[Unileben #8] Rückblick auf das 3. Semester

Am Ende jedes Semesters habe ich das Gefühl, einen weiteren, persönlichen Meilenstein erzielt zu haben – schaue ich auf meine bisher 5 Hochschulsemester zurück (3 davon in meinem aktuellen Studiengang) merke ich, dass sich da eine Menge bei mir getan hat. Deshalb möchte ich heute in diesem Beitrag teilen, wie für mich mein letztes Semester war und welche Erfahrungen ich gesammelt habe.

Das Wichtigste im letzten Semester waren für mich folgende zwei Punkte: Zum einen habe ich ersten Mal wirklich erfahren, was es bedeutet viel zu Lesen und Literatur zu studieren und zum anderen habe ich gemerkt, dass sich langsam bei mir das Gefühl manifestiert hat, dass ich im großen und ganzen mit dem System Uni klar komme. Ich erinnere mich noch gut, wie sehr mich das erste Semester überfordert hat, sowohl in der Menge des Stoffes, als auch an der Größe der Uni und der scheinbaren Undurchschaubarkeit der Organisation – alles schien mir gigantisch.

Im dritten Semester begannen bei mir im Fach Deutsch die etwas tiefer gehenderen Module an, also keine Einführung in der/die/ das XYZ, sondern Basismodule, die sich beispielsweise mit Text & Medien beschäftigten oder aber Literaturgeschichte II und III, die bestimmte Epochen umgreifen. An der HU Berlin heißt das, dass man zwar das Modul Literaturgeschichte II macht, was noch sehr allgemein gehalten ist, aber dass man hier ein Seminar belegt, dass sich bereits auf etwas viel spezielleres konzentiert, z.B. ein  bestimmter literarischer Aspekt bei Goethe oder das Thema Liebe und Tod in der Barockliteratur. Mir hat dies viel mehr Spaß gemacht als die Einführungsmodule, weil ich hier deutlich mehr nach meinen Interessen gehen konnte und es dementsprechend auch viel leichter fällt, sich zum Lernen zu motivieren. Natürlich kann man im Vorfeld nicht wissen, wie diese Kurse sein werden und wie die Dozenten sind, oder gar, ob man überhaupt seinen Wunschkurs bekommt, aber der Spielrahmen ist kleiner.

Damit war jedoch auch eine neues Ausmaß von Aufwand verbunden, aber ich muss sagen, dass ich trotz der vielen zu erleidgenden Sachen im Vergleich mit den vorherigen Semestern am meisten Spaß gehabt habe. Das lag sicherlich auch an der Zusammensetzung der Kurse, so hatte ich drei Literaturmodule und jedoch keins in Linguistik, wo ich zugegebenermaßen meine Schwierigkeiten habe. Allerdings musste ich wirklich viel lesen. Ich dachte in meinem Sozialwissenschaftsstudium und im ersten Semester ich würde viel lesen, aber im Vergleich dazu war das gar nichts. Meine Literaturliste des dritten Semesters habe ich ausführlich hier geschildert. Allerdings muss angemerkt werden, dass dazu noch viele Texte von 20-50 Seiten dazukamen, die es in anderen Kursen zu lesen gab. Am Anfang war ich wirklich geschockt, wie ich da alles schaffen sollte, aber ich habe fast alles lesen können und muss mittlerweile meinem Professor zustimmen, dass wer mit größeren Lesemengen Probleme habe, vielleicht nicht richtig im Studium der Literatur sei.

Die zweitgrößte Veränderung war, dass ich dieses Semester nicht mit Klausuren, sondern fast nur mit Hausarbeiten abschließen würde, was ich zuvor noch gar nicht hatte. Entsprechend fällt der Stress und die Semesterferien ganz anders aus. In den Semesterferien habe ich leider nur eine von drei Hausarbeiten geschafft, entsprechend werde ich den Rest während des 4. Semesters schreiben müssen, was nicht besonders schön ist. Es hat Vor- und Nachteile, Hausarbeiten statt Klausuren schreiben zu müssen, jedoch würde ich sagen, dass man wirklich eine Menge Disziplin aufbringen muss, was mir jedoch mit steigender Semesterzahl leichter fällt.

Viele Leute, wenig sozial – so sah mein drittes Semester leider auch aus. An einer Massenuni, wie der HU trifft man mit Glück in ein paar Seminaren bekannte Gesichter, doch meistens ist man unter neuen Leuten. Gelegentlich lernt man jemanden kennen, aber besonders in der Philosophie scheint das Motto ‚Ich bin hier zum Lernen da, geht zurück in die Grndschule, wenn du Freundschaften knüpfen willst‘ zu sein. Ich würde mich nicht als den extrovertiertesten Charakter bezeichnen, aber merkwürdigerweise begegnen mir in Deutsch immer viel offenere und kontaktfreudigere Menschen. Oft herrscht in der Philosophie eine unangenehme, besserwisserisch-abgehobene Atmosphäre. Während man in Deutsch auch zur Gruppenarbeit gezwungen wird, verhält es sich in Philosophie sehr einzelgängerisch. Das ist leider auch einer der Gründe, weshalb mir Philosophie weniger Spaß macht, allerdings liegt es teilweise auch an den Modulen und den Kursen, die mehrheitlich noch nicht ganz mein Interesse gekitzelt haben. Es gab bisher im ersten Semester eine Vorlesung und im dritten Semester, die mir jedoch sehr gut gefallen haben, es ist also keineswegs so, als gäbe es nicht auch die Kurse, die mir bei der Wahl dieses Studiums erhofft habe. Wie so oft muss man sagen, es steht und fällt mit dem Dozenten oder der Dozentin. Da jedoch erst im 4. Semester so wirklich das Thema Ethik meines Philosophie/Ethi-Studiums angesprochen wird, habe ich gute Hoffnung, mal etwas mehr Gutes zu treffen.

Eine weitere Veränderung war außerdem, dass ich während des Studiums einmal die Woche gearbeitet habe. Dementsprechend musste ich auch meine Woche planen. Zwar habe ich bereits davor dann und wann schon gearbeitet, aber das waren eher unregelmäßige Gelegenheitsjobs. Momentan arbeite ich in einem Nachhilfeinstitut als Deustchlehrerin und ich mag meinen Job echt gern, besonders weil ich schon ein bisschen Kontakt mit Schülern und Scülerinnen habe, was schließlich in die Richtung führt, in die ich später gehen will. Das Beste jedoch ist die Selbstständigkeit und die Tatsache neben dem BAföG noch ein bisschen extra Geld zur Verfügung zu haben.

Im großen und ganzen war es trotz des hohen Aufwands ein wirklich gutes Semester, was mich daran festhalten lässt, dass ich langsam in meinem Studium angekommen bin und auch Spaß an dem, was ich lerne, habe.

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4 Kommentare zu „[Unileben #8] Rückblick auf das 3. Semester“

  1. Krass wie unterschiedlich sich die Atmosphäre in den Fächen anfühlt! Ich kam dadurch gerade ins überlegen, ob das bei mir auch so war. War es auch tatsächlich … die Erinnerung kommt zurück. Ich habe ja Informatik studiert. In den Mathe-Vorlesungen haben die Mathematiker sich uns gegenüber etwas hochnäsig verhalten, aber die und wir waren im Grunde noch angenehm bodenständig und nerdig. Als ich dann Wirtschaft als Nebenfach belegt habe, war mir das Verhalten der Studenten dort unangenehm. Es kam mir wie ein Laufsteg vor und alle erschienen im Business-Dress. Hätte mir das vorher jemand erzählt, hätte ich gedacht der spinnt – sind doch alles Stereotypen. War in dem Fall irrwitzigerweise nicht so … .
    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du dich weiterhin so wohl mit deinem Studium fühlst und viele Erfahrungen und gute Erlebnisse 🙂

    1. Erstmal vielen lieben Dank für deinen Kommentar! ich bin in letzter Zeit so eingespannt in die Unisachen, dass ich es selten schaffe, auf meinem Blog vorbeizuschauen. Ich finde es wirklich lustig, dass die Mathematiker gegenüber den Informatikern hochnäsig waren! Bei Wirtschaft kann ich mehr sehr gut vorstellen, dass das so aussah – es ist erstaunlich, wie dann doch stereotypen bestätigt werden. Ich erkenne einen Sozialwissenschaftler auch von weitem 😀 Danke dir, ich gebe mein bestes! Es wird wirklich immer besser: Liebe Grüße!!

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