Tipps für Second Hand Kleidung kaufen

Wenn ich so genau darüber nachdenke, hatte ich schon immer gebrauchte Sachen. Allerdings eine schwierige Beziehung dazu. Als ich ein Kind und Teenager war, war ‚thrift shopping‘ bei weitem nicht so cool wie heute. Mir war es meistens ziemlich peinlich, gebrauchte Sachen zu haben und ich kam mir so ärmlich vor und wollte dieselben tollen neuen Sachen, wie die anderen haben. Dass das Stigma gebrauchte Sachen bedeute automatisch arm zu sein und damit schlechter zu sein als die anderen bei mir aufhörte, dauerte ein paar Jahre, einen Song von Macklemore und Youtuberinnen, die mir erklärten, wie cool das sei. Mein erster Besuch auf dem sagenumwobenen Flohmarkt des Berliner Mauerpark hat schon gut was dafür getan, dass mir gebrauchte Sachen gefielen, aber so wirkliche Begeisterung für Gebrauchtes fand ich erst vor ein paar Jahren bei Hausentrümpelungen und dem tollen Porzellan und Büchern, die ich dort fand.

Nachdem ich nun mein 101 Tage ohne Shopping Experiment erfolgreich gemacht habe, habe ich gemerkt, dass ich durchaus anders Kleidung sehe und kaufe. Ja, ich habe mir seitdem ein paar Kleidungsstücke zugelegt, aber ich finde, dass ich durchaus besser gewählt habe, als früher. Ein großes Problem war, dass ich eine Sache hatte, die ich besonders mochte (geblümte Kleider, karierte Hemden und gestreifte Tops, weiße Boho-Blusen) und anstatt mich mit ein oder zwei Varianten dieses Kleidungsstücks zufrieden zu geben, oft das kaufte, was ich eigentlich schon hatte. Von außen betrachtet ist das ganz schön albern. Jetzt habe ich eine wunderbare Kollektion dieser Sachen, aber die reicht gut aus!

Kleiner Disclaimer: Ich habe das Gefühl, dass dieses ganze Thriften auf social media oft bierernst genommen wird, wenn diese Damen von ihren Erfahrungen und Tipps berichten, habe ich oft das Gefühl, als ginge es um etwas ’sehr Wichtiges‘ – so meine ich das in diesem Beitrag nicht nicht. Ich möchte gern anregen, weil ich selbst begeistert wurde und glaube, dass dies ein umweltbewussterer Schritt ist. Jedoch sehe ich mich definitiv nicht als Modebloggerin und nehme das Thema Fashion bei weitem nicht so ernst und leidenschaftlich.

Die Vorteile gebrauchter Kleidung mögen offensichtlich sein, aber ich mag sie trotzdem nochmals nennen. Das umweltbewussteste, was man machen kann, ist dennoch nichts zu kaufen!

  • Umweltbewusst: Anstatt noch mehr zu kaufen, werden Dinge wieder benutzt und landen nicht auf einer Deponie
  • Günstig: Man spart auf jeden Fall Geld
  • Was Besonderes: Oft findet man tolle, einzigartige Kleidungsstücke, die definitiv nicht jeder hat
  • Qualität: Manchmal findet man so qualitativ hochwertige, tolle, neuwertige Sachen, die man für den Preis niemals neu finden würde

Die im Bild gezeigten Kleidungstücke sind ein paar Juwelen, die ich entweder seit Jahren habe oder seit kurzem, die ich gebraucht für wenig Geld oder gratis gefunden habe.

1. Zeit
Was Gutes zu finden ist nicht wie in einem normalen Kleidungsladen, in denen es eine Übersicht gibt und halbwegs einheitliche Kleidungsgrößen. Besonders Second Hand Läden können mit ihrer Größe und manchmal auch Unorganisiertheit eine echte Reizüberflutung sein, deshalb sollte man sich definitiv Ruhe und Zeit mitbringen, um alles durchzustöbern und so vielleicht  ein paar echte Schätze mitzubringen.

2. Bring wen mit!
Ich gehe sehr gerne allein einkaufen, aber vor allem in richtig großen Second Hand Läden, die überfordernd wirken können, ist es hilfreich jemanden dabei zu haben, der helfen kann, die richtige Kleidungsgrößen zu finden oder in die Umkleide zu bringen. Außerdem kann mit einer richtig guten Freundin das Stöbern viel mehr Spaß machen, weil man möglicherweise etwas entdeckt, was dem anderen gefallen könnte.

3. Geh mit einem Ziel
Da das umweltbewussteste, was man machen kann, kein Konsum ist, macht es keinen Sinn anstatt Tonnen von Kleidung in fast fashion Läden zu kaufen, Tonnen von Kleidung in Gebrauchtläden zu kaufen. Geh mit einem Ziel in den Laden, beispielweise, „Ich suche eine dunkelblaue Jeans“ und halte dich daran.

4. Zieh etwas an, was du schnell und leicht ausziehen kannst.
Das spricht wahrscheinlich für sich selbst, allerdings ist Second Hand shoppen noch ein wenig mühseliger als in einem regulären Laden, weil vor allem die Größen sehr unterschiedlich sind und man nie so recht weiß, was einem passt. Außerdem ist es lohnend, etwas Bequemes, zweiteiliges anziehen, da man evtl., wenn man eine Jeans kauft, an einem regulären Oberteil prüfen kann, ob man bspw. Kleidungsstücke reinstecken kann. Angeblich soll der „neck trick“ einem helfen, herauszufinden, ob eine Jeans im Bund passt, ohne sie anzuprobieren. Die Methode ist recht simpel: Wenn die Jeans bequem um den Hals passt, so dass sich beide Enden des Bunds der Hose berühren können, sollte einem die Jeans passen – wohlgemerkt im Bund. Ich würde mich nicht unbedingt darauf verlassen, aber die Methode funktioniert zumindest im Bund bei mir tatsächlich!

5. Online: Achte auf Preise
Neuerdings habe ich mit Begeisterung die App Kleiderkreisel entdeckt, wo ich schon ein paar Sachen loswerden konnte und ein wunderschönes Kleid ergattert habe, das ich vor einem halben Jahr im Schaufenster einer meiner Lieblingsläden bewundert habe. Allerdings gibt es, wie immer im Leben, dreiste Menschen: Entweder werden Preise für Dinge verlangt, wie unerklärlich sind, so habe ich neulich Primark Sachen in meinem Feed entdeckt, die doppelt so viel kosten, wie sie neu im Laden oder Levis 501er Jeans mit Löchern im Schritt für 20 Euro, was beides einfach asozial und unfair ist.

6. Tausche mit Freunden
Ich finde es schön, wenn ich meine Sachen verkaufen kann und weiß, dass jemand da draußen sie schätzen wird und was damit anfangen kann, aber noch schöne ist es doch, wenn jemand von den Freunden, einem das abnimmt und sich daran erfreut. Vielleicht hat derjenige auch etwas, was einem gefallen könnte. Ich habe es zwar noch nicht Selbst ausprobiert, aber beispielsweise kann man mit Freunden, die gleiche oder ähnliche Kleidungsgrößen haben, eine Tauschparty veranstalten.

7. Bewege dich mit offenen Augen durch die Stadt
Zwei Sachen auf diesem Bild habe ich gefunden. Die Tasche stand in meinem Hausflur zum Verschenken und das rotkarierte Hemd lag auf einem Fensterbrett in meiner Straße. Auch mein wunderschönes, dunkelbraunes Bücherregal habe ich von der Straße! In meinem Bezirk ist das zugegebenermaßen auch Tradition, seine gebrauchten (gut erhaltenen) Sachen rauszustellen zum Verschenken, was ich einfach wundervoll finde. 

8. Redone
Läden wie Urban Outfitters bieten auch gebrauchte Kleidungsstücke an, die sie jedoch noch aufgepeppelt haben und fast wie neue Produkte wirken. Das ist natürlich bei weitem nicht so billig wie in einen Second Hand Laden zu gehen, aber ich habe da vor 6 Jahren einen wunderbaren karierten Rock gefunden, der wirklich wie neu war.

9. Außerhalb der Schublade denken:
Klar gibt es stylische Secondhand Läden, die nicht so ranzig sind, aber möglichweise hat das wieder Kosten, die sich wo anders spiegeln. Man kann auch bei Wohnungsauflösungen tolle Sachen finden oder aber auch wie ich lernen durfte, richtig tolle Parkas in Army-Läden finden. Es muss nicht immer der Hipster-Flohmarkt sein.

10. Auf Qualität achten
Man kann wirklich schöne echte Lederjacken oder wie ich einen Cardigan aus schönem, dicken Cashmere (den habe ich auch schon seit 4 Jahren!)  finden, aber man muss wirklich drauf achten und prüfen, was man kauft. Schaut immer nach Löchern und Flecken!

11. Niemals hungrig shoppen
Nicht nur hat man hungrig oft schlechte Laune und weniger Geduld, was bei manchen, großen Second Hand Läden echt zu Kreislauf und Nervenproblemen führen kann, aber man hat sich auch weniger unter Kontrolle und kauft viel impulsiver.

Ich muss zugeben, dass meine neuentdeckte Liebe für Second Hand auch stark durch social media wie YouTube und Instagram bestärkt wurde – wobei ich wirklich finde, dass das ein guter Einfluss ist. Für ein bisschen Inspiration oder auch Motivation, nicht nur neue Sachen zu kaufen, möchte ich zum Schluss ein paar Videos von ein paar YouTuberinnen (deutsch und englisch) empfehlen, die entweder alte Klamotten aufbrezeln und/oder second hand shoppen.

Ich hoffe, ihr konntet aus diesem Beitrag etwas Hilfreiches entnehmen. Falls ihr selbst ein paar Tipps oder Ideen habt, schreibt sie mir auf jeden Fall in die Kommentare.

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4 Kommentare zu „Tipps für Second Hand Kleidung kaufen“

  1. Ich habe immer schon sehr gerne Secondhand-Kleidung getragen. Es machte für mich nie einen Unterschied, ob jemand anderer oder ich etwas schon zehn Mal anhatte und ich dann das elfte Mal. Außerdem habe ich schnell den Vorteil gesehen, an etwas günstig heranzukommen, das ich in keinem Laden gefunden habe oder dass ich mir zum ursprünglichen Kaufpreis nicht hätte leisten wollen. Heute sehe ich auch ganz klar den Vorteil, dass schon alle schädlichen Inhaltsstoffen rausgewaschen sind und ebenso keine neuen Ressourcen verbraucht werden.

    1. Ah wie schön das zu hören! Ja, du hast mit allem absolut Recht! Ich wünschte, ich hätte diese Erkenntnis, dass second hand richtig toll ist, früher gehabt.
      Das mit den Schadstoffen hab ich noch gar nicht bedacht, was für ein guter Aspekt! 🙂

  2. Ich kaufe das meiste mittlerweile auch Second Hand, wobei ich inzwischen auch allgemein weniger kaufe. In erster Linie tatsächlich wegen des Umweltgedankens, aber wenn man dann im Second Hand Laden sieht, daß da massig Jeans liegen, die vielleicht ein, zweimal getragen wurden, dann merkt man schon auch, wie absurd dieser ganze Massenkonsum geworden ist.

    Wahnsinn, daß die tolle Tasche praktisch auf der Straße lag!

    1. Da hast du vollkommen Recht. Mir wurde erst jetzt im Zuge der letzten Monate so wirklich bewusst, wie krass Massenkonsum normalisiert wird! Ich finde es jedenfalls großartig, dass wenig und second hand kaufst. Das ist echt, wo ich auch langfristig hin will 🙂

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