Belgravia

Autor: Julian Fellows
OT: Belgravia
DT: Belgravia
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: C. Bertelsmann
Preis: 19.99 Euro
ISBN: 978-3-570-10324-1
Länge: 448 Seiten

Vom Drehbuchautor der Serie Downton Abbey

Die Familie Trenchard, geführt von dem ehrgeizigen Bauleiter James Trenchard, befindet sich im Jahr 1841. Als vor 25 Jahren die Tochter Sophia bei der Geburt ihres unehelichen Sohnes Charles stirbt, versucht das Paar Trenchard alles, um den Ruf der Tochter zu beschützen und gibt das Kind weg. Doch als jetzt Anne Trenchard bei einem Nachmittagstee die Mutter des im Krieg gefallenen Vaters ihres geheimen Enkels trifft, beschließt sie, dass sie ihr Geheimnis nicht länger ungeteilt lassen kann – und damit gerät der Stein ins Rollen.

Vermutlich gehöre ich, wie viele Leser dieses Romans, zu den großen Downton Abbey Fans, die gespannt waren, was Drehbuchautor Julian Fellows noch zaubern kann. Bereits beim Lesen des Klappentextes wurde mir schnell klar, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit der preisgekrönten Serie haben würde – besondern in Hinblick auf die Upstairs-Downstairs-Perspektive.

Ein großes Lob geht an die wunderbare Covergestaltung: Ein schlichtes, aber auch edles Design welches das noble Belgravia Viertel in London mit Passanten und Kutschen darstellt und zweifelsohne ein Blickfang ist, der mich angelockt hat. Andererseits muss ich sagen, dass die gebundene Ausgabe des Buches recht dicke Seiten hat und sich das Buch als etwas schwerer erweist, als erwartet.

Julian Fellows hat einen angenehm leichten und etwas blumigen Schreibstil, der besonders die Dialoge sehr angenehm zu lesen macht – sehr lebhaft und spritzig. Ganz deutlich wird auch Fellows jahrelange historisch-gesellschaftliche Expertise nach Downton Abbey, aber auch seinen beiden anderen Romanen „Eine Klasse für sich“ und „Snobs“, so dass er hervorragend das dekadente Leben des Hochadels, die Fauxpas der Emporstrebenden und die Lästereien unter den Dienstboten einfangen kann und ein bisschen an „Vanity Fair“ erinnert. In diesem Punkt hat mich Belgravia gut überzeugt, da ich schon enige Bücher in dieser Periode gelesen habe, war ich positiv überrascht: es wirkt historisch wirklich gut authentisch. Natürlich erkennt man auch eine starke Analogie zu Downton Abbey.

Die Figuren hingegen sind sehr unterschiedlich: Manche sind sehr eindimensional und es wird sofort klar, ob sie böse oder gut sind und dass sich dies innerhalb des Romans nicht ändern wird.  Diese klassische Besetzung vom Sweetheart, der Zofe, die sich für etwas besseres hält, den verwöhnten reichten Kindern und dem Schurken macht den Roman in Teilen wirklich kitschig. Natürlich mag ich den Roman nicht die ganze Zeit mit Downton vergleichen, aber was mir in der Serie durchaus gefallen und hier gefehlt hat, war dass auch mal das „Böse“ eine gewisse Oberhand hat und es auch dunkle Episoden gab.

Andererseits gibt es durchaus ein paar Figuren, deren Charakter sich ändert und entwickelt, zwar um keine 180 Grad Drehung, aber etwas  und die mir recht sympathisch geworden sind. Doch wie bei den Figuren, fehlt mir auch in der Storyline öfters die Tiefe: Die Handlung spielt häufig an der Oberfläche und wirkt manchmal trotz der blumigen Sätze ein wenig wie ein Drehbuch. Nach längerem Überlegen wurde mir auch klar, wie ich dieses ambivalente Gefühl zu diesem Buch am besten ausdrücke: Die Gesichte ist mehr eine Strandlektüre als ein satter Roman, aber ich denke, dass sie in den Händen von ein paar Darstellern und Darstellerinnen zu noch besserem, tieferem und emotionaleren Material werden können. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, da ich in der Geschichte Potential erkenne und sie mich manchmal wirklich mitreißen konnte, aber das gewisse Etwas (vielleicht auch das gewisse „Dunkle“) fehlt. Tatsächlich wäre ich sehr neugierig, wie „Belgravia“ filmisch umgesetzt seien würde, weil ich überzeugt davon bin, dass es mehr aus der an sich ganz interessanten Story machen könnte.

Zu guter letzt möchte ich mich beim Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für die Bereitsstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken.

THE VERDICT: Eine nette, unterhaltende und leichte Lektüre mit guter historischer Exertise, die sich flott lesen lässt, aber meines Erachtens als Film mehr Wirkung hätte entfalten könne, statt in Form eines Romans. Leider fehlte mir die ausreichende Tiefe. 6 von 10 Sternen

Love, Katha

Das Bildnis des Dorian Gray

Autor: Oscar Wilde
OT: The Picture of Dorian Gray
DT: Das Bildnis des Dorian Gray
Genre: Klassiker, Gesellschaftsroman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinug: 1890
Verlag: dtv
Preis: 8.90 Euro
ISBN: 978-3-423-14207-6
Länge: 347 Seiten

Dorian Gray ist ein junger und besonders gut aussehender Mann – dieser Sache ist er sich jedoch kaum bewusst, bis ihm Lord Henry begegnet und ihm den Wert von Schönheit erklärt. Als gerade ein Portrait des jungen Mannes fertig wird, was der Künstler als seine beste Arbeit erklärt, spürt Gray einen neuen Wunsch in seinem Herzen: Das doch das Bild anstelle von ihm altern würde und er für immer in seiner Blüte der Jugendlichkeit bleiben könne.

Ein bisschen erinnert das ganze an Faust: Ein Wesen, in diesem Fall Lord Henry, fungiert in der Rolle des Mephistopheles: Er probiert seinen Einfluss an einem Menschen aus, in dem er ihn mit Aphorismen, Sprüche und Träumen füttert und sein Herz ins Unglück und Verderben reißt – zumindest mehr oder minder übertragen. Den junge Dorian lernen wir als eine komplett unverdorbene und zarte Seele kennen und nach und nach wird der Einfluss Henrys deutlicher: Als erstes natürlich in der plötzlichen Anwandlung, seiner eignen Schönheit bewusst geworden zu sein – und später immer mehr und mehr vom Leben genießen zu wollen, koste es, was es wolle.

Die Moral spielt hier eine besonders schöne Rolle: Der Dandy Lord Henry und sein Malerfreund Basil Hallward fungieren wie Teufel und (mehr oder minder) Engel auf den Schultern Dorians, nur dass letzterer die Gefahr, die von Henry ausgeht und die ganze Manipulation als Erkenntnis wahrnimmt und dafür Basil verdammt – die Rollen also umgedreht. Und tatsächlich nehmen Lord Henry pseudophilosphische Monologe einen enorm großen Teil des Romans ein: Man müsse Versuchungen stets nachgehen, Affären führen und Frauen würden schließlich eine Liebelei durch ihren Versuch, etwas unendlich machen zu wollen stets verderben – um ein paar Beispiele zu nennen. So wirklich sympathisieren kann man mit keinem in diesem Roman – der Lesende hat vielmehr eine beobachtende Rolle und vielleicht auch die desjenigen, der moralisch gebildet werden soll.

Mit ausgeklügelten Sarkasmus, symbolischem Zynismus und einer herrlich blumigen Sprache schafft Wilde einen zu schockieren – und zu begeistern! Einerseits ist es amüsant Henrys überhebliche Einstellungen zu lesen, doch langsam lernt man als Leser die Gefahr. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich ist dieser Roman ein Genuss – alleridngs ein sehr düsterer und teils auch abartiger.

Zum guter letzt möchte ich etwas nennen, was mir durchgehend aufgefallen ist, mich nicht gestört hat, aber zur Recherche verleitet hat. Wilde ist heute relativ bekannt für seine Homosexualität, die für ihn das große literarische Aus bedeutet hat. Nun gibt es einige Stellen in den Roman, wo die drei wichtigen Männer (Basil Hallward, Lord Henry, Dorian Gray) miteinander diskutieren und für mein modernes Verständnis hatte ihre Art sich zu Necken etwas beinahe schon homoerotisches, weil es mich an Flirten erinnert hat – was eigentlich amüsant war, aber vor allem sehr speziell. Wahrscheinlich ist dies ein gewisser Spiel- und Freiraum für Ideen und Interpretationen, den uns Wilde hinterlassen hat, wichtig ist nur, das es den Roman einen besonderen Schliff gibt.

THE VERDICT: Zweifelsohne wird von nun an „Das Bildnis des Dorian Gray“ zu einem meiner liebten Klassiker gehören. Ein hervorragendes, mitreißendes und sehr clever geschriebenes Stück Weltliteratur, das ich jedem ans Herz legen kann. 9 von 10 Sternen.

Love, Katha

The Prisoner of Zenda

Autor: Anthony Hope
OT: The Prisoner of Zenda
Genre: Abenteuerroman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Collins Classics
Preis: 2.99 AUD
ISBN: 978-0-00-792533-9
Länge: 224 Seiten

Als Rudolf Rassendyll, ein rothaariger Engländer, zur Krönung des neuen Königs nach Ruritania fährt, ahnt er nicht, was ihm dort blühen wird. Durch Zufall begegnet er auf einer Wanderung dem zukünftigen König und seinen getreuen und sie beschließen, weil Rudolf und der König sich fast wie Zwillinge gleichen, zusammen etwas zu feiern. Als jedoch der König am nächsten Morgen mit Vergiftungserscheinungen aufwacht, bitten die Bediensteten Rudolf doch während der Krönung den König zu spielen. Er lässt sich drauf ein und es folgt ein flottes Abenteuer.

Die Briten haben ein herrliches Wort um die Grundstimmung dieses Buchs einzufangen: swashbuckling (dt.: heroisch, abenteuerlich, ritterlich, brisant).

Den erfundenen Staat Ruritania kann man sich deutschsprachig vorstellen, aber da Teile in Dresden spielen, ist es irgendwie auch nicht Deutschland. Ich denke, es ist eine entweder Österreich, die Schweiz oder Luxemburg.

Diese abenteuerliche Geschichte ist von der Idee sicherlich die neuste, aber wie sie hier umgesetzt wird, ist mitreißend, spannend und rührt in manchen Momenten auch das Herz! Es geht hier um ritterliche Ideale, Loyalität und die Bewahrung von Ehre – das Gute muss über das Böse siegen. Zwei Männer die sich gleichen und Rollen tauschen – das kennt man auch sicherlich schon von wo anders. Doch auch, wenn die Idee so altmodisch und vielleicht auch übertrieben und ein bisschen lächerlich wirkt, die Charaktere sind das Herz dieser Geschichte: Rudolf, der von einem gelangweilten jungen Engländer zum abenteuerlichen König wird, der für Prinzipien steht, manchmal aber auch seine weiche Seite zeigt. Aber auch die junge Prinzessin Flavia, etwas naiv, aber mit einem großen Herzen und beeindruckender Eleganz. Sie sind Helden, die auch die Tugenden einer Periode wiederspiegeln.

Dadurch, dass das Buch nicht besonders lang ist, geht es stets flott voran, die Geschichte ist schnell und reißt einen richtig mit.

Zu guter letzt muss ich sagen, dass dies mein erster Klassiker ist, den ich auf Englisch lese und auch, wenn dieses Buch noch vergleichsweise simpel zu manch anderen alten Autoren geschrieben ist, muss ich zugeben, dass ich häufiger als sonst Wörter nachschlagen musste, da ich sonst nicht die wichtigen Feinheiten verstanden hätte. Das Interessante ist nämlich, dass man das Buch als Spaß-Abenteuer-Roman vor allem in jungen Jahren lesen kann (es ist zweifelsohne auch für jüngeres Publikum geeignet), aber man auch die Seiten des viktorianischen Zeitalters erkennt, mit Macken, etwas Sexismus und einer gewissen altmodischen Haltung. So ist es nicht nur ein Abenteuerroman, sondern enthält gesellschaftskritische, sarkastische Andeutungen, wenn man genauer hinschaut, was manchmal für jemanden, der nicht Muttersprachler ist, schwieriger sein kann.

THE VERDICT: Ein solider Abenteuerroman, der verdammt Spaß macht zu lesen, manchmal sehr klischeehaft ist und für alte, ritterliche Ideale einsteht. Sehr gute 7,5 von 10 Sternen.

Love, Katha

100 Bücher, die ich lesen möchte

Inspiriert von Elenas Beitrag vom Blog Emerald Notes, habe ich beschlossen eine Liste mit 100 Büchern, die mich sehr interessieren und ich unbedingt lesen möchte, zu erstellen. Eigentlich hatte dieser Liste schon Anfang dieses Jahres ein zu Hause in meinem Bullet Journal gegeben, aber ich dachte, es wird mal Zeit die zu veröffentlichen und mit meinen Lesern zu teilen – vielleicht hat es einen fördernden Effekt?

Ich habe in den vergangenen Jahren dank Schule und einfach aus Neugier einige Klassiker der deutschen und englischen Literatur schon gelesen, aber manches auch noch nicht geschafft. Sicherlich werden sich einige wundern, wie ich es bisher nicht geschafft haben kann dieses eine besonders großartige Buch zu lesen oder weshalb andere wichtige Klassiker hier nicht vorhanden sind – manche habe ich bereits gelesen, andere interessieren mich einfach nicht. Ich bitte in dieser Hinsicht einfach um Nachsicht – jeder hat einen anderen Geschmack und hier ist eine kleine Auswahl meiner Ideen.

Ich werde diese Liste regelmäßig updaten und freue mich natürlich auch schon auf Kommentare, Anregungen und weitere Leseideen von unvergesslichen, wichtigen und berührenden Büchern.

Aber nun zur Liste!

  1.  1984 – George Orwell
  2.  20.000 Meilen unter dem Meer – Jules Verne
  3. Abbitte – Ian McEwan
  4. Agnes Grey – Anne Brontë
  5. Alles Licht, das wir nicht sehen – Anthony Doerr
  6. Anna Karenina – Leo Tolstoi
  7. Anne auf Green Gables – Lucy Maud Montgomery
  8. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – Marcel Proust
  9. Auf verschlungenen Pfaden – Thomas Hardy
  10. Aus dem Leben eines Taugenichts – Joseph von Eichendorff
  11. Bildnis einer Dame – Henry James
  12. Bleak House – Charles Dickens
  13. Candide oder der Optimismus – Voltaire
  14. Cranford –Elizabeth Gaskell
  15. Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde (Rezension)
  16. Das Herz ist ein einsamer Jäger – Carson McCullers
  17. Das Phantom der Oper – Gaston Leroux
  18. David Copperfield – Charles Dickens
  19. Der Alchimist – Paulo Coelho
  20. Der alte Mann und das Meer – Ernest Hemingway
  21. Der Besuch der alten Dame – Friedrich Dürrenmatt
  22.  Der Gefangene von Zenda – Anthony Hope (Rezension)
  23. Der Gesang vom großen Feuer – Sebastian Faulks
  24. Der Glöckner von Notre Dame – Victor Hugo
  25. Der Graf von Monte Christo – Alexandre Dumas
  26. Der große Gatsby – F. Scott Fitzgerald
  27. Der Herr der Ringe – J. R.R. Tolkien
  28. Der letzte Tycoon – F. Scott Fitzgerald
  29. Der Name der Rose – Umberto Eco
  30. Der Prozess – Franz Kafka
  31. Der Schimmelreiter – Theodor Storm
  32. Der Tod in Venedig – Thomas Mann
  33. Der Zauberberg – Thomas Mann
  34. Die Elenden – Victor Hugo
  35. Die Frau in Weiß – Wilkie Collins
  36. Die Herrin von Wildfell Hall – Anne Brontë
  37. Die Kameliendame – Alexandre Dumas
  38. Die Pickwicker – Charles Dickens
  39. Die Räuber – Friedrich Schiller
  40. Die rote Postkutsche – Gyula Krudy
  41. Die Schachnovelle – Stefan Zweig
  42. Die Sterne von Eger – Géza Gárdonyi
  43. Die unendliche Geschichte – Michael Ende
  44. Die Zeitmaschine – H. G. Wells
  45. Dracula – Bram Stoker
  46. Eine Geschichte zweiter Städte – Charles Dickens
  47. Eine Passage nach Indien – E.M. Forster
  48. Emma – Jane Austen
  49. Entweder – Oder – Sören Kierkegaard
  50. Evelina – Fanny Burney
  51. Frankenstein – Mary Shelly
  52. Gottes Werk und Teufels Beitrag – John Irving
  53. Hamlet – William Shakespeare
  54. Harte Zeiten – Charles Dickens
  55. Heidi – Johanna Spyri
  56. Herz der Finsternis – Joseph Conrad
  57. Im Westen nichts Neues – Erich Maria Remarque
  58. Irrungen, Wirrungen – Theodor Fontane
  59. Ivanhoe – Sir Walter Scott
  60. Jenseits von Eden – John Steinbeck
  61. Klein Dorrit – Charles Dickens
  62. Krieg und Frieden – Leo Tolstoi
  63. Lady Audleys Geheimnis – Mary Elizabeth Braddon
  64. Little Women – Louisa May Alcott
  65. Mansfield Park – Jane Austen
  66.  Maria Stuart – Stefan Zweig   (Rezension)
  67. Middlemarch – George Elliot
  68. Mrs Dalloway – Virginia Woolf
  69. Narziss und Goldmund – Hermann Hesse
  70. Nicholas Nickleby – Charles Dickens
  71. Norden und Süden – Elizabeth Gaskell
  72. Northanger Abbey – Jane Austen
  73. Oliver Twist – Charles Dickens
  74. Parade’s End – Ford Madox Ford
  75. Pelle, der Eroberer – Martin Andersen Nexø
  76. Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams
  77. Rebecca – Daphne du Maurier (Rezension)
  78. Reise in 80 Tagen um die Welt – Jules Verne
  79. Richard III – William Shakespeare
  80. Romeo und Julia – William Shakespeare
  81. Schöne neue Welt – Aldous Huxley
  82. Siddhartha – Hermann Hesse
  83. Steppenwolf – Hermann Hesse
  84. Stine – Theodor Fontane
  85. Sturmhöhe – Emily Brontë
  86. Tschick – Wolfgang Herrndorf
  87. Tess – Thomas Hardy
  88. Testament of Youth – Vera Brittain
  89. Tom Jones: Die Geschichte eines Findelkindes – Henry Fielding
  90. Ungeduld des Herzens –Stefan Zweig
  91. Verstand und Gefühl – Jane Austen
  92. Viel Lärm um Nichts – William Shakespeare
  93. Vilette – Charlotte Brontë
  94. Wer die Nachtigall stört – Harper Lee
  95. Wiedersehen in Howards End – E.M. Forster
  96. Wiedersehen mit Brideshead – Evelyn Waugh
  97. Wilhelm Tell – Friedrich Schiller
  98. Zärtlich ist die Nacht – F. Scott Fitzgerald
  99. Zeit der Unschuld – Edith Wharton
  100. Zimmer mit Aussicht – E.M. Forster

Aktueller Stand 5/100

Love, Katha

Rebecca

Anlässlich meines 3 jährigen Blog-Geburtstages (Himmel, wie die Zeit vergeht!) möchte ich gerne ein Buch vorstellen, dass ich kürzlich gelesen und genossen habe: Rebecca von Daphne du Maurier –  ein modernen Klassiker.

Autor: Daphne du Maurier
OT: Rebecca
DT: Rebecca
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1938
Verlag: Knaur Verlag
ISBN: 3-426-60542-2 (Ausgabe 1996)
Länge: 397 Seiten

Unsere junge Protagonistin, deren Name über die Geschichte nie bekannt wird, lebt mit einer schrecklichen älteren Dame in einem Hotel in Monte Carlo als ihre Gesellschafterin. Alles ändert sich jedoch, als Maxim de Winter, ein 40 jähriger Witwer, dort eintrifft und sich die junge Frau und er rasch verlieben und er sie binnen weniger Tage fragt, ob sie ihn heiraten will. Nach einer kurzen Hochzeitsreise nimmt er sie mit auf sein englisches Anwesen Manderley, doch schnell wird klar, dass seine unter mysteriösen Umständen Verstorbene Frau Rebecca noch immer im Haus präsent ist.

Die Schriftstellerin, die vielleicht einige von uns in Hitchcocks Klassiker „Die Vögel“ das Staunen und Gruseln gelehrt hat, beweist in „Rebecca“ hohes schriftstellerisches Können, nicht nur schafft sie es, die Protagonistin nach und nach komplett paranoid zu machen, sondern man selbst weiß nicht, wem oder was man trauen kann. Dabei ist die Protagonistin eine zarte und sehr schüchterne junge Frau (und manchmal leider, auf Grund mangelnder Lebenserfahrung, mangelndem Selbstbewusstsein und Einschüchterung ein bisschen eine „dumme Gans“), deren Charakter sich überzeugend mitentwickelt und man meist gut mit ihr sympathisieren kann, aber auch teils etwas genervt ist, in diesem unheimlichen Haushalt.

Der Haushalt mit seinen vielen kleinen Nebenrollen ist mit mindestens genausoviel Liebe zum Detail von Maurier geschrieben und gezeichnet worden, was dem ganzen Buch eine unglaubliche Überzeugungskraft, psychologische Gerissenheit und Lebendigkeit gibt.

Dieser Roman ist ein wenig wie die gefürchtete Schatulle der Pandora: Erst einmal geöffnet, ist der weitere Verlauf unaufhaltsam und man liest eine Seite nach der anderen und hat stets das Schlimmste zu befürchten. Ohne Spoilern zu wollen: Dieser Roman lebt förmlich von seinen Drehungen und Wendungen, die einen teils eiskalt erwischen. Spannend wie ein Thriller und geistreich wie ein Klassiker mit einigen Zügen einer Romanze. Es ist wirklich schön, wie mehrere Genres in „Rebecca“ aufeinandertreffen, jedoch muss ich gestehen, dass der romantische Teil ein wenig dünn war.

Bei längerem Überlegen fiel mir allerdings auch auf, dass mir das alte unheimliche Haus, die verstorbene Frau, die aber noch immer präsent ist und das junge, zarte Mädchen bekannt vor kamen – auch Charlotte Brontës Meisterwerk „Jane Eyre“ . Knapp gesagt, könnte man meinen „Rebecca“ sei eine deutlich gruseliger und dafür weniger romantische Version einer ähnlichen Grundidee. Vom Lesegefühl, Schreibstil und der Persönlichkeiten der Hauptfiguren sind die beiden Geschichten jedoch Grundverschieden und auf jeden Fall lebenswert.
Natürlich schwingt hier eine wichtige Frage mit: Welches der Bücher gefällt mir besser? Es fällt mir nicht schwer mich zu positionieren: Jane Eyre glänzt durch angenehmere Charaktere und statt Grusel berührt es tief im Herzen.

Meine Empfehlung: Wer nicht wirklich weiß, wovon Rebecca handelt, den Film oder das Musical noch nicht gesehen hat – Hände weg, lasst euch überraschen!

Als einen kleinen Nachteil empfand ich das Ende, welches ich nicht inhaltlich erwähnen werde, um spoilerfei zu bleiben, welches meines Erachtens nach sehr abrupt und plötzlich kam, denn auch ein offenes Ende muss nicht so wortkarg geschrieben werden, um offen zu bleiben.

THE VERDICT: Ein extrem spannendes, unheimliches Buch, welches mit seiner Unberechenbarkeit einen sofort in einen Sog zieht. Eine literarisch-psychologischer Hochgenuss, den ich nur empfehlen kann! Einen kleinen Abzug gibt es, da mich der romantische Teil nicht vollständig überzeugen konnte. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

Charlotte – Leben? Oder Theater?

Autor: David Foenkinos
OT: Charlotte
DT: Charlotte
Genre: Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2014, Frankreich
Verlag: Penguin Verlag
Preis: 10 Euro
ISBN: 978-3-328-10022-5
Länge: 237 Seiten

Biografie über das kurze Leben der Berliner Künstlerin Charlotte Salomon (1917-1943)

Charlotte hatte kein leichtes Leben – stets vom Tode überschattet verliert sie ihre Mutter sehr früh. Doch erst spät wird sie erfahren, dass es ein Selbstmord war. In Zeiten, wo sich der kommende Nationalsozialismus mehr und mehr andeutet, spürt Charlotte nach und nach schließlich das Bedürfnis Künstlerin zu werden und schafft es, obwohl nur eine Hand voll Juden an der Universität angenommen werden dürfen, ihre Leidenschaft zu studieren. Dort, unter Künstlern und Musikern, lernt sie bald einen Mann kennen, der etwas zuvor unbekanntes in ihr regt.

Ich gebe zu, ich kannte Charlotte Salomon zuvor nicht, doch der französische Autor Foenkinos hat es geschafft, mich mit seiner Begeisterung anzustecken.

Zunächst sei gesagt: Dieses Buch liest sich ganz besonders. Aufgebaut wie ein Gedicht, beim kurzen Blick über die Seiten glaubt man, es sei in Versen – doch halt, er schreibt in kurzen, prägnanten Parataxen. Im Zuge des Lesens begründet Foenkinos auch seine Entscheidung diese Biografie auf so außergewöhnliche Weise zu verfassen. Was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig ist, entpuppt sich schnell als sicheres Stilmittel, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, schmerzhafte Worte direkt auszusprechen und mitten ins Herz zu treffen. Schon mit dieser Besonderheit zog mich das Buch an, doch der Inhalt schlägt wie eine Bombe zu.

Charlottes trauriges Schicksal, vom schrecklichen Tod ihrer Mutter, über die heimliche Liebe und das bittere Exil in Frankreich, zu ihrem größten künstlerischen Erfolg, und letztendlich ihrem grausamen Tod in Auschwitz. Keine leichte, aber unglaublich bewegende Lektüre. Nun stellt sich eine wichtige Frage: Ist es Charlottes Biografie, die einen schon bewegt, wenn man sie kurz googelt, oder ist es tatsächlich Foenkinos, der einen das Herz aus dem Leibe reißt?

Natürlich ist es auch die Biografie, aber die spezielle Weise, sich Charlotte zu nähern und sich ihr nah zu fühlen, macht das Buch so lesenswert. So beschreibt Foenkinos in seinen knappen prosaischen Versen nicht nur Charlottes Interaktionen, sondern auch, wie er ihrem Weg folgt – nach Berlin und Frankreich, wie er sie kennengelernt hat. Hie eine Brise Humor, da großer Herzschmerz. Das Buch „Charlotte“ strotzt vor Leben und fasziniert, ja brachte mein Herz zum Klopfen, so dass ich dieses kurze (aber nicht zu kurze!) Büchlein in einer Nacht durchlas.

Wer sich dieses wortstarke, aber auch schmerzhafte Buch zu Gemüte ziehen will, dem empfehle ich, vorher einen Blick in den Zyklus „Leben? Oder Theater?“ zu werfen, in dem sie mit musikalischen, prosaischen und vor allem malerischen Elementen ihr Leben dokumentiert. Leider liegt hier meines Erachtens nach auch die Schwäche in der Biografie: Die Malerei, die besonderen künstlerischen Charakteristika ihrer Werke bleiben unbekannt – so viel, wie von „Leben? Oder Theater?“ gesprochen wird, so wenig erfährt man eigentlich über die Technik, über Themen und Motive. Ich hätte gerne mehr über die Künstlerin Charlotte erfahren, wo ich nun so viel zum Menschen kenne – natürlich kann man das nicht ganz trennen, aber ein bisschen Tiefe in diesem Aspekt hätte dem Buch noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Zu guter letzt das Cover: Eine Teilabbildung von Charlottes Selbstporträt, sie blickt zur Seite, aber nur fast, aus den Winkel ihrer Augen starrt sie einen geheimnisvoll an: Wer ist diese Frau? Schlicht, effektiv und passend.

Ein großes Dankeschön an den Penguin Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

THE VERDICT: Wie ein Stoß direkt in mein Herz und meine Faszination traf mich David Foenkinos Biografie zu Charlotte Salomon. Sprachlich sehr schlicht und trotzdem ergreifend geschrieben, geht man mit Charlotte auf eine schrecklich traurige, aber auch insprierende Lebensreise. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

One Last Dance

Autor: Judith Lennox
OT: One Last Dance
Genre: Familiensaga, historischer Roman
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2014
Verlag: Headline Review
Preis: 7.99 Pfund
ISBN: 978-0755384143
Länge: 505 Seiten

Auf Deutsch unter dem Titel „Ein letzter Tanz“ erschienen

Anfang des 20. Jahrhunderts: Esme Langdon ist seit Kindheitszeiten in Devlin Reddaway verliebt, der jedoch für ihre Schwester Camilla schwärmt. Nach einer kurzen Liebesaffäre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges schwört sich Devlin sein Anwesen für Camilla aufzubauen. Als er jedoch aus dem Krieg verwundet zurückkehrt, muss er feststellen, dass Camilla schon mit jemand anderem verlobt ist. Aus Groll und Eifersucht nimmt er schließlich ihre kleine Schwester Esme zur Frau. Sein Anwesen Rosindell will er weiterhin groß machen.

Es gibt einige ganz großartige Familiensagen, historische Romane und Liebesdramen -sowohl filmisch, als auch proasisch- , welche im 20. Jahrhundert spielen. Ein klassisches Beispiel sind für mich Downton Abbey und die Jahrhundertreihe, beginnend mit „Sturz der Titanen“ von Ken Follett. Beide beweisen, dass Geschichte unterhaltsam, mitreißend, zeitgetreu aber nicht mit dem präzisesten Anspruch eines Geschichtswissenschaftlers erzählt werden kann.
„One Last Dance“ gehört nicht ein mal ansatzweise dazu, der historische Vorhang und die Geschichte mit dem Anwesen sind schlichtweg eine Tarnung für einige schrecklich kitschige und klischeebelasteten Liebesgeschichten. Was am Anfang noch vielversprechend war, entwickelte sich inhaltlich zu einem Hamasterrad.
Natürlich besitzt dieser Roman vor allem den Anspruch als seichter Roman zu unterhalten und ihn nebenbei zu lesen – was er sehr gut bis zur ersten Hälfte erfüllt und für dieses Genre ein wirklich angenehmer Roman ist, aber die Wendung, welche die Geschichte später annimmt unter der großen Überschrift „Liebe ist alles“ tut nur weh.

Für mich ist dieses Buch ein klassischer Fall von „Oh schönes Cover, oh es geht um den 1. Weltkrieg (was ein enormes Interessengebiet von mir ist) und es sieht ganz unterhaltsam aus“ – das leih ich mir aus. Ich würde rückblickend keinen Cent für diesen Schund verschwenden. Wer eine Liebesgeschichte lesen will, die (realistischer) im 1. Weltkrieg spielt und wo sich die Figuren wirklich entwickeln, dem möchte ich „Eins wollt ich dir noch sagen“ ans Herz legen.

Was den zweiten Weltkrieg angeht, hatte sich Lennox vermutlich gedacht, dass sie den überhaupt nicht richtig erwähnen müsse. Bombenanschläge in London? Am Rande. Vor allem haben die Figuren Sex. Es tut einfach nur weh! Wenn man die Handlung eines Romans schon in die Zeit enormer gesellschaftlicher Umbrüche setzt, muss man diese erwähnen. Ganz, als sei von 1910 bis 1950 kaum etwas geschehen, außer dass Frauen Bobs tragen und mehr Zeit mit Männern verbringen können.

Leider konnte ich mit keinem der Charaktere warm werden, so dass mich selbst traurige und dramatische Momente nicht immer überzeugten. Esme, die Protagonistin, war zwar eine wirklich süße Figur aber unglaublich platt. Dafür muss ich sagen, dass ich Devlin, der zwar ein Fremdgeher ist uns sie aus den falschen Gründen geheiratet hat, deutlich mehr mochte, weil er am vielseitigsten war und dadurch die plastische Figur des Romans, die sich tatsächlich entwickelt hat. Das propagierte Geschlechterbild ist jedoch wirklich zum gruseln, Männer sind notorisch nur auf Sex gepolt und Frauen lassen sich ausnutzten bis zum geht nicht mehr oder sind auch nur auf Sex aus. Betrachtet man Werke wie „Jane Eyre“ oder auch „Stolz und Vorurteil“, wird man erschreckt feststellen, dass diese Bücher viel feministischer und weniger vorurteilsbelastet oder auf ihr Geschlechterrolle fixiert waren, als „One last dance“. Das geht gar nicht!

Zudem gibt es keine wirkliche psychologische Entwicklung der Figuren, was erschreckend ist, betrachtet man, dass der Roman gut 60 Jahre einnimmt. Gut bleibt gut, und böse ist böse ohne die kleinste Vielschichtigkeit und ruft gar nicht dazu auf, verschiedene Perspektiven zu betrachten.

Ich bin etwas hin und her gerissen. Zwar habe ich den Roman wirklich schnell und teils amüsiert durchgelesen, weil es hervorragend zum Abschalten ist (im wahrsten Sinne: Urlaub für’s Gehirn), zum anderen kenne ich auch andere Bücher zum Abspalten, die inhaltlich viel mehr zu bieten haben.

Ich erwarte kein historisch korrektes Werk, was dieser Roman ganz bestimmt nicht ist, aber gute Unterhaltung. Ich habe die Passagen, welche sich um das Anwesen und seine Entwicklung sehr genossen, nicht nur, weil dies wirklich historisch realistisch ist, sondern auch, weil das neben der ganzen Liebe, die Figuren Esme und Devlin am meisten zum Leben erweckte. Leider  kam das viel zu kurz! Ich war ich an manchen Stellen so verärgert über die platten Figuren und die sich wiederholenden Passagen, dass ich selbst als seichte Lektüre „One last dance“ nicht empfehlen möchte. Lasst euch nicht von diesem tollen Cover täuschen!

Knapp gesagt, hätte man Ken Follett an die Idee dieses Romans gesetzt, hätte man das gesamte Potential ausschöpfen könne, so verbleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.

THE VERDICT: Selbst für ein seichtes Nebenbeilesen gibt es deutlich bessere Bücher. Auch wenn der Anfang vielversprechend war und sogar ganz unterhaltsam in Teilen.  Aber enttäuschend im großen und ganzen. 2,5 von 10 Sternen.

Love , Katha

Unsere Seelen bei Nacht

Autor: Kent Haruf
OT: Our Souls at Night
DT: Unsere Seelen bei Nacht
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Orignial Ersterscheinung: 2015
Verlag: Diogenes
Preis: 20 Euro (Gebunden)
ISBN: 978-3257069860
Länge: 208 Seiten

Als Addie Moore bei ihrem Nachbarn Louis Waters an der Tür klingelt, ahnt er noch nicht, wie sehr das sein Leben verändern wird. Addie macht ihm einen Vorschlag: Da ihre beiden Partner ja verstorben seien und es Nachts doch so einsam sei, könne er dann nicht ab und zu bei ihr übernachten? Etwas verwirrt und von sich selbst überrascht stimmt Louis schließlich zu. Doch in einer Kleinstadt bleibt nichts geheim. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt und nicht nur die gleichaltrigen Nachbarn schämen sich, sondern auch ihre eigenen Kinder wollen sie überzeugen, dass sie einfach nur peinlich sind. Addie und Louis entpuppen sich jedoch schnell als starkes Team.

In erster Linie hat mich der bezaubernde Titel dieses Buches angelockt, er wirkte so ehrlich und melancholisch. Vielleicht hätte ich das Buch nicht gelesen, wenn ich kein Rezensionsexemplar gewonnen hätte. Deshalb bin ich gleich doppelt glücklich, denn dieser kurze, bewegende Roman ist eine Bereicherung!

Was als erstes sofort auffällt: Es gibt keine Anführungszeichen bei wörtlicher Rede. Zunächst war es unglaublich gewöhnungsbedürftig, mir war, als fehle es dem Buch einfach an Form. Doch spätestens nach 10 oder  15 Seiten wirkte dieser freie, einfache Schreibstil so herrlich echt. Es ist faszinierend, wie Haruf nahe zu nur mit wörtlicher Rede es schafft, zwei tolle Charaktere mit liebevoller Urigkeit und Tiefe zu bilden. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass es mir so gut gefallen könnte. Denn auch wenn ich Dickens, Fontane und Goethe für ihren imposanten, teils ausschweifenden Stil liebe, zeigt Haruf, dass es auch anders geht, ohne dass die Iinhaltliche Qualität oder die Plastizität der Figuren darunter leiden – ganz im Gegenteil!

Außerdem heißt es, dass eine Verfilmung mit Jane Fonda und Robert Redford in Vorbereitung sei. Denn gerade auf Grund des Drehbucharigen Charakters dieses kurzen Romans kann ich mir vorstellen, dass eine authentische Verfilmung hier gut möglich seien. Ich bin sehr gespannt auf diesen Film!

Mir gefällt nicht nur die Einfachheit dieses Buches, sondern auch, wie es mich aus der Reserve gelockt hat, meine Vorurteile über „einfach“ geschriebene Bücher in einem Zack verloren gegangen sind. Ich bin mehr als positiv überrascht. Der englische Begriff „Straightfoward“ trifft es wohl am besten, schlicht, direkt, mitten ins Herz.

Andererseits muss ich sagen, auch wenn es eine wunderbare, leichte Geschichte ist, wie ein schöner Sommertag, den man genießt, kann ich es mehr als Lektüre für Zwischendurch empfehlen, wenn man etwas heiteres, was aber auch nachdenkliche, berührende Seiten hat, braucht. Am besten im Sommerurlaub. Denn auch, wenn es mir gefällt fehlt mir ein Funken, damit ich sagen kann, dass ich es wahrlich liebe.

Was mir das Herz bricht ist, wie viel Liebe in den Charakteren steckt und wie gerne man noch viel mehr von ihnen und mit ihnen erfahren möchte, aber man weiß, da es Harufs letztes Buch ist, dass keins mehr erscheinen wird. Allerdings – das sei gesagt – weiß ich jetzt schon, dass ich mehr von diesem Autor lesen möchte.
In dieser Hinsicht kann man das Buch als vielfach erfolgreich bezeichnen: Es hat geschafft mich zu begeistern und für mehr zu inspireren.

Zu dieser Ausgabe: Das schlichte Diogenes-Cover mit der gelben Hauswand und den sommerlichen Lichtflecken passt gut zu der warmen, frischen Stimmung des Buches und dessen Inhalt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich den Preis für ein recht dünnes und groß gedrucktes Buch etwas happig finde, auch wen der Inhalt wunderbar ist.

Zu Guter letzt möchte ich der Seite „Vorablesen“ danken, dass ich dieses tolle Rezensionsexemplar erhalten habe.

THE VERDICT: Ein besonderer, manchmal lustiger, meist bittersüßer Roman in schlichter, präziser Sprache über das Altern und dass man nie zu alt für irgendwas Neues ist. 8 von 10 Sternen

Love, Katha

Maria Stuart

Autor: Stefan Zweig
OT: Maria Stuart
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1935
Verlag: Fischer Verlag
Preis: 8 Euro(Taschenbuch)
ISBN: 978-3-596-90359-7
Länge: 448 Seiten

Biografie Maria Stuarts (1542- 1587), Köngin von Schottland

Eine kleine Vorgeschichte: Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu lesen, wenn mir nicht ein bisschen auf die Sprünge geholfen wäre. Vor einiegn Jahren bekam ich es zum Geburtstag geschenkt und war regelrecht eingeschüchtert – Zweig, ein großer Autor. Bin ich dem gewachsen? Meine Klassiker-Liebe blühte in den kommenden Jahren langsam auf und manchmal war ich mir unsicher, ob ich es nicht vielleicht lesen sollte, bis es mir auf meiner Arbeit von einem Kunden empfohlen wurde, Maria Stauart habe sein Leben und seine Ansichten verändert. Ich war verblüfft und wollte dem auf den Grund gehen.

Das ist die erste Biografie, die ich gelesen habe und dennoch dünkt mich, dass es keine wirkliche Biografie ist, sondern eine Art proasische Lebensgeschichte mit Stefan Zweig als Moralapostel und leidenschaftlicher Dramaturg.  Ein außerordentlich detailliertes Werk und eine Art von Prosa, wie ich sie bisher nie gekannt habe. Kurz : Dieses Buch ist gewöhnungsbedürftig.

Zunächst sei gesagt: Maria Stuarts sehr dramatisches Leben ist recht deprimierend, wer keine traurigen Geschichten ertragen kann, ist hier falsch. Stefan Zweig ist ehrlich und beschreibt die spannenden Momente so herrlich mitreißend, das man selbst staunt und Seite um Seite liest und kaum aushält, was wohl als nächstes passiert. Die weniger aktiven und handlungslastigen Momente sind jedoch so schrecklich öde, wie sie Stuart vielleicht selbst empfunden hat – man langweilt sich gewissermaßen mit ihr. Obwohl es in Prosa geschrieben ist, erinnert es mich ein wenig an ein antikes Bühnenstück, nicht nur auf Grund der dramatischen Handlung, sondern auch  weil Zweig, ähnlich wie der kommentierende Chor in Sophokles „Antigone“ stets  den moralischen Finger kundtut. Einerseits wertet er, andererseits bezieht er allerdings – besonders im Konflikt Elisabeth I. gegen Maria Stuart! – keine Stellung.

Hat dieses Buch mein Leben verändert? Eher nicht. Was mir allerdings gut gefallen hat, ist nicht nur die Reichhaltigkeit, die vielen Details, aber vor allem dass Zweig keine richtige Position einnimmt und die außerordentliche Wichtigkeit Elisabeths I. herausstellt und wie sich Zeit ihrer Leben langsam die Unmöglichkeit entwickelt hat, dass es nur eine starke Frau auf dieser Insel geben kann. Zweig beweist ein Talent, Charaktere, die er nur aus Dokumenten von Zeitgenossen Stuarts in dieses Buch überträgt und selbst nie erlebt hat, aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und faszinierend plastisch erscheinen zu lassen. Es scheint nahezu unmöglich, dass er nicht selbst dabei gewesen ist. Zweig inspiriert dazu, Geschichte aus mehreren Winkeln zu beleuchten und übertragen ins eigene Leben kleine psychologische Beobachtungen zu machen.

Was ich von diesem Buch gelernt habe? Kenne deinen Feind, sei wachsam und lass ihn Fehler machen.

Mich als großer England und Schottland Fan hat dieses Buch teils wirklich packen können, ich war positiv überrascht wie lebendige das 16. Jahrhundert sein kann. Allerdings ist es wirklich frustrierend und teils langweilig zu lesen, da man letztlich die ganze Zeit auf Stuarts Tod hinliest und weiß, dass es für sie nur schlimmer wird bis zu ihrer „Erlösung“.  Man muss es wirklich konzertiert lesen, allein schon wegen der vielen Charaktere und der Intrigen, um den Inhalt gut mitverfolgen zu können, deshalb denke ich, dass es definitiv kein Buch für Jedermann ist.

Zu dieser Ausgabe: Das Cover, obwohl es leider nicht Maria Stuart sondern eine unbekannte Dame von Hans Holbei d.J. darstellt, gefällt mir außerordentlich gut, es erinnert tatsächlich an die romantische Stuart, die es eher schlicht mochte und viel schwarz in ihrem Leben tragen musste.

THE VERDICT: Eine interessante Biografie, wenn einen Schottland, das 16. Jahrhundert und böse Intrigen und Charakterstudien  faszinieren, für mich aber kein Klassiker, den man gelesen haben muss. Ich konnte mich nur in Teilen ergreifen lassen.  6,5  von 10 Sternen

Love, Katha

Liebe in Wessex

Autor: Thomas Hardy
DT: Am grünen Rand der Welt
OT: Far from the Madding Crowd
Genre: Drama, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1874
Verlag: dtv
Preis: 9.90 Euro
Länge: 732 Seiten
ISBN: 978-3423144018

2015 neu verfilmt mit Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts und Tom Sturridge

Schon bei ihrer Ankunft fasziniert Bathsheba Everdene die ländlichen Bewohner rund um den kleinen Ort Weatherbury. Sie ist schön, kapriziös und kess und damit erregt sie vor allem das Interesse der Männerwelt. Schon bald umkreisen besonders drei Verehrer die freiheitsliebende und unabhängige Erbin: der treuherzige Farmer Gabriel Oak, der wohlhabende Grundbesitzer William Boldwood in der charmante Soldat Francis. Bathsheba genießt das Werben um ihre Gunst und trifft schließlich eine Entscheidung. Doch das Schicksal verfolgt einen anderen Plan (Klappentext)

Kleines Aber am Anfang: Ich würde bei „Am grünen Rand der Welt“ keinesfalls von einer „Klassischen Liebesgeschichte“ sprechen, wie es im Klappentext heißt. Zwar handelt es sich um einen Klassiker – und wahrscheinlich ist klassisch irreführenderweise so gemeint – aber einer klassischen Liebesgeschichte, wie beispielweise „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë gleicht er keinesfalls.  Dieser Roman ist so herrlich zynisch, besonders gegenüber von der Liebe, man sollte lieber  von einem Klassiker der Literatur und einer unkonventionellen Liebesgeschichte sprechen.

Die Figuren sind in diesem Roman dank ihrer Verschiedenheit, ihren Fehlern und Tugenden, der schlichten Menschlichkeit ohne Zweifel ein Juwel. Auch wenn Hardy herrlich blumig schreibt und man das weitläufige Südengland vor seinem geistige Auge aufblühen sehen kann mit jedem kleinen verwitterten Mäuerchen, so sind es Bathsheba, Oak, Boldwood und Francis, die einen bleibenden Eindruck beim Lesen hinterlassen.
Es gibt keinen wirklichen Helden, kleiner sticht heraus mit seinen Tugenden und man kann sich in jede der einzelnen Rollen hineinversetzten. „Am grünen Rand der Welt“ fordert förmlich heraus, sich mit verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Charakteren auseinanderzusetzen, ihre Motive zu verstehen (auch wenn sie nihct zwangsläufig nachvollziebhar sind), denn niemand ist per se „der Böse“, auch wenn eine Figur in vielem Momenten vermutlich den düstersten Charakter zu haben scheint.

Fast schon etwas Kommentierendes hat Hardy eingebaut, wie er über die Liebe, die Gier und Habsucht, Betrug, Stolz, die Schwäche, die Ergebenheit seiner Charaktere herzieht. Verächtlich? Vielleicht, aber vor allem mit sehr wachem Blick. Die erste, flammende, blind machende Liebe wird hier so realistisch erzählt und gleichzeitig der Leser wachgerüttelt, neben all der Romantik genauer hinzusehen, was diesen Roman zu einer  zeitlosen Erzählung macht.

Allerdings ist es manchmal für meinen Geschmack doch etwas langatmig. Selbst, wenn man alsbald mit Hardys Humor und den wunderbaren Landschaftsbeschreibungen belohnt wird, hätte die Geschichte weitaus flotter vorangehen können. Vermutlich hält dies primär die Menschen vom Lesen dieses Romans ab, die an der Grundidee sehr interessiert wären, aber mehr Energie in der Handlung wünschen – denn manchmal flüchtet sich hier die Handlung ins Irrelevante. Natürlich, ein Klassiker hat es oft an sich, dass er, grob gesagt “ nichtzu Potte zu kommt „, was  grundsätzlich nichts schlechtes ist und manchmal höchst notwendig für die Entwicklung der Figuren, aber  hier stört es manchmal leider wirklich beim Lesefluss.

Im Hinblick auf die Verfilumg: Dies ist eines der Bücher, bei welchen ich die filmische Adaption zuerst gesehen habe und danach das literarische Werk genossen. Ich wusste uvor nicht einmal, wer Thomas Hardy war, geschweige denn, dass es dieses Buch gibt. Insofern empfand ich den Film als sehr inspirierend. Rückblickend empfinde ich die Verfilmung (Rezension hier) auch angenemessen und hervorragend gemacht, wenn ich gedanklich das Buch miteinbeziehe, jedoch muss ich auch sagen, dass der Film die Geschihte romantsicher auslegt, als der Roman es vorsieht. Jedem, der Thomas Hardy „light“kenennlernen möchte, kann ich den Film ans Herz legen.

THE VERDICT: Ein ungewöhnlicher Klassiker mit scharfen Beobachtungen über die ländliche Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts, gut geschrieben und mit faszinierenden Figuren. Für eine Liebesgeschichte etwas zu nüchtern, für eine Gesellschaftskritik zu romantisch.  Ein guter Roman, der mich jedoch nicht vollständig mitreißen konnte. 7,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Effi Briest

Autor: Theodor Fontane
OT: Effi Briest
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1894
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Preis: 12,90 DM (Taschenbuch)
ISBN: 978-3746652665
Länge: 336 Seiten

Effi Briest lebt bei ihren Eltern in Hohen-Cremmen und genießt ihre unbeschwerte Jugend, am liebsten im Garten. Als sie jedoch mit siebzehn Jahren den einundzwanig Jahre älteren Geert von Instetten heiraten und in das tiefste Pommern ziehen soll, ändert sich ihr Leben radikal. Der freie Vogel lebt nun in Kessin an der kalten Küste in einem unheimlichen Hause und ihr Mann ist nur selten da. Das Leben scheint ihr so trist und vereinsamt. Doch alles  ändert sich, als sie Major Crampas auf einer Feier  kennenlernt, einen offensiven Offizier.

Drei Mal habe ich dieses Buch angefangen, bis ich es tatsächlich in nahezu einem Zug durchlas. Mein Wille war groß, wo ich doch viel reizendes über Effi Briest gelesen habe und Theodor Fontanes Schreibstil verehre. Allerdings ist mir nun rückblickend bewusst geworden, dass ich in dieses Buch reinwachsen musste. So gerne ich auch Klassiker lese, glaube ich, das einige erst wirklich verständlich werden und sich einem erschließen, wenn man  ein bisschen „erwachsener“ wird (mir ist das schon mit ein paar Büchern passiert, auch als anderen Gdnres). Ich bin natürlich noch sehr jung, aber nun mit fast 19 Jahren und einem besonderem Faible für das 18. und 19. Jahrundert,  kann ich viel besser mitempfinden und verstehen, wie die Gesellschaft im 19. Jahrhundert gedacht haben muss, als vor drei Jahren, wo ich noch wenig darüber wusste. An dieser Stelle wird mir bewusst auf welch wunderbare Weise Bücher es schaffen, uns Ideen, Werte, Moral, Gedanken, Lebensweisheiten, Erfahrungen und Gefühle zu vermitteln, ohne es direkt zu merken!
Vor drei Jahren hätte ich vermutlich gesagt, dass es eine interessante Geschichte mit einem blumigen Schreibstil ist, die mich aber nicht berühren noch fesseln konnte. Jetzt sehe ich es zum Glück anders!

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Das wunderbare an Fontane ist, das er mit vielen Symbolen arbeitet: Das Rondell der Eltern im Garten, die Schaukel, das Meer in Kessin, der Hund Instettens namens Rollo und ein paar mehr. Auf den ersten Blick erkennt man eindeutig, dass es ein Gesellschaftsroman des Realismus ist: Gegenstände und Personen werden detailliert beschrieben, aber wirken zunächst seltsam oberflächlich. Erst nach und nach werden Effis und später auch Innstettens Charakter und Emotionen  für den Lesenden sichtbar. Genauso wie es in der Gesellschaft Gang und Gäbe war, diszipliniert und nach außen hin stets perfekt zu wirken, agieren die Figuren im Roman. Auf mich wirkte es wie realistisches Portrait der Wilhelminischen Ära, das gleichzeitig seltsam zynisch wirkt, weil es diese Normalität ad absurdum führt. Durch die angedeuteten Witze und Beobachtungen wird offensichtlich, in was für einer gespielten Welt Effi lebt und wie sehr sie unter den affektierten Menschen leidet (wie man es auch selbst tun würde). Ein paar wenige Figuren wachsen ihr ans Herz und ganz still und heimlich trifft sie sich dann und wann mit Crampas, was sie sehr gut vor Instetten vertuscht.

Nun stellen sich einige Fragen: Kann man mit Effi Mitleid haben? Sie geht doch ohne weitere Bedenken in diese Ehe, obgleich dieser Mann eigentlich der Verehrer ihrer Mutter war? Was definiert man als Ehebruch?

Ich glaube, es ist sehr subjektiv, wie man dieses Buch wahrnimmt. Wir lasen es letztes Jahr in Ausschnitten im Deutsch Leistungskurs und die Meinung zu Effis Verhalten differierte stark. Dennoch macht diese kontroverse und interessante Person den Roman für mich so interessant und lesenswert: Man kann herrlich darüber diskutieren und sich überlegen, was man selbst getan hätte.
So gesehen kann man „Effi Briest“ in eine Reihe mit den anderen großen europäischen Werken, die Ehebruch thematisieren stellen, allerdings ist Effi eine viel sanftere Figur und deutlich weniger selbstmitleidige und egoistische Person als Emma Bovary (Anna Karenina habe ich allerdings noch nicht gelesen), die ich wirklich kein Stück mochte. Wer Werke aus dieser Reihe lesen will, dem lege ich Effi ans Herz.

Der einzig negative Punkt, den ich anmerken muss, ist das man besonders, wenn man den Roman anfängt, sich an den Schreibstil gewöhnen muss – man kann „Effi Briest“ eher nicht in einer lauten Bahn lesen. Fontane schwankt zwischen Berichtartigem Schreiben, blumigen Ausschweifungen, knapper mündlicher Rede und langen Diskussionen – so gesehen trifft man auf fast jede Erzählform, was für eine gewisse Leichtigkeit und Abwechslung sorgt. Allerdings verliert der Roman in der Mitte leider deutlich an Tempo und teils langweilt man sich fast so sehr wie Effi im pommer’schen Kessin. Diese Mitte hat mich zwei Mal zum Abbruch veranlasst, doch sobald sie überwunden ist, kommt der ein großartiges letztes Drittel.

Einer meiner Lieblingssätze und auch wahrscheinlich einer der bekanntesten aus diesem Roman ist ohne Zweifel der Dauerspruch von Effis Vater „Es ist ein (zu) weites Feld…“, der nicht ohne Grund zu einem geflügelten Wort geworden ist.

Zu guter letzt etwas zu dieser Ausgabe: Ich habe sie (und „Irrungen, Wirrungen“)  vor einiger Zeit zu einem spottbilligen Preis auf dem Trödel gefunden und mich sofort verleibt. Es gibt eine ganze Reihe dieser „Berliner Frauenromane“, welche der Aufbau Verlag in den 1990ern aufgelegt hat, jedoch heute leider nicht mehr erhältlich sind. Dabei sind es wahrlich schöne Bücher, von denen ich so gerne die gesamte Reige besitzen würde.

THE VERDICT: Ein wunderbar geschriebener Roman in mit vielen Facetten und faszinierenden CHarakteren. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber voll versteckter Symbolik, nur leider ist die Mitte des Buches im Gegensatz zum starken Anfang und Ende etwas dünn, aber darüber sehe ich gerne in der Gesamtbewertung hinweg, da alles in einem es einfach ein tolles und hoch lesenswertes Buch ist, besonders für Klassiker-Liebhaber! 8 von 10 Steren.

Love, Katha

Spinner

Autor: Benedict Wells
OT: Spinner
Genre: Roman
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2009
Verlag: Diogenes
Preis: 12€ (Taschenbuch)
ISBN: 978-3257243840
Länge: 320 Seiten

Nachdem ich vollkommen in den Bann gezogen war von Benedict Wells‘ „Vom Ende der Einsamkeit„, wollte ich auch weitere Bücher von diesem begnadeten Autor lesen und entschied mich für Spinner, einen Roman, der ganz gut zu der verwirrten Jugend passt, zu der ich auch gehöre.

Eine erlebnisreiche Woche aus dem Leben des Jesper Lier, 20 und nicht zur Uni gehender Student, und den großen Fragen und der Verwirrtheit, was man eigentlich aus seinem Leben machen soll.
Nach dem Tod seines Vaters zog er von München nach Berlin, die magische Großstadt zog ihn an mit ihren Reizen und funkenden Perspektiven. Doch Jesper steckt in einer Krise, er will endlich sein Leben umkrempeln und ehe er sich versieht, hat er sich in eine Fremde verliebt und träumt von ihr und  mit seinem Roman „Der Leidensgenosse“ über Nacht berühmt zu werden.

Ein Wells wäre natürlich kein Wells, wenn der schrullige Jesper nicht in die Untiefe sämtlicher philosophischer und essentieller Lebensfragen versinken würde. Lustig und lautstark geschrieben, mit viel Schwung und Energie, einer flotten und verrückten Handlung, scheint das Buch einerseits urkomisch zu sein, gleichseitig zeugt es von einer unheimlichen Tragik. Der Schreibstil schwankt seltsam zwischen kreischenden Heavy-Metal-Rocker und sanfter Klaviermusik, ein auf und ab aus Gefühlen und Reizen – was zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Jesper erlebt die verrücktesten Partys, sieht Obszönes und Perverses, nimmt Drogen und lebt aber auch den tristen Alltag, kennt den leeren Kühlschrank und die dunkle, kleine Berliner Altbauwohnung. Auf ehrliche, skrupellose Weise wird allmählich die Verzweiflung Jespers klar: Was soll aus ihm werden? Was hat er, seitdem er von zu Hause geflohen ist, erreicht? Warum hat er keine Freundin?

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Mich hat „Spinner“ stark berührt, zwar ist Jespers Leben sehr überspitzt und gerne dramatisch, ja, wirkt auf der Weise einer Satire, doch die Essenz des Romans und seine Aussage ist sehr klar: Es ist in Ordnung, etwas verwirrt zu sein. Jung , ahnungslos und überfordert.

Ich denke, dass es ein sehr interessantes Buch für jedem, der um die Zwanzig ist, oder generell Menschen, die frisch aus der Schule kommen und gleichermaßen eine gewisse Ahnungslosigkeit verspüren, wie es mit ihren weitergehen soll, aber auch für Lesende, die älter sind und auf diese verrückte Zeit zurückblicken. Es ist manchmal definitiv keine leichte Kost, mnachmal sogar etwas zu viel des Guten, aber das macht das Buch anderseits so herrlich schrullig und eigenartig.

Zu guter letzt möchte ich sagen, dass mir das Cover zwar ganz gut gefällt mit dem simplen Bild eines rauchenden jungen Mannes, was vielleicht mit seiner leeren „coolen“ Miene etwas provokant wirken soll (es handelt sich hier um die neue Taschenbuchedition, die nicht mehr ein glänzendes, sondern ein mattes Diogenes-Cover besitzt), allerdings raucht Jesper sehr selten im Buch. So trifft das Bild  einfach nicht den Nagel auf den Kopf.

THE VERDICT: Ein berührender und gleichzeitig schriller und verrückter Roman und das Jung- und Verwirrtsein aus einer tragikomischen Perspektive, etwas gewöhnungsbedürfig, aber gleichermaßen liebenswert mit einem absoluten Spinner als Protagonisten. 8 von 10 Sternen.

Love, Katha

Der dunkle Wächter

https://i0.wp.com/www.fischerverlage.de/media/fs/15/u1_978-3-596-03547-2.jpgAutor: Carlos Ruiz Zafón
DT: Der dunkle Wächter
OT: Las luces de septiembre
Genre: Mystery
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 1995
Verlag: Fischer
Preis: 9.99€ (Taschenbuch)
Länge: 304 Seiten
ISBN: 978-3596035472

Als Irene in den 1930ern mit ihrer Familie aus Paris an die Nordküste Frankreichs zieht, erscheint alles trist und komisch. Gerade erst hat sie ihren Vater verloren und ihre Mutter versinkt in einer gewissen Einsamkeit. Doch der neue Arbeitgeber ihrer Mutter, der auf einem geheimnisvollen Anwesen namens Cravenmoore am Meer wohnt, verändert alles. Das Haus scheint eine Art Fluch zu beherbergen. Gleichzeitig lernt Irene einen Jungen namens Ismael kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn.

Ganz wie alle anderen Romane von Zafón lebt auch diesen von seinen schrulligen Charakteren und einem leichten Gruselfaktor mit Steampunkcharakter. Da ich ein großer Fan von Carlos Ruiz Zafón bin und die ganzen Bücher aus seiner Bracelona-Reihe wie verrückt verschlungen habe, wollte ich mal auch etwas anderes von ihm lesen.

Mein erster Eindruck war erstmals Verwirrung: sein Roman spielt in Nordfrankreich, aber des Gruselns halber heißt das mysteriöse Anwesen „Cravenmoore“ – recht unfranzösisch und irgendwie verdammt unpassend gewählt.

Schon an der Dicke des Buches sieht man, dass es nicht zu den mehr ausufernden Bücher von Zafón gehört, die blumiger geschrieben sind und bei ihren Charakteren deutlich mehr in die Tiefe gehen, wie z.B. beim „Schatten des Windes“ oder dem „Spiel des Engels„, wo man in einem eher gemäßigterem Tempo alles zusammenpuzzlet. Eine Zeit lang fand man den Roman auch in der Jugendabteilung der hiesigen Bibliothek, allerdings sehe ich überhaupt keinen Grund für diese Einordnung. Häufig ist es ja ein Klischee, dass Bücher, in denen Jugendliche die handelnden Personen sind, auch gleich Jugendbücher sind. Was diese Einordnung eher vermuten lässt, ist, dass dieser Roman – leider!- nicht so anspruchsvoll geschrieben ist und auch ein bisschen viel offen lässt bei seinen Charakteren, die normalerweise das absolute Herzstück bei Carlos Ruiz Zafón sind. Man könnte sagen, sie werden nicht ganz so liebevoll behandelt.

Bei der Geschichte kann ich nur sagen, das sie wirklich spannend und düster geschrieben ist und ich in der Nacht deutlich länger gelesen habe, als gut für mich war , aber man noch hätte viel mehr daraus machen können, mir scheint als sei das ganze Buch eine Sammlung von Andeutungen, aber es fehlt das Handfeste dahinter. Ich habe wirklich darauf gewartet, dass aus einer Ecke der Autor springt, den ich verehre, nur leider geschah das nicht. Damit will ich nicht sagen, dass der Roman schlecht ist, denn das ist er keinesfalls, er lässt sich wunderbar flüssig an einem Stück herunterlesen, aber es fehlt das gewisse Etwas.

Wer in die Bücher von Zafón einsteigen möchte, dem kann ich den  dickeren „Schatten des Windes“ wärmstens ans Herz legen, denn „der dunkle Wächter“ ist zwar kein schlechtes Buch, aber leider nur unglaublich mittelmäßig.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich definitiv mehr aus dieser vermeintlichen „Jugend“-Reihe von Zafón lesen will, um meinen Eindruck zu erweitern – und die Zeit bis zu seinem neusten Barcelona-Roman zu überbrücken!

THE VERDICT: Das Konzept und die Idee ist super und die Geschichte recht flott und spannend erzählt, leider allerdings nicht so liebevoll umgesetzt, wie man es von Zafón kennt, sondern in einer „light“ Variante verpackt, was etwas enttäuschend für Fans ist. 6 von 10 Sternen.

Love, Katha

Quellen:
Cover

His Dark Materials II

Autor: Philip Pullman
OT: The Subtle Knife
Genre: Fantasy, Abenteuer
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 1997
Verlag: Scholastik UK Ltd.
Preis: £ 7.99 (Taschenbuch)
ISBN: 978-1407130231
Länge: 325 Seiten

Der zweite Teil der His Dark Materials Reihe.
Auf Deutsch unter dem Titel „Das Magische Messer“ erschienen.

Der 12 jährige Will befindet sich auf der Flucht, seit einiger Zeit werden er und seine Mutter von mysteriösen Fremden bedrängt. Nachdem er seine Mutter einer guten Bekannten anvertraut hat, rennt er selbst verwirrt durch die Stadt Oxford,  bis er plötzlich an einer Straße einen Schnitt in der Luft entdeckt, der ihn zu einer ganz anderen, seltsamen Welt und zu einem Mädchen namens Lyra führen wird.

Ähnlich wie Teil eins habe ich auch den zweiten Band innerhalb kurzer Zeit verschlungen! Man wird schnell in die Handlung reingeworfen und danach nimmt die Geschichte mit Beständigkeit an Energie und Geschehen auf, verdammt spannend geschrieben bekam ich dann und wann ganz schön Herzklopfen vor Aufregung, was als nächstes geschehen würde.

Die Idee der mutigen und manchmal auch ziemlich naiven Lyra einen nachdenklicheren, weniger impulsiven Partner an die Seite zu stellen, wirkt am Anfang recht fremd, da es etwas ungewohnt ist, allerdings wird schnell klar, dass die beiden eine Art Bestimmung teilen und sich hervorragend ergänzen. Will ist ein etwas weniger leicht zugänglicher Charakter als Lyra, dennoch konnte ich ihn schnell ins Herz schließen.

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Auch das Cover ist wieder wunderschön: Ein sehr gut durchdachtes Design, das auf verspielte Art und Weise die wichtigsten Elemente das Buches darstellt, die man jedoch während des Lesens erst entdeckt oder auch schon durch Band eins in Teilen erahnen kann. Wer ist der Mann im Ballon? Wessen Dämonen sind dargestellt? Wer ist die Hexe und so weiter – einfach brilliant!

Das besondere an diesem Teil ist, dass die Paralleluniversen und das Springen zwischen ihnen ein wichtiger Teil ist und damit man nicht durcheinanderkommt, gibt es an den Seitenrändern des Buches stets ein kleines Symbol, welches auf die Welt hinweist, in der gerade die Handlung spielt – das hilft wirklich gut gegen mögliche Verwirrung!

Eine kleine Anmerkung am Rande: Man findet die His Dark Materials  Reihe vor allem in der Jugendabteilung und zum Beispiel  unter Amazon mit der Alterseinstufung von 12-16 Jahren. Das empfinde ich aus zweierlei Gründen als falsch: Nur weil Kinder die Hauptrollen spielen, ist dies keineswegs „nur“ Jugendliteratur, doch leider, weil es nur im Bereich der Jugendliteratur zu finden ist, werden viele Erwachsene wahrscheinlich eher nicht zu diesen wunderbaren Büchern greifen, was schade ist. Außerdem glaube ich, dass die Bücher – zumindest auf Englisch macht es den Eindruck – viele verstecke gesellschaftskritische Aspekte erhält, die man erst als Teenager oder Älter überhaupt merken kann.
Zu guter letzt möchte ich betonen, dass vor allem der zweite Teil schon einiges an Brutalität erhält, die zum einen ziemlich ungewöhnlich für Protagonisten von 12 Jahren ist, aber ich denke auch, für manchen 12 jährigen nicht ganz ohne, beziehungsweise nicht unbedingt für jüngere Leser geeignet. Der Roman ist ziemlich schonungslos in seinem Geschehen und deutet nicht unbedingt auf ein Happy End hin, was die Wendungen auch recht unvorhersehbar macht.

Tatsächlich ist das Alter der Protagonisten mein einziger Kritikpunkt, Abenteuer hin oder her, es erscheint mir ziemlich grausam und unrealistisch, dass 12 jährige so eine waghalsiges Abenteuer durch Zeit und Raum mit derartig viel Mut (vielleicht auch Leichtsinn) beschreiten.

Vor allem durch den so metaphorischen Schreibstil, schafft Pullman die Idee seiner Parallelwelten unglaublich überzeugend umzusetzen. Durch die vielseitigen Charaktere und das wechselnde Setting mit der Magie und den Intrigen, werden die ersten zwei Bände zu Juwelen ihres Genres – ich bin wirklich aus dem Häuschen!

THE VERDICT: Eine absolut gelungene Fortsetzung des ersten Teils, die definitiv auf mehr neugierig macht. Viel Action, viel Magie, tolle Charktere und faszinierende Welten! 8,5 von 10 Sternen

Love, Katha

Die Schwester des Tänzers

Autor: Eva Stachniak
DT: Die Schwester des Tänzers
OT: The Chosen Maiden
Genre: Historischer Roman, Biografie
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Insel Verlag
Preis: 15.95€ (broschiert)
Länge: 570 Seiten
ISBN: 978-3-458-36178-7

Der Roman handelt von dem russisch-polnischen Duo, der Tänzerin Bronislawa Nijinksa und ihrem Bruder Waslaw Nijinska, die im 19. Jahrhundert in der Truppe „Ballet Russes“ Weltruhm erreichten und heute noch eine wichtige Rolle im Ballett spielen. Hier wird die Geschichte des ungleichen Geschwisterpaars zum Roman.

Schon von klein auf, war Bronislawa Nijinska dazu bestimmt, eine Ballerina zu werden, viel harte Arbeit, die Strenge ihrer Eltern, beide ebenfalls Tänzer, bestimmen das Leben des Mädchens. Auch ihre beiden Geschwister Stassik und Waslaw ist dieses Schicksal vorherbestimmt. Gemeinsam wachsen sie Anfang des 20 Jahrhunders in Sankt Petersburg auf. Während es sich herauskristallisiert, dass Waslaw zum Tanzen geboren ist und mit Leichtigkeit auf der Bühne schwebt, steht Bronia in seinem Schatten. Doch auch in ihrer Familie gibt es Veränderungen und Russland erlebt zeitgleich ebenfalls eine Umwälzung.

Der Roman spielt zwischen 1894 und 1939 ,ist in mehre Lebensabschnitte gegliedert und wird aus Bronias Perspektive erzählt, manchmal springt sie zwischen den Zeiten und macht Überlegungen, die sowohl Vergangenheit als auch Zukunft berühren können.
Anders als alle anderen Bücher die ich bisher las, verwendet Eva Stachniak eine sehr besondere Erzählweise: Es wirkt, als spräche man mit der alternden Bronia, ähnlich wie eine alte Dame, die von ihrem Leben berichtet. Es gibt kein Jetzt,  fast wie eine Biografie, bloß in dem Stil, ja in dem Gewand eines Romans, wird von den Höhen und Tiefen, Kämpfen und Schwierigkeiten eines Lebens berichtet. Dabei ist die Geschichte so detailliert, dass es fast schon unmöglich scheint, so genau recherchiert zu haben, doch es kann ja gar nicht anders sein, weil Stachniak es schafft, sehr authentisch und überzeugend zu schreiben.
An die etwas eigentümlichen Schreibstil muss man sich jedoch gewöhnen. Selbiges gilt für polnische Begriffe, die jedoch fast immer übersetzt werden und natürlich Ballett-Fachvokabular. Als großer Fan des Balletts, und weil ich in meiner Kindheit für mehrere Jahre selbst getanzt habe, waren mir die Begriffe natürlich vertraut, allerdings kann man als Neuling sich damit schwer tun, denn Stachniak legt viel Wert auf einzelne Tanzseuqenzen und ihre Beschreibungen.

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Als einen großen Nachteil empfand ich, dass ich mit Bronia nie richtig warm werden konnte. Sie war stets da, stets faszinierend, ihre Entscheidungen waren manchmal seltsam, unbegründet, abrupt, aber häufig nachvollziehbar. Was bleibt, ist jedoch die Distanz zum Charakter, sie wirkt kalt und streng und in den wenigen Momenten, wo sie aufweicht, sie etwas berührt, bleibt die Handlung so kurz, wie bei ihrer ersten Schwärmerei, das eine Gefühl von Resignation bleibt. Sie erlebt dabei so viel, das reiche für einen ganzen Tolstoi-Roman! Schicksalsschläge, Leid, Freude, aber mit dem Erzählstil verblaßte dieses Potential in Mittelmäßigkeit.

Neben Bronia spielt natürlich ihr begabter Bruder Waslaw eine Rolle. Es ist wirklich beeindruckend, wie stark Bronia Neid, Missgunst und diesem Schatten trotz, sie ist eine starke Frau, aber neben ihrem Bruder fast unsichtbar. Dieser ist recht sonderbar, impulsiv, wird gehasst und geliebt, es wirkt, als sei er am Rande des Wahnsinns, ein Mensch, der besessen vom Ballett, besessen von Revolution im Tanz, sich selbst nicht versteht. Letztlich war er für mich stellenweise sehr viel interessanter als seine Schwester, aber die Idee, das Licht auf die historisch weniger bekannte Figur zu setzten, ist eine schöne.
Nur leider ist die Umsetzung, wie schon erwähnt, manchmal unglaublich schwer zugänglich, Bronia lebt, aber nicht so richtig vor meinem geistigen Auge. Interessant ist der Roman alle mal, nur leider fehlt es an Energie und an Spannung. So las ich das Buch nebenbei in der Bahn, fasziniert vom Ballett, von diesem Leben, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Vielleicht waren meine Anforderungen aber zu hoch, denn für eine Biografie ist das Buch sehr gut, nur nicht für einen Roman. Vor allem das Ende hinterließ mich mit Fragen, es war alles und nichts gleichzeitig.

Allerdings möchte ich das wunderschöne Cover loben, es wirkt herrlich winterlich, ästhetisch und russisch. Leider kommt an dieser Stelle wieder ein Aber! Denn während des Lesens erfährt man wiederholt, dass Bronislawa Nijinska eine kleine, eher muskulös-stämmige Frau war, was die Dame auf dem Bild leider nicht ist. Ferner ist diese broschierte Ausgabe ungewöhnlich , ja seltsam schwer für ein etwas größeres Taschenbuch.

Vielen Dank an die Seite Vorablesen, dass ich dieses Rezensionsexemplar enthalten konnte!

THE VERDICT: Obwohl großartig recherchiert, hinterlässt mich dieses Buch mit einem unbefriedigten Gefühl. Die Ballett-Welt wird hervorragend porträtiert, nur der Hauptcharater bleibt jedoch schwer zugänglich. Meine Erwartungen wurden leider nur halb erfüllt: Die Geschichte ist großartig, aber die Erzählungweise strotzt vor Mittelmäßigkeit. 6,5 von 10 Sternen.

Love, Katha