Ein Tag in Straßburg

Oder: erste Eindrücke einer neuen Liebe

Als ich vor einigen Jahren in Paris war, hatte sich ein Eindruck von Frankreich in mir verfestigt, der nicht sonderlich positiv war. Es war heiß gewesen, eng, oft dreckig, laut, die Menschen unfeundlich und alles war einfach zu hektisch und die Stadt der Liebe erschien mir eher grau und statisch, als bezaubernd. Jeher hatte ich Frankreich mit einem negativen Stempel in meinem Gedächtnis dank meiner Paris-Erfahrung gespeichert und war auch wenig interessiert daran gewesen, dies zu ändern.

Seither hatte ich oft von Menschen in meinem Umkreis gehört, dass Paris und der rest von Frankreich zwei Welten sein – ich war allerdings wenig überzeugt, obgleich mir  meine beste Freundin entzückende Bilder aus Südfrankreich schickte. Zugegeben, ich hatte es mir ordentlich bequem gemacht, Frankreich als unschön abzustempeln – ich weiß mittlerweile, was für ein kurzsichtiger Unfug das war.

Ende Dezember bekam ich die Möglichkeit, einen kleinen Ausflug mit einer Freundin nach Straßburg mit zu planen, und kam ich als, es ist kein Scherz, anderer Mensch zurück. Zugegeben, Straßburg ist wohl schon auf Grund des politischen und historischen Hintergrunds sehr europäisch, vielleicht auch, ich möchte vorsichtig mit der Einschätzung sein, geprägt von deutschen Einflüssen, oder sagen wir, alemannischen, und durch die vielen Touristen ziemlich international. Zum Glück ist es aber längst nicht so unerträglich überlaufen wie in Zaanse Schans in Holland, woran ich mich noch mit Grauen erinnere.

Straßburg ist mit seinen alten Gebäuden, den zauberhaften Gassen und den freundlichen Menschen einfach hinreißend und es ist schwer, sich nicht sofort zu verlieben. Ich fand mich plötzlich so entzückt wieder, ich wusste nicht, wohin ich schauen soll, weil ich so verzaubert vom Gesamtbild war: Alles war einfach so hübsch, eine Augenweide für jeden Architekturfan. In gewisser Weise kann ich sagen, dass ich mir Frankreich genauso vorgestellt habe, so charmant, und was mich tatsächlich am meisten berührt hat, war die Atmosphäre, denn genau das war es, was ich in Paris vermisst hatte.

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Ich hatte so einen seltsamen, melancholischen Augenblick, als ich am Nachmittag in einem Café saß, alles um mich herum sprach französisch, ich verstand mangels Sprachkenntnissen kein Wort, draußen zog die Dunkelheit ein und die Straßen tauchten in warmes Licht und an dem Tisch neben uns saß eine hübsche junge Frau, elegant in schwarz gekleidet, mit weichen Zügen und karamellfarbenen Haar, die sich angeregt mit einem leicht ergrauten Mann mittleren Alters unterhielt, der sicherlich ihr Vater war. Beide tranken ihren Tee und aßen Kuchen. Ich weiß nicht, woran es lag, aber diese Szene hätte kaum französischer seien können. Sie erinnerte mich an diese Filme, die ich mit 14 Jahren gesehen hatte und die mir dieses romantisch-elegante an Frankreich vermittelt hatten, was ich nun endlich sah. Es klingt sicher sonderbar, aber ich fand mich so glücklich wieder, mein kleines Paris-Trauma überwunden zu haben.

Ich möchte nicht zu sehr mit Stereotypen spielen, aber diese warme, elegante, in der Zeit verlorene, aber doch so lebendige Atmosphäre war, wie ich stets geglaubt hatte, dass Frankreich sein würde. Nicht dieses schreckliche Paris, wo alles Furchtbare an einem Ort zusammmenkam, groß, voll, dreckig, überlaufen und keinerlei Flair (außer in Montmatre).  Aber irgendwann gebe ich Paris sicher auch noch eine zweite Chance.

Aber ich will schon aufhören, mich endlos in Schwärmereien über die Atmosphäre zu verlieren.

Es war ein windiger und kalter Tag, aber der historische Kern diese Stadt, fern ab von den ganzen, mir verhassten Shoppingstraßen, war Einach zauberhaft. Wir besuchten viele kleine Indie-Läden, einem großen Comic Shop und schauten uns in einem zauberhaften Antiquariat um.
Natürlich wurde, wie man es tut, wenn man im Elsaß ist, Flammkuchen gegessen: Die Freundin, mit der ich da war, teilten und jeweils einen herzhaften und einen süßen Flammkuchen, die hervorragend schmeckten. Straßburg ist zweifellos die Stadt für optischen und kulinarischen Genuss. Es jagt ein süßes Restaurant das andere, man weiß gar nicht, wo man hingehen soll, weil alles so gut aussieht – auch, wenn es etwas auf den Geldbeutel schlägt.

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Straßburg ist die richtige Stadt, um in stundenlangen Spaziergängen verloren zu gehen, im Sommer sicher noch mehr, als bei dem kalten, verschneiten Wetter, das wird Ende Dezember hatten. Man läuft und entdeckt immer mehr verwunschene Gassen, interessante kleine Läden und Cafés und das alles umgeben von einer entzückenden Architektur. Die Stadt hat zweifelsohne einen sehr internationalen Hauch, ohne seinen historischen Charme zu verlieren. Die Menschen, denen wird begegneten, waren sehr offen und freundlich und ich hoffe sehr, dass es mich irgendwann, vielleicht auch für etwas längere Zeit, nach Straßburg oder irgendwo anders im Elsass verschlagen wird, um erneut durch bezaubernde Straßen zu laufen und guten Essen bis zum Umfallen zu genießen.

Leider habe ich es erst nach sage und schreibe drei Monaten geschafft, diesen Beitrag vollständig zu schreiben, dennoch glaube ich, dass eine Reise nach Straßburg einfach zeitlos ist und der zeitliche Abstand deshalb nicht so ausschlaggebend ist.

Wart ihr schon ein Mal in Straßburg? Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare!

Love, Katha

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Mini-Filmreviews: Die Dunkelste Stunde / Der Seidene Faden / Die Verlegerin

Moinsen!

Wie auch in den letzten Jahren, war ich in den ersten paar Monaten des Jahres für meine Verhältnisse viel im Kino, drei Mal um genau zu sein. Ob es am Oscar-Wahnsinn liegt oder ob Januar bis März einfach die perfekten Monate sind für das Erscheinen von guten Filmen, weiß ich nicht, feststeht, dass mir alle so gut gefallen haben und mich – wie ein Freund von mir stets zu sagen pflegt – nachhaltigt beeindruckt haben, dass ich beschlossen habe, aus meiner filmischen Rezensionsversenkung auftauchen und ein paar Worte zu den Filmen „Die Dunkelste Stunde“, „Der Seidene Faden“ und „Die Verlegerin“ zu verlieren. Mir ist in letzter Zeit überhaupt nicht mehr nach langen und ausführlichen Filmrezensionen mit Inhaltsangaben und dem ganzen großen Drumrum, deshalb werde ich ohne großes Herumgerede in meine Eindrücke eintauchen. Wer an weiterem interessiert ist, dem habe ich den englischsprachigen Trailer verlinkt. Bis auf den „Seidenen Faden“ habe ich die beiden anderen Filme im englischsprachigen Original gesehen, was ich jedem, der interessiert ist, auch ans Herz legen möchte, besonders bei „Die Dunkelste Stunde“ – aber genug von dem Geplauder.
Die Reihenfolge ergibt sich aus der Reihenfolge, wie ich im Kino war.

P.S. Außerdem habe ich beschlossen, weil ich einfach auf kein vernünftiges Maß kommen konnte, bei diesen Kurzrezensionen eine Sterneberwertung wegzulassen, weil sie mir wirklich alle gut gefallen haben, aber auf so unterschiedlichen Ebenen und Arten, dass ich es einfach für ungerecht halte, sie auf ein vergleichbares Maß herunterzureduzieren.

Die Dunkelste Stunde

DT: Die Dunkleste Stunde
OT: Darkest Hour
Cast: Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Lily James
Regie: Joe Wright
FSK: ab 6 Jahren

„Die dunkelste Stunde“ ist ein hervorragender Film, der besonders durch subtile Details in einem großen Portrait-Komplex um Winston Churchill, besticht.
Zweifellos lässt sich sagen, dass Gary Oldman bis zur Unkenntlichkeit verwandelt wurde, das Kronjuwel dieses Filmes ist und ihn so sehenswert macht. Die Stunden von Make-Up und Kostümierung, die dieser Mann verbracht hat, haben sich ausgezahlt: Er brilliert als Churchill, macht eine Legende menschlich und vermittelt ebenso Nähe zu der historischen Figur – umso glücklicher bin ich, dass diese außerordentliche Darstellung mit einem Oscar belohnt wurde. Untermalt wird dieser mitreißende Film durch eine dramatische Kameraführung und einem Lichtspiel, das ich sehr genossen habe und einem guten Soundtrack Dario Marianellis, der wieder beweist, dass seine Zusammenarbeit mit Joe Wright einfach brilliant ist.

Oft scheint mir Churchill in Filmen und Serien wie „The Crown“ oder „The King’s Speech“ wie der unantastbare, cholerische fette alte Mann dargestellt zu werden, der zufällig in der Rolle eines mächtigen Politikers steckt. Ich will damit nicht sagen, dass die Portraiterung Chruchills in den genannten Verfilmungen schlecht ist, keineswegs. Jedoch wirkt er bei „Darkest Hour“ einem so nah: man wird vertraut mit seinen Macken, seinem Innenleben, seinen schlechten Seiten und seiner genialen Rhetorik. Es ist ein langsames Eintauchen in das Portrait eines wichtigen Mannes in einer brisanten Zeit.

Ich kann nicht bestreiten, dass der Filmie sehr pathetische Momente hat. Ohne Spoilern zu wollen, möchte ich sagen, dass der Moment in der U-Bahn mir schon unangenehm kitischig war, wenn gleich es auch bewegend gemeint war, konnte ich es im Gesamtbild nicht ernstnehmen. Allerdings ist dieses Pathetische, wie er im dimmen Licht des Parlaments seine Rede vorträgt, meist ansteckend. Natürlich ist dieses Portrait von diesem heroischen Hauch gefärbt, ich glaube, es wäre höchst deprimierend im Kontext des 2. Weltkrieges und in dem des grausamen, menschlichen Verbrechens und der Verzweiflung, einen Film mit einem unpathetischen Ton zu drehen. Gerade durch die Mischung  aus Verehrung, aber auch Aspekten der Kritik, ehrt dieser Film Churchill auf eine schöne und menschliche Art und Weise. Meines Erachtens nach ist da eine Brise Pathos nur die angebrachte Menge Salz in einer guten Suppe!

Der Seidene Faden

DT: Der Seidene Faden
OT: Phantom Thread
Cast: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville
Regie: Paul Thomas Anderson
FSK: ab 6 Jahren

Grund gütiger, was habe ich unter der unterschwelligen (An)spannung dieses Filmes gelitten: So subtil und so böse arbeitet die Emotionalität dieses optischen Meisterwerks. Der Film ist anders, als alles, was ich bisher gesehen habe, er ist ruhig und elegant, er bedarf keines großen Handlungsrahmens, keiner dramatischen Sexualität oder kitschigen Liebe, nur zwei großartigen Hauptfiguren und einem Soundtrack der in seiner Wucht unter die Haut geht –  denn die Handlung spielt mit leisen Tönen, die Melodien jedoch mit lauten, dramatischen Quellen. Dieser Film ist unfassbar reichhaltig und ich glaube, wenn man ihn nur ein Mal gesehen hat, dass man nur ein grobes Verständnis entwicktelt hat. Für meinen Geschmack war er ein wenig langatmig, gleichzeitig dünkt mir, dass auch diese langsame Art den Film erst zu dem macht, was er ist.

Eine kleine Anekdote dazu: Bereits als ich im Kino war, diskutierte ich mit Charlie darüber, wie interessant die Stimme von Alma (Vicky Krieps) sei und dass es schade sei, dass wir die deutsche Fassung gesehen hätten, denn ihre Stimme sei so markant und merkwürdig ruhig, da könne das englische Original nur noch beeindruckender sein – entsprechend habe ich mir zu Hause den englischen Trailer angesehen und festgestellt, dass die deutsche Synchronisation der englischen unfassbar glich, was mich dazu veranlasste, dem auf die Spur zu gehen, um festzustellen, dass Vicky Krieps die deutsche Synchronisation übernommen hat. Ihre Stimme bleibt einfach hängen. (Daran, das ich das nicht wusste, erkennt man, wie selten ich deutsches Fernsehen sehe)

Ferner muss ich sagen, dass  durch die Kameraführung die unheimliche Stimmung dieses Films hervorragend zur Geltung kommt. Alles in einem ist der Film optisch durch Kameraführung, durch Close-Ups, durch die Kostüme, die Kulisse und den genialen Soundtrack  und selbstverständlich den zwei so einzigartigen und authentischen Hauptdarstellern sowie der weiblichen Nebendarstellerin einfach nur elegant und vollendet. Es ist ein klaustrophobischer, berührender, schauerliche Film über – ich weiß es auch nicht: Liebe? Mode? Bessenheit? Es ist ein merkwürdiges Meisterwerk, welches ich nur empfehlen kann – allerdings mit der Einschränkung, dass man diese Art des kunstvollen, langsam entwickelnden Film mit viel Fokus auf die Figurenentwicklung mögen muss, denn sonst glaube ich, kann der „Seidene Faden“ nicht seine volle Wirkung entfalten.

Die Verlegerin

DT: Die Verlegerin
OT: The Post
Cast: Tom Hanks, Meryl Streep, Bruce Greenwood
Regie: Steven Spielberg
FSK: ab 6 Jahren

Im Gegensatz zum „Seidenen Faden“ der sich auf einer künstlerischen Sphäre befindet, die anfangs schwer zu begreifen ist, ist „Die Verlegerin“ ein direkter, spannender Journalismusfilm, so wie man ihn sich erwünscht. Leicht zugänglich, brilliant gespielt, ein wenig Humor, ein wenig Zynismus, viel Ernst und Politisierung – ich würde sagen, ein Klassiker dieses Genres, der gleichzeitig auch ein wunderbares Portrait der Verlegerin Katharine Graham zeigt. Bei diesem Film handelte es sich bei mir eher weniger um ein Portrait mit Pathos (wie bei der dunkelsten Stunde) oder abstrakter Kunst (wie beim seidenen Faden), sondern eine politischen und niveauvollen Varianten des spannenden und gut gemachten Filmes, in welchen man gerne Abends reingeht, historisch ein bisschen was dazulernt und mitfiebert. Ich möchte nicht den degradierenden Begriff des Popcorn-Kinos verwenden, denn dafür ist dieser Film alle mal zu gut, aber ich möchte zum Ausdruck bringen, dass „Die Verlegerin“ gut und niveauvolle Unterhaltung mit der guten und angenehmen Prise Hollywood und amerikanischem Freiheitspatrotismus ist.

Ich muss außerdem zugeben, dass ich einfach ungemein gern Filme mit Tom Hanks sehe und es stets eine Freude ist, ihn in dieser Art Rolle zu sehen, wo er den ambitionierten, verbissenen, aber auch fehlerhaften Typen mit Intelligenz und Humor spielt.

Insgesamt muss man sagen, dass es einfach ein gut gemachtes, spannendes Historiendrama von Spielberg mit gutem Williams Soundtrack und zwei Juwelen Hollywoods – man kann wirklich mit einem Auflauf von Stars in einem sehr soliden Film sprechen.

Habt ihr einen dieser Filme gesehen oder vor zu sehen? Und ist das Format der Minireviews zugänglich oder sollte ich lieber wieder kleine einzelne Rezensionen schreiben? Ich freue mich wie immer über Kommentare und Feedback!

Love, Katha

Winter Faves 2017/18

Moinsen!

Nach einer dreimonatigen Pause dank des stressigen Wintersemesters, wurde es für mich wieder Zeit, einen kleinen Rückblick auf meine Favoriten der Monate Dezember, Januar und Februar zu werfen, denn besonders Lese- und Kinotechnisch waren zwei großartige Dinge dabei.
Unitechnisch waren es  leider eine sehr stressige Zeiten, was ich leider noch immer an anhalten Rückschmerzen spüre und einer dauerhaften Übermüdung, die sich über die Zeit eingeschlichen hat. Aber zu meiner Erfahrung, wie es ist, zum zweiten Mal im ersten Semester zu sein, werde ich in einem anderen Beitrag kommen, in welchem ich hoffe, meine Erfahrung für zukünftige oder auch jetzige Studierende in Form von hilfreichen Ratschläge zu formulieren.

Favoriten

1. Paperblanks Kalender im Verso Format
Wie bereits in meinem Uni-Taschen-Beitrag erwähnt, liebe ich die Paperblanks Kalender schon lange, habe jedoch im Laufe des letzten Semesters festgestellt, dass ein anderes Format wohl möglich praktischer wäre für die Art, wie ich meinen Kalender zu nutzen gedenke, und bin deshalb, nachdem ich seit 3 Jahren das Horizontale Wochenformat genutzt habe, auf das Verso Format umgestiegen. Man darf sich es folgendermaßen vorstellen: die Woche ist horizontal auf der linken Seite dargestellt und rechten findet sich Platz für Notizen. Aktuell zeigt sich, dass dieses Design wirklich besser für mich funktioniert, da ich meine (meist langfristigen) Hausaufgaben als Überblick auf der Notizenseite unterbringen kann, während sich meine Termine auf der linken Seite wiederfinden – eine einfache, übersichtliche Trennung.

2. Jeanne En Provance Shower Gel
Ein angenehmes Öl-Duschgel, welches für mich ideal war, da die ganzen anderen Normalen meine ohnehin trockene, aber jetzt von der Heizungsluft belastete Haut, angegriffen haben. Außerdem ist der Duft sehr leicht und frisch.

3. Filmhighlight: Der Seine Faden
Grund gütiger, was habe ich unter der unterschwelligen (An)spannung dieses Filmes gelitten: So subtil und so böse wirkt die Emotionalität dieses optischen Meisterwerks. Der Film ist anders als was ich je gesehen habe, er ist ruhig und mindestens so elegant wie die zu sehenden Kostüme, er bedarf keinem großen Handlungsrahmens, keiner dramatischen Sexualität oder kitschigen Liebe, nur zwei großartigen Hauptfiguren und einem Soundtrack der in seiner Wucht unter die Haut geht. Es gibt diese unterschwellige Erotik, ohne, dass man sie sieht, das Machtspiel, ohne dass es direkt ausgesprochen wird oder eindeutig gezeigt. Die Geschichte des Modedesigners Woodcock und seiner Lebensgefärtin spielt mit leisen Tönen, die Melodien mit lauten, dramatischen. „Der Seidene Faden“ ist reichhaltig an Eindrücken, wenn auch meinen Geschmack ein wenig langatmig, da sich alles ein wenig hinzieht.  Ich glaube mit Sicherheit behaupten zu können, dass ich nicht alles ins Detail verstanden habe, sondern erst am Ende in der Abrundung für mich alles zusammenkam. Dieser Film ist wie ein komplexes, abstraktes Kunstwerk: Von ganz eigenem Schönheitsgrad und unfassbar schwer in Worte zu fassen, als mit dem Ausdruck des positiven Entsetzens (ohne, dass ich sagen kann, was mich so schockiert hat). Ich kann nur empfehlen, ins Kino zu gehen und sich selbst Eindrücke zu machen.

4. Lesehighlight: Ruta Sepetys: Salt To The Sea
Selten hat mich ein Buch emotional derart mitgenommen, dass ich es für einige Zeit  zur Seite legen musste, obwohl es so unerträglich spannend war, um die ganze Geschichte zu verarbeiten und auf mich wirken zu lassen. Sepetys historischer Jugendroman ist weitaus mehr, als die tragische Geschichte der Wilhelm Gustloff. Sie Erzähl das Schicksal mehrerer Jugendlicher und junger Erwachsener, wie sie sich durch den kalten Winter 1945 kämpfen und wie sie die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges zeichnet.
Sepetys hat einen vergleichsweise schlichten, ja, einfachen und klar verständlichen Schreibstil, so dass sich das Lesen des englischen Originals lohnt. Es ist, als wäre jede Schörkelhaftigkeit bei der Darstellung dieses brutalen Kriegsgeschehens unangemessen. Gerade diese direkte Weise fördert die direkte Verbindung zum Lesen und die Emotionalität sticht mit aller Grausamkeit sofort ins Herz. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die ich nur empfehlen kann.

5. Spotify Premium
Irgendwann im Laufe des Semesters, hat mich die Werbung auf meinem kostenlosen Spotify Account wirklich genervt und da Spotfiy, wie die letzten Jahre zuvor, auch Werbung für das Angebot 3 Monate Premium für 0.99 € zu kaufen, entschloss ich mich, es endlich wahrzunehmen. Zudem hatte ich ein neues Smartphone zu Weihnachten bekommen (ebenfalls auf dem Bild zu sehen), das im Gegensatz zu meinem alten Vorgängerschrottteil auch Premium benutzen könnte, ohne ständig abzustürzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits seit 3 Jahren ein Spofity Konto und war bereits ein großer Fan der riesigen Musikauswahl (auch wenn ich manchmal, was Soundtracks betrifft, auf Grenzen stieß). Nach wie vor finde ich, dass auf dem Laptop die kostenlose Version definitiv ausreicht, auch wenn die Werbung,  besonders wenn man sich gerade auf die Uni konzentriert möchte, nervt. Aber auf dem Handy taugt die kostenlose Version nichts, im Gegensatz zur PC-Version kann man nicht alle Funktionen (bis auf das kostenpflichtige offline Hören) benutzen, sondern kann auch nur  mit dem Shuffle-Modus Songs hören, d.h. nicht einmal das, was man eigentlich hören möchte. Unter dem Strich kann ich  nach fast 3 Monaten Nutzung sagen, dass sich das Abo für mich wirklich auszahlt, ich nutze Spotify so gut wie täglich mehrere Stunden, meist im Hintergrund zum Lernen oder Arbeiten. Außerdem ist es sehr schön, endlich wieder unterwegs Musik hören zu können dank der Offline-Version. Insofern bin ich mir sehr sicher, dass ich auf ein kostenpflichtiges Studenten-Premium-Abo umsteigen werde, da sich Spotify für mich lohnt, weil praktisch ständig Musik höre.

6. Premium Heiße Schokolade von Whittard of Chelsea
Nachdem ich mich während meines ersten London Aufenthalts (2012!)in die britische Teemarke Whittard Of Chelsea verliebt habe, entdeckte ich diesen Winter ihre Variationen von köstlichen, heißen Schokoladen für mich, die ich von Herzen empfehlen kann. Eine Tasse, am besten mit Minimarshmellows, kann man zweifelsohne als halbe Mahlzeit werten.

7. Uniqlo Heat Tech Hose
Es passiert eigentlich nie, dass ich ein Kleidungsstück zwei Mal kaufe, aber diese Hose hat mich so begeistert, dass ich sie sowohl in dunkelgrün (die Farbe kommt leider nicht gut durch auf dem Bild) als auch in schwarz habe. Es ist schwer diese Hose zu beschreiben: Sie ist ein Mittelding aus Leggings und Hose, die Innen leichtes, flauschiges Material hat, ohne wie eine Leggings auszusehen – allein der Gummibund würde sie verraten. Meines Wissens nach kommen sie sogar noch in mehr Farben, aber die dunkelgrüne Variante ist genau perfekt für mich und ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Winter ohne die Eisröhren (aka Jeans) ausgekommen bin.

8. Heiße Schokolade Caramel-Salz von Whittard von Chelsea
Ich konnte mich nicht entscheiden, weil ich beide Schokoladen viel getrunken habe diesen Winter, deshalb erwähne ich beide.

9. Doc Martens Pascal Virginia
Ich wollte sie schon seit Jahren haben, aber als ich sie dann Ende November letzten Jahres endlich mein eigen nennen durfte, fing der eigentliche Kampf erst an – die Schuhe einzulaufen ist leider kein Vergnügen. Aber wenn so viele diese Schuhe haben, dann muss es schließlich möglich sein. Obwohl das Virginia Leder ein weiches Nappa Leder ist, im Gegensatz zu dem eher steiferen Brush-Leder, welches man an den allermeisten Docs sieht, habe ich echt eine Weile gebraucht, dass das Tragen dieser Schuhe erträglich wurde. Ich hielt mich schließlich an den Rat einer Freundin: immer wieder für ein paar Stunden auf die Straße damit, am besten mit zwei Paar Socken und die Hacken immer schön provisorisch mit Flaster abkleben. Nach einigen Wochen war schließlich Frieden zwischen den Stiefeln und meinen Füßen! Jetzt kann ich sie guten Gewissens lieben und trage sie fast ausschließlich. Jedoch sind es relativ schwere Schuhe, weshalb ich gemerkt habe, dass es sinnvoll ist, andere zwischendurch zu tragen, damit meine Füße Abwechslung bekommen. Wenn es wirklich kalt wird, trage ich meine gefütterten Winterstiefel, aber mit einem dicken paar Socken kann man diese Schuhe bis zwei Grad problemlos tragen, danach wird es jedoch ein bisschen (zu) frisch an den Füßen.

Musikalische Highlights

Ich glaube, meine Lieblinge der letzten drei Monate repräsentieren ganz gut, wie vielfältig und durchmischt mein Musikgeschmack manchmal sein kann: Von New Age Klassik, über Chansons und Soundtrack, zu elektronischer Musik und gut gelaunten deutschen Indie ist alles dabei. Ich habe außerdem auf Empfehlung eines Freundes von mir in die Musik von Boby Dylan reingehört (ich kannte ihn selbstverständlich auch schon früher, hatte ihn allerdings nie bewusst gehört) und fand ich positiv überrascht zurück, in dem ich ständig Songs von ihm rauf und runterhörte.  Ich habe außerdem versucht, indem ich auch mehr deutschsprachige Musik gehört habe, mal aus meiner trauriger-Indie-Klassik-Soundtrack-Jazz-Schublade herauszukommen, und Neues zu entdecken.

Was waren eure musikalischen Highlights und welche Dinge haben euch in letzter Zeit begeistert? Ich freue mich wie immer auf Rückmeldung.

Love, Katha

[Unileben #1] Was ist in meiner Uni Tasche? + Kanken Review

Moinsen!

Den ersten Beitrag zu meiner Uni-Leben-Reihe auf meinem Blog möchte ich dem Innenleben meines treuen Begleiters des Wintersemesters 2017/18 widmen – pünktlich zum Beginn der Semesterferien kann ich nun endlich mit Ruhe und Gelassenheit hier schreiben. Dadurch, dass ich immer ein kleines Weilchen zu meiner Uni pendeln muss und außerdem oft morgens bis abends dort bin, musste ich anfangen, anders zu packen, damit mein Rücken nicht noch mehr leidet, als ohnehin. Zum einen war wichtig, festzustellen, was das Minimum an Dingen, die ich brauchte, sein würde, vor allem Dinge, die ich im Zweifelsfall immer bei haben möchte. Natürlich, wenn die Uni in der Innenstadt ist, sind Supermärkte und Drogerien in der unmittelbaren Nähe, um schnell was zu besorgen, aber es ist immer gut, auf einen spontanen Einsatz von Kopfschmerzen, Blasenpfastergebrauch und ähnliches vorbereitet zu sein. Deshalb habe ich beschlossen, für diesen Beitrag meine Rucksack für einen langen (und kalten) Unitag zu packen und darüber zu schreiben.

Ich habe zunehmend den Eindruck, zu Studieren bedeutet auch zu lernen, seine Zeit gut einzuteilen und zu nutzen. Was heißt, dass manchmal die einzige Entspannung die man bekommen wird, diese 20 Minuten in der Regionalbahn sind . Ich genieße es, einfach mit Musik in den Ohren zu haben und aus dem Fenster zu schauen oder ein bisschen zu lesen.

Außerdem möchte ich im zweiten Teil meines Beitrages ein bisschen über meinen Rucksack selbst schreiben – diesen beliebten Hipsterrucksack sieht man überall auf den Berline Straßen und vermehrt auf meinem Campus – nach anfänglicher Scheu, ob ich ihn wirklich mögen würde, bin ich bisher zu einem positiven Urteil gekommen.

Was ist in meinem Rucksack?

1. Lektüre
Ob es meine freiwillige „Privatlektüre“, Auszüge für bestimmte Kurse, oder aber ein großer Schinken, den ich für das Semester lesen muss, ist: eine Tasche, in der kein Buch ist, fühlt sich einfach falsch an. Ich versuche allerdings, dicke Taschenbücher und schwere Hardcover zu Hause zu lassen und für Unterwegs etwas dünnere Bücher zu nehmen. Es ist schön, eine Bahnfahrt zum Lesen zu nutzen, obwohl ich meistens tatsächlich einfach nur müde aus dem Fenster schaue.

2. Reclam Univeral Kulturtasche gefüllt + Schloss
Da ich nur noch mit einem Rucksack in die Uni gehe und meine übersichtliche Umhängetasche bis auf weiteres für weniger gepäcklastige Ausflüge verwende, wollte ich nicht, dass Wertsachen wie mein Schlüssel oder aber auch mein geliebter roter Lippenstift  in meinem Rucksack herumfliegen und ich ewig danach suchen muss – was besonders unangenehm ist, wenn man etwas spontan braucht. Mein persönliches Horrorszenario ist, dass ich zum Bus renne, mein Semesterticket in den Untiefen meines Rucksackes nicht finde, und das Bus genau dann wegfährt, wenn ich es gezückt habe – was mir auch schon passiert ist. Als ich diese süße Kulturtasche bei Dussmann durch Zufall entdeckte, wusste ich, dass genau dieses Problem sich dadurch lösen würde – und noch besser, durch das leuchtende Gelb findet man sie auch schnell in meinem Kanken.

3. Laptoptasche mit Laptop (ggf. Aufladekabel)
Seitdem ich dieses Semester angefangen habe, mit Laptop zu studieren, kann ich es mir kaum ohne vorstellen. Ich nehme mein heißgeliebtes Lenovo Yoga keineswegs jeden Tag zur Uni, aber wenn ich weiß, dass ich das Gerät für einen bestimmten Kurs brauchen werde, später für ein paar Stunden in die Bibliothek gehen will, oder einfach in der Bahn auf dem Hin- und Rückweg an einer Abgabe arbeiten werde, ist es sehr praktisch, dieses handliche Gerät einzustecken. Dank der guten Akkuleistung muss ich, wenn ich mit vollem Akk das Haus verlassen, auch nicht das schwere Netzteil mitnehmen. Ich finde keineswegs, dass man ich meinen Laptop jeden Tag und immer benötigte, vor allem weil ich noch viel analog mache, aber ich sehe auch ein, weshalb ein leichter, handlicher Laptop einem einiges erleichtert und man deutlich mobiler ist. Meine aktuelle Lieblingsfuntkion ist, auf Microsoft Note mit der Tablet-Funktion und dem Lenovo-Stift elektronisch handschriftliche Notizen zu machen – das Schriftbild ist noch sehr wackelig, aber es macht Spaß und ist sehr praktisch.

4. Kopfhörer
Egal, ob man in der Bibliothek das endlose Klackern und Knistern seiner Kommilitonen einfach nicht hören will, oder ein guter Beat beim Lernen hilft, meine Kopfhörer sind für mich mein heiliger Gral.

5. Desinfektionsmittel
Sicher ist sicher, besonders wenn man seine Stulle essen will und keine Möglichkeit zum Händewaschen ist, finde ich es gut, einfach welches dabei zu haben.

6. Schal
Es gibt diese Räume, in denen es einfach immer verdammt kalt ist – leider sehr viele Räume in meiner Uni. Ob ich meinen Schal auf den Stuhl lege oder um meinen Hals, wenn es nicht gerade tiefster Winter ist (wo man sowieso einen Schal trägt) oder Hochsommer, finde ich es sinnvoll, einen Schal einfach sicherheitshalber mitzubringen. Den ganzen Tag frierend zu verbringen ist wirklich nur deprimierend.

7. Getränk

8. Heft / Notizblock
Ich arbeite sehr gerne analog, mir ist, als könnte ich einfach besser mitdenken, wenn ich handschriftlich schreibe, deshalb lerne ich gerne so, dass ich meine Notizen aus der Vorlesung später handschriftlich sauber überarbeite. Leider ist es meistens sehr zeitaufwendig  und bisher habe ich noch keine gute Alternative gefunden, aber momentan ist es die beste Lernmethode für mich.

9. Smartphone

10. Federtasche + Nagelfeile
Ich gehöre zu diesen glücklichen Menschen, denen irgendwann Mitten am Tag eventuell ein Nagel einreißen wird und den es ganz schön irre macht, daran nicht rumzufummeln. Deshalb habe ich (eigentlich schon seit Schulzeiten ) immer meine Nagelfeile für den Fall in meiner Federtasche.

11. Regenschirm
Oder wirklich gewissenhaft auf seine Wetterapp gucken.

12. Bib-Tasche
Das Grimm Zentrum der Humboldt Universität hat diese Regelung, dass man seine Gegenstände, wie Laptop, Hefte, Wasserflasche etc. entweder ohne Tasche ins Gebäude bringen muss (und dabei riskiert, dass einem alles herunterfällt) oder in einer durchsichtigen Tasche. Während es letztes Jahr noch direkt am Eingang gratis Plastiktüten gab, ist dies nun komplett verschwunden. Wer noch seine hat, kann sich glücklich schätzen, aber aus umwelttechnischen Gründen (was ich auch befürworte) gibt es nur noch diese Tasche zur Wahl. Sie ist auch weitaus größer, als die alte Plastiktüte und nach einem kurzen Augenblick des ästhetischen Bedenkens, habe ich mir diese Bib-Tasche für einen stolzen Preis von 4,90 Euro gekauft. Sie ist unglaublich praktisch und geräumig, das muss man ihr lassen.

13. Snackriegel
Für den kleinen Hunger zwischendurch.

14. Taschentücher

15. Kalender
Was wäre ich ohne mein analoges Gedächtnis? Abgabefristen, Pläne für das Semester, Hausaufgaben, Kritzeleien und Notizen finden in meinem geliebten Paperblanks-Kalender ihr zu Hause. Ich bin jetzt, nachdem ich seit 3 Jahren das Horizontale Wochenformat genutzt habe (was für die Schule ideal war) auf das Verso-Format umgestiegen (die Woche horizontal auf der linken Seite, auf der rechten Platz für Notizen) und mein Eindruck ist, dass es besser für die (meist langfristigen) Hausaufgaben als Überblick auf der Notizenseite und meine Termine auf der linke Terminseite funktioniert – es gibt einfach diese übersichtliche Trennung.

Kanken Review

Sehr viele haben ihn: diesen kleinen, unscheinbaren quadratischen Freund auf dem Rücken. Der Jutebeuteltrend hat sich langsam wirklich abgenutzt und man sieht sehr viele Leute mit sportlichen Rucksäcken oder einer etwas eleganteren Hipstervariante davon. (Obwohl ich fast schon fürchte, die nächste Trendwelle, vielleicht ja von durchsichtigen Taschen, kommt bald). Oder natürlich der grässlichen, aber sehr geräumigen Bib-Tüte.
Ich bin generell sehr skeptisch was Gegenstände, die sehr viele Leute haben, betrifft. Es ist fast schon ein bisschen so, als sein mir Außenseiterprodukte ein bisschen lieber, und dennoch muss ich zugeben, dass ich meinen Kanken liebgewonnen habe, obwohl ich gelegentlich schmunzeln muss, dass ihn so viele haben. Besonders schlimm wird es, wenn man mit Kanken und Doc Martens Schuhen durch die Uni stiefelt – da erfülle ich mit meinen gefärbten Haaren und dem obligatorischen Piercing (auch wenn es kein Helix oder ein Septum ist) wirklich ein Klischee. Aber man muss auch über sich selbst lachen können und wie ich gelernt habe, ist kein bisschen etwas schlimmes daran, etwas zu mögen, dass auch vielen anderen gefällt.

Zugegebenermaßen, ich habe Rucksäcke stets gehasst, sie passten nicht zu mir und versauten jedes Outfit durch diese Portion Outdoor, die ich an anderen super finde, aber mir nicht steht. Rucksäcke erinnerten mich an diesen potthässlichen kakifarbenen Ranzen, den ich in der Grundschule hatte und mit dem ich mich wirklich sehr uncool gefühlt habe. Ich glaube, ich war schon immer ein Umhängetaschentyp, vor allem weil ich sie als viel handlicher empfinde: kein Gewühle, kein ekliger Schweiß im Sommer am Rücken und wie gesagt, nicht dieses mir verhasste Outdoor-Aussehen.

Jedenfalls bekam ich meinen Kanken pünktlich zum Unistart von meinen Eltern geschenkt. Sie sagten mir, dass ich auf jeden Fall einen Rucksack bräuchte, wo ich permanent über Rückenschmerzen klagte, und ich entschied mich für einen Kanken: Mittlerweile hat sich meine Hassliebe Kaki beruigt und ich entschied mich für eine Art graues Tarngrün mit hübschen roten Elementen. Dieses kleine Ding ist aus sehr leichtem Material und macht zunächst einen höchst unspektakulären Eindruck, in gewisserweise macht ihn dieses unspektakuläre aber auch sympathisch. Ich will ehrlich sein, für das, was er auf den ersten Blick ist, ist der Preis von gut 90 Euro absolut lächerlich übertrieben. Ich will nicht lügen, ich finde ihn auch nach längerem Gebrauch immer noch überteuert und verstehe nicht, wie sich dieser Preis ergibt, aber ich finde auch, dass er für mich wertvoll geworden ist und man naja, es schlucken kann, wenn man unbedingt möchte, dass er nicht preiswert ist.

Für anspruchsvolle RucksackträgerInnen ist der Kanken sicher nichts, er hat keine besonders guten Träger, keine atmungsaktiven Elemente und die Polsterung für den Rücken ist auch nicht vorhanden, außer man lässt, wie ich, die Schaumstoffmatte, die mit dem Rucksack kommt, am Rückenbereich.

Der Kanken ist jedoch wirklich praktisch und sehr handlich (besonders durch diesen Griff). Es ist unfassbar, was da alles in dieses unscheinbare Ding passt. Ergänzend habe ich natürlich meine Bib-Tüte dabei, aber dadurch, dass er aus unheimlich leichtem Material besteht, welches bisher kleinere Schauer auch gut überstanden hat, dankt mir mein Rücken den Umstieg von der Umhängetasche auf den Rucksack. Wenn ich ehrlich bin, gibt der Rucksack allein durch sein Füllungsvermögen viel mehr Freiheit: ich brauche mir nicht so sehr strategisch den Kopf zu zerbrechen, was ich mitnehme, denn meistens geht es vom Gewicht noch immer gut klar und Platz habe ich sowieso. Ich liebe meine Cambridge Satchel nach wie vor, aber für einen langen Tag an der Uni brauche ich allein aus Platzgründen den Kanken.

Ich habe also ein ambivalentes Verhältnis zu meinem Rucksack: Einerseits liebe ich ihn für die Leichtigkeit, sein Fassungsvermögen und sein putzig quadratisches Aussehen. Andererseits ist er vom Preis-Leistungsverhältnis einfach nur lächerlich überteuert und es wäre schön, wenn er eine echte Rückenpolsterung hätte. Deshalb fällt es mir schwer, so sehr ich ihn eigentlich auch als täglichen Kameraden schätze, mit entladener Begeisterung davon zu schwärmen, weil er einfach Nachteile hat. Als Stadt- und Hipsterucksack ist er dennoch zum empfehlen, wenn man ein Auge zu drücken kann.

Love, Katha

Lied der Weite

Autor: Kent Haruf
OT: Plainsong
DT: Lied der Weite
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (US)
Verlag: Diogenes
Preis: 24 Euro
ISBN: 978-3-257-07017-0
Länge: 384

Victoria ist siebzehn, als sie plötzlich schwanger wird und ihre Mutter sie aus Zorn vor die Tür setzt. Verzweifelt wendet sie sich an ihre Lehrerin Maggie, bei der sie eine Zeit lang wohnt, sich jedoch schnell Konflikte herauskristallisieren, weshalb Maggie versucht, die McPheron Brüder zu überreden, dass sie Victoria aufnehmen. Unterdessen bahnen sich beim Lehrer Guthrie ebenfalls Probleme an, als seine Frau ihn und ihre zwei Söhne verlässt.

Im Grunde genommen gibt es zwei Stränge: Den von der schwangeren Victoria und den von Guthrie uns seinen Söhnen, letzterer konnte mich leider nicht wirklich packen, zwar war der Konflikt sehr emotional, doch oft wirkten die Ausschnitte aus ihrem Leben eher abgehackt und vermittelten nicht sehr stark das Gefühl von Tiefe. Ich wusste nicht genau, was ich mit der Geschichte anfangen konnte, weil mir die Figuren keineswegs zusagten und es auch keine wirkliche Entwicklung gab, im Gegensatz zu Victoria und den McPheron Brüdern, die mir schnell ans Herz wuchsen.

Nachdem mich  „Unsere Seelen bei Nacht“ unglaublich begeistert und berührt hatte, freute ich mich natürlich zu sehen, dass es einen weiteren ins Deutsche übersetzten Roman Harufs geben würde. Ich möchte „Lied der Weite“ nicht unbedingt mit dem Vorgängerroman vergleichen, weil es sich nicht nur in der Figurenkonstellation und dem Inhalt, sondern auch vom allgemeinen Gefühl erheblich unterscheidet. Insofern ist es generell schwierig zu sagen, ob die beiden überhaupt vergleichbar sind. Allerdings kann ich sagen, um es vorwegzunehmen, dass mir Roman „Unsere Seelen bei Nacht“ im Gesamtbild besser gefallen hat.

„Lied der Weite“ ist ein ruhiger und bewegender Roman, mit leisen Tönen und einer manchmal drückenden Stimmung, wobei sich die Geschichte langsam nach und nach entfaltet. Insofern muss man mit dem Buch auch etwas geduldig sein, manchmal gibt es sicher lustige und spannendere Stellen, aber es geht meiner Meinung nach mehr um diese scheinheilige Kleinstadtidylle als Portrait, die Haruf hervorragend einfangen kann. Manchmal war ich mir jedoch nicht sicher, ob es melancholisch oder etwas langatmig ist. Man muss diesen speziellen Schreibstil Harufs mögen, sonst wird diese ruhige Art von Roman einem wohl nicht zusagen. Außerdem verwendet er, wie bereits in seinem  „Unsere Seelen bei Nacht“ bei wörtlicher Rede keine Anführungszeichen, was alles ineinander verwischen lässt, wie bei einem impressionistischen Gemälde. Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich es als Stilmittel manchmal gelungen und an anderen Stellen für Verwirrung stiftend empfinde. Zweifelsohne ist es gewöhnungsbedürftig und ich muss zugeben, ich präferiere wörtliche Rede mit Anführungszeichen.

Leider hatte ich bei „Lied der Weite“ öfter das Gefühl, dass die Geschichte etwas vor sich hinplätschert und es dauerte ein Weilchen, bis ich den Eindruck hatte, in der Geschichte zu sein. Was Haruf allerdings gut vermittelt, ist zweifelsohne das beengende Kleinstadtgefühl und die Konflikte, die mit diesem verbunden sind. Aus dieser Perspektive, und das ist auch der Punkt, in dem sich „Lied der Weite“ und „Unsere Seelen bei Nacht“ gleichen, ist der Roman hervorragend gelungen.

Zu guter letzt möchte ich mich bei der Seite Vorablesen und beim Diogenes Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken!

THE VERDICT: Zusammengefasst hat mir der Roman im Großen und Ganzen recht gut gefallen, konnte mich jedoch nicht so sehr begeistern wie „Unsere Seelen bei Nacht“ . Gerade bei diesem emotionalen Themen fehlte mir oft ein Tiefgang, ein stärkerer Einblick in das Innenleben der Figuren. Eher das Kleinstadtgefühl als die Figuren blieben bei mir als nachhaltige Eindruck, was schade ist, weil es einige tolle Charaktere gibt. Alles in einem ist es ein solider Roman, allerdings kein herausstehender. 6,5 von 10 Sternen

Love, Katha

 

Mein Blog im Jahr 2018: Pläne & Ideen

Aus der beinahe Versenkung melde ich mich kurz, um ein bisschen meine Ideen und Pläne für dieses Jahr anzureißen und hier zu vorzustellen.
Allerdings möchte ich auch anmerken, dass ich dieses Jahr, vermutlich besonders in den kommenden Monaten, nur eingeschränkt bloggen werden kann, da mich mein Studium aktuell stark strapaziert. Ich arbeite mich momentan von einer Abgabe zur Nächsten, es gleicht wirklich einem Dschungel aus Aufgaben mit wenig Orientierung. Dennoch ist und bleibt mein Blog neben Instragram, wo ich meist präsenter bin, mein absolutes Herzensprojekt. Insofern hoffe ich, ihr seid gnädig mit meiner weniger starken Präsenz.

Bereits zur zweiten Hälfte des letzten Jahres merkte ich zwei Sachen: Erstens, über Berliner Cafés zu schreiben machte mir leider zunehmends weniger Spaß, dafür war es allerdings sehr wohltuend meine Unierfahrungen hier zu teilen und meinen Frust abzulassen.
Einige von euch haben angemerkt, dass sie an mehr unithematischen Beiträgen interessiert wären – was mich außerordentlich freute. Insofern habe ich ein paar Beiträge dieser Art geplant. Vor allem zu meinem Unialltag, meiner nicht immer vorhandenen Motivation und Krimskrams, den ich täglich zur Uni mitschleppe, sind im Programm. Ich würde sehr gerne wissen, was euch bezüglich Uni interessieren würde, was ihr lesen wollt.
Außerdem habe ich in Betracht gezogen, ein wenig über Lernstrategien zu schreiben, aber ich denke, das kommt erst, sobald ich mehr Erfahrung gesammelt und selbst den Bogen heraus habe. Zu guter letzt habe überlegt, eventuell über Bullet Journaling zu schreiben und wie es mir bei meiner Organisation hilft.

Weiterhin folgen natürlich Buchrezensionen, wobei ich wie letztes Jahr verstärkt Klassiker lesen will. Aus der Filmwelt halte ich mich aktuell eher zurück, aus ähnlichen Gründen wie bei Berlin Beiträgen – mir fehlt schlichtweg die Muße. Zudem habe ich bereits ein paar Reisepläne für 2018, insofern werden auch in dieser Sektion wieder Beiträge kommen, weil mir das Schreiben von diesen, auch wenn sie gefühlt etwas aufwendiger sind, richtig Spaß macht und ich den Eindruck habe, dass sie manchen von euch gut gefallen.

Außerdem habe ich gesehen, dass meine kleine Umfrage, die nun schon ein Weilchen in meiner Sidebar rumgurkt, ergeben hat, dass euch Alltagsberichte interessieren. Zum einen fasse ich meine unibezogenen Erfahrungen darunter, zum anderen werde ich weiterhin ein bisschen über die Dinge, die mich akut beschäftigen schreiben. Entsprechend kann ich dahingehend noch nichts wirklich sagen, weil sich diese Art von Beitrag meist spontan ergibt.

Kurz gesagt:  2018 wird bloggertechnisch eine bunte Mischung aus Unibezogenem, Buchbesprechungen, Monthly Faves und Reiseberichten.

Ich würde mich unheimlich über Anregungen und Wünsche eurerseits freuen

Love, Katha

Bibliophiler Jahresrückblick 2017

Erneut ist ein Jahr vergangen und wie letztes Jahr werde ich einen kleinen Rückblick verfassen, was ich dieses Jahr alles gelesen habe und welches meine Highlights waren, neue Entdeckungen, meine erreichten Ziele und leider auch ein paar Bücher, die mich enttäuscht haben. Ich bin auch sehr stolz, dass ich nicht nur meine Goodreads Lesechallenge erst von 25 auf 30 erhöht habe, sondern auch, dass ich die 30 mit 32 gelesenen Büchern geknackt habe. Damit habe ich es sogar geschafft, mehr zu lesen als letztes Jahr. Dabei waren vor allem die Klassiker sehr prägnant. Ich glaube, als ich meinen Betrag zu 100 Büchern, die ich lesen möchte, verfasste, hatte ich noch keinen blassen Schimmer, wie wunderbar motivierend diese Liste auf mich wirken würde.

Was ich gelesen habe:

Delafield, E.M.: Tagebuch einer Lady auf dem Lande
Du Maurier, Daphne: Rebecca
Dürrenmatt, Friedrich: Der Besuch der alten Dame
Fellows, Julian: Belgravia
Foenkinos, David: Charlotte
Fontane, Theodor: Effi Briest
Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel
Fontane, Theodor: Stine
Forster, E.M.: Zimmer mit Aussicht
Gabaldon, Diana: Feuer und Stein
Gárdonyi, Géza: Die Sterne von Eger
Goethe, Johann Wolfgang: Iphigenie auf Tauris
Haruf, Kent: Lied der Weite
Haruf, Kent: Unsere Seelen bei Nacht
Hope, Anthony: The Prisoner of Zenda (Englisch)
Horváth, Ödön: Jugend Ohne Gott
Irving, John: Gottes Werk und Teufels Beitrag
Lennox, Judith: One Last Dance (Englisch)
Morgenstern, Erin: The Night Circus (Englisch)
Murakami, Haruki: Kafka am Strand
Noll, Ingrid: Die Apothekerin
Op de Beeck, Griet: Komm her und lass dich küssen
Orwell, George: 1984 (Englisch)
Perry, Sarah: The Essex Serpent (Englisch)
Sington, Philip: The Valley of Unknowig (Englisch)
Towles, Amor: A Gentleman in Moscow (Englisch)
Wells, Benedict: Becks letzter Sommer
Wilde, Oscar: Das Bildnis des Dorian Gray
Woolf, Virginia: Die Fahrt zum Leuchtturm
Zweig, Stefan: Maria Stuart
Zweig, Stefan: Schachnovelle
Zweig, Stefan: Ungeduld des Herzens

Meine Tops und Flops

Meine Lesehighlights sind in einer beliebigen Reihenfolge, bis auf Ungeduld des Herzens, welches wirklich den Höhepunkt des diesjährigen Lesegenuss‘ markiert und in mir einen bleibenden, überwältigenden Eindruck hinterlassen hat.

Stefan Zweig: Ungeduld des Herzens

Dieses Buch ist nicht nur mein Highlight des Jahres, sondern beschreibt auch gut, wie sich mein Lesegeschmack über das Jahr entwickelt hat. Herrlich geschrieben mit einer interessanten, aber auch grausame Geschichte und einer tiefgehenden emotionalen Intensität, wie ich sie noch bei keinem Klassiker gefühlt habe. Bei Zweig kommen stets Leid, Wahnsinn, Melancholie und Nostalgie in einer energiegeladenen Kombiantion zusammen. „Ungeduld des Herzens“ hat etwas, was mehr anmuten lässt, als sei es nicht Ende der 1930er, sondern eher in den 1880ern geschrieben worden. Gleich einer Hommage an das Wien in seiner glänzenden Zeit. Dieser Charakter mit der alten, ausschweifenden Sprache und dem extrem interessant konstruiertem moralischen Dilemma, in der jede Figur einen nachvollziehbaren Standpunkt vertritt und man selbst leidet, da man sich nicht entscheiden kann, macht dieses Buch so brilliant.

Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Mit ausgeklügelten Sarkasmus, symbolischem Zynismus und einer herrlich blumigen Sprache schafft Wilde einen zu schockieren – und zu begeistern! Einerseits ist es amüsant Henrys überhebliche Einstellungen zu lesen, doch langsam lernt man als Leser die Gefahr. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss – alleridngs ein sehr düsterer und teils auch abartiger. Ich würde dieses Buch am liebsten jeden ans Herz legen, nicht nur, weil es genial geschrieben und wunderbar böse ist, sondern weil so unglaublich viel Menschlichkeit daraus spricht.

Daphne Du Maurier: Rebecca

Dieser Roman lebt förmlich von seinen Drehungen und Wendungen, die einen teils eiskalt erwischen. Spannend wie ein Thriller und geistreich wie ein Klassiker mit einigen Zügen einer Romanze. Es ist wirklich schön, wie mehrere Genres in „Rebecca“ aufeinandertreffen.Ein extrem spannendes, unheimliches Buch, welches mit seiner Unberechenbarkeit einen sofort in einen Sog zieht. Eine literarisch-psychologischer Hochgenuss, den ich nur empfehlen kann!

George Orwell: 1984

Ich habe noch nie etwas so abartig verstörendes gelesen. was mich gleichzeitig aber auch positiv geprägt hat. Orwell zeichnet eine Welt, wo alles kontrolliert wird, erschreckenderweise sogar die Sprache: Beklemmend, beunruhigend, erschreckend, abartig und dennoch ein Meisterwerk. Ein Spiegel für eine Gesellschaft, die auf den Überwachungsstaat zu läuft und eine zeitlose Kritik. Für meinen Geschmack war es etwas zu unheimlich, aber dieses Werk ist zweifelsohne wichtig und ein Lesemuss.

Sie haben es zwar nicht in meine Top-Auswahl geschafft, aber ebenfalls begeistert haben mich Effi Briest, die Schachnovelle, Charlotte, The Valley of Unknowing, Gottes Werk und Teufels Beitrag, Unsere Seelen bei Nacht, Kafka am Strand und der Night Cirucs. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich dieses Jahr einige hervorragende und noch mehr ziemlich gute Bücher gelesen habe.

Meine Leseflops fallen dieses Jahr glücklicherweise nur spärlich aus, jedoch muss ich auch sagen, dass die Bücher, die mir nicht gefallen haben, mir wirklich sehr stark missfallen haben und sich deshalb eher als Zeitverschwendung in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Leider.

Griet Op de Beeck: Komm her und lass dich küssen

Selten hat mich ein Buch so geärgert, wie dieses. Gerade weil der Anfang wirklich toll ist, aber leider nicht so fortgesetzt wurde und sogar das Buch immer schlechter wurde zu einer an der Oberfläche bleibenden Geschichte. Wichtige Themen werden angebracht und beobachtet, können sprachlich allerdings nicht der eigentlichen Emotionalität gerecht werden, wodurch die Darstellung sich recht merkwürdig liest und es manchmal eher absurd und abartig ist, als hochemotional. Es ist eines dieser Bücher mit einer Menge nicht ausgeschöpftem Potential.

Judith Lennox: One Last Dance

Diese Art von romantisch-historischer Familiensage gehört zu den Büchern, die furchtbar klischeebelastet sind, aber ab und zu einfach Spaß machen zu lesen, weil es so eine leichte Lektüre ist. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben, denn so stereotypisch und platt (und teils auch dumm) wie die Figuren sind, ist nur in kleinem Maß erträglich. Es gibt so viel bessere, leichte Lektüre dieses Genres.

Viginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm

Ich glaube bei diesem Klassiker liegt es eher an mir und dass ich mit Woolfs sehr anspruchsvollem Schreibstil des Stream of Consciousness nicht besonders gut klar kam. Gedanken und Beschreibungen vermischen sich in ein sehr kunstvolles, aber unheimlich verwirrendes Durcheinander. Vielleicht werde ich mich irgendwann Woolf zu wenden, wenn ich den Eindruck habe diese hoch komplizierten Lektüre mehr gewachsen zu sein.

Persönliche Eindrücke

Das Jahr 2017 war in Sachen Genres und Neues ausprobieren sicherlich nur ein Anfang, der mir die Tür zu vielen neuen Dingen eröffnet hatte, von denen ich nicht unbedingt gedacht hätte, dass sie mir so gut gefallen würden.

Zum einen habe ich, wie bereits erwähnt und aus meiner Leseliste ablesbar mehr Klassiker gelesen als im Vorjahr. Ich hatte und habe stets Respekt davor, Klassiker zu lesen, weil es manchmal doch etwas anstrengend ist, derart ansprichsvolle Literatur zu lesen und weil oft noch mehr Interpretationsarbeit und durch den Schreibstil quälen dazukommt. Sicherlich sind für mich Klassiker keine Bücher, bei denen ich wirklich abschalten kann, aber ich muss auch sagen, jetzt wo ich mehr von ihnen gelesen habe, auch in einem breiteren Genre-Spekturm, fällt es mir leichter, in die Geschichten reinzukommen. Besonders bei meinem dritten Fontane Roman „Stine“ merkte ich, dass man sich nach einer Weile an blumig-epischen Stil gewöhnen kann. Allerdings bewies mir Woolfs „Fahrt zum Leuchtturm“ auch, dass es noch Werke gibt, denen ich noch nicht gewachsen bin.  Jedoch bin ich mir sehr sicher, dass ich diesen Kurs, mehr Klassiker zu lesen, zweifelsohne weiterfahren werde.

Außerdem bin ich froh, meinen ungarischen Wurzeln nachgegangen zu sein und endlich ungarische Literatur ausprobiert zu haben. Mit Gárdonyis berühmten Werk „Die Sterne von Eger“ habe ich einen eher leichten Einstieg gewählt, aber auch hier nehme ich mir vor im kommenden Jahr mehr Literatur aus diesem Bereich zu lesen. Irgendwann wird sicherlich auch der Tag folgen, wo ich diese Bücher im Original lesen kann und werde.

Gemeinsames Lesen mit einer befreundeten Instagrammerin (@nora.reads) war ebenfalls Neuland für mich, ich muss aber gestehen, dass es mir tatsächlich wirklich Spaß gemacht hat. Ebenfalls durch Nora inspiriert, bin ich ihrer Leseempfehlung nachgegangen (eine Sache, die ich eigentlich viel zu selten mache) und habe einen kleinen Einblick in japanische Literatur bekommen durch Murakamis „Kafka am Strand“, was ebenfalls eine tolle Neuentdeckung war.

An diese Stelle lässt sich also zweifelsohne sagen, dass 2017 definitiv ein Jahr der neuen Wege war, nicht nur literarisch, indem ich neue Genres ausprobierte und meine Klassikerliebe erweiterte, sondern auch persönlich. Ich habe Mitte Oktober einen neuen Studiengang angefangen, der mir derweil sehr gut gefällt, trotz dass es unheimlich anstrengend ist. Außerdem habe ich mich in die Schweiz verliebt und meinem Verhältnis zu Frankreich durch einen kleinen Besuch in Straßburg (Beitrag kommt bald) eine zweite Chance gegeben und zu guter letzt habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt und mir ein Industrial Piercing stechen lassen. Entsprechend will ich nächstes Jahr einen ähnlichen Kurs fahren, mehr neues und anderes lesen, mich weiterhin mit Klassikern berieseln lassen und natürlich hoffe ich auch, dass ich wieder die Chance haben (und ergreifen!) werde, ein bisschen mehr zu reisen und auch darüber zu schreiben.

Ich wünsche euch alle einen hervorragenden und schönen Start in das neue Jahr 2018!

Love, Katha

November Faves #17

Moinsen!

Es ist mittlerweile Mitte Dezember und die Uni zwingt mich mit Stress und Abgaben in die Knie, doch diesen obligatorischen Beitrag wollte ich selbst wenn er sehr verspätet kommt, nicht auslassen. Hier also eine kleine Zusammenfassung des Monats November. Es war ein recht turbulenter Monat, in dem ich einige neue Sachen für mich entdeckt habe und mich selbst auch neu entdecke. Jetzt mit dem neuen Studiengang, wo alles ein bisschen anders ist und auch persönlichen Veränderungen habe ich mir vorgenommen, neues auszuprobieren.

1. Kanken Fjallräven Rucksack
Man geht kaum 10 Meter auf meinem Campus und überall ist dieser Kanken Rucksack, so viele haben dieses komische kleine quadratische Ding auf ihren Rücken. Als mir meine Eltern schließlich zum neuen Semester einen solchen schenken wollten, war ich skeptisch. Rückenschmerzen durch meine Tragetasche hin oder her, Rucksäcke waren nicht mein Ding. Aber als ich den Kanken im Geschäft näher begutachtete, verging nur einAugenblick und ich ließ mich  anstecken vom Hype. Zugegebenermaßen, ich habe Rucksäcke stets gehasst, sie passten nicht zu mir und versauten jedes Outfit durch diese Portion Outdoor, die ich an anderen super finde, aber mir nicht steht. Dieses kleine Ding ist aus sehr leichtem Material und macht erstmal einen höchst unspektakulären Eindruck mit seinem nicht outdoor-igen, quadratischen Aussehen. Besonders ist er keineswegs, aber wirklich praktisch, handlich und es ist unfassbar, was da alles rein passt. Für anspruchsvolle RucksackträgerInnen ist der Kanken sicher nichts, aber für die Uni, um Bücher, Getränk, Hefte, Essen und meinen Laptop an einem langen Tag unterzubringen, ist er als eine Art „Stadtrucksack“ ideal.

2. Italienische Limone
Ein leichter, frischer und ein wenig süßer Tee, der perfekt für zwischendurch ist. Mnachmal braucht es keine komplexe Mischung aus Vanille und Schwarzem Tee mit Gewüurnoten und Schnickschnack.

3. Industrial Piercing stechen lassen
Es ist endlich passiert: diesen November raffte ich meinen Mut zusammen, um mir einen kleinen Traum zu erfüllen und ein Industrial stechen zu lassen. Auf meiner kleinen Skizze kann man sich grob vorstellen, wie das nun auf meinem rechten Ohr aussieht. Die erste Frage vieler war unüberraschenderweise: Tat es weh? Selbstverständlich tut es weh, wenn jemand zwei Löcher in deinen Knorpel stich – aber bei einem Piercer, der sympathisch ist, einem ein Gefühl von Sicherheit vermittelt in einem hygienischen Studio und der einen im Vorfeld gut aufklärt und der moralischen Unterstützung der besten Freundin, die daneben sitzt und einen ablenkt, geht es sehr schnell. Die ersten zwei Tage fühlt es sich sehr warm und komisch an und nun nach über einem Monat bin ich wieder in der Lage auf meinem rechten Ohr zu liegen, auch wenn ich es vermeide. Ich desinfiziere es jeden Tag zwei Mal mit einer Kochsalzlösung und  bisher heilt es recht gut ab. Ich kann also nur raten, sich zu trauen, weil es eigentlich ganz schnell geht und die Freude dazu verglichen viel größer ist.

4. Schwarzes Samtkleid von Gina Tricot
Dem Samt-Trend kann man diesen Winter nicht aus dem Weg gehen und seitdem ich in diesem Frühjahr entdeckt habe, dass ich zu einer Kleiderträgerin mutiert bin, wollte ich ein warmes und schickes Kleid für die kalte Jahreszeit besitzen. Dieses unscheinbare kleine Schwarze kann man sehr schick mit gewissem Schmuck tragen, aber auch sehr einfach mit einem Grobstrickcardigan und man wirkt durch den Samt-Effekt trotzdem stets ein bisschen eleganter und „put together“.

5. Reclam Universal-Kulturtasche
Da ich nur noch mit einem Rucksack in die Uni gehe und meine übersichtlichen Umhängetasche bis auf weiteres für weniger gepäcklastige Ausflüge verwende, wollte ich nicht, dass Wertsachen wie Schlüssel etc. in diesem herumfliegen und ich ewig danach suchen muss – was besonders unangenehm ist, wenn man etwas spontan braucht. Als ich diese süße Kulturtasche bei Dussmann durch Zufall entdeckte, wusste ich, dass genau dieses Problem sich dadurch lösen würde – und noch besser, durch das leuchtende Gelb findet man sie auch schnell in den Untiefen meines Kanken.

6. „Kafka am Strand“ von Haruki Murakami
Dieses merkwürdige, spannende, verstörende, interessante und zweifelsohne besondere Buch wurde mir von einer Instagrammerin empfohlen, da es einer ihrer Lieblingsbücher sei. Dass Murakami in der Literturszene hoch im Kurs steht, war mir keineswegs entgangen und auf ihre Empfehlung hin, las ich dieses Buch innerhalb der letzten Wochen. Es fesselte mich stets aufs Neue und doch musste ich es manchmal auch zur Seite legen, um es sacken zu lassen. Noch bin ich mir über mein entgültiges Urteil nicht im klaren, aber wenn es soweit ist, wird auf diesem Blog selbstverständlich eine Rezension erscheinen!

7. Mini Kakteen
Nachdem plötzlichen Todesfall der Kakteen, die ich in den letzten zwei Jahren hatte, legte ich mir diese kleinen hübschen an. Ich hoffe, mit ihnen werde ich mehr Glück haben und sie können sich eines längeren Lebens erfreuen.

Musikalische Hightlights

Nun zu fragen, wie euer November war, ist zeitlich etwas unpassend, deshalb möchte ich lieber wissen, wie euer Dezember läuft und was für Dinge und Musik euch gerade begeistert!

Love, Katha

October Faves #17

Moinsen!

Erneut ist die Zeit im Flug vergangen und wir nähern uns dem Ende des Oktobers, der für mich eine ganz neue und hektische Zeit einleitet hat durch meinen Studiengangwechsel und persönlichen Stress. Ein Monat mit Höhen und Tiefen, aber definitiv einer Chance jetzt neu durchzustarten. Auch diesen Monat habe ich einige Favoriten vorzustellen!

1. Lenovo Yoga 720 Laptop
Zum Unistart wollte ich unbedingt mobilisierter und damit auch freier als die letzten 2 Semester werden, denn ich merkte schnell, dass Studieren ohne Laptop echt nicht schön ist, wenn auch möglich. Mein alter Laptop hatte mir lang gedient, aber mit gut 2 kg, 15,6″, einer unerträglichen Hitze des Geräts und kaputtem Akku (und entsprechend nur mit Netzteil benutzbar) war er mehr Last als Nutzen und absolut nicht Uni tauglich. Mein neues Gerät ist mit 1,3 kg ein schnelles und hübsches 2 in 1 Gerät – leider teuer, aber auch auf Grund der hochwertigen Verarbeitung denke ich eine lohnende Invention, die mir schon in den letzten 3 Wochen schon viel Freude gebracht hat. Der Laptop kommt zusätzlich noch mit einem Stift und einem sehr praktischen Fingerabdrucksensor zum Entsperren des Geräts.

2. Rimmel by Kate Moss Sculpting Palette 001 Golden Sands
Diese Palette besteht aus einem leichten, schimmernden Highlight, einem warmen Counturing-Ton und einem hellen, pinken Blush. Besonders mag ich allerdings den Highligher, da er gut pigmentiert ist und man ihn aufbauen kann, er jedoch  kein bisschen aufdringlich und nach zu viel aussieht.

3. Lesehighlight: „The Essex Serpent“ by Sarah Perry
Das vermutlich schönste Buch, was ich besitze, wurde mir in den letzten Monaten wärmstens auf Instagram empfohlen und ich kann es auch empfehlen. Der Roman ähnelt stark in seiner Lesart einem Klassiker, aber auf eine angenehme, ungezwungene Art und Weise und mit einem dunklen, mysteriösen Hauch. Die emanzipierte Protagonistin schließt man genauso schnell ins Herz wie den wunderschönen Schreibstil. Allerdings machte dieser mir am Anfang der Lektüre wirklich Probleme und ich brauchte einige Zeit um in diesen anspruchsvollen Stil reinzukommen. Das perfekte Buch für dunkle Herbstabende.

4. Es Herbstet!
Herbst ist sicher nicht meine liebste Jahreszeit: Auf windig-regnerisches Wetter, weniger Sonnenstunden und kalte Nächte freue ich mich nicht, allerdings hatten wir diesen Oktober auch eine wunderbare Woche goldenen Herbstes mit Sonne und den wunderbaren bunten Farben hier in Berlin gehabt – so dass man am liebsten einen Spaziergang durch das frische und dichte Laub machen würde.

5. Kinogang: Victoria & Abdul
Dieser lustige, manchmal zum Fremdschämen einladende aber das Herz wärmende Film mit der wunderbaren Judi Dench in der Hauptrolle erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen der britischen Monarchin Victoria und einem muslimischen Inder. Historisch sicherlich ziemlich romantisiert und weiß Gott, wie inkorrekt, aber das ist sicher nicht der Anspruch. Wer einfach einen netten Film sehen möchte, ein bisschen lachen und abschalten, kann ich diesen (man kann es wirklich nicht anders sagen) süßen Streifen empfehlen.

6. Neuer Studiengang
In meinem letzten Beitrag zu meinen Tipps für Erstsemester bereits angedeutet, wollte ich hier noch ein bisschen genauer werden: Ja, ich habe meinen Studiengang von Sozialwissenschaften (Soziologie und Politikwissenschaft) auf Deutsch und Ethik mit Lehramtsoption gewechselt. Meine Entscheidung wurde getragen von mehreren Faktoren (ich fühlte ich nicht wohl, ich hatte große Schwierigkeiten mit Statistik und ich merkte, dass meine Kompetenzen und Stärken in anderen Bereichen liegen) und ich kann nun nach gut 2 Wochen Studium bereits sagen, dass ich mich tausendmal besser aufgehoben fühle, als in meinem ersten Studiengang und das erste Mal habe ich überhaupt das Gefühl, dass ich nicht nur studiere auf Grund dieser peseudo-verpflichtung „Wenn du ein gutes Abi hast, musst du studieren“, sondern auch, weil ich mich begeistern lassen kann von meinen Modulen und sogar privat gerne über die Uni spreche – und ich glaube mittlerweile fest, dass Studium so seien sollte. Natürlich habe ich eine Menge um die Ohren und es ist anspruchsvoll und anstrengend, aber wenn man wirklich fasziniert und interessiert teilnimmt, fühlt es sich nicht an wie eine Last (oder zumindest eine tragbare).

7. Kupferfarbige Kleiderbügel
Diesem Trend konnte ich absolut nicht widerstehen! Di Kleiderbügel (5 Stück für 4€ bei Primark) sind nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick und haben eine gute Breite für meine Kleidungsstücke und sehen besonders, wenn man wie ich einen offenes Kleiderschranksystem hat (genau gesagt: Elvarli von IKEA) schön aus.

8. Leuchtturm 1917 Notizbuch Punktkariert
Wenn man einmal im Internet Inspiration für sein Bullet Journal sucht, stößt man schnell auf viele Leuchturm 1917 Noitzbücher Fans (besonders im englischsprachiegen Raum), dabei fielen mir die sogenannten Punktkarierten Versionen auf, weil ich zuvor noch nie etwas dergleichen gesehen habe – allerdings sind diese besonders für BuJos geeignet und ich bin echt positiv überrascht, wie handlich dieses Design ist, um neue Seiten zu designen und kleine Zeichnungen anzufertigen.

9. Dunkelblauer Rollkragenpullover
Ich hätte es selbst nie gedacht, dass ich eines Tages Rollkragenpullover mögen würde, nachdem ich sie jahrelang für schrecklich empfunden habe. Allerdings seitdem ich einigen Modebloggern wie Jenny Cipoletti von „Margo & Me“ folge, fühle ich mich inspiriert, Kleidungsstücke anzuprobieren, die ich in einer bestimmten Kombination oder auch so nicht tragen würde und bei diesem Rolli hat’s gefunkt. Er ist nicht dick, aber auch nicht zu dünn, lässt sich auch toll unter Kleidern tragen und dadurch, dass er in der Mitte ein paar Längsstreifen hatschmeichelt er auch der Figur.

Musikalische Highlights

Wie war euer Oktober und was waren eure Favoriten?

Love, Katha

Gottes Werk und Teufels Beitrag

Autor: John Irving
OT: The Cider House Rules
DT: Gottes Werk und Teufels Beitrag
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (US): 1985
Verlag: Diogenes
Preis: 14.90 €
ISBN: 9783257218374
Länge: 833 Seiten

Homer Wells wächst in einem Waisenhaus in einer kleinen Gemeinde namens St. Cloud’s im US- Bundestaat Maine auf. Nach mehreren gescheiterten Adoptionsversuchen, entschließt sich das Personal Homer zu behalten. Er wird älter und es scheint unvermeidlich, dass Homer eines Tages herausfindet, dass der leitende Arzt des Waisenhauses nicht nur Geburten, sondern auch gegen das Gesetz Abtreibungen durchführt. Als der Arzt schließlich den Teenager Homer fragt, ob er nicht bei ihm Medizin lernen wolle, kommt der Stein ins Rollen und eine Odyssee beginnt.

Vor längerem hab ich mal einen Text gelesen, in dem sich einer meiner Lieblingsautoren, Benedict Wells, dazu äußert das die Romane „Gottes Werk und Teufels Betrag“ sowie „Das Hotel New Hampshire“ des amerikanischen Autors John Irving ihn inspiriert hätten, Autor zu werden – das konnte ich nicht ignorieren, vor allem seit dem mich dieser Roman mit dem roten Apfel und dem faszinierenden Titel auf dem Instagram Account @paper.and.poetry mehr oder minder verfolgt hat. Also habe ich meine kleine Abneigung gegen dicke Bücher über Bord geworfen und den Roman zu meinem September-Urlaub bei den Großeltern mitgenommen – und absolut verschlungen!

Kleine Anmerkung am Rande: Ich finde sowohl den englischen Original-Titel „The Cider House Rules“ (also: die Regeln des Cider Hauses) als auch den deutschen „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ sehr passend. Beide beziehen sich auf andere Aspekte des Romans, treffen aber den Nagel auf den Kopf. In gewisser Weise kann man das Buch auch in genau diese zwei Teile einteilen. Allerdings finde ich, dass der deutsche Titel viel spannender und mysteriöser (und vielleicht auch verlockender) klingt, als das Original.

Ich erwischte mich öfters dabei, wie ich mich hinsetzte, um kurz ein paar Seiten zu lesen und nach 70 Seiten kurz aufzuhorchen, um festzustellen, wie schnell man diesen dicken Schinken wegliest. Ich würde nicht sagen, dass es ein fesselndes Buch ist, denn man kann es durchaus mal für einen Tag bei Seite legen, sondern eher ein kurioses Buch, bei dem man, erstmal angefangen zu lesen, überhaupt nicht mehr wegkommt – und doch lohnt es sich, immer mal wieder den Roman bei Seite zu legen und etwas über Geschehen und iNhalt zu sinnieren, denn Irving grast zweifelsohne auch ernste Themen ab, die aber überraschenderweise nie schwer wirken und einem auf dem Magen liegen. Ich bin wirklich beeindruckt von der Leichtigkeit, der Frische des Romans.

Ich glaube nicht, dass es eines meiner Lieblingsbücher wird, auch wenn es herrlichen schrullig und angenehm ist, weil mir dazu vielleicht das gewisse Etwas fehlt und der Roman manchmal auch ein bisschen zu tief in die ulkige Kiste greift, aber nichtsdestoweniger ist es ein toller, empfehlenswerter Roman, der auch perfekt ist, wenn man sich geistig einfach ablenken will. Ich bin fest davon überzeugt, dass ich erstens die Verfilmung des Romans sehen möchte und zweitens weitere Romane Irvings kennenlernen möchte, denn dieses Buch hat echt Spaß gemacht.

THE VERDICT: Ein etwas anderes Buch, ganz anders als erwartet: ich wurde positiv überrascht von der angenehmen Schlichtheit von Irvings Schreibstil, von der Tragikomik der Handlung, von den ersten und den fröhlichen Tönen und wie ein so dickes Buch nie langatmig wirkt, sondern stets etwas von Frische mit sich bringt. Nicht umsonst gilt „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ bereits als moderner Klassiker. 8.5 von 10 Sternen.

Love, Katha

A Gentleman in Moscow

Autor: Amor Towles
OT: A Gentleman in Moscow
Genre: Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung (US): 2016
Verlag: Viking
Preis: 27 US Dollar
ISBN: 978-0-670-026197
Länge: 462 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein Gentleman in Moskau“ erschienen.

Der russische Graf Alexander Ilyich Rostov wird im Jahr 1922 zu lebenslangem Hausarrest im Moskauer Metropol Hotel verurteilt. Dort lernt er über die Zeit neben dem außergewöhnlichen Personal auch amüsante Gäste kennen und die geheimen Ecken des Hotels, während außerhalb des Hotels die Welt sich brisant verändert.

Ein auf Goodreads und Instagram stark gehyptes Buch mit einem wunderbaren Cover und einer spannenden, sehr politisch klingenden Geschichte, die im Russland des frühen 20. Jahrhundert spielt, klang nach etwas für mich – leider sollte sich über den Weg einige  Probleme mit diesem Buch für mich offenbaren. So brilliant die Idee ist und so wunderbar der originell Schreibstil Towles‘ auch glänzt, fehlt mir bei diesem Roman die psychologische und emotionale Tiefe. Vielleicht bin ich bereits durch Wells’sche und Zweig’sche Werke so verwöhnt, dass ich erst jetzt merke, wie wichtig mit dieser gewisse seelische Tiefegang ist, aber hier fehlt sie und sorgt generell dafür, dass vieles recht unglaubwürdig scheint: Wie kann jemand, der 30 Jahre in ein Luxus-Hotel eingesperrt ist, sich so wenig verändern, so gelassen und lebensfroh bleiben?

Man blickt so wenig in Count Alexander Rostov hinein, was wirklich schade ist, wo er eine herrlich schrullige Figur alter Schule ist undman ihn auf Grund seiner Liebenswürdigkeit nur mögen kann und mehr über das emotionale Innenleben dieser Figur erfahren möchte, aber nein! Rostov ist ein wahrer Gentleman mit kleinen Macken und einer Expertise für gute Essen, eine Figur, die in einem Film sicherlich auch eine Menge hermachen würde, da er oft wirklich gute Spüche und kleine Lebensweisheit auf Lager hat. Eine sonderbare, interessante Figur, die aber unglaublich oberflächlich beschrieben bleibt, was seine Gegenwart und Zukunft betrifft, denn die einzige Art, wo man ihn wirklich kennenlernt, ist durch Rückblenden. Dies macht mich ziemlich traurig, weil ich Rostov schnell in mein Herz schloss und meine Erwartungen damit ziemlich hoch an den Roman waren und leider enttäuscht wurden.

Mir scheint, als grase man in einem gemächlichen Tempo 30 Jahre ab und immer wieder kommen lustige, merkwürdige Figuren dazu, alles ist wirklich ganz nett, aber leider auch nicht mehr. Bei einem Buch, welches auf Plattformen wie Goodreads sich so hoher Beliebtheit erfreut und wirklich gehyped wird, bin ich irgendwie enttäuscht – bin ich zu anspruchsvoll? Sehe ich etwas bestimmtes nicht? Mir ist die Beliebtheit dieses Buches nicht ganz klar. Vielleicht habe ich auch gehofft, dass es politischer wäre oder zumindest russischer – was nun recht komisch klingt, aber man hatte das Gefühl, dass man der russischen Kultur nicht oft nah war. Letztes Jahr las ich „Die Schwester des Tänzers“ von Eva Stachniak – die schließlich auch keine Russin ist, aber über eine polnisch-rusische Familie schreibt. Dort hatte ich das Gefühl, dieser spannenden Kultur und Mentalität und dem Zeitgeist der 20er bis 50er viel näher zu sein.

Ich muss auch gestehen, dass man Impuls, den Roman im Original zu lesen, nicht unbedingt der richtig war. Ob es nun an Towles amerikanischen Englisch liegt und seiner Liebe für seltene Synonyme zu bekannten Worten oder ob mein Englisch einfach nicht gut genug ist – ich weiß es nicht. Allerdings passt diese besondere Wortwahl sehr gut zum Protagonisten und dem Hotel (die ja beide praktisch ein Relikt aus alten Zeiten sind). Sehr merkwürdig  fand ich, das Temperaturangaben in Fahrenheit angegeben wurden – klar, ein amerikanisches Buch, das allerdings in einer Region spielt, in der eindeutig mit Celsius gemessen wird. Meines Erachtens nach ein kleines Detail, was zeigt, dass Towles nicht so richtig über den Tellerrand schaut. Fest steht, dass sich dieses Buch im Original nicht besonders leicht lesen lässt und man deshalb recht langsam vorankommt, was den nicht vorhanden Spannungsbogen nicht verbessert. Generell: Dieses Buch ist nicht spannend, es ist interessant und manchmal sehr faszinierend, meistens ganz nett, aber auch etwas langweilig. Ich habe gemerkt, dass das Lesen sich mit zunehmender Seitenanzahl recht klaustrophobisch anfühlt – man merkt wirklich, was für einen großen Unterschied es macht, dass man in Romanen verschiedene Hanldungsorte hat. Anderseits ist es auch ein genialer Schachzug, um sich in die Lage Rostovs  hineinzuversetzten, in die gewisse Eintönigkeit des Hausarrestsdaseins.
Überrascht haben mich allerdings die letzten 80 Seiten, die sehr plötzlich kamen, wo die Figuren inklusive des Protagonisten, endlich mal Gestalt annahmen und sich auch mal was bewegte, die Geschichte bekam vielmehr Charakter und auch Ernst, so wie ich es mir ehrlich gesagt über den ganzen Roman gewünscht hätte. Eine positive Überraschung zum Schluss, die mir wirklich hervorragend gefallen hat.

Ich glaube generell sagen zu können, dass ich etwas anderes erwartet habe, dass ich bei einem politisch so spannenden Thema in einer politisch so spannenden Zeit, ein deutlich gesellschaft-poltischeres Buch erwartet habe und schließlich ein nettes, manchmal sehr lustiges und warmherziges Buch über die Geschichte eines Mannes, der in einem Hotel lebt (es scheint eher zufällig als aufgezwungen) und den interessanten Leuten begegnet und so manche Lebensweisheit auf Lager hat. Wenn man es eher als nette Lektüre und nicht als historischer Roman ansieht, fällt ein ganz anderes Licht auf das Buch. Vielleicht wollte ich dieses Buch auch einfach zwanghaft lieben, weil es so beliebt ist. Aber es ist nicht so. Und vielleicht kann man diesen Roman in Form eines Filmes besser gestalten als in Form eines Romans.

Ein weitere Problem was ich hatte, waren bestimmte historische Logik-Geschichten. Mal abgesehen davon, das die Geschichte historisch in vielerlei Hinsichten (ich möchte nicht spoilern) ziemlich unmöglich ist – was wieder zeit, dass es ein nettes Buch für das Herz ist – fand ich es schade, dass der Zweite Weltkrieg so krass ausgespart wurde. Als hätte er mit seinen Nachwirkungen einfach nicht stattgefunden. Man muss kein russischer Geschichtsexperte sein, damit einen das stört. Ebenfalls merkwürdig: An manchen Stellen gab es Zeitsprünge, die mit Jahreszahlen markiert wurden – bei anderen Stellen fehlen sie. Das fand ich mehr als verwirrend.

Eine kleine Anmerkung: Ich merke, dass ich in dieser Rezension stark auf Kritikpunkte eingehe und weniger, auf das was mir gefallen hat – es ist keineswegs ein schlechtes Buch, es ist vielmehr ein Buch, was enttäuscht hat, weil ich mehr erwartet habe. Ich glaube, man muss ein spezieller Lesetyp sein, der einen blumigen, anspruchsvollen Stil und liebeswürdige Charaktere schätzt und dem historische Unmöglichkeiten nicht interessieren und darüber wegsehen können, dass dieser Roman viel zu westlich wirkt, dafür, dass er in Moskau spielen soll.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover ist einfach wunderbar und sehr passend zum Inhalt und hat mich, ich gebe es auch gerne zu, angeregt in diesen Roman reinzuschnuppern. Jedoch muss ich mich auch ein bisschen auf hohem Niveau beschweren: Dieses Buch ist riesig – mir ist schon vor langem aufgefallen, dass englische Bücher bei weitem nicht in einheitlichen oder ähnlichen Größen herauskommen, aber dieses Buch war fast so groß wie bei 13 Zoll Laptop, was enorm unhandlich ist.

THE VERDICT: Ich habe bin hin und her gerissen, denn die Idee des Romans ist genial, der Protagonist trotz fehlender Entwicklung herrlich und unverkennbar schrullig – dieser Roman schildert ein Kuriositätenkabinett. Leider hat es mir an Ernst und Tiefe gemangelt, was sich nur auf den letzten Seiten gebessert hat. – dafür allerdings merklich. Leider wurden meine Erwartungen enttäuscht: Es ist ein wirklich nettes Buch, was bei Zeiten sehr lustig ist, aber nicht herausstechend und oft viel zu amerikanisch gedacht ist. Das gut durchdachte Ende hat viel dazu bei getragen, dass es hier ein paar Sternchen mehr gibt. 6 von 10

Love, Katha

September Faves #17

Moinsen!
Der Monat September ist so schnell an mir vorbeigezogen – genauso wie das frühherbstlich Wetter und nun ist es bereits kalt und stürmisch und wir sind mitten im Herbst. Deshalb möchte ich heute ein paar meiner Highlights aus musikalischer wie bibliophiler Sicht zeigen, so wie ganz generell ein paar Dinge, die mir im September besonders gefallen haben.

1. „Schachnovelle“ von Stefan Zweig
Mein dritter Zweig hat mich genauso wie die „Ungeduld des Herzens“ (wovon ich in privaten Kreisen noch  immer schwärme) absolut in den Bann gezogen: Eine starke und spannende Novelle über zwei verschiedene Schachspieler. Ich mag es sehr, wie Zweig dem Wahnsinn Wort und Charakter gibt und dem Leser das Gefühl, mit der handelnden Figur in die unendlichen Wirre der Irrnis einzutauchen. Sehr empfehlenswert!

2. Schokomüsli von Cerbona
Ein ungesundes, aber herrlich leckeres Vergnügen ist das Schokomüsli mit dunkler Schokolade und Knusperstücken des ungarischen Herstellers Cerbona. Ich finde es immer ganz toll, im Urlaub in Ungarn Sachen zu probieren, die es nur dort gibt.

3. Erstwählerin sein
Letztes Jahr durfte ich bereist für mein Bundesland Berlin wählen – doch dieses Jahr war ich Erstwählerin bei den Bundestagswahlen, also eigentlich schon mein zweiter Urnengang, aber dennoch eine tolle Sache, sich nun endlich auch politisch in Form meiner Stimme äußern zu können und dieses Recht zu nutzen – unabhängig von dem Ausgang der Ergebnisse dieser Bundestagswahl, was nochmal ein ganz anderes Thema ist.

4. Ovomaltine Crunchy Cream
Diese (leider teure) Alternative zu Nutella hat mich wirklich überzeugt, besonders mit den Crunchy-Stückchen ist es ein besonderer Geschmack, der mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist – beide Brotaufstriche sind aber genauso süß und ungesund. Am liebsten streiche ich diese Nuss-Malz-Creme auf meinen Eierkuchen, aber auch auf dem Frühstückstoast ist sie lecker (wenn auch ein bisschen zu schade dafür).

5. Tee-Set vom Trödel
Katha hat den Trödel für sich entdeckt: Wunderbare Bücher in tollen alten Ausgaben, die fast wie neu aussehen und Unmengen an entzückenden Kleinkram kann man auf Trödeln und Wohnungsentrümpelungen finden, wenn man ein gutes Auge und Geduld mitbringt. Dieses süße Teeset aus bayerischem Porzellan habe ich zusätzlich mit einem passenden Kuchenteller für schlappe 4 Euro bekommen! Eine neue, elegante Art meinen Tee wie eine vornehme englische Dame einzunehmen, finde ich.

6. 7/8 – Straight Jeans mid rise mit Fransen
Ich verkünde offiziell den Anfang des Endes der Skinny Jeans. Die superenge Hose, die jetzt nun seit bestimmt 10 Jahren in allen Läden die Hosen-Abteilung sämtlicher Modegschäfte dominiert und diktiert, zählt ihre letzten Tage. Nun, ganz so dramatisch ist es nicht, ich mag meine alten Skinny Jeans nach wie vor sehr gerne, aber nun wo ich mir im August inspiriert von den vielen Boyfriend- und Straight Jeans tragenden Bloggerinnen eine gerade geschnittene 7/8-Hose gekauft habe, bin ich begeistert, wie unglaublich bequem diese ist und dass auch locker fallende Hosen meinem curvy Figurtypen schmeicheln können – plus: Man hat nicht den Kampf die Hose über die Ferse bekommen zu müssen und wie ein Idiot in die Jeans zu hüpfen.

7. Smart Closet App
Empfohlen von der wunderbaren Modedesignerin und YouTuberin Justine Leconte (ich kann einen Besuch bei ihrem Channel von ganzem Herzen empfehlen) lud ich mir die „Smart Closet“ App auf mein Handy. Man kann durch Abfotogarfieren der eigenen Kleidungsstücke und detaillierten Angaben wie (Kleider < kurze Kleider ) diese  fast wie in Schubladenbzw. Unterkaterogien ordnen. Zusätzlich hat die App eine Lookbook-Funktion, wo man die Bilder der Kleidungsstücke zu einem Outfit zusammenstellen kann und eine Kalenderfunktion, wo man die Outfits oder einzelnen Kleidungsstücke einspeichern kann. Die App rechnet schließlich, wenn man die Funktion regelmäßig verwendet, aus was die besten Price-per-Wear Stücke sind. Da sieht man erst richtig, was man oft trägt. Zusätzlich kategorisiert die App nach Farben und Marken. Manchmal sieht man bei der eignen Garderobe den Wald vor lauter Bäumen nicht – diese App hilft dabei, zu schauen, was man wirklich trägt und wie man guten Nutzen aus seiner Garderobe bekommt und hilft vielleicht manchen auch, weniger oder gezielter passende Kleidungsstücke zu kaufen.

8. Gemeinsam Theodor Fontane lesen
Klassiker lesen kann manchmal recht ermüdend oder zumindest irgendwie einsam sein und meiner Erfahrung nach gibt es bei einigen Klassikern eine Menge zu diskutieren (natürlich gilt das für jedes Genre, aber mein Ziel ist es ja, mehr Klassiker zu lesen). Deshalb war es für mich eine absolute Freude mit der wunderbaren Instagrammerin Nora (@nora.reads) die Bücher „Frau Jenny Treibel“ und „Stine“ zusammen zu lesen und zu diskutieren. Ich hatte ein viel intensiveres Leseerlebnis!

Was ich im September gelesen habe:

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  • Fontane, Theodor: Frau Jenny Treibel – eine interessante Beobachtung zum Verhältnis zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum, im altbekannten, ausschweifenden Theodor Fontane Stil, leider mit ziemlich unsympathischen Figuren. 6/10 Sternen
  • Fontane, Theodor: Stine – eine  kurze, tragische Geschichte, die durch ihre Figuren und die Nähe zur Stadt Berlin punktet . 7/10 Sternen
  • Irving, John: Gottes Werk und Teufels Beitrag – ein wichtige moderner Klassiker, der ganz anders ist, als erwartet und durch seine Schrulligkeiten absolut Spaß macht zu lesen. Positiv überrascht bestärkt es mich in meiner Begeisterung für den Diogenes Verlag: 8,5/10 Sternen
  • Towles, Amor: A Gentleman in Moscow – ein gehypter Roman, der leider durch einige historische Schwachstellen wie Langatmigkeit leider nicht mein Herz erobern konnte, deshalb nur 6/10 Sternen
  • Zweig, Stefan: Schachnovelle – hat mich wirklich überzeugt und meine Liebe zu diesem wunderbaren Autor nur bekräftigt, deshalb: 9/10 Sterne

Musikalische Highlights:

Wie war euer September? Was waren eure Favoriten und was habt ihr gelesen?

Love Katha

Frau Jenny Treibel

Autor: Theodor Fontane
OT/DT: Frau Jenny Treibel
Genre: Roman, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (DE): 1893
Verlag: Fischer
Preis: 5 Euro
ISBN: 978-3-596-90044-2
Länge: 208 Seiten

Zwei Familien treffen aufeinander: Die Treibels und die Schmidts, die in ihrer ständischen Situation und in ihren Idealen hätte nicht anders seien können, aber seit Jahren durch eine alte Freundschaft gebunden sind. Als die junge Corinna Schmidt jedoch versucht Leopold Schmidt zu verführen, ist seine Mutter Kommerzienrätin Jenny Treibel empört: Die Bourgeoisie wird nicht einfach durchmischt.

Ich muss zugeben, ein recht gespaltenes Gefühl bei diesem Roman zu haben. Einerseits ist es brilliant, wie Theodor Fontane besonders die Namensgeberin Jenny Treibel in all ihrer überheblichen Besitzbügertümlichkeit bloß stellt und es fast schon eine Satire ist, als ein richtiger Roman. Denn den großen Kontrast aus Bildungs- und Besitzbürgertum so deutlich darzustellen, macht den Roman wirklich lesenswert – denn sonst plätschert die Geschichte etwas unselig vor sich hin. Wichtig zu sagen ist, dass es keineswegs ein Liebesroman ist, nur weil Corinna Leopold heiraten will, denn das hat mit herzlich wenig Gefühl zu tun. Es geht um das Emporstreben nach etwas „höherem“ und zu zeigen, wie Klassen nur untereinander Ehen geduldet haben, ja, wie scheinheilig dieses System ist.

Eine Handlung, so muss ich warnen , gibt es eher nicht. „Frau Jenny Teibel“ gehört zu den Romanen, die über die Gespräche getragen werden und sobald man ein Auge entwickelt für die satirischen Details, die dem Besitzbürgertum nur Spott zukommen lassen, kann man wirklich gut lachen. Die Themen Besitz, Ansehen, richtige und falsche Gefühle und klassentypische Merkmale stehen ganz stark im Vordergrund.

Die Ironie ist herrlich unterschwellig und wenn man ihrer bewusst wird, merkt man, wie böse dieser Roman als Kritik ist. Ich denke, man darf diesen Roman nicht allzu ernst nehmen, weil er sonst eher karg und langweilig daherkommt. Man merkt, wie stark gewisse Konventionen zu dieser Zeit in den Menschen festverankert sind und wie das Denken innerhalb eines Standes sich verfestigt hat, wie die Mitglieder einer Klasse durch ihr Denken Mauern um sich herumbauen und sich selbst für unantastbar halten. Einerseits ist der Roman aus historischer Perspektive ein spannendes und realistisches Bild, worüber man sich als moderner Leser nur ärgern kann, die beschränkt und hochnäsig das Besitzbürgertum war: Jenny spricht von höheren Idealen und Poesie und versteht dabei selbst kein Wort und keineswegs das, was eigentlich gemeint ist, sondern rühmt sich nur mit schicken Begriffen.

Ein Problem, das ich hatte und vor dem ich auch vorgewarnt wurde, war, dass sämtlich Charaktere einfach nur unangenehm waren und keineswegs sympathisch. Es ist eine Sache, wenn Figuren nicht sympathisch sind, denn genau das kann einen Roman auch spannend machen, doch hier sorgt es wirklich nur für Augenrollen: Jenny ist überheblich, lächerlich und dumm und ihr Sohnemann einfach nur unheimlich bemitleidenswert. Die im Vergleich noch kluge Corinna hat zwar ihre emanzipierte Seite, doch ihr Streben nach mehr gesellschaftlichen Prestige macht diese eigentlich nur wett. Dahingehend denke ich, dass dieser Roman empfehlenswert ist für Fontnate-Fans und Menschen, die interessiert sind an dieser Zeit und der Gesellschaft, aber ansonsten ist es für mich leider kein herausstechender Klassiker, sondern eher ein nettes kleines Buch für etwas Abwechslung.

THE VERDICT: „Frau Jenny Treibel“ lebt durch den ironischen Spott und der Schrulligkeit der Figuren, die einen immer wieder zum Lachen bringen. Die Handlung wird von langen Dialogen getragen und alles plätschert vor sich hin. Kein Fontane-Lesemuss, aber historisch-gesellschaftlich betrachtet recht amüsant. 6 von 10 Sternen.

Love, Katha

Becks letzter Sommer

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Becks letzter Sommer
Genre: Roman
Ersterscheinung (DE): 2008
Verlag: Diogenes
Preis: 12 Euro
ISBN: 978-3-257-24022-1
Länge: 452 Seiten

Diese Rezension enthält einen Spoiler, der farblich markiert ist.

Ursprünglich wollte Robert Beck kein Lehrer werden und nun unterrichtet er seit Jahren vom Leben ernüchtert an einem Münchener Gymnasium.  Sein Leben wird jedoch plötzlich in Schwung gebracht, als er die junge Kellnerin Lara kennenlernt und sich das erste Mal im Leben richtig verliebt. Außerdem entdeckt er im Musikunterricht ein neues Talent versucht den Außerseiter-Jungen Rauli Kantas zu fördern und endlich aus seiner Mid Life Crisis rauszukommen, merkt jedoch schnell, dass er am liebsten selbst so talentiert wäre. Neid, Liebe und ein neues Leben – alles steuert unweigerlich auf einen verrückten Roadtrip zu.

Bei meinem dritten Wells muss ich zugeben, dass meine Begeisterung leider nicht so großartig ausfällt wie bei „Spinner“ oder „Vom Ende der Einsamkeit„. Ähnlich wie „Spinner“ ist auch „Becks letzter Sommer“ eher verrückt als ernst angelegt und schildert ein buntes Abenteuer, bei welchem die Sprache einfach und die Handlung absurd ist. Zugegeben, als jemand der sich mit „Vom Ende der Einsamkeit“ in diesen Autor verliebt hat, ligt hier zweifelsohne ein krasser Kontrast zu seine früheren, eher jugendlich anmutenden Werke vor. Nichtsdestotrotz ist Becks letzter Sommer auf jeden Fall ein urkomisches Lesevergnügen und macht die ideale Sommerlektüre für Strandtage oder lange Zugfahrten her, bei dem man Lachen, ungläubig den Kopf schütteln und nachdenklich mitphilosophieren kann – denn der Roman hat auch tiefe Töne.

Was ich besonders schön gemacht fand, war die Einteilung des Buches in eine A – und eine B-Seite, ganz wie eine Schallplatte, wobei die einzelnen Kapitel jeweils Songnamen trugen. Ein kleines Detail, welches zum Charme und zu dieser Eigenheit des Romans beitragen. Wells erzählt einfach drauf los und wirkt dabei frisch und einzigartig frei vom normalen, prosaischen Erzählen. Die Mid Life Crisis Becks wird mit einem satten Tempo erzählt, doch greift dabei ernste und alltägliche Lebensthemen und –fragen auf, die jeden früher oder später beschäftigen: Mache ich das richtige im Leben? Eigentlich bin ich nicht zufrieden, aber soll ich aus der Sicherheit heraus weitermachne?

Ich habe den Eindruck, dass man daran auch erkennt, wohin Wells mit seinen späteren Romanen zielen wird. Mir haben die ernsteren Seiten in diesem Buch besser gefallen, aber ich bin mir sicher, dass das eher eine Geschmackfrage ist. Entsprechend würde ich sogar sagen, dass für jeden in diesem Roman ein bisschen dabei ist, weil Wells verschiedene Genres und Thematiken anreißen, die trotz der absurden Handlung, einfach nur sehr menschlich sind.

Ich kann leider nicht ganz spoilerfrei  bleiben, um zu umreißen, dass es ein paar Stellen in diesem Buch gibt, mit denen ich eher weniger glücklich war und die meine Einstellung zu dem Roman ein bisschen verändert haben. Dazu gehört vor allem *VORSICHT SPOILER*, dass gerade die Figur, die ihr ganzes Leben lang Angst vor dem Fliegen hatte, bei ihrem ersten Flug auf grausamste Weise bei einem Flugzeugabsturz stirbt und Benedict Wells anscheinend den Bedarf sah, das emotional ziemlich grausam zu schildern. Wie schon in „Komm her und lass dich küssen“ der niederländischen Autorin Griet Op de Beeck hatte ich Schwierigkeiten mit entwürdigend-abartigen Sterbeszenen und sicherlich tut meine persönliche Angst vor dem Fliegen dazu bei, dass ich kein Fan dieser Szene bin, doch Himmel: War es wirklich nötig, das so zu konstruieren? Und es auch noch brutal ehrlich zu beschreiben? Leider hat es bei mir ein sehr angeekeltes Gefühl hinterlassen, was die restlichen Seiten überschattet hat. *SPOLIER ENDE*.

Bei mir ist es selten, das bestimmte inhaltliche Wendungen ein Buch in der Gesamtbewertung negativ beeinflussen, aber ich muss leider sagen, dass es hier in kleinen Teilen der Fall ist. Ein bisschen enttäuscht bin ich, weil ich mir mehr etwas wie das neuste Buch von Wells gewünscht habe, aber es ist dennoch keineswegs ein schlechtes Buch. Vor allem, wer einfach ausgelassene, lustige Road-Trips mag mit Abenteuergefühlen und einem musikalischen Hintergrund und sich für nichts zu schade ist, wird wirklich Spaß und Freude an diesem Roman haben. Ich denke, man muss ein bestimmter Typ Mensch für das Buch sein.

THE VERDICT: Eine erlebnisreiche, bunte, verrückte Geschichte eines Lehrers mit Mid-Life-Crisis, die zum Lachen einlädt. Eine angenehme und ausgelassene Sommerleküre für zwischendurch, allerdings für mich nicht nachhaltig beeindruckend und leider hat es nicht ganz meinen Geschmack getroffen. 7 von 10 Sternen

Love, Katha

 

Feuer und Stein

Autorin: Diana Gabaldon
OT: Outlander
DT: Feuer und Stein
Genre: Historischer Roman, Liebesgeschichte
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (US): 1991
Verlag: Blanvalet
Preis: 8 Euro
ISBN: 978-3-442-36105-2
Länge: 798 Seiten

Als Claire Beauchamp Randall nach dem zweiten Weltkrieg endlich ihre Flitterwochen mit ihrem Mann in Schottland verbringen kann, ahnt sich nicht, wie kurz dieses Glück seien wird. Als sie an einem freien Nachmittag einen Steinkreis entdeckt , geschieht das unglaubliche: Plötzlich findet sich die ehemalige Krankenschwester Claire in einer ganz andere Welt wieder, im Jahr 1743 und damit Mitten im Kampf zwischen Engländern und Schotten. Bald darauf lernt sie den berüchtigten und von den Engländern gesuchten Jamie Fraser kennen und stürzt Hals über Kopf in ein Abenteuer.

Die Beschreibung „ein sehr üppiges Buch“ trifft es wohl am besten. Es wurde mir mehrfach von den verschiedensten Personen, ob online oder im richtigen Leben vom Herzen empfohlen – ein bisschen Dramatik, Romantik und historischer Roman in den schottischen Highlands kann auch mal ganz amüsant sein, dachte ich.

Ich habe sehr gemischte Gefühle, was diesen Roman betrifft. Zum einen war für mich die Liebesgeschichte zwischen Jamie und Claire recht unglaubwürdig und für meinen Geschmack zu erotiklastig, ich oute mich da gern, dass es einfach nicht für mich ist und ich es auch nicht so häufig brauche, wie es in diesem Buch vorkommt. Dahingegen hat mir der Abenteuerteil des Romans wirklich gut gefallen und war sehr amüsant zu lesen – vielleicht auch, weil ich das bekam, was ich erwartete: schnelle Fluchten, rasselnde Schwertkämpfe mit den Rotröcken und eine starke Frau mittendrin. Obwohl ich entgegen vieler weiblicher (und sicherlich auch männlicher) Fans Jamie leider gar nicht mag, habe ich die Protagonistin Claire schnell ins Herz geschlossen. Mir gefällt es stets gut, eine starke aber auch facettenreiche Frau in Büchern (und Filmen) zu sehen, die nicht ausgesetzt, sondern natürlich und klug wirkt, aber natürlich auch menschlich und von ihren Gefühlen beeinflusst.

Allerdings muss ich auch sagen, dass es auf den letzte 200 Siten ordentlich Aufwind gab und mir die Geschichte anfing – wie auf den ersten 250 Seiten – wirklich gut zu gefallen. Der Mittelteil war für mich einfach sehr zäh, so wirklich geschah nichts, ein ständiges Hin und Her in der schottischen Landschaft. und erotische Szenen, natürlich

Werde ich die Reihe weiterlesen? Ich denke schon, irgendwann, denn im Grunde genommen ist diese Reihe wirklich recht amüsant und entspannend, wenn man zwischendurch mal ein bisschen kitschige Liebe und Abenteuer mag. Vor allem bin ich sehr überzeugt, dass sich ein Blick in das englische Original lohnt.

THE VERDICT: Ein vielseitiges, spannendes Abenteuer mit einer tollen Protagonistin, aber einer nicht überzeugenden, kitschigen Liebesgeschichte mit einem großen Anteil „lustvoller Szenen“, die eher unangenehm oder albern als erotisch zu lesen waren. Dennoch ist es definitiv eine amüsante Abwechselung. 6.5 von 10 Sternen

Love, Katha