Raus aus Berlin #1: Atempause in Nordfriesland

Moin Moin!

Nach ganz viel Buchbloggerei und ein paar Berlin-Tipps, heute mal etwas anderes.
Ich schreibe gerne über das Reisen (und ich habe den Verdacht, meine Leser lesen auch gerne über das Reisen), allerdings komme ich leider viel zu selten dazu, zum einen ist es natürlich meine stressig-studentische Lebensphase, die mir  einen Strich durch die Rechnung zieht, zum anderen natürlich: Geld wächst leider nicht auf Bäumen. Aber ich muss auch zugeben, die ganze Zeit im hektischen Berlin zu pendeln ist einfach nicht schön, irgendwann wird man Teil dieser gehetzten grauen Masse, die morgens stets entnervt  in die S-Bahn steigt und sich im Zentrum schnellen Schrittes durch Autos und Abgasvolken bahnt.
Jetzt aber Schluss damit, ich brauche eine Auszeit! Einfach mal am Wochenende weg von hier. Ich habe kein Auto, noch Führerschein, es soll also die Bahn sein. Am besten am Meer, ein kleiner Ort an der Nordsee, wo ich mal meine Ruhe habe.

Husum.

Bis vor dieser Reise dachte ich, Husum sei eine Insel… peinlich, schlimmer wird, dass ich dachte, Husum liege nördlich von Bremen. Aber das ist das Gute am Reisen, es bildet und öffnet einem die Augen!
Ein paar Wochen später saß ich um kurz nach sieben einem Intercity und rollte gen Hamburg Altona, wo ich schließlich in einen kalten klapprigen und fast ausgestorbenen Zug Richtung Sylt einstieg – es war frisch, Nordsee im Winter war mutig, wurde mir langsam klar. Umso weiter ich mich von Berlin, Shopping Malls und gestressten Menschen entfernte, desto ruhiger wurde ich. Das Wackeln und Rattern dieses alten Zuges, die karge Winterlandschaft und die Schafe auf den Feldern beruhigten mich. Ich hatte zuvor nicht besonders viel über Husum recherchiert, es sei überschaubar und man könne zum Meer spazieren – das reichte mir. Ich hatte keine Ahnung, was für eine kleine, ruhige Perle mich erwarten sollte.

Als ich ankam, sah ich gerade mal eine Hand voll Menschen, es war recht ausgestorben am Bahnhof und langsam bewegte ich mich gen Altstadt und dem süßen kleinen Hafen, der mehr einem schmalen Kanal glich. Das Herz der Stadt bestand fast nur aus alten, ein-, maximal zweistöckigen Häusern: Backstein und schmucke Fassaden so weit das Auge reicht. Kleine Gassen als die Adern der Stadt, die Häuschen waren gesäumt von Rosenstauden, die im Sommer wahrscheinlich prächtig blühen, und fast nirgends parkten Autos, es war, als wandle man in Zeiten Theodor Storms. Und das ist ganz wichtig, den der große Dichter hat diesem Örtchen die Bezeichnung „Die graue Stadt am Meer“ gegeben und Zeit seines Lebens über das Husumer Watt gedichtet. Doch den Tag, den ich erwischte, konnte man keinesfalls als grau bezeichnen. Der Himmel war strahlend blau und frisch mit ein paar Wolkentupfern und das Licht wirkte so nordisch, es hatte etwas einzigartiges, wie es die kleinen Gassen umhüllte. Das schöne an Husum ist, man kann komplett ohne einen Plan durch die Stadt laufen und sich einfach nach und nach entzücken lassen.

Mir war es allerdings auch wichtig, etwas vom Meer zu sehen, deshalb folgte ich dem Kanal und musste erstmal durch ein etwas unheimliches Industriegelände, bestehend aus drei hohen Türmen und einer Weidelandschaft mit Schafen zu rechten. Danach ging es gefühlte Ewigkeiten gerade aus, so wirklich glaubte ich nicht mehr, dass da noch Meer käme, obwohl es grässlich windig war, bis ich schließlich in der Ferne ein kleines Hotel erkennen konnte und dahinter ein rotes Gebäude, welches sich später aus DLRG entpuppen sollte. Also lief ich, atmete die salzige, eiskalte Frische ein, stapfte gegen diese verdammt steife Brise und vergaß einfach alles andere. Es war herrlich, besonders als ich schließlich am Wasser ankam. Diese Luft war so frisch und pustete jeden Stress aus den tiefsten Windungen meines Körpers. Zugegebenerweise, irgenwann wurde es dann doch zu kalt und ich begann den Rückzug.

In der Altstadt wieder angekommen, zog mich das „Fischaus Loof“ mit seinem warmen Licht richtig an. Völlig durchgefroren betrat ich das sehr gut besuchte Haus und mir bot sich eine Pracht und Vielfalt an Fisch an, ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte. Am Tisch schließlich platzgenommen, bestellte ich den Fischburger mit Pulled Salmon und Kartoffel Wedges für etwas über 8 Euro. Und mein lieber Scholli, das war vielleicht köstlich!! Ich würde soweit gehen, zu sagen, dass ein Mahl im „Loof“ den Besuch dieser kleinen Stadt schon wert macht.
Schließlich ging es noch durch das Herz der Stadt, wo ich den Ramschladen „Mischmasch“ entdeckte, der jeglichen Kram aus den verschiedensten Kulturen anbietet sowie kleine Spieluhren, die vom Hochzeitsmarsch bis zu „Hey Jude“ von den Beatles alle mögliche spielen. Ein weiteres Juwel ist das „Antiquariat Streblow„, welches neben Vintage Dosen und Postkarten auch antike Puppen und vor allem eine Unmenge Büchern anbietet. Schnuckelig und putzig eingerichtet mit einer uralten Kasse und einer freundlichen Besitzerin lädt dieser Laden zu langen Aufenthalten ein,der etwas nostalgisch-romantisches hat.

Der Rest meines Besuches war Stöbern und Spazieren, entdecken und staunen, ein Gespräch im „Loof“ mit freundlichen Einheimischen und einfach die Ruhe und Freundlichkeit dieser kleinen Stadt genießen. Ich werde definitiv noch mal einen Ausflug bei wärmeren Temperaturen planen, denn Husum ist eine schöne Stadt, die man keinesfalls mit einem spöttischen Lachen über die Größe abtun sollte.
Ich war nur kurz für einen Tag da, aber so dass ich hier nur ein paar flüchtige Eindrücke loswerden kann, aber ich hoffe, zeigen zu können, wie malerisch verträumt Husum auf mich wirkte.

Wart ihr schon mal in Husum? oder könnt ihr den Besuch einer anderen Nordfriesischen Stadt empfehlen?

Alles Liebe,
Katha

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12 Kommentare zu „Raus aus Berlin #1: Atempause in Nordfriesland

  1. Husum ist einfach wunderbar! ♡ Ich bin ca. 40 Kilometer entfernt aufgewachsen und war früher vielleicht einmal im Jahr da – aber das war immer schön! Mir fällt noch Friedrichstadt als Ausflugsziel ein, da gibt es viele Kanäle. Oder die Halbinsel Nordstrand. Oder St. Peter Ording, wenn du richtig tollen Strand möchtest. Oder du fährst mal nach Föhr oder Amrum. Das sind dann wirklich Inseln… 😀

    1. Schön dich hier zu lesen! Ich glaube, die Bahn ist sogar an Friedrichstadt vorbeigefahren und das fand ich so lustig, weil es bei uns die Friedrichstr gibt 😀 St Peter Ording steht bei wärmeren Tempraturen schon auf meiner Liste! Ich war immer als Kind ganz viel an der Ostsee, aber die Nordsee muss ich noch kennenlernen, deshalb danke für die Tipps!

      1. Ja, die Bahn fährt durch Friedrichstadt. Ich kenne die Strecke ganz gut, weil ich da vor Jahren mal eine Zeitlang Richtung Süden gependelt bin. 😉 Da gibt es schon ganz schöne Ecken. Wobei es an der Ostsee auch schön ist. Wart Ihr früher in MeckPomm oder auch weiter oben? Schleswig-Holstein hat nämlich auch an der Ostküste schöne Strände. 🙂

        1. Ich war viel in Mecklenburg Vorpommern! Besonders Rostock, Warnemünde, Rügen, Stralsund und noch ein paar andere kleine Badeorte. Allerdings mag ich die Nordsee von ihrem Flair her mehr 🙂 Allgemein spüre ich einfach den Wunsch, Deutschland zu entdecken!

          1. Ich war früher auch eher der Nordsee-Typ. Dann hab ich in Kile studiert und auch die Ostsee lieben gelernt. ♥ Aber stimmt schon, dass das Flair an der Nordsee anders ist. Allein die Deiche und die Schafe! Wir fahren im Juni wahrscheinlich auch mal wieder hin, dann aber nach Ostfriesland. 🙂
            Deutschland zu entdecken macht wirklich viel Spaß, da gibt es tolle Ecken. Wir waren letztes Jahr am Bodensee, dort ist es auch fantastisch – fast schon mediterran. 🙂

  2. Deine Instagrambilder haben mir schon Lust auf Husum gemacht, der Text jetzt noch viel mehr! Ich habe gerade mal eine Karte angeschaut, um die Lage von Husum zu finden und mich zu vergewissern: Einmal war ich bisher immerhin in Nordfriesland – auf Amrum. Ebenfalls sehr zu empfehlen, vielleicht aber für mehr als nur einen Tag!
    Liebe Grüße, Flo

    1. Freut mich richtig zu hören, dass ich dich begeistern konnte, es ist wirklich so herrlich da. Im Sommer ist der Ort wahrscheinlich voller Badegäste, deshalb glaube ich, dass für eine Auszeit der Frühling perfekt wäre.
      Von Amrum habe ich auch viel Gutes gehört, wir hatten in der Schule eine Gruppe Lehrer, die jeden Sommer nach Amrum fuhen. Danke für die Inspiration! Ach, das Meer ist einfach was tolles.

      Grüße zurück,
      Katha

  3. Ach ja, der Norden! Meine Herzensheimat! Ich hab in Schleswig geheiratet und fand einige Ecken dieser Stadt auch schön! Weiter oben über Flensburg so um Glücksburg herum ist auch ne kleine schöne Ecke und als ich ne zeitlang in Itzehoe gewohnt habe, fand ich Glückstadt ganz toll! Super, jetzt hab ich nordsehnsucht! Im Sommer will ich übrigens drei Wochen durch Deutschland tingeln 😉

    1. Dein Kommentar ist mir hier leider untergegangen! Das tut mir leid! Ich bin sehr froh zu hören, dass du auch ein Norden-Fan bist! Ich werde ihn zukünftig mehr erkunden! 🙂

  4. Wenn man deinen Post so liest, bekommt man glatt Lust, selbst mal einen Tagesausflug dorthin zu machen :). Oder überhaupt mal irgendwie anders aus dem Alltag rauszukommen.
    Ich hab das Gefühl, dass ich selbst jetzt, wo die Ferien anfangen und ich theoretisch mehr Zeit haben sollte, mal eine solche Auszeit gebrauchen könnte, weil ich irgendwie nur noch von einem Termin und einem To-Do-Listen-Punkt zum nächsten hetze.

    Vielen Dank für diese traumhaften Impressionen :).

    Liebe Grüße,
    Carlos

    1. Freut mich sehr zu hören, dass mein Husum Artikel auch bei dir Anklang findet. Ich bin wirklich überrascht, wie positiv der ankommt, ich war mir nicht sicher, ob jemand etwas über eine kleine Stadt in Nordfriesland lesen will ^^ Mach das auf jeden Fall, mir geht’s in der Hinsicht echt wie dir, vielleicht auch nur ein Spaziergang im Grunewald o.Ä. Ich habe den Eindruck, die Natur hat etwas „heilendes“.

      Liebe Grüße zurück
      Katha

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