Frau Jenny Treibel

Autor: Theodor Fontane
OT/DT: Frau Jenny Treibel
Genre: Roman, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (DE): 1893
Verlag: Fischer
Preis: 5 Euro
ISBN: 978-3-596-90044-2
Länge: 208 Seiten

Zwei Familien treffen aufeinander: Die Treibels und die Schmidts, die in ihrer ständischen Situation und in ihren Idealen hätte nicht anders seien können, aber seit Jahren durch eine alte Freundschaft gebunden sind. Als die junge Corinna Schmidt jedoch versucht Leopold Schmidt zu verführen, ist seine Mutter Kommerzienrätin Jenny Treibel empört: Die Bourgeoisie wird nicht einfach durchmischt.

Ich muss zugeben, ein recht gespaltenes Gefühl bei diesem Roman zu haben. Einerseits ist es brilliant, wie Theodor Fontane besonders die Namensgeberin Jenny Treibel in all ihrer überheblichen Besitzbügertümlichkeit bloß stellt und es fast schon eine Satire ist, als ein richtiger Roman. Denn den großen Kontrast aus Bildungs- und Besitzbürgertum so deutlich darzustellen, macht den Roman wirklich lesenswert – denn sonst plätschert die Geschichte etwas unselig vor sich hin. Wichtig zu sagen ist, dass es keineswegs ein Liebesroman ist, nur weil Corinna Leopold heiraten will, denn das hat mit herzlich wenig Gefühl zu tun. Es geht um das Emporstreben nach etwas „höherem“ und zu zeigen, wie Klassen nur untereinander Ehen geduldet haben, ja, wie scheinheilig dieses System ist.

Eine Handlung, so muss ich warnen , gibt es eher nicht. „Frau Jenny Teibel“ gehört zu den Romanen, die über die Gespräche getragen werden und sobald man ein Auge entwickelt für die satirischen Details, die dem Besitzbürgertum nur Spott zukommen lassen, kann man wirklich gut lachen. Die Themen Besitz, Ansehen, richtige und falsche Gefühle und klassentypische Merkmale stehen ganz stark im Vordergrund.

Die Ironie ist herrlich unterschwellig und wenn man ihrer bewusst wird, merkt man, wie böse dieser Roman als Kritik ist. Ich denke, man darf diesen Roman nicht allzu ernst nehmen, weil er sonst eher karg und langweilig daherkommt. Man merkt, wie stark gewisse Konventionen zu dieser Zeit in den Menschen festverankert sind und wie das Denken innerhalb eines Standes sich verfestigt hat, wie die Mitglieder einer Klasse durch ihr Denken Mauern um sich herumbauen und sich selbst für unantastbar halten. Einerseits ist der Roman aus historischer Perspektive ein spannendes und realistisches Bild, worüber man sich als moderner Leser nur ärgern kann, die beschränkt und hochnäsig das Besitzbürgertum war: Jenny spricht von höheren Idealen und Poesie und versteht dabei selbst kein Wort und keineswegs das, was eigentlich gemeint ist, sondern rühmt sich nur mit schicken Begriffen.

Ein Problem, das ich hatte und vor dem ich auch vorgewarnt wurde, war, dass sämtlich Charaktere einfach nur unangenehm waren und keineswegs sympathisch. Es ist eine Sache, wenn Figuren nicht sympathisch sind, denn genau das kann einen Roman auch spannend machen, doch hier sorgt es wirklich nur für Augenrollen: Jenny ist überheblich, lächerlich und dumm und ihr Sohnemann einfach nur unheimlich bemitleidenswert. Die im Vergleich noch kluge Corinna hat zwar ihre emanzipierte Seite, doch ihr Streben nach mehr gesellschaftlichen Prestige macht diese eigentlich nur wett. Dahingehend denke ich, dass dieser Roman empfehlenswert ist für Fontnate-Fans und Menschen, die interessiert sind an dieser Zeit und der Gesellschaft, aber ansonsten ist es für mich leider kein herausstechender Klassiker, sondern eher ein nettes kleines Buch für etwas Abwechslung.

THE VERDICT: „Frau Jenny Treibel“ lebt durch den ironischen Spott und der Schrulligkeit der Figuren, die einen immer wieder zum Lachen bringen. Die Handlung wird von langen Dialogen getragen und alles plätschert vor sich hin. Kein Fontane-Lesemuss, aber historisch-gesellschaftlich betrachtet recht amüsant. 6 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Belgravia

Autor: Julian Fellows
OT: Belgravia
DT: Belgravia
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: C. Bertelsmann
Preis: 19.99 Euro
ISBN: 978-3-570-10324-1
Länge: 448 Seiten

Vom Drehbuchautor der Serie Downton Abbey

Die Familie Trenchard, geführt von dem ehrgeizigen Bauleiter James Trenchard, befindet sich im Jahr 1841. Als vor 25 Jahren die Tochter Sophia bei der Geburt ihres unehelichen Sohnes Charles stirbt, versucht das Paar Trenchard alles, um den Ruf der Tochter zu beschützen und gibt das Kind weg. Doch als jetzt Anne Trenchard bei einem Nachmittagstee die Mutter des im Krieg gefallenen Vaters ihres geheimen Enkels trifft, beschließt sie, dass sie ihr Geheimnis nicht länger ungeteilt lassen kann – und damit gerät der Stein ins Rollen.

Vermutlich gehöre ich, wie viele Leser dieses Romans, zu den großen Downton Abbey Fans, die gespannt waren, was Drehbuchautor Julian Fellows noch zaubern kann. Bereits beim Lesen des Klappentextes wurde mir schnell klar, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit der preisgekrönten Serie haben würde – besondern in Hinblick auf die Upstairs-Downstairs-Perspektive.

Ein großes Lob geht an die wunderbare Covergestaltung: Ein schlichtes, aber auch edles Design welches das noble Belgravia Viertel in London mit Passanten und Kutschen darstellt und zweifelsohne ein Blickfang ist, der mich angelockt hat. Andererseits muss ich sagen, dass die gebundene Ausgabe des Buches recht dicke Seiten hat und sich das Buch als etwas schwerer erweist, als erwartet.

Julian Fellows hat einen angenehm leichten und etwas blumigen Schreibstil, der besonders die Dialoge sehr angenehm zu lesen macht – sehr lebhaft und spritzig. Ganz deutlich wird auch Fellows jahrelange historisch-gesellschaftliche Expertise nach Downton Abbey, aber auch seinen beiden anderen Romanen „Eine Klasse für sich“ und „Snobs“, so dass er hervorragend das dekadente Leben des Hochadels, die Fauxpas der Emporstrebenden und die Lästereien unter den Dienstboten einfangen kann und ein bisschen an „Vanity Fair“ erinnert. In diesem Punkt hat mich Belgravia gut überzeugt, da ich schon enige Bücher in dieser Periode gelesen habe, war ich positiv überrascht: es wirkt historisch wirklich gut authentisch. Natürlich erkennt man auch eine starke Analogie zu Downton Abbey.

Die Figuren hingegen sind sehr unterschiedlich: Manche sind sehr eindimensional und es wird sofort klar, ob sie böse oder gut sind und dass sich dies innerhalb des Romans nicht ändern wird.  Diese klassische Besetzung vom Sweetheart, der Zofe, die sich für etwas besseres hält, den verwöhnten reichten Kindern und dem Schurken macht den Roman in Teilen wirklich kitschig. Natürlich mag ich den Roman nicht die ganze Zeit mit Downton vergleichen, aber was mir in der Serie durchaus gefallen und hier gefehlt hat, war dass auch mal das „Böse“ eine gewisse Oberhand hat und es auch dunkle Episoden gab.

Andererseits gibt es durchaus ein paar Figuren, deren Charakter sich ändert und entwickelt, zwar um keine 180 Grad Drehung, aber etwas  und die mir recht sympathisch geworden sind. Doch wie bei den Figuren, fehlt mir auch in der Storyline öfters die Tiefe: Die Handlung spielt häufig an der Oberfläche und wirkt manchmal trotz der blumigen Sätze ein wenig wie ein Drehbuch. Nach längerem Überlegen wurde mir auch klar, wie ich dieses ambivalente Gefühl zu diesem Buch am besten ausdrücke: Die Gesichte ist mehr eine Strandlektüre als ein satter Roman, aber ich denke, dass sie in den Händen von ein paar Darstellern und Darstellerinnen zu noch besserem, tieferem und emotionaleren Material werden können. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich in der Geschichte Potential erkenne und sie mich manchmal wirklich mitreißen konnte, aber das gewisse Etwas (vielleicht auch das gewisse „Dunkle“) fehlt. Tatsächlich wäre ich sehr neugierig, wie „Belgravia“ filmisch umgesetzt seien würde, weil ich überzeugt davon bin, dass es mehr aus der an sich ganz interessanten Story machen könnte.

Zu guter letzt möchte ich mich beim Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

THE VERDICT: Eine nette, unterhaltende und leichte Lektüre mit guter historischer Exertise, die sich flott lesen lässt, aber meines Erachtens als Film mehr Wirkung hätte entfalten könne, statt in Form eines Romans. Leider fehlte mir die ausreichende Tiefe. 6 von 10 Sternen

Love, Katha

Das Bildnis des Dorian Gray

Autor: Oscar Wilde
OT: The Picture of Dorian Gray
DT: Das Bildnis des Dorian Gray
Genre: Klassiker, Gesellschaftsroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinug: 1890
Verlag: dtv
Preis: 8.90 Euro
ISBN: 978-3-423-14207-6
Länge: 347 Seiten

Dorian Gray ist ein junger und besonders gut aussehender Mann – dieser Sache ist er sich jedoch kaum bewusst, bis ihm Lord Henry begegnet und ihm den Wert von Schönheit erklärt. Als gerade ein Portrait des jungen Mannes fertig wird, was der Künstler als seine beste Arbeit erklärt, spürt Gray einen neuen Wunsch in seinem Herzen: Das doch das Bild anstelle von ihm altern würde und er für immer in seiner Blüte der Jugendlichkeit bleiben könne.

Ein bisschen erinnert das ganze an Faust: Ein Wesen, in diesem Fall Lord Henry, fungiert in der Rolle des Mephistopheles: Er probiert seinen Einfluss an einem Menschen aus, in dem er ihn mit Aphorismen, Sprüche und Träumen füttert und sein Herz ins Unglück und Verderben reißt – zumindest mehr oder minder übertragen. Den junge Dorian lernen wir als eine komplett unverdorbene und zarte Seele kennen und nach und nach wird der Einfluss Henrys deutlicher: Als erstes natürlich in der plötzlichen Anwandlung, seiner eignen Schönheit bewusst geworden zu sein – und später immer mehr und mehr vom Leben genießen zu wollen, koste es, was es wolle.

Die Moral spielt hier eine besonders schöne Rolle: Der Dandy Lord Henry und sein Malerfreund Basil Hallward fungieren wie Teufel und (mehr oder minder) Engel auf den Schultern Dorians, nur dass letzterer die Gefahr, die von Henry ausgeht und die ganze Manipulation als Erkenntnis wahrnimmt und dafür Basil verdammt – die Rollen also umgedreht. Und tatsächlich nehmen Lord Henry pseudophilosphische Monologe einen enorm großen Teil des Romans ein: Man müsse Versuchungen stets nachgehen, Affären führen und Frauen würden schließlich eine Liebelei durch ihren Versuch, etwas unendlich machen zu wollen stets verderben – um ein paar Beispiele zu nennen. So wirklich sympathisieren kann man mit keinem in diesem Roman – der Lesende hat vielmehr eine beobachtende Rolle und vielleicht auch die desjenigen, der moralisch gebildet werden soll.

Mit ausgeklügelten Sarkasmus, symbolischem Zynismus und einer herrlich blumigen Sprache schafft Wilde einen zu schockieren – und zu begeistern! Einerseits ist es amüsant Henrys überhebliche Einstellungen zu lesen, doch langsam lernt man als Leser die Gefahr. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss – alleridngs ein sehr düsterer und teils auch abartiger.

Zum guter letzt möchte ich etwas nennen, was mir durchgehend aufgefallen ist, mich nicht gestört hat, aber zur Recherche verleitet hat. Wilde ist heute relativ bekannt für seine Homosexualität, die für ihn das große literarische Aus bedeutet hat. Nun gibt es einige Stellen in den Roman, wo die drei wichtigen Männer (Basil Hallward, Lord Henry, Dorian Gray) miteinander diskutieren und für mein modernes Verständnis hatte ihre Art sich zu Necken etwas beinahe schon homoerotisches, weil es mich an Flirten erinnert hat – was eigentlich amüsant war, aber vor allem sehr speziell. Wahrscheinlich ist dies ein gewisser Spiel- und Freiraum für Ideen und Interpretationen, den uns Wilde hinterlassen hat, wichtig ist nur, das es den Roman einen besonderen Schliff gibt.

THE VERDICT: Zweifelsohne wird von nun an „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu einem meiner liebten Klassiker gehören. Ein hervorragendes, mitreißendes und sehr clever geschriebenes Stück Weltliteratur, das ich jedem ans Herz legen kann. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Prisoner of Zenda

Autor: Anthony Hope
OT: The Prisoner of Zenda
Genre: Abenteuerroman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Collins Classics
Preis: 2.99 AUD
ISBN: 978-0-00-792533-9
Länge: 224 Seiten

Als Rudolf Rassendyll, ein rothaariger Engländer, zur Krönung des neuen Königs nach Ruritania fährt, ahnt er nicht, was ihm dort blühen wird. Durch Zufall begegnet er auf einer Wanderung dem zukünftigen König und seinen getreuen und sie beschließen, weil Rudolf und der König sich fast wie Zwillinge gleichen, zusammen etwas zu feiern. Als jedoch der König am nächsten Morgen mit Vergiftungserscheinungen aufwacht, bitten die Bediensteten Rudolf doch während der Krönung den König zu spielen. Er lässt sich drauf ein und es folgt ein flottes Abenteuer.

Die Briten haben ein herrliches Wort um die Grundstimmung dieses Buchs einzufangen: swashbuckling (dt.: heroisch, abenteuerlich, ritterlich, brisant).

Den erfundenen Staat Ruritania kann man sich deutschsprachig vorstellen, aber da Teile in Dresden spielen, ist es irgendwie auch nicht Deutschland. Ich denke, es ist eine entweder Österreich, die Schweiz oder Luxemburg.

Diese abenteuerliche Geschichte ist von der Idee sicherlich die neuste, aber wie sie hier umgesetzt wird, ist mitreißend, spannend und rührt in manchen Momenten auch das Herz! Es geht hier um ritterliche Ideale, Loyalität und die Bewahrung von Ehre – das Gute muss über das Böse siegen. Zwei Männer die sich gleichen und Rollen tauschen – das kennt man auch sicherlich schon von wo anders. Doch auch, wenn die Idee so altmodisch und vielleicht auch übertrieben und ein bisschen lächerlich wirkt, die Charaktere sind das Herz dieser Geschichte: Rudolf, der von einem gelangweilten jungen Engländer zum abenteuerlichen König wird, der für Prinzipien steht, manchmal aber auch seine weiche Seite zeigt. Aber auch die junge Prinzessin Flavia, etwas naiv, aber mit einem großen Herzen und beeindruckender Eleganz. Sie sind Helden, die auch die Tugenden einer Periode wiederspiegeln.

Dadurch, dass das Buch nicht besonders lang ist, geht es stets flott voran, die Geschichte ist schnell und reißt einen richtig mit.

Zu guter letzt muss ich sagen, dass dies mein erster Klassiker ist, den ich auf Englisch lese und auch, wenn dieses Buch noch vergleichsweise simpel zu manch anderen alten Autoren geschrieben ist, muss ich zugeben, dass ich häufiger als sonst Wörter nachschlagen musste, da ich sonst nicht die wichtigen Feinheiten verstanden hätte. Das Interessante ist nämlich, dass man das Buch als Spaß-Abenteuer-Roman vor allem in jungen Jahren lesen kann (es ist zweifelsohne auch für jüngeres Publikum geeignet), aber man auch die Seiten des viktorianischen Zeitalters erkennt, mit Macken, etwas Sexismus und einer gewissen altmodischen Haltung. So ist es nicht nur ein Abenteuerroman, sondern enthält gesellschaftskritische, sarkastische Andeutungen, wenn man genauer hinschaut, was manchmal für jemanden, der nicht Muttersprachler ist, schwieriger sein kann.

THE VERDICT: Ein solider Abenteuerroman, der verdammt Spaß macht zu lesen, manchmal sehr klischeehaft ist und für alte, ritterliche Ideale einsteht. Sehr gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Effi Briest

Autor: Theodor Fontane
OT: Effi Briest
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Preis: 12,90 DM (Taschenbuch)
ISBN: 978-3746652665
Länge: 336 Seiten

Effi Briest lebt bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen und genießt ihre unbeschwerte Jugend, am liebsten im Garten. Als sie jedoch mit siebzehn Jahren den einundzwanig Jahre älteren Geert von Instetten heiraten und in das tiefste Pommern ziehen soll, ändert sich ihr Leben radikal. Der freie Vogel lebt nun in Kessin an der kalten Küste in einem unheimlichen Hause und ihr Mann ist nur selten da. Das Leben scheint ihr so trist und vereinsamt. Doch alles  ändert sich, als sie Major Crampas auf einer Feier  kennenlernt, einen offensiven Offizier.

Drei Mal habe ich dieses Buch angefangen, bis ich es tatsächlich in nahezu einem Zug durchlas. Mein Wille war groß, wo ich doch viel reizendes über Effi Briest gelesen habe und Theodor Fontanes Schreibstil verehre. Allerdings ist mir nun rückblickend bewusst geworden, dass ich in dieses Buch reinwachsen musste. So gerne ich auch Klassiker lese, glaube ich, das einige erst wirklich verständlich werden und sich einem erschließen, wenn man  ein bisschen „erwachsener“ wird (mir ist das schon mit ein paar Büchern passiert, auch als anderen Gdnres). Ich bin natürlich noch sehr jung, aber nun mit fast 19 Jahren und einem besonderem Faible für das 18. und 19. Jahrundert,  kann ich viel besser mitempfinden und verstehen, wie die Gesellschaft im 19. Jahrhundert gedacht haben muss, als vor drei Jahren, wo ich noch wenig darüber wusste. An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!
Vor drei Jahren hätte ich vermutlich gesagt, dass es eine interessante Geschichte mit einem blumigen Schreibstil ist, die mich aber nicht berühren noch fesseln konnte. Jetzt sehe ich es zum Glück anders!

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Das wunderbare an Fontane ist, das er mit vielen Symbolen arbeitet: Das Rondell der Eltern im Garten, die Schaukel, das Meer in Kessin, der Hund Instettens namens Rollo und ein paar mehr. Auf den ersten Blick erkennt man eindeutig, dass es ein Gesellschaftsroman des Realismus ist: Gegenstände und Personen werden detailliert beschrieben, aber wirken zunächst seltsam oberflächlich. Erst nach und nach werden Effis und später auch Innstettens Charakter und Emotionen  für den Lesenden sichtbar. Genauso wie es in der Gesellschaft Gang und Gäbe war, diszipliniert und nach außen hin stets perfekt zu wirken, agieren die Figuren im Roman. Auf mich wirkte es wie realistisches Portrait der Wilhelminischen Ära, das gleichzeitig seltsam zynisch wirkt, weil es diese Normalität ad absurdum führt. Durch die angedeuteten Witze und Beobachtungen wird offensichtlich, in was für einer gespielten Welt Effi lebt und wie sehr sie unter den affektierten Menschen leidet (wie man es auch selbst tun würde). Ein paar wenige Figuren wachsen ihr ans Herz und ganz still und heimlich trifft sie sich dann und wann mit Crampas, was sie sehr gut vor Instetten vertuscht.

Nun stellen sich einige Fragen: Kann man mit Effi Mitleid haben? Sie geht doch ohne weitere Bedenken in diese Ehe, obgleich dieser Mann eigentlich der Verehrer ihrer Mutter war? Was definiert man als Ehebruch?

Ich glaube, es ist sehr subjektiv, wie man dieses Buch wahrnimmt. Wir lasen es letztes Jahr in Ausschnitten im Deutsch Leistungskurs und die Meinung zu Effis Verhalten differierte stark. Dennoch macht diese kontroverse und interessante Person den Roman für mich so interessant und lesenswert: Man kann herrlich darüber diskutieren und sich überlegen, was man selbst getan hätte.
So gesehen kann man „Effi Briest“ in eine Reihe mit den anderen großen europäischen Werken, die Ehebruch thematisieren stellen, allerdings ist Effi eine viel sanftere Figur und deutlich weniger selbstmitleidige und egoistische Person als Emma Bovary (Anna Karenina habe ich allerdings noch nicht gelesen), die ich wirklich kein Stück mochte. Wer Werke aus dieser Reihe lesen will, dem lege ich Effi ans Herz.

Der einzig negative Punkt, den ich anmerken muss, ist das man besonders, wenn man den Roman anfängt, sich an den Schreibstil gewöhnen muss – man kann „Effi Briest“ eher nicht in einer lauten Bahn lesen. Fontane schwankt zwischen Berichtartigem Schreiben, blumigen Ausschweifungen, knapper mündlicher Rede und langen Diskussionen – so gesehen trifft man auf fast jede Erzählform, was für eine gewisse Leichtigkeit und Abwechslung sorgt. Allerdings verliert der Roman in der Mitte leider deutlich an Tempo und teils langweilt man sich fast so sehr wie Effi im pommer’schen Kessin. Diese Mitte hat mich zwei Mal zum Abbruch veranlasst, doch sobald sie überwunden ist, kommt der ein großartiges letztes Drittel.

Einer meiner Lieblingssätze und auch wahrscheinlich einer der bekanntesten aus diesem Roman ist ohne Zweifel der Dauerspruch von Effis Vater „Es ist ein (zu) weites Feld…“, der nicht ohne Grund zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Zu guter letzt etwas zu dieser Ausgabe: Ich habe sie (und „Irrungen, Wirrungen“)  vor einiger Zeit zu einem spottbilligen Preis auf dem Trödel gefunden und mich sofort verleibt. Es gibt eine ganze Reihe dieser „Berliner Frauenromane“, welche der Aufbau Verlag in den 1990ern aufgelegt hat, jedoch heute leider nicht mehr erhältlich sind. Dabei sind es wahrlich schöne Bücher, von denen ich so gerne die gesamte Reige besitzen würde.

THE VERDICT: Ein wunderbar geschriebener Roman in mit vielen Facetten und faszinierenden CHarakteren. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber voll versteckter Symbolik, nur leider ist die Mitte des Buches im Gegensatz zum starken Anfang und Ende etwas dünn, aber darüber sehe ich gerne in der Gesamtbewertung hinweg, da alles in einem es einfach ein tolles und hoch lesenswertes Buch ist, besonders für Klassiker-Liebhaber! 8 von 10 Steren.

Love, Katha

Die Schwester des Tänzers

Autor: Eva Stachniak
DT: Die Schwester des Tänzers
OT: The Chosen Maiden
Genre: Historischer Roman, Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Insel Verlag
Preis: 15.95€ (broschiert)
Länge: 570 Seiten
ISBN: 978-3-458-36178-7

Der Roman handelt von dem russisch-polnischen Duo, der Tänzerin Bronislawa Nijinksa und ihrem Bruder Waslaw Nijinska, die im 19. Jahrhundert in der Truppe „Ballet Russes“ Weltruhm erreichten und heute noch eine wichtige Rolle im Ballett spielen. Hier wird die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars zum Roman.

Schon von klein auf, war Bronislawa Nijinska dazu bestimmt, eine Ballerina zu werden, viel harte Arbeit, die Strenge ihrer Eltern, beide ebenfalls Tänzer, bestimmen das Leben des Mädchens. Auch ihre beiden Geschwister Stassik und Waslaw ist dieses Schicksal vorherbestimmt. Gemeinsam wachsen sie Anfang des 20 Jahrhunders in Sankt Petersburg auf. Während es sich herauskristallisiert, dass Waslaw zum Tanzen geboren ist und mit Leichtigkeit auf der Bühne schwebt, steht Bronia in seinem Schatten. Doch auch in ihrer Familie gibt es Veränderungen und Russland erlebt zeitgleich ebenfalls eine Umwälzung.

Der Roman spielt zwischen 1894 und 1939 ,ist in mehre Lebensabschnitte gegliedert und wird aus Bronias Perspektive erzählt, manchmal springt sie zwischen den Zeiten und macht Überlegungen, die sowohl Vergangenheit als auch Zukunft berühren können.
Anders als alle anderen Bücher die ich bisher las, verwendet Eva Stachniak eine sehr besondere Erzählweise: Es wirkt, als spräche man mit der alternden Bronia, ähnlich wie eine alte Dame, die von ihrem Leben berichtet. Es gibt kein Jetzt,  fast wie eine Biografie, bloß in dem Stil, ja in dem Gewand eines Romans, wird von den Höhen und Tiefen, Kämpfen und Schwierigkeiten eines Lebens berichtet. Dabei ist die Geschichte so detailliert, dass es fast schon unmöglich scheint, so genau recherchiert zu haben, doch es kann ja gar nicht anders sein, weil Stachniak es schafft, sehr authentisch und überzeugend zu schreiben.
An die etwas eigentümlichen Schreibstil muss man sich jedoch gewöhnen. Selbiges gilt für polnische Begriffe, die jedoch fast immer übersetzt werden und natürlich Ballett-Fachvokabular. Als großer Fan des Balletts, und weil ich in meiner Kindheit für mehrere Jahre selbst getanzt habe, waren mir die Begriffe natürlich vertraut, allerdings kann man als Neuling sich damit schwer tun, denn Stachniak legt viel Wert auf einzelne Tanzseuqenzen und ihre Beschreibungen.

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Als einen großen Nachteil empfand ich, dass ich mit Bronia nie richtig warm werden konnte. Sie war stets da, stets faszinierend, ihre Entscheidungen waren manchmal seltsam, unbegründet, abrupt, aber häufig nachvollziehbar. Was bleibt, ist jedoch die Distanz zum Charakter, sie wirkt kalt und streng und in den wenigen Momenten, wo sie aufweicht, sie etwas berührt, bleibt die Handlung so kurz, wie bei ihrer ersten Schwärmerei, das eine Gefühl von Resignation bleibt. Sie erlebt dabei so viel, das reiche für einen ganzen Tolstoi-Roman! Schicksalsschläge, Leid, Freude, aber mit dem Erzählstil verblaßte dieses Potential in Mittelmäßigkeit.

Neben Bronia spielt natürlich ihr begabter Bruder Waslaw eine Rolle. Es ist wirklich beeindruckend, wie stark Bronia Neid, Missgunst und diesem Schatten trotz, sie ist eine starke Frau, aber neben ihrem Bruder fast unsichtbar. Dieser ist recht sonderbar, impulsiv, wird gehasst und geliebt, es wirkt, als sei er am Rande des Wahnsinns, ein Mensch, der besessen vom Ballett, besessen von Revolution im Tanz, sich selbst nicht versteht. Letztlich war er für mich stellenweise sehr viel interessanter als seine Schwester, aber die Idee, das Licht auf die historisch weniger bekannte Figur zu setzten, ist eine schöne.
Nur leider ist die Umsetzung, wie schon erwähnt, manchmal unglaublich schwer zugänglich, Bronia lebt, aber nicht so richtig vor meinem geistigen Auge. Interessant ist der Roman alle mal, nur leider fehlt es an Energie und an Spannung. So las ich das Buch nebenbei in der Bahn, fasziniert vom Ballett, von diesem Leben, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Vielleicht waren meine Anforderungen aber zu hoch, denn für eine Biografie ist das Buch sehr gut, nur nicht für einen Roman. Vor allem das Ende hinterließ mich mit Fragen, es war alles und nichts gleichzeitig.

Allerdings möchte ich das wunderschöne Cover loben, es wirkt herrlich winterlich, ästhetisch und russisch. Leider kommt an dieser Stelle wieder ein Aber! Denn während des Lesens erfährt man wiederholt, dass Bronislawa Nijinska eine kleine, eher muskulös-stämmige Frau war, was die Dame auf dem Bild leider nicht ist. Ferner ist diese broschierte Ausgabe ungewöhnlich , ja seltsam schwer für ein etwas größeres Taschenbuch.

Vielen Dank an die Seite Vorablesen, dass ich dieses Rezensionsexemplar enthalten konnte!

THE VERDICT: Obwohl großartig recherchiert, hinterlässt mich dieses Buch mit einem unbefriedigten Gefühl. Die Ballett-Welt wird hervorragend porträtiert, nur der Hauptcharater bleibt jedoch schwer zugänglich. Meine Erwartungen wurden leider nur halb erfüllt: Die Geschichte ist großartig, aber die Erzählungweise strotzt vor Mittelmäßigkeit. 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Die dunkle Welt der Madame Bovary

Autor: Gustave Flaubert
DT: Madame Bovary
OT: Madame Bovary : Mœurs de province.
Genre: Klassiker, Drama
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1856
Verlag: Insel Klassik
Preis: 8,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3458362333
Länge: 455 Seiten

Die wohlbehütet aufgewachsene Emma hat ihre ganz eigene Vorstellung von der Liebe: romantisch und erfüllend stellt sie sich ihre Zukunft als Madame Bovary vor. Doch schon bald folgt die Ernüchterung. Aus Lebens- und Liebeshunger entfiehlt sie der ehelichen Langeweile – und stürzt sich in ein Abenteuer, das unvorhergesehene Konsequenzen nach sich zieht…

Ein Klassiker, den man gelesen haben muss, dachte ich mir bereits beim ersten Anblick. Mit Effie Briest und Anna Karenina gehört Emma Bovary nicht nur zu den großen Höhepunkten der Weltliteratur, sondern auch zu den großen, berühmten Ehebrecherinnen. Liest man diesen Roman, muss man allerdings immer bewusst sein, was diese Handlung für die damalige Zeit bedeutet hat – heute: ein hässliche Untat, damals jedoch: ein unfassbares Verbrechen. Wieso also bricht jemand eine Ehe – besonders in dieser Zeit?
Emma ist ein zartes Wesen und lebt von einer romantischen Vorstellung zu Ehe und doch wird genau diese zerstört.
Dabei ist sie nur anfangs Mitleidsträgerin: Sie lebt in einer unglücklichen Ehe, ihr Mann behandelt sie nicht sonderbar liebevoll und sie vermisst den Ruhm und Glanz in ihrem Leben, den sie sich für diese Zeit ausgemalt hat: Bälle, schöne Kleider. Stattdessen lebt sie mit einem langweiligen Mann in der öden Provinz. So lässt sich Emma von einem prunkvollen Herrn verzaubern für einen großen Preis – ihr Leben verändert sich unaufhaltsam und sie lässt sich fast leidenschaftlich in das Gestrick der Lügen ein, man glaubt fats sie ist fanatisch! Doch statt großer, tiefromantischer Gefühle, hat Emma fast schon etwas psychopathisches, habgieriges, egoistisches, sie stürzt sich in ihre Gefühle und möchte immer nur noch mehr. Das macht sie jedoch auf eine nahezu perverse Art für den Leser interessant – und erneut ruft man sich in den Kopf: eine Frau in dieser Zeit, eine Frau die auch ihre Sexualität leben will. Verboten! Es begeistert mich, wie revolutionär dieser Roman in der Hinsicht ist. Inzwischenzeit spielt ein anderer alter Herr mit ihr, der Stoffhändler, und nutzt ihr blankes Unwissen über Kredite herzlos aus. Die Tragödie ist perfekt.
Flaubert wählt die Worte sorgsam, präzise umschmiegen sie die traurige Welt des kleinen Dorfs, so dass der Leser in die Handlung gut reinfällt. Wunderschön geschrieben, meist etwas ausgeladen, wird einem die tiefe, innere, dunkle Welt Emmas erklärt – sie zu verstehen ist dabei weniger die Aufgabe, als aus ihren Fehlern zu lernen. Sympathisch wird sie nicht. Aber das soll sie auch nicht, worin ich jedoch eine Schwierigkeit sehe, da man als Leser häufig nach einer Figur sucht, mit der man sich identifizieren kann.

Es gibt so eine seltsame indirekte Verpflichtung, sich mit Klassikern auseinanderzusetzen und man muss es, wie ich denke auch mit einer gewissen Vorsicht tun, denn schließlich darf man nie vergessen, dass der heutige Blickwinkel ein ganz anderer ist. Genau darin sehe ich die Schwierigkeit von Madame Bovary, die sich zwar von gesellschaftlichen Konventionen befreien lässt, aber keinesfalls Opfer davon wird, es ist ihr Fehler und sie lebt ihn bewusst. Ich finde es sehr schwierig, Emma als eine Heldin zu betrachten – und ich glaube auch nicht, dass sie von Flaubert als solche angelegt war. Sie sollte schocken, entsetzen.

Als Beitragsbild habe ich ein Foto aus der neusten „Madame Bovary“-Verfilmung gewählt, welche wahrscheinlich gegen 2016 in Deutschland erscheinen wird. Ich bin neugierig!

THE VERDICT: Madame Bovary ist ein trauriger, faszinierender, manchmal recht langatmiger Roman, der zu den Klassikern schlechthin gehört. Manchmal möchte man das Buch genervt in die Ecke werfen, manchmal verfällt man in der Spannung. Diesen Roman liest man nicht nebenbei. Bewusst und mit Pausen. Ich gebe 6,5 von 10 Sternen, da es eine interessante Geschichte ist, aber mich leider nicht mit Herzblut begeistern konnte.

Love, Katha

November #14 Faves

Moin Moin!

Es ist tatsächlich unheimlich, wenn ich daran denke, dass der kommende Monat bereits der letzte dieses Jahres seien wird. Auf der anderen Seite ist es auf seine Weise auf erfreulich zu betrachten, dass ich bereits seit über einem halben Jahr schreibe und es mir unfassbaren Spaß macht.

Nun denn, dieser Monat war relativ stressig, Klausuren hier und da, Termine und Ereignisse. Hier eine kleine Auswahl:

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1. After Eight

Ich weiß gar nicht so recht, ob diese Schokolade als Herren oder Omaschokolade gilt, aber es ist mir wurstpiepegal, denn sie ist grandios: Pfefferminzcreme, umgeben von hauchdünner, dunkler Schokolade. Zugegebenerweise etwas (zu) süß, aber richtig lecker!

2. Chanel Nagellack No. 555 „Blue Boy“
Ein leicht gräuliches Blau, etwas einen Sturmhimmel erinnernd – die Farbe ist unfassbar schön, der Preis unfassbar unverschämt. Ich besitze den Nagellack schon ein Weilchen und anders als gewisse Nagellacke von YSL nicht nach 2 Jahren urplötzlich erst solartig wird und dann eintrocknet. Allerdings lohnt es sich nur ihn mit Unterlack (und wahlweise auch Überlack) zu tragen, da die Haltbarkeit nicht so exorbitant ist, wie man es verlangen müsste. Der Witz ist vielmehr, dass ich nicht nur diese grandiose Frage, sondern auch den Namen liebe, da ‚Boy‘, Coco Chanels große Liebe war. Das Packaging ist sehr schön und 13ml eigentlich ganz ordentlich.

3. Jane Eyre DVD

Die Verfilmung des Klassikers von Charlotte Brontë ist recht gelungen! Wunderbarer, leidenschaftliche Musik, hervorragende Schauspieler in den Hauptrollen (Michael Fassbender als Rochester) und eine mysteriöse, zeitlose Geschichte. Die Ausstattung der DVD enthält des weiteren den Audiokommentar, Interviews, Trailer und Making Of. Die vollständige Rezension folgt hier.

4. Paperblanks Micheangelo Handwriting Mini
Ich könnte glatt eine Liebeserklärung an die Paperblanks Notizbücher schreiben, denn ich liebe sie von ganzem Herzen. Dieses kleine, unlinierte bekam ich von einer Freundin vor längerem zum Geburtstag. Was ich besonders an Paperblanks schätze, ist die Qualität: schöne Verarbeitung und gutes (halbwegs umweltfreundliches) Papier. Es gibt verschiedenste Kollektionen, von Manuskriptdesignen (wie dieses) zu floralen Mustern usw. Preiswert sind sie leider nicht, meiner Auffassung nach lohnt es sich für Vielschreiber!

5. Poetry Slam
Dank meiner besten Bloggerfreundin Charlie @ KeineZeitFürLangeweile, sah ich das erste Mal in meinem Leben Live Poetry Slam. Wer in Berlin oder Umgebung wohnt, dem kann ich den Havel Slam bzw. den Potsamer Poetry Slam empfehlen. Wir waren beim Halbfinale der Berlin-Brandenburg-Meisterschaft und bis auf einen fand ich alle grandios, leider kann ich also keine Aussage dazu treffen, wie ’normale‘ Veranstaltungen sind. Es wird aber sehr viel Gelacht, nachgedacht und reflektiert, viele der Texte sind nämlich so grundlegend philosophisch, wie sie urkomisch sind.
Das einzig negative sind die echt überteuerten Getränkepreise und es war so voll, dass wir auf dem Boden des Waschhauses an die Wand gelehnt hocken durften (und mein Hintern tat mir am Folgetag noch immer weh) – natürlich muss man eigentlich nichts sehen, es geht schließlich um das hören, aber bei dem nicht ganz so günstigen Eintritt, wäre zumindest ein Sitzplatz drin gewesen.

Love, Katha

134 Minuten des Leides

DT: 12 Years a Slave
OT: 12 Years a Slave
Genre: Historienfilm, Drama
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Lupita Nyong’o, Paul Giamatti, Brad Pitt
Regie: Steven McQueen
Drehbuch: John Ridley
Musik: Hans Zimmer
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Saratoga/New York, Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Afro-Amerikaner Solomon Northup lebt ein einfaches aber glückliches Leben als freier Mann. Als zwei Fremde den virtuosen Geigenspieler für einen Auftritt engagieren und danach noch auf einen Drink einladen, schöpft Solomon keinerlei Verdacht. Umso größer ist sein Entsetzen, als er sich am nächsten Morgen in Ketten gelegt auf einem Sklavenschiff Richtung Louisiana wiederfindet! Jeder Hinweis auf seine verbrieften Freiheitsrechte verhallt ungehört: Solomon wird verkauft und muss unter schlimmsten Bedingungen Fronarbeit leisten. Zwölf lange Jahre sucht er nach einem Weg, sich aus der Gefangenschaft zu befreien und dabei zu überleben… Wird er seine geliebte Familie jemals wiedersehen? [amazon.de]

Es ist definitiv auch kein Film, den man zweimal sehen möchte (was aber für die Rezension notwendig war, dennoch war es grausam), denn man geht nicht gutgelaunt und unterhalten aus dem Kino raus. Die Wahrheit ist, der etwas leere Saal war verstummt und verstört. Man weiß nicht ganz, ob man überhaupt nach Worten suchen möchte.

Dieser Film legt die Verhältnisse in der Sklaverei offen und schonungslos dar. Ich bin nicht sehr bewandert in der Thematik und umso mehr schockte es mich. Zunächst landet Solomon (Chiwetel Ejiofor) unter dem Namen Platt, den er annehmen muss,bei dem Plantagenbeseitze Ford (Benedict Cumberbatch), mit welchem er verhältnismäßig gut auskommt, Ford schenkt ihm sogar eine Geige und man hegt leichte Hoffnungen für Solomon. Der wird jedoch in einen Streit mit einem der Aufseher kommen und zu seinem eigenen Schutze wird er zu einer anderen Plantage geschickt. Doch Edwin Epps (Michael Fassbender) ist überaus brutal und spätestens ab hier beginnt das absolut unfassbare Grauen.

Die Optik des Filmes ist natürlich hervorragend: tolle Landschaftszenen von blutroten (welch Ironie!) Sonnenuntergängen, schweren Weiden im Wind und großen typischen Südstaatenbauten. Das Licht des Filmes ist sehr natürlich gehalten, keine übertriebene Düsterkeit, wie man sie bei anderen Historienfilmen hat. Zu dem kommt der Score, eine Mischung aus typischen Hans-Zimmer-Elementen (als habe man den Score von Inception zusammengeschreddert und ihm eine weniger bedrohliche Note verpasst) und Worksongs der Sklaven. Hans Zimmer hat mal wieder hohen Wiedererkennungswert und dadurch, dass sich in den letzten Jahren seine Stücke beginnen, ziemlich ähnlich anzuhören, sticht die Musik zwar nicht sooo heftig hervor, aber unterschreibt die Traurigkeit des Filmes auf eine angenehme Weise – aber leider nichts so besonderes.

Ich bin absolut befangen, was die Besetzung angeht, da ich ein großer und bekennender Benedict Cumberbatch Fan bin, werde ich es bei: er war großartig, im Wesentlichen belassen. Seine Rolle als Ford war dahingehend eine interessante, weil er eigentlich recht ‚gut‘ zu ihm war. Nun was heißt gut? Jemand der Sklaven hat ist nicht gut. Aber es ist mehr in ihm, ganz, als sei er sich selbst ab und an nicht so sicher darüber und nehme es als selbstverständlich für die Gegend an und wolle sich selbst lieber nicht genauer damit auseinandersetzten, weil er letztlich das Schlechte daran bemerken würde – aber nicht sehen will.

Solomon leidet unendlich, viel und man leidet mit ihm, er wird sehr gut von Chiwetel Ejiofor gespielt und ich habe großen Respekt vor ihm, da es eine schwere Aufgabe ist. Eine weitere Sklavin spielt eine große Rollle: Patsey, welche auf der Plantage von Epps arbeitet und Unmengen von Baumwolle pflückt und dadurch von Epps auf eine äußerst perverse Art begehrt wird. Lupita Nyong’o, die den Ocar für die beste Nebendarstellerin erhielt, spielt sie beeindruckend. All den Schmerz, den körperlichen und seelischen fühlt man mit ihr, es tut einem unendlich weh, jemanden derart leiden zu sehen, Szenen von unmenschlicher Gewalt und eine Vergewaltigung – sie hat dieses Oscar mehr als verdient!
Dann wäre da natürlich Michael Fassbender, den ich aus Jane Eyre kenne und mag – ein unglaublicher Kontrast zu 12 years a Slave. Nun, nach dem Film war er mir eine gewisse Zeit verdammt unsympathisch und das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Seine Rolle ist mit Abstand die ekelerregenste im ganzen Film: eine Mischung aus Menschenverachtung, Zynismus,  Perversität und einem kalten Schauder, der einem über den Rücken läuft, wenn dieser Typ zu Brüllen beginnt. Und das bringt mich schon zum nächsten Punkt: Dieser Film sollte definitiv nicht das FSK 12 haben. Ich kannte zwar den Trailer und dieser zeugte schon von abartiger Grausamkeit aber das, was sie zeigen, ist noch mehr und ich glaube nicht, dass ein 12 Jähriger das Verträgt. Das schlimmste daran ist wirklich, dass man weiß, das es so war, das es ein dunkler Fleck in der Menschheitsgeschichte war und als ich den Film mit Tränen in der Augen von Entsetzten sah, habe ich mich gefragt, wie das passieren konnte, dass Menschen zu derartige Monstern werden, fernab von jeder Form von Würde. Man schämt sich, ein Mensch zu sein.

Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe, sind die Szenen, wo Solomon ab und an ins Nichts sieht (und nachdenkt?). Es ist nicht so, dass diese Szenen einem eine Art Pause erlauben – sie sind ziemlich lang und befremdlich.

THE VERDICT: Ein mal sehen reicht. Aber man sollte ihn trotz des Schmerzes sehen, weil er unglaublich gut gemacht ist und zugleich auf  eine gewisse Weise lehrreich. Ein grausames Meisterwerk: 9 von 10 Sternen

Love, Katha

Von großen & hohen Erwartungen

Ahoi!

Irgendetwas verbindet mich mit Charles Dickens, was mich dazu brachte, diesen Roman lesen zu wollen.
Vielleicht ist es, weil ich eine Vorliebe für Bandwurmsätze habe oder weil ich selbst gerne ausschmückend und detailliert schreibe, vielleicht, weil mich Gesellschafts (kritische) Romane faszinieren und natürlich auch das 19. Jahrhundert, oder gar weil ich in meiner Kindheit viel mit seiner Weihnachtsgeschichte konfrontriert wurde, ja gar terrorisiert, vielleicht weil ich Großbritannien liebe, aber vielleicht ist es, weil ich am gleichen Tag Geburtstag habe wie er.
Und so war mir, dass ich einen Roman von ihm lesen wollte. Ganz unbedingt und meine Wahl fiel auf Große Erwartungen – und ich hatte „große“ Erwartungen.

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Autor: Charles Dickens
DT: Große Erwartungen
OT: Great Expectations
Genre: Klassiker, Bildungsroman
Sprache: Deutsch
Übersetzer: Paul Heichen
Ausgabe: Taschenbuch
Ersterscheinung: 1861
Verlag: Insel Taschenbuch
Preis: 9.99€
ISBN:978-3458357780
Länge: 740 Seiten

Philip Pirrip, gennant Pip wächst in der kargen, traurigen Welt der englischen Küsten, der nebeligen Landschaft der Marschen auf. Der Waisenjunge lebt bei seiner Schwester, die ihn „mit der Hand aufzieht“, wie es immer so schön heißt, und ihrem Mann, Joe, der sein bester Freund wird. Als er als Kind das Garb seiner Eltern besucht, begegnet er einem furchteinfößenden Häftling, der von einem Gefangenenschiff geflohen war, der ihn zwingen wird, Essen und Werkzeug für ihn zu stehlen, was er auch tut.
In den armen Verhältnissen, in welchen er lebt, beginnt er bald von Reichtum und Ansehen zu träumen, als er die schöne aber arrogante Estella kennenlernt, die Tochter von der mysteriösen Miss Havisham, Pips Aufgabe ist es, mit ihr spielen (er dient also als Gesellschafter) und von Zeit zu Zeit verliebt er sich unsterblich in sie und schämt sich für seine Herkunft. Doch wie durch ein Wunder taucht eines Tages, schon als er fast erwachsen ist, nicht mehr mit Estella spielt und seine Ausbildung als Schmied fast beendet hat, der Londoner Anwalt Mr Jaggers auf und eröffnet ihm, dass er große Erwartungen habe, denn eine Person, deren Name nicht bekannt werden noch hinterfragt werden dürfe, habe ihm sehr viel Geld vermacht – und von da an stellt sich sein Leben auf dem Kopf: er wird in die Welt, die er sich erträumt hatte, eingefüht, verändert sich mit ihr, begegnet natürlich Estella und wird in ein düsteres Geheimnis verwickelt.

Diese traurige, tiefgehende aber auch zugleich ungemein spannende Geschichte wird auf eine wundervolle Weise erzählt: Sprachlich kann man kaum mehr erwarten! Man glaubt den Nebel auf den Marschen sehen zu können, das Klopfen von Pips Herzen zu fühlen.

„Der Himmel weiß, dass wir uns niemals unserer Tränen schämen müssen, denn sie sind der Regen auf den blind machenden Staub der Erde, der über unserem harten Herzen liegt.“ – Große Erwartungen, 19. Kapitel

Fakt ist, dass ich Charles Dickens bewundere, bewundere, wie er sich hochgearbietet hat, wie wortgewandt er schreiben mag (ich lese derweilen zwar nur Übersetztungen, aber die tun’s auch) und wie offen seine Augen sind, dass er nicht blind durch die Welt tappt!
So gesehen kann man davon ausgehen, dass „Große Erwatungen“ zu einem sehr persönlichen Werk Dickens‘ gehören. Er veranschaulicht verschiedene Themen die Armut, Kontraste zwischen Arm und Reich, soziale Strukturen, Arroganz und Liebe sehr detailliert und verschieden. Der Protagonist Pip, der aus der Ich-Perspektive berichtet, verändert sich sichtbar während des Verlaufs, mal ist er nachdenklicher, mal gequält, dann und wann leidet man mit ihm und ab und an möchte man auf ihn einreden, er tut einem Leid, vorallem, wie er aufwächst, aber er regt einen auch auf. Besonders die Versessenheit auf Estella idt manchmal zum Haare-herausreßen. Aber genau das scheint der Roman von einem zu Fordern: Emotionen! Und das bietet er.
Besonders die Figuren kann ich loben! Sie sind skurril und arrogant, mysteriös und unheimlich, liebevoll und weise: sehr prägnant gezeichnet, übertrieben aber nie, man hat immer großes Vergnügen daran ihnen zu folgen, weil sie nie platt und eintönig sind
Klassiker werden häuifg als langweilig abgestempelt und in Deutsch-Unterrihcten so verarbeitet, dass man dann lieber keine liest, was echt traurig ist! Dieser Roman ist ohne Zweufel ein Meisterwerk, dass ich jedem empfehlen möchte, weil es so konrastreich, nicht verschönernd von den Schattenseiten, aber auch der Schönheit einer Welt berichtet. Jedoch kann ich auch sagen, dass man für das Buch Geduld aufbringen sollte, denn ab und an, schöner Stil hin oder her, ist er zäh und langatmig, manche Handlungsstränge überziehen 50 Seiten oder mehr und das kann schon anstrengend sein.

THE VERDICT: Zusammenfassend kann ich „Große Erwartungen“ nur empfehlen, denn die Geschichte ist sowohl einzigartig, spannend als auch lehrreich, sowie voll mit kuriosen und schrecklich wundervollen Charakteren, die sehr gut in die seltsame, düstere Welt des 19. Jahrhunderts eingebettet sind. Charles Dickens ist für mich ohne Zweifel ein Zauberer des Romans und der Sprache, der einem aber keinen Wunsch, sondern kalte Realität vorhölt.
Die Übersetztung kann ich nur insofern bewerten, dass es etwas nervig ist, dass sie „Mr“ und „Miss“ etc. tatsächlich mitübersetzt haben, was am Anfang gewöhnungsbedurftnig ist und m.E. nach unnötig.
Zweifelsohne 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

Verfall einer Familie

Moin!

Es gibt Bücher, die man gelesen haben muss, weil sie ein Teil der Weltgeschichte sind, aber wenn man keine Lust hat? So erging es mir, als ich das erste mal von den Buddenbrooks hörte. Uhh, dicker Schinken in schwerer Sprache – kann so etwas überhaupt interessant sein? Doch irgendwann im letzten Jahr wurde ich neugieriger und las es schneller durch, als ich erwartet hatte.

Autor: Thomas Mann
Titel: „Buddenbrooks – Verfall einer Familie“
Genre: Gesellschaftsroman, Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1901
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 9,95€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-569-29431-2
Länge: 768 Seiten

„Es ist eine hervorragende Arbeit, redlich, positiv und reich“, urteilte S. Fischers Lektor Moritz Heimann nach der Lektüre des Manuskripts über Thomas Manns, ersten Roman, seinen wohl am meisten gelesenen, am meisten verbreiteten. Verfall einer Familie – sein Untertitel scheint ihn einzureihen in eine bestimmte Gattung, aber „der Zug zum Satirischen und Grottesken“, der darin steckt, hebt ihn zugleich davon ab, gibt ihm einen eigenen Charakter, eigene Wirkung bis in die Gegenwart. Thomas Mann erzählt nur wenig verschlüsselt die Geschichte seiner Familie und ihrer Stellung in der Vaterstadt Lübeck, soweit er sie nachvollziehen, in Einzelheiten überblicken konnte, ja sogar noch miterlebt hat. Verwandte, Honoratioren und markante Persönlichkeiten seiner Jugend werden integriert. Den meisten Raum nimmt das Leben Thomas Buddenbrooks ein – „ein modernes Heldenleben“; sein Sohn Hanno wird einen langen Strich unter die Genealogie der Familie setzen und sich rechtfertigen mit den Worten:“Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr …“ In den mehr als hundert Jahren seit seinem ersten Erscheinen hat der Roman unzählige Menschen in seinen Bann gezogen und hat bis heute nichts an Charme und Aktualität eingebüßt.“

Zugegeben, ein wenig hilfreicher Klappentext, doch im Grunde genommen geht es um die verschiedenen Generation Buddenbrook  eingebettet in ihr Familienunternehmen: von dem alten Johann Buddenbrook, über Jean Buddenbrook, dessen Sohn Thomas ein und als letzter erfolgt das kurze Leben des Hanno Buddenbrook.
Von Generation zu Generation wird das Handelsunternehmen übergeben und bringt jedem Oberhaupt Probleme, Konflitke und Herausforderungen. Thomas Buddenbrooks Leben füllt am meisten Platz in den Roman: er wird heiraten, aber nie die wahre Liebe in seiner Frau finden, er wird sich mit seinem psyisch angeschlagenen Bruder Christian abquälen und sich über ihn aufregen, Begräbnisse miterleben und nicht zuletzt an seinem Sohn Hanno verzweifeln, der kein Interesse an dem Handelsunternehmen zu haben scheint, sondern sich mit der Musik beschäftugen möchte – wie seine Mutter.

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Es ist das erste Buch, in dem ich viele „…“ sah, mir erschien es erst komisch, aber man gewöhnt sich dran, obgleich ich zugeben muss, noch immer nicht wirklich schlau daraus geworden zu sein. Ich muss zugeben, manchmal reichlich angeödet gewesen zu sein, es war langatmig und manchmal ein Kampf, aber dann wieder verschlang ich es! Besonders die Geschichte von Tony Buddenbrook mit ihrem Rauf und Runter, ihrem überschwänglichem Leiden und Aufgeben einer Liebe – eine moderne, extravagante Frau, die sich scheiden lässt. Doch auch die anderen Charaktere, wie Christian zeichnen sich von außerordentlicher Originalität wie Realität aus. Das ist wichtig bei einem Roman wie diesem, der unheimlich viele Charaktere vorstellt. Aber durch diese Zuordnung und exakte Beschreibung bleibt einem so gut wie jeder Darsteller (es hat was von einem Theaterstück!) in Erinnerung.

Der Roman beschreibt in einer exzellenten Sprache die Tragödie einer Generation, einer großen Familie, die mit ihrem letzten Sohn zusammenbricht. Thomas Mann schafft es hypotaktische Sätze zu einem Vergnügen zu machen, er wählt die Wörter bedacht und arbeitet mit hervorragenden Nuancen der Sprache, baut sogar Dialekte ein, was die Charaktere umso lebendiger erscheinen lässt – was manchmal aber auch nicht wirklich einfach zu verstehen ist. Nun, warum sollte man es lesen, wenn man mit dem Untertitel bereits weiß, was geschieht? Vlt sollte man es lesen, weil es ein Klassiker ist, weil man beginnt, die Welt mit offeneren Augen zu erblicken, wenn man den Roman gelesen hat? Das Buch veranlasste mich sogar dazu, Lübeck (T.Mann erwähnt zwar nie den Ort Lübeck, aber irgendwie weiß man es anhand der Beschreibungen ziemlich gut einzuordnen) zu besuchen, weil mir das Lesen kaum noch reichte, ich wollte es endlich sehen! Schade nur, dass vom eigentlichen Buddenbrookhaus nicht sehr viele Zimmer im Originalzustand eingerichtet sind, was etwas enttäuschend war.

Besonders muss ich die Ausgabe des Buches loben, sie ist nämlich nicht allzu schwer, in einer angenehmen größte gedruckt, und man kann es knautschen und knicken, der Buchrücken bekommt nicht diese schrecklichen Rillen – ich bin da ein bisschen pingelig:D

THE VERDICT: Diese wortwörtlichen Wucht zu bewerten ist letztlich schwer, da obgleich ein Meisterwerk, der Roman kann auch ziemlich langatmig und öde seien kann. Dennoch: Man sollte sich definitiv die Zeit nehmen, ihn zu lesen, da er einen auf gewisse Weise lehrt. 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha


„Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, wann sie wiederkommen?“ – Oscar Wilde