SZIGET Festival 2017 + Budapest

Moinsen!

Das ist nun schon das dritte Jahr in Folge, dass ich mich im August nach Budapest begeben habe und wie schon in den Jahren zuvor, werde ich eine kleine Liebeserklärung schreiben. Mit jedem Mal, dass ich diese Stadt besuche, entdecke ich einen neuen Zauber und ein kleines Detail, welches meine Begeisterung beflügelt. Mir ist, als sähe ich Budapest stets mit anderen Augen und umso besser man die Stadt kennt, desto klarer wird das Bild. Fest steht, dass ich mich auch nächstes Jahr dorthin begeben möchte – ob mit Festival, oder ohne.

Gleichzeitig war ich, wie letztes Jahr, erneut für 7 Tage auf dem SZIGET Festival, von dem ich natürlich auch berichten möchte. Für diejenigen, die Lust haben, meinen Beitrag zum Festival vom letzten Jahr zu lesen, lasse ich den Link hier. Ich werde die Dinge, die mir letztes Jahr bei meinem Besuch aufgefallen sind, nicht erwähnen, sondern hauptsächlich von meinen neuen Erfahrungen berichten.

Budapest verzaubert

Erneut bezogen mein Freund und ich eine kleines Ferienappartment, welches wir über AirBnB für einen guten Preis gefunden hatten, im VIII. Bezirk: Józsefváros oder auf deutsch: Josef-Stadt. Für mich als Halbungarin ist es stets ein bisschen lustig ins Ausland zu fahren, welches aber gleichzeitig die andere Hälfte meiner Herkunft bildet, besonders kulturell betrachtet. Gleichzeitig kann ich aber auch beteuern, dass es wirklich Vorteile hat, ungarisch zu sprechen, auch wenn an sehr vielen Orten Englisch und teils auch Deutsch gesprochen wird. Wie letztes Jahr spazierte ich viel durch den VIII. Bezirk, was sich lohnt um viele verschlafene Gassen zu sehen mit den gelben und rosanen Altbauten, die ins sommerlichen Licht getaucht sind. Ebenfalls lohnt sich ein Blick in den VII. Bezirk, der früher als „jüdisches Viertel“ galt, da sich dort im 2. Weltkrieg ein Ghetto befand. Heutzutage merkt man schon, dass es recht jüdisch angehaucht ist mit kleine Cafés mit Hebräischer Schrift. Ab und zu begegnet jüdische Familien in traditioneller Kleidung, aber am meisten zeugt natürlich die Synagoge von der Besonderheit des Stadteils. Es erinnert fast schon ein bisschen an das Berliner Hipster-Viertel Prenzlauer Berg durch die Altbauten und Cafés, aber weniger gentrifiziert. Ich hoffe in der Zukunft diese Bezirke noch besser erkunden zu können.

IMG_3264 (2).jpg

Eine kleine Entdeckung in unserem Bezirk war der Múzeumkörút, eine große Hauptstraße, welche nach dem großen naturwissenschaftlichen Museum benannt wurde, welches sich namensgebend dort befindet. Zwischen kleinen Cafés eingequetscht findet man viele viele Second-Hand Bücherläden und Antiquaren. Mal rümpelig, mal bezaubernd mit Vintage Plakaten eingerichtet. Dank einer Bekanntschaft mit einer ungarischen Instagrammerin, wurde mir eins dieser Antiquaren empfohlen, denn bei der Auswahl weiß man kaum, wo man hinsoll. Und wo es englische und deutsche Literatur gibt, da mein Ungarisch für die Klassiker, die ich gerne lese, leider noch ausbaufähig ist. Und ich machte auch eine kleine Ausbeute, wobei Taschenbücher in gutem Zustand zwischen rund 800 und 1000 Forint kosten, was ca. zwischen 2.60 und 3.30 Euro ist, also nicht spottbillig, aber auch nicht überteuert. Dann und wann trifft man in der Stadt große mit Bücher beladene Karren – ich bin mir nicht ganz sicher, ob man nur (alte) Bücher dort kaufen kann, oder auch tauschen, nichtsdestoweniger entzücken sie das Stadtbild!

IMG_3300 (2).jpg

Vom letzten Jahr kannten mein Freund und ich auch schon ein wunderbares Café mit Restaurant-Teil, welches sich auf einem recht ruhigen Platz befindet und leckere Gerichte zu guten Preisen serviert – und der leckeren Hauslimonade mit Suchtfaktor. Dieser wundere, kleine Ort heißt „Fecske“ (dt. „Spatz“) und bietet wunderbare Außenplätze im Schatten und zusätzlich ab 12 Uhr (bis der Vorrat reicht) ein günstiges Tagesmenü mit Hauptspeisen  für kleines Geld.Ich würde auch sagen, dass es schon sehr angenehm ist, wenn man sich schon ein bisschen auskennt und ein paat günstige Optionen zum Essen oder gute Wochenmärkte kennt, um gegebenfalls selbst zu kochen, denn obwohl Budapest doch recht günstig ist, kann man in einer Woche schnell viel Geld loswerden, wenn man fast täglich in Restaurants und Mensen isst.

IMG_3269 (2)

Ein paar Tipps für Reisen nach Budapest:

  • Öffentliche Verkehrsmittel sind fast an jeder Ecke und spottbillig. Auch wenn man nur 9 oder 10 Tage da bleibt, zahlt sich das 15-Tage-Ticket für gut 21 Euro wirklich aus. Aber es gibt auch Wochentickets und einiges mehr, es lohnt sich die Webseite der Verkehrsgesellschaft BKK zu besuchen.
  • Viele, mittlerweile gefühlt alle Wechselstuben verlangen eine Kommission. Auch wenn der Wechselkurs von 303,5 Forint für 1 Euro gut ist, lohnt es sich auf die Kommission zu sehen. Außerdem kann ich empfehlen größere Dinge mit Kreditkarte zu bezahlen (falls diese kostenfrei im Ausland ist), weil der Kurs meistens für einen spricht
  • Das Wasser aus dem Hahn ist ziemlich Chlorhaltig. Ich würde stets Mineralwasser kaufen, wenn man keinen Wasserfilter hat.
  • Essensempfehlungen sind: Fecske presszó, Bodza Bistro (Mensa) und Vigadó Restaurant (Traditionelles Essen). Falls es auch ein bisschen teurer sein darf: Krakn Town (ein bezauberndes Restaurant im authentischen Steampunk-Stil)
  • Sehr touristische Dinge, die man aber unbedingt sehen sollte: Die Burg in Buda, Fischerbastei, Kettenbrücke, Spaziergang an der Donau, das Parlament, Margaretenbrücke, Margareteninsel, Heldenplatz, Freiheitsbrücke, durch den VII. und VIII. Bezirk spazieren, große Markthalle

SZIGET Festival – wieder großartig!

Dieses Jahr traf uns der Sommer wie ein Schlag ins Gesicht – der richtige, ungarische Sommer mit trockener, tagelanger Hitze. Besonders die ersten vier Tage waren – vor allen im Vergleich zu Berlin, wo es wochenlang bei etwas über 20 Grad geregnet hatte – beinahe unerträglich. Im grundegenommen empfiehlt es sich bei der Appartment-Suche die Klimaanlage so selbstverständlich wie WLAN anzusehen. Tagsüber 38 Grad, Mitten in der Stadt in der puren Sonne sicherlich mehr. Zusätzlich das Festival bei solchem Wetter zu erleben, war für mich auch körperlich manchmal herausfordernd. Natürlich haut ein Festival echt rei,  auch wenn man wie ich nicht campt. Laute Musik, Menschenmengen, stundenlang gehen und stehen, tanzen und vieles mehr – dazu dann noch diese Hitze. Glücklicherweise gab es direkt bei der Mainstage neben den Getränkeständen einen Pool, wo man entspannt das Konzert auf einem großen Bildschirm beobachten konnte, während die Beine im kühlen Nass baumelten.

IMG_3274 (2).jpg

Wie auch letztes Jahr bleiben am Ende großartige Erinnerungen im Herzen, eine berauschende Euphorie im Körper und ein bisschen Merchandise später im Koffer. Dadurch, dass wir das irre Wagnis eingingen, die Festival-Karten ein Jahr vorher (in den ersten 25 Stunden) zu kaufen, erhielten wir sie nicht nur günstiger, sondern inklusive eines T-Shirts und ein kleines Fan-Packets. Natürlich muss man dafür sehr begeisterter Fan vom Festival sein und ich glaube wirklich, dass das Sziget jedes Jahr mit einem großartigen Line-Up aufwartet (wenn man auf die letzten Jahre zurückblickt) und sich der frühe Kauf entsprechend lohnt.

Wir hatten schließlich wirklich Glück, denn das Line-Up war ganz großartig und auch mit einigen Musikern und Musikerinnen versehen, für die ich schwärme. Wir sahen unter anderem P!nk, Tom Odell, Macklemore & Ryan Lewis, HURTS, Birdy, Alt-J, The Chainsmokers, Bear’s Den, Marteria, Rita Ora und Léon. Zurückblickend haben mich besonders Macklemore und Ryan Lewis mit ihrer herrlichen Show und der tollen Musik, HURTS mit der Stimme des Leaders und Tom Odell mit seinem natürlich Charme und Songs, die unter die Haut gehen, am meisten bezaubert. Natürlich gab es viele Künstler und Künstlerinnen mehr zu sehen und zu hören, aber man muss sich definitiv auch die Zeit nehmen, das Festival zu sehen und nicht nur die Musiker. Da kann ich jedem ans Herz legen, der dieses Festival besuchen möchte: Im Hellen rumlaufen und entdecken und im Dunkeln wie verrückt abtanzen und mitgröhlen.

So liefen wir über die Insel und entdeckten eine Art „Dorf“ auf mehreren Zelten, wo es traditionell ungarische Spiele gab. Diese Stände, Zelte und Bühnen sind auch in dem Sziget Passport versehen, der die wichtigsten Informationen zum Festival vereint. Auf einer Doppelseite kann man schließlich Stempel an den jeweiligen Orten sammeln (zu bestimmten Uhrzeiten) und wenn man alle hat, würde man offiziell auf der „Island of Freedom“ eingebürgert – was das heißen soll, wussten mein Freund und ich zu Anfang auch nicht, sammelten aber natürlich fleißig Stempel und konnten so eine Klassik und Jazz Bühne, einen Zirkus, einen Strand und viele andere Attraktionen bestaunen und damit wirklich die ganze Insel sehen. Am Ende gab’s zur Belohnung ein kleines Gimmick: Eine Krawatte!

Zu den ganzen musikalischen Acts gab es jeden Tag vor der Main Stage auf eine Art Party: Mal mit Fahnen (wie auf dem oberen Bild), mit Bällen oder Farbe. Letzterer wohnte ich bei und es war schrecklich und wunderbar gleichzeitig. Mehrere Tonnen Farbe (so hieß es zumindest) wurden gleichzeitig in die Luft geworfen: Ein Farbenmeer auf Rosa, Blau, Grün und Gelb – und für unvorbereitete Trottel ohne Atemschutz wie mich ein Schockmoment des Fast-Erstickens. Es ist wirklich lustig, bunt eingesaut zu sein – es ist wirklich eklig zu husten und Ewigkeiten danach noch dunkelrosa bis schwarzen Rotz zu haben.  Fest steht aber, dass sie Stimmung absolut großartig war, die Luft vibrierte beinahe.

IMG_3372.JPG

Alles in einem, kann ich nur sagen, dass es ein großartiger Urlaub war, auf den ich sehnsüchtig zurückblicke und wie letztes Jahr auch schon spreche ich eine ganz klare Reise- und Festivalempfehlung aus!

Love, Katha

Advertisements

Zimmer mit Aussicht

Autor: E.M. Forster
OT: A Room with a View
DT: Zimmer mit Aussicht
Genre: Roman, Klassiker
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung (GB): 1908
Verlag: Fischer Taschenbibliothek
Preis: 12 Euro (gebunden)
ISBN: 978-3-596-52143-2
Länge: 413 Seiten

Florenz um 1900:  Die zwei Engländerinnen Lucy Honeychurch und Miss Barlett begeben sich zusammen auf eine Bildungsreise nach Florenz und stellen in der Pension verärgert fest, dass sie entgegen der Planung kein Zimmer mit Aussicht erhalten. Kurz darauf stellt sich heraus, dass sich in der Pension eine handvoll Briten befinden. Unter ihnen ist auch  Vater-Sohn Duo Emerson, welches den Damen ihre Zimmer zu tauschen anbietet – ein gesellschaftlicher Fauxpas! Bald stolpern sie den  Emersons  erneut über den Weg und nach und nach stellt sich heraus, dass sich der Sohn George in Lucy verliebt hat, was sie in einen Konflikt mit ihren eigentlichen Hochzeistsplänen bringt.

Die Ironie und der Zynismus sind in diesem Buch für den modernen Beobachter sehr gut gekennzeichnet, doch wer genauso arrogant ist, wie manche dieser etepete Figuren im Buch, wird vermutlich den Spott nicht erkennen, da er sich erst langsam entwickelt und eher damit deutlich wird, dass der Protagonistin Lucy nach und nach die Augen geöffnet werden, wie oberflächlich und wie sie zurechtrückend wollend ihr Umfeld in großen Teilen ist und dass ihr Verehrer George kein schrecklicher und zu bemiteidenender Sozialist ist, sondern ein emanzipiert denkender junger Mann. Gesellschaftlicher und persönlicher, freier Willen stehen einander gegenüber.

Auch wenn mir die Geschichte gut gefiel, befremdete mich öfter der Schreibstil – was aber auch gut an der Übersetzung liegen kann. Manchmal folgten auf seitenlange Beschreibungen plötzlich Dialoge, wo, da nicht deutlich gekennzeichnet, manchmal man gar nicht wusste, wer denn gerade spricht. Zudem gab es Sprünge in Zeit und Raum, die aber ebenfalls durch plötzliche wörtliche Rede für Verwirrung sorgten, was für mich den Lesefluss leider negativ beeinflusste. Dies merkt man allerdings eher im ersten Teil des Romans, der eine ganz andere, viel leichtere Stimmung besitzt, als die folgenden Kapitel. Zum einen ist dieser Roman für einen Klassiker gut und leicht zu lesen, anderseits verwendet Forster öfter Anspielungen oder Witze, die man nicht immer ganz verstehen kann, da man das Zeitgeschehen nicht persönlich erlebt hat oder diese nicht übersetzbar sind – allerdings muss ich an dieser Stelle diese Ausgabe loben, da der Übersetzer einige Hinweise als Fußnoten hinterlässt (entsprechend muss man auch nicht verrückt blättern und ist informiert).

Ich muss zugeben, wirklich überrascht und beeindruckt davon zu sein, wie modern dieser Roman ist und wie er einen dazu auffordert, sich selbst von einer geistigen Abhängigkeit zu befreien – vor allem am Beispiel einer jungen Frau, die nur herumgeschubst wird und möglichst mit einer guten Partie verheiratet werden soll. Entsprechend kann ich sagen, dass mich dieses Buch davon überzeugt hat, dass ich mehr von E.M. Forster lesen möchte und muss.

Zu dieser Ausgabe: Was kann ich sagen? Einfach wunderschön und handlich. Besonders das Cover mit dem leichten Metallic-Effekt, das mehr einem goldenem schimmern im Licht gleicht, mit der sommerlichen, italienischen Landschaft passt perfekt zum Inhalt. Ich glaube, dass ich mich ernsthaft in die Fischer Taschenbibliothek verliebt habe.

THE VERDICT: Ein geistreicher Klassiker mit modernem Ton, der viel mehr als eine Gesellschaftskomödie oder eine Liebesgeschichte ist, sondern zu Autonomie des Geistes aufruft und dabei herrlich über die feine britische Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts spottet.  Sehr gute 7.5 von 10 Sternen

Love, Katha

Eine kurze Rückmeldung!

Moinsen!

Vor ein paar Wochen habe ich in die Seitenspalte meines Blogs eine kleine Umfrage gestartet. Leider habe ich bisher nicht besonders viel Rückmeldung bekommen, weshalb ich deshalb hier nochmal dazu aufrufen möchte, direkt auf meine Webseite zu gehen und teilzunehmen wer Lust und einen kleinen Augenblick Zeit hat.

Außerdem befindet sich unter diesem Post ein Link zur Umfrage!

Ich würde gerne meinen Content besser und leserfreundlicher gestalten, da mein Blog aktuell statistisch ein bisschen feststeckt und ich leider nicht viel Interaktion in den letzten Wochen erhalte sondern eher das stumme Liken – was mich zugegebenermaßen auch etwas traurig macht, da ich mir Mühe gebe, mehr zu Bloggen und ich gerne eine Rückmeldung erhalten würde, ob meine Posts interessant, lesenswert oder totaler Schrott sind.

Allgemein gesagt, freue ich mich aber IMMER über Rückmeldungen oder Ideen, worüber ich schreiben könnte.

Vielen Dank!

Katha

Welche Posts interessieren dich auf meinem Blog am meisten?

(polls)