Frau Jenny Treibel

Autor: Theodor Fontane
OT/DT: Frau Jenny Treibel
Genre: Roman, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (DE): 1893
Verlag: Fischer
Preis: 5 Euro
ISBN: 978-3-596-90044-2
Länge: 208 Seiten

Zwei Familien treffen aufeinander: Die Treibels und die Schmidts, die in ihrer ständischen Situation und in ihren Idealen hätte nicht anders seien können, aber seit Jahren durch eine alte Freundschaft gebunden sind. Als die junge Corinna Schmidt jedoch versucht Leopold Schmidt zu verführen, ist seine Mutter Kommerzienrätin Jenny Treibel empört: Die Bourgeoisie wird nicht einfach durchmischt.

Ich muss zugeben, ein recht gespaltenes Gefühl bei diesem Roman zu haben. Einerseits ist es brilliant, wie Theodor Fontane besonders die Namensgeberin Jenny Treibel in all ihrer überheblichen Besitzbügertümlichkeit bloß stellt und es fast schon eine Satire ist, als ein richtiger Roman. Denn den großen Kontrast aus Bildungs- und Besitzbürgertum so deutlich darzustellen, macht den Roman wirklich lesenswert – denn sonst plätschert die Geschichte etwas unselig vor sich hin. Wichtig zu sagen ist, dass es keineswegs ein Liebesroman ist, nur weil Corinna Leopold heiraten will, denn das hat mit herzlich wenig Gefühl zu tun. Es geht um das Emporstreben nach etwas „höherem“ und zu zeigen, wie Klassen nur untereinander Ehen geduldet haben, ja, wie scheinheilig dieses System ist.

Eine Handlung, so muss ich warnen , gibt es eher nicht. „Frau Jenny Teibel“ gehört zu den Romanen, die über die Gespräche getragen werden und sobald man ein Auge entwickelt für die satirischen Details, die dem Besitzbürgertum nur Spott zukommen lassen, kann man wirklich gut lachen. Die Themen Besitz, Ansehen, richtige und falsche Gefühle und klassentypische Merkmale stehen ganz stark im Vordergrund.

Die Ironie ist herrlich unterschwellig und wenn man ihrer bewusst wird, merkt man, wie böse dieser Roman als Kritik ist. Ich denke, man darf diesen Roman nicht allzu ernst nehmen, weil er sonst eher karg und langweilig daherkommt. Man merkt, wie stark gewisse Konventionen zu dieser Zeit in den Menschen festverankert sind und wie das Denken innerhalb eines Standes sich verfestigt hat, wie die Mitglieder einer Klasse durch ihr Denken Mauern um sich herumbauen und sich selbst für unantastbar halten. Einerseits ist der Roman aus historischer Perspektive ein spannendes und realistisches Bild, worüber man sich als moderner Leser nur ärgern kann, die beschränkt und hochnäsig das Besitzbürgertum war: Jenny spricht von höheren Idealen und Poesie und versteht dabei selbst kein Wort und keineswegs das, was eigentlich gemeint ist, sondern rühmt sich nur mit schicken Begriffen.

Ein Problem, das ich hatte und vor dem ich auch vorgewarnt wurde, war, dass sämtlich Charaktere einfach nur unangenehm waren und keineswegs sympathisch. Es ist eine Sache, wenn Figuren nicht sympathisch sind, denn genau das kann einen Roman auch spannend machen, doch hier sorgt es wirklich nur für Augenrollen: Jenny ist überheblich, lächerlich und dumm und ihr Sohnemann einfach nur unheimlich bemitleidenswert. Die im Vergleich noch kluge Corinna hat zwar ihre emanzipierte Seite, doch ihr Streben nach mehr gesellschaftlichen Prestige macht diese eigentlich nur wett. Dahingehend denke ich, dass dieser Roman empfehlenswert ist für Fontnate-Fans und Menschen, die interessiert sind an dieser Zeit und der Gesellschaft, aber ansonsten ist es für mich leider kein herausstechender Klassiker, sondern eher ein nettes kleines Buch für etwas Abwechslung.

THE VERDICT: „Frau Jenny Treibel“ lebt durch den ironischen Spott und der Schrulligkeit der Figuren, die einen immer wieder zum Lachen bringen. Die Handlung wird von langen Dialogen getragen und alles plätschert vor sich hin. Kein Fontane-Lesemuss, aber historisch-gesellschaftlich betrachtet recht amüsant. 6 von 10 Sternen.

Love, Katha

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