Belgravia

Autor: Julian Fellows
OT: Belgravia
DT: Belgravia
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: C. Bertelsmann
Preis: 19.99 Euro
ISBN: 978-3-570-10324-1
Länge: 448 Seiten

Vom Drehbuchautor der Serie Downton Abbey

Die Familie Trenchard, geführt von dem ehrgeizigen Bauleiter James Trenchard, befindet sich im Jahr 1841. Als vor 25 Jahren die Tochter Sophia bei der Geburt ihres unehelichen Sohnes Charles stirbt, versucht das Paar Trenchard alles, um den Ruf der Tochter zu beschützen und gibt das Kind weg. Doch als jetzt Anne Trenchard bei einem Nachmittagstee die Mutter des im Krieg gefallenen Vaters ihres geheimen Enkels trifft, beschließt sie, dass sie ihr Geheimnis nicht länger ungeteilt lassen kann – und damit gerät der Stein ins Rollen.

Vermutlich gehöre ich, wie viele Leser dieses Romans, zu den großen Downton Abbey Fans, die gespannt waren, was Drehbuchautor Julian Fellows noch zaubern kann. Bereits beim Lesen des Klappentextes wurde mir schnell klar, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit der preisgekrönten Serie haben würde – besondern in Hinblick auf die Upstairs-Downstairs-Perspektive.

Ein großes Lob geht an die wunderbare Covergestaltung: Ein schlichtes, aber auch edles Design welches das noble Belgravia Viertel in London mit Passanten und Kutschen darstellt und zweifelsohne ein Blickfang ist, der mich angelockt hat. Andererseits muss ich sagen, dass die gebundene Ausgabe des Buches recht dicke Seiten hat und sich das Buch als etwas schwerer erweist, als erwartet.

Julian Fellows hat einen angenehm leichten und etwas blumigen Schreibstil, der besonders die Dialoge sehr angenehm zu lesen macht – sehr lebhaft und spritzig. Ganz deutlich wird auch Fellows jahrelange historisch-gesellschaftliche Expertise nach Downton Abbey, aber auch seinen beiden anderen Romanen „Eine Klasse für sich“ und „Snobs“, so dass er hervorragend das dekadente Leben des Hochadels, die Fauxpas der Emporstrebenden und die Lästereien unter den Dienstboten einfangen kann und ein bisschen an „Vanity Fair“ erinnert. In diesem Punkt hat mich Belgravia gut überzeugt, da ich schon enige Bücher in dieser Periode gelesen habe, war ich positiv überrascht: es wirkt historisch wirklich gut authentisch. Natürlich erkennt man auch eine starke Analogie zu Downton Abbey.

Die Figuren hingegen sind sehr unterschiedlich: Manche sind sehr eindimensional und es wird sofort klar, ob sie böse oder gut sind und dass sich dies innerhalb des Romans nicht ändern wird.  Diese klassische Besetzung vom Sweetheart, der Zofe, die sich für etwas besseres hält, den verwöhnten reichten Kindern und dem Schurken macht den Roman in Teilen wirklich kitschig. Natürlich mag ich den Roman nicht die ganze Zeit mit Downton vergleichen, aber was mir in der Serie durchaus gefallen und hier gefehlt hat, war dass auch mal das „Böse“ eine gewisse Oberhand hat und es auch dunkle Episoden gab.

Andererseits gibt es durchaus ein paar Figuren, deren Charakter sich ändert und entwickelt, zwar um keine 180 Grad Drehung, aber etwas  und die mir recht sympathisch geworden sind. Doch wie bei den Figuren, fehlt mir auch in der Storyline öfters die Tiefe: Die Handlung spielt häufig an der Oberfläche und wirkt manchmal trotz der blumigen Sätze ein wenig wie ein Drehbuch. Nach längerem Überlegen wurde mir auch klar, wie ich dieses ambivalente Gefühl zu diesem Buch am besten ausdrücke: Die Gesichte ist mehr eine Strandlektüre als ein satter Roman, aber ich denke, dass sie in den Händen von ein paar Darstellern und Darstellerinnen zu noch besserem, tieferem und emotionaleren Material werden können. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich in der Geschichte Potential erkenne und sie mich manchmal wirklich mitreißen konnte, aber das gewisse Etwas (vielleicht auch das gewisse „Dunkle“) fehlt. Tatsächlich wäre ich sehr neugierig, wie „Belgravia“ filmisch umgesetzt seien würde, weil ich überzeugt davon bin, dass es mehr aus der an sich ganz interessanten Story machen könnte.

Zu guter letzt möchte ich mich beim Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

THE VERDICT: Eine nette, unterhaltende und leichte Lektüre mit guter historischer Exertise, die sich flott lesen lässt, aber meines Erachtens als Film mehr Wirkung hätte entfalten könne, statt in Form eines Romans. Leider fehlte mir die ausreichende Tiefe. 6 von 10 Sternen

Love, Katha

Das Bildnis des Dorian Gray

Autor: Oscar Wilde
OT: The Picture of Dorian Gray
DT: Das Bildnis des Dorian Gray
Genre: Klassiker, Gesellschaftsroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinug: 1890
Verlag: dtv
Preis: 8.90 Euro
ISBN: 978-3-423-14207-6
Länge: 347 Seiten

Dorian Gray ist ein junger und besonders gut aussehender Mann – dieser Sache ist er sich jedoch kaum bewusst, bis ihm Lord Henry begegnet und ihm den Wert von Schönheit erklärt. Als gerade ein Portrait des jungen Mannes fertig wird, was der Künstler als seine beste Arbeit erklärt, spürt Gray einen neuen Wunsch in seinem Herzen: Das doch das Bild anstelle von ihm altern würde und er für immer in seiner Blüte der Jugendlichkeit bleiben könne.

Ein bisschen erinnert das ganze an Faust: Ein Wesen, in diesem Fall Lord Henry, fungiert in der Rolle des Mephistopheles: Er probiert seinen Einfluss an einem Menschen aus, in dem er ihn mit Aphorismen, Sprüche und Träumen füttert und sein Herz ins Unglück und Verderben reißt – zumindest mehr oder minder übertragen. Den junge Dorian lernen wir als eine komplett unverdorbene und zarte Seele kennen und nach und nach wird der Einfluss Henrys deutlicher: Als erstes natürlich in der plötzlichen Anwandlung, seiner eignen Schönheit bewusst geworden zu sein – und später immer mehr und mehr vom Leben genießen zu wollen, koste es, was es wolle.

Die Moral spielt hier eine besonders schöne Rolle: Der Dandy Lord Henry und sein Malerfreund Basil Hallward fungieren wie Teufel und (mehr oder minder) Engel auf den Schultern Dorians, nur dass letzterer die Gefahr, die von Henry ausgeht und die ganze Manipulation als Erkenntnis wahrnimmt und dafür Basil verdammt – die Rollen also umgedreht. Und tatsächlich nehmen Lord Henry pseudophilosphische Monologe einen enorm großen Teil des Romans ein: Man müsse Versuchungen stets nachgehen, Affären führen und Frauen würden schließlich eine Liebelei durch ihren Versuch, etwas unendlich machen zu wollen stets verderben – um ein paar Beispiele zu nennen. So wirklich sympathisieren kann man mit keinem in diesem Roman – der Lesende hat vielmehr eine beobachtende Rolle und vielleicht auch die desjenigen, der moralisch gebildet werden soll.

Mit ausgeklügelten Sarkasmus, symbolischem Zynismus und einer herrlich blumigen Sprache schafft Wilde einen zu schockieren – und zu begeistern! Einerseits ist es amüsant Henrys überhebliche Einstellungen zu lesen, doch langsam lernt man als Leser die Gefahr. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss – alleridngs ein sehr düsterer und teils auch abartiger.

Zum guter letzt möchte ich etwas nennen, was mir durchgehend aufgefallen ist, mich nicht gestört hat, aber zur Recherche verleitet hat. Wilde ist heute relativ bekannt für seine Homosexualität, die für ihn das große literarische Aus bedeutet hat. Nun gibt es einige Stellen in den Roman, wo die drei wichtigen Männer (Basil Hallward, Lord Henry, Dorian Gray) miteinander diskutieren und für mein modernes Verständnis hatte ihre Art sich zu Necken etwas beinahe schon homoerotisches, weil es mich an Flirten erinnert hat – was eigentlich amüsant war, aber vor allem sehr speziell. Wahrscheinlich ist dies ein gewisser Spiel- und Freiraum für Ideen und Interpretationen, den uns Wilde hinterlassen hat, wichtig ist nur, das es den Roman einen besonderen Schliff gibt.

THE VERDICT: Zweifelsohne wird von nun an „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu einem meiner liebten Klassiker gehören. Ein hervorragendes, mitreißendes und sehr clever geschriebenes Stück Weltliteratur, das ich jedem ans Herz legen kann. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Prisoner of Zenda

Autor: Anthony Hope
OT: The Prisoner of Zenda
Genre: Abenteuerroman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Collins Classics
Preis: 2.99 AUD
ISBN: 978-0-00-792533-9
Länge: 224 Seiten

Als Rudolf Rassendyll, ein rothaariger Engländer, zur Krönung des neuen Königs nach Ruritania fährt, ahnt er nicht, was ihm dort blühen wird. Durch Zufall begegnet er auf einer Wanderung dem zukünftigen König und seinen getreuen und sie beschließen, weil Rudolf und der König sich fast wie Zwillinge gleichen, zusammen etwas zu feiern. Als jedoch der König am nächsten Morgen mit Vergiftungserscheinungen aufwacht, bitten die Bediensteten Rudolf doch während der Krönung den König zu spielen. Er lässt sich drauf ein und es folgt ein flottes Abenteuer.

Die Briten haben ein herrliches Wort um die Grundstimmung dieses Buchs einzufangen: swashbuckling (dt.: heroisch, abenteuerlich, ritterlich, brisant).

Den erfundenen Staat Ruritania kann man sich deutschsprachig vorstellen, aber da Teile in Dresden spielen, ist es irgendwie auch nicht Deutschland. Ich denke, es ist eine entweder Österreich, die Schweiz oder Luxemburg.

Diese abenteuerliche Geschichte ist von der Idee sicherlich die neuste, aber wie sie hier umgesetzt wird, ist mitreißend, spannend und rührt in manchen Momenten auch das Herz! Es geht hier um ritterliche Ideale, Loyalität und die Bewahrung von Ehre – das Gute muss über das Böse siegen. Zwei Männer die sich gleichen und Rollen tauschen – das kennt man auch sicherlich schon von wo anders. Doch auch, wenn die Idee so altmodisch und vielleicht auch übertrieben und ein bisschen lächerlich wirkt, die Charaktere sind das Herz dieser Geschichte: Rudolf, der von einem gelangweilten jungen Engländer zum abenteuerlichen König wird, der für Prinzipien steht, manchmal aber auch seine weiche Seite zeigt. Aber auch die junge Prinzessin Flavia, etwas naiv, aber mit einem großen Herzen und beeindruckender Eleganz. Sie sind Helden, die auch die Tugenden einer Periode wiederspiegeln.

Dadurch, dass das Buch nicht besonders lang ist, geht es stets flott voran, die Geschichte ist schnell und reißt einen richtig mit.

Zu guter letzt muss ich sagen, dass dies mein erster Klassiker ist, den ich auf Englisch lese und auch, wenn dieses Buch noch vergleichsweise simpel zu manch anderen alten Autoren geschrieben ist, muss ich zugeben, dass ich häufiger als sonst Wörter nachschlagen musste, da ich sonst nicht die wichtigen Feinheiten verstanden hätte. Das Interessante ist nämlich, dass man das Buch als Spaß-Abenteuer-Roman vor allem in jungen Jahren lesen kann (es ist zweifelsohne auch für jüngeres Publikum geeignet), aber man auch die Seiten des viktorianischen Zeitalters erkennt, mit Macken, etwas Sexismus und einer gewissen altmodischen Haltung. So ist es nicht nur ein Abenteuerroman, sondern enthält gesellschaftskritische, sarkastische Andeutungen, wenn man genauer hinschaut, was manchmal für jemanden, der nicht Muttersprachler ist, schwieriger sein kann.

THE VERDICT: Ein solider Abenteuerroman, der verdammt Spaß macht zu lesen, manchmal sehr klischeehaft ist und für alte, ritterliche Ideale einsteht. Sehr gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Effi Briest

Autor: Theodor Fontane
OT: Effi Briest
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Preis: 12,90 DM (Taschenbuch)
ISBN: 978-3746652665
Länge: 336 Seiten

Effi Briest lebt bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen und genießt ihre unbeschwerte Jugend, am liebsten im Garten. Als sie jedoch mit siebzehn Jahren den einundzwanig Jahre älteren Geert von Instetten heiraten und in das tiefste Pommern ziehen soll, ändert sich ihr Leben radikal. Der freie Vogel lebt nun in Kessin an der kalten Küste in einem unheimlichen Hause und ihr Mann ist nur selten da. Das Leben scheint ihr so trist und vereinsamt. Doch alles  ändert sich, als sie Major Crampas auf einer Feier  kennenlernt, einen offensiven Offizier.

Drei Mal habe ich dieses Buch angefangen, bis ich es tatsächlich in nahezu einem Zug durchlas. Mein Wille war groß, wo ich doch viel reizendes über Effi Briest gelesen habe und Theodor Fontanes Schreibstil verehre. Allerdings ist mir nun rückblickend bewusst geworden, dass ich in dieses Buch reinwachsen musste. So gerne ich auch Klassiker lese, glaube ich, das einige erst wirklich verständlich werden und sich einem erschließen, wenn man  ein bisschen „erwachsener“ wird (mir ist das schon mit ein paar Büchern passiert, auch als anderen Gdnres). Ich bin natürlich noch sehr jung, aber nun mit fast 19 Jahren und einem besonderem Faible für das 18. und 19. Jahrundert,  kann ich viel besser mitempfinden und verstehen, wie die Gesellschaft im 19. Jahrhundert gedacht haben muss, als vor drei Jahren, wo ich noch wenig darüber wusste. An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!
Vor drei Jahren hätte ich vermutlich gesagt, dass es eine interessante Geschichte mit einem blumigen Schreibstil ist, die mich aber nicht berühren noch fesseln konnte. Jetzt sehe ich es zum Glück anders!

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Das wunderbare an Fontane ist, das er mit vielen Symbolen arbeitet: Das Rondell der Eltern im Garten, die Schaukel, das Meer in Kessin, der Hund Instettens namens Rollo und ein paar mehr. Auf den ersten Blick erkennt man eindeutig, dass es ein Gesellschaftsroman des Realismus ist: Gegenstände und Personen werden detailliert beschrieben, aber wirken zunächst seltsam oberflächlich. Erst nach und nach werden Effis und später auch Innstettens Charakter und Emotionen  für den Lesenden sichtbar. Genauso wie es in der Gesellschaft Gang und Gäbe war, diszipliniert und nach außen hin stets perfekt zu wirken, agieren die Figuren im Roman. Auf mich wirkte es wie realistisches Portrait der Wilhelminischen Ära, das gleichzeitig seltsam zynisch wirkt, weil es diese Normalität ad absurdum führt. Durch die angedeuteten Witze und Beobachtungen wird offensichtlich, in was für einer gespielten Welt Effi lebt und wie sehr sie unter den affektierten Menschen leidet (wie man es auch selbst tun würde). Ein paar wenige Figuren wachsen ihr ans Herz und ganz still und heimlich trifft sie sich dann und wann mit Crampas, was sie sehr gut vor Instetten vertuscht.

Nun stellen sich einige Fragen: Kann man mit Effi Mitleid haben? Sie geht doch ohne weitere Bedenken in diese Ehe, obgleich dieser Mann eigentlich der Verehrer ihrer Mutter war? Was definiert man als Ehebruch?

Ich glaube, es ist sehr subjektiv, wie man dieses Buch wahrnimmt. Wir lasen es letztes Jahr in Ausschnitten im Deutsch Leistungskurs und die Meinung zu Effis Verhalten differierte stark. Dennoch macht diese kontroverse und interessante Person den Roman für mich so interessant und lesenswert: Man kann herrlich darüber diskutieren und sich überlegen, was man selbst getan hätte.
So gesehen kann man „Effi Briest“ in eine Reihe mit den anderen großen europäischen Werken, die Ehebruch thematisieren stellen, allerdings ist Effi eine viel sanftere Figur und deutlich weniger selbstmitleidige und egoistische Person als Emma Bovary (Anna Karenina habe ich allerdings noch nicht gelesen), die ich wirklich kein Stück mochte. Wer Werke aus dieser Reihe lesen will, dem lege ich Effi ans Herz.

Der einzig negative Punkt, den ich anmerken muss, ist das man besonders, wenn man den Roman anfängt, sich an den Schreibstil gewöhnen muss – man kann „Effi Briest“ eher nicht in einer lauten Bahn lesen. Fontane schwankt zwischen Berichtartigem Schreiben, blumigen Ausschweifungen, knapper mündlicher Rede und langen Diskussionen – so gesehen trifft man auf fast jede Erzählform, was für eine gewisse Leichtigkeit und Abwechslung sorgt. Allerdings verliert der Roman in der Mitte leider deutlich an Tempo und teils langweilt man sich fast so sehr wie Effi im pommer’schen Kessin. Diese Mitte hat mich zwei Mal zum Abbruch veranlasst, doch sobald sie überwunden ist, kommt der ein großartiges letztes Drittel.

Einer meiner Lieblingssätze und auch wahrscheinlich einer der bekanntesten aus diesem Roman ist ohne Zweifel der Dauerspruch von Effis Vater „Es ist ein (zu) weites Feld…“, der nicht ohne Grund zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Zu guter letzt etwas zu dieser Ausgabe: Ich habe sie (und „Irrungen, Wirrungen“)  vor einiger Zeit zu einem spottbilligen Preis auf dem Trödel gefunden und mich sofort verleibt. Es gibt eine ganze Reihe dieser „Berliner Frauenromane“, welche der Aufbau Verlag in den 1990ern aufgelegt hat, jedoch heute leider nicht mehr erhältlich sind. Dabei sind es wahrlich schöne Bücher, von denen ich so gerne die gesamte Reige besitzen würde.

THE VERDICT: Ein wunderbar geschriebener Roman in mit vielen Facetten und faszinierenden CHarakteren. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber voll versteckter Symbolik, nur leider ist die Mitte des Buches im Gegensatz zum starken Anfang und Ende etwas dünn, aber darüber sehe ich gerne in der Gesamtbewertung hinweg, da alles in einem es einfach ein tolles und hoch lesenswertes Buch ist, besonders für Klassiker-Liebhaber! 8 von 10 Steren.

Love, Katha

Die Schwester des Tänzers

Autor: Eva Stachniak
DT: Die Schwester des Tänzers
OT: The Chosen Maiden
Genre: Historischer Roman, Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Insel Verlag
Preis: 15.95€ (broschiert)
Länge: 570 Seiten
ISBN: 978-3-458-36178-7

Der Roman handelt von dem russisch-polnischen Duo, der Tänzerin Bronislawa Nijinksa und ihrem Bruder Waslaw Nijinska, die im 19. Jahrhundert in der Truppe „Ballet Russes“ Weltruhm erreichten und heute noch eine wichtige Rolle im Ballett spielen. Hier wird die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars zum Roman.

Schon von klein auf, war Bronislawa Nijinska dazu bestimmt, eine Ballerina zu werden, viel harte Arbeit, die Strenge ihrer Eltern, beide ebenfalls Tänzer, bestimmen das Leben des Mädchens. Auch ihre beiden Geschwister Stassik und Waslaw ist dieses Schicksal vorherbestimmt. Gemeinsam wachsen sie Anfang des 20 Jahrhunders in Sankt Petersburg auf. Während es sich herauskristallisiert, dass Waslaw zum Tanzen geboren ist und mit Leichtigkeit auf der Bühne schwebt, steht Bronia in seinem Schatten. Doch auch in ihrer Familie gibt es Veränderungen und Russland erlebt zeitgleich ebenfalls eine Umwälzung.

Der Roman spielt zwischen 1894 und 1939 ,ist in mehre Lebensabschnitte gegliedert und wird aus Bronias Perspektive erzählt, manchmal springt sie zwischen den Zeiten und macht Überlegungen, die sowohl Vergangenheit als auch Zukunft berühren können.
Anders als alle anderen Bücher die ich bisher las, verwendet Eva Stachniak eine sehr besondere Erzählweise: Es wirkt, als spräche man mit der alternden Bronia, ähnlich wie eine alte Dame, die von ihrem Leben berichtet. Es gibt kein Jetzt,  fast wie eine Biografie, bloß in dem Stil, ja in dem Gewand eines Romans, wird von den Höhen und Tiefen, Kämpfen und Schwierigkeiten eines Lebens berichtet. Dabei ist die Geschichte so detailliert, dass es fast schon unmöglich scheint, so genau recherchiert zu haben, doch es kann ja gar nicht anders sein, weil Stachniak es schafft, sehr authentisch und überzeugend zu schreiben.
An die etwas eigentümlichen Schreibstil muss man sich jedoch gewöhnen. Selbiges gilt für polnische Begriffe, die jedoch fast immer übersetzt werden und natürlich Ballett-Fachvokabular. Als großer Fan des Balletts, und weil ich in meiner Kindheit für mehrere Jahre selbst getanzt habe, waren mir die Begriffe natürlich vertraut, allerdings kann man als Neuling sich damit schwer tun, denn Stachniak legt viel Wert auf einzelne Tanzseuqenzen und ihre Beschreibungen.

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Als einen großen Nachteil empfand ich, dass ich mit Bronia nie richtig warm werden konnte. Sie war stets da, stets faszinierend, ihre Entscheidungen waren manchmal seltsam, unbegründet, abrupt, aber häufig nachvollziehbar. Was bleibt, ist jedoch die Distanz zum Charakter, sie wirkt kalt und streng und in den wenigen Momenten, wo sie aufweicht, sie etwas berührt, bleibt die Handlung so kurz, wie bei ihrer ersten Schwärmerei, das eine Gefühl von Resignation bleibt. Sie erlebt dabei so viel, das reiche für einen ganzen Tolstoi-Roman! Schicksalsschläge, Leid, Freude, aber mit dem Erzählstil verblaßte dieses Potential in Mittelmäßigkeit.

Neben Bronia spielt natürlich ihr begabter Bruder Waslaw eine Rolle. Es ist wirklich beeindruckend, wie stark Bronia Neid, Missgunst und diesem Schatten trotz, sie ist eine starke Frau, aber neben ihrem Bruder fast unsichtbar. Dieser ist recht sonderbar, impulsiv, wird gehasst und geliebt, es wirkt, als sei er am Rande des Wahnsinns, ein Mensch, der besessen vom Ballett, besessen von Revolution im Tanz, sich selbst nicht versteht. Letztlich war er für mich stellenweise sehr viel interessanter als seine Schwester, aber die Idee, das Licht auf die historisch weniger bekannte Figur zu setzten, ist eine schöne.
Nur leider ist die Umsetzung, wie schon erwähnt, manchmal unglaublich schwer zugänglich, Bronia lebt, aber nicht so richtig vor meinem geistigen Auge. Interessant ist der Roman alle mal, nur leider fehlt es an Energie und an Spannung. So las ich das Buch nebenbei in der Bahn, fasziniert vom Ballett, von diesem Leben, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Vielleicht waren meine Anforderungen aber zu hoch, denn für eine Biografie ist das Buch sehr gut, nur nicht für einen Roman. Vor allem das Ende hinterließ mich mit Fragen, es war alles und nichts gleichzeitig.

Allerdings möchte ich das wunderschöne Cover loben, es wirkt herrlich winterlich, ästhetisch und russisch. Leider kommt an dieser Stelle wieder ein Aber! Denn während des Lesens erfährt man wiederholt, dass Bronislawa Nijinska eine kleine, eher muskulös-stämmige Frau war, was die Dame auf dem Bild leider nicht ist. Ferner ist diese broschierte Ausgabe ungewöhnlich , ja seltsam schwer für ein etwas größeres Taschenbuch.

Vielen Dank an die Seite Vorablesen, dass ich dieses Rezensionsexemplar enthalten konnte!

THE VERDICT: Obwohl großartig recherchiert, hinterlässt mich dieses Buch mit einem unbefriedigten Gefühl. Die Ballett-Welt wird hervorragend porträtiert, nur der Hauptcharater bleibt jedoch schwer zugänglich. Meine Erwartungen wurden leider nur halb erfüllt: Die Geschichte ist großartig, aber die Erzählungweise strotzt vor Mittelmäßigkeit. 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

Tiefe Melancholie

Autor: Charlotte Brontë
DT: Jane Eyre. Eine Autobiografie
OT: Jane Eyre. An Autobiography
Genre: Klassiker, Liebesgeschichte
Ersterscheinung: 1847
Verlag: dtv
Preis: 9.90
Länge: 656 Seiten
ISBN: 978-3423143547

Zunächst möchte ich sagen, dass sich meine Rezension zu großen Teilen auf den Inhalt des Romans konzentriert, ich in Teilen aber auch diese Ausgabe bewerte. Wie bei vielen Klassikern, kann man auch Jane Eyre in unterschiedlichsten Ausgaben und Übersetzungen erhalten.

Charlotte Brontës Roman erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Jane Eyre, welches eine triste Kindheit bei ihrer Adoptivfamilie erlebt und schließlich fortgeschickt wird auf eine strenge Mädchenschule. In Lowood erlebt Jane Eyre eine Welt aus Sparsamkeit, Demut und wird in dieser aufgezogen zu einer stillen, tüchtigen Person. Als sie schließlich die Schule verlässt, um die Stelle als Gouvernante anzutreten, ahnt sie nicht von den Konsequenzen. Die ersten Monate auf Thornfield Hall verlaufen ruhig, Jane fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wohl und am richtigen Platz. Doch als eines Tages der Hausherr Mr. Rochester eintrifft, verändert sich alles.

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Es gibt manche Bücher, von denen geht ein ganz gewisser Zauber aus, Geschichten, die es schaffen etwas mit mehrdimensionalen Charakteren und einer wunderschönen Prosa in einem erblühen zu lassen. Jane Eyre von Charlotte Bronte ist eines dieser unglaublich schön geschriebenen Bücher, die einen selbst nach dem Lesen noch immer beschäftigen.
Vor ein paar Jahren sah ich das erste Mal den Film zu Jane Eyre mit Mia Wasikowska und Michael Fssbender (Rezension hier!) und war von der Weise der ruhigen,verwunschenen Melancholie total angetan. Entsprechend nahm ich mir vor, den großen Klassiker zu lesen – es sollte nicht lange dauern, dass ich mir die wunderschöne dtv Ausgabe zu legte, aber noch ein ganzes bisschen, bis ich tatsächlich zu lesen anfing.

Zugegebnerweise habe ich etwas länger gebraucht, um mich wirklich in den Roman hineinzufühlen, mehre Male legte ich das Buch für Wochen weg, besonders auf den ersten 100 Seiten packte mich keineswegs die Begeisterung – andererseit waren es genau die tristen Zeit Janes, die so verdammt authentisch waren, dass es grausam traurig war, von der schreienden Ungerechtigkeit, die ihr widerfährt, zu lesen. In mancherlei Hinsicht, ist dieses Buch nicht leicht zugänglich. Als es dann weg von Lowood ging, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen und war hin und weg, Jane wurde immer mehr zu einem wirklichen, greifbaren Charakter, den ich bewunderte! Teils lässt Charlotte Brontë den Leser richtig zappeln, es ist fast schon seltsam, wie spannend ein Liebesroman werden kann.

Ich muss zugeben, dass ich absolut begeistert bin, vor allem die romantischen Szenen, die ich im Film bemängelte, ließen mein Herz beim Lesen höher schlagen, als könne ich selbst in die dunklen, geheimnisvollen Augen von Mr Rochester sehen und bekäme augenblicklich Gänsehaut.
Eine weitere Sache, die mir unglaublich gut gefallen hat, waren die Charaktere, insbesondere Jane Eyre, die von einem rebellischen Kind zu einer sehr zurückhaltenden Dame wird, aber nie ihr Mundwerk mit bissigen, klugen Kommentaren verliert. Sie besitzt eine gewisse Wandlungsfähigkeit, scheint aber eher mit dem Buch zu lernen, ein stärkerer Charakter zu werden. Zu dem besitzt Charlotte Brontë einen unglaublichen Geist, eine Art Weitblick – ich hatte beim Lesen gar das Gefühl mit einer sehr intelligenten jungen Dame zu sprechen, die für ihre Zeit tatsächlich emanzipiert ist. Doch nicht nur Jane Eyre, sondern sämtliche andere Charaktere werden detailgetreu gezeichnet und gewinnen durch Janes Ich-Perspektive noch mehr Fülle durch ihre Kommentare und Beobachtungen.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich schien, war die religöse Komponente, die allerdingt in Anbetracht der Zeit, in welcher der Roman spielt, keineswegs überraschend ist. Diese wird vor allem auf Janes „Reise“ im letzten Teil des Buchs betont, zeugt gleichzeitig aber auch von der enormen Vielfältigkeit des Romans.

Ein großer Pluspunkt ist, dass der Roman wunderschöne Beschreibungen von Räumen, Landschaften und Personen enthält, die das Buch förmlich zum Gedankenkino werden lassen. Natürlich – wie auch bei fast jedem Klassiker – gibt es Momente, da sind diese fast schon zu romantisch und man wünscht sich mehr wörtliche Rede, die kommt zum Glück aber auch nicht zu kurz. Meiner Meinung nach leben diese Romane allerdings auch von dieser prosaischen Kraft, präzise beschreiben zu können.

Zu dieser Ausgabe: Zum ersten möchte ich diese wunderschöne Ausgabe, die nun neben anderen Klassikern mein Bücherregal ziert, loben. Das Format ist in eine Art Stoff gebunden, dennoch ein sehr handlichen Taschenbuch. Für manche mögen die Buchstaben möglicherweise etwas klein gedruckt sein, ich empfand es nicht als störend. Zur Übersetzung ist mir aufgefallen, dass der Stil teils recht modern klingende Wörter verwendet und dadurch der Roman recht frisch und flüssig lesbar daher kommt. Wie bei jedem Klassiker empfielt es sich natürlich, dass jeder, der kann, dieses Meisterwerk im Original liest. Alles in einem also sehr gelungen und einem mehr als gutem Preis. Ich bin ehrlich begeistert und würde mich freuen, wenn der dtv zu mehr als nur Jane Austen und den Bronte Schwestern so tolle Ausgaben zaubern würde!

THE VERDICT: Ich muss nicht viel mehr sagen, als dass ich dieses Buch liebe, denn es hat mich verzaubert durch seine Charaktere und den wunderbaren Schreibstil, da verzeiht man auch gerne ausufernde Landschaftsbeschreibungen. Nun ist es eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen! 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Leidenschaft der Thérèse Raquin

OT: In Secret
DT: In Secret – Geheime Leidenschaft
Genre: Drama, Kostümfilm, Literaturverfilmung
Cast: Elizabeth Olsen, Jessica Lange, Tom Felton, Oscar Issac, Matt Lucas
Regie: Charlie Stratton
Drehbuch: Charlie Stratton
Musik: Gabriel Yared
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach Émile Zolas Roman „Thérèse Raquin“ aus 1867

Thérèse Raquin (Elizabeth Olsen) lebt ein trauriges, langweiliges Leben als Halbwaise bei ihrer Tante in den französischen Provinz Vernon. Seit kleinauf ist es ihre Aufgabe, sich um ihren stets kränkelnden Sohn Camille (Tom Felton) zu kümmern und so ist es kein Wunder, dass Madame Raquin der Überzeugung ist, dass Thérèse als Schutzengel für ihren Sohn, ihn heiraten muss. Sie ziehen nach Paris und Thérèse führt ihr trauriges Leben weiter, öde Dominoabende mit seltsamen Freunden füllen ihre Tage neben ihrer Arbeit, bis Camille seinen guten Freund Laurent (Oscar Isaac) nach Hause bringt. Thérèse und Laurent stürzen sich vom ersten Moment an in eine gefährliche Affäre. Doch sie hält es nicht mehr mit ihrem Mann Camille aus und daher schmiedet Laurent einen Plan aus, der alles verändern wird.

MV5BMTAxMDY4MDI0NDZeQTJeQWpwZ15BbWU4MDkzOTU5ODAx._V1_SY317_CR0,0,214,317_AL_Man muss schon bei der Besetzung schmunzeln, dass Tom Felton, den die meisten natürlich als Draco Malfoy kennen, schlichtweg nicht aus der Rolle des Unabetitlichem herauskommt. Bei Elizabeth Olsen denkt man natürlich an ihren zwei skandalösen Schwestern, die schon in einigen schlechten Filmen mitgespielt haben, doch keinesfalls darf man an diesem Vorurteil hängen bleiben! Auch wenn etwas auf die Spitze getrieben, spielt Olsen ihre Rolle souverän und mit einer einzigartigen Tragik, die ihrer Rolle sehr gut entspricht. Dennoch sticht Jessica Lange besonders hervor und spielt ihre Rolle der Madame Raquin mit unfassbar viel Überzeugungskraft, dass sie eigentlich das strahlende Licht im düsteren Setting des Filmes ist.

Doch auch wenn der Plot im Ursprung Zolas Feder entsprechen soll, ist die Geschichte fast schon skandalös dramatisch. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass besonders durch Thérèses sehr heftige Leidenschaft und ihr sexuelles Verlangen, dass lange nicht gestillt werden konnte, diese Affäre mehr als nur ein kleiner Seitensprung ist. Besonders ihre Sexualität wird in etlichen Szenen besonders betont, nicht auf eine perverse Game-Of-Thrones-Art, aber mit Nachdruck. Auch durch das besonders düstere Setting, dass einen glauben lässt, der Film spiele weniger in Paris des 19. Jahrhunderts als neben einer Kohlefabrik des 19. Jahrhunderts, trägt stark zur fast schon gruseligen Stimmung bei, welche Gabriel Yared mit seinem unheimlichen, fast stillen Soundtrack ziemlich gut unterstreicht. Es ist kein Soundtrack zum naher zu Hause hören, aber er passt zum Film. Jedoch sieht man durch diesen Farbfilter schon fast die Schaupieler nicht. Zwar ist der Film dramatisch und düster, aber das lässt einen eher an Splatter á la Sweeney Todd erinnern!

THE VERDICT: Gut gemeint, aber absolut überdramatisch verfilmt, die Geschichte wirkt eher skurril, überspitzt und surreal, als spannend. Ein Ziel erreicht der Film trotzdem: er ist verstörend und man muss irgendwie darüber nachdenken. 4 von 10 Sternen.

Love, Katha


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Die dunkle Welt der Madame Bovary

Autor: Gustave Flaubert
DT: Madame Bovary
OT: Madame Bovary : Mœurs de province.
Genre: Klassiker, Drama
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1856
Verlag: Insel Klassik
Preis: 8,99€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3458362333
Länge: 455 Seiten

Die wohlbehütet aufgewachsene Emma hat ihre ganz eigene Vorstellung von der Liebe: romantisch und erfüllend stellt sie sich ihre Zukunft als Madame Bovary vor. Doch schon bald folgt die Ernüchterung. Aus Lebens- und Liebeshunger entfiehlt sie der ehelichen Langeweile – und stürzt sich in ein Abenteuer, das unvorhergesehene Konsequenzen nach sich zieht…

Ein Klassiker, den man gelesen haben muss, dachte ich mir bereits beim ersten Anblick. Mit Effie Briest und Anna Karenina gehört Emma Bovary nicht nur zu den großen Höhepunkten der Weltliteratur, sondern auch zu den großen, berühmten Ehebrecherinnen. Liest man diesen Roman, muss man allerdings immer bewusst sein, was diese Handlung für die damalige Zeit bedeutet hat – heute: ein hässliche Untat, damals jedoch: ein unfassbares Verbrechen. Wieso also bricht jemand eine Ehe – besonders in dieser Zeit?
Emma ist ein zartes Wesen und lebt von einer romantischen Vorstellung zu Ehe und doch wird genau diese zerstört.
Dabei ist sie nur anfangs Mitleidsträgerin: Sie lebt in einer unglücklichen Ehe, ihr Mann behandelt sie nicht sonderbar liebevoll und sie vermisst den Ruhm und Glanz in ihrem Leben, den sie sich für diese Zeit ausgemalt hat: Bälle, schöne Kleider. Stattdessen lebt sie mit einem langweiligen Mann in der öden Provinz. So lässt sich Emma von einem prunkvollen Herrn verzaubern für einen großen Preis – ihr Leben verändert sich unaufhaltsam und sie lässt sich fast leidenschaftlich in das Gestrick der Lügen ein, man glaubt fats sie ist fanatisch! Doch statt großer, tiefromantischer Gefühle, hat Emma fast schon etwas psychopathisches, habgieriges, egoistisches, sie stürzt sich in ihre Gefühle und möchte immer nur noch mehr. Das macht sie jedoch auf eine nahezu perverse Art für den Leser interessant – und erneut ruft man sich in den Kopf: eine Frau in dieser Zeit, eine Frau die auch ihre Sexualität leben will. Verboten! Es begeistert mich, wie revolutionär dieser Roman in der Hinsicht ist. Inzwischenzeit spielt ein anderer alter Herr mit ihr, der Stoffhändler, und nutzt ihr blankes Unwissen über Kredite herzlos aus. Die Tragödie ist perfekt.
Flaubert wählt die Worte sorgsam, präzise umschmiegen sie die traurige Welt des kleinen Dorfs, so dass der Leser in die Handlung gut reinfällt. Wunderschön geschrieben, meist etwas ausgeladen, wird einem die tiefe, innere, dunkle Welt Emmas erklärt – sie zu verstehen ist dabei weniger die Aufgabe, als aus ihren Fehlern zu lernen. Sympathisch wird sie nicht. Aber das soll sie auch nicht, worin ich jedoch eine Schwierigkeit sehe, da man als Leser häufig nach einer Figur sucht, mit der man sich identifizieren kann.

Es gibt so eine seltsame indirekte Verpflichtung, sich mit Klassikern auseinanderzusetzen und man muss es, wie ich denke auch mit einer gewissen Vorsicht tun, denn schließlich darf man nie vergessen, dass der heutige Blickwinkel ein ganz anderer ist. Genau darin sehe ich die Schwierigkeit von Madame Bovary, die sich zwar von gesellschaftlichen Konventionen befreien lässt, aber keinesfalls Opfer davon wird, es ist ihr Fehler und sie lebt ihn bewusst. Ich finde es sehr schwierig, Emma als eine Heldin zu betrachten – und ich glaube auch nicht, dass sie von Flaubert als solche angelegt war. Sie sollte schocken, entsetzen.

Als Beitragsbild habe ich ein Foto aus der neusten „Madame Bovary“-Verfilmung gewählt, welche wahrscheinlich gegen 2016 in Deutschland erscheinen wird. Ich bin neugierig!

THE VERDICT: Madame Bovary ist ein trauriger, faszinierender, manchmal recht langatmiger Roman, der zu den Klassikern schlechthin gehört. Manchmal möchte man das Buch genervt in die Ecke werfen, manchmal verfällt man in der Spannung. Diesen Roman liest man nicht nebenbei. Bewusst und mit Pausen. Ich gebe 6,5 von 10 Sternen, da es eine interessante Geschichte ist, aber mich leider nicht mit Herzblut begeistern konnte.

Love, Katha

Am grünen Rand der Welt

DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Romanze
Cast: Carey Mulligan, Matthias Schoneaerts, Michael Sheen, Tom Sturridge
Regie: Thomas Vinterberg
Drehbuch: David Nicholls
Musik: Craig Armstrong
Erscheinungsjahr: 2015
Länge: ca. 119 Minuten
FSK: ab 6 Jahren

Nach Thomas Hardys Roman „Am grünen Rand der Welt“ aus 1874.

Als Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) eine Farm im Südwesten Englands erbt, verändert sich ihr zuvor kleines Leben beträchtlich und bekommt als Frau eine bedeutsame Rolle. Ihr Leben wird jedoch immer trubulenter und verwirrender, als sich nach und nach drei Männer in die verlieben und sie zwischen den Stühlen steht: der Schäfer Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts), der etwas ältere Gutsbesitzer Boldwood (Michael Sheen) und der junge Sergeant Troy (Tom Sturridge). Durch seine verführerische Art fällt sie Troy in die Arme, merkt aber früh, dass er sie verstößt und so stürzt Bathsheba in ein wildes, unaufhaltsames Chaos.

Thomas Vinterbergs Adaption von Thomas Hardys „Am grünen Rand der Welt“ bietet keine skandinavische Kälte, wie man dem Regisseur vielleicht nach sagen mag, sondern viel mehr eine starke Tiefe, eine ruhige Art, Gefühle auszudrücken und doch nicht an Spannung nachzulassen.
Durch die sehr spezielle Rolle der Bathsheba Everdene scheint der Film auf der romantischen Ebene etwas distanziert zu wirken, man scheint nicht an die Rolle heranzukommen, auch wenn Carey Mulligan sie mit sehr viel Leidschaft verkörpert, hat sie immer etwas fernes, unantastbares und trägt dadurch nicht immer einen Sympathiefaktor – was es allerdings eher interessanter macht, sie kennenzulernen, auch, wenn es befremdlich wirkt.
Besonders gefällt mir, dass keine Figur flach und einfach ist, auf eine oder zwei Charaktereigenschaften ausgelegt, sondern alle recht komplex und real wirken. Außerdem muss ich mit leichtem Schmunzeln zugeben, dass der belgische Schauspieler Matthias Schoenarts, der durch „Der Geschmack von Rost und Knochen“ bekannt wurde, durch seine sanfte Art, die gleichzeitig Ruhe und Kraft verkörpert, für mich hervorsticht.

Dennoch scheint der Film manchmal in sich nicht plausibel, besonders bei der Handlung wirkt die Dramatik ein wenig zu sehr heraufbeschworen und plastisch, wodruch der Film fast schon Stimmungschwankungen von solchen Extremen hat, dass einem unbehaglich wird und es nicht fließend wirkt.

Wie man es bereits auch Joe Wrights Adaption von „Stolz und Vorurteil“ kennt, brilliert auch dieser Film mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, die viel mit dem warmen Licht der Sonne und den satt-grünen Hügeln der englischen Landschaft Dorset arbeiten und so der Zuschauer wunderbar in eine wilde, raue Welt eingeführt wird. Die Landschaftsaufnahmen und einige Reitszenen bilden einen wichtigen Bestandteil der Geschichte und wirken auch nie fehl am Platz. So haben wir es hier ohne Zweifel mit einem filmographischem Highlight zu tun, welches hervorragend mit dem Score Craig Armstrongs harmoniert: süße, kräftige Streicher, die mit sehr viel Kraft die wilde, schöne Landschaft nachanhmen – nicht fröhlich, sondern recht ernst. Dazu kommen folklore Töne und im Besonderen singt Carey Mulligan sogar ein Mal!

THE VERDICT: Ein bewegender, sowohl im filmographischen als auch musikalischem beeindruckender Film, der durch eine gewisse Distanz, aber auch Tiefe fasziniert. Leider ist „Am Rand der grünen Welt“ weniger romantisch, als das Plakat vielleicht suggeriert, sondern spielt auf einer ernsten, ruhigen  Ebene die Gefühle ab. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Anna Karenina

OT: Anna Karenina
DT: Anna Karenina
Genre: Kostümfilm, Literaturverfilmung, Drama, Romanze
Cast: Keira Knightley, Aaron Taylor-Johnson, Jude Law, Matthew MacFadyen, Alicia Vikander, Domhnall Gleeson
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Tom Stoppard nach dem Roman von Lew Tolstoi
Musik: Dario Marianelli
Erscheinungsjahr: 2012
Länge: ca. 130 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Nach Lew Tolstois Roman „Anna Karenina“ aus 1877.

Die bezaubernd schöne Anna (Keira Knightley) führt an der Seite ihres Ehemanns Alexej (Jude Law) ein glanzvolles Leben in mitten des Adels von St. Petersburg. Alles scheint perfekt, bis sie dem faszinierenden Offizier Graf Vronskij (Aaron Taylor-Johnson) begegnet. Hin- und hergerissen zwischen dieser leidenschaftlichen Affäre und der Liebe zu ihrem Sohn entscheidet sie sich für ihren Geliebten. Doch als die elegante Gesellschaft ihr dies nicht verzeihen kann, trifft Anna eine bittere Entscheidung [Klappentext]

Eine weitere Literaturverfilmung eines weltbekannten Klassikers, mag man auf den ersten Blick denken, doch was Joe Wright aus Anna Karenina macht, ist etwas Neues und Mutiges, denn die einzelnen Szenen sind wie ein Theater inszeniert – nimmt man die bittersüßeTragik, hat diese Idee  schon symbolischen Charakter.
Ich denke allerdings auch, dass es ein bisschen verwirrend sein kann, den Film zu sehen, wenn man die Storyline nicht kennt und so konnte ich diese Umsetzung auch erst beim Zweitsehen wirklich „schätzen“. Es mag etwas gekünstelt wirken, wenn die Wände über die Bühe abtransportiert werden, sich Türen in ein neues Geschehen öffnen, doch nun, wo ich den Film schon gut 4 Mal aus verschiedensten Anlässen gesehen habe, glaube ich, mit jedem Mal ein neues Detail zu sehen, das mich verzaubert.
Die Kostüme sind wunderschön und sehr kreativ, genauso wie das gesamte Flair und Setting stimmt. Dario Marianellis Musik dazu hat etwas sehr spezielles, ein bisschen als würde man in einen Zirkus eingeführt werden, mit Walzerklängen und russischen Gesängen, was die vielen Bläser und Streicher untermalen, jeodch trifft aber er durch zarte Klaviertöne auch traurige Momente

Nun zu den Darstellern! Obgleich ich kein so großer Fan von Keira Knightley bin, muss ich mich als ziemlich begeistert aussprechen. Diese Kooperation zwischen Knightley und Wright funktioniert einfach, man denke an Abbitte oder Stolz & Vorurteil!
Die schauspielerische Leistung ist eigentlich im allgemeinen sehr überzeugend und großartig. Man sieht Jude Law zur Abwechslung mal nicht als attraktiven Mann und er behauptet sich überzeugend! Mir gefiel auch der Ire Domhnall Gleeson sehr, den ich bis dato gar nicht kannte, sowie Alicia Vikander, die mich bereits in A Royal Affair verzaubert hatte.
Neben der großen Liebesgeschichte spielen die beiden die „Nebenliebesgeschichte“ von Kostja Ljewin und Kitty Schtscherbazkaja, und obwohl es eine Nebenlinie ist, berührte mich diese sehr.
Besonders schön fand ich das thematisieren von verschiedenen Formen von Liebe (obwohl ich damit wahrscheinlich mehr die Geschichte, als den Film lobe): die Reine, die Leidenschaftliche, die Verbotene usw.

THE VERDICT: eine mutige, zauberhafte und wunderschöne Neuinszinierung eines Klassikers mit einer guten und schauspielerisch-überzeugenden Besetzung. Untermalt von einem tollen Soundtrack und wunderschönem Setting, bin ich sehr begeistert! Nur ab und an kann man der Geschichte nicht ganz folgen, da diese Theater-Geschuchte etwas verwirrend  und anstrengend ist. Doch kann ich mir nur wiederholen, dass er besser wird, je öfter man ihn sieht. Deshalb 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

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In Love With Dickens

OT: The Invisible Woman
DT: The Invisible Woman
Genre: Drama
Cast: Ralph Fiennes, Felicity Jones, Kristin Scott Thomas, Tom Hollander
Regie: Ralph Fiennes
Drehbuch: Abi Morgan
Musik: Ilan Eshkeri
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: ca. 111 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Nelly (Felicitiy Jones) wird von Erinnerungen der Vergangenheit heimgesucht. Sie entführen uns in die Zeit einer bewegten, stets gefährdeteren Beziehung zu Charles Dickens (Ralph Fiennes). Dickens – berühmt, beherrschend und erfolgsverliebt – entwickelt leidenschaftliche Gefühle für seine neue Muse Nelly, doch der Preis ist hoch: die Geheimhaltung ihrer Beziehung und für Nelly ein Leben als „unsichtbare“ Frau [Klappentext]

Ich startete den Film mit hohen Erwartungen und einer gewissen Spannung, da ich eigentlich ein Fan von Dickens bin, doch ich wurde sehr von dem Film überrascht. Zum einen, weil der Titel meines Erachtens nach irreführend ist, zum anderen, weil ich nicht genau weiß, was ich von Dickens denken soll. Er trifft Nelly, als er 45 und sie 18 Jahre alt ist und somit fast so alt wie seien Tochter Katey, aber gleichzeitig ist er auch verheiratet und gerät mit seinen Gefühlen in eine prekäre Situation. Aber Dickens wird einem keinesfalls irgendwie sympathisch, er scheint egoistisch, erfolgs- und ruhmsüchtig, und lässt seine Probleme schlichtweg auf Nelly fallen, da sie eigentlich am ehesten unter dieser Beziehung leidet. Dennoch spielt Ralph Fiennes diese recht außergewöhnliche Person faszinierend gut.
Weniger gefallen hat mir Felicity Jones, es ist viel mehr, als sei sie komplett desillusioniert und ich bekam während des Filmes weniger den Eindruck, als sei sie unsterblich verliebt – vielleicht habe ich es auch falsch verstanden?

Der Soundtrack enttäuschte mich jedoch nicht, Ilan Eshkeris Musik ist teilweise sehr dramatisch und traurig, was den Film in seiner seltsam verletzenden Wirkung unterstützt. Auch die Kostüme sind schön gehalten!

THE VERDICT: Dennoch muss ich zugeben, dass sich meine Begeisterung in Grenzen hält, die Darstellung eines doch recht fanatischen und erfolgreichen Menschen ist schwierig und gelungen, aber die Protagonistin wirkt ziemlich schwach (was durchaus auch verständlich ist, da sie sicherlich die „schwächere“ in der Beziehung ist), zu schwach und etwas blutleer. Auch ist sie gar nicht unsichtbar, vielleicht für die Gesellschaft, aber nicht in Dickens‘ Schaffen, weshalb der Titel unpassend ist. Alles in einem 3,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Young Victoria

OT: The Young Victoria
DT: Young Victoria
Genre: Romanze, Kostümfilm
Cast: Emily Blunt, Rupert Friend, Miranda Richardson, Mark Strong, Paul Bettany, Jim Broadbent, Thomas Kretschmann, Harriet Walter
Regie: Jean-Marc Vallée
Drehbuch: Julian Fellows
Musik: Ilan Eshkeri
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: ca. 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Jean-Marc Vallée erzählt in diesem Film die Geschichte einer erwachsen werdenden Victoria (Emily Blunt). Ihre Mutter und deren Berater Sir John Conroy (Mark Strong) sind in das sogenannte Kensington-System verwickelt, mit welchen sich Conroy immer mehr Macht zusichern möchte, indem er Victoria zwingt, zur Thronbesteigung ihn zu ihrem Provatsektär zu machen, sie hält doch stand und wehrt sich vehement. Währenddessen gerät die in den Einfluss vom Premierminister Lord Melbourne (Paul Bettany), lernt jedoch auch Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (Rupert Friend) kennen. Sie fällt in ein neues Leben rein, lernt eine Liebe kennen und macht auch Fehler.
Köngin Victroia wird in diesem Film keinesfalls komplett auf ihre Liebesgeschichte heruntereduziert, denn er behandelt genauso gut auch das Erwachsenwerden und so wird Victoria von einer wundervoll menschlichen Seite gezeigt.

Ich liebe die Bestzung! Als großer Fan von Emily Blunt, Jim Broadbent, Paul Bettany und Mark Strong habe ich mich immer wieder wie ei Keks gefreut. Mark Strong gilt ja mittlerweile als der klassische Bösewicht, auch gerne in Kostümfilmen, und meistert die Rolle nach wie vor grandios.
Übrigens gewann der Film einen Oscar für das Kostümdesign von Sandy Powell, so dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr sagen muss, wie wundervoll bereits die Optik dieses Filmes ist. Das tolle, worüber ich immerzu schmunzeln muss, sind einige Szenen, die Wilton House [A Day out in Salisbury], wo ich im Sommer war, gedreht haben. Das Drehbuch stammt aus der Hand von Julian Fellows, dem wir auch Downton Abbey zu verdanken haben, so dass ich glaube, dass auch DA-Fans sich über ‚The Young Victoria‘ freuen werden.

Ebenfalls amüsant ist es, den Film im Orignalton zu sehen (die Synchro ist allerdings sher gut), weil einige Szenen tatsächlich auf Deutsch gesprochen werden, da Albert ein Deutscher war – was tatsächlich sehr zum Schmunzeln einlädt und bei Rupert Friend recht putzig klingt.

THE VERDICT: Alles in einem ist es ein schöner, herzwärmender Film mit wunderschönen Kostümen und Setting und einer tollen Besetzung, man erfährt ein bisschen mehr über die Königin Victoria, auch wenn sie vielleicht etwas romantisiert dargestellt wird, gefällt mir der Film sehr! Dazu noch ein hörenswerter Spundtrack von Ilan Eshkeri, was soll man noch sagen? Definitiv  8,5 von 10 Sternen!

Love, Katha

Jane Eyre

OT: Jane Eyre
DT: Jane Eyre
Genre: Kostümfilm, Romanze
Cast: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Judi Dench
Regie: Cary Joji Fukunaga
Drehbuch: Moira Buffini
Musik: Dario Marianelli
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: ca. 115 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

„Im Alter von 18 Jahren tritt die unscheinbare und mittellose Jane Eyre (Mia Wasikowska) ihre erste Stelle als Hauslehrerin im geheimnisvollen Schloss Thornfield an. Aufgewachsen als Waisenkind war Janes bisheriges Leben von Entbehrungen und fehlender Liebe geprägt. Umso mehr fühlt sie sich vom Hausherrn Edward Rochester (Michael Fassbender) magisch angezogen. Die furchtlose Direktheit der jungen Frau imponiert dem charismatischen Arbeitgeber und er entdeckt in Jane eine Seelenverwandte. Als Rochester ihr völlig überraschend einen Heiratsantrag macht, scheint das Glück zu sein. Doch am Tag der geplanten Hochzeit nehmen die Dinge plötzlich eine dramatische Wendung“ [Klappentext]

Als jemand, der den Roman nicht gelesen hat, kann ich natürlich nie beurteilen, wie buchgetreu die Verfilmung ist, die Kritiken zum Film und die Meinungen jedoch fallen stark auseinander, ich halte ihn jedoch für gelungen. Wer Zeffirellis Verfilmung von ‚Jane Eyre‘ kennt, wird sich vielleicht mit dieser nicht anfreunden können, ich muss allerdings zustimmen, dass ich sie nichtsdestotrotz schön finde.
Etwas filigraner und zarter würde als Beschreibung ganz gut passen, der Film hat schon etwas leicht wunderliches. Zugegebenermaßen mag ich Mia Wasikowska nur bedingt (und es empfiehlt sich diesen Film der eignen Ohren halber im Originalton zu hören), doch ist sie mit ihrem sehr ruhigen Wesen eine durchaus interessante Besetzung. Unheimlich fand ich zunächst Michael Fassbender, nachdem ich ihn zuvor in „12 Year a Slave“ als letztes gesehen hatte, war ich etwas verstört, doch spielt er auch hier seine Rolle überzeugend (und)mysteriös. Natürlich adelt Judi Dench durch ihre Anwesenheit jeden Film!

Doch besonders bezaubert bin ich von der Filmmusik. Dario Marianelli gehört dank seinen wunderbar zarten, sehr emotionalen aber auch energiegefüllten Kompositionen , wie aus „Stolz & Vorurteil“, „Abbitte“ oder „Agora“ , zu meinen Lieblingsfilmkomponisten. So lohnt es sich definitiv, bereits den Score zu hören, der von Pianosolos und viel Streichermagie geprägt ist, als wolle die Musik das Gefühl eines sehnsüchtigen, gar bedrückten Herzen ausdrücken.
Das Setting so wie die Kostüme sind etwas düster, aber meines Erachtens nach durchaus passend.

THE VERDICT: Eine etwas neuere Version von Jane Eyre, melancholisch und zart mit einem herzzerreißenden Soundtrack, aber keine wirklich tollen Synchronisation. Manchmal fehlte mir die Überzeugungskraft in den starken, sehr emotionalen Szenen, wohingegen die stillen, düsteren und mysteriösen sehr gut gespielt wurden. Deshalb 7 von 10 Sternen.

Love, Katha

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November #14 Faves

Moin Moin!

Es ist tatsächlich unheimlich, wenn ich daran denke, dass der kommende Monat bereits der letzte dieses Jahres seien wird. Auf der anderen Seite ist es auf seine Weise auf erfreulich zu betrachten, dass ich bereits seit über einem halben Jahr schreibe und es mir unfassbaren Spaß macht.

Nun denn, dieser Monat war relativ stressig, Klausuren hier und da, Termine und Ereignisse. Hier eine kleine Auswahl:

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1. After Eight

Ich weiß gar nicht so recht, ob diese Schokolade als Herren oder Omaschokolade gilt, aber es ist mir wurstpiepegal, denn sie ist grandios: Pfefferminzcreme, umgeben von hauchdünner, dunkler Schokolade. Zugegebenerweise etwas (zu) süß, aber richtig lecker!

2. Chanel Nagellack No. 555 „Blue Boy“
Ein leicht gräuliches Blau, etwas einen Sturmhimmel erinnernd – die Farbe ist unfassbar schön, der Preis unfassbar unverschämt. Ich besitze den Nagellack schon ein Weilchen und anders als gewisse Nagellacke von YSL nicht nach 2 Jahren urplötzlich erst solartig wird und dann eintrocknet. Allerdings lohnt es sich nur ihn mit Unterlack (und wahlweise auch Überlack) zu tragen, da die Haltbarkeit nicht so exorbitant ist, wie man es verlangen müsste. Der Witz ist vielmehr, dass ich nicht nur diese grandiose Frage, sondern auch den Namen liebe, da ‚Boy‘, Coco Chanels große Liebe war. Das Packaging ist sehr schön und 13ml eigentlich ganz ordentlich.

3. Jane Eyre DVD

Die Verfilmung des Klassikers von Charlotte Brontë ist recht gelungen! Wunderbarer, leidenschaftliche Musik, hervorragende Schauspieler in den Hauptrollen (Michael Fassbender als Rochester) und eine mysteriöse, zeitlose Geschichte. Die Ausstattung der DVD enthält des weiteren den Audiokommentar, Interviews, Trailer und Making Of. Die vollständige Rezension folgt hier.

4. Paperblanks Micheangelo Handwriting Mini
Ich könnte glatt eine Liebeserklärung an die Paperblanks Notizbücher schreiben, denn ich liebe sie von ganzem Herzen. Dieses kleine, unlinierte bekam ich von einer Freundin vor längerem zum Geburtstag. Was ich besonders an Paperblanks schätze, ist die Qualität: schöne Verarbeitung und gutes (halbwegs umweltfreundliches) Papier. Es gibt verschiedenste Kollektionen, von Manuskriptdesignen (wie dieses) zu floralen Mustern usw. Preiswert sind sie leider nicht, meiner Auffassung nach lohnt es sich für Vielschreiber!

5. Poetry Slam
Dank meiner besten Bloggerfreundin Charlie @ KeineZeitFürLangeweile, sah ich das erste Mal in meinem Leben Live Poetry Slam. Wer in Berlin oder Umgebung wohnt, dem kann ich den Havel Slam bzw. den Potsamer Poetry Slam empfehlen. Wir waren beim Halbfinale der Berlin-Brandenburg-Meisterschaft und bis auf einen fand ich alle grandios, leider kann ich also keine Aussage dazu treffen, wie ’normale‘ Veranstaltungen sind. Es wird aber sehr viel Gelacht, nachgedacht und reflektiert, viele der Texte sind nämlich so grundlegend philosophisch, wie sie urkomisch sind.
Das einzig negative sind die echt überteuerten Getränkepreise und es war so voll, dass wir auf dem Boden des Waschhauses an die Wand gelehnt hocken durften (und mein Hintern tat mir am Folgetag noch immer weh) – natürlich muss man eigentlich nichts sehen, es geht schließlich um das hören, aber bei dem nicht ganz so günstigen Eintritt, wäre zumindest ein Sitzplatz drin gewesen.

Love, Katha