Verzauberter April

Autorin: Elizabeth von Arnim
OT: Enchanted April
DT: Verzauberter April
Ersterscheinung: 1922
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 9783518389256
Länge: 278 Seiten

Vier englische Damen, die kaum hätten anders sein können, sowohl in Stand als auch Charakter, beschließen im April in einem italienischen Castello zu verbringen – jede trägt ihre eigene Geschichte mit sich und hat andere Gründe, den Monat dort zu verbringen. Unvermeidbar ist es also, dass es unter den vier Damen ruhig bleibt. Der Roman ist eine tolle Mischung aus herrlich zynischen Gesprächen, feiner englischer Sittenkomödie und der langsamen Verzauberung durch Italien.

Als erstes muss ich gleich vorweg gestehen, dass ich bin unfassbar positiv überrascht worden von diesem Roman und er im Sturm mein Herz erobert hat. Zugegeben, ich dachte, durch Titel und der Aufmachung der Geschichte, dass der Verzauberte April ein wenig E.M. Forsters „Zimmer mit Aussicht“ gleichen würde: ein nettes kleines Buch, das in Italien spielt, ein wenig Geplänkel über Briten im Ausland, upper-class-Gewitzel mit einer Note klischeehaftem Frauenroman. Nett und für zwischendurch, am besten für den Urlaub. Oh, was lag ich falsch!

Letztes Jahr wurde mir der Roman von einer Bloggerin empfohlen, so dass ich schon ein Bauchgefühl hatte, dass ich mit meinem vorschnellen Urteil falsch liegen könnte, weil sie das Buch wirklich lobpreiste. Als ich dann noch von ein paar Instagrammerinnen, deren Urteil ich ebenfalls vertraue und die öfter ähnliche Bücher wie ich genießen, hörte, wie grandios dieses Buch sei, wollte ich es am liebsten sofort lesen, denn ich hatte Blut geleckt. Meines Gefühls nach handelt es sich beim Verzauberten April um einen Roman, der im deutschsprachigen Raum eher unbekannt ist, während ich überrascht war im anglophonen Bereich viele Rezensionen zu finden – ebenfalls überschwängliche!

Bereits nach den ersten Seiten fühlte ich den Charme und Witz des Romans auf mich wirken und wusste, dass ich ihn genießen würde. Es ist unfassbar, wie viel Schönheit und Wärme in diesem Buch steckt, wie man über die Schrulligkeit der vier Damen lacht und ihre Entwicklung nicht nur beobchten, sondern mitfühlen kann. Es ist kein bisschen, wie ich leider gestehen muss erwartete zu haben, ein ’nettes‘ Buch, sondern man fühlt wirklich einen Mehrwert beim Lesen. Elizabeth von Arnim hat hier eine wunderbare Mischung aus Sittenkomödie und einfühlsamer Schilderung von Einzelschicksalen von Frauen, die nicht anders hätten sein können, verfasst, die  durch Authentizität aber auch einer Art Freundlichkeit besticht. Ein Schande, dass dieses Buch nicht weitaus bekannter ist, zumal es nicht nur wunderbar geschrieben ist und man den üppig blühenden Garten des Castellos vor den eigenen Augen sieht, sondern so viel Spaß macht zu lesen und öfters laut loslacht. Ich würde sagen, dass für diejenigen, die sich oft daran stören, dass Klassiker doch langatmig und substanzlos sein, man sie nicht verstehe, zu sehr nach Ernsthaftigkeit greifen und mit schöner Sprache übertreiben, möglicherweise mit diesem Roman eine positive Erfahrung mit (modernen) Klassikern machen könnten.

THE VERDICT: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass der Verzauberte April sicher eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr werden wird, weil es einem wirklich das Herz wärmt: man lacht, man lebt mit und fühlt sich selbst, als wäre man für einen Monat in Italien gewesen. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

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3 Kommentare zu „Verzauberter April

    1. Ich füchte, wenn ich mehr erzähle, als dass die Damen dort mit ihren Konflikten aufeinandertreffen, würde ich den besten Teil schon spoilern, deshalb habe ich nicht so viel geschrieben.

      Es ist weniger eine wirkliche Geschichte, als ein Bild einer Gesellschaft und entsprechend liest es sich auch 🙂

      LG Katha

  1. Liebe Katha,
    Du hast eines meiner Lieblingsbücher entdeckt und besprochen, das freut mich!
    Ich habe es 1993, als die deutsche Erstausgabe erschien, gelesen und empfand die Lektüre als beglückend und herzenserblühend! Unzählige Male habe ich es empfohlen und verschenkt. *schwärm*
    Es gibt auch eine sehr textgetreue Verfilmung von Mike Newell, mit hervorragenden Charakterdarstellungen und wunderschönem italienischem Ambiente. Allerdings müßte die Bildqualität digital überarbeitet werden, man sieht dem Film auf der DVD, die ich besitze, ihr Alter an bzw. man merkt einfach, wie anspruchsvoll unsere Sehgewohnheiten bezüglich Bildauflösung inzwischen geworden sind.
    Nachtaktive Grüße von
    Ulrike

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