A Gentleman in Moscow

Autor: Amor Towles
OT: A Gentleman in Moscow
Genre: Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung (US): 2016
Verlag: Viking
Preis: 27 US Dollar
ISBN: 978-0-670-026197
Länge: 462 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein Gentleman in Moskau“ erschienen.

Der russische Graf Alexander Ilyich Rostov wird im Jahr 1922 zu lebenslangem Hausarrest im Moskauer Metropol Hotel verurteilt. Dort lernt er über die Zeit neben dem außergewöhnlichen Personal auch amüsante Gäste kennen und die geheimen Ecken des Hotels, während außerhalb des Hotels die Welt sich brisant verändert.

Ein auf Goodreads und Instagram stark gehyptes Buch mit einem wunderbaren Cover und einer spannenden, sehr politisch klingenden Geschichte, die im Russland des frühen 20. Jahrhundert spielt, klang nach etwas für mich – leider sollte sich über den Weg einige  Probleme mit diesem Buch für mich offenbaren. So brilliant die Idee ist und so wunderbar der originell Schreibstil Towles‘ auch glänzt, fehlt mir bei diesem Roman die psychologische und emotionale Tiefe. Vielleicht bin ich bereits durch Wells’sche und Zweig’sche Werke so verwöhnt, dass ich erst jetzt merke, wie wichtig mit dieser gewisse seelische Tiefegang ist, aber hier fehlt sie und sorgt generell dafür, dass vieles recht unglaubwürdig scheint: Wie kann jemand, der 30 Jahre in ein Luxus-Hotel eingesperrt ist, sich so wenig verändern, so gelassen und lebensfroh bleiben?

Man blickt so wenig in Count Alexander Rostov hinein, was wirklich schade ist, wo er eine herrlich schrullige Figur alter Schule ist undman ihn auf Grund seiner Liebenswürdigkeit nur mögen kann und mehr über das emotionale Innenleben dieser Figur erfahren möchte, aber nein! Rostov ist ein wahrer Gentleman mit kleinen Macken und einer Expertise für gute Essen, eine Figur, die in einem Film sicherlich auch eine Menge hermachen würde, da er oft wirklich gute Spüche und kleine Lebensweisheit auf Lager hat. Eine sonderbare, interessante Figur, die aber unglaublich oberflächlich beschrieben bleibt, was seine Gegenwart und Zukunft betrifft, denn die einzige Art, wo man ihn wirklich kennenlernt, ist durch Rückblenden. Dies macht mich ziemlich traurig, weil ich Rostov schnell in mein Herz schloss und meine Erwartungen damit ziemlich hoch an den Roman waren und leider enttäuscht wurden.

Mir scheint, als grase man in einem gemächlichen Tempo 30 Jahre ab und immer wieder kommen lustige, merkwürdige Figuren dazu, alles ist wirklich ganz nett, aber leider auch nicht mehr. Bei einem Buch, welches auf Plattformen wie Goodreads sich so hoher Beliebtheit erfreut und wirklich gehyped wird, bin ich irgendwie enttäuscht – bin ich zu anspruchsvoll? Sehe ich etwas bestimmtes nicht? Mir ist die Beliebtheit dieses Buches nicht ganz klar. Vielleicht habe ich auch gehofft, dass es politischer wäre oder zumindest russischer – was nun recht komisch klingt, aber man hatte das Gefühl, dass man der russischen Kultur nicht oft nah war. Letztes Jahr las ich „Die Schwester des Tänzers“ von Eva Stachniak – die schließlich auch keine Russin ist, aber über eine polnisch-rusische Familie schreibt. Dort hatte ich das Gefühl, dieser spannenden Kultur und Mentalität und dem Zeitgeist der 20er bis 50er viel näher zu sein.

Ich muss auch gestehen, dass man Impuls, den Roman im Original zu lesen, nicht unbedingt der richtig war. Ob es nun an Towles amerikanischen Englisch liegt und seiner Liebe für seltene Synonyme zu bekannten Worten oder ob mein Englisch einfach nicht gut genug ist – ich weiß es nicht. Allerdings passt diese besondere Wortwahl sehr gut zum Protagonisten und dem Hotel (die ja beide praktisch ein Relikt aus alten Zeiten sind). Sehr merkwürdig  fand ich, das Temperaturangaben in Fahrenheit angegeben wurden – klar, ein amerikanisches Buch, das allerdings in einer Region spielt, in der eindeutig mit Celsius gemessen wird. Meines Erachtens nach ein kleines Detail, was zeigt, dass Towles nicht so richtig über den Tellerrand schaut. Fest steht, dass sich dieses Buch im Original nicht besonders leicht lesen lässt und man deshalb recht langsam vorankommt, was den nicht vorhanden Spannungsbogen nicht verbessert. Generell: Dieses Buch ist nicht spannend, es ist interessant und manchmal sehr faszinierend, meistens ganz nett, aber auch etwas langweilig. Ich habe gemerkt, dass das Lesen sich mit zunehmender Seitenanzahl recht klaustrophobisch anfühlt – man merkt wirklich, was für einen großen Unterschied es macht, dass man in Romanen verschiedene Hanldungsorte hat. Anderseits ist es auch ein genialer Schachzug, um sich in die Lage Rostovs  hineinzuversetzten, in die gewisse Eintönigkeit des Hausarrestsdaseins.
Überrascht haben mich allerdings die letzten 80 Seiten, die sehr plötzlich kamen, wo die Figuren inklusive des Protagonisten, endlich mal Gestalt annahmen und sich auch mal was bewegte, die Geschichte bekam vielmehr Charakter und auch Ernst, so wie ich es mir ehrlich gesagt über den ganzen Roman gewünscht hätte. Eine positive Überraschung zum Schluss, die mir wirklich hervorragend gefallen hat.

Ich glaube generell sagen zu können, dass ich etwas anderes erwartet habe, dass ich bei einem politisch so spannenden Thema in einer politisch so spannenden Zeit, ein deutlich gesellschaft-poltischeres Buch erwartet habe und schließlich ein nettes, manchmal sehr lustiges und warmherziges Buch über die Geschichte eines Mannes, der in einem Hotel lebt (es scheint eher zufällig als aufgezwungen) und den interessanten Leuten begegnet und so manche Lebensweisheit auf Lager hat. Wenn man es eher als nette Lektüre und nicht als historischer Roman ansieht, fällt ein ganz anderes Licht auf das Buch. Vielleicht wollte ich dieses Buch auch einfach zwanghaft lieben, weil es so beliebt ist. Aber es ist nicht so. Und vielleicht kann man diesen Roman in Form eines Filmes besser gestalten als in Form eines Romans.

Ein weitere Problem was ich hatte, waren bestimmte historische Logik-Geschichten. Mal abgesehen davon, das die Geschichte historisch in vielerlei Hinsichten (ich möchte nicht spoilern) ziemlich unmöglich ist – was wieder zeit, dass es ein nettes Buch für das Herz ist – fand ich es schade, dass der Zweite Weltkrieg so krass ausgespart wurde. Als hätte er mit seinen Nachwirkungen einfach nicht stattgefunden. Man muss kein russischer Geschichtsexperte sein, damit einen das stört. Ebenfalls merkwürdig: An manchen Stellen gab es Zeitsprünge, die mit Jahreszahlen markiert wurden – bei anderen Stellen fehlen sie. Das fand ich mehr als verwirrend.

Eine kleine Anmerkung: Ich merke, dass ich in dieser Rezension stark auf Kritikpunkte eingehe und weniger, auf das was mir gefallen hat – es ist keineswegs ein schlechtes Buch, es ist vielmehr ein Buch, was enttäuscht hat, weil ich mehr erwartet habe. Ich glaube, man muss ein spezieller Lesetyp sein, der einen blumigen, anspruchsvollen Stil und liebeswürdige Charaktere schätzt und dem historische Unmöglichkeiten nicht interessieren und darüber wegsehen können, dass dieser Roman viel zu westlich wirkt, dafür, dass er in Moskau spielen soll.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover ist einfach wunderbar und sehr passend zum Inhalt und hat mich, ich gebe es auch gerne zu, angeregt in diesen Roman reinzuschnuppern. Jedoch muss ich mich auch ein bisschen auf hohem Niveau beschweren: Dieses Buch ist riesig – mir ist schon vor langem aufgefallen, dass englische Bücher bei weitem nicht in einheitlichen oder ähnlichen Größen herauskommen, aber dieses Buch war fast so groß wie bei 13 Zoll Laptop, was enorm unhandlich ist.

THE VERDICT: Ich habe bin hin und her gerissen, denn die Idee des Romans ist genial, der Protagonist trotz fehlender Entwicklung herrlich und unverkennbar schrullig – dieser Roman schildert ein Kuriositätenkabinett. Leider hat es mir an Ernst und Tiefe gemangelt, was sich nur auf den letzten Seiten gebessert hat. – dafür allerdings merklich. Leider wurden meine Erwartungen enttäuscht: Es ist ein wirklich nettes Buch, was bei Zeiten sehr lustig ist, aber nicht herausstechend und oft viel zu amerikanisch gedacht ist. Das gut durchdachte Ende hat viel dazu bei getragen, dass es hier ein paar Sternchen mehr gibt. 6 von 10

Love, Katha

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September Faves #17

Moinsen!
Der Monat September ist so schnell an mir vorbeigezogen – genauso wie das frühherbstlich Wetter und nun ist es bereits kalt und stürmisch und wir sind mitten im Herbst. Deshalb möchte ich heute ein paar meiner Highlights aus musikalischer wie bibliophiler Sicht zeigen, so wie ganz generell ein paar Dinge, die mir im September besonders gefallen haben.

1. „Schachnovelle“ von Stefan Zweig
Mein dritter Zweig hat mich genauso wie die „Ungeduld des Herzens“ (wovon ich in privaten Kreisen noch  immer schwärme) absolut in den Bann gezogen: Eine starke und spannende Novelle über zwei verschiedene Schachspieler. Ich mag es sehr, wie Zweig dem Wahnsinn Wort und Charakter gibt und dem Leser das Gefühl, mit der handelnden Figur in die unendlichen Wirre der Irrnis einzutauchen. Sehr empfehlenswert!

2. Schokomüsli von Cerbona
Ein ungesundes, aber herrlich leckeres Vergnügen ist das Schokomüsli mit dunkler Schokolade und Knusperstücken des ungarischen Herstellers Cerbona. Ich finde es immer ganz toll, im Urlaub in Ungarn Sachen zu probieren, die es nur dort gibt.

3. Erstwählerin sein
Letztes Jahr durfte ich bereist für mein Bundesland Berlin wählen – doch dieses Jahr war ich Erstwählerin bei den Bundestagswahlen, also eigentlich schon mein zweiter Urnengang, aber dennoch eine tolle Sache, sich nun endlich auch politisch in Form meiner Stimme äußern zu können und dieses Recht zu nutzen – unabhängig von dem Ausgang der Ergebnisse dieser Bundestagswahl, was nochmal ein ganz anderes Thema ist.

4. Ovomaltine Crunchy Cream
Diese (leider teure) Alternative zu Nutella hat mich wirklich überzeugt, besonders mit den Crunchy-Stückchen ist es ein besonderer Geschmack, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist – beide Brotaufstriche sind aber genauso süß und ungesund. Am liebsten streiche ich diese Nuss-Malz-Creme auf meinen Eierkuchen, aber auch auf dem Frühstückstoast ist sie lecker (wenn auch ein bisschen zu schade dafür).

5. Tee-Set vom Trödel
Katha hat den Trödel für sich entdeckt: Wunderbare Bücher in tollen alten Ausgaben, die fast wie neu aussehen und Unmengen an entzückenden Kleinkram kann man auf Trödeln und Wohnungsentrümpelungen finden, wenn man ein gutes Auge und Geduld mitbringt. Dieses süße Teeset aus bayerischem Porzellan habe ich zusätzlich mit einem passenden Kuchenteller für schlappe 4 Euro bekommen! Eine neue, elegante Art meinen Tee wie eine vornehme englische Dame einzunehmen, finde ich.

6. 7/8 – Straight Jeans mid rise mit Fransen
Ich verkünde offiziell den Anfang des Endes der Skinny Jeans. Die superenge Hose, die jetzt nun seit bestimmt 10 Jahren in allen Läden die Hosen-Abteilung sämtlicher Modegschäfte dominiert und diktiert, zählt ihre letzten Tage. Nun, ganz so dramatisch ist es nicht, ich mag meine alten Skinny Jeans nach wie vor sehr gerne, aber nun wo ich mir im August inspiriert von den vielen Boyfriend- und Straight Jeans tragenden Bloggerinnen eine gerade geschnittene 7/8-Hose gekauft habe, bin ich begeistert, wie unglaublich bequem diese ist und dass auch locker fallende Hosen meinem curvy Figurtypen schmeicheln können – plus: Man hat nicht den Kampf die Hose über die Ferse bekommen zu müssen und wie ein Idiot in die Jeans zu hüpfen.

7. Smart Closet App
Empfohlen von der wunderbaren Modedesignerin und YouTuberin Justine Leconte (ich kann einen Besuch bei ihrem Channel von ganzem Herzen empfehlen) lud ich mir die „Smart Closet“ App auf mein Handy. Man kann durch Abfotogarfieren der eigenen Kleidungsstücke und detaillierten Angaben wie (Kleider < kurze Kleider ) diese  fast wie in Schubladenbzw. Unterkaterogien ordnen. Zusätzlich hat die App eine Lookbook-Funktion, wo man die Bilder der Kleidungsstücke zu einem Outfit zusammenstellen kann und eine Kalenderfunktion, wo man die Outfits oder einzelnen Kleidungsstücke einspeichern kann. Die App rechnet schließlich, wenn man die Funktion regelmäßig verwendet, aus was die besten Price-per-Wear Stücke sind. Da sieht man erst richtig, was man oft trägt. Zusätzlich kategorisiert die App nach Farben und Marken. Manchmal sieht man bei der eignen Garderobe den Wald vor lauter Bäumen nicht – diese App hilft dabei, zu schauen, was man wirklich trägt und wie man guten Nutzen aus seiner Garderobe bekommt und hilft vielleicht manchen auch, weniger oder gezielter passende Kleidungsstücke zu kaufen.

8. Gemeinsam Theodor Fontane lesen
Klassiker lesen kann manchmal recht ermüdend oder zumindest irgendwie einsam sein und meiner Erfahrung nach gibt es bei einigen Klassikern eine Menge zu diskutieren (natürlich gilt das für jedes Genre, aber mein Ziel ist es ja, mehr Klassiker zu lesen). Deshalb war es für mich eine absolute Freude mit der wunderbaren Instagrammerin Nora (@nora.reads) die Bücher „Frau Jenny Treibel“ und „Stine“ zusammen zu lesen und zu diskutieren. Ich hatte ein viel intensiveres Leseerlebnis!

Was ich im September gelesen habe:

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  • Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel – eine interessante Beobachtung zum Verhältnis zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum, im altbekannten, ausschweifenden Theodor Fontane Stil, leider mit ziemlich unsympathischen Figuren. 6/10 Sternen
  • Fontane, Theodor: Stine – eine  kurze, tragische Geschichte, die durch ihre Figuren und die Nähe zur Stadt Berlin punktet . 7/10 Sternen
  • Irving, John: Gottes Werk und Teufels Beitrag – ein wichtige moderner Klassiker, der ganz anders ist, als erwartet und durch seine Schrulligkeiten absolut Spaß macht zu lesen. Positiv überrascht bestärkt es mich in meiner Begeisterung für den Diogenes Verlag: 8,5/10 Sternen
  • Towles, Amor: A Gentleman in Moscow – ein gehypter Roman, der leider durch einige historische Schwachstellen wie Langatmigkeit leider nicht mein Herz erobern konnte, deshalb nur 6/10 Sternen
  • Zweig, Stefan: Schachnovelle – hat mich wirklich überzeugt und meine Liebe zu diesem wunderbaren Autor nur bekräftigt, deshalb: 9/10 Sterne

Musikalische Highlights:

Wie war euer September? Was waren eure Favoriten und was habt ihr gelesen?

Love Katha