Sammelrezensionen: Was ich in letzter Zeit gelesen habe

Heute möchte ich ein neues Format ausprobieren, was ich bereits bei einigen anderen Buchbloggern gesehen habe, aber bisher nie selbst geschrieben habe: Eine Sammlung an Rezensionen. Normalerweise schreibe ich einen ganzen Post über Bücher, besonders wenn sie mir gut gefallen haben, in dem ich lang und breit meine Meinung und Gefühle veranschauliche, aber manchmal würde ich auch gern kurz mich zu einem Buch äußern, deshalb heute ein Sammelrezensionspost zu den Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ich werde dabei allerdings direkt zu meinen Eindrücken kommen und nicht über den Inhalt schreiben, da es mir in diesem Sammelpost in erster Linie darum geht.

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin
Lange lag es auf meinem SuB und noch länger habe ich begeisterte Rezensionen von BuchbloggerInnen gelesen – da wurde es doch wirklich Zeit, mir auch einen Eindruck zu machen. Gemeinsam mit ein paar Instagrammerinnen startete ich diesen Sommer eine Aktion, dass wir alle zusammen ein Buch lesen würden mit der Thematik Italien und meine Wahl fiel auf dieses Buch. Ich muss gestehen, dass es mir wirklich gut gefallen hat, Ferrante hat ein großes Talent, einfach aber treffend das Gefühl der Kindheit und Jugend mit all ihrem Irren, Wirren und Unsicherheiten einzufangen. Was mir außerordentlich gut gefallen hat, war schlichtweg die Tatsache, dass Ferrante über weibliche Freundschaft schreibt, was man selten in der Literatur findet – in den meisten Fällen geht es hauptsächlich um Liebe. Natürlich findet die Liebe im Heranwachsen der beiden Hauptfiguren auch ihre Bedeutung, doch stets steht die Freundschaft mit ihrem Auf und Ab, mit Bindung, aber auch mit Neid im Fokus. Dahingehend ist Ferrante ein authentisches Bild von kindlicher und jugendlicher Freundschaft gelungen. Allerdings konnte es mich nicht so mitreißen, dass ich eine Lobeshymne verfassen könnte – aber woran lag das? Es ist so, wie man manchmal Dinge, ohne dass es schlecht ist, ganz nett findet, sie einen amüsieren und auch dann und wannn bewegen, aber sobald die Vorstellung vorbei ist, kein nachhaltiges Beeindrucken platz findet. Deshalb weiß ich nicht, ob ich die Fortsetzung lesen werde, denn ich bin mir nicht sicher, ob mich die Geschichte dazu gut genug packen könnte.

Péter Popper: Training der Gefühle
Es fällt mir schwer, diesen kleinen Band richtig zu bewerten, da Popper hier vor allem eine Sammlung an Übungen zusammengestellt hat, die das geistige Gleichgewicht fördern sollen, wie beispielsweise verschiedene Konzentraions- und Achtsamkeitsübungen. Obwohl es aus den 1980er ist, kann ich zweifelsfrei sagen, dass diese kleine Sammlung zeitlos ist und jedem helfen kann, wenn man beispielsweise lernen will, besser mit Stress umzugehen. Wie Popper selbst anmerkt, ist dieses Buch allerdings kein Ratgeber für stark psychisch leidende Menschen. Nichtsdestotrotz kann ich eigentlich jedem einen Blick in das kleine Büchlein werfen, vor allem, weil Popper klar und verständlich von komplexen Themen schreibt.

Jardine Libaire: Uns gehört die Nacht
Ich bin immer froh, wenn ich die Möglichkeit bekomme, ein Rezensionsexemplar zu bekommen, besonders von einem meiner liebsten Verlage, Diogenes. Doch leider hat mir dieses Buch nicht gefallen – und damit meine ich, dass es mich nicht nur enttäuscht hat, ich fürchte, dass es das schlechteste Buch ist, was ich je gelesen habe. Das ist eine harte Anschuldigung, aber ich werde keinen Hehl daraus machen, auch nicht, wenn ich mit dieser Meinung auf Plattformen wie Goodreads in kleiner Gesellschaft bin.
Erstens ist grauenvoll geschrieben. Damit meine ich nicht, dass ich ein Problem mit Vulgärsprache in Büchern habe oder etwas derberen Ausdrucksweise – kein bisschen, wenn es passt und eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes soziales Umfeld darstellen soll, ist es durchaus angebracht, doch hier ist es ein unüberzeugendes pseudo-cooles Geschreibe um dem Leser auf Teufel komm raus eine Romeo und Julia Geschichte zu erzählen, bei der Julia ein wirklich böses Mädchen ist.
Noch schlimmer fand ich allerdings, dass dieser Trend der sexy-düsteren nicht ernstzunehmenden Sexliebesgeschichte mittlerweile auch bei Diogenes angekommen ist. Warum? Erneut muss ich sagen, dass ich Liebesgeschichten von emotionalem Missbrauch, von Streit, Problemen und mit gut geschriebenen, intensiven Sexszenen durchaus lesenswert finde, aber wenn alles so unecht, so starr und gezwungen ist, und noch viel schlimmer, die Figuren dermaßen stereotypisch und langweilig sind, ist es unmöglich Sympathie in einem Punkt der Geschichte zu finden. Ebenfalls erschüttert mich das Phänomen, wie eine wirklich schlechte Beziehung dadurch glorifiziert wird, dass der Sex so heiß ist. Ich habe mich wirklich lange durch jede Seite dieses Romans gequält und kann nur sagen, dass man die Finger von diesem Schund lassen sollte.

Robert Seethaler: Der Trafikant
Nachdem ich durch Zufall den Trailer der Verfilmung dieses Buches auf YouTube entdeckte und ohnehin man als BuchbloggerIn im Internet nicht darum kommt, dem Namen Seethaler zu begegnen, muss ich beeindruckt gestehen, dass mir dieser kurze, aber wunderschöne Roman ans Herz gewachsen ist. Seethaler ist einer dieser Autoren, die die Begabung haben, einen von der ersten Seite in den Bann zu ziehen, so dass man praktisch nicht mehr vom Buch lassen kann und will – ich habe es auch innerhalb eines Tages durchgelesen. Die Figuren wirken wunderbar plastisch und jede von ihnen ist auf eine eigne Art interessant. Zudem bettet Seethaler diese Geschichte eines jungen Mannes, der vom Land in das große Wien zieht, um dort in einer Trafik (das scheint etwas wie ein Zeitungs- und Tabakladen zu sein) bei einem urigen alten Mann zu arbeiten, in eine unfassbar spannende Zeit: Das Ende der dreißiger Jahre. Politisch wird es auch, aber hauptsächlich geht es um die Entwicklung des drolligen jungen Protagonisten, mit dem man herrlich mitfühlen kann. Diese Leichtigkeit, mit der Seethaler genau die richtige Worte zu finden scheint und den manchmal schwer verdaulichen Inhalt erzählt, ist beeindruckend. Ich habe Blut geleckt und möchte definitiv noch mehr von diesem beeindruckenden Mann lesen!
Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir hin und wieder einfach noch ein bisschen mehr gewünscht hätte, ein mehr über die Freundschaft zu Sigmund Freud, das Leben in Wien zu dieser Zeit und selbstverständlich zur Trafik. Gerade weil diese Welt und diese Zeit so unfassbar faszinierend sind, hätte ich mir gewünscht, noch tiefer in die Materie eintauchen zu können.

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens
Wie man beim Popper-Buch bereits merken konnte, habe ich neuerdings mein Interesse für psychologische Literatur entdeckt und genauso wie Poppers Buch, ist auch dieser Band von Fromm relativ kurz und knackig – man kommt schnell in das Thema rein und kann als Laie gut verstehen, was erläutert wird, was mir sehr gut gefallen hat. Fromm nimmt verschiedene Perspektiven auf die Liebe ein (man merkt allerdings manchmal, dass das Buch schon ein bisschen älter ist), beispielsweise wie Eltern lieben, oder wie man religiös liebt – wobei ich hier sagen muss, das dieser Teil unfassbar viel einnimmt und mir wenig Einsicht gegeben hat, aber er spricht auch von Ängsten und Problemen, die durch schlechtes Lieben zu stande kommen, was ich enorm nachvollziehbar und einleuchtend fand. Auf jeden Fall hat dieses kleine Buch mein Interesse für Fromm geweckt und das in psychologischer (populärwissenschaftlicher) Literatur bestätigt.

Kevin Kwan: Crazy Rich Asians
Dieses Buch war zweifelsohne mal etwas ganz anderes, als was ich normalerweise lese, für mich. Und ich muss zugeben, dass ich mehr als positiv überrascht bin. Kwan schreibt herrlich lustig über Vorurteile, Tatsachen und das erschreckende Leben sehr reicher Leute. Zugegebenermaßen habe ich etwas im Sinne des Schwiegermonsters erwartet und noch viel mehr bekommen, als die böse zukünftige Schwiegermutter, da hier noch viel stärker gesellschaftliche Aspekte angesprochen werden. Nichtsdestotrotz ist und bleibt es eher ein Beach Read, den man zwischendurch mal zur Unterhaltung lesen kann. Allerdings muss ich zugeben, dass es mich nicht so sehr gefesselt hat, als dass ich die Fortsetzungen lesen will, aber vielleicht ist dieser Roman auch noch viel spannender für jemanden, der sich für den asiatischen Raum interessiert oder selbst Familie dort hat.

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[Unileben #5] Rückblick: 1.+ 2. Semester

Diesen Beitrag wollte ich schon seit Ewigkeiten schreiben, aber ich wusste ganz lange nicht wie. Ehrlich gesagt, habe ich irgendwann diese Sorge über Bord geworfen und einfach drauf losgeschrieben. Bereits letztes Jahr habe ich ca. zu dieser Zeit einen Artikel zu Dingen, die ich über die Uni und das Unileben gelernt habe, geschrieben, der ganz gut bei euch ankam und mich dazu motiviert hat, meinen Blog mehr in diese Richtung zu bewegen. Dieses Jahr werde ich zum Glück nicht wieder dasselbe schreiben (also, mich beklagen), in erster Linie, weil ich der Wechsel zu einem anderen Fach und die „Wiederholung“ des 1. und 2. Semesters in meinem neuen Studiengang, mir sehr viel Positives mitgegeben haben.

Für mich waren zwei Dinge in den letzten 2 Semestern einschneidend und entscheidend: Zum einen das beruhigende, gute Gefühl endlich am richtigen Ort zu sein und etwas zu studieren, das ich nicht nur interessant finde (denn interessant ist ja Vieles), sondern Etwas, das ich auch tatsächlich verstehe und gerne lerne, zum anderen, dass ich auch Erfolgserlebnisse hatte und langsam in den „flow“ kam, das heißt im Grunde: dass ich dieses System verstehe. Denn Uni ist nun grob gesagt nichts Anderes, als ein System, in dem bestimmte Leistungen erwartet werden, die man gut oder schlecht erfüllen kann, und ich habe gut ein Jahr gebraucht um herauszufinden, wie hier alles funktioniert, wie Prüfungen aussehen, wie ich effektiv vorangehen kann, um mich rechtzeitig vorzubereiten (klappt mittlerweile deutlich besser als letztes Jahr), wie ich mit Menschen umgehe, die mit ihrer Klugscheißerei nur schlechte Energie ausstrahlen und wie ich mich trotz Stress, Druck und blöden Idioten über Wasser halte und noch mehr, davon loslasse und mein eigenes Ding mache.

Aber ich möchte mich hier gar nicht zu sehr über toxische Menschen und schlechte Erfahrungen auslassen (die gibt es leider überall im Leben und man darf sich nicht so sehr von ihnen beeindrucken lassen) oder  großzügig gutgemeinte Ratschläge verteilen, sondern ein bisschen das Schöne beleuchten, die gute Dingen, die mir irgendwie gezeigt haben, dass Studieren gar nicht so übel ist. Natürlich ist es keine rosarote Filmwelt, wo ich durch die prestigehaltigen Hallen eines englischen Elitecolleges mit meiner tollen Gang schreite, den „Look“ habe und ohne jede Mühe die besten Noten erziele und Männer abgreife, aber wenn man sich so langsam einlebt, und merkt, hey, das ist ganz cool hier, ist das schon ein großartiges Gefühl.

Ich glaube im übrigen rückblickend auch, dass es für mich wichtig war, die schlechte Erfahrung mit Politikwissenschaft gemacht zu haben. Ich weiß, dass es Andere gibt, die noch deutlich länger studieren, bis es ihnen aus den Ohren kommt, oder gar dieses schreckliche Studium beenden und im Job feststellen, wie unglücklich sie sind, oder drei Mal abbrechen und vor der Ahnungslosigkeit stehen, was sie mit ihrem Leben tun sollen. Man darf nicht vergessen, dass es keine Schande ist, nicht sofort zu wissen, was man werden will und gut kann, sobald man sein Abitur in den Händen hält.

Manchmal beneide ich die Menschen, die ein FSJ, eine Ausbildung oder etwas ähnliches vor ihrem Studium gemacht haben um ihre lebensweltliche und berufliche Erfahrung. Man hebt so leicht im akademisch-arroganten Gaul im Studium ab! Rückblickend würde ich jedem raten, der ahnungslos sein Abitur abschließt, sich Zeit zu nehmen, um die eigenen Fähigkeiten erstmal kennenzulernen. Ich kenne genug Leute, die seit der 9. Klasse Jura oder Medizin studieren wollen und im 1. Semester erschrocken gegen die Wand rennen – totale Katastrophe. Aber es ist okay. Vielleicht mag dieser kleine, etwas therapeutische Absatz für manche offensichtlich erscheinen, aber ich glaube, vielen Menschen ist dieses „Scheitern“ peinlich. Wenn ich letztes Semester in meinem Pädagogikseminar oder durch meine Erfahrung als Nachhilfelehrerin etwas Essentielles gelernt habe, dann dass Fehler machen wichtig und hilfreich ist!

Lange Vorrede, kurzer Sinn: Ein paar wirklich gute Momente aus den letzten zwei Semestern:

Wenn du dich neben jemanden im Kurs setzt und ihr euch auf Anhieb so gut versteht, dass ihr alles nur noch zusammen macht und das Unileben plötzlich so viel leichter erscheint.  Wenn der andere einem den Platz freihält, wenn man zu spät ist. Denn zusammen studiert es sich besser.

Wenn du kaum etwas verstehst, aber einen Kumpel hast, der dir diese verflixte Syntaxaufgabe so lange erklärt, bis du es auch geschnallt hast. Denn Hilfe anzunehmen muss man auch erstmal lernen.

Wenn dein Dozent so viel Humor und so eine erfrischende, leichte Art hat, dass sogar Handlungstheorie plötzlich interessant scheint und du vieles bereits in der Vorlesung verstehst und nicht stundenlang zu Hause dich durch Bücher und das Internet arbeiten musst (Danke, Herr Prof. Dr. Keil!).

Wenn du alleine in die Mensa gehst und immer wieder Leute triffst, die dir beim Essen neue Leute vorstellen und du dich am Ende stets in einer Gruppe wiederfindest.

Oder wenn du im Sommersemester nicht mehr in der deprimierenden, lauten Mensa essen musst, sondern draußen im großen hellen Innenhof unter den großen, alten Kastanien auf den Bänken sitzt und einfach entspannen kannst – was auch alleine sein schön ist.

Wenn du irgendwann das Gefühl hast, kein verlorener Ersti mehr zu sein, sondern mittlerweile problemlos deine Räume findest.

Wenn du deine erste gute Klausur schreibst und endlich das Gefühl hast, die Früchte deiner Arbeit in mehr als 3,0 oder 4,0 sehen zu können. Plötzlich weißt du, dass du mehr als nur etwas Inhaltliches verstanden hast und fängst an, dich langsam wohlzufühlen. Natürlich muss man sich irgendwie adaptieren und das kann dauern.

Wenn du das Fahrradfahren für dich entdeckt hast und dich jedes Mal bei deinem 8 Uhr Kurs ein bisschen freust, ohne Probleme einen Parkplatz zu finden. Und feststellst, dass du weitaus wacher nach der kleinen Spritztour, als wenn du dich mit der S-Bahn zur Uni gequält hättest.

Wenn deine Dozenten so unfassbar lustig, entspannt und beeindruckend gute Lehrer sind, dass du am Ende überrascht zugeben musst, dass dir entgegen deiner Erwartung das Modul zur Literatur des Mittelalters mit Abstand am besten gefallen hat.

Kurzum, es war natürlich wieder super stressig, ich habe viel gelernt, mich viel geärgert, aber definitiv mehr gefreut, bin viel Fahrrad gefahren, habe tolle neue Leute kennengelernt, habe prokrastiniert, aber effektiver gelernt als im letzten Semester und kann entspannt und erleichtert eine positive Bilanz ziehen.

Vom Zeitreisen und Verreisen [Rezension]

Dieses kleine Buch, was ich in einem winzigen, vollgeräumten Antiquariat in Budapest gefunden habe, hat mich auf eine ganz besondere Art und Weise begeistert. Zugegeben, das ist der erste Reisebericht, den ich gelesen habe und mir ist dieses Genre noch fremd, jedoch kann ich sagen: das wird nicht der einzige bleiben.

Als Zweig-Fan konnte ich bei diesem alten Schatz nicht nein sagen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich da in den Händen hielt. Es ist eine Sammlung, die vom Verlag zusammengesucht wurde, nicht chronologisch, sondern eher geografisch zusammenhängend (wobei ich auch hier nicht ganz die Logik durchschaut habe) und die eine Sammlung aus Impressionen aus aller Welt zusammengesammelt: Frankreich, Österreich, England, Belgien, Indien, Russland, Brasilien, Panama und die Vereinigten Staaten – es geht wirklich ein mal um die Welt, nur mit dem unterschied, dass dies alle um die 100 Jahre alte Einblicke sind, etwas seltsam, aber gleichzeitig faszinierend. Dabei kannte ich ein paar Orte wie den Hype Park, Oxford, (nun auch) Wien und Brügge selbst, was es interessant machte, meine moderne Sicht mit seiner alten zu vergleichen: zeitreisen und verreisen zu gleich!

Dabei war mein erster Eindruck weniger überschwenglich, die Beschreibungen vom schönen Sevilla oder der Provence waren so unentwegt romantisch und in der Süße und Nostalgie des Moments schwelgend, dass ich mir nicht sicher war, ob ich das 200 Seiten lang lesen könnte – sicher, man konnte die Landschaft und die Wärme der Luft sehen und spüren, aber es war auch einfach sehr kitschig – ich las weiter, plötzlich wandelte sich der Tonfall, als es um die düstere, nahezu tote Stimmung in Brügge ging und dann hatte mich Zweig langsam erobert. Wie immer schreibt Zweig sehr ausführlich, manchmal sehr blumig, manchmal sehr scharf, aber immer versucht das Uneinfangbare festzuhalten, was ihm wirklich gut gelingt.

Besonders die Kapitel zu Ypern, Russland und Brasilien haben mich echt gepackt und nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Diese haben mich vor allem deshalb bewegt, weil sie so politisch waren, zeigten, was für ein nachdenklicher, kosmopolitischer und offener Mensch Zweig gewesen sein muss, trotz seines Hangs zur Romantik, wenn es beispielsweise um Wien geht. Wie er ganz bewusst die Neue Welt und das Alte Europa vergleicht, aber stets mit so viel Geist und Respekt nach einer möglichst naturalistischen Beschreibung der Dinge sucht. Es hat mich so getroffen, wie er über den Totentourismus in Ypern gesprochen hat, wie nachdenklich und reflektierend, auch im Versuch diese Leute zu verstehen, die gerade erst 4 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg (also, wenn es einem noch im Mark sitzt) nach Belgien, an diesen grausamen Ort pilgern und sich dabei etwas erhoffen. Oder wie Zweig von der europäischen Ahnungslosigkeit gegenüber von Russland und Brasilien spricht, das ist schlichtweg wortgewaltig und, ich finde kein besseres Wort dafür, modern im besten Sinne.

Man muss sagen, dass diese kleinen Impressionen eigentlich ein kleines Meisterwerk des Fingerspitzengefühls sind. Mich konnten nicht alle Berichte vom Hocker reißen, aber zweifelsohne konnten sie etwas in meiner Vorstellungskraft und in meinem Herzen anregen. Sehr geehrter Herr Zweig, Sie begeistern mich immer wieder aufs Neue, ich weiß nicht, wie Sie es tun, und manchmal ist Ihre Ausführlichkeit ein bisschen ermüdend, aber das Gesamtbild, sowie die vielen, cleveren und liebevollen Details, das macht all Ihre (von mir bisher gelesenen) Werke aus. Danke, für diese Geschichten, sie sind so unbekannt und so besonders und ich bin froh, durch Zufall darauf gestoßen zu sein.

Zusammenfassend kann ich dieses kleine, wunderbare und unheimliche schlaue Büchlein nur vom Herzen empfehlen. Lest selbst und findet heraus, was es mit euch anstellt.

Details:

Autor: Stefan Zweig
OT: Länder, Städte, Landschaften
Ausgabe: Fischer Verlag, erschienen 1981
ISBN: 9783596222865

Ich bin wieder da!

Keine Sorge, ich lebe noch. Nach einer fast drei monatigen Blogpause möchte ich wieder ein Lebenszeichen von mir geben und euch auch einen kleinen Einblick auf die Beiträge, die bald auf euch zukommen (hoffentlich!), gewähren.

Zunächst werde ich ein bisschen auf meine letzten zwei Semester zurückblicken, wie es war, erneut zwei Semester zu durchstehen, was mit mir im Vergleich zum letzten Jahr anders ist und was gleich, Dinge, die mir aufgefallen sind, oder die ich neu gelernt habe und noch einiges mehr, was mir durch den Kopf saust und braust. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich weiterhin vorhabe, mehr über das Thema Uni und das Studentendasein schreiben zu wollen, nicht nur, weil das nun der Mittelpunkt meines Lebens ist, sondern auch, weil ich die Hoffnung habe, eventuell wirklich etwas damit sagen zu können, zu inspirieren oder zu helfen. Ich habe den Eindruck, dass – zumindest im echten Leben und uniintern – einem oft ein viel glamouröser, cooler Eindruck vermittelt wird von diesem Leben und wenige über die Frustration oder die kleinen Erkenntnisse, die man machen muss, spricht. Oder: ich habe diese Menschen im Internet noch nicht gefunden, wie dem auch sei, werde ich definitiv mehr darüber berichten.

Fall euch also etwas besonders interessiert über das Deutsch, Philosophie oder Lehramtsstudium, die Humboldt-Universität oder etwas allgemeines, lasst es mich bitte in den Kommentaren wissen!

Dann natürlich: Bücher! Schließlich ist mein Blog noch immer weitestgehend ein Buchblog. Obwohl ich zugegebenermaßen nicht sonderlich viel gelesen habe in den letzten drei Monaten, gibt es ein paar gloriose Neuentdeckungen und ein paar bitter böse Enttäuschungen, über die ich auf jeden Fall schreiben möchte. Unter anderem:

  • Dodie Smith: I Capture The Castle
  • Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen
  • Stefan Zweig: Länder, Städte, Landschaften
  • Elena Ferrante: Meine Geniale Freundin

Und hoffentlich noch ein paar mehr.

Zu guter letzt möchte ich noch über einen weiteren Grund meiner Abstinenz schreiben: Das Reisen. Bis vor gestern war ich noch in Österreich und zuvor, wie jedes Jahr, Ungarn unterwegs und möchte gern Fotos und weitere Impressionen teilen.

So viel zu mir und meinen Plänen mit meinem Blog. Wie vielleicht ein paar von euch, die mir auf Instagram folgen (kleine, nicht ganz uneigennützige Werbung: @katha_logisch) , gemerkt haben, bin ich auf besagter Plattform deutlich regelmäßiger unterwegs und mir  ist infolgedessen aufgefallen, dass es mir leid tut, dass ich meinen Blog dermaßen im Stich lasse und hier nicht so viel aktiv bin, obwohl diese kleine Webseite der Ort ist, wo letztlich alles angefangen hat.

Ich freu mich wie immer über Kommentare, Ideen, Anregungen und so weiter.

Allet Jute bis dahin

Katha

Reise im Mondlicht

Autor: Antal Szerb
OT: Utas és Holdvilág
DT: Reise im Mondlicht
ISBN: 978342324370

Als Mihály und Erzsi auf ihrer Hochzeitsreise in Italien unerwartet einem alten Freund Milhálys begegnen, bricht bei jenem plötzlich die frischvermählte Idylle zusammen und Erinnerungen und Konflikte seiner Jugend, die er zu vergessen haben glaubte, jagen ihn Heim. Kurzer Hand beschließt Milhály abzutauchen und seiner hitzigen Angst und Rastlosigkeit zu folgen, die ihn in ein umbrisches Kloster führen – alles, um sich endlich von der Liebe seiner Jugend endgültig zu befreien.

Auch in diesem Jahr will ich mein Vorhaben, mehr ungarische Literatur zu lesen, um meiner Heimatkultur ein bisschen näher zu kommen, weiterführen. Nachdem ich auf Empfehlung einer Freundin im letzten Jahr die „Sterne von Eger“, einen der Klassiker der ungarischen Literatur schlechthin, gelesen und genossen hatte, war ich umso neugieriger, als sie mir bei unserem Treffen dieses Jahr in London die deutsche Ausgabe von „Reise im Mondlicht“ schenkte – ein Klassiker, den sie sehr mochte. Zugeben, ich kenne mich noch immer nicht besonders gut aus in der ungarischen Literatur, deshalb kannte ich auch diesen Titel auch nicht, aber nachdem ich schon ein paar Dinge auf ihre Empfehlung gelesen hatte und mochte, war ich natürlich sehr gespannt auf diesen Roman.

Oft wird man nach Lesen eines Romans gefragt, ob man das Buch mochte. Aber bereits hier stoße ich an meine Grenzen. Ich muss sagen, ich weiß nicht, ob der Begriff des Mögens hier angebracht ist, denn Reise im Mondlicht ist zwar ein guter Roman, aber doch sehr merkwürdig und einzigartig, deshalb würde ich eher davon sprechen, dass mich der Roman nachhaltig beschäftigt und fasziniert hat. Auch, wenn ich zugeben muss, dass ich mir noch immer nicht sicher bin, ob ich die rechten Worte finden kann, um dieses einzigartige Leseereignis passend zu beschreiben. Deshalb werde ich hier auch keine Sternebewertung abgeben.

Szerbs Schreibstil erinnert mich an meinen geliebten Stefan Zweig, den ich so für seine nostalgische Melancholie schätze – hier aber trifft man auf diese dunkle Sehnsucht in einer viel intensiveren, ja manchmal sogar poetischen Form. Es ist schwer auszudrücken, was für ein dunkler, mystischer Reiz von diesem Roman ausgeht, der es schafft, sowohl beklemmend in der Brust als auch gleichzeitig anziehend  in Herzen zu wirken und mit einer außergewöhnlich philosophischen Schönheit zu glänzen. So stellt Szerb ganz offen Fragen um Tod und Selbstmord, macht etwas so unaussprechliches für diese Zeit einfach und schreibt es, geht aber auch unseren Gefühlen zu diesem Thema auf den Grund.

Es ist ohne Zweifel: dieser Roman stellt auf merkwürdige Art und Weise etwas mit einem an – vielleicht liegt es daran, dass Szerb so an die Menschlichkeit in uns appelliert, indem er die ganze düstere Vergangenheit Mihálys heraufbeschwört und zeigt, wie schwer es ist, wenn man nicht ordentlich mit etwas abschließen konnte und noch immer Rechungen offen hat. Die Gefühlsdichte des Romans ist sagenhaft intensiv, aber für mich war es oft auch so stark, dass mir war, als müsse ich mich von der ganzen Fülle dieses Buches erholen, von dem dunklen Abgrund der philosophischen Tiefe an die frische Luft. Selbstfindung ist ein schwerer Prozess und Szerb schafft es, dies so fühl- und miterlebbar zu machen, wie ich es noch nie zuvor gelesen habe.

Allerdings muss ich auch sagen, dass so faszinierend es auch ist, die  Gefühlsumwälzungen Milhálys mitzuerleben, es manchmal schlichtweg anstrengend und grausam ist, ein derart nicht aufbauendes Buch zu lesen – es ist harter Tobak, man muss darauf gefasst sein und sich die Zeit nehmen, sich mit der Reise im Mondlicht auseinandersetzten. Die Figurenkonstellation ist wunderbar zusammengewebt und sorgt für die Spannung und den Antrieb des Romans, auch wenn ich zugeben musste, dass die mangelnde Sympathie mit manchen Figuren dann und wann das Lesen nicht einfach gemacht hat.

Einige Rezensionen auf Goodreads meinen, dass man den Roman keineswegs als negativ und nihilistisch verstehen und deuten darf und ich möchte sagen, dass ich auch nicht glaube, dass er das ist, der Roman lüftet sich gerade vom Nachdenklichen zu etwas unfassbar Lebensbejahenden, aber es geht meiner Meinung nach etwas undefinierbar Dunkles von ihm aus. Vielleicht habe ich den Roman auch nicht richtig verstanden, ich weiß es beim besten Willen nicht, aber ich glaube, das jede und jeder Leser dieses Romans ein Stück von sich selbst darin finden kann und ebenso aus den vielen sarkastischen, bewegenden und interessanten Zitaten (manchmal auch Lebensweisheiten) eins findet, das Potential zum Lieblingszitat hat.

THE VERDICT: Ein intensives, philosophisches, erschütterndes Buch, das zu mögen schwer ist, aber zu lesen zweifelsohne bereichernd. Es gleicht mehr einem Kunstwerk, das einen nachhaltig beschäftigt, als einer Unterhaltung. Eine einzigartige Leseerfahrung, die man aber auch erstmal verdauen muss. Lest es einfach selbst und lasst euch verzaubern und erschreckend, was der Roman mit euch anstellt.

Love, Katha

[Unileben #4] Bewegung

Neuerdings habe ich einiges über mein Verhältnis zu sportlichen Aktivitäten nachgedacht.

Ich weiß, was jetzt kommt. Ich hasse Sport auch, ehrlich. Schulsport gehört noch immer zu den unangenehmsten regelmäßigen Demütigungen meines Lebens und bei dem Namen gewisser SportlehrerInnen stehen mir die Nackenhaare noch immer zu Berge. Nicht ohne Grund hieß es unter uns Lernenden auch „Müller* Sport ist Schülermord“ (*Die Lehrkraft hieß natürlich anders, aber ich musste ja einen Namen einsetzen). Ich war ganz grottig und furchtbar ungeschickt im Schulsport und habe irgendwann angefangen diese Frustration auf meine ganz persönliche Bewegungsebene zu übertragen – so wurde ich eine chronische Couchpotato.

In der 10. Klasse nahm mein Leben aber einen witzigen Lauf: ich wurde Teil der Ruder AG meiner Schule, in erster Linie, weil viele meiner Freundinnen lange auf mich eingeredet hatten. Das erste Mal seit langem genoss ich es wirklich in der Natur und ebenfalls in Bewegung zu sein. Rudern ist wirklich großartig!
Rückblickend betrachtet weiß ich, dass es mir unfassbar gut tat, da ich sonst den ganzen Tag ja nur am Schul- oder Schreibtisch saß – aber was für einen Unterschied es machte, darüber dachte ich damals nicht großartig nach.

Mit dem Abistress und schließlich dem Verlassen der Schule, stieg meine Faulheit wieder an und mein Bewegungsradius schloss durchschnittlich dem Weg zur Bahn oder die lahmen Schritte innerhalb der Wohnung ein – im Sommer gar einen längeren Ausflug in der Park. Dabei ist es nicht mal so, als ob ich mich ungern bewege. Mir geht es hierbei gar nicht darum, meine körperliche Gesundheit, meine schlechter werdende Kondition oder mögliche Figurprobleme anzusprechen, die sich daraus auch ergaben, sondern mein geistiges Wohl, dass tatsächlich unter meinem selbstverursachten Bewegungsmangel litt.

„Warum machst du nicht mal Unisport?“, hieß es dann öfter, mal von Freunden oder der Familie oder sogar von KommilitonInnen, die davon schwärmten. Und ich muss sagen, dass ich diese Frage ein bisschen satt habe, weil ich stets das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen. Aber, um es werde knapp zu sagen, dass ich dann wieder mein Schulsportsyndrom bekomme und es einfach zur peinlichen Qual für mich wird. Außerdem haben mir die Ausflüge in die Krafträume im Winter mit meiner Ruder AG damals bewiesen, dass ich outdoor Sport weitaus mehr schätze.

Unabhängig davon, ob man akut mit Stress zu tun hat, vielleicht unter einer psychischen Erkrankung leidet, oder ob es einem im Großen und Ganzen gut geht: Mir scheint in letzter Zeit, wo ich mich endlich wieder angefangen habe, ein bisschen auszupowern, dass meine geistige und meine körperliche Gesundheit zusammenhängen und ich meinem Körper auch etwas geben muss, damit mein Geist stabil ist. vielleicht ist das keine große Erkenntnisse für manche, eigentlich höre ich mir das auch schon seit Jahren von anderen an, aber es nun am eigenen Körper zu fühlen, ist noch mal etwas ganz anderes.

Nachdem ich vor ein paar Wochen mit meiner Mitbewoherin gequatscht hatte, die mir Sport empfahl, als es mir nicht so gut ging, war es eine unglaubliche Erkenntnis, physisch zu fühlen, wie viel mir allein die zehn Kilometer, die ich täglich mit dem Fahrrad zu Uni hin und zurück zurücklege, geben. Und erst recht, wenn ich mal mehr fahre, am Landwehrkanal langradel und neue, schöne Teile der Stadt entdecke, einfach mal für mich bin, ohne auf das Smartphone zu schauen und entspanne oder wie letzten Sonntag, spontan bei der Sternfahrt des ADFC mitmache.

Es ist unfassbar, wie viel stärker und entspannter ich mich fühle. (Zugegeben, an manchen Tagen bin ich auch frustriert, wie asozial manche VerkehrsteilnehmerInnen sind, aber in der Summe ist es doch ein positives Erlebnis). Nun ist es Sommer und ich wohne in einem halbwegs fahrradfreundlichen Bezirk und ich habe leider noch gar nicht bedacht, wie ich meine Sportlichkeit bei fallenden Temperaturen umsetzten werde. Aber das wird sich dann zeigen, erstmal genieße ich es, wie es ist.

Love, Katha

Olga

Autor: Bernhard Schlink
DT: Olga
Ersterscheinung: 2018
Verlag: Diogenes
ISBN: 978 3 257 07015 6
Länge: 320 Seiten

Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern: Die Waise Olga trifft auf den Gutsherrensohn Herbert. Zusammen wachsen sie auf und treffen immer wieder aufeinander, obwohl sie nicht unterschiedlicher hätten sein könnten und verlieben sich schließlich. Während Olga sich trotz ihrer gesellschaftlichen Position zur Lehrerin hochkämpft, zieht es Herbert in den Kolonialkrieg nach Afrika und schließlich auf eine Expedition in die Arktis.

Schlink schafft es, das Leben von Olga, von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer großen Liebe und dem Altwerden, einfühlsam auf 320 Seiten zu erzählen, sagt dabei nie zu viel, aber auch nicht zu wenig. Man hätte sicherlich daraus auch ein Familiendrama spinnen können, einer dieser romantischen historischen Romane von 600 Seiten – keine Frage, bei der Fülle der historischen Ereignisse, der Rückblenden, des Materials hätte man das sehr wohl machen können und einen mittelmäßigen, netten und interessanten Roman daraus machen können. Aber Schlink gibt nur kleine Hinweise, erzählt in unterschiedlichen Tempi, mit Rückblenden, Briefen, nachdenklichen Momenten. Man fühlt als Leser, wie viel Liebe in diesen Figuren steckt. Die Verknüpfung der verschiedenen Zeiten, Vergangenheit und Gegenwart, ist überzeugend gelungen und steigert nur die Emotionalität des Romans.

Ich konnte nicht anders, als lächeln, während ich dieses Buch las und es kaum noch asu den Händen legen. Bücher, wie Olga, sind der Grund, weshalb ich so gerne lese. Weil man in ihnen eintauchen kann, mit den Figuren miträtseln, fiebern und wachsen, ihre Veränderungen wahrnehmen kann, mit ihnen durch Liebe und Trauer geht, aber auch, weil man sich verzaubern lässt von dem Schreibstil. Schlink zeigt so gut, wie wunderbar und schön Schlichtheit sein können – etwas, was mir auch an Benedict Wells‘ Vom Ende der Einsamkeit so gut gefallen hat: dass ich während des Lesens förmlich über die Seiten gleiten konnte, weil es so ruhig und sanft geschrieben ist und dieser Stil so hervorragend zum Gelesenenen passt. Ich habe auch den Eindruck, dass wenn man den Roman am Stück liest, sehr schön in seine Intensität eintauchen kann.

Manchmal passiert es, dass man ein richtig gutes Buch zum richtigen Zeitpunkt liest und es einem wahrlich das Herz und die Seele wärmt und man während des Lesens richtig aufgeht. Bei mir war das bei „Olga“ zweifelsohne der Fall, die poetische Leichtigkeit des Schreibstils, die Tiefe der Charaktere und die bewegende Geschichte haben bei mir Mitten ins Herz getroffen und ich fühle mich in einer altbekannten Situation wieder: Ich möchte in meinem Freundeskreis dieses schöne, bewegende Buch herumreichen, in der Hoffnung, dass sich andere ebenfalls so begeistern lassen.

Ich kann mit bestimmter Sicherheit sagen, dass Olga eines meiner Lieblingsbücher dieses Jahres werden wird. Zugegeben, man muss diese Art von ruhigen und dennoch bewegenden Büchern mögen, ich denke, es wird Leute geben, die da, wo ich Schönheit sehe, nur langweilige Blässe erkennen. Aber wer sich vielleicht mit meinem Geschmack identifizieren kann und den Vorleser auch mochte, wird vielleicht auch Freude an diesem Buch finden.

THE VERDICT: Ein kleines Juwel an Roman: Bewegend und packend geschrieben, erzählt Schlink eine traurige aber wunderschöne Liebes- und Lebensgeschichte mit absolutem Lieblingsbuchpotential. Ich kann es von ganzem Herzen empfehlen. 10 von 10 Sternen.

Love, Katha

Verzauberter April

Autorin: Elizabeth von Arnim
OT: Enchanted April
DT: Verzauberter April
Ersterscheinung: 1922
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518389256
Länge: 278 Seiten

Vier englische Damen, die kaum hätten anders sein können, sowohl in Stand als auch Charakter, beschließen im April in einem italienischen Castello zu verbringen – jede trägt ihre eigene Geschichte mit sich und hat andere Gründe, den Monat dort zu verbringen. Unvermeidbar ist es also, dass es unter den vier Damen ruhig bleibt. Der Roman ist eine tolle Mischung aus herrlich zynischen Gesprächen, feiner englischer Sittenkomödie und der langsamen Verzauberung durch Italien.

Als erstes muss ich gleich vorweg gestehen, dass ich bin unfassbar positiv überrascht worden von diesem Roman und er im Sturm mein Herz erobert hat. Zugegeben, ich dachte, durch Titel und der Aufmachung der Geschichte, dass der Verzauberte April ein wenig E.M. Forsters „Zimmer mit Aussicht“ gleichen würde: ein nettes kleines Buch, das in Italien spielt, ein wenig Geplänkel über Briten im Ausland, upper-class-Gewitzel mit einer Note klischeehaftem Frauenroman. Nett und für zwischendurch, am besten für den Urlaub. Oh, was lag ich falsch!

Letztes Jahr wurde mir der Roman von einer Bloggerin empfohlen, so dass ich schon ein Bauchgefühl hatte, dass ich mit meinem vorschnellen Urteil falsch liegen könnte, weil sie das Buch wirklich lobpreiste. Als ich dann noch von ein paar Instagrammerinnen, deren Urteil ich ebenfalls vertraue und die öfter ähnliche Bücher wie ich genießen, hörte, wie grandios dieses Buch sei, wollte ich es am liebsten sofort lesen, denn ich hatte Blut geleckt. Meines Gefühls nach handelt es sich beim Verzauberten April um einen Roman, der im deutschsprachigen Raum eher unbekannt ist, während ich überrascht war im anglophonen Bereich viele Rezensionen zu finden – ebenfalls überschwängliche!

Bereits nach den ersten Seiten fühlte ich den Charme und Witz des Romans auf mich wirken und wusste, dass ich ihn genießen würde. Es ist unfassbar, wie viel Schönheit und Wärme in diesem Buch steckt, wie man über die Schrulligkeit der vier Damen lacht und ihre Entwicklung nicht nur beobchten, sondern mitfühlen kann. Es ist kein bisschen, wie ich leider gestehen muss erwartete zu haben, ein ’nettes‘ Buch, sondern man fühlt wirklich einen Mehrwert beim Lesen. Elizabeth von Arnim hat hier eine wunderbare Mischung aus Sittenkomödie und einfühlsamer Schilderung von Einzelschicksalen von Frauen, die nicht anders hätten sein können, verfasst, die  durch Authentizität aber auch einer Art Freundlichkeit besticht. Ein Schande, dass dieses Buch nicht weitaus bekannter ist, zumal es nicht nur wunderbar geschrieben ist und man den üppig blühenden Garten des Castellos vor den eigenen Augen sieht, sondern so viel Spaß macht zu lesen und öfters laut loslacht. Ich würde sagen, dass für diejenigen, die sich oft daran stören, dass Klassiker doch langatmig und substanzlos sein, man sie nicht verstehe, zu sehr nach Ernsthaftigkeit greifen und mit schöner Sprache übertreiben, möglicherweise mit diesem Roman eine positive Erfahrung mit (modernen) Klassikern machen könnten.

THE VERDICT: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Verzauberte April sicher eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr werden wird, weil es einem wirklich das Herz wärmt: man lacht, man lebt mit und fühlt sich selbst, als wäre man für einen Monat in Italien gewesen. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

[Unileben #3] Erwachsen sein?

In letzter Zeit wurde ich öfter mit dem sogeannten Erwachsensein konfrontiert und habe darüber nachgedacht, was es für mich bedeutet. Mir ist aufgefallen, dass mein Blog etwas vor sich hindümpelt und ich zwar weiterhin gern lese, aber etwas von dem Literaturblog weggekommen bin und eigentlich auch wirklich lust hätte, mehr über Alltägliches, das mich beschftigt zu schreiben – was in erste Linie mein Unileben ist. Hier ist also ein erster kleiner Versuch, meine Gedanken zu Erwachsensein und -werden zu sortieren.

Ich hatte kürzlich wieder einen dieser Momente, in denen mir einfiel, dass ich theoretisch auf dem Weg bin, eine eigenständige, erwachsene Person zu werden. Aber was genau heißt das? Wenn mir Leute sagen, dass nun wo ich erwachsen bin, mich auch so verhalten soll? Was ist denn angemessen für jemanden mit 20? Wie habe ich zu sein?

Ich glaube, die letztere Frage fasst es perfekt zu sein. Mir scheint, als wäre Erwachsensein eine Einstellung für Außenstehende, für Fremdwahrnehmung. Da merke ich schon, wie problematisch die Idee ist, sich in ein solch ungenaues Konzept zu quetschen oder sich, wie ich zur Zeit, davon einschüchtern zu lassen. Und das große Fass, was man von uns Millenials denkt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufreißen.

In meinen frühen Teenager Zeiten war es genau das, was ich mir so gewünscht habe: erwachsen sein, was auch immer das genau heißen sollte, ich stellte es mir verheißend und wunderschön vor: unabhängig, meine eigene, schöne Wohnung, eine großartige Beziehung, ein Studium, das super läuft und tolle Zukunftschancen hat und natürlich viel Freiheit, natürlich von den Eltern. Mit 20 ist man so verdammt erwachsen, dachte ich, in der Hoffnung, Dinge dann besser zu verstehen.

Ehrlich gesagt, nun, gute 7 Jahre später bin ich eigentlich nur viel verwirrter vom Leben und von diesem Erwachsen sein – was mir besonders vor einigen Wochen aufgefallen ist, als ich endlich den Schritt wagte, von zu Hause auszuziehen. Nun verbringe ich wirklich viel Zeit allein verbringe und mir liegt diese erträumte Freiheit theoretisch zu Füßen. In der Schwebe zwischen der unendlichen Möglichkeit, mich mal richtig gehen zu lassen und dem Bewusstsein, dass ich meinen Alltag irgendwie strukturieren muss, komme ich nicht weiter. Ja, dieses 20 Jahre alt sein, dieses komische unbestimmte Konzept, dass aber etwas bestimmtes verlangt,fühlt sich momentan an, als müsste ich auch herausfinden, wer ich eigentlich sein möchte.

An der Uni kommt man mit vielen verschiedenen Altersgruppen zusammen: zum einen all die jungen Leute, die frisch nach dem Abi den Campus erobern wollen oder vielleicht ein FSJ oder ein Work And Travel Jahr in Neuseeland reingezequtscht haben – aber irgendwas zwischen durchschnittlich 18 und 20 Jahren sind mit leuchtenden Augen und voll Euphorie.
Andererseits gibt es ganz viele, die beispielsweise schon eine Ausbildung hinter sich haben, oder sogar ein Studium und nun Ende zwanzig sind, oder Anfang dreißig. Ich glaube, grob gesagt trifft man vor allem auf diese Altersgruppe zwischen 18 und 32 (was nun nur eine grob geschätzt unempirische Bauchgefühlstatistik ist) und das ist wirklich echt eine große Spanne, wenn man es so recht überlegt, wie viele individuelle Lebensabschnitte dazwischen liegen und wie sich die Lebensefahrung staffelt. Zumindest wirkt es aus meiner 20 jahre alten Sicht so auf mich – ich war stets von mehr oder weniger Gleichaltrigen umgeben, wie es in der Schule üblich ist. Aber plötzlich haben sich Türen zu ganz anderen Altersgruppen geöffnet und etwas sehr merkwürdiges ist mit mir passiert.

Ich stresse mich immer enorm, wenn ich Menschen Ü25 treffe. Es ist, als müsste ich mit aller Kraft beweisen, dass ich schon so erwachsen bin – erwachsen, so wie ich es oben beschrieben habe: ein strukturiertes, erfolgreiches Leben mit der gehörigen Portion Coolness und vor allem Intelligenz. Aber was heißt denn erwachsen, muss ich mich an dieser Stelle erneut fragen.

Mir während der WG Suche in Berlin aufgefallen, dass Leute ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie ich mit 20 zu sein habe – und zwar überhaupt nicht erwachsen. Jung und wild aufs Feiern, Leute kennenlernen, eine freie ungebundene und großteils verantwortungslose, unordentliche Seele. Ich bin mir sicher, dass ich diesen naiven, offenen Charakterzug auch habe, aber meine Güte, ich will nicht darauf herunterreduziert werden.
Genau deshalb versuche ich, so verdammt erwachsen rüber zu kommen – Grund gütiger, es ist wirklich schwer mit 20 ernst genommen zu werden – außer von gleichaltrigen – und ich möchte es doch gern. Ich freue mich von Herzen auf die Zeit, wo ich darüber schmunzele, was mich nun beschäftigt. Schließlich kann ich mich auch darüber amüsieren, welche Probleme ich mit 16 hatte und wie anders ich mittlerweile einiges sehe.

Ist erwachsen sein vielleicht nur die Begabung, Dinge deutlich entspannter zu sehen und sich nicht so gequält Sorgen zu machen – gerade, weil man immer mehr Lebenserfahrung und Kenntnis auf dem Rücken trägt und Dinge gelernt hat?
Ich glaube, ich komme hier an meine Grenzen. Ich werde berichten, wenn ich mehr weiß!

Love, Katha

März + April Lieblinge

Und schon wieder ist ein Monat rum! Da ich auf Grund des Unistarts kaum Zeit hatte, wirklich aktiv auf meinem Blog zu sein – was ich vermutlich schon sage, seit dem ich studiere, also fast 2 Jahre – wird es wieder Zeit meine Highlights aus den letzten zwei Monaten vorzustellen. Zwei, weil ich es leider versäumt hatte im April über den März zu schreiben.
Gleich dazu habe ich beschlossen, dass ich die Nomenklatur meiner Faves-Serie in eine Lieblinge-Serie umbenennen werde, weil ich gemerkt habe, vielleicht auch als zukünftige Deutschlehrerin, dass es ein wenig überflüssig ist, mit englischen Wörtern um mich zu fuchteln, wenn ich einfach Lieblinge sagen kann. Ohne weiteres herumgeschwafel, los geht’s.

1. Topshop Pyjama
Instagram und YouTube sind eindeutig schuld daran, dass ich neuerdings hübsche Bettwäsche und elegante Pyjama-Sets zu schätzen weiß. Das ist bereits mein drittes Set, aber ich glaube mein auch mein liebstes. Ich habe es bei Topshop in Canterbury zu einem Spottpreis in der Sale Abteilung gefunden und mich sofort verliebt – super bequem und leicht mit einem tollen Print ohne durchsichtig zu sein. Leider fehlen die Hosentaschen, aber ich kann damit leben. Nun bin ich wirklich mit fancy Nachtwäsche ausgesorgt.

2. Sainsbury Tee
Erneut in Großbritannien aufgegabelt und verliebt: Diese würzige Teemischung aus Ingwer, rote Beete un Zimt ist die perfekte Aufwärmung nach einem regnerischen, tristen Tag und schmeckt einfach köstlich und kein bisschen nach roter Beete (zum Glück!).

3. Daunt Books Tasche (und Großbritannien-Urlaub)
Diesen hübschen Jutebeutel habe ich in einer zauberhaften Buchhandlung in England aufgegabelt und sie ist seitdem im Dauereinsatz bei mir. Schön geräumig, mit einem tollen Motiv und Trägern, die nicht zu lang sind (so dass der Beutel nicht auf der Straße schleift) noch zu kurz (so dass man auch darin kramen kann, während er sich auf der Schulter befindet). Zusätzlich ist es ein Sinnbild für meinen tollen Großbritannienurlaub, auf dem ich Ende März war und welchen man in meinem London und Rye Beitrag nachempfinden kann.

4. Batiste Trockenshampoo
Trockenshampoos sind schon lange meine Freunde, aber ich habe nun endlich eins gefunden, was nicht abartig stark duftet, einen guten Sprühkopf hat und auch tatsächlich Wirkung zeigt. Die Empfehlung kam von einer guten Freundin und ich kann bestätigen, dass dieses Trockenshampoo den Hype, den es von beauty Leuten erhält, gerecht wird.

5. Pomade
Vor allem im März habe ich eine Zeit lang mit Vintage inspireirten Frisuren herumexperimentiert und um diesen wirklich Form zu geben, ist Pomade mehr oder weniger unverzichtbar. Auch wenn ich wenig Ahnung von gutem Frisierzeugs, kann ich definitiv sagen, dass diese Pomade wirklich geholfen hat, Pin Curls zu formen und zusätzlich angenehm duftet.

6. Cath Kidson Kulturtasche
Nun dass meine Kulturtasche, die ich seit Kindheitstagen (mit einer gelben Quietscheente) langsam auseinanderfällt, habe ich mir in London eine ‚erwachsenere‘ Version zugelegt. Leider hat sie nur eine kleine Innentasche und nicht viele Compartments, aber im Grunde genommen ist das auch okay. Dieses Monster verschlingt alles, so harmlos sie auch aussieht ist das Fassungsvermögen wirklich beeindruckend. Das Material fühlt sich auch hochwertig an, so dass man den preislichen Aspekt herunterschlucken kann.

7. Don Norman: The Design of Everyday Things
Ich bin schon so oft daran gescheitert, eine Tür in die richtige Richtung zu öffnen – aber warum das passiert und weshalb man glatt sagen kann, ich sei gar nicht schuld daran, erklärt Don Normans neuropsychologisches Buch über Design im Alltag. Mit viel Humor, guten Beispielen und einer tollen Zugänglichkeit selbst für Menschen, die sich bisher nicht mit diesem Thema befasst haben!

8. Karaffe von Ikea
Ebenfalls im Dauereinsatz ist momentan diese Karaffe von Ikea, sowohl für leckere Limonaden aus Zittronen- und Orangenscheiben, als auch für frische Minztees. Das Fassungsvermögen und die Form sind einfach großartig und der Deckel, so unscheinbar er aussieht, macht überraschend viel mit. Ich kann sie vom Herzen empfehlen! Außerdem hilft es mir, als jemand der zu wenig trinkt, sie einfach auf dem Tisch vor mit stehen zu haben, um immer wieder mal einen Schluck zu nehmen.

Musikalische Highlights

Wie waren eure letzten Frühlingsmonate?

Love, Katha

[Unileben #2] Motivationsprobleme überwinden

Pünktlich zu meinem vierten Bloggeburtstag möchte ich über ein Thema schreiben, das mir besonders am Herzen liegt, und mit dem ich auch meine Problemchen habe: Motivation und der Mangel an dieser. Nachdem ich nun einige Wochen darüber gegrübelt habe, wie ich diesen Beitrag am besten schreiben, bin ich zu dieser Version gekommen.

Ist es nicht ironisch über Motivationsprobleme zu schreiben, wenn eigentlich für die Uni zu lernen sollte? Es könnte kaum typischer sein, wenn ich ehrlich bin. Manchmal kommt die Motivation und Inspiration aus dem Nichts und plötzlich funktioniert alles, es ist so leicht und alles läuft von selbst, an anderen Tagen geht gar nichts und es ist für mich schon ein Problem, aus dem Bett zu kommen, geschweige denn mich an meinen Schreibtisch zu bekommen. Ich möchte hier ein bisschen meine Erfahrungen teilen, was mir hilft, um zu Potte zu kommen – oder zumindest, was mir Kraft gibt.

Durch meinen Studiengangwechsel habe ich schnell festgestellt, dass ich zwar nach wie vor öfter wirklich keine Lust habe, mich mit etwas zu beschäftigen, aber wenn ich mich erst dazu aufgrafft habe, anzufangen und mich mit etwas auseinander zusetzten, stets aufs neue merken, es wirklich interessant ist und ich mich meistens sogar sehr gern mit den Texten, die ich lesen muss oder schreiben soll, beschäftige. Sicher gefällt mir nicht alles, aber jetzt spüre wirklich ich den Kontrast, wie viel leichter es ist für etwas zu lernen, was einen im Kern begeistert. Deshalb würde ich grundsätzlich dazu raten, dass wenn man merkt, dass man große Motivationsschwierigkeiten zum Lernen hat, für sich selbst festzustellen, ob es am Lernen liegt, oder der Tatsache, dass man möglicherweise etwas ‚falsches‘ studiert. Ich habe eine kleine Liste mit einer Erfahrung und einigen Warnzeichen in einem älteren Blogpost dazu verfasst, in den ihr gerne ebenfalls reinschauen könnt. Ich hoffe wirklich, dass ich mit meinen Erfahrungen jemanden helfen kann.

Erster Disclaimer: Wer wirklich mit schwerwiegenden Prokrastionationsproblemen zu kämpfen hat (und ich zähle mich nicht dazu) sollte sich meiner Meinung nach vielleicht an die psychologische Beratung der Uni wenden, da ich dafür keine hilfreichen Tipps geben kann.

Zweiter Disclaimer: Ich schreibe das nicht, weil ich großartige Noten an der Uni habe (das ist nicht der Fall), oder weil ich meine Tipps für das Non plus ultra halte und total den Dreh raushabe. Ganz im Gegenteil, ich möchte einfach meinen Gedanken zu diesem Thema Raum geben.

1. Wenn schon prokastinieren, dann effektiv: Ende letzten Semesters gab es diesen einen großen Essay, an den ich mich überhaupt nicht ransetzten wolle – zugegeben, bei den anderen Essays war es nicht besser, aber Ende Februar war bei mir gänzlich die Luft raus, besonders nach den Klausuren. Bloß nicht dieser Essay! –  ich hatte einfach einen Trotz der Lustlosigkeit in mir. Aber anstellte mich mit YouTube und Instagram abzulenken, nutze ich diese Energie, um etwa total banale Sachen nachzuholen oder aufzuräumen. Aufräumen hat einen tollen Effekt bei mir: ich kann sowieso in einem geordneten Raum besser lernen und ich musste ohne hin  etwas aufräumen oder putzen. Sicherlich ist es keineswegs eine dauerhafte Lösung, besonders bei schwerwiegenden Prokrastinationsproblemen.

2. Duschen: Manchmal bedarf es nur einen kleinen Frischekicks, um mal den Kopf freizubekommen oder ein wenig zu entspannen, um ein wenig Stress zu entladen oder eine Pause während des Lernens zu machen, um Abstand von seinem eigenen Gedankenwirrwarr zu bekommen.

3. Nicht in Jogginghose oder Pyjama oder im Bett lernen. Manche mögen mir hier total widersprechen, aber bis auf wenige Ausnahmefälle lerne ich oft komplett „anzogen“. Manchmal trage ich sogar Hemd und Jeans, einfach nur um mich irgendwie professioneller und vorbereiteter zu fühlen. Vermutlich ist es eine Art von psychologischem Selbstbetrug, aber es hilft mir wirklich. Übrigens gilt das auch  für Prüfungssitautionen.

4. Anfangen ist der erste und wichtigste Schirtt. Es gibt Momente, da ist alles so viel, dass man keine Ahnung hat, was man tun soll, der Gedanke an diese komplizierte Aufgabe nimmt einem schon alle Kraft und man badet förmlich in der Überforderung, diesen überwindenden Schritt zu tun. Mir ging es letztes Semester oft so, ich war einfach strukturell überfordert und musste für mich lernen, wie ich lerne. Wenn man dann erstmal die Gliederung und den Plan hat, wie man an die Aufgabe rangeht, schreiben sich Texte oft von alleine. Ich glaube, wenn man sich vor Augen führt, dass diese Aufgabe absolut machbar ist und man allein schon durch Aufstellen einer Gliederung, einer Übersicht oder eines Lernplans viel erreicht hat, wird einem ein kleines bisschen leichter ums Herz und man kann systematisch weiter machen.

5. Motivation und rechtzeigtig Anfangen. Ich sage es noch immer zu mir: fang rechtzeitig an und ich bin leider noch immer nicht gut darin – einerseits weil ich wirklich viele abzugebende Abgaben letztes Semester hatte und nicht wusste, wo mir der Kopf stand, andererseits weil ich wirklich unmotiviert war. Aber hey, ich habe zumindest angefangen, mir früh einen Plan zu erstellen, was ich machen muss.  Mit rechtzeitig anfangen meine ich bei einer Klausur mindestens drei Wochen vorher und bei einem Essay unbedingt mindestens zwei Wochen früher – das ist mit Nichten ein gutes Zeitfenster, aber ich versuche mich. Natürlich gibt einem auf-den-letzten-Drücker-machen einen unglaublichen Adrenalinschub, aber wenn man mit dem Verstehen philosophischer Texte kämpft und 4 Stunden vor der Abgabe mitten in der Nacht einen großen logischen Argumentationsfehler entdeckt – und ich war da – ist das einfach keine Situation in der man stecken will.

6. Handy weg. Es ist so einfach und doch so beschissen schwer, sich gleich doppelt zur Selbstdisziplin aufzuraffen. Oft hilft es mir, mein Handy nicht in Sichtweite zu haben, aber den ultimativen Trick habe ich auch noch nicht herausgefunden.

7. Finger weg von YouTube oder Netflix – gilt jedenfalls für mich, einmal angefangen, etwas in der Form eines Videos zu sehen, ist es bei mir sowohl mit der Motivation als auch mit der Konzentration vorbei. Deshalb spare ich mir, so gut ich kann, Fernsehen oder Filme als Belohnung auf, wenn ich etwas geschafft habe. Funktioniert meistens sogar ganz gut.

8. In der Bibliothek lernen. Dies habe ich erst in meinem letzten Semester für mich entdeckt, aber ich bin überrascht, wie gut es mir geholfen hat. In dem Grimm-Zentrum der HU ist es nicht nur unbequem und ein bisschen kühl, sondern alle sind derart konzentriert und es gibt eine Aura des angespannten Lernwillens, dass man nicht anders kann, als konsequent zu lernen. Die Bibliothek hat einige Nachteile und Aspekte, die mich wirklich aufregen, aber dazu möchte ich in einem anderen Beitrag ausführlicher äußern. Ich glaube, was in der Bibliothek der springende Punkt ist, der sich beispielsweise auch an meiner Angewohnheit in ’schickeren‘ Sachen zu lernen sehen lässt, ist, dass wenn man es ‚zu bequem‘ hat, die Verlockung im Bett rumzugammeln (man sitzt ja schon da und hat seine bequeme Jogginghose an) und Netflix zu sehen noch viel größer ist, als wenn man in der unbequemen Bibliothek mit Jeans und Hemd sitzt und alle anderen fleißig lernen- vielleicht ist es ein alberner psychologischer Trick, aber bei mir funktioniert er.

9. Tee- und Spazierpausen. Ich trinke unheimlich gern Tee, wie ich es hier auf meinem Blog sicherlich schon hunderte Male beteuert habe. Für mich ist eine schöne Art eine Pause zu halten, mir einen Tee zu kochen und ganz bewusst (möglichst ohne Instagram o.Ä.) in der Küche zu sitzen, durchzuatmen und die Pause als solche zu genießen. Ich bin nicht immer diszipliniert genug, um das immer durchzuziehen, aber oft hilft es mir neben der anstrengenden  Uniaufgabe den Kopf freizubekommen. Andere Art der entspannenden Pausen sind ein Spaziergang oder einer Meditation auf dem Balkon, die ich beide wärmstens empfehlen. Aber kann ich mir das zeitlich leisten? Naja, wenn ich wirklich glaube, dass ich mir YouTube leisten kann, dann ist der Gang um den Block echt die bessere Alternative.

10. Mittags lernen. Meinen letzten Stundenplan fand ich Anfang des Semesters katastrophal, drei Mal in der Woche fing mein Tag um 8 Uhr an und ich hatte keinen  freien Tag. So kam es, dass ich oft spätestens um 14 Uhr aus der Uni raus war und den halben Tag noch vor mir hatte – ein enormer Motivationsboost. Deshalb ging ich nach der Uni öfter noch in die Bibliothek und lernte dort einige Stunden, was bedeutete, dass wenn ich abends Heim fuhr, noch Zeit zum Entspannen und Nichtstun hatte. Früher habe ich oft um 19 Uhr angefangen zu lernen und saß teils noch um 1 Uhr morgens an einer Hausaufgabe, was nicht nur frustrierend ist, sondern auch dafür sorgt, dass ich noch weniger Schlaf bekomme. So hatte ich wirklich die Kraft, meine Zeit besser zu nutzen, was sich toll anfühlt.

11. Ziele setzten. Natürlich kann man lernen, bis man umfällt und die Augen zu klappen, aber keine zwei Wochen am Stück. Für mich hat es sich bewährt, mit gewisse Ziele für den Tag zu setzten, was ich schaffen möchte, oder dass ich, wenn ich eine bestimmte Sache gelernt habe, mir die Zeit nehme, Abend noch einen Film als Belohnung zu sehen. Oder im Bullet Journal systematisch durchstreichen zu können, was man geschafft hat, gibt mir auch eine gewisse Zufriedenheit. Ich glaube, es ist wichtig, sich ab und zu zu sagen, dass es für heute reicht (oder aber auch das Gegenteil, dass man echt noch ein paar Sachen schaffen muss).

12. Ein schöner Schreibtisch. Ein großer, möglichst leerer Schreibtisch mit viel Licht und einem gemütlichen, ergonomischen Stuhl kann für mich die Welt verändern. Ich lerne sogar lieber, wenn man Schreibtisch mich in einer Form dazu einlädt. Was zusätzlich mit dem ersten Punkt Hand in Hand geht, für mich lernt es sich aufgeräumt einfach besser.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nach wie vor meine Probleme mit Motivation habe – manchmal gibt es leider die Tage, wo man auch akzeptieren muss, dass nichts geht (außer es ist der Tag der Abgabe oder vor der Prüfung) und man sich auch die Ruhe nehmen muss. Ich arbeite wie bereits gesagt selbst noch an meiner Motivationslosigkeit.

Ich freue mich wie immer über Kommentare und Anregungen

Love, Katha

Eine neue Liebe: Rye

Den versprochenen zweite Teil meiner England Reise wollte ich nun auch endlich posten, weil nun fast schon ein Monat seit der tatächlichen Reise vergangen ist. Auf Grund des Unistarts und eines großen privaten Ereignisses, von dene ich bald berichten möchte, hat es wieder ein bisschen länger gedauert als mir lieb ist., dass ich zum Schreiben kam Allerdings muss ich zugeben, dass Rye rückblickend einer der schönsten Momente meiner Großbritannienreise beinhaltet, und es mir außerordentlich gut gefallen hat, so dass es schade wäre, nicht endlich davon zu erzähen.

Die kleine Stadt Rye zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass sie eine kleine, verschlafene Stadt mit wunderbaren historischen Gebäude und Straßen in East Sussex ist, und damit nur wenige Kilometer entfernt vom Meer, was man auch durch die große Population von Möwen merkt.  Aber warum sollte man eine kleine Stadt wie diese besuchen und wie kommt man überhaupt darauf? Zum einen wurde mir dieser kleine Ort von einem Freund ans Herz gelegt, zum anderen haben mich meine Lieblingsminiseire Parade’s End und die Visit Britain Seite auf Instagram auf die Idee gebracht. Ich kann es eigentlich nur empfehlen, sich nicht nur Reisefüher und Empfehlungen von Freunden zu Gemüte zu führen, sondern auch mal ein Auge darauf zu werfen, wohin britische Blogger fahren und was sich berichten. An dieser Stelle kann ich nur wärmstens den Blog und das Instgramprofil von Romona (@monalogue) empfehlen.

Auf dem Beitragsbild übrigens ist die Mermaid Street zu sehen, in welcher sich einer der Hauptattraktionen dieses Ortes befindet, einem alten Hotel, dem Mermaid Inn, welches irgendwann zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert gebaut wurde und bis heute durch seine schiefe und  mysteriös dunkle Fassade bezaubert. Allerdings sieht die ganze Stadt mindestens so pittoresk aus, wie dieser kleine Ausschnitt, weshalb es mehr als lohnenswert ist, einen Spaziergang durch die vielen kleinen und verwinkelten Gassen zu machen und die alten Gebäude, das Kopfsteinpflaster und rankenden Blumen und Pflanzen dazwischen zu bewundern.
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mein Foto von der leeren Mermaid Street bekommen habe, aber diesen legendären Ausblick musste ich fotografieren. Glücklicherweise war herzlich wenig los an dem Tag, an dem ich in Rye war, außer einer kleinen Hand voll Touristen, waren weitestgehend Einheimische zu sehen und es herrschte eine ruhige, verschlafene Atmosphäre, welche die Urigkeit des Ortes nur unterstrich. Das ist die Art von Urlaub, die ich mag!

Als ich das alte Haus neben der Kirche fotografieren wollte, welches das weiße mit dem großen Baum ist, kam plötzlich der Bewohner des Gebäudes aus der Tür. Ich fürchtete schon, dass er not so amused wäre, dass ich sein Haus fotografiere und mich vom Grundstück verweisen würde (was ich auch irgendwie verstanden hätte) – doch stattdessen kam der wirklich sehr alte Mann, gekleidet wie ein britischer Dandy, auf mich zu und fragte mich, wie mir mein Aufenthalt in Rye gefiele – natürlich in einer Mischung aus RP und südlichem Dialekt, die wirklich schwer zu verstehen war – und erzählte mir, dass es in Sussex zwischen Juli und September doch am schönsten sei, besonders der September sei entzückend. Wir unterhielten uns ganz wunderbar über den Ort und Großbritannien und es war herzerwärmend, was für ein freundliches und schönes Gespräch wir hatten – schließlich stellte ich ihm die Frage, die mir tatsächlich unter den Nägeln brannte: Wie konnte es sein, dass er Baum vor seiner Haustür blühte, wo doch noch nichts Blätter trug und gerade erst die ersten Narzissen zu sehen waren? Dieser Baum sei ein strawberry tree, ein arbutus unedo, ein immergrüner Baum, der eigentlich eher in mediterranen Räumen zu Hause sein und dessen Früchte irgendwas zwischen Erdbeeren und Litschi ähnlich sähen.

Ich lief noch ein Weilchen durch die Gegend, erkundete Straßen und stieg auf den Hügel von Rye, von dem man die Kleinstadt von oben bewundern konnte. Es gibt unzählige kleine Läden und Restaurants, cottages und hübsche Sträucher. Ein bisschen als hätte man England, wie man es sich vorstellt, in diesem kleinen südenglischen Ort festgehalten und konserviert. Aber auf eine natürliche und süße Art, nicht als wäre es gezwungenermaßen ein Freilichtmuseum.

Später war ich noch in einem Burgerladen essen, dem Hoof. Es war wirklich zauberhaft eingerichtet, gut besucht und dessen Essen hätte nicht schöner angerichtet worden können, doch um ehrlich zu sein, war ich ziemlich enttäuscht von meinem vegetarischen Pilzburger, der mir kein bisschen schmeckte. Die Pommes waren hingegen wirklich ein Traum! Leider keine Empfehlung, aber es gibt unzählige Restaurants und Cafés in Rye, dass man sich dumm und dämlich essen könnte.

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Ich kann eine Reise nach Rye wirklich von ganzem Herzen empfehlen, man kann stundenlang spazieren gehen und es ist mit dem Zug nur wenige Stunden von London entfernt und ziemlich gut zu erreichen. Vielleicht hatte ich Glück mit der Jahreszeit und dem Tag, aber es war wirklich herrlich untouristisch und des nette Gespräch mit dem alten Mann wird mir zweifelsohne im Herzen bleiben.

Love, Katha

Mein BuJo: Erfahrung nach anderthalb Jahren + Innenleben

Angestiftet zu dem ganze Bullet Journaling hat mich vor gut anderthalb Jahren meine beste Freundin Charlie, als sie mir bei einer Verabredung erzählte, dass sie plane nachdem sie so viele gesehen habe, ebenfalls eins anzulegen. Ich habe es geschafft, bis dato nichts von Bullet Journaling gehört zu haben und war schließlich überrascht, was ich verpasst hatte. Nach ein paar inspirierenden YoutTube Tutorials und Instagram Posts und ein paar Versuchen, bin ich schnell auf das Layout gestoßen, das ich bis heute verwende. Es ist sehr simpel und ähnelt stark einem Kalender, um ehrlich zu sein. Aber gerade das ist das schöne am Bullet Journaling, das jeder es nach seinem Belieben und Gebrauchen gestalten kann. Deshalb möchte ich es heute mit euch teilen.

Zur Ansicht habe ich ein paar Seiten meines April Set Ups (bevor ich es ausgefüllt habe) fotografiert. Es sieht sehr leer aus, aber ich wollte es auf Grund von Privatsphäre lieber so machen, als dass ich einiges unkenntlich machen muss. Am Ende des Monats ist es meistens sehr voll und deutlich farbenfroher. Meistens verwende ich einen Staedler Pigment Liner in 0.05 für die Outlines, aber zum Schreiben passt 0.2 perfekt.

Übrigens, das Notizbuch, welches ist verwende, ist ein Leuchtturm 1917 mit gepunkteten Seiten. Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, weil ich diese Punkte irgendwie hässlich fand, aber nach kurzer Nutzung hat sich meine Meinung ganz schnell geändert und jetzt liebe ich es! Meiner Meinung nach sind die gepunkteten Versionen ideal für Bullet Journals. Auch Leuchtturm als Marke kann ich auf Grund der guten Papierqualität und dem hübschen, handlichen Format empfehlen – günstig sind die Notizbücher leider nicht, aber es lohnt sich!

 

Am Anfang des Monats habe ich ganz klassisch eine Seite, die ich mit Kacheln für ganzmonatige oder nicht tagesgebundene To Dos, Abgabefristen, Einkaufslisten, Ideen für Monatsfavoriten,  und andere Blogbeiträge und sponate Dinge, die sich ergeben (wie z.B. zu Weihnachten Geschenkideen) nutze.
Auf der anderen Seite habe ich einen monthly tracker, der meistens diese Form hat. Ich zeichne auf, ob ich genügend Wasser getrunken habe (klappte anfangs besser, momentan lasse ich leider nach), wie viel ich schlafe, ob ich gelesen habe, ob ich gelernt habe (das hilft bei der Motivation) und ob ich draußen mich ordentlich bewegt habe – im Grunde genommen, kleine Ziele, die ich mir setzte, um nicht zum dehydrierten, faulen Stubenhocker zu verkommen. Und es hilft tatsächlich dabei!

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Dann verwende ich einen klaren, relativ minimalistischen Wochenüberblick, um meine To Do’s für diesen Tag aufzuschreiben. Termine sind in meinem normalen Kalender, wo ich vor allem mein Unizeug regle. Für mich funktioniert diese Trennung so optimal.

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Und zu guter letzt meine kleine Gratitude Liste. Das ist definitiv etwas, was ich von Instagram übernommen habe und seit letzten Oktober kontinuierlich durchziehe und es bringt etwas.

Das Set-Up meines Bullet Jourals ist vermutlich das unspektakulärste aller Zeiten – keine fancy Washi Tapes, kein großartiges Gedoodle oder Challenges und keine hübschen Post Its. Für mich muss es vor allem übersichtlich und funktional sein und wenn ich mal Langeweile oder Inspiration habe, kommen ein paar wenige kleine Zeichnungen dazu. Vielleicht mag das Menschen, die mich persönlich kennen, überraschen, weil ich eigentlich oft kritzle und Muster und hübsche Zeichnungen über alles liebe und anfangs habe ich es wirklich versucht, ein paar nette Bilder zwischen den Listen einzufügen, aber ich bin leider kläglich gescheitert.

Meiner Meinung nach nimmt das aber einfach nur Platz weg und da ich jemand bin, der wirklich gerne die volle Weite der Seite nutzen will, zeichne ich selten, zumindest bei BuJos (Bei der Rohfassung meiner Uninotizen ist das ein ganz anderes Thema). Im Grund genommen sieht es jeden Monat mehr oder weniger gleich aus, nur dass manchmal Leselisten, finanzielle Übersichten, Buchwunschlisten oder Lernpläne dazukommen. Vielleicht werde ich eines Tages noch kreativer und entdecke für mich, dass ich ein paar Seiten für kreative Selbsterprobung verwenden möchte. Aber fürs erste ist mehr oder minder mein Gedächtnis mit simplen Design.

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Was ich neben der Tatsache, dass man sein BuJo so frei und individuell gestalten kann, am meisten daran liebe, ist dass es eine wunderbare Gedächtnisstütze ist. Die meisten Dinge, die ich erledigen muss, wie einen Kontoauszug zu holen oder Taschentücher einzukaufen, weiß ich ohnehin und auch mit einem Unifristen ist mein Gedächtnis ziemlich gut. Ich merke aber, dass ich seitdem ich mein BuJo habe, deutlich weniger gestresst zu Bett gehe. Es schläft sich auf jeden Fall so viel besser, wenn weiß, dass man aufgeschrieben hat, dass man morgen unbedingt etwas bestimmtes erledigen muss, und sich nicht selbst stressen muss, dass man es möglicherweise vergisst.
Außerdem macht es einfach unheimlich Spaß, etwas kreativ mit Layout zu sein oder Kalligrafie zu faken oder sich ein für einen selbst gut funktionierendes Key-System auszudenken – oder sich mit anderen darüber auszutauschen.

Ich kann jedem, der Spaß daran hat, Dinge analog zu machen, von Herzen empfehlen, das Bullet Journaling vielleicht auszuprobieren, weil es wirklich Spaß macht und zu dem eine gute Unterstützung im Alltag ist.

Love, Katha

London mal anders erleben

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich meinen Beitrag über meinen dritten London-Besuch hier auf meinem Blog gepostet habe. Seitdem habe ich einige andere aufregende Reisen erlebt, aber letztendlich komme ich irgendwie immer zurück auf die entzückende Insel.

Diesmal führte unsere Reise uns nach Rye, Cambridge und Canterbury – mit Aufenthalt in London, so dass ich wieder ein paar Tage in der Stadt hatte. Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert, nicht nur die Art, wie ich Urlaub mache, sondern selbstverständich auch, was mich interessiert und wie ich bin.

Dabei war es mir diesmal wieder wichtig, einfach die Stadt zu erleben, mich beim Spazierengehen von meiner Intuition leiten zu lassen und nicht den ganzen wichtigen Attraktionen nachzurennen (zumal ich mittlerweile schon sehr viele Sehenswürdigkeiten gesehen habe). Außerdem wohnten wir in einem AirBnB in einem edwardianischen, denkmalgeschützen Gebäude im Stadtteil Islington, was das Gefühl, London ein bisschen mehr wie ein Einheimischer zu erleben, verstärkte. Außerdem traf ich mich dort mit einer Instagrammerin, mit der ich schon länger befreundet bin und sie zeigte mir die Stadt nochmal aus einem ganz anderen Winkel, was ein ganz besonders tolles Erlebnis war.

Allerdings muss ich sagen, dass die Orte, an denen ich war, ordentlich durch Instagram beeinflusst wurden, weil ich durch Seiten wie „Pretty little London“ inspiriert wurde, welche Viertel besonders interessant und pittoresk wären und wo ich tolle Bücherläden und ein wunderschöne Cafés entdecken könnte. Wie immer war mein Leitmotiv meinen Augen zu folgen und mich einfach zu verlieren.

Lesen

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John Sandoe Books

Um den Anspruch, mich weiterhin guten Gewissens vor allem als Buchblog bezeichnen zu können, möchte ich drei Buchhandlungen, die mich ganz großartig begeistert haben, vorstellen. Jede hat ihre eigene Art und ich kann deren Besuch jedem/jeder bibilophilen LondonbesucherIn ans Herz legen:

Persephone Books besuchte ich mit einer Freundin, die ich vor längerem über die Untiefen des Buchblogger/instagrammertums kennengelernt habe und endlich persönlich treffen konnte. Diese Verlagsbuchhandlung ist ein kleiner Himmel in Bloomsbury, der Bücher in schönen eleganten grauen Editionen anbietet, wobei der Fokus vor allem auf Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts liegt, die in Vergessenheit gerarten ist. Hier hat man richtig das Gefühl, sich in einer persönlichen, liebevollen Buchhandlung zu bebefinden, die auch wenn sie klein ist, zum Schauen und Verweilen einlädt. Auf den  vielen Tischen stehen neben Büchern und Lesezeichen, auf denen jeweils der Klappentext steht, auch Vasen mit frischen Tulpen, deren Duft ganz subtil den ganzen Laden erfüllt.

Daunt Books hat mehrere Standorte, unter anderen den bekanntesten in Marylebone und einen in Holland Park, auf den ich dort zufällig stieß, als ich zur Tube wollte. Besonders spannend ist, dass dort die Belletristik nach Regionen sortiert sind, beispielweise stehen also im Deutschland-Regal sowohl Romane über Deutschland als auch übersetzte Werke deutscher AutorInnen. Die Auswahl ist wirklich hervorragend, auch wenn das Sortierungssystem zunächst gewöhnungsbedürftig ist. Außerdem ist alles wunderschön angerichtet und der Laden in Marylebone strahlt besonders durch die Holztäfelung und ein großes altes Fenster, das mit den petrolfarbenen Wänden für ein englisches Wohnzimmerflair sorgt.

John Sandoe in Chelsea wiederrum spiegelt wieder, wie man wirklich auf das effektivste jeden kleinsten Millimeter in einem Laden nutzen kann und es trotzdem unheimlich gemütlich ist, obwohl man echt erschlagen ist von der Menge an verschiedenen Büchern. Zugegeben, ich habe nicht ganz verstanden, wie der Laden funktioniert, aber es hat mir gefallen – es gab wirklich alles, auch wenn es ein kleines Labyrinth ist. Man kann dort Stunden verbringen!

Entdecken

Am Slone Square in Chelsea auszusteigen und sich einfach in den vielen schönen Straßen zu verlieren und zu staunen, wie unfassbar reich manche Leute sind und in welch pittoresken Häusern sie leben, ist ein Erlebnis für sich. Auf Instagram wird der Bezirk Chelsea und Kensington in seiner ganzen Schönheit bereits auf etlichen hübschen Accounts gefeiert. Einen Spaziergang zu machen und dies für sich selbst zu entdecken, an blühenden Bäumen vorbeizulaufen, Eichhörnchen über die Straßen huschen zu sehen und sich an schöner Arhitektur dumm und dämlich zu schauen – fern ab der Touristen – war eines meiner persönlichen Highlights.

Ebenfalls bezaubernd  st Holland Park, das etwas weiter draußen ist als Chelsea, und zwar in South Kensington. Hier stehen eher große Familienhäuser, die individualistischer sind als die endlosen weißen Reihen in Chelsea, uund meist von Pflanzen und Bäumen geziert werden . Außerdem kann man in kleinen Gassen zwischen den großen Häusern die sogenannten Mews bestaunen, die einst Pferdeställe gewesen sind und nun zu hübschen kleinen Häsuern gemacht wurden.

Meine dritte Entdeckung war Neal’s Yard, ein kleiner, bunter Innenhof mit kleinen Essmöglichkeiten in der Nähe von Covent Garden, der einem eine ganz andere Seite von London zeigt. Nach einer kleinen Tee Shopping Tour in der bezaubernden Marthalle von Covent Garden in meinen Lieblingsteeladen Whittard of Chelsea, erkundeten wir Neal’s Yard. Auf dem Weg dahin, läuft man außerdem an wunderschönen kleinen Gassen und Blumenverzierten Pubs vorbei, es lohnt sich also gleich in mehrfacher Hinsicht.

Kulinarisches

Das Host Café in der Saint Mary Aldermary Church ist einer der schönsten und stimmungsvollsten Orte, an denen ich je gewesen bin. Mitten in der Hektik in der City of London so einen entzückenden Ort mit tollem Tee zu finden, gleicht einem kleinen Wunder. Zugegeben, es ist wirklich ein sehr eigenes Gefühl, in einer Kirche und obendrein einer so schönen, seinen Tee zu schlürfen, denn, normalerweise macht man das nicht – andererseits ist es vielleicht auch ganz richtig, weil dieser heilige, friedvolle Ort wirklich dazu einlädt, einfach nur zu sein und ein wenig Entspannung zu genießen – und das kann man am besten mit einem guten Tee.

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Ein ebenfalls toller Ort, um zu essen ist der berühmte Borough Market. Sicherlich ist das nichts Neues und total tourimäßig, aber es macht trotzdem Spaß durch die Hallen zu laufen, die vielen verschiedenen Stände zu beobachten und die leckeren Gerüche einzuatmen. Am Ende gab es dann Falafel.

Ebenfalls empfehlenswert finde ich es nach wie vor bei der Pub Kette Whetherspoon zu essen, beispielsweise in Shakespeare’s Head an der Tube Station Holborn. Die Portionen sind anständig und der Standard ist eigentlich immer da, es ist bezahlbar und die Fish & Chips sind ziemlich lecker. Neuerdings bieten sie sogar ein veganes Curry an.

Allgemeine Gedanken

Wenn man an London denkt, ist eines der bekanntesten Stichwörter sicherlich die Tube und auch, damit zu fahren. Mir fiel auf, dass die Abstände zwischen den Stationen durchaus größer sind, als in Berlin und dass es manchmal wirklich Ewigkeiten dauert, umzusteigen, weil man gefühlte Jahrhunderte damit verbringt, durch die Tunnel zu laufen – besonders schlimm ist dies bei der Haltestelle Bank. Früher sind mir diese Dinge gar nicht aufgefallen, aber weil ich in vergangener Zeit größere Probleme im Umgang mit unterirdischen Verkehrsmitteln und engen Räumen habe, war es eine persönliche Herausforderung für mich, allein durch diese Stadt zu fahren. Was es allerdings etwas erleichtert wurde, dadurch, dass der respektvolle und zivilisierte Umgang der Menschen miteinander hier funktioniert. Es ist etwas, das mir immer posititiv ins Gedächtnis kommt, wenn ich an Großbritannien denke. Dieses Gedränge und das aggressive schlecht gelaunte Geschubse, aneinander Anzischen oder irgendwo im Wege zu stehen und sich allgemein super egoistisch im öffentlichen Nahverkehr zu verhalten, gibt es in beinahe in keinster Weise. Ich staune noch immer darüber, wie es in London funktioniert, dass die Menschen auf der Rolltreppe alle auf der rechten Seite stehen. Ich wünschte, das wäre bei uns möglich – so schwierig kann das nicht sein.

Außerdem bin ich diesmal auch oft mit dem Bus gefahren und stand wirklich ziemlich häufig im Stau, aber da ich alle Zeit der Welt hatte und es draußen sowieso regnete, war es eigentlich echt schön: man sieht so viel mehr von der Stadt und ich kann es nur empfehlen, wenn man Zeit hat, damit durch die Gegend zu bummeln.

Allgemein muss ich sagen, dass ich was die Briten angeht, bisher stets gute Erfahrungen gemacht habe, wie freundlich und hilfreich man mir entgegen kam. Sicher kann man das nicht verallgemeinern, gute und schlechte Menschen gibt es überall, aber ich bin so froh über diese Gastfreundlichkeit. So macht es Spaß, Tourist zu sein. Eine kleine Geschichte dazu folgt in meinem Beitrag über Rye.
Das Wetter war leider nicht gut. Andere mögen staunen, aber meine bisherigen Ausflüge nach Großbritannien waren von fast ausnahmslos gutem Wetter gezeichnet. Aber Ende März ist es leider einfach nur kalt und nass, vor allem nach so einem besonders deprimierend langem Winter. Ein paar wunderschön blühende Magnolienbäume habe ich glücklichweise gesehen und wenn dann kurz die Sonne rauskam, war es bezaubernd.

Noch eine kleine Sache zum Schluss, die mich amüsiert hat: die Pub Kultur in Großbritannien ist einzigartig, nicht nur stehen pünkltich zum Feierband ab 17 Uhr die Menschen Schlange vor allen möglichen Pubs (Briten lieben es ja bekanntlich in Schlangen zu stehen) und nicht nur sind die Pubs wunderschön mit Blumenkörben verziert und absolut urig, sondern pünktlich zur Mittagspause, wo allen Londoner in der City aus ihren Büros strömen, um Mittagsessen zu besorgen, schlenderte ich durch eine Straße und sah etwas unglaubliches: Diese Büromänner tranken Bier in der Mittagspause, die Pubs waren voll, als sei Feierabend!

Love, Katha

 

Salt To The Sea

An diesem Ostertag möchte ich ein Buch vorstellen, das zwar unheimlich grausam ist, aber dessen Rezension schon lange aussteht und ich es gerne ausführlicher empfehlen möchte. Es war nicht leicht, die passenden Worte zu finden, um auszudrücken, wie es mir mit diesem Buch ging, aber ich glaube, mittlerweile habe ich es einigermaßen geschafft.

Autor: Ruta Sepetys
OT: Salt To The Sea
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Puffin
ISBN: 978-0141347400
Länge: 400 Seiten

Sepetys historischer Jugendroman ist weitaus mehr, als die tragische Geschichte der Wilhelm Gustloff. Sie erzähl  auf bewegende und sehr direkte Weise das Schicksal mehrerer Jugendlicher (beziehungsweise junger Erwachsener), wie sie sich durch den kalten Winter 1945 kämpfen und wie sie die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges erleben. Die vier Figuren sind authentisch und geben durch die einzigartigen Erzählweisen dem Roman unheimlich viel Charakter. Joanna, Florian, Emilia und Alfreds Geheimnisse und Hintergründe kristallisieren sich langsam und auf spannende Art über den Roman heraus. Jede Figur hat ihre eigenen Motive, ihre eigenen Sorgen, die sie in Mitten des Zweiten Weltkrieges plagen.

Selten hat mich ein Buch emotional derart mitgenommen, dass ich es für einige Zeit zur Seite legen musste, obwohl es so unerträglich spannend war, um die ganze Geschichte zu verarbeiten und auf mich wirken zu lassen. Das Thema hat es wirklich in sich. Auch, wenn man im Laufe seines Geschichtsunterrichts und mit einer gewissen Allgemeinbildung einiges über den Zweiten Weltkrieg lernt, scheint mir, als sei die Wilhelm Gustloff, zumindest in meiner Generation, ein beinahe vergessenes Thema. In Anbetracht der Grausamkeit ist es allerdings so wichtig, egal wie furchtbar ist, die Konversation dazu aufrechtzuhalten. Sepetys macht das in ihrem berührenden Nachwort auch klar. Sie schafft es in diesem Roman einen Denkanstoß zu geben, sich historisch zu informieren und gleichzeitig das Thema in Anbetracht auf die unbeschreibliche Grausamkeit, die einzelne Individuen erlitten haben, würdevoll und sorgfältig zu erzählen. Es ist kein bisschen abgeschmackt. Gleichzeitig ist es aber auch nicht vollgestopft mit historischen Fakten, sondern lässt sich unglaublich schnell und fließen weglesen.

Manchmal war ich etwas verwirrt über die mehreren Erzählstränge und wusste nicht ganz genau, wo ich mich im Roman fand, auch wenn bestimmte Figuren, wie Alfred, einen sehr eigenen Erzählstil haben, kann man sich schon mal im schnellen Blättern und Mitfiebern ein wenig verirren. Manchmal muss ich sagen, hätte ich gerne mehr über die Figuren erfahren und ich denke, das wäre durchaus durch intensivere Beschreibungen und Zeitsprünge möglich gewesen, vielleicht würde das allerdings etwas auf die Länge schlagen und dem dynamischen Tempo des Romans im Wege stehen. Entsprechend kam der Schluss des Romans auch sehr plötzlich und hat einem mit einem merkwürdigen Bauchgefühl hinterlassen – andererseits dünkt mich, dass es ebenfalls eine stilistisch interessante Entscheidung ist, den Leser so verloren und verwirrt zu hinterlassen.

Sepetys hat einen vergleichsweise schlichten, einfachen und klar verständlichen Schreibstil, so dass sich das Lesen des englischen Originals lohnt und keinerlei Probleme macht. Es ist, als wäre jede Schörkelhaftigkeit bei der Darstellung dieses brutalen Kriegsgeschehens unangemessen. Gerade diese direkte Weise fördert die direkte Verbindung zu den Figuren und die Emotionalität sticht mit aller Grausamkeit sofort ins Herz. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die ich nur empfehlen kann.

Ich bin zugegebenermaßen keine große YA Leserin, vor allem weil mich die endlose Fokussierung auf Liebesgeschichten nervt – hier allerdings befindet sich diese Thematik weit im Hintergrund und verhält sich auf eine angenehme Weise zum Rest des Romans, was mir gut gefallen hat. Ich bin positiv und nachhaltig beeindruckt von Sepeteys und hoffe, in der Zukunft mehr Bücher von ihr zu lesen.

THE VERDICT: Alles in allem ein sehr spannender, gut geschriebener und emotionaler historischer Jugendroman, der mich sehr berührt hat und den ich empfehlen kann, auch wenn er einem das Herz bricht. 9 von 10 Sternen

Love, Katha