Über Freundschaft, Familie und Krieg

2003: Nach jahrelangem Schweigen erhält Rosie Hughes plötzlich eine E-Mail ihrer Jugendfreundin Agatha Braithwaite. Die Umstände, unter denen die beiden wieder anfangen miteinander zu sprechen, sind bizarr: Rosie hat spontan entschlossen ihrem Kummer zu entfliehen und nach Kuwait in den Krieg zu gehen, um dort beim Wetterdienst zu arbeiten. Agatha hingegen steckt in einer tiefen Krise: Nach jahrelangem Ghostwriting von Liebesromanen weiß sie nicht mehr weiter, doch als sie durch Zufall von Rosies Gang nach Kuwait erfährt, weiß sie, dass sie miteinander reden müssen.

Dank meiner wunderbaren Freundin Nóra @nora.reads erhielt ich die Möglichkeit, dieses bezaubernde Buch zu lesen, da ihr der Verlag zwei Ausgaben zusandte. Leider ist dieser Roman momentan nur auf Englisch zu erhalten, aber es ist sehr gut und verständlich zu lesen trotz einiger umgangssprachlicher Stellen und ich kann jedem, der Angst davor hat, auf Englisch zu lesen (was ich gut verstehen kann), zu dieser Lektüre raten.

Dieser Briefroman erzählt auf wunderbare Weise, wie eine alte Freundschaft wieder zum Leben erwacht, während die beiden Protagonistinnen mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen haben. Anfangs unfassbar witzig geschrieben, nimmt das Buch bald einen ernsteren Verlauf und ist längst keine typische oder kitschige Erzählung, was man anfänglich durch die umgangssprachliche, etwas überzogene Leichtigkeit glauben könnte.

Besonders die zweite Hälfte des Buches konnte mich so richtig packen. Es ist wunderbar, mit welchem lebhaften, warmherzigen Geschick Melanie Hudson hier ihre Charaktere durch ihre Briefe und E-Mails charakterisiert, was manche Autoren nicht mal durch normale Prosa schaffen – das Prinzip ’show, don’t tell‘ wird hier in seiner vollen Klasse befolgt und entsprechend wachsen einem alle Figuren ans Herz, auch an den Nebenfiguren wurde nicht an der Liebe für Details gespart, wodurch die Erzählung wirklich realistisch wird. Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert, was als Nächstes passieren würde.

Zwar hat dieser Roman eindeutig seine ein oder anderen romantischen Seiten (was das vorurteilsvolle Cover bestätigt), aber ich finde es wirklich toll, dass der Roman dabei bleibt, vor allem über weibliche Freundschaft zu erzählen. Nachdem ich letztes Jahr „Meine geniale Freundin“ gelesen habe, war es für mich wieder erfrischend in dieses Thema einzutauchen. Vor allem dadurch, dass Hudson ein unglaublich gutes Gefühl für die Lebendigkeit ihrer Figuren hat, kann man diese Beziehung zwischen den zwei Hauptfiguren fühlen! Das Setting, das Rosie in Kuwait und schließlich im Iran stationiert ist, erscheint total glaubwürdig und keineswegs der Dramaturgie halber aufgezogen. Zwar merkt Hudson an, dass die Geschichte fiktiv ist, aber man kann während des Lesens fühlen, dass Rosies Erfahrungen in der British Army Force deshalb so authentisch ist, weil Hudson selbst dort war. So berichtet Rosie von ihren Problemen und Geschehnissen vom Head Quarter, der Tatsache eine Frau im Militär zu sein oder Hygieneproblemen.

Zum Cover muss ich ganz ehrlich sagen, dass es einen falschen Eindruck von dem Roman vermittelt – es ist ja fast unmöglich, sich dem optischen Eindruck eines Covers zu entziehen, wenn man in einer Buchhandlung stöbert und ich glaube dementsprechend, dass dieses Buch leicht unter „chick lit“ abgespeichert werden könnte, obwohl an diesem Buch noch viel mehr dran ist, als die lustigen, leicht klischeehaften Töne, die am Anfang aufkommen. Ich glaube, mit einem Cover dieser Art wird eine ganz bestimmte Zielgruppe angesprochen, zu der ich mich nicht unbedingt zählen würde.

Details:

Autorin: Melanie Hudson
OT: Dear Rosie Hughes
Ausgabe: HarperImpulse, 2019 erschienen
ISBN: 978-0-00-8319625

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