Salt To The Sea

An diesem Ostertag möchte ich ein Buch vorstellen, das zwar unheimlich grausam ist, aber dessen Rezension schon lange aussteht und ich es gerne ausführlicher empfehlen möchte. Es war nicht leicht, die passenden Worte zu finden, um auszudrücken, wie es mir mit diesem Buch ging, aber ich glaube, mittlerweile habe ich es einigermaßen geschafft.

Autor: Ruta Sepetys
OT: Salt To The Sea
Sprache: Englisch
Ersterscheinung: 2016
Verlag: Puffin
ISBN: 978-0141347400
Länge: 400 Seiten

Sepetys historischer Jugendroman ist weitaus mehr, als die tragische Geschichte der Wilhelm Gustloff. Sie erzähl  auf bewegende und sehr direkte Weise das Schicksal mehrerer Jugendlicher (beziehungsweise junger Erwachsener), wie sie sich durch den kalten Winter 1945 kämpfen und wie sie die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges erleben. Die vier Figuren sind authentisch und geben durch die einzigartigen Erzählweisen dem Roman unheimlich viel Charakter. Joanna, Florian, Emilia und Alfreds Geheimnisse und Hintergründe kristallisieren sich langsam und auf spannende Art über den Roman heraus. Jede Figur hat ihre eigenen Motive, ihre eigenen Sorgen, die sie in Mitten des Zweiten Weltkrieges plagen.

Selten hat mich ein Buch emotional derart mitgenommen, dass ich es für einige Zeit zur Seite legen musste, obwohl es so unerträglich spannend war, um die ganze Geschichte zu verarbeiten und auf mich wirken zu lassen. Das Thema hat es wirklich in sich. Auch, wenn man im Laufe seines Geschichtsunterrichts und mit einer gewissen Allgemeinbildung einiges über den Zweiten Weltkrieg lernt, scheint mir, als sei die Wilhelm Gustloff, zumindest in meiner Generation, ein beinahe vergessenes Thema. In Anbetracht der Grausamkeit ist es allerdings so wichtig, egal wie furchtbar ist, die Konversation dazu aufrechtzuhalten. Sepetys macht das in ihrem berührenden Nachwort auch klar. Sie schafft es in diesem Roman einen Denkanstoß zu geben, sich historisch zu informieren und gleichzeitig das Thema in Anbetracht auf die unbeschreibliche Grausamkeit, die einzelne Individuen erlitten haben, würdevoll und sorgfältig zu erzählen. Es ist kein bisschen abgeschmackt. Gleichzeitig ist es aber auch nicht vollgestopft mit historischen Fakten, sondern lässt sich unglaublich schnell und fließen weglesen.

Manchmal war ich etwas verwirrt über die mehreren Erzählstränge und wusste nicht ganz genau, wo ich mich im Roman fand, auch wenn bestimmte Figuren, wie Alfred, einen sehr eigenen Erzählstil haben, kann man sich schon mal im schnellen Blättern und Mitfiebern ein wenig verirren. Manchmal muss ich sagen, hätte ich gerne mehr über die Figuren erfahren und ich denke, das wäre durchaus durch intensivere Beschreibungen und Zeitsprünge möglich gewesen, vielleicht würde das allerdings etwas auf die Länge schlagen und dem dynamischen Tempo des Romans im Wege stehen. Entsprechend kam der Schluss des Romans auch sehr plötzlich und hat einem mit einem merkwürdigen Bauchgefühl hinterlassen – andererseits dünkt mich, dass es ebenfalls eine stilistisch interessante Entscheidung ist, den Leser so verloren und verwirrt zu hinterlassen.

Sepetys hat einen vergleichsweise schlichten, einfachen und klar verständlichen Schreibstil, so dass sich das Lesen des englischen Originals lohnt und keinerlei Probleme macht. Es ist, als wäre jede Schörkelhaftigkeit bei der Darstellung dieses brutalen Kriegsgeschehens unangemessen. Gerade diese direkte Weise fördert die direkte Verbindung zu den Figuren und die Emotionalität sticht mit aller Grausamkeit sofort ins Herz. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die ich nur empfehlen kann.

Ich bin zugegebenermaßen keine große YA Leserin, vor allem weil mich die endlose Fokussierung auf Liebesgeschichten nervt – hier allerdings befindet sich diese Thematik weit im Hintergrund und verhält sich auf eine angenehme Weise zum Rest des Romans, was mir gut gefallen hat. Ich bin positiv und nachhaltig beeindruckt von Sepeteys und hoffe, in der Zukunft mehr Bücher von ihr zu lesen.

THE VERDICT: Alles in allem ein sehr spannender, gut geschriebener und emotionaler historischer Jugendroman, der mich sehr berührt hat und den ich empfehlen kann, auch wenn er einem das Herz bricht. 9 von 10 Sternen

Love, Katha

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4 Kommentare zu „Salt To The Sea

  1. Eine der furchtbaren Tragödien des Zweiten Weltkrieges, einer Katastrophe mit entsetzlichen und grausamen Geschichten aus dem Nachlass des Nationsozialismus.
    Sehr nachvollziehbar, dass die Lektüre eines solchen Stoffes in Teilstrecken geht und verdaut werden will. Danke für die Besprechung und die Empfehlung der Autorin.
    Die Versenkung der „Wilhelm Gustloff“ mit Nachwirkungen war auch Gegenstand der Novelle „Im Krebsgang“ von Günter Grass von 2002, die ich damals gelesen hatte.
    Angenehme Feiertage und frohe Ostern, Bernd

    1. Es ist wirklich grausam, aber ich kann es dir sehr empfehlen. Es freut mich, dass dir die Besprechung gefallen hat.
      Und vielen lieben Dank für die Empfehlung, das klingt wirklich interessant und ich werde mir das Buch mal ansehen.

      LG Katha

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