La La Land

OT: La La Land
DT: La La Land
Cast: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend
Genre: Musicalfilm
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Musik: Justin Hurwitz
Länge: 128 Minuten
FSK: ab 0 Jahren

Nominiert für 14 Oscars.

Gewann 2017 7 Golden Globes, darunter Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik.

Ich empfehle an dieser Stelle – so wie ich das auch getan habe – den Trailer nicht zu sehen und sich einfach komplett überraschen zu lassen, weil der Trailer zu viel von den „magischen“ und schönen Szene angedeutet und so vielleicht das Staunen und die Überraschung ein bisschen weniger intensiv ausfallen könnte.

In Los Angeles leben Mia und Sebastian, die beide von einer Zukunft als Berühmtheit träumen. Während Mia unbedingt Schauspielerin werden will, sich allerdings unerfolgreich von einem Vorsprechen zum nächsten kämpft, hofft Sebastian auf eine großartige Karriere als Jazzmusiker mit eigenem Club. Als sie sich das erste Mal auf einer Party unterhalten, beide genervt und frustriert von  ihrer aktuell frustrierenden Lage, wird eine Spannung zwischen den beiden deutlich und es scheint, dass sie sich nicht zufällig über den Weg laufen.

Warum bin ich in diesen Film reingegangen? Nun, als ich den Titel gehört habe, fand ich ehrlich gesagt er klang recht nichtig und in bisschen lächerlich (anscheinend ist La La Land ein Spitzname für Los Angeles) . Als ich allerdings vernahm, was für ein heißer Oscar-Kandidat dieser Film ist  (und ich jedes Jahr im Kino ein paar der Oscar-Kandiaten sehe) und meine beste Freundin Charlie mir eröffnete, sie sei ziemlich überfordert-überzeugt von dem Film, war mir klar: Warum eigentlich nicht?

Es ist kein Film, der wegen seines Inhalts den Rahmen sprengt und die Herzen erobert, extrem tiefgründig und sehr anspruchsvoll ist, sondern der durch seine Machart glänzt, durch wenige Schnitte, wunderbare Musicalszenen, überzeugende Schauspieler und tollen Tanzeinlagen, Sternenhimmel und Herzklopfen. Ein bisschen erinnert mich das an den ganz großartigen Stummfilm „The Artist“, der vor einigen Jahren auch ein großer Oscar-Favorit war, wie ich finde aus ähnlich Gründen: Ein etwas „verstaubtes“ Genre aufgegriffen, etwas modernisiert, eine Brise von Eigenartigkeit dazugegeben und einen Film für das Herz kreiert, der einen unglaublich in der Vergangenheit schwelgen lässt und dessen Soundtrack man gerne nach der Kinoaufführung ruf und runter hört.

So magisch und bezaubernd der Film in seiner  Machart ist, muss man auch zulassen, sich von diesem Glitzern überzeugen zu lassen, sein Herz zu öffnen für eine Hommage an Hollywood und Träume, kleine versteckte Symbole, Hoffnungsfunken .
Ich denke nicht, dass der Film für jederman ist, sondern ein toller Film, den ich jedem Tagträumer und Realitätsflüchtigen empfehlen kann.
Der Film berührt tief, bringt aber auch zum Nachdenken, was man aus seinen Träumen im Leben machen will.

Ich muss zugeben, dass ich zuvor keinen Film mit Ryan Gosling gesehen habe und auch nur drei mit Emma Stone kenne –  ich war also fast ohne Meinung zu den beiden Schauspielern in diesen Film gegangen, hatte nur zuvor gelesen, dass die beiden häufiger zusammengearbeitet haben und ich muss sagen, man merkt das! Die beiden waren in der Lage, Mia und Sebastian so viel Leben einzuhauchen und eine so unglaublich überzeugende,k nisternede Chemie zu erzeugen sowohl in romantischen Szenen als auch bissigen Diskussionen. Ihre Liebesgeschichte ist ziemlich vorhersehbar und überhaupt nichts Neues und jeder, der nicht dieses ganze Tra-ra mag mit bunten, üppigen Szenen mag, der wird sich hier langweilen, denn der Film ist auch nicht „spannend“, sondern emotional, manchmal sogar ganz schön  mitreißend. Hier spricht der Film ans Optische und ans Gefühl.

Das Herz dieses Filmes macht natürlich der Soundtrack aus, der die ganzen Emotionen und Tanzsszenen auch erst möglich macht. Nach Aussage des Regisseurs Chazelle ist die Musik, die Justin Hurwitz komponiert hat, inspiriert von alten MGM-Filmen aus den 1940er Jahren (entsprechend ist „La La Land“ auch im Cinemascope-Format gedreht worden). Neben frischen Musicaleinlagen mit dem halben Set, die mit Klavier-Melodien und wunderbaren langen Szenen ohne Schnitt durch die Gegend hüpfen, enthält der Film auch viele Jazzstücke und auch melancholische Orchestrastücke. Eher untypisch für ein Musical ist allerdings, dass es kaum Solos gibt, was für einen richtigen Musical-Fan mögicherweise eine Enttäuschung sein könnte – betrachtete man es jedoch aus der Perspektive, dass Chazelle versucht hat, etwas Neues, aber an Altem inspiriertes zu kreieren, finde ich, dass ihm das wirklich gelungen ist. Die Musik ist wie eine Feuerwerk-Batterie: Irgendwie bekommt man alles: rauschende Feuerwerke, lautes Knallen und kleine flinke Funken und man kann als Zauschaunder einfach nur Staunend starren und zu hören. Zumindest komme ich von diesem tollen Soundtrack nicht mehr los!

Meine Favoriten sind bei den peppigen Elementen „Another Day of Sun“ und  „Someone in the Crowd“ und bei langsameren „Planetarium“. Bei letzterem muss ich anmerken, dass mir daran nicht nur die unglaublich eingänge Melodie gefällt, sondern auch dass es die typischen Elemente von alten Disneyfilmen enthält, aber auch etwas an die Musik von den Ghibli Studios (z.B. „Das Wandelnde Schloss“)  unter Joe Hisaishi erinnert und dadurch etwas unglaublich melancholisch-nostalgisches hat.

Zu diesen Soundtrack, über den ich hier noch ewig schreiben könnte, kommen mitreißende Tanzeinlagen, wo man wirklich sehen kann, wie viel Energie vor allem die beiden Hauptdarsteller in diesen Film investiert haben müssen – das gilt besonders für Ryan Gosling, dessen Rolle faktisch daraus besteht, dass er Klavier spielt und es durch die langen Aufnahmen ohne Schnitt unmöglich ist, jemand andere spielen zu lassen. Eine beeindruckende Leistung!

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so euphorisch und verzaubert ein Kino verlassen habe, ich hätte Tanzen können, so entzückt wie ich war. Der Film hat mein Herz erweicht und meine Sinne in den Bann gezogen und entsprechend bin ich nur in der Lage, ihn  freudeerfüllt zu bewerten, vielleicht bin ich auch verblendet, aber als Tagträumer bin ich vermutlich das perfekte Zielpublikum für so einen Film. Nachdem ich verschiedenste Rezensionen im Internet gelesen habe, verfestigt sich mein Eindruck, dass sich die Geister an diesem Film scheiden – aber sei’s drum, Geschmäcker sind verschieden. Ich liebe den Film trotz der Krtitken, und das mag für mich etwas heißen!

Einen minimalen Abzug gibt es, da ich rückblickend finde, dass der Anfang (auch wenn ich verstehe, warum er so bunt und extrem fröhlich gemacht wurde) nicht ganz mit der Grundstimmung des Filmes harmoniert und es einen recht harten Bruch gibt. Er hat etwas eigenstehendes.

THE VERDICT: Ein unbeschreiblich kreativ gestalteter Film, der auf nostalgisch-romantische Weise verzaubert und um Träumen und Tanzen einlädt. Der Soundtrack als absoluter Hochkaräter rundet den Film mit zwei überzeugenden Schauspielern wunderbar ab . Die Geschichte mag nicht die anspruchsvollste sein, aber ihre Machart ist ein wahrer Traum. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Film irgendwann ein Klassiker wird. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

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Media Monday #225

Moinsen!

Nach etwas längerer Abstinenz komme ich dank der Ferien endlich wieder dazu, etwas für meinen Blog zu leisten!

Media Monday #225

1. Mit den Filmen mit Kirsten Stewart kann man mich ja echt jagen, denn dieses leere, blasse und stets gleich glotzende Gesicht ist derartig nichtssagend, dass es mich schon wütend macht!

2. Der Trailer zu „Suffragette“ hat mich total gepackt, ich kann es kaum erwarten, diesen Film zu sehen. Es ist natürlich auch die faszinierende Besetzung aus Meryl Streep und Carey Mulligan,meine Begeisterung für diese Epoche, aber vor allem dieses bewegende und so bedeutende Thema für die ganze Menschheit.

3. „Dido Elizabeth Belle“ braucht sich nicht vor einschlägigen Genre-Vertretern zu verstecken, schließlich ist dieser Film nicht der  typische Kostümfilm inklusive Liebesgeschichte, den man vielleicht erwarten mag, sondern bietet historisch als auch menschlich viele Werte. Wer mehr erfahren will, findet meine Rezension hier.

4. Während mir „Die Chroniken von Narnia“ mir  ja noch richtig gut gefiel, war der Nachfolger „Prinz Kaspian von Narina“ ein fades Remake des ersten Teils.

5. Der Horroctober ist im vollen Gang. Ich für meinen Teil bekomme schon schizophrene Zuckungen, wenn ich daran denke, was unsere Lehrer uns alles über die Ferien aufgegeben haben.

6. Von der Bildsprache her ist „Far from the Madding Crowd“ bzw „Am Grünen Rand der Welt“ einfach nur wunderschön , denn diese Mischung aus gefühlvollen Blicken und der wilden, südenglischen Landschaft sättigt das Auge auf eine unglaubliche Weise. Der Film ist so schön gemacht, meine Rezension findet ihr übrigens hier.

7. Zuletzt habe ich „Die Verurteilten“ gesehen und das war beeindruckend, weil ich merkwürdigerweise nie etwas von diesem traurigen, nachdenklichen und sehr gut gespielten Film gehört habe, allerdings auch nicht gedacht hätte, dass mich ein Gefängnisfilm so sehr beeindrucken würde.

Love, Katha

The Imitation Game

DT: The Imitation Game – ein streng geheimes Leben
OT: The Imitation Game
Drama: Thriller, Historiendrama
Cast: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Allen Leech, Charles Dance
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore (auf Grundlage von Andrew Hodges‘ „Alan Turnig – Enigma“)
Musik:
Alexandre Desplat
Erscheinungsjahr:
2014
Länge:
ca. 113 Minuten
FSK:
12 Jahre

„The Imitation Game“ handelt von der Geschichte des britischen Mathematikers und Kryptoananalytikers Alan Turning, basierend auf der Biografie „Alan Turing – Enigma“ des britischen Mathematikers Andrew Hodges. Der Film wird auf drei Zeitebenen, Alans Kindheit in King’s College (1927, Cambridge), dem zweiten Weltkrieg (1939) und die kriminalistische Aufarbeitung seiner Vergangenheit (1951), die nicht chronologisch sind, sondern in Rückblenden oder vorausschauend gezeigt werden, erzählt. Der wichtigste Part ist natürlich das Entwickeln der Turning-Bombe in Bletchley Park mit Hilfe von Hugh Alexander, Joan Clarke, Peter Hilton und John Cairncross um Enigma zu knacken.

Besonders über die Besetzung habe ich mich sehr gefreut, da einige Schaupieler, die ich sehr mag und ich mir gut für die Rollen vorstellen konnte, dabei sind.
Hierbie spielt ein sehr überzeugender und authentischer Benedict Cumberbatch die Rolle des Alan Turing. Natürlich ist es immer schwierig, eine Biografie zu verfilmen, ob die Person exakt so war, oder ob in das Drehbuch viel zu viel hineininterpretiert wurde, kann ich nicht sagen. Dennoch muss man anmerken, dass die Rolle sehr glaubhaft und hervorragend geschauspielert wirkt, besonders die Emotionen und der hochgradig interessante Charakter Turings, ziehen einen in den Bann. Allerdings muss ich mich auch als etwas voreingenommen bekennen, da ich ein sehr großer Benedict Cumberbatch-Fan bin.
Auch Keira Knightley, die ich ebenfalls sehr schätze, spielt ihre Rolle der Joan Clarke emotional und mit Überzeugungskraft. Was mich etwas überraschte, war das doch sehr enge Verhältnis der beiden zueinander, von welchem es auch in der Biografie Turings hieß, dass es nicht so innig gewesen sei wie dargestellt, was mich etwas störte.
Ebenfalls gefreut habe ich mich über Mark Strong, der Major General Stewart Menzies spielt, da er auch hier mal wieder in der Rolle des strengen, ausnahmsweise nicht ganz so bösen, aber etwas unheimlichen Chiefs des MI6 brilliert.

Der Score gehört zu meinen absoluten Highlights des Filmes – aber was kann man schon bei Alexandre Desplat erwarten? Er leistet wieder durch charakteristische, den Film sehr gut unterstreichende Themen, Spitzenarbeit. Das Hauptthema „The Imitation Game“ ist ein wunderbares Zusammenspiel aus engergie- und spannungsgeladenen Komponenten, die unter andrem an das Tippen einer Enigma-Maschiene erinnern, im Einklang mit emotionalen Streichern und tiefen Tönen, welche die hoffnungsvollen, spannenden Szenen wundervoll unterstreichen. Dazu laute Töne, um die Wirren und Bomben des Zweiten Weltkrieges darzustellen. All dies, ohne langweilig oder wiederholend zu wirken. Vielleicht kein Soundtrack für zu Hause zum Nachhören, aber makellos geschneidert für diesen Film.

Ich mag den Film an sich wirklich sehr, betrachtet man ihn als fiktives Werk, ist er in sich weitestgehend schlüssig und hervorragend, leider gibt es einige inhaltliche (z.B. im Bezug auf die Turning-Maschine) und historische Fehler, welche die Grandiosität verpfuschen. Zum einen, wie bereits erwähnt, das innige Verhältnis zu Joan Clarke, zum anderen die Zusammenarbeit John Cairncrosses und Alan Turnings, die für hochgradig unwahrscheinlich gehalten wird, hier aber direkt als im „Team“ eingebunden dargestellt wird. Im Übrigen wird auch Tipp-Ex verwendet, den es damals allerdings noch nicht gab. Auf der anderen Seite ist dies natürlich ein Historienfilm und keine Dokumentation, einige Dinge werden etwas massentauglicher gemacht, ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst wissen. Ich betrachte es mit Zähneknirschen, da mir das Einbinden John Cairncrosses etwas Magenschmerzen bereitet.

THE VERDICT: Mir fällt es ziemlich schwer eine Bewertung zu schreiben, denn aus der anfänglichen Euphorie ist Nachdenklichkeit geworden. Ich erachte es als schwierig, eine Biografie zu verfilmen, umso trauriger sind die enthaltenen Fehler, die ich in meiner Wertung berücksichtigen muss. Dennoch ist natürlich kein Historienfilm perfekt und wahrscheinlich sollte man auch nicht mit dieser Erwartung ins Kino gehen – dafür gibt es die Biogarfie. Die hervorragende schauspielerische Leistung aller Schauspieler und insbesondere Benedict Cumberbatchs und der emotionale und spannungsgeladene Soundtrack machen allerdings die kleinen Fehler nicht wett, weshalb ich nicht die volle Punktzahl geben kann. Deshalb sind  es nur 9 von 10 Sternen – allerdings empfehle ich, ihn zu sehen und sich selbst, ein Bild zu machen.

Love, Katha

P.S. Ich empfehle ihn im Orignialton zu sehen, um in den Genuss Benedict Cumberbatchs Stimme zu kommen!