvia sich in Liebschaften stürzt und Christopher nicht sicher sein kann, dass das gemeinsame Kind von ihm stammt, hält er die Ehe mir ihr aufrecht – bis zu jenem Tag, an dem er der jungen und ungestümen Valentine Wannop (Adelain Clemens) begegnet. Doch nicht nur seine Gefühlswelt gerät mit einem Mal ins Schwanken, auch das noch junge Jahrhundert befindet sich mit dem einsetzenden Krieg im Umbruch… [Klappentext]

Nun lässt sich sagen, dass der Trailer und dieser Klappentext zunächst kitschig und deutlich überdramatisert klingen, als es der Film an sich ist. Denn die Grundstimmung ist eine ruhige, vielleicht etwas traurige. Dies wird besonders schön durch das von Dirk Brossé komponierte Thema unterstrichen: es besteht aus einem Pianostück, welches von Streichern untermalt wird und sich durch den ganzen Film mit einem ungeheuren Wiedererkennungswert aber doch schlichter Schönheit schlängelt.

Als großer Cumberbatch Fan bin ich natürlich etwas befangen, aber alle Male begeistert. Er spielt die Rolle des Christopher Tietjens ultra ur-englisch und sehr elegant. Ein Mann, der zu Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und Modernisierung auf die alten Werte beharrt und stehts bemüht ist, das absolut allerrichtigste zu tun – ein komplettes Spiegelbild seiner Frau. Und wie ich Rebecca Hall in dieser Rolle liebe! Voll Feuer, Arroganz, einer gewissen verzweifelten Dummheit und Schönheit präsentiert sie die Rolle Sylvias.
Wer den Film bereits gesehen hat, dem wird jedoch auffallen, dass Benedict Cumberbatch irgendwie imemr auf seinem Schmollmund rumkaut oder irgendwie sonstige Absurditäten mit seinem Mund anstellt, was nicht stört, aber ab und zu echt komisch ist.

In gewisser Hinsicht kann man den Film als Reise von Tietjens betrachten, dass er die Augen vor bestimmten Dingen öffnet, ein Nachdenkspiel über neue und alte Werte in der Umbruchsgesellschaft. Demnach hat der Film etwas sehr trauriges, dramatisches. Jede Figur macht eine Wandlung durch, sogar Sylvia wird urplötzlich zurückgezogen christlich – fragt sich nur, ob das ihren Mann zurückholt.
Wo wir bei der jungen Valentine wären, eine Suffragette, ein wenig antagonistisch gegenüber von Christopher. Müsste man meinen?! Sie ist noch unerfahren im Leben und weiß auch nicht ganz, wohin sie möchte, doch dann überrumpeln sie die Gefühle. Der einzige Nachteil, den ich an der Besetzung bei Adelaine Clemens sehe, die wirklich gut spielt, dass sie erschreckend an Carey Mulligan erinnert!
Christopher, der rationale Mensch, der irgendwo in seiner Tiefe Gefühle unterbindet und die romantische Valentine. Natürlich ist die Storyline hinsichtlich dessen etwas offensichtlich, was meines Erachtens aber nicht stört, das der Film bzw. die Miniserie dadurch nicht weniger spannend wird.
Wo wir beim nächsten Punkt wären: die Verfilmung der Tetralogie Ford Madox Fords ist in 6 Folgen eingeteilt, was den Spannungsbogen ab und an wirklich anhebt. Ich muss zu meiner Schande zugeben, dass ich so gepackt war, dass ich 5 Folgen am Stück gesehen habe und mich nur die Zeit daran gehindert hat, die letzte erst am Folgetag zu sehen.

Optisch – BBC Niveau wird in aller Gänze erfüllt! – ist es selbstverständlich ein Hochgenuss: schon den Einstieg liebe ich über alles, wie die Kamera über ein prächtiges Zimmer fliegt, mit alten Möbeln, Kronleuchter… Toll! Ich zu meinem Teil habe den Roman nicht gelesen, vielleicht werde ich es irgendwann tun, somit versuche ich, wie auch sonst immer, den Film mehr oder weniger als Einzelwerk zu betrachten!

THE VERDICT: Alles in einem bin ich überwältigt, absolut begeistert und lege diesen Film bzw. diese Miniserie jedem ans Herzen, weil sie definitiv zu meinen Lieblingsfilmen zu zählen ist.
10 von 10 Sternen. Epischer wird’s nicht.

Love,  Katha

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