[Unileben #3] Erwachsen sein?

In letzter Zeit wurde ich öfter mit dem sogeannten Erwachsensein konfrontiert und habe darüber nachgedacht, was es für mich bedeutet. Mir ist aufgefallen, dass mein Blog etwas vor sich hindümpelt und ich zwar weiterhin gern lese, aber etwas von dem Literaturblog weggekommen bin und eigentlich auch wirklich lust hätte, mehr über Alltägliches, das mich beschftigt zu schreiben – was in erste Linie mein Unileben ist. Hier ist also ein erster kleiner Versuch, meine Gedanken zu Erwachsensein und -werden zu sortieren.

Ich hatte kürzlich wieder einen dieser Momente, in denen mir einfiel, dass ich theoretisch auf dem Weg bin, eine eigenständige, erwachsene Person zu werden. Aber was genau heißt das? Wenn mir Leute sagen, dass nun wo ich erwachsen bin, mich auch so verhalten soll? Was ist denn angemessen für jemanden mit 20? Wie habe ich zu sein?

Ich glaube, die letztere Frage fasst es perfekt zu sein. Mir scheint, als wäre Erwachsensein eine Einstellung für Außenstehende, für Fremdwahrnehmung. Da merke ich schon, wie problematisch die Idee ist, sich in ein solch ungenaues Konzept zu quetschen oder sich, wie ich zur Zeit, davon einschüchtern zu lassen. Und das große Fass, was man von uns Millenials denkt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufreißen.

In meinen frühen Teenager Zeiten war es genau das, was ich mir so gewünscht habe: erwachsen sein, was auch immer das genau heißen sollte, ich stellte es mir verheißend und wunderschön vor: unabhängig, meine eigene, schöne Wohnung, eine großartige Beziehung, ein Studium, das super läuft und tolle Zukunftschancen hat und natürlich viel Freiheit, natürlich von den Eltern. Mit 20 ist man so verdammt erwachsen, dachte ich, in der Hoffnung, Dinge dann besser zu verstehen.

Ehrlich gesagt, nun, gute 7 Jahre später bin ich eigentlich nur viel verwirrter vom Leben und von diesem Erwachsen sein – was mir besonders vor einigen Wochen aufgefallen ist, als ich endlich den Schritt wagte, von zu Hause auszuziehen. Nun verbringe ich wirklich viel Zeit allein verbringe und mir liegt diese erträumte Freiheit theoretisch zu Füßen. In der Schwebe zwischen der unendlichen Möglichkeit, mich mal richtig gehen zu lassen und dem Bewusstsein, dass ich meinen Alltag irgendwie strukturieren muss, komme ich nicht weiter. Ja, dieses 20 Jahre alt sein, dieses komische unbestimmte Konzept, dass aber etwas bestimmtes verlangt,fühlt sich momentan an, als müsste ich auch herausfinden, wer ich eigentlich sein möchte.

An der Uni kommt man mit vielen verschiedenen Altersgruppen zusammen: zum einen all die jungen Leute, die frisch nach dem Abi den Campus erobern wollen oder vielleicht ein FSJ oder ein Work And Travel Jahr in Neuseeland reingezequtscht haben – aber irgendwas zwischen durchschnittlich 18 und 20 Jahren sind mit leuchtenden Augen und voll Euphorie.
Andererseits gibt es ganz viele, die beispielsweise schon eine Ausbildung hinter sich haben, oder sogar ein Studium und nun Ende zwanzig sind, oder Anfang dreißig. Ich glaube, grob gesagt trifft man vor allem auf diese Altersgruppe zwischen 18 und 32 (was nun nur eine grob geschätzt unempirische Bauchgefühlstatistik ist) und das ist wirklich echt eine große Spanne, wenn man es so recht überlegt, wie viele individuelle Lebensabschnitte dazwischen liegen und wie sich die Lebensefahrung staffelt. Zumindest wirkt es aus meiner 20 jahre alten Sicht so auf mich – ich war stets von mehr oder weniger Gleichaltrigen umgeben, wie es in der Schule üblich ist. Aber plötzlich haben sich Türen zu ganz anderen Altersgruppen geöffnet und etwas sehr merkwürdiges ist mit mir passiert.

Ich stresse mich immer enorm, wenn ich Menschen Ü25 treffe. Es ist, als müsste ich mit aller Kraft beweisen, dass ich schon so erwachsen bin – erwachsen, so wie ich es oben beschrieben habe: ein strukturiertes, erfolgreiches Leben mit der gehörigen Portion Coolness und vor allem Intelligenz. Aber was heißt denn erwachsen, muss ich mich an dieser Stelle erneut fragen.

Mir während der WG Suche in Berlin aufgefallen, dass Leute ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie ich mit 20 zu sein habe – und zwar überhaupt nicht erwachsen. Jung und wild aufs Feiern, Leute kennenlernen, eine freie ungebundene und großteils verantwortungslose, unordentliche Seele. Ich bin mir sicher, dass ich diesen naiven, offenen Charakterzug auch habe, aber meine Güte, ich will nicht darauf herunterreduziert werden.
Genau deshalb versuche ich, so verdammt erwachsen rüber zu kommen – Grund gütiger, es ist wirklich schwer mit 20 ernst genommen zu werden – außer von gleichaltrigen – und ich möchte es doch gern. Ich freue mich von Herzen auf die Zeit, wo ich darüber schmunzele, was mich nun beschäftigt. Schließlich kann ich mich auch darüber amüsieren, welche Probleme ich mit 16 hatte und wie anders ich mittlerweile einiges sehe.

Ist erwachsen sein vielleicht nur die Begabung, Dinge deutlich entspannter zu sehen und sich nicht so gequält Sorgen zu machen – gerade, weil man immer mehr Lebenserfahrung und Kenntnis auf dem Rücken trägt und Dinge gelernt hat?
Ich glaube, ich komme hier an meine Grenzen. Ich werde berichten, wenn ich mehr weiß!

Love, Katha

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Klassiker lesen

Moinsen!

Ich werde heute einfach ins kalte Wasser springen und ein Herzensthema aufgreifen, über das ich schon lange schreiben wollte: Klassiker. Ich weiß, dass es da draußen einige Blogger und Bloggerinnen (die ich nicht namentlich nennen werde) gibt, die Klassiker nicht mit Sternen bewerten, weil es Klassiker sind – ich bin natürlich der festen Überzeugung, das jeder auf seinem Blog so bewerten und schreiben soll, wie er möchte, und ich will keineswegs diese BloggerInnen damit angreifen, vielmehr hat mir diese Entdeckung eher einen Denkanstoß gegeben, mal über Klassiker zu schreiben, denn auch wenn ich hier gern welche rezensiere, scheint es mir, als gäbe es wenige, die darüber schreiben. Manchmal komm ich mir vor, wie ein Fossil oder eine etwas staubig gewordene Uhr in einer dunklen Ecke eines Raritätenladens: Mein Blog ist mein kleines Hobby, aber gleichzeitig auch mit dem tiefsten Wunsch verbunden, andere Menschen für Dinge, die mich begeistern, anstecken zu können. Ich möchte gern davon überzeugen,  dass Klassiker ganz fern ab von obligatorischer Universitäts- oder Schullektüre begeistern können, dass es viele Nischen gibt und genauso wie bei den frischesten Neuerscheinungen ordentlich Diskussions- und Austauschpotential herrscht!

Ein kleiner Exkurs: Ganz oberflächlich gesprochen, glaube ich generell sagen zu können, dass es sehr schwierig ist, präzise mit Sternen zu bewerten. Bei mir geschieht es oft eher aus dem Bauchgefühl heraus (und manchmal vergleichend mit anderen Büchern) als nach einer festen Regel. Warum man Sterne-Bewertungen kritisch betrachten sollte, hat meine beste Freundin Charlie auf ihrem Blog bereits vor einigen Monaten erörtert, wen das interessiert, dem lasse ich gerne den Link dazu hier.

Dennoch finde ich es schwierig pauschal zu sagen, dass abzulehnen, Klassikern im Gegensatz zu allen anderen Genres die Bewertung zu verweigern, unter der Begründung es seien nun mal Klassiker. Das kann man auf verschiedene Weise interpretieren, ob es nun an ihrem hoheitlichen Status liegt oder an etwas anderem, ich weiß es nicht genau.

Nicht jeder Klassiker ist gleich, nur weil sie alle unter der Kategorie „Klassiker“ in einer Buchhandlung gefunden werden können –  und moderne Klassiker sind meistens eine ganz andere Geschichte. Klassiker zu sein ist keineswegs ein Gütekriterium für hochwertige Literatur, meines Erachtens nach gibt es sicherlich genauso viel Schund wie glänzende Literatur wie unter jeder anderen Genre-Kategoie.

Ich glaube auch, dass viele Respekt vor Klassikern haben und vielleicht ist gerade das manchmal auch zu viel des Guten. So frei nach dem Motto „es ist ein Klassiker, es ist unantastbar“. Ich glaube daran nicht: schließlich ist das so als würde man sagen, dass man momentan gehypte Bücher nicht schlecht bewerten könne – nur, dass Klassiker ihre Beliebtheit über lange Zeit behalten haben. Was heute ein Klassiker ist, kann in 50 Jahren zwar noch immer einer sein, der aber langsam in der Versenkung der Unbekanntheit verschwindet. Klassiker sind keine besseren Bücher – es sind einfach alte Bestseller, wenn man es grob sagen will. Deshalb glaube ich, muss man Klassiker auf jeden Fall auch bewerten, wie jedes andere Buch auch (was nicht zwangsläufig in Form von Sternen / Herzen / glitzernden Einhörnern o.Ä. passieren muss). Sie enthalten keinen Bonus.

Wer bestimmt, was ein Klasssiker ist?

Aber was macht eigentlich einen Klassiker? Ist es nur das Beliebtheitskriterium? Hier kann ich nur aus dem Gefühl heraus sprechen, ich habe keinerlei empirisches Material oder literaturwissenschaftliche Fachkenntnis. Schaut man sich in einer Buchhandlung oder in den Untiefen des Internets um, wird man feststellen, dass manche Bücher immer als Klassiker gelten, wie „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen. Andere Werke, besonders fantasy- und science fiction-spezifische Klassiker findet man meist wo anders. Außerdem gibt es auch die Frage nach dem Kanon, also: Was soll gelesen werden? Es gibt etliche dieser Listen, die sich meist genau in einer Sache unterscheiden: Den Menschen, die dahinterstecken. Schaut man sich die ZEIT Liste der 100 Bücher auf Wikipedia an, entdeckt man Rezensenten wie Marcel Reich-Ranicki, die sagen, was man lesen sollte (unabhängig des persönliches Geschmacks). Wirft man jedoch einen Blick auf Beliebheitslisten, sind Einordnungen oft verzerrter und bieten mehr Überblick über das was tatsächlich gelesen wird. Es gibt meines Erachtens nach nicht die eine geniale und über alles stehende Liste, aber es ist doch hilfreich, auf diese „professionellen“ und laienhaften Listen, wie es sie auch auf Goodreads gibt, zu blicken und sich Inspiration zu suchen.

Klassiker finden

Was  wichtig ist, wenn man anfängt, sich in die Klassiker-Welt zu bahnen, ist, dass man nicht Bücher zwangsläufig liest, weil sie „ein Muss“ sind, wenn sie einen nicht im geringsten interessieren (es ist natürlich ganz anders, wenn man dies aus germanistischen Gründe tun möchte). Vielmehr ist es wichtig, nach ähnlichen Themen zu greifen, die man in der zeitgenössischen Literatur auch lesen würde. Beispielhaft wäre hier mein Faible für Liebesgeschichten, entsprechend würde ich zu AutorInnen wie Jane Austen oder den Brontë Schwestern greifen. Wenn mich Detektivgeschichten faszinieren, dann dürfe einem vielleicht Sir Arthur Donan Coyle oder Agatha Christie gefallen. Wenn mich gesellschaftskritisches fasziniert, dann sei es „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Selbiges gilt für Familiensagen, Schauerwerke, Science Fiction und Fantastisches – man wird genauso fündig und ich denke, es erleichtert einen den Einstieg in die Welt der „alten“ Literatur. Es ist einfach, als würde man ein Archiv besuchen und statt eines historischen Romans über die Regency Zeit einfach einen Zeitzeugenbericht lesen. Für mich liegt darin der Charme eines Klassikers: Zeitreisen, alte Wörter entdecken, andere Denkweisen und Konventionen kennenlernen oder einfach gesagt: eine neue Perspektive gewinnen.

Zunächst etwas ganz offensichtliches: Moderne und „alte“ Klassiker lesen sich ziemlich unterschiedlich, aber man kann keineswegs sagen, dass ein Roman, der näher an unserer Zeit liegt, leichter zu lesen sei. Manchmal kann gerade die moderne, etwas experimentelle Literatur sogar deutlich schwerer zu lesen sein, als deutlich ältere Bücher, was ich bei Virginia Woolfs „Fahrt zum Leuchtturm“ feststellen konnte. Pauschal lässt sich wenig bis nichts über den Zusammenhang von Alter eines Romans und den Schwierigkeitsgrad des Schreibstils sagen, denn wo ein Theodor Fontane eine Landschaftbeschreibung nach der nächsten setzt und Charles Dickens eine Figur in aller Ausführlichkeit charakterisiert, ist ein E.M. Forster ganz strikt und arbeitet reichhaltig mit schlichten Dialogen.

Kritisches Lesen

Noch wichtiger: Man muss sich auf jeden Fall auch kritisch mit Klassikern auseinandersetzten, nicht nur, weil sie möglicherweise rassistische Begriffe verwenden, sondern meist auch ein Meinungsbild einer Gesellschaft zeichnen – manche Autoren arbeiten mit Sarkasmus und Metaphern, andere weise auf die Folgen von gewissem Verhalten und Taten, wie Ehebruch bei Madame Bovary, auf tragische Weise hin. Stets mit seinen modernen Augen einen Schritt zurücktreten und sich mit diesen Werken kritisch auseinanderzusetzten ist meines Erachtens nach wichtig: Ist das historisch überhaupt korrekt? Aus welcher Sichtweise wird dieser Klassiker geschrieben? Natürlich gilt das genauso gut für moderne Literatur!

Bei Klassikern tritt Rassismus und andere Formen von Diskriminierung ganz anders auf, als in zeitgenössischen Literatur: die Meinungen  gehen auseinander, wie man damit umgehen kann und sollte, es fängt bei beispielsweise rassistische, sexistische, homophobe, antisemitische (die Liste ist lang) Bemerkungen, Kommentare oder Wörter an und geht hin zur verzerrten oder brutalen Darstellungen.

Gerade diese Erfahrung habe ich in Géza Gárdonyis Werk „Die Sterne von Eger“ gemacht, wo die political correctness total zweifelsohne auf der Strecke bleibt – jedoch denke ich, dass es irgendwie okay ist, dass wir uns in diese Zeit versetzten müssen und sehen werden, dass früher so gesprochen wurde, dass Klassiker auch ein historisches Zeugnis sind und wir, meiner Meinung nach, diese Bücher auch nicht sprachlich angleichen sollen – wir haben kein Recht in den Büchern, die auch Zeitzeugenberichte sind, rumzufuchteln und zu verändern, um etwas „reinzuwaschen“ und dadurch eigentlich eine Lüge aufzustellen, dass diese Autoren politisch korrekt geschrieben haben, wo fast niemand im 19. Jahrhundert, früher oder später, tatsächlich so war. Was man aber machen kann und da bin ich inspiriert worden von Elifs Beitrag auf dem Blog „The Written Word“ (hier der wirklich spannende Beitrag) ist Vor- und Nachwörter zu schreiben, Hinweise im Anhang zu geben und ähnliches. Ich möchte hier keine Debatte anfangen, wo Rassismus und andere Formen von jeglicher Verurteilung beginnen, ob man rassistische Wört aus Kinderbüchern streichen soll und so weiter, ich möchte nicht politisch auf meinem Blog werden, es soll weiterhin einfach um das Lesen von Klassikern (für Erwachsene und Jugendliche) gehen, deshalb schaut einfach bei dem Beitrag vorbei, wenn euch das weiter interessiert.

Zu guter letzt möchte ich ein paar Empfehlungen aussprechen. Diese haben keinen speziellen Fokus auf ein Genre oder Themenfeld, sondern sind einfach Bücher, die mir gut gefallen haben.

Ich hoffe, ich konnte vielleicht zum Anregen von ein paar Klassikern anregen.

Love, Katha

10 Dinge, die ich in den letzten 2 Semestern beobachtet, mitgenommen und gelernt habe

Es ist schon einige Wochen her, dass ich meine letzte Prüfung hinter mit habe und die letzte Vorlesung überlebte. Ich glaube ohne Einschränkung sagen zu können, dass mich mein Sozialwissenschaften-Studium der letzten 2 Semester nicht nur ziemlich gequält hat, sondern auch einiges gelehrt. Ich möchte diese Erfahrungen hier teilen, zum einen als kleinen Reminder an mich selbst, zum anderen hoffe ich, jemanden da draußen, der vielleicht unglücklich mit seinem Studium ist oder nächstes Semester das erste Mal die Uni-Bank drücken wird, ein paar Ratschläge geben zu können.
Zuletzt sei gesagt: Ich habe kein Erfolgsrezept, ich habe nicht mal eine Ahnung, wie man Uni-Erfolg kocht, allerdings denke ich, ein gesundes Uni-(Selbst)Bewusstsein ist ein großer Schritt, um erfolgreich(er) zu werden. Ein kleiner Disclaimer: Es geht hier um meine individuelle Erfahrung und meine Eindrücke nach 2 Semestern, ich möchte nichts verallgemeinern, nichts in den Dreck ziehen und schon gar nicht den Eindruck erwecken, Uni sei schlichtweg nur schlecht.

Ich und die Anderen

1. Vergleich dich nicht mit anderen – Ganz dick hinter die Ohren schreiben! Und nicht nur wissen, sondern auch praktisch anwenden. Vergleiche, wenn sie nicht mit einem selbst und den eigenen Leistungen sind, können einen echt vergiften und ein schlechter Anreiz sein. Schließlich lernt man für sich selbst und nicht, um besser zu sein als XY.

2. Zwischen Blendern und Lotterlebenstudenten. Jung, voller Hoffnung, frisch aus der Schule mit gutem Abi geht’s in Studium. Man hofft, Menschen mit ähnlichen Interessen zu treffen, endlich mal etwas Anderes zu lernen als in der Schule, hofft auf mehr Freiheit und Unabhängigkeit. Dabei traf ich schnell auf zwei Stereotypen, von denen man sich absolut nicht irritieren darf, was mich erstmal eine gewisse Zeit gekostet hat. Einerseits gibt es die scheinbar perfekten Studenten, die nur 1,0en kassieren und sagen, wie leicht Uni doch sei, dabei noch Yoga machen und Spanisch lernen und natürlich im Studi-Rat sind und stets gut drauf, beliebt und es wirkt, als könnten die alles schaffen – was einen hart trifft, wenn man genau dieser Mensch wäre. Mich hat es in eine Verzweiflung geschürzt: Wie bekommen sie das hin? Und wieso schaffe ich das nicht? Die Wahrheit ist, es gibt wahrscheinlich nur sehr sehr wenig Menschen, die sofort alles können. Schön für sie.

Vom zweiten Typen sind die Noten relativ unbekannt, aber um die geht’s vorrangig nicht. Es ist dieser Typus Studierende*r, wo man ständig mitbekommt, dass dieser Mensch zwischen einem Club und dem anderen pendelt, die coolsten It-Pieces trägt und ach so viel Spaß hat – ganz schön frustrierend, während man drei Stunden lang zu Hause die komplizierte Vorlesung nachbereitet hat. Das Problem ist ähnlich, was in der Schule schon auftritt, aber mir scheint, hier ist es viel stärker (vor allem, weil man am Anfang niemanden wirklich kennt): Ich habe mich beeindrucken lassen, irritieren lassen, was einen einfach nur runterzieht. Es geht nicht um die anderen, es geht um mich – deshalb darf man sich einfach nicht davon emotionaliseren lassen, wenn die anderen scheinbar alles besser machen.

3. Einen kleinen Schock bekommt man- wenn man wie ich an einer großen Uni studiert, wie voll es anfangs ist. Selbst wenn ich 25 min vor Vorlesungbeginn (akademisches Viertel miteinberechnet) da war, bekam ich anfangs nicht unbedingt einen Platz im Hörsaal. Manche Kurse sind bewusst mit kleineren Hörsälen ausgestattet, war mein Eindruck. Nicht erschrecken: es werden weniger, vor allem in den unbeliebten Kursen habe ich das Früh bemerkt (*kleines Husten* Statistik). Der zweite, viel beunruhigende Gedanke, der sich mir erschleicht, ist das Prinzip des Aussiebens. Da versucht man, mit dem System Uni klarzukommen und schon beginnt das Aussieben in der Klausuren mit Prüfungen, mit Lernausmaß des Abitur und mit Anforderungen, die man zweitlich nicht bewältigen kann (scheint mir). Vielleicht ist es Verschwörung, aber gerade an großen Unis, wo knapp 200 Leute im Monobachelor studieren und dann vielleicht noch 80 im Kombibachelor, sollen es weniger werden.

Wie Uni ist und wie ich (nicht) klarkomme

4. Uni ist nicht wie Schule. Wahrscheinlich ist dieser Punkt unglaublich offensichtlich. Ich glaube dennoch, es ist ein Unterschied, das theoretisch zu wissen und es dann praktisch es am eigenen Leibe erfahren zu müssen. Dazu zählen besonders diese zwei Punkte:  Einsamkeit und Anonymität an einer großen Uni sind Alltag. Keiner interessiert sich scheinbar für einen und man kann von Glück sprechen, wenn in einem kleinen Seminar der Dozent gewillt ist, Namen zu lernen. Es ist eine große Umstellung, nachdem man 12 Jahre (in meinem Fall) Lernanstalten als etwas Soziales erlebt hat. Mit ein bisschen Glück lernt man auch sehr angenehme Menschen kennen – aber es dauert, bis man angekommen ist, ein eignes Tempo entwickelt und sich an die neue Situation gewöhnt. Das können Monate sein und das ist total okay.

5. Vorlesungen sind nicht für jeden und jede Vorlesung ist anders. Es gibt Dozenten und Dozentinnen, die anstatt 90 Minuten auch gerne mal 110 reden, dabei 60 PowerPoint Folien oder mehr verwenden, die gnadenlos voll sind (keiner von denen hätte die 5. Prüfungskompontene im Abitur in Berlin bestanden) und sie einfach nur vorlesen, aber sie wenigstens nach der Vorlesung hochladen – das sind Vorlesungen, die man de facto nicht besuchen muss. Dann gibt es Kandidaten und Kandidatinnen, die überhaupt nichts hochladen und nur nette Bildchen von alten Soziologen auf die Folie klatschen. Ebenfalls schockiert haben mich Vorlesungen, in denen schlichtweg nur die Meinung der oder des Dozierenden gepredigt wurde, die total zerstreut und ohne roten Faden waren, mit Leuten, die Deusch mit einem starkem Akzent sprachen, an den man sich erstmal gewöhnen musste.

Kurzum, ein absoluter Alptraum, für jeden, der einfach nur Wissen pädagogisch wertvoll vermittelt bekomemn möchte. Die Schlüsse, die ich aus diesem Vorlesungswahnsinn gezogen habe, sind folgende:

  •  Selbstständigkeit will früh gelernt sein
  • Man muss anders (ich habe leider auch noch nicht ganz herausgefunden wie), deutlich mehr und systematischer lernen. Manchen hilft es, sich in die Bibliothek zu setzten, da dort alle lernen und der Ablenkungsfaktor niedrig ist.
  • Lerne deinen Rhythmus (wie viel Vor-/Nachbereitung notwenig ist und wann du Pausen brauchst. Durchatmen und kleine Freuden sind sehr wichtig) und tritt dir in den Arsch!
  • Rechtzeitig anfangen und auch rechtzeitg aufhören, denn meiner Erfahurng nach funktionieren trockene todlangweilige schlechtgehaltene Vorlesungen ohne Schlaf nicht besonders
  • Nachbereitung ist alles! Oder kurz: Fleiß, Fleiß, Fleiß
  • Manchen helfen Lerngruppen, andere lernen besser allein und abgeschottet

6. Es ist frustrierend, wenn man gut in der Schule war und nicht genauso gut in der Uni ist. Für mich ist dies ein harter Schlag. Mir ist zwar in der Schule nicht alles zugeflogen und ich musste lernen – für manche Fächer mehr für anderen kaum – aber ich bekam auch in der Oberstufe gute Noten und ich habe ein gutes Abitur, ich verließ Schule im Glauben einigermaßen klug zu sein und zu wissen, wie man lernt. Und dann kam Uni und Bullimie-Lernen und ich fühlte ich, als wäre ich die dümmste Person, die dieses Studium jemals angefangen hat – und da scheinbar alle so gut klar kamen (s.o.), setzte mich das unheimlich unter Druck, aber irgendwann hörte ich bewusst auf, über die anderen nachzudenken und zu überlegen, wie ich das gut bewältigen kann und es hat geholfen.

7. Uni ist nicht für jeden was. Nicht jeder ist ein Uni-Typ und nur weil man ein 1,4er Abi (oder besser) hat, ist man nicht dazu verurteilt zu studieren. Ich habe sogar den Eindruck, so wie Uni heute läuft, dass sie gegen einen gerichtet ist, aussieben will und nicht Wissen an möglichst viele, sondern an eine Art Bildungs-Elite vermitteln will. Ein Kampf, bei denen am Ende einige übrig bleiben. Und man soll mit 16, 17, 18 oder 19 (oder älter) schon bereit und nicht mehr zerbrechlich sein? Eiskalt robotermäßig lernen und mit Bravour und Leichtigkeit durchtanzen?  Ich glaube übrigens auch, dass wenn man wirklich das studiert, wonach man sich sehnt und wo die eignen Stärken und Kompetenzen gut ausgeschöpft werden, man das wirklich kann. Aber dazu muss man erstmal „das richtige“ studieren und für mich war dies der Punkt, wo ich ansetzten musste.

Der seelische Faktor

8. Es ist in Ordnung, überfordert zu sein – besonders anfangs. Stundenplan erstellen, die ganzen neuen Räume finden, mit den ganzen neuen Leuten klarkommen (und sich nicht von Ihnen beeindrucken lassen), die Vorlesung vor- und nachbereiten, die gesamte Pflichtlektüre lesen, zwischen den Vorlesungen von der Mensa zu einem anderen Campus hetzten, Thesenpapiere wöchentlich abgeben, später vielleicht seine erste Hausarbeit bewältigen und eventuell noch ein soziales Leben führen und vielleicht sogar nebenbei Arbeiten. Oh Gott, wie soll das gehen? Und warum sehen alle so entspannt aus? Erstmal durchatmen. Zweitens, nicht blenden lassen. Drittens: Es ist okay. überfordert zu sein. Es ist mehr als normal und meistens, wenn man einen der Komiliton*innen näher kennenlernt, wird man feststellen, dass es anfangs nicht so vielen leichfällt, wie es der erste Wimpernschlag glauben lässt. Aber noch viel wichtiger: Warum interessiert einen das denn bitte? Ich glaube, im Grunde genommen, lässt sich das herunterbrechen auf meine Hauptaussage in diesem ganzen Gedankengewusel, die ich schon mehrmals angemerkt habe und die mir besonders wichtig ist: Ich vergleiche mich mit mir selbst, mir ist meine mentale Gesundheit wichtiger als die Topnoten und ich lasse mich nicht einschüchtern von dieser Masse an Menschen.

Ob der Leistungsdruck der eigene ist, weil man in der Schule so gut war und hier plötzlich nicht oder ob er ein Fremdeinfluss ist, ich glaube dieser Druck kann ab einer bestimmten Menge eher zerstörende als motivierende Einflüsse nehmen.

Während in der Schule sich tatsächlich noch jemand für dich interessiert hat und bestenfalls auf die zugegangen ist, um dir zu helfen, steht man hier ganz alleine da. Ich glaube, dass man zwar zusammen lernen kann (für die, die das gut können), aber das Klarkommen, sich nicht wahnsinnig machen, muss man ganz allein schaffen.  Regelstudiuenzeit ist meines Erachtens nach utopisch und teils echt grausam, Topnoten scheinen unerreichbar und über Zulassungskriterien und Noten für den Master will lieber niemand nachdenken. Wie war das nochmal mit dem nicht verrückt werden?

9. Wechseln heißt nicht Aufgeben. Manchmal merkt man es schon ganz früh, dass etwas nicht stimmt – irgendwie ist man unglücklich und vielleicht auch überfordert. Manchmal sackt die Überforderung ab, wenn man das Ersti-Dasein überlebt hat, manchmal nicht. Und dann kommt die Frage: Wechsle ich? Es liegt keine Schande darin.
Für mich haben sich ein paar red flags ergeben:

  • Bin ich motiviert dafür zu lernen? bzw. interessiert mich das im großen und ganzen?
  • Überwiegen die positiven Sachen im Studium die negativen?
  • Kann ich mir vorstellen, das als Master zu machen?
  • Fühle ich mir wohl?
  • Bin ich momentan überfordert oder dauerüberfordert?
  • Überkommt mich ein Gefühl von träumerischen Neid, wenn ich höre, das XY etwas bestimmtes studiert oder eine bestimmte Ausbildung macht?
  • Bin ich mit meiner jetztigen Situation glücklich?
  • Fühle ich mich krank, kann nicht mehr gut schlafen und fühle mich körperlich nicht in der Lage zur Uni zu gehen (weil mir davor graut)?

10. Ich vermisse die Schule. Ja, wer hätte gedacht, dass ich das sagen würde. Die Schulzeit war so schön. Das Lehrpersonal kennt einen, interessiert sich (abhängig vom Menschen, aber meistens) für einen und seine Probleme. Man fühlt sich mehr oder weniger aufgefangen, hat einen Rahmen.

Es gibt sie aber auch: die inspirierenden, tollen, freundlichen und auch nach dem Kurs oder der Vorlesung ansprechbaren Dozenten, die einfach wissen, wie man Wissen vermittelt, die zur Diskussion anregen und zwar auch sehr fordernd sind, aber auf einem motivierenden Level. Ich bin ehrlich: ich hatte genau einen einzigen von dieser Sorte, aber er hat mein letztes Semester wirklich aufgewertet.

 

Zusammenfassend: Ich habe gelernt, dass ich mich nicht überarbeiten darf, dass ich nicht jeden Tag lernen kann, ohne mental durchzudrehen, aber auch, dass man wirklich rechtzeitig und früh anfangen muss, für eine Klausur zu lernen. 4 Wochen vorher sind empfehlenswert, auch wenn ich das Motivtaionstechnisch selbst (noch!) nicht geschafft habe. Ich möchte gut sein, ich möchte aber dafür nicht mit Anfang zwanzig ein chronisches Nervenleiden inklusive Rückenschmerzen und Reizmagen entwickelt haben. Ich lasse mich von den Blendern nicht beeindrucken und nicht von den Leuten verletzten, die mich ignorieren, obwohl wir in einer Gruppenarbeit sind. Ich bin mir selbst wichtig, ich will gut studieren, aber ich will auch noch nebenbei glücklich sein. Ich glaube nicht, dass man  etwas studieren sollte, wo man sich nicht in seinen eigenen Stärken wiederfindet. Zwar macht im Studium sicherlich nicht alles Spaß, aber doch ein paar Fächer. Ich glaube an mich und ich weiß, ich muss mir auch in den Arsch treten, um zu lernen, denn ich verstehe nicht alles sofort. Das ist wohl das wichtigste: Selbstvertrauen und Fleiß.

Was ich mich frage: Sind wir heute schlecht vorbereitet auf das Studieren, weil wir keine Ahnung haben, was wir machen sollen mit unserem Leben als Frischabiturienten? Sind die Anforderungen noch menschlich oder sind wir zu bequemlich geworden, um für das Studium zu „kämpfen“? Und wie kann man effektiv und gut lernen?

Welche Uni Erfahrungen habt ihr gemacht? Könnt ihr mir einen Tipp geben, wie man besser klar kommt, systematisch und gut lernt?

Love, Katha

Bookstagram & Ich

Der Balkon und Ich

Ein Samstagvormittag: es ist ziemlich frisch auf meinem Balkon, wenn ich müde seufze, bildet mein Atem weiße Schlieren in der Luft. Ich trage mehrere Schichten: ein T-Shirt, ein dicker Cardigan, Wollsocken und ein Schal natürlich, sie geben mir Wärme und erlauben mir sogar ein bisschen Bewegungsfreiheit.
Die Sonne scheint fröhlich auf den Balkon, das ist gut, das muss ich nutzen. Denn die Sonne ist mein Freund, sie spendet Licht, das ich gut gebrauchen kann.

Auf einer Holzplatte stehen Kerzen, Laubblätter und ein Stapel weißer Bücher. Liebevoll ordne ich sie an, ich lasse mir Zeit, es hat einen sehr entspannenden Effekt eine Art ordentliches Chaos zu kreieren. Manchmal stelle ich noch einen Topf Blumen dazu oder die aktuelle Tageszeitung. Als letztes schließlich zücke ich meine Kamera (manchmal auch mein Handy) und hopse herum, bis ich den perfekten Winkel gefunden habe für mein Foto – vermutlich sehe ich dabei Rumpelstilzchen ziemlich ähnlich.

Warum das alles?

Nun, ich bin, wie auch auf in der Widget-Leiste verlinkt, mittlerweile ziemlich aktiv auf dem social media Kanal Instagram, besser gesagt, auf einer etwas spezielleren Form des Ganzen namens Bookstagram. Ja, ich fotografiere Bücher, ordne sie an, mache sogenannte „Tags“ (auf den Blogs nennt man sie meistens Stöckchen) und habe immensen Spaß.
Was als simpler Zeitvertreib mit dem laschen Gedanken „Okay, ich probiere mal Insta aus“ ist tatsächlich ein Hobby geworden.

Quantität und Qualität

Es ist natürlich ein wesentlicher Teil dieser social Media Präsenz. Besonders, als meine Zahl an Followern anstieg, nahm auch mein Elan, täglich etwas zu posten, zu. Nur, wie man das dann für sich selbst auslegt ist die Frage.
Es gibt so viele Bookstagrammer auf Instagram, ich habe selbst überhaupt keinen Durchblick obwohl ich das nun seit ca. einem halben Jahr intensiv betreibe. Jeder hat seinen gewissen Stil, manche sogar enormen Wiedererkennungswert und unglaubliche Anzahl an  Follower in fünfstelligen Bereichen.
Ich habe an mich selbst den gleichen Anspruch, wie an meinen Blog: Ich möchte etwas gut geschmiedetes hinterlassen, ich möchte nicht langweilen und mich doppeln. aber vor allem mich selbst verwirklichen.

Allerdings sehe ich sehr häufig Menschen, die ein Buch beispielsweise drei Tage hintereinander fotografieren. Schön und gut und jedem das seine. Allerdings empfinde ich das für mich als unkreativ, da poste ich lieber nicht täglich und hinterlasse Content, den ich nicht schon vier bis fünf mal gezeigt habe.
Was mich aber mein Stolz dann kostet, sind Follower. Ja, richtig, wenn ich mehrere Tage nicht poste und wehe mir, dass ich mal etwas anderes zeige als Bücher, dann folgen mir die Leute nicht mehr. Was mich am Anfang aufgeregt und auch etwas persönlich beleidigt hat, versuche ich mit einem Schulterzucken hinzunehmen.
Natürlich freue ich mich, wenn mir neue Menschen folgen, wenn ich ein größeres Publikum erreichen kann (selbiges gilt natürlich für meinen Blog). Aber wenn jemand mich nur deshalb „mag“ und abonniert, weil ich nur Bücher zeigen soll, hat sich derjenige in mir geirrt.
Denn so sehr ich Bücher auch liebe, nur Bücher … wäre mir viel zu langweilig. Manchmal sind es kleine Zeichnungen, häufiger Altbauten und Architektur, die ich bewundere. Weil ich mich über so viel mehr Dinge definiere, als nur Bücher. Das mag ein Nachteil sein, dass ich auch kein reiner Buch- oder Filmblogger bin, dass ich mich nicht spezifiziere. Aber verdammt, ich würde mich vor mir selbst langweilen.

Meine Zufriedenheit mit meinem Insta-Feed gilt vor allem meiner Zufriedenheit mit den Werken, die ich hinterlasse. Ich werde nicht um Follower betteln, solche Hashtags wie #likesforlikes oder #followforfollow benutzen und überall „love it“ kommentieren. Es ist natürlich jedermanns eigne Entscheidung, wie er Insta und andere social media seiten auslebt. Denn ich möchte hier niemandem vorschreiben, wie er seine Seite zu pflegen hat. Ich schreibe, wie ich es hier mache, und wie ich es persönlich für gut halte. Und die Qualität und die Reflektion meiner selbst in meinen „Werken“ ist mir wichtig.

Ich habe regelmäßig Kreativlöcher, es ist eine Kunst, sich etwas auszudenken, aber gleichzeitig macht es so Spaß, denn irgendwie ist man nicht allein, ganz im Gegenteil, mit manche Leuten entwickelt man eine Art „Bücherbeziehung“ , kommentiert gegenseitig und tauscht sich über Romane aus, was einer der schönsten Seiten an Bookstagram ist.

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Der beste Filter ist immer das natürliche Licht

Wie kann man so viele Bücher besitzen?

Das frage ich mich regelmäßig, wenn ich auf Insta manche „shelfies“ sehe, also selfies von Bücherregalen, die sich scheinbar über meter strecken, wo die Bücher nach Farben sortiert sind und wunderschöne Ausgaben der „Clothbound Classics“-Reihe des Penguin Verlags (also hochwertige und nicht gerade Preiswerte Auflagen von Klassikern) besonders hervorstehen. Ich kann es mehr oder weniger empirisch belegen, welche Auswirkung das auf mich hat: ich möchte nämlich unbedingt noch mehr Bücher besitzen. Auch schon vor Instagram war mein Buchkaufverhalten manchmal etwas bedenklich, aber ich kaufe seitdem definitiv mehr Bücher.

Ich muss allerdings auch sagen, dass es Augenblicke gibt, wo ich mich frage, ob das nicht eigentlich alles materialistisch-kapiltalitische Selbstdarstellung ist, angeben, wie viel man sich leisten kann. Wenn man zynisch und insta-feindlihc sein will, kann man das über alles sagen, über Blogger, die viel Reisen oder professionell fotografieren, über Instagrammer, die stolz ihre Chanel Classic Flap Handtasche neben einem riesigen Starbucks-Gettränk präsentieren, über… ja, über alle.
Mein Gott, nein. Es ist toll anzusehen, es ist toll, Freude zu teilen, es ist einfach toll. Lasst die Leute tun, was sie glücklich macht und seht es euch nicht an, wenn ihr nur trollen möchtet. Für mich persönlich ist die Plattform natürlich eine Austauschmöglichkeit und es bleibt jedem selbst überlassen, worin er oder sie sich wiederfindet. Dazu noch ein wunderbar böser Kommentar [hier] der YouTuberin Alexa Losey. Denn bei Instagram geht es einfach  darum, sich kreativ frei zu fühlen und nicht den Druck, berühmt zu werden, weil es viel wichtigeres im Leben gibt.

Was YouTube sagt

Wenn man bei Youtube Insta-Theme oder Insta-Famous eingibt, findet man verdammt viele Videos. Das sogenannte Insta-Theme beschreibt, wie der eigene Feed Bilder aus ähnlichen oder gleichen Farblementen  bestehen soll und dass säntliche Bilder die gleiche Belichtung haben müssen usw. Im Grunde genommen, dass alle Bilder auf eine unterschiedliche Weise gleich aussehen sollen und das diese Weise eines „perfekten Feeds“ zu mehr Ruhm führen käme. Nun so simpel das auch klingt, so schwierig ist das und meines Erachtens ist mein Leben zu bunt, um sich auf einen monochromen Feed aus  beispielsweise  Weiß und Pastellfarben zu beschränken. Ferner erfährt man, wie man durch bestimmte Arten von Postings besonders viele Follower bekommt und das es tatsächlich Apps gibt, die einem Statistiken anzeigen, welche Bilder am beliebtesten sind, um welche Uhrzeit man posten soll…

Oh ja, Instagram ist eine ernstzunehmende, perfektionistische Wissenschaft! Zumindest für andere. Denn man kann das ganze natürlich mit viel mehr Humor und Leichtigkeit betrachten.

Tatsächlich fand ich neulich irgendwo in den Untiefen von YouTube ein ganz lustiges Video darüber, wie sich Bookstagram in der Realität anfühlt und welches auf humorvolle Weise herausstellt, wie man damit kämpft, ein gutes Foto aus gewissen Winkeln zu machen und dass das bookstagrammer-Leben natürlich deutlich glamourös ist, als es scheint, als es ist. Das alles mit einem Augenzwinkern.

Ein paar Bookstagrammer, die ich bewundere:

@lottelikesbooks
@mscaulfield
@maru.books
@azriela.moone
@bluestockingbookshelf
@mynerdywonderland
@beautywithbooks
@earlgreyandbooks
@bookolanda

Es gibt natürlich einen großen Haufen an tollen Bookstagrammern, das hier sind die, die mir aus dem Stegreif eingefallen sind. Wenn ich euch noch nicht komplett vergrault habe, könnt ihr auch gerne mal meine Insta-Seite besuchen! @katha-logisch

Ich bin gespannt auf eure Kommentare und verlinkt mit gerne eurer Instagram-Profil, falls ihr eins habt.

Love, Katha

Die Sucht nach Stress

Oder eine Erinnerung an mich selbst.

Es ist gar, als stünde ich ständig unter Strom, müsste ständig tun, um in Bewegung zu bleiben, höher, schneller, weiter. Zufriedenseien ist Aufgeben in dem ständigen, täglichen Kampf des Besserwerdens. Sich auf einen Erfolg auszuruhen ist ein Wimpernschlag, bevor ich begreife, dass ich das beim nächsten Mal auch schaffen muss, wenn nicht gar besser. Es ist fast lächerlich: Ich klage darüber, wie schrecklich gestresst ich bin, dass mir der Kopf sonstwo steht, doch gleichzeitig entwickelt man auf eine paradox-perverse Weise eine Art Stockholmsyndrom zu diesem Leiden. Es ist die Droge, der Adrenalinkick, etwas auf den letzten Drücker machen zu müssen und freudetaumelnd, fast schon übermüdet in der Nacht endlich fertig zu sein! Wer braucht schon Schlaf, wenn man von Kaffee leben kann?

Doch dann kommt etwas überaus absurdes: ein ruhiger Tag, an welchem man die Füße hochlegen kann. Ein sanftes Lächeln bei dem Gedanken, doch kaum habe ich es mir am Fenster bei mildem Samstagslicht mit einem Buche gemütlich gemacht, da pulsiert die Schläfe, die Gedanken gehen verloren, man fragt sich was man doch machen könnte, was fehlt.
Fast schon eine leere Enttäuschung, mal entspannen zu müssen.
An den Tagen, wo ich weiß, dass ich noch später etliches zu tun habe, da lege ich gerne die Füße hoch, um den Moment abzuwarten, wo es nahezu zu spät ist, um anzufangen. Es ist die Sucht, die einen ergreift, das Spiel mit der Zeit zu spielen in der festen Überzeugung, es gewinnen zu können. Ein Packt mit dem Teufel. Nur, dass ich nicht Faust sein möchte.

Das ist Schwachsinn. Das Aufschieben, das nächtliche Arbeiten, die bittren Tränen der Angst, die man weint aus reiner Verzweiflung. Das Leben ist nicht die Aufreihung von Erfolgen, das Leben ist nicht die Schule oder das Studium, und doch muss man auch hinfallen, denn Glück fühlt man nur im Kontrast intensiv. Es ist keine Schande, hinzufallen und zu scheitern, es tut weh, doch nur wer liegen bleibt, ist gescheitert. Zufriedenheit ist eine Belohnung, die man sich selbst schenken sollte. Ich möchte ein bisschen mehr lächeln, einfach tief einatmen und an mich glauben, ohne psychopathisch zuckend in der ständigen Angst des Versagens zu leben, die ich mit der Sucht nach Stress, den ich mir selbst aussetzte mache.

Sagte ich Schwachsinn? Unsinn. Wahnsinn!

Das wird schon. Stress hilft zur Motivation, aber die Motivation sollte nicht alleinig aus Stress hervorgerufen werden.
Ich möchte nicht mehr sagen: ich bin der unentspannteste Mensch auf Erden.
Ich möchte sagen – nein, ich werde jetzt einfach schmunzelnd nicken.

Love, Katha

Mumford and Sons @ Waldbühne

Freudentrunken laufe ich in der Nacht nach Hause durch die spärlich beleuchteten Straßen, vereinzend ziehen Autos an mir vorbei, doch ich höre sie nicht, denn in meinen Ohren klingen noch immer die goldenen Funken dieser wunderbaren Musik.
Meine Konzerterfahrung beschränkt sich auf ein kleines Konzert von Brooke Fraser vor einigen Jahren, doch Mumford and Sons in der Waldbühne zu erleben – davon möchte ich ein bisschen erzählen.

Allein die Waldbühne, eine Konzertkollosseum für über 20 00 Bersuchermitten im Berliner Grün am Pichelsberg, ist schon beeindruckend, doch als die Vorband Bear’s Den gegen 19 Uhr eintingelte, spürte ich wie mein Herz den Takt der Musik überschlug, wie ich in Mitten von ebenso begeisterten Leuten, eins mit dieser Freude wurde.
Doch als es langsam dunkel wurde und Herr Mumford uns bat, doch kurz „very leise“ zu sein, war es seine so volle, tiefe und warme Stimme, die durch den Wald hallte, die Bäume nahmen sie auf und raschelten ein bisschen. Es bedurfte keiner großartigen Lichtspiele oder Effekte, es waren vielmehr die Zuschauer, die Handys und Feuerzeuge herausholten, während er zärtlich, aber doch kraftvoll „Cold Arms“ sang und sich auf meiner Haut ein Streifen von Gänsehaut bildete. Die Stimmung zwischen diesem melancholischen, manchmal fröhlichen, doch immer bewegenden Song mit einem Publikum, welches so positive Energie verspürte, war schlichtweg atemberaubend.

Ein ebenfalls schönes Ereignis hatte ich, als ich während ich auf meine gute Freundin Celi wartete, mich mit einem fremden jungen Mann unterhielt, der sich ebenfalls zum Warten auf der Bordsteinkante niedergelassen hatte. Er erzählte mir, dass er gerade Hesses „Narziss und Goldmund“ las und wir unterhielten uns immer mehr angeregt über Kunst, Musik, das Sein und Leben. Das sind wohl diese kleinen, besonderen Alltagswunder: mit einer Fremden Person auf der Straße über das Leben zu philosophieren. Falls du das liest: ich werde mein Versprechen halten und „Steppenwolf“ lesen.

Love, Katha

Kolumne: In der Thunfischdose

Oder: eine Ode ans U-Bahnfahren.

Berlin hat seinen gewissen Charme, der durch allerlei vertraute und manchmal auch überraschende Liebenswüridgkeiten ausgemacht wird. Manche denken dann an die Hipsterviertel Kreuzberg oder Prenzlauerberg mit ihren alten Straßen, die bunte und sich klimaktisch nach ihrer Exotik steigende Cafés säumen, oder an die vielen schmucken Altbauten. Doch zuerst muss man dahin gelangen – und das ist eigentlich noch viel spannender.

Ich habe, man sehe vom GDL-Streik und anderen winterlichen Weichenkrisen ab, das Gefühl, dass Berlin doch ein recht gutes und meist zuverlässiges Verkehrswesen hat, was einen schnell von A nach B bringt, vorausgesetzt man befindet sich nicht in der absoluten Einöde der Randbezirke, die inoffiziell schon nach Brandenburg aussehen. Bus, im Osten der Stadt Tram, S-Bahn und U-Bahn schleppen einen ganz gut durch die Gegend.

Es gibt viel über U-Bahnfahren in Berlin zu sagen und fährt man erstmal regelmäßig durch dieses Metropolenwirrwarr, bekommt man eine ganz andere Sicht auf die Öffis. Wer mit mir U-Bahn fährt, ist schon von vornerein zu bemitleiden, denn ich rege mich regelmäßig über die nicht vorhandene Ästhetik von optischen Scheusale wie Bayerischer Platz, Halemweg oder Berliner Straße auf. Dazu ein anderes Mal mehr. Jetzt mal wirklich: diese Decke der Berliner Straße ist so beängstigend-erdrückend niedrig, dass man beim Anblick zu ersticken vermag, zudem ist Bahnhof in ein plastikartiges, versifftes Weiß getaucht, dass man sich fühlt wie in einer verschimmelten Psychartriezelle, wobei die blutroten Emaillefliesen noch zusätzlich Torrero-Stier-artige Wutanfälle erzeugen.

Aber eigentlich möchte ich von meinen schönen U9-Erlebnissen berichten. Für alle Nicht-Berliner: Die ca. 13km lange charakteristisch orange-markierte U-Bahnlinie pendelt zwischen Osloer Straße (im Norden Berlins) und Rathaus Steglitz (Süden Berlins) und trifft dabei im Herzen der Stadt auf den sagenumwobenen Zoologischen Garten. Aus mir unersichtlichen Gründen ist diese Linie immer voll. Sagte ich voll? Überfüllt. Zugegebenermaßen, keine Tokio’schen Zustände, aber durchaus voll. Wenn ich Freitag abends gen Steglitz fahren will oder um drei Uhr nachmittags am Dienstag zur Turmstraße möchte, stets fühlt man sich wie in einer Thunfischdose – um ehrlich zu sein, manchmal auf olfaktorisch.

Dennoch fahre ich gerne mit dieser Linie. Vielleicht, weil ich mich gerne über den U-Bahnhof Berliner Straße aufrege, vielleicht weil ich das bereits eingegraute Babyblau des Bundesplatzes mag, oder einfach die bunten Kacheln der Spichernstraße heimlich feier, vielleicht steh ich auf die grauen Wände des Hansaplatzes oder diese wunderbare Blau-Orange-Augenkrebskombi der Schloßstraße, oder ich fahre einfach gerne mit den uralten Wagen der Berliner U-Bahn, wo die Bezüge der Sitze markenzeichlich mit rot-blauen Fleckchen besprenkelt sind.

Und dann soll jemand sagen, man sieht beim U-Bahnfahren nichts. So ein Blödsinn.

Love, Katha

P.S. Verantwortlicher für dieses optische Scheusal ist Rainer G. Rümmler.