Dem Impressionismus auf der Spur

Herausgeber: Felix Krämer
DT: Monet und die Geburt des Impressionismus
Genre: Kunsthistorisches Bild- und Textband
Sprache: Deutsch
Ersterscheinung: 2015
Verlag: Prestel
Preis: 49.95 Euro
ISBN: 978-3791354149
Länge: 296 Seiten

Es ist schon einige Jahre her, dass ich mich in den Impressionismus verliebt habe und wie viele andere wahrscheinlich auch, durch ein Werk von Claude Monet  in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Monet gilt praktisch als das Aushängeschild für diese Kunstrichtung, die durch ihren besonderen Duktus und einer oft friedvollen Farbpalette bekannt geworden ist. Monets Heuschober, seine Seerosen, das Spiel mit dem Licht zu verschiedenen Tageszeiten. Nach und nach ging ich in Ausstellungen, sah im Musee d’Orsay weltberühmte Werke, folgte Monet auf seinen Spuren in seinem Garten im französischen Giverny und nach und nach hatte ich zu Haus eine kleine aber beachtliche Sammlung an Büchern.

Die Geburt des Impressionismus zeigt einen revolutionären Aufbruch in die Moderne, wo das Objekt nicht mehr wichtig ist, sondern Licht, Gefühl, Farbe – ja, wortwörtlich die Impression eines Augenblicks.
Dieser wunderbar gemachte Band zeigt aber weit mehr als nur Monet. Mit ein paar knackigen Kurzbiorafien und vielen unterschiedlichen Werken in Themen, Farbe und Zeit wird eine Vielfalt von vor allem französischen Malern präsentiert.
Bazille, Cassatt, Cézanne, Corot, Coubert, Degas, Manet, Millet, Morisot, Pissaro, Renoir und Sisley – um nur einige beispielhaft zu nennen.

Das Buch ist in mehre Kapitel gegliedert: Von dem historischen Ausgangspunkt der Industrialisierung, zu der Wirkung auf den Betrachter, über die Kunst im Privatenraum und ganz wunderbar zum Schluss, was mich wirklich zum Lachen gebracht hat: Karikaturen zum Impressionismus, denn keinesfalls war die Kunstrichtung am Anfang von der langen Tradition der Akademischen Kunst gebilligt. Dabei werden Beispielhaft zentrale Werke analysiert wie Degas‘ „Die Orchestermusiker“ und zusätzlich thematisch oder technisch ähnliche Werke gezeigt: Eine wunderbare Stärke dieses Bandes ist zweifelsohne, dass die Verknüpfungen wunderbar gelungen sind – auch im Bezug zu anderen Künstlern. Zwar geht es im Titel um Monet, aber das ist, sowie im Impressionismus selbst, nur eine der vielen Facetten.

Es ist nicht nur eine Darstellung vom Beginn einer Epoche, sondern in kleinsten Details werden die Geschichten und Zusammenhänge von den Malern und ihren Werken erläutert, analysiert und auf den Punkt gebracht. Meistens sehr spannend, manchmal aber zugegebenermaßen stellenweise auch etwas trocken.

Entsprechend kann ich mir gut vorstellen, dass für Menschen, die einfach in Kunst hineinschnuppern möchten, dieser Band sehr überladen und detailliert vorkommen wird und so man nur die schönen Bilder betrachten kann, ohne Kenntnis zu haben. Anfangs fand ich es auch schwer, obwohl ich mich jahrelang mit Impressionismus auseinandergesetzt habe, mich in diesen Band hineinzuarbeiten, weil es doch recht analytisch ist, aber nach einigen Seiten ist man drin und letztlich bestaunt jede wohl am liebsten die wunderbaren Werke.
Ich glaube, wenn man erstmal anfangen möchte, eignen sich die Hefte von Geo Epoche Edition hervorragend und wen darüber hinaus nach mehr dürstet – wie mich! – und einen ganzen Museumsrundgang für sich festhalten möchte, für den lohnt sich diese Investition auf jeden Fall. Leider haben solche Bildbände oft einen stolzen Preis.

Jedoch muss ich auf jedenfalls zugeben, dass dieser Band wunderschön gemacht ist und sich auch enorm hochwertig anfühlt. Besonders gut gefällt mir die Auswahl des Cover Motivs, dass in den frischen Pastelltönen das Hôtel des Roches Noires in Trouville zeigt und aus 1870 stammt. Darauf liegen in weißen Lettern die Titelwörter in einer lackartigen Textur und einem modernen, dennoch auch klassischen Schriftzug. Die vielen Drucke, die einfach zum Staunen und Betrachten einladen, sind satt in der Farbgebung.

Zu guter letzt möchte ich dem Prestel Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares bedanken. Ich bin absolut begeistert!

THE VERDICT: Eine Bereicherung für jeden, der diese Epoche liebt und schätzt, aber auch ein toller Start für diejenige, die viel von Monet kennen, aber darüber hinausgehen wollen und den Anfang der Moderne kennenlernen möchten. Ein Bild- und Textband der sowohl außen las auch innen sehr hochwertig gemacht ist. 9,5 von 10 Sternen

Love, Katha

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5 Kommentare zu „Dem Impressionismus auf der Spur

  1. Ich mag den Impressionismus. Renoir und Degas hatten es mir mit ihren sinnlichen Frauendarstellungen von Anfang an angetan. Zu Monet hatte jedoch nie einen Zugang. Seine Bilder erschienen mir immer irgendwie … nichtssagend. Ja, harte Worte. Geändert hat sich das erst letztes Jahr, als ich mir mehrere seiner Werke im Original ansehen konnte, und zwar in Paris im Musee Marmottan. Im Untergeschoss präsentieren sich mehrere seiner großformatigen Meisterwerke – und bei deren Anblick hat es bei mir Klick gemacht. Monets Leistung kann meiner Meinung nach nicht auf einem Kalenderblatt oder in einem Bildband eingefangen werden. Erst in ihrer ganzen, großen Dimension erschließt sich sein Spiel mit Licht und Farben, dass durch jene Verkleinungen schlicht verloren geht.
    Nach deiner Aufzählung zu Folge warst du dort ja noch nicht – das Museum kann ich dir nur empfehlen. D’Orsay steht außerdem auf meiner Liste für den nächsten Parisbesuch 😉

    1. Hallo! Entschuldige, dass ich erst jetzt antworte, denn ich war vereist (mehr dazu gibt’s bald!). Ich kann ich gut nachvollziehen, was du sagst, besonders im Zuge mit Monet. Erstmal erschien mir fast alles von im gleich, bis ich seine Seerosen und Heuschober gesehen habe. Ich glaube, einiges im Impressionismus ist nicht so leicht zugänglich, weil es mehr nach wahllosen Punkten aussieht, bis man die Genialität an diesem Dutkus erkennt. Auf jedenfall ist es das Licht und die Farben, wie du sagst, die noch unglaublicher sind, wenn man es wirklich in echt siehst, ich finde, dieser Band wird dem ganzen schon gut gerecht, weil er ziemlich groß ist und die Farbqualität ziemlich gut ist.

      Und du hast recht, leider habe ich dieses Museum nicht geschafft, aber Paris ist auch einfach so reich an Museen, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll!

      Liebe Grüße
      Katha

  2. Ich muss mich ganz ehrlich als ein Liebhaber der impressionistischen Malerei bezeichnen. Manch einer mag behaupten, die Bilder wären oberflächlich, weil sie eben nur einen Eindruck zeigen, aber ich finde sie schlicht und einfach nur wunderschön!
    Am liebsten mag ich Joaquin Sorolla 🙂
    Eine schöne Rezension und ein ebenso schöner Blog!
    LG. Emily

    1. Wie schön zu hören! Ich könnte wirklich stundenlang aus historischen aber auch aus technischen Gründen über den Impressionismus schwärmen.. Das wärmt mein Bloggerherz doch sehr, das du dich in dieser Begeisterung anschließen kannst. Ich hoffe, du konnest auf meinem Blog noch mehr Sachen, die dich begeistert haben, finden 🙂

      Liebe Grüße
      Katha

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