Sammelrezensionen: Was ich in letzter Zeit gelesen habe

Heute möchte ich ein neues Format ausprobieren, was ich bereits bei einigen anderen Buchbloggern gesehen habe, aber bisher nie selbst geschrieben habe: Eine Sammlung an Rezensionen. Normalerweise schreibe ich einen ganzen Post über Bücher, besonders wenn sie mir gut gefallen haben, in dem ich lang und breit meine Meinung und Gefühle veranschauliche, aber manchmal würde ich auch gern kurz mich zu einem Buch äußern, deshalb heute ein Sammelrezensionspost zu den Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Ich werde dabei allerdings direkt zu meinen Eindrücken kommen und nicht über den Inhalt schreiben, da es mir in diesem Sammelpost in erster Linie darum geht.

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin
Lange lag es auf meinem SuB und noch länger habe ich begeisterte Rezensionen von BuchbloggerInnen gelesen – da wurde es doch wirklich Zeit, mir auch einen Eindruck zu machen. Gemeinsam mit ein paar Instagrammerinnen startete ich diesen Sommer eine Aktion, dass wir alle zusammen ein Buch lesen würden mit der Thematik Italien und meine Wahl fiel auf dieses Buch. Ich muss gestehen, dass es mir wirklich gut gefallen hat, Ferrante hat ein großes Talent, einfach aber treffend das Gefühl der Kindheit und Jugend mit all ihrem Irren, Wirren und Unsicherheiten einzufangen. Was mir außerordentlich gut gefallen hat, war schlichtweg die Tatsache, dass Ferrante über weibliche Freundschaft schreibt, was man selten in der Literatur findet – in den meisten Fällen geht es hauptsächlich um Liebe. Natürlich findet die Liebe im Heranwachsen der beiden Hauptfiguren auch ihre Bedeutung, doch stets steht die Freundschaft mit ihrem Auf und Ab, mit Bindung, aber auch mit Neid im Fokus. Dahingehend ist Ferrante ein authentisches Bild von kindlicher und jugendlicher Freundschaft gelungen. Allerdings konnte es mich nicht so mitreißen, dass ich eine Lobeshymne verfassen könnte – aber woran lag das? Es ist so, wie man manchmal Dinge, ohne dass es schlecht ist, ganz nett findet, sie einen amüsieren und auch dann und wannn bewegen, aber sobald die Vorstellung vorbei ist, kein nachhaltiges Beeindrucken platz findet. Deshalb weiß ich nicht, ob ich die Fortsetzung lesen werde, denn ich bin mir nicht sicher, ob mich die Geschichte dazu gut genug packen könnte.

Péter Popper: Training der Gefühle
Es fällt mir schwer, diesen kleinen Band richtig zu bewerten, da Popper hier vor allem eine Sammlung an Übungen zusammengestellt hat, die das geistige Gleichgewicht fördern sollen, wie beispielsweise verschiedene Konzentraions- und Achtsamkeitsübungen. Obwohl es aus den 1980er ist, kann ich zweifelsfrei sagen, dass diese kleine Sammlung zeitlos ist und jedem helfen kann, wenn man beispielsweise lernen will, besser mit Stress umzugehen. Wie Popper selbst anmerkt, ist dieses Buch allerdings kein Ratgeber für stark psychisch leidende Menschen. Nichtsdestotrotz kann ich eigentlich jedem einen Blick in das kleine Büchlein werfen, vor allem, weil Popper klar und verständlich von komplexen Themen schreibt.

Jardine Libaire: Uns gehört die Nacht
Ich bin immer froh, wenn ich die Möglichkeit bekomme, ein Rezensionsexemplar zu bekommen, besonders von einem meiner liebsten Verlage, Diogenes. Doch leider hat mir dieses Buch nicht gefallen – und damit meine ich, dass es mich nicht nur enttäuscht hat, ich fürchte, dass es das schlechteste Buch ist, was ich je gelesen habe. Das ist eine harte Anschuldigung, aber ich werde keinen Hehl daraus machen, auch nicht, wenn ich mit dieser Meinung auf Plattformen wie Goodreads in kleiner Gesellschaft bin.
Erstens ist grauenvoll geschrieben. Damit meine ich nicht, dass ich ein Problem mit Vulgärsprache in Büchern habe oder etwas derberen Ausdrucksweise – kein bisschen, wenn es passt und eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes soziales Umfeld darstellen soll, ist es durchaus angebracht, doch hier ist es ein unüberzeugendes pseudo-cooles Geschreibe um dem Leser auf Teufel komm raus eine Romeo und Julia Geschichte zu erzählen, bei der Julia ein wirklich böses Mädchen ist.
Noch schlimmer fand ich allerdings, dass dieser Trend der sexy-düsteren nicht ernstzunehmenden Sexliebesgeschichte mittlerweile auch bei Diogenes angekommen ist. Warum? Erneut muss ich sagen, dass ich Liebesgeschichten von emotionalem Missbrauch, von Streit, Problemen und mit gut geschriebenen, intensiven Sexszenen durchaus lesenswert finde, aber wenn alles so unecht, so starr und gezwungen ist, und noch viel schlimmer, die Figuren dermaßen stereotypisch und langweilig sind, ist es unmöglich Sympathie in einem Punkt der Geschichte zu finden. Ebenfalls erschüttert mich das Phänomen, wie eine wirklich schlechte Beziehung dadurch glorifiziert wird, dass der Sex so heiß ist. Ich habe mich wirklich lange durch jede Seite dieses Romans gequält und kann nur sagen, dass man die Finger von diesem Schund lassen sollte.

Robert Seethaler: Der Trafikant
Nachdem ich durch Zufall den Trailer der Verfilmung dieses Buches auf YouTube entdeckte und ohnehin man als BuchbloggerIn im Internet nicht darum kommt, dem Namen Seethaler zu begegnen, muss ich beeindruckt gestehen, dass mir dieser kurze, aber wunderschöne Roman ans Herz gewachsen ist. Seethaler ist einer dieser Autoren, die die Begabung haben, einen von der ersten Seite in den Bann zu ziehen, so dass man praktisch nicht mehr vom Buch lassen kann und will – ich habe es auch innerhalb eines Tages durchgelesen. Die Figuren wirken wunderbar plastisch und jede von ihnen ist auf eine eigne Art interessant. Zudem bettet Seethaler diese Geschichte eines jungen Mannes, der vom Land in das große Wien zieht, um dort in einer Trafik (das scheint etwas wie ein Zeitungs- und Tabakladen zu sein) bei einem urigen alten Mann zu arbeiten, in eine unfassbar spannende Zeit: Das Ende der dreißiger Jahre. Politisch wird es auch, aber hauptsächlich geht es um die Entwicklung des drolligen jungen Protagonisten, mit dem man herrlich mitfühlen kann. Diese Leichtigkeit, mit der Seethaler genau die richtige Worte zu finden scheint und den manchmal schwer verdaulichen Inhalt erzählt, ist beeindruckend. Ich habe Blut geleckt und möchte definitiv noch mehr von diesem beeindruckenden Mann lesen!
Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir hin und wieder einfach noch ein bisschen mehr gewünscht hätte, ein mehr über die Freundschaft zu Sigmund Freud, das Leben in Wien zu dieser Zeit und selbstverständlich zur Trafik. Gerade weil diese Welt und diese Zeit so unfassbar faszinierend sind, hätte ich mir gewünscht, noch tiefer in die Materie eintauchen zu können.

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens
Wie man beim Popper-Buch bereits merken konnte, habe ich neuerdings mein Interesse für psychologische Literatur entdeckt und genauso wie Poppers Buch, ist auch dieser Band von Fromm relativ kurz und knackig – man kommt schnell in das Thema rein und kann als Laie gut verstehen, was erläutert wird, was mir sehr gut gefallen hat. Fromm nimmt verschiedene Perspektiven auf die Liebe ein (man merkt allerdings manchmal, dass das Buch schon ein bisschen älter ist), beispielsweise wie Eltern lieben, oder wie man religiös liebt – wobei ich hier sagen muss, das dieser Teil unfassbar viel einnimmt und mir wenig Einsicht gegeben hat, aber er spricht auch von Ängsten und Problemen, die durch schlechtes Lieben zu stande kommen, was ich enorm nachvollziehbar und einleuchtend fand. Auf jeden Fall hat dieses kleine Buch mein Interesse für Fromm geweckt und das in psychologischer (populärwissenschaftlicher) Literatur bestätigt.

Kevin Kwan: Crazy Rich Asians
Dieses Buch war zweifelsohne mal etwas ganz anderes, als was ich normalerweise lese, für mich. Und ich muss zugeben, dass ich mehr als positiv überrascht bin. Kwan schreibt herrlich lustig über Vorurteile, Tatsachen und das erschreckende Leben sehr reicher Leute. Zugegebenermaßen habe ich etwas im Sinne des Schwiegermonsters erwartet und noch viel mehr bekommen, als die böse zukünftige Schwiegermutter, da hier noch viel stärker gesellschaftliche Aspekte angesprochen werden. Nichtsdestotrotz ist und bleibt es eher ein Beach Read, den man zwischendurch mal zur Unterhaltung lesen kann. Allerdings muss ich zugeben, dass es mich nicht so sehr gefesselt hat, als dass ich die Fortsetzungen lesen will, aber vielleicht ist dieser Roman auch noch viel spannender für jemanden, der sich für den asiatischen Raum interessiert oder selbst Familie dort hat.

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2 Kommentare zu „Sammelrezensionen: Was ich in letzter Zeit gelesen habe

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