Mini-Filmreviews: Die Dunkelste Stunde / Der Seidene Faden / Die Verlegerin

Moinsen!

Wie auch in den letzten Jahren, war ich in den ersten paar Monaten des Jahres für meine Verhältnisse viel im Kino, drei Mal um genau zu sein. Ob es am Oscar-Wahnsinn liegt oder ob Januar bis März einfach die perfekten Monate sind für das Erscheinen von guten Filmen, weiß ich nicht, feststeht, dass mir alle so gut gefallen haben und mich – wie ein Freund von mir stets zu sagen pflegt – nachhaltigt beeindruckt haben, dass ich beschlossen habe, aus meiner filmischen Rezensionsversenkung auftauchen und ein paar Worte zu den Filmen „Die Dunkelste Stunde“, „Der Seidene Faden“ und „Die Verlegerin“ zu verlieren. Mir ist in letzter Zeit überhaupt nicht mehr nach langen und ausführlichen Filmrezensionen mit Inhaltsangaben und dem ganzen großen Drumrum, deshalb werde ich ohne großes Herumgerede in meine Eindrücke eintauchen. Wer an weiterem interessiert ist, dem habe ich den englischsprachigen Trailer verlinkt. Bis auf den „Seidenen Faden“ habe ich die beiden anderen Filme im englischsprachigen Original gesehen, was ich jedem, der interessiert ist, auch ans Herz legen möchte, besonders bei „Die Dunkelste Stunde“ – aber genug von dem Geplauder.
Die Reihenfolge ergibt sich aus der Reihenfolge, wie ich im Kino war.

P.S. Außerdem habe ich beschlossen, weil ich einfach auf kein vernünftiges Maß kommen konnte, bei diesen Kurzrezensionen eine Sterneberwertung wegzulassen, weil sie mir wirklich alle gut gefallen haben, aber auf so unterschiedlichen Ebenen und Arten, dass ich es einfach für ungerecht halte, sie auf ein vergleichbares Maß herunterzureduzieren.

Die Dunkelste Stunde

DT: Die Dunkleste Stunde
OT: Darkest Hour
Cast: Gary Oldman, Kristin Scott Thomas, Lily James
Regie: Joe Wright
FSK: ab 6 Jahren

„Die dunkelste Stunde“ ist ein hervorragender Film, der besonders durch subtile Details in einem großen Portrait-Komplex um Winston Churchill, besticht.
Zweifellos lässt sich sagen, dass Gary Oldman bis zur Unkenntlichkeit verwandelt wurde, das Kronjuwel dieses Filmes ist und ihn so sehenswert macht. Die Stunden von Make-Up und Kostümierung, die dieser Mann verbracht hat, haben sich ausgezahlt: Er brilliert als Churchill, macht eine Legende menschlich und vermittelt ebenso Nähe zu der historischen Figur – umso glücklicher bin ich, dass diese außerordentliche Darstellung mit einem Oscar belohnt wurde. Untermalt wird dieser mitreißende Film durch eine dramatische Kameraführung und einem Lichtspiel, das ich sehr genossen habe und einem guten Soundtrack Dario Marianellis, der wieder beweist, dass seine Zusammenarbeit mit Joe Wright einfach brilliant ist.

Oft scheint mir Churchill in Filmen und Serien wie „The Crown“ oder „The King’s Speech“ wie der unantastbare, cholerische fette alte Mann dargestellt zu werden, der zufällig in der Rolle eines mächtigen Politikers steckt. Ich will damit nicht sagen, dass die Portraiterung Chruchills in den genannten Verfilmungen schlecht ist, keineswegs. Jedoch wirkt er bei „Darkest Hour“ einem so nah: man wird vertraut mit seinen Macken, seinem Innenleben, seinen schlechten Seiten und seiner genialen Rhetorik. Es ist ein langsames Eintauchen in das Portrait eines wichtigen Mannes in einer brisanten Zeit.

Ich kann nicht bestreiten, dass der Filmie sehr pathetische Momente hat. Ohne Spoilern zu wollen, möchte ich sagen, dass der Moment in der U-Bahn mir schon unangenehm kitischig war, wenn gleich es auch bewegend gemeint war, konnte ich es im Gesamtbild nicht ernstnehmen. Allerdings ist dieses Pathetische, wie er im dimmen Licht des Parlaments seine Rede vorträgt, meist ansteckend. Natürlich ist dieses Portrait von diesem heroischen Hauch gefärbt, ich glaube, es wäre höchst deprimierend im Kontext des 2. Weltkrieges und in dem des grausamen, menschlichen Verbrechens und der Verzweiflung, einen Film mit einem unpathetischen Ton zu drehen. Gerade durch die Mischung  aus Verehrung, aber auch Aspekten der Kritik, ehrt dieser Film Churchill auf eine schöne und menschliche Art und Weise. Meines Erachtens nach ist da eine Brise Pathos nur die angebrachte Menge Salz in einer guten Suppe!

Der Seidene Faden

DT: Der Seidene Faden
OT: Phantom Thread
Cast: Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps, Lesley Manville
Regie: Paul Thomas Anderson
FSK: ab 6 Jahren

Grund gütiger, was habe ich unter der unterschwelligen (An)spannung dieses Filmes gelitten: So subtil und so böse arbeitet die Emotionalität dieses optischen Meisterwerks. Der Film ist anders, als alles, was ich bisher gesehen habe, er ist ruhig und elegant, er bedarf keines großen Handlungsrahmens, keiner dramatischen Sexualität oder kitschigen Liebe, nur zwei großartigen Hauptfiguren und einem Soundtrack der in seiner Wucht unter die Haut geht –  denn die Handlung spielt mit leisen Tönen, die Melodien jedoch mit lauten, dramatischen Quellen. Dieser Film ist unfassbar reichhaltig und ich glaube, wenn man ihn nur ein Mal gesehen hat, dass man nur ein grobes Verständnis entwicktelt hat. Für meinen Geschmack war er ein wenig langatmig, gleichzeitig dünkt mir, dass auch diese langsame Art den Film erst zu dem macht, was er ist.

Eine kleine Anekdote dazu: Bereits als ich im Kino war, diskutierte ich mit Charlie darüber, wie interessant die Stimme von Alma (Vicky Krieps) sei und dass es schade sei, dass wir die deutsche Fassung gesehen hätten, denn ihre Stimme sei so markant und merkwürdig ruhig, da könne das englische Original nur noch beeindruckender sein – entsprechend habe ich mir zu Hause den englischen Trailer angesehen und festgestellt, dass die deutsche Synchronisation der englischen unfassbar glich, was mich dazu veranlasste, dem auf die Spur zu gehen, um festzustellen, dass Vicky Krieps die deutsche Synchronisation übernommen hat. Ihre Stimme bleibt einfach hängen. (Daran, das ich das nicht wusste, erkennt man, wie selten ich deutsches Fernsehen sehe)

Ferner muss ich sagen, dass  durch die Kameraführung die unheimliche Stimmung dieses Films hervorragend zur Geltung kommt. Alles in einem ist der Film optisch durch Kameraführung, durch Close-Ups, durch die Kostüme, die Kulisse und den genialen Soundtrack  und selbstverständlich den zwei so einzigartigen und authentischen Hauptdarstellern sowie der weiblichen Nebendarstellerin einfach nur elegant und vollendet. Es ist ein klaustrophobischer, berührender, schauerliche Film über – ich weiß es auch nicht: Liebe? Mode? Bessenheit? Es ist ein merkwürdiges Meisterwerk, welches ich nur empfehlen kann – allerdings mit der Einschränkung, dass man diese Art des kunstvollen, langsam entwickelnden Film mit viel Fokus auf die Figurenentwicklung mögen muss, denn sonst glaube ich, kann der „Seidene Faden“ nicht seine volle Wirkung entfalten.

Die Verlegerin

DT: Die Verlegerin
OT: The Post
Cast: Tom Hanks, Meryl Streep, Bruce Greenwood
Regie: Steven Spielberg
FSK: ab 6 Jahren

Im Gegensatz zum „Seidenen Faden“ der sich auf einer künstlerischen Sphäre befindet, die anfangs schwer zu begreifen ist, ist „Die Verlegerin“ ein direkter, spannender Journalismusfilm, so wie man ihn sich erwünscht. Leicht zugänglich, brilliant gespielt, ein wenig Humor, ein wenig Zynismus, viel Ernst und Politisierung – ich würde sagen, ein Klassiker dieses Genres, der gleichzeitig auch ein wunderbares Portrait der Verlegerin Katharine Graham zeigt. Bei diesem Film handelte es sich bei mir eher weniger um ein Portrait mit Pathos (wie bei der dunkelsten Stunde) oder abstrakter Kunst (wie beim seidenen Faden), sondern eine politischen und niveauvollen Varianten des spannenden und gut gemachten Filmes, in welchen man gerne Abends reingeht, historisch ein bisschen was dazulernt und mitfiebert. Ich möchte nicht den degradierenden Begriff des Popcorn-Kinos verwenden, denn dafür ist dieser Film alle mal zu gut, aber ich möchte zum Ausdruck bringen, dass „Die Verlegerin“ gut und niveauvolle Unterhaltung mit der guten und angenehmen Prise Hollywood und amerikanischem Freiheitspatrotismus ist.

Ich muss außerdem zugeben, dass ich einfach ungemein gern Filme mit Tom Hanks sehe und es stets eine Freude ist, ihn in dieser Art Rolle zu sehen, wo er den ambitionierten, verbissenen, aber auch fehlerhaften Typen mit Intelligenz und Humor spielt.

Insgesamt muss man sagen, dass es einfach ein gut gemachtes, spannendes Historiendrama von Spielberg mit gutem Williams Soundtrack und zwei Juwelen Hollywoods – man kann wirklich mit einem Auflauf von Stars in einem sehr soliden Film sprechen.

Habt ihr einen dieser Filme gesehen oder vor zu sehen? Und ist das Format der Minireviews zugänglich oder sollte ich lieber wieder kleine einzelne Rezensionen schreiben? Ich freue mich wie immer über Kommentare und Feedback!

Love, Katha

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Ein Kommentar zu „Mini-Filmreviews: Die Dunkelste Stunde / Der Seidene Faden / Die Verlegerin

  1. Es ist wirklich faszinierend, dass anscheinend die besten Filme immer am Anfang des Jahres rauskommen. Vielleicht ist das aber auch nur subjektive Wahrnehmung, da die Oscars und der viele Wirbel darum uns das suggerieren. Ich war jedenfalls auch Anfang des Jahres extrem viel im Kino, achtmal oder so :D.

    Ich fand „Die dunkelste Stunde“ auf englisch ja eher schwere, weil Oldman bzw Churchill verdammt nuschelt. Ich hab den allerdings auch mit italienischen Untertiteln gesehen, das hat wohl einiges erschwert :D.

    Ha, jetzt hattest du auch das Problem, dessentwegen ich keine Sternebewertungen mehr nutze :D. Es ist einfach schwer, sehr unterschiedliche Filme mit demselben groben System zu vergleichen.

    Churchill ist ohne Zweifel genial dargestellt und der Oscar echt verdient (obwohl ich noch nicht alle Konkurrenten gesehen habe). Und die Kameraführung ist sogar mir aufgefallen :D. Am coolsten fand ich ja den ersten Auftritt von Churchill, aber auch das letzte Bild des Films ist sehr beeindruckend.
    Ich glaube, ohne Pathos funktionieren Kriegsfilme meist nicht ^^, und ich fand es immerhin gelungen, dass der Film ohne viele Kriegsszenen auskommt, sondern mehr das Geschehen in der Politik zum Thema hat. Die U-Bahn-Szene fand ich zwar cool, aber ja, auch sehr kitschig und wohl eher unrealistisch.

    Über den „Seidenen Faden“ haben wir ja schon viel diskutiert. Ich möchte jetzt auf jeden Fall mehr von Vicky Krieps sehen, denn ich finde sie echt faszinierend. Vielleicht sollten wir „Der junge Karl Marx“ zusammen sehen; ich glaub, da spielt sie mit :D.

    Solide beschreibt „Die Verlegerin“ ganz gut, finde ich. Mich hat er auf jeden Fall gut unterhalten und ich finde, dass er auch heute noch ziemlich aktuell ist, was das Thema Pressefreiheit betrifft.

    Liebe Grüße
    Carlos

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