Becks letzter Sommer

Autor: Benedict Wells
OT/DT: Becks letzter Sommer
Genre: Roman
Ersterscheinung (DE): 2008
Verlag: Diogenes
Preis: 12 Euro
ISBN: 978-3-257-24022-1
Länge: 452 Seiten

Diese Rezension enthält einen Spoiler, der farblich markiert ist.

Ursprünglich wollte Robert Beck kein Lehrer werden und nun unterrichtet er seit Jahren vom Leben ernüchtert an einem Münchener Gymnasium.  Sein Leben wird jedoch plötzlich in Schwung gebracht, als er die junge Kellnerin Lara kennenlernt und sich das erste Mal im Leben richtig verliebt. Außerdem entdeckt er im Musikunterricht ein neues Talent versucht den Außerseiter-Jungen Rauli Kantas zu fördern und endlich aus seiner Mid Life Crisis rauszukommen, merkt jedoch schnell, dass er am liebsten selbst so talentiert wäre. Neid, Liebe und ein neues Leben – alles steuert unweigerlich auf einen verrückten Roadtrip zu.

Bei meinem dritten Wells muss ich zugeben, dass meine Begeisterung leider nicht so großartig ausfällt wie bei „Spinner“ oder „Vom Ende der Einsamkeit„. Ähnlich wie „Spinner“ ist auch „Becks letzter Sommer“ eher verrückt als ernst angelegt und schildert ein buntes Abenteuer, bei welchem die Sprache einfach und die Handlung absurd ist. Zugegeben, als jemand der sich mit „Vom Ende der Einsamkeit“ in diesen Autor verliebt hat, ligt hier zweifelsohne ein krasser Kontrast zu seine früheren, eher jugendlich anmutenden Werke vor. Nichtsdestotrotz ist Becks letzter Sommer auf jeden Fall ein urkomisches Lesevergnügen und macht die ideale Sommerlektüre für Strandtage oder lange Zugfahrten her, bei dem man Lachen, ungläubig den Kopf schütteln und nachdenklich mitphilosophieren kann – denn der Roman hat auch tiefe Töne.

Was ich besonders schön gemacht fand, war die Einteilung des Buches in eine A – und eine B-Seite, ganz wie eine Schallplatte, wobei die einzelnen Kapitel jeweils Songnamen trugen. Ein kleines Detail, welches zum Charme und zu dieser Eigenheit des Romans beitragen. Wells erzählt einfach drauf los und wirkt dabei frisch und einzigartig frei vom normalen, prosaischen Erzählen. Die Mid Life Crisis Becks wird mit einem satten Tempo erzählt, doch greift dabei ernste und alltägliche Lebensthemen und –fragen auf, die jeden früher oder später beschäftigen: Mache ich das richtige im Leben? Eigentlich bin ich nicht zufrieden, aber soll ich aus der Sicherheit heraus weitermachne?

Ich habe den Eindruck, dass man daran auch erkennt, wohin Wells mit seinen späteren Romanen zielen wird. Mir haben die ernsteren Seiten in diesem Buch besser gefallen, aber ich bin mir sicher, dass das eher eine Geschmackfrage ist. Entsprechend würde ich sogar sagen, dass für jeden in diesem Roman ein bisschen dabei ist, weil Wells verschiedene Genres und Thematiken anreißen, die trotz der absurden Handlung, einfach nur sehr menschlich sind.

Ich kann leider nicht ganz spoilerfrei  bleiben, um zu umreißen, dass es ein paar Stellen in diesem Buch gibt, mit denen ich eher weniger glücklich war und die meine Einstellung zu dem Roman ein bisschen verändert haben. Dazu gehört vor allem *VORSICHT SPOILER*, dass gerade die Figur, die ihr ganzes Leben lang Angst vor dem Fliegen hatte, bei ihrem ersten Flug auf grausamste Weise bei einem Flugzeugabsturz stirbt und Benedict Wells anscheinend den Bedarf sah, das emotional ziemlich grausam zu schildern. Wie schon in „Komm her und lass dich küssen“ der niederländischen Autorin Griet Op de Beeck hatte ich Schwierigkeiten mit entwürdigend-abartigen Sterbeszenen und sicherlich tut meine persönliche Angst vor dem Fliegen dazu bei, dass ich kein Fan dieser Szene bin, doch Himmel: War es wirklich nötig, das so zu konstruieren? Und es auch noch brutal ehrlich zu beschreiben? Leider hat es bei mir ein sehr angeekeltes Gefühl hinterlassen, was die restlichen Seiten überschattet hat. *SPOLIER ENDE*.

Bei mir ist es selten, das bestimmte inhaltliche Wendungen ein Buch in der Gesamtbewertung negativ beeinflussen, aber ich muss leider sagen, dass es hier in kleinen Teilen der Fall ist. Ein bisschen enttäuscht bin ich, weil ich mir mehr etwas wie das neuste Buch von Wells gewünscht habe, aber es ist dennoch keineswegs ein schlechtes Buch. Vor allem, wer einfach ausgelassene, lustige Road-Trips mag mit Abenteuergefühlen und einem musikalischen Hintergrund und sich für nichts zu schade ist, wird wirklich Spaß und Freude an diesem Roman haben. Ich denke, man muss ein bestimmter Typ Mensch für das Buch sein.

THE VERDICT: Eine erlebnisreiche, bunte, verrückte Geschichte eines Lehrers mit Mid-Life-Crisis, die zum Lachen einlädt. Eine angenehme und ausgelassene Sommerleküre für zwischendurch, allerdings für mich nicht nachhaltig beeindruckend und leider hat es nicht ganz meinen Geschmack getroffen. 7 von 10 Sternen

Love, Katha

 

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