[Unileben #4] Bewegung

Neuerdings habe ich einiges über mein Verhältnis zu sportlichen Aktivitäten nachgedacht.

Ich weiß, was jetzt kommt. Ich hasse Sport auch, ehrlich. Schulsport gehört noch immer zu den unangenehmsten regelmäßigen Demütigungen meines Lebens und bei dem Namen gewisser SportlehrerInnen stehen mir die Nackenhaare noch immer zu Berge. Nicht ohne Grund hieß es unter uns Lernenden auch „Müller* Sport ist Schülermord“ (*Die Lehrkraft hieß natürlich anders, aber ich musste ja einen Namen einsetzen). Ich war ganz grottig und furchtbar ungeschickt im Schulsport und habe irgendwann angefangen diese Frustration auf meine ganz persönliche Bewegungsebene zu übertragen – so wurde ich eine chronische Couchpotato.

In der 10. Klasse nahm mein Leben aber einen witzigen Lauf: ich wurde Teil der Ruder AG meiner Schule, in erster Linie, weil viele meiner Freundinnen lange auf mich eingeredet hatten. Das erste Mal seit langem genoss ich es wirklich in der Natur und ebenfalls in Bewegung zu sein. Rudern ist wirklich großartig!
Rückblickend betrachtet weiß ich, dass es mir unfassbar gut tat, da ich sonst den ganzen Tag ja nur am Schul- oder Schreibtisch saß – aber was für einen Unterschied es machte, darüber dachte ich damals nicht großartig nach.

Mit dem Abistress und schließlich dem Verlassen der Schule, stieg meine Faulheit wieder an und mein Bewegungsradius schloss durchschnittlich dem Weg zur Bahn oder die lahmen Schritte innerhalb der Wohnung ein – im Sommer gar einen längeren Ausflug in der Park. Dabei ist es nicht mal so, als ob ich mich ungern bewege. Mir geht es hierbei gar nicht darum, meine körperliche Gesundheit, meine schlechter werdende Kondition oder mögliche Figurprobleme anzusprechen, die sich daraus auch ergaben, sondern mein geistiges Wohl, dass tatsächlich unter meinem selbstverursachten Bewegungsmangel litt.

„Warum machst du nicht mal Unisport?“, hieß es dann öfter, mal von Freunden oder der Familie oder sogar von KommilitonInnen, die davon schwärmten. Und ich muss sagen, dass ich diese Frage ein bisschen satt habe, weil ich stets das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen. Aber, um es werde knapp zu sagen, dass ich dann wieder mein Schulsportsyndrom bekomme und es einfach zur peinlichen Qual für mich wird. Außerdem haben mir die Ausflüge in die Krafträume im Winter mit meiner Ruder AG damals bewiesen, dass ich outdoor Sport weitaus mehr schätze.

Unabhängig davon, ob man akut mit Stress zu tun hat, vielleicht unter einer psychischen Erkrankung leidet, oder ob es einem im Großen und Ganzen gut geht: Mir scheint in letzter Zeit, wo ich mich endlich wieder angefangen habe, ein bisschen auszupowern, dass meine geistige und meine körperliche Gesundheit zusammenhängen und ich meinem Körper auch etwas geben muss, damit mein Geist stabil ist. vielleicht ist das keine große Erkenntnisse für manche, eigentlich höre ich mir das auch schon seit Jahren von anderen an, aber es nun am eigenen Körper zu fühlen, ist noch mal etwas ganz anderes.

Nachdem ich vor ein paar Wochen mit meiner Mitbewoherin gequatscht hatte, die mir Sport empfahl, als es mir nicht so gut ging, war es eine unglaubliche Erkenntnis, physisch zu fühlen, wie viel mir allein die zehn Kilometer, die ich täglich mit dem Fahrrad zu Uni hin und zurück zurücklege, geben. Und erst recht, wenn ich mal mehr fahre, am Landwehrkanal langradel und neue, schöne Teile der Stadt entdecke, einfach mal für mich bin, ohne auf das Smartphone zu schauen und entspanne oder wie letzten Sonntag, spontan bei der Sternfahrt des ADFC mitmache.

Es ist unfassbar, wie viel stärker und entspannter ich mich fühle. (Zugegeben, an manchen Tagen bin ich auch frustriert, wie asozial manche VerkehrsteilnehmerInnen sind, aber in der Summe ist es doch ein positives Erlebnis). Nun ist es Sommer und ich wohne in einem halbwegs fahrradfreundlichen Bezirk und ich habe leider noch gar nicht bedacht, wie ich meine Sportlichkeit bei fallenden Temperaturen umsetzten werde. Aber das wird sich dann zeigen, erstmal genieße ich es, wie es ist.

Love, Katha

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