[Unileben #3] Erwachsen sein?

In letzter Zeit wurde ich öfter mit dem sogeannten Erwachsensein konfrontiert und habe darüber nachgedacht, was es für mich bedeutet. Mir ist aufgefallen, dass mein Blog etwas vor sich hindümpelt und ich zwar weiterhin gern lese, aber etwas von dem Literaturblog weggekommen bin und eigentlich auch wirklich lust hätte, mehr über Alltägliches, das mich beschftigt zu schreiben – was in erste Linie mein Unileben ist. Hier ist also ein erster kleiner Versuch, meine Gedanken zu Erwachsensein und -werden zu sortieren.

Ich hatte kürzlich wieder einen dieser Momente, in denen mir einfiel, dass ich theoretisch auf dem Weg bin, eine eigenständige, erwachsene Person zu werden. Aber was genau heißt das? Wenn mir Leute sagen, dass nun wo ich erwachsen bin, mich auch so verhalten soll? Was ist denn angemessen für jemanden mit 20? Wie habe ich zu sein?

Ich glaube, die letztere Frage fasst es perfekt zu sein. Mir scheint, als wäre Erwachsensein eine Einstellung für Außenstehende, für Fremdwahrnehmung. Da merke ich schon, wie problematisch die Idee ist, sich in ein solch ungenaues Konzept zu quetschen oder sich, wie ich zur Zeit, davon einschüchtern zu lassen. Und das große Fass, was man von uns Millenials denkt, möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst aufreißen.

In meinen frühen Teenager Zeiten war es genau das, was ich mir so gewünscht habe: erwachsen sein, was auch immer das genau heißen sollte, ich stellte es mir verheißend und wunderschön vor: unabhängig, meine eigene, schöne Wohnung, eine großartige Beziehung, ein Studium, das super läuft und tolle Zukunftschancen hat und natürlich viel Freiheit, natürlich von den Eltern. Mit 20 ist man so verdammt erwachsen, dachte ich, in der Hoffnung, Dinge dann besser zu verstehen.

Ehrlich gesagt, nun, gute 7 Jahre später bin ich eigentlich nur viel verwirrter vom Leben und von diesem Erwachsen sein – was mir besonders vor einigen Wochen aufgefallen ist, als ich endlich den Schritt wagte, von zu Hause auszuziehen. Nun verbringe ich wirklich viel Zeit allein verbringe und mir liegt diese erträumte Freiheit theoretisch zu Füßen. In der Schwebe zwischen der unendlichen Möglichkeit, mich mal richtig gehen zu lassen und dem Bewusstsein, dass ich meinen Alltag irgendwie strukturieren muss, komme ich nicht weiter. Ja, dieses 20 Jahre alt sein, dieses komische unbestimmte Konzept, dass aber etwas bestimmtes verlangt,fühlt sich momentan an, als müsste ich auch herausfinden, wer ich eigentlich sein möchte.

An der Uni kommt man mit vielen verschiedenen Altersgruppen zusammen: zum einen all die jungen Leute, die frisch nach dem Abi den Campus erobern wollen oder vielleicht ein FSJ oder ein Work And Travel Jahr in Neuseeland reingezequtscht haben – aber irgendwas zwischen durchschnittlich 18 und 20 Jahren sind mit leuchtenden Augen und voll Euphorie.
Andererseits gibt es ganz viele, die beispielsweise schon eine Ausbildung hinter sich haben, oder sogar ein Studium und nun Ende zwanzig sind, oder Anfang dreißig. Ich glaube, grob gesagt trifft man vor allem auf diese Altersgruppe zwischen 18 und 32 (was nun nur eine grob geschätzt unempirische Bauchgefühlstatistik ist) und das ist wirklich echt eine große Spanne, wenn man es so recht überlegt, wie viele individuelle Lebensabschnitte dazwischen liegen und wie sich die Lebensefahrung staffelt. Zumindest wirkt es aus meiner 20 jahre alten Sicht so auf mich – ich war stets von mehr oder weniger Gleichaltrigen umgeben, wie es in der Schule üblich ist. Aber plötzlich haben sich Türen zu ganz anderen Altersgruppen geöffnet und etwas sehr merkwürdiges ist mit mir passiert.

Ich stresse mich immer enorm, wenn ich Menschen Ü25 treffe. Es ist, als müsste ich mit aller Kraft beweisen, dass ich schon so erwachsen bin – erwachsen, so wie ich es oben beschrieben habe: ein strukturiertes, erfolgreiches Leben mit der gehörigen Portion Coolness und vor allem Intelligenz. Aber was heißt denn erwachsen, muss ich mich an dieser Stelle erneut fragen.

Mir während der WG Suche in Berlin aufgefallen, dass Leute ganz bestimmte Vorstellungen haben, wie ich mit 20 zu sein habe – und zwar überhaupt nicht erwachsen. Jung und wild aufs Feiern, Leute kennenlernen, eine freie ungebundene und großteils verantwortungslose, unordentliche Seele. Ich bin mir sicher, dass ich diesen naiven, offenen Charakterzug auch habe, aber meine Güte, ich will nicht darauf herunterreduziert werden.
Genau deshalb versuche ich, so verdammt erwachsen rüber zu kommen – Grund gütiger, es ist wirklich schwer mit 20 ernst genommen zu werden – außer von gleichaltrigen – und ich möchte es doch gern. Ich freue mich von Herzen auf die Zeit, wo ich darüber schmunzele, was mich nun beschäftigt. Schließlich kann ich mich auch darüber amüsieren, welche Probleme ich mit 16 hatte und wie anders ich mittlerweile einiges sehe.

Ist erwachsen sein vielleicht nur die Begabung, Dinge deutlich entspannter zu sehen und sich nicht so gequält Sorgen zu machen – gerade, weil man immer mehr Lebenserfahrung und Kenntnis auf dem Rücken trägt und Dinge gelernt hat?
Ich glaube, ich komme hier an meine Grenzen. Ich werde berichten, wenn ich mehr weiß!

Love, Katha

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6 Kommentare zu „[Unileben #3] Erwachsen sein?

  1. Mach dir nicht zu viele Gedanken darüber. Ich bin 35 und würde mich nicht mal ansatzweise als „erwachsen“ bezeichnen. Das mit den Gedanken machen usw. legt man ohnehin nie so wirklich ab. Lebenserfahrung schützt ja nicht vor neuen Problemen bzw. Erfahrungen. Sei es nun ein neuer Job oder Familie oder ein auf andere Weise komplett neuer Lebensabschnitt, finanzielle Probleme oder was weiß ich. Am Ende ändert sich eigentlich gar nicht so viel.
    Mit der Außenbetrachtung ist das natürlich etwas anders. Die Leute können schon mal komisch gucken, wenn man sich nicht seinem Alter entsprechend verhält und sowas wie „Spaß“ hat. Das ist aber auch wieder so ein Generationending. Meine Oma versteht natürlich weniger, was ich so in meiner geringen Freizeit mache, als zum Beispiel meine Mutter und selbst die kann es nicht immer nachvollziehen. So war es aber schon immer und so wird es immer bleiben. Ich kann beispielsweise auch nicht nachvollziehen, warum die „Jugend“ so viel an ihrem Handy rumtippt und diese Jugendlichen werden in 20 Jahren nicht verstehen, wie die Jugendlichen ständig mit VR-Brillen rumlaufen können (oder was auch immer dann angesagt ist).

    1. Erstmal vielen lieben Dank für deinen Kommentar, es ist durchaus beruhigend von jemand mit mehr Lebenserfahrung ein bisschen was zu hören. Bei dem Genreationending kann ich dir definitiv zu stimmen, ich glaube, das wird immer so sein.

      LG Katha

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